{"id":667921,"date":"2018-06-05T07:15:40","date_gmt":"2018-06-05T05:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=667921"},"modified":"2018-06-05T01:24:14","modified_gmt":"2018-06-04T23:24:14","slug":"business-behaviour-russlandgeschaeft-fehler-sind-feedback-mit-hoher-informationsdichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/06\/05\/business-behaviour-russlandgeschaeft-fehler-sind-feedback-mit-hoher-informationsdichte\/","title":{"rendered":"Business Behaviour beim Russlandgesch\u00e4ft: Fehler sind Feedback mit hoher Informationsdichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie deutsch-russische Zusammenarbeit gelingen kann<\/strong><\/p>\n<p>Sie m\u00f6chten Kunden aus Russland gewinnen oder arbeiten in einem deutsch-russischen Joint Venture? Worauf m\u00fcssen Sie sich bei der Zusammenarbeit mit russischen Kollegen oder Partnern einstellen? Gastbeitrag\u00a0 von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/aksana-kavalchuk-b98b223b\/\">Aksana Kavalchuk<\/a>, interkulturelle Trainerin und Russlandexpertin bei den gemeinn\u00fctzigen Carl Duisberg Centren. Anhand von f\u00fcnf aktuellen russischen Sprichworten zeigt sie,\u00a0wie die Arbeitswelt im gr\u00f6\u00dften Land der Erde tickt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_667922\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-667922\" class=\"size-full wp-image-667922\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/05\/Duisberg.Aksana_Kavalchuk.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/05\/Duisberg.Aksana_Kavalchuk.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/05\/Duisberg.Aksana_Kavalchuk-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><p id=\"caption-attachment-667922\" class=\"wp-caption-text\">Aksana Kavalchuk (Foto: Carl Duisberg Centren)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Habe keine 100 Rubel, habe 100 Freunde<\/strong><\/p>\n<p>Netzwerke und Beziehungen spielen eine gro\u00dfe Rolle in der russischen Kultur. Was aber Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte herausfordert, ist die praktische Anwendung: Wie schafft man sich ein Netzwerk? Wie findet man diese &#8211; sprichw\u00f6rtlichen &#8211; 100 Freunde? Wegen der typischen Tugenden wie ihre Fokussierung auf Sachthemen, Bescheidenheit und Zur\u00fcckhaltung sehen Russen Deutsche meist als Experten mit viel Erfahrung und Fachkompetenz an.<\/p>\n<p>Man sollte sich daher ruhig auch als Experte zeigen und sein Wissen teilen &#8211; aber nicht wie ein Oberlehrer. Beziehungsaufbau hat in Russland auch mit Selbstdarstellung zu tun. Man darf sich als interessanter und kompetenter Netzwerkpartner pr\u00e4sentieren, mit dem es sich lohnt, in Verbindung zu stehen: Um (Fach-)Wissen weiterzugeben oder n\u00fctzliche gesch\u00e4ftliche oder private Kontakte aus dem eigenen Netzwerk zu vermitteln.<\/p>\n<p>Russen sch\u00e4tzen Bildung und Belesenheit, Sinn f\u00fcr Humor und Hilfsbereitschaft. Zeigen Sie Wertsch\u00e4tzung und Interesse, besonders f\u00fcr die russische Geschichte und kulturelle Leistungen. Erz\u00e4hlen Sie aber auch mehr von Ihren Hobbys oder von der Familie oder den Freunden. Man braucht nicht tiefstapeln oder zu bescheiden sein. Es ist absolut erlaubt, von eigenen Erfolgen zu berichten.<\/p>\n<p>Beziehungsaufbau funktioniert \u00fcbrigens nicht nur \u00fcber Gesch\u00e4ftsessen oder mit Gastgeschenken. Viel mehr l\u00e4sst sich bewirken durch gemeinsame Erlebnisse am Rande von Besuchen \u2013 sei es auf einer Schifffahrt oder beim Fu\u00dfball-Schauen. Ganz wichtig: Viel zeit mitbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir starten den Kampf, dann sehen wir, wie es weiter geht<\/strong><\/p>\n<p>Erst mal loslegen, ist die Devise. Ausgefeiltes Risikomanagement im Vorfeld und der Versuch, Unvorhersehbares zu kontrollieren, gelten in Russland als sinnlos. Wer nichts riskiert, so sagen die Russen, der wird keinen Champagner trinken. Beim Planen denken sie global und allgemein.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kurskorrekturen ist immer noch Zeit in der Phase der Durchf\u00fchrung. Intuitives Herangehen und Improvisieren sind gefragt. Entweder Sie lassen sich grunds\u00e4tzlich darauf ein \u2014 und betrachten diese Vorgehensweise als willkommene Erg\u00e4nzung zur strukturierten, systematisch vorausplanenden deutschen Methode.<\/p>\n<p>Oder Sie \u00fcbernehmen selbst federf\u00fchrend alles, was Ihnen wichtig ist: Etwa die systematische Planung mit allen Zwischenschritten sowie das Risikomanagement. Aber erwarten Sie vorsichtshalber nichts von ihren russischen Partnern, denn sie k\u00f6nnten entt\u00e4uscht werden. Sehen Sie Ihr typisch deutsches Vorgehen als Ihre Bringschuld an, aber pochen Sie darauf nicht auf russischer Seite. Vermutlich ernsten Sie ein Schmunzeln und den Kommentar, dass\u00a0Deutsche ohne Planung eben nicht auskommen.<\/p>\n<p>Jedoch: Seien Sie sich aber dar\u00fcber im Klaren, dass Sie Ihre Planung regelm\u00e4\u00dfig anpassen m\u00fcssen und diese nicht verbindlich ist f\u00fcr Russen. Feste Gr\u00f6\u00dfen wie Budgets, wichtige Fristen oder leistungsbezogene Aspekte sind jedoch auch f\u00fcr Russen bindend und der gemeinsame Rahmen, in dem sich alle bewegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der erste Pfannkuchen ist immer verbrannt<\/strong><\/p>\n<p>Russen haben eine gewisse Unbek\u00fcmmertheit in ihrer Vorgehensweise und die ist oft gepaart mit der starken \u00dcberzeugung, die F\u00e4higkeiten und Ressourcen zu besitzen, um jede Krise zu meistern und jedes Problem zu l\u00f6sen. Trial and Error \u2013 also Versuch und Irrtum \u2013 nach diesem Prinzip handelt der Russe und nimmt ein Scheitern beim ersten Versuch in Kauf.<\/p>\n<p>Meine Empfehlung: Rechnen Sie bei der Zusammenarbeit mit Fehlern, nehmen sie die gelassen hin und betrachten Sie sie als Feedback mit hoher Informationsdichte. Man wird von Ihnen weder die Suche nach dem Schuldigen noch eine detaillierte Fehleranalyse verlangen \u2013 und daf\u00fcr auch wenig Kooperationsbereitschaft zeigen, denn Russen erwarten Fehler.<\/p>\n<p>Beachten Sie jedoch: Wichtig ist, die Fehler schnell zu beseitigen und umgehend gemeinsam und pragmatisch eine Kurskorrektur vorzunehmen. Kommunizieren Sie Fehler l\u00f6sungsorientiert und machen Sie sie dabei nicht kleiner, als sie sind. Russen wissen um die deutsche Direktheit und w\u00fcrden sie sonst nicht ernst nehmen.<\/p>\n<p>Wichtig ist: Denken Sie unbedingt an die richtige Verpackung. Heben Sie zun\u00e4chst die guten Erfolge oder Kompetenzen Ihres Gegen\u00fcbers in der Vergangenheit hervor und vermitteln Sie Wertsch\u00e4tzung. So kann der andere \u00fcber die Beziehungsebene auch den Hinweis darauf verkraften, dass diesmal etwas schief gelaufen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schlechter Frieden ist besser als guter Streit<\/strong><\/p>\n<p>In Russland herrscht eine andere Streitkultur als in Deutschland: Zustimmung und Gehorsam gelten als Merkmale der Loyalit\u00e4t, es \u00fcberwiegen gruppenkonforme Meinungs\u00e4u\u00dferungen. Vermeiden Sie offene Konfrontation. Bekommen Russen kritisches Feedback, f\u00e4llt es vielen schwer, sachliche und pers\u00f6nliche Ebenen zu trennen. Sowohl Mitarbeiter und Kollegen, aber besonders Vorgesetzte reagieren sehr empfindlich auf kritische Bemerkungen, sind schnell beleidigt, gekr\u00e4nkt und demotiviert.<\/p>\n<p>Loben Sie daher, vor allem \u00f6ffentlichkeitswirksam. Dabei kann das Lob nach deutschen Ma\u00dfst\u00e4ben durchaus \u00fcbertrieben sein. Sachliche Kritik ist m\u00f6glich, denken Sie aber immer an den richtigen Rahmen und die ad\u00e4quate Einbettung in einen positiven Gespr\u00e4chskontext. \u00c4u\u00dfern Sie negative Kritik unter vier Augen und st\u00e4rken Sie dabei zuerst die pers\u00f6nliche Ebene, bevor Sie zur kritischen Botschaft kommen. Heben Sie daf\u00fcr zum Beispiel die Bedeutung im Team hervor oder loben Sie pers\u00f6nliche Erfolge des Gespr\u00e4chspartners.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In ein anderes Kloster gehe nicht mit den eigenen Statuten<\/strong><\/p>\n<p>Wie viel Anpassung und Entgegenkommen n\u00f6tig sind, um erfolgreiche Gesch\u00e4ftsbeziehungen in Russland aufzubauen? Eine komplette \u00dcbernahme russischer Vorgehensweisen verlangt keiner von Ihnen und ist auch nicht m\u00f6glich. Die Deutschen werden vor Ort letztlich besonders wegen ihrer typisch deutschen Tugenden wie Ordnung und Zuverl\u00e4ssigkeit gesch\u00e4tzt. Und das entsprechende Verhalten erwarten Russen auch. Aber Sie sollten deren Regeln, Werte und Verhaltensweisen kennen, akzeptieren und flexibel einordnen k\u00f6nnen. So vermeiden Sie Stress und Entt\u00e4uschung und widersprechen dem in Russland verbreiten Bild der unflexiblen Deutschen.<\/p>\n<p>Am besten nehmen Sie Ihr Deutsch-Sein nicht zu ernst und erwarten Sie von Ihren russischen Partnern nicht, nach Ihren Regeln zu arbeiten. Erkl\u00e4ren Sie gegebenenfalls die eigene kulturell bedingte Arbeitsweise mit einem Augenzwinkern und zeigen Sie Aufgeschlossenheit f\u00fcr die andere. Nur so k\u00f6nnen Sie ein Entgegenkommen erwarten. Schlie\u00dflich f\u00fchren auch in Deutschland viele Wege ans Ziel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p><strong>Zur Autorin<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/aksana-kavalchuk-b98b223b\/\">Aksana Kavalchuk<\/a> hat russisch-ukrainische Wurzeln und kam 1993 mit einem DAAD-Forschungsstipendium nach Deutschland. Nach der Promotion an der Ludwig-Maximilian-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen am Lehrstuhl f\u00fcr P\u00e4dagogische Psychologie arbeitet sie als Trainerin und Beraterin mit den Schwerpunkten interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Seit 25 Jahren begleitet sie namhafte deutsche und internationale Unternehmen bei ihren Russland-Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wie deutsch-russische Zusammenarbeit gelingen kann Sie m\u00f6chten Kunden aus Russland gewinnen oder arbeiten in einem deutsch-russischen Joint Venture? 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