{"id":666539,"date":"2018-03-26T10:00:13","date_gmt":"2018-03-26T08:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=666539"},"modified":"2018-03-26T01:58:53","modified_gmt":"2018-03-25T23:58:53","slug":"buchauszug-jens-weidner-optimismus-warum-manche-weiter-kommen-als-andere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/03\/26\/buchauszug-jens-weidner-optimismus-warum-manche-weiter-kommen-als-andere\/","title":{"rendered":"Buchauszug Jens Weidner: &#8222;Optimismus &#8211; Warum manche weiter kommen als andere&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Jens Weidner, dem Autor der \u201ePeperoni-Strategie\u201c: &#8222;Optimismus &#8211; Warum manche weiter kommen als andere&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_666557\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666557\" class=\"size-full wp-image-666557\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/11\/WeidnerJens.Autor_.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/11\/WeidnerJens.Autor_.jpg 250w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/11\/WeidnerJens.Autor_-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><p id=\"caption-attachment-666557\" class=\"wp-caption-text\">Jens Weidner (Foto: Campus Verlag,\u00a0Michael Kottmeier)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum Sie Pessimisten sch\u00e4tzen sollten \u2013 ohne selbst einer zu werden<\/strong><\/p>\n<p>Pessimisten helfen mit ihrem kritischen Blick, denn sie legen Schwachstellen offen. Dennoch bleiben Optimisten erfolgreicher \u2013 vor\u00a0allem wenn sie in ihrem Umfeld auch auf die Pessimisten h\u00f6ren. Sie\u00a0brauchen deren finstere Sicht, um die Perspektive der rosaroten Brille\u00a0zu korrigieren. Pessimisten sind also von hohem funktionalen Wert f\u00fcr jedes Unternehmen, denn sie richten ihren Fokus auf Gefahrenquellen,\u00a0auf m\u00f6gliche Compliance-Konflikte, auf Kleingedrucktes in\u00a0Vertr\u00e4gen, in denen sich Fallstricke verstecken k\u00f6nnten. Sie sind misstrauisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00fcrrische Geister sind gut<\/strong><\/p>\n<p>Sie haben die schlechteste aller Welten st\u00e4ndig vor Augen. Das ist gut. Deswegen wimmelt es bei der Polizei und in der Justiz nur so von diesen m\u00fcrrischen Geistern. \u00bb\u00dcberall Kriminelle, hier kannst\u00a0du niemandem mehr trauen. Hier gibt\u2019s zu viele Betr\u00fcger!\u00ab, fluchte\u00a0ein Gef\u00e4ngnisabteilungsleiter in der nieders\u00e4chsischen Jugendanstalt\u00a0Hameln w\u00e4hrend unserer gemeinsamen Teamkonferenz einst erbost.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Optimisten geh\u00f6ren nicht in Jobs, in denen man misstrauisch sein muss<\/strong><\/p>\n<p>Nicht ganz \u00fcberraschend bei seinem Arbeitsplatz, dennoch realistisch. Das hei\u00dft im Umkehrschluss: Unternehmen sollten darauf verzichten,\u00a0Optimisten auf Controlling-Positionen zu setzen. Oder in\u00a0die Buchhaltung. Schon gar nicht in die Rechtsabteilung. Sie sollten\u00a0ihnen keine Jobs geben, in denen man misstrauisch sein muss. In der deutschen Finanzverwaltung scheint das zu gelingen. Oder hatten Sie schon einmal Spa\u00df mit Ihrem Finanzbeamten? \u00bbDie Belege brauchen\u00a0Sie nicht vorzulegen, die grobe Richtung stimmt ja \u2026\u00ab \u2013 so etwas\u00a0werden Sie aus seinem Mund wohl nie zu h\u00f6ren bekommen. Aber warum\u00a0ist das so? Weil Finanzbeamte einem einfachen pessimistischen\u00a0Leitsatz folgen: Jeder B\u00fcrger ist ein potenzieller Steuerhinterzieher. Ein klares Statement, nicht immer gerecht, aber sehr erfolgreich. Und Dank der Steuer-CDs aus dem Ausland immer erfolgreicher. Pessimisten\u00a0haben in dieser Branche Hochkonjunktur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pessimistisch ticken<\/strong><\/p>\n<p>Phasenweise habe ich selbst so pessimistisch getickt \u2013 berufsbedingt, in meiner Zeit in der Justiz. Drogen waren in meiner Abteilung im Gef\u00e4ngnis aufgetaucht. Zwar sehr sporadisch und nur kleine Mengen, aber doch immer wieder. Keiner wusste, wie das passieren\u00a0konnte. Wir gr\u00fcbelten und pr\u00fcften alle nur erdenklichen M\u00f6glichkeiten. Am Ende blieb\u00a0nur eine sehr nette alte Dame als Verd\u00e4chtige \u00fcbrig. Sie war Ende siebzig, sehr gepflegt,\u00a0und sie besuchte ihren gestrauchelten Enkel immer in dem Zeitfenster, in dem die Drogen\u00a0auftauchten. Sie entsprach so gar nicht dem Profil eines Drogenkuriers, dennoch ordnete\u00a0ich ihre Durchsuchung beim folgenden Besuch an \u2013 und sch\u00e4mte mich ein bisschen daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Doch wider Erwarten wurde die Vollzugsbeamtin f\u00fcndig: Der B\u00fcstenhalter der alten Dame war mit Drogen ausgestopft. Ihr Enkel hatte mit Selbstmord gedroht: Ganz ohne Drogen w\u00fcrde er es keinen Tag l\u00e4nger im Knast aushalten. Da wurde seine Oma\u00a0schwach und schmuggelte Drogen ins Gef\u00e4ngnis. \u00bbIrgendwie lieb von ihr\u00ab, sagte meine\u00a0wohlwollende innere Stimme. \u00bbAber ziemlich cool, dass wir sie erwischt haben!\u00ab, rief meine misstrauische professionelle Seite. Es war ihr letzter Besuch bei uns. Ein Besuchsverbot und eine Anzeige folgten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pessimisten als Stars der Gefahrenabwehr und bei Kontrollthemen<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem pessimistischen Menschenbild kann man sich auch beim nettesten Kollegen das \u00dcbelste vorstellen. Pessimisten bleiben die\u00a0Stars bei Kontrollthemen und in der Gefahrenabwehr. Gott sei Dank!\u00a0Oder w\u00fcnschen Sie sich etwa einen Verfassungsschutz-Chef, der sich\u00a0voller Optimismus mit extremistischen Salafisten abstimmen m\u00f6chte?\u00a0Oder einen Innenminister, der mit Mitgliedern der organisierten Kriminalit\u00e4t\u00a0diskutiert, anstatt sie einzusperren? Konstruktiver Pessimismus ist unter optimistischer F\u00fchrung ein klarer Wettbewerbsvorteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leidenschaft zum Meckern<\/strong><\/p>\n<p>Was allerdings nervt, sind die Larmoyanten. Diejenigen mit der Bereitschaft,\u00a0auf hohem Niveau st\u00e4ndig zu jammern. Sie haben eine besondere\u00a0Leidenschaft zum Meckern, besonders in beruflich stabilen\u00a0Zeiten, denn da kann man es sich erlauben, es l\u00e4uft ja. Und sie lassen\u00a0es richtig krachen! Zu dieser destruktiven Seite des Pessimismus z\u00e4hlen Unternehmensmuffel, Ideenzerfleischer und N\u00f6rgellawinen-Lostreter, so Eric T. Hansen. Jeder Engagierte kennt sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Optimisten machen sich angreifbar<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbWo immer der Optimismus auftritt, folgt ihm der Pessimismus mit seinen bei\u00dfenden Einw\u00e4nden auf dem Fu\u00df. Immer scheinen der Pessimist und der Skeptiker Recht zu haben gegen\u00fcber der vermeintlichen Naivit\u00e4t des Optimisten. Mit seiner prinzipiell bejahenden vertrauensvollen Weltsicht macht er sich angreifbar. Ver\u00e4chter, Kritiker und Gegner k\u00f6nnen ihn deshalb leicht widerlegen. M\u00fchelos begeben sie sich in die\u00a0Rolle des abgekl\u00e4rten Beobachters, der sch\u00e4rfer sieht, realistischer analysiert, recht\u00a0beh\u00e4lt, wenn etwas schiefgeht.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kollegen-Vorschl\u00e4ge zerpfl\u00fccken &#8211; bis nur noch ein trauriges H\u00e4uflein Reststolz \u00fcbrig ist<\/strong><\/p>\n<p>Diese N\u00f6rgler nennt Hansen ironisch \u00bbmutige Streiter gegen den Machbarkeitswahn\u00ab, denn sie beherrschen ihr destruktives Handwerk,\u00a0auch in der Medienbranche.\u00a0\u00bbJemand legt eine neue Idee auf den Tisch und das auch noch vor versammelter Mannschaft.\u00a0Die Kollegen holen tief Luft und dann, langsam zuerst, dann aber immer schneller\u00a0und heftiger, pfl\u00fccken sie den Vorschlag auseinander, bis am Ende nichts davon \u00fcbrig\u00a0bleibt als ein paar Knochen und ein trauriges H\u00e4uflein Reststolz des Ideengebers.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-666558\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/11\/Cover.Weidner.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"239\" \/><\/p>\n<p><strong>Jens Weidner: &#8222;Optimismus &#8211; Warum manche weiter kommen als andere&#8220; &#8211; Campus Verlag, 218 Seiten, 19,95 Euro.\u00a0<\/strong><strong><a href=\"http:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/business\/fuehrung\/optimismus-14232.html\">http:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/business\/fuehrung\/optimismus-14232.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Karrieristen w\u00fcrden nie unvorbereitet spontan Ideen einbringen<\/strong><\/p>\n<p>Karriereorientierten Optimisten w\u00fcrde so etwas nicht passieren. Sie k\u00e4men nie auf die verr\u00fcckte Idee, unvorbereitet innovative Ideen in\u00a0ein Gremium einzubringen. Entweder sind sie die Chefs, dann z\u00e4hlt\u00a0ohnehin das, was sie sagen. In diesem Fall ist es leicht, denn die N\u00f6rgler\u00a0werden mit ihren Argumenten nicht erh\u00f6rt oder im besonders hartn\u00e4ckigen N\u00f6rgelfall auf Zwergenniveau zurechtgestutzt. Das ist nicht sensibel, funktioniert aber und spart Zeit. Oder sie sind keine\u00a0Chefs, dann haben sie die Innovation mit den Entscheidern und Statushohen\u00a0im Unternehmen bereits vorab informell abgestimmt. Sie\u00a0sind sich damit der Zustimmung \u00bbvon oben\u00ab sicher.<\/p>\n<p>Sebastian Seiler, seines Zeichens Filmemacher, ignoriert das alles. Er setzt auf die Wirkung seiner Inhalte, denn diese haben Qualit\u00e4t, und auf seine fabelhafte Art zu pr\u00e4sentieren, denn die macht ihm so schnell keiner nach. Beim letzten Meeting half ihm jedoch weder das eine noch das andere. Das Netzwerk der Ideenzerfleischer\u00a0brachte ihn zur Strecke. Es lie\u00df ihn f\u00fcr seine Naivit\u00e4t bluten \u2013 mit einer N\u00f6rgellawine.\u00a0\u00bbZum Beispiel in einem \u00f6ffentlichen Sender, wenn man den zust\u00e4ndigen Redakteuren\u00a0einen fertigen Film zum ersten Mal vorf\u00fchrt. Du hast dir tagelang den Kopf zerbrochen\u00a0[\u2026] und nachts durchgearbeitet, um dir einen witzigen Text aus den Fingern zu saugen.<\/p>\n<p>Dann zeigst du den fertigen Film der Redaktion. Wenn der zu Ende ist, herrscht erstmal allgemeines Wohlbehagen. Die finden ihn gut. Bis sich dann einer ganz hinten meldet und sagt: \u203aFind ich auch gut, aber \u2026\u2039 Und dann legt er los. Er kritisiert, dass das Braunkohlewerk nicht im Jahr 1975, sondern 1976 er\u00f6ffnet wurde. [\u2026] Ein Zweiter meldet sich und findet noch ein Haar in der Suppe. Dann sind die anderen langsam in der Pflicht, sich auch mal als Kritik-kompetent zu zeigen, vor allem die Vorgesetzten. [\u2026] Und alles, was sie sagen, muss noch besser, h\u00e4rter, ausgefeilter sein als das, was vorher kam. Am Ende hei\u00dft es dann, es w\u00e4re unverantwortlich, den Film zu senden.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn sich N\u00f6rgler selbst erh\u00f6hen &#8211; und das Absaufen anderer genie\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Nichts demotiviert Menschen mehr als solche Meetings mit pessimistischen N\u00f6rgellawinen-Lostretern und nichts befriedigt andererseits diese Spezies mehr als ihre Kritikleidenschaft. Sie erh\u00f6hen sich durch\u00a0ihr Gen\u00f6rgel, und sie genie\u00dfen das langsame Absaufen des Kritisierten.\u00a0Selbst als Optimist k\u00f6nnte man verzweifeln, wenn man diese notorischen N\u00f6rgler nicht pr\u00e4ventiv ins Abseits gestellt h\u00e4tte. Mithilfe der Hierarchie und des eigenen Netzwerks reduziert man sie im Vorfeld\u00a0so sehr in ihrem Status, dass sich keiner mehr f\u00fcr ihre n\u00f6rgelnden\u00a0Beitr\u00e4ge interessiert.<\/p>\n<p>Oder man bittet sie, parallel zum Meeting einen\u00a0viel wichtigeren Termin wahrzunehmen. Dann sind sie wenigstens weg. Oder man nennt ihnen eine falsche Uhrzeit, einen falschen Tag\u00a0oder eine falsche Adresse. Das ist zwar irgendwie unfair, geht aber am\u00a0schnellsten und f\u00f6rdert einen konstruktiven Projektabschluss. Oder\u00a0man setzt, wie Seiler, auf die Vergesslichkeit der N\u00f6rgler:\u00a0\u00bbLass sie ruhig dein Baby zerrupfen, dann sagst du, \u203aist gut, ich \u00e4ndere das\u2039. Und dann schneidest du irgendwas an dem Film um. V\u00f6llig egal, was.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten\u00a0Termin pr\u00e4sentierst du ihnen dann den irgendwie ver\u00e4nderten Film, und da sie gar\u00a0nicht mehr wissen, wor\u00fcber sie beim letzten Mal gen\u00f6rgelt haben, jetzt aber sehen,\u00a0dass du scheinbar irgendwas gemacht hast, sind sie zufrieden. Einmal habe ich einen\u00a0Film sogar v\u00f6llig unver\u00e4ndert nochmal pr\u00e4sentiert, weil ich so sauer war, wie grundlos der zerrupft wurde \u2013 und beim zweiten Mal kam er anstandslos durch, obwohl ich\u00a0nichts daran ge\u00e4ndert hatte! \u203aViel besser jetzt\u2039, sagten sie, und auch noch mit diesem\u00a0Unterton: War das denn jetzt so schwer?\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kritiker, die nur die eigene Schw\u00e4che \u00fcbert\u00fcnchen &#8211; aber keine Macher sind<\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Kollegen f\u00fcr diese Art hassen. Dabei geben sich die\u00a0pessimistischen Bremser gerne auch noch \u00fcberbesorgt. Sie sprechen\u00a0von Bescheidenheit, sie lamentieren, sie jammern und sie loben sich\u00a0f\u00fcr ihre Duldsamkeit. Sie wollen st\u00e4ndig diskutieren und reflektieren,\u00a0damit keiner bemerkt, dass sie im Grunde nur nichts eigenst\u00e4ndig\u00a0auf die Beine stellen k\u00f6nnen. Sie sind Kritiker, die ihre Schw\u00e4che \u00fcbert\u00fcnchen, aber sie sind keine Macher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie z\u00e4hlen damit zu den Hauptfeindbildern der Optimisten. Diese w\u00fcrden N\u00f6rgler und Muffel\u00a0in der Gesch\u00e4ftswelt am Liebsten ins Nirwana schicken, sodass ihre\u00a0destruktive Haltung die notwendigen Entscheidungsprozesse nicht\u00a0mehr vergiften kann. Das ist bitter n\u00f6tig, damit die destruktiven Pessimisten\u00a0nicht im falschen Moment die falschen Weichen stellen und die Konferenz auch noch mit ihrem Distress vergiften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn N\u00f6rgler \u00fcberfordert sind<\/strong><\/p>\n<p>Distress, liebe Leserinnen und Leser, signalisiert, dass man sich\u00a0am falschen Platz aufh\u00e4lt. An einem Platz, der einen unter Druck\u00a0setzt und von dem man fl\u00fcchten m\u00f6chte. Etwa bei der Finanzplanung, die einen \u00fcberfordert, bei Fragen zur Digitalisierung, die einfach zu kompliziert sind. Das gibt nat\u00fcrlich niemand zu, fast niemand. \u00bbIch\u00a0bin mehr, als ich kann\u00ab, bekannte mir gegen\u00fcber ein Manager im\u00a0Vier-Augen-Gespr\u00e4ch. Ihn \u00fcberforderte die Mittelfreigabe f\u00fcr neue Computerprogramme, denn er konnte schlichtweg nicht einsch\u00e4tzen, ob die horrenden Ausgaben wirklich notwendig waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Am falschen Ort sein &#8211; oder fremdbestimmte Ziele verfolgen<\/strong><\/p>\n<p>Zur falschen Zeit am falschen Ort funktioniert leider auch viel allt\u00e4glicher &#8222;Sie gehen im Urlaub ahnungslos durch ein zweifelhaftes Stadtviertel,\u00a0in dem Sie von den Einheimischen b\u00f6se gemustert werden. Sie\u00a0sind am falschen Ort.\u00a0\u2022 Sie sitzen auf der Familienfeier neben ihrem zickigen Schwiegervater,\u00a0der sich einen erfolgreicheren Schwiegersohn gew\u00fcnscht\u00a0h\u00e4tte. Die Spannungen sind zum Greifen. Sie sind am falschen Ort.\u00a0Egal, was Sie im Meeting pr\u00e4sentieren, Ihr Chef findet es ausbauf\u00e4hig. Sie sind am falschen Ort.<\/p>\n<p>Hier hilft keine Einstellungsver\u00e4nderung gegen den Distress, sondern am besten nur ein Ortswechsel (wie im Urlaub) oder die Delegierung\u00a0der komplexen Aufgaben an kompetenteres Personal (etwa bei\u00a0Fragen der Digitalisierung). Wir kriegen keine Delle ins Universum\u00a0gehauen, so der Kommunikationsexperten Hans-Uwe K\u00f6hler, wenn wir fremdbestimmte Ziele verfolgen oder uns an falschen Orten aufhalten.Das schreibt er Unternehmensmuffeln und Dauerkritikern ins\u00a0Stammbuch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberraschenderweise vertr\u00e4gt sich deren beruflicher Pessimismus \u00fcbrigens scheinbar problemlos mit der Zuversicht im\u00a0Privaten. Das ist doch erstaunlich. \u00bbEine Umfrage der Uni Hohenheim ergab: Nur 28 Prozent der Deutschen sehen die Zukunft ihres Landes optimistisch. Aber 63 Prozent sind guten Mutes, was ihr eigenes\u00a0 Los betrifft \u2013 als lebten sie woanders. Der Unterschied ist nur scheinbar widersinnig. Zum einen ist das menschliche Gehirn ein unerm\u00fcdlicher Probleml\u00f6ser,\u00a0es kann gar nicht anders. Wer sich eine widrige Situation vorstellt, hat sofort vor\u00a0Augen, wie er dagegen angeht: Die Jugend verlottert? Wir erziehen unsere Kinder\u00a0besser. Der Hautkrebs nimmt zu? Wir cremen uns ein.\u00ab<\/p>\n<p><strong>N\u00f6rgler: \u00d6ffentlich Pessimisten, privat Optimisten<\/strong><\/p>\n<p>Die N\u00f6rgler differenzieren also zwischen privatem Optimismus und\u00a0\u00f6ffentlichem Pessimismus. Diese Zweigleisigkeit l\u00e4sst sich gut ertragen und noch besser begr\u00fcnden, denn in der Gesch\u00e4ftswelt steigt\u00a0der Optimismus erst mit der Beeinflussbarkeit der beruflichen Entwicklung,\u00a0egal auf welcher Hierarchieebene. Je gr\u00f6\u00dfer der Einfluss ist, desto optimistischer wird man. Kein Wunder also, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte und Mitarbeiter, die mitbestimmen k\u00f6nnen die Dinge in der\u00a0Regel positiver sehen als reine Befehlsempf\u00e4nger. Im Privaten ist es\u00a0aber anders, denn da haben alle einen direkten Einfluss auf ihr Leben,\u00a0egal ob sie eine Wohnung einrichten, den Urlaub planen oder sich\u00a0einen Teich im Garten anlegen. Hier sind sie die Macher und Bestimmer und deswegen empfinden sie, dass es ihnen ganz gut geht und\u00a0anderen im Vergleich schlechter. Das gibt auch ihnen die Illusion der\u00a0\u00dcberlegenheit und unterstreicht, dass viele Pessimisten bei der Beurteilung\u00a0ihrer Kollegen kritisch sind und keine rosarote Brille tragen,\u00a0mit sich selbst aber eher milde umgehen.<\/p>\n<p>Gesamtgesellschaftlich sehen sie trotzdem schwarz. Sie bleiben eben Pessimisten, Dauern\u00f6rgler\u00a0oder in ihrer krassesten Ausrichtung Wutb\u00fcrger. Die k\u00f6nnen einen richtig auf die Palme bringen. Je gr\u00f6\u00dfer die Distanz zu diesen\u00a0destruktiven Zeitgenossen, desto besser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Konstruktive N\u00f6rgler dagegen sind herausfordernd<\/strong><\/p>\n<p>Man kann aber auch Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck haben und auf einen konstruktiven N\u00f6rgler sto\u00dfen. Mit dem macht die Zusammenarbeit fast\u00a0schon wieder Spa\u00df, denn sie ist herausfordernd. Der konstruktive\u00a0N\u00f6rgler stellt n\u00e4mlich kluge Fragen, vielleicht als Compliance-Beauftragter\u00a0oder als graue Eminenz, die vor Kostenexplosionen \u00e0 la Elbphilharmonie,\u00a0Stuttgart 21 oder Berliner Flughafen warnt.<\/p>\n<p>Empfehlung: Konstruktive N\u00f6rgler erkennt man daran, dass sie ein kleines Rollenspiel favorisieren, das viel zur Kostenkontrolle beitragen\u00a0kann: Was w\u00e4re aus dem Berliner Flughafen geworden, \u00bbh\u00e4tte man\u00a0Politiker, Architekten und Bautr\u00e4ger vor der Grundsteinlegung noch\u00a0einmal f\u00fcr zehn Minuten zusammengesperrt: Schreiben Sie auf, warum\u00a0die Kosten sich in wenigen Jahren verf\u00fcnffacht haben.\u00ab Der\u00a0Expertenfantasie w\u00e4ren keine Grenzen gesetzt. Das Ergebnis h\u00e4tte\u00a0sicherlich den Realit\u00e4tsbezug der Anwesenden gef\u00f6rdert, ohne die\u00a0Hoffnung zu zerst\u00f6ren und das Projekt gleich ad acta zu legen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Trendforscher Matthias Horx begr\u00fc\u00dft dieses Prinzip Hoffnung, und er hat dar\u00fcber eine ganze Anleitung zum Zukunftsoptimismus\u00a0geschrieben. Der Apokalypse der Pessimisten stellt er die Chancen\u00a0gegen\u00fcber. Er widerspricht der Prognose von der b\u00f6sen Globalisierung\u00a0ebenso wie dem vermeintlichen Werteverfall. Er widerspricht der These von der medialen Verbl\u00f6dung und der immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. Und dem Problem der demografischen\u00a0Entwicklung widerspricht er sowieso. Eigentlich widerspricht\u00a0er so ziemlich allem im Mainstream.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Medien verk\u00fcrzen, schneiden und verpacken die Kontexte auf pessimistische Konstrutionen<\/strong><\/p>\n<p>Sein Credo lautet: Das kann und\u00a0muss man optimistischer sehen, denn die Medien pr\u00e4sentieren uns\u00a0eine Realit\u00e4tsmatrix, die \u00bbvon Menschen produziert wird, die viel Kaffee\u00a0trinken und meistens zu viel sitzen\u00ab. Dramatische Fernseh- und Internetbilder m\u00f6gen \u00bbecht sein im Sinne ihrer Herkunft. Aber die\u00a0Kontexte, in denen sie gesendet und geschnitten, verpackt und verk\u00fcrzt\u00a0werden, sind Konstruktionen\u00ab, pessimistische Konstruktionen.<\/p>\n<p>Nehmen wir den demografischen Wandel als Beispiel. Ist er tats\u00e4chlich eine Bedrohung? Ist es ein Drama, wenn wir ges\u00fcnder leben\u00a0und dadurch auch \u00e4lter werden? Wenn wir uns besser ern\u00e4hren, nicht\u00a0rauchen, mehr Sport treiben? Ist das alles so \u00fcbel, nur weil deswegen\u00a0die Altersversorgung in Gefahr ger\u00e4t und neu durchdacht werden\u00a0muss? Horx\u2019 Faktencheck macht deutlich: So apokalyptisch sieht die\u00a0Zukunft nicht aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Matthias Horx: &#8222;Widerstehen Sie den Oberlehrern und Apokalyse-Gurus&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbVerlassen Sie das Empire of Belief. Jenes Universum aus medial gepr\u00e4gten Meinungen, Vorurteilen und konventionellem Wissen, das unseren Zukunftsdiskurs bis in die letzte Hirnver\u00e4stelung definiert. Glauben Sie nichts, was man sich so erz\u00e4hlt \u2013 \u00fcber die Welt und ihre Ver\u00e4nderungen, die angeblich alle zum Schlechten verlaufen. Widerstehen Sie den Oberlehrern und Apokalypse-Gurus, indem Sie sie einfach ignorieren. Wagen Sie einen mentalen Reset.\u00ab<\/p>\n<p>Matthias Horx\u2019 Reset-Idee ist doch einen Versuch wert. Zumal es noch\u00a0einen weiteren gewichtigen Grund gibt, nicht zum N\u00f6rgler zu werden:\u00a0n\u00e4mlich seine Neigung zum defensiven Pessimismus, der Idee, dass uns geringe Erwartungen vor Entt\u00e4uschungen bewahren. Diese Haltung\u00a0macht nicht gl\u00fccklich, sie macht nur klein. Sie zieht die Fantasie\u00a0in den Dreck. Geringere Erwartungen machen ein Versagen auch nicht weniger schmerzlich, sie f\u00fchren lediglich zu schlechteren Ergebnissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sehen, der Pessimismus hat nicht sonderlich viel zu bieten. Daher neigen auch nur wenige Menschen zum totalen Pessimismus.\u00a0Existenzialisten vielleicht oder Literatur- und Kulturkritiker. Doch\u00a0diese werden f\u00fcr ihre finsteren Statements immerhin noch honoriert,\u00a0sie k\u00f6nnen von ihrem Gejammer leben. Aber wer will das schon? So viel Schmerzensgeld k\u00f6nnte man mir gar nicht zahlen, dass das eine\u00a0Alternative w\u00e4re! Wie ist das bei Ihnen? Neigen Sie zum Pessimismus? Wohl kaum\u00a0denn dann h\u00e4tten Sie dieses Buch nicht einmal mit der Kneifzange\u00a0angefasst.<\/p>\n<p>. \u2022 Aber sch\u00e4tzen Sie konstruktive N\u00f6rgler, ohne selbst einer zu werden?\u00a0Das w\u00e4re klug, denn dann haben Sie ein erstklassiges Fr\u00fchwarnsystem\u00a0f\u00fcr drohenden \u00c4rger an Ihrer Seite.<\/p>\n<p>\u2022 Machen Sie das Kostenexplosionsgedankenspiel? Das w\u00e4re fantastisch, weil dann die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie den Worst\u00a0Case noch vermeiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u2022 Vermeiden Sie Distress und den falschen Ort so h\u00e4ufig es eben\u00a0geht? Wunderbar, denn das raubt nur Ihre Kraft, die Sie f\u00fcr Innovatives\u00a0einsetzen sollten.<\/p>\n<p>\u2022 Meiden Sie Ideenzerfleischer so weit wie m\u00f6glich? Ich gratuliere\u00a0Ihnen, dann sind Sie nicht nur motivierter und beruflich auf dem\u00a0richtigen Weg, sondern steigern auch Ihr positives Lebensgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns nun einen Blick auf den spezifischen Optimismus im deutschsprachigen Raum werfen, den \u00bbSekund\u00e4ren Optimismus\u00ab. Er\u00a0ist ein zentrales Ergebnis der Forschungsstudie des Wirtschaftsclubs\u00a0der Optimisten und beschreibt sehr gut \u2013 wie ich finde \u2013 die Befindlichkeit\u00a0vieler Menschen, die bereit sind, Wirtschaft und Gesellschaft\u00a0wohlwollend positiv, aber nicht zu rosarot zu betrachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum manche weiter kommen als andere \u2013 der Sekund\u00e4re Optimismus<\/strong><\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ftsleben im deutschsprachigen Raum ist optimistischer als seine Au\u00dfendarstellung. Fragt man Manager, Unternehmer und\u00a0Aufstiegsorientierte \u00f6ffentlich, wie es l\u00e4uft, sind sie zur\u00fcckhaltend,\u00a0man gibt sich skeptisch. Nur nicht zu viel \u00f6ffentliche Euphorie! Selbst\u00a0wenn es sehr gut l\u00e4uft, garantiert das ja nicht, dass es n\u00e4chstes Jahr so weitergehen wird. Fragt man sie privat, sprudelt h\u00e4ufig die Begeisterung. Familie und Freundschaften geben Halt, die Einkommen\u00a0sind stabil oder steigen. Die meisten k\u00f6nnen ihr normales oder komfortables\u00a0Leben genie\u00dfen, und manche k\u00f6nnen es luxuri\u00f6s ausbauen.\u00a0Man kann sich materielle Tr\u00e4ume erf\u00fcllen, eine schicke Uhr oder den\u00a0computergesteuerten Rasenm\u00e4her. Man kann die Vibration eines Boliden ab 300 PS genie\u00dfen oder eine kostspielige Handtasche spazieren\u00a0tragen. Nicht dass das Materielle \u00fcberbewertet werden sollte, doch\u00a0diese Gratifikationen machen vielen Menschen Freude. Vor allem Vorfreude\u00a0\u2013 Optimisten lieben Vorfreude!<\/p>\n<p>Stellen Sie sich deshalb einmal vor, bittet die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot, Sie d\u00fcrften Ihren Lieblingsstar intensiv k\u00fcssen, und er wird Ihren Kuss garantiert und voller Leidenschaft erwidern! Sie brauchen also keine Angst davor zu haben, einen Korb zu erhalten. Sie d\u00fcrfen sich nun sogar aussuchen, wann dieses legend\u00e4re Ereignis stattfinden soll: sofort, in 24 Stunden, in drei Tagen, in einem halben Jahr oder in 10 Jahren?<\/p>\n<p>Die meisten von Tali Sharots Befragten w\u00e4hlten nicht die sofortige Erf\u00fcllung ihres Traums, das w\u00e4re zu \u00fcberraschend \u2013 so ihre Begr\u00fcndung \u2013, zu pl\u00f6tzlich und au\u00dferdem viel zu schnell vorbei. Eine Ausnahme bildet meine Kollegin Lea Gritmann, denn die will sofort k\u00fcssen, als ich ihr von dem Beispiel berichte. Ihre Nordseek\u00fcsten-Mentalit\u00e4t\u00a0folgt der Logik: \u00bbWas ich hab, das hab ich.\u00ab Die meisten von Tali Sharots Befragten denken aber nicht so. Ebenso wenig w\u00e4hlten sie die 10-Jahres-Option, denn das ist\u00a0ja noch ewig hin! Wer will sich schon gerne heute darauf festlegen, zuk\u00fcnftig einen\u00a0alternden Star zu k\u00fcssen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Optimisten lieben Vorfreude &#8211; sie garantiert Tagtr\u00e4ume, Fantasien, Nervenkitzel<\/strong><\/p>\n<p>Der absolute Favorit war die 3-Tages-Option: Sie verspricht Vorfreude, die man\u00a0noch gut aushalten und dann um so mehr genie\u00dfen kann, denn drei Tage sind absehbar.\u00a0Sie garantieren Tagtr\u00e4ume, Fantasien, Nervenkitzel, Endorphine \u00fcberschwemmen\u00a0den K\u00f6rper und dann endlich: der Kuss. Sch\u00f6ner geht\u2019s kaum!\u00a0Vorfreude multipliziert optimistische Gef\u00fchle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Berufst\u00e4tige lieben den Freitag &#8211; der Vorfreude wegen<\/strong><\/p>\n<p>Deswegen lieben\u00a0Berufst\u00e4tige auch den Freitag, nicht den Sonntag. Obwohl man am\u00a0Freitag noch schuften muss und obwohl der Sonntag frei ist und man\u00a0im Pyjama leckere Croissants im Bett fr\u00fchst\u00fccken kann. Doch der Sonntag hat keine Vorfreude, er ist lediglich das Tor zum d\u00fcsteren\u00a0Montag. Der Freitag hingegen verspricht ein spannendes Wochenende,\u00a0zum Beispiel mit Freunden und Partys, oder sch\u00f6ne entspannte\u00a0Stunden. Optimisten lieben das, sie erwarten \u2013 im \u00fcbertragenen Sinne \u2013 schlichtweg mehr Freitage, auch mehr K\u00fcsse in der Zukunft, und das verbessert ihr Wohlbefinden ganz erheblich.<\/p>\n<p>Vorfreude hebt die Stimmung, das wissen die Wirtschaft und vor allem auch der Handel ganz genau. Deshalb gibt es auch so oft Wartezeiten\u00a0bei hochpreisigen Produkten, wie beispielsweise der Kelly Bag.\u00a0Wartezeit ist Vorfreudenzeit, die bei dieser Handtasche deutlich \u00fcber\u00a0drei Tagen liegt. Gleiches gilt beim neuen Flitzer mit Sonderausstattung oder beim Ma\u00dfanzug. Dessen Anfertigung kann dauern, folgt aber einer bestechenden Logik.<\/p>\n<p>Ein Mann l\u00e4sst beim Schneider eine Hose anfertigen. Die Fertigstellung soll innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Zum verabredeten Termin ist die Hose aber leider doch nicht fertig. Der Schneider nennt zwei neue Termine, die er jedoch ebenfalls nicht einh\u00e4lt. Beim n\u00e4chsten Termin klappt es endlich. Der Kunde zieht die Hose in einer Mischung aus Ver\u00e4rgerung und Erleichterung an und meint: \u00bbSie passt, aber warum in aller Welt haben sie vier Monate f\u00fcr die Fertigstellung ben\u00f6tigt, wo Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat?\u00abDer Schneider erwidert: \u00bbMein Herr, schauen Sie sich diese Hose genau an und werfen Sie dann einen Blick auf unsere Welt: welch ein enormer Qualit\u00e4tsunterschied!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Argwohn vor dem Neuen ist klug<\/strong><\/p>\n<p>Vorfreude ist das eine, Sekund\u00e4rer Optimismus das andere. Er ist auf den ersten Blick paradox, denn seine Basis ist der Argwohn vor dem\u00a0Neuen, so die Optimismus-Studie. Das Innovative wird zwar als notwendig\u00a0erachtet, aber auch als Zerst\u00f6rer alter Traditionen gef\u00fcrchtet,\u00a0denn Bew\u00e4hrtes wird infrage gestellt und das verunsichert. Das sei ein\u00a0anomischer und damit unangenehmer Zustand, so der US-amerikanische Soziologe Robert K. Merton, denn das Alte gelte nicht mehr und das Neue sei noch nicht erworben. Der Argwohn des Sekund\u00e4ren Optimismus hat also eine seri\u00f6se Grundlage und ist berechtigt. Im Wettbewerb\u00a0ist alles eine Frage der Perspektive, denn nicht alles, was im\u00a0Berufsleben hoffnungsvoll stimmt, begeistert auch die Mitbewerber \u2013 und umgekehrt. Die erfolgreiche Expansion ist nat\u00fcrlich ein Grund zum Feiern, nur nicht f\u00fcr den, der verdr\u00e4ngt wurde. Insofern sind\u00a0Argwohn und die kritische Pr\u00fcfung des Neuen eine kluge Strategie.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Optimisten. Deswegen wird bei innovativen Projekten \u2013 wie bereits am Anfang des Buches beschrieben \u2013 kein spontanes Handeln, sondern das Abw\u00e4gen in vier Schritten empfohlen:<\/p>\n<p>1. Nachdenken, um die Chancen und Risiken zu realisieren,<\/p>\n<p>2. entscheiden,<\/p>\n<p>3. das Projekt bei positiver Entscheidung durchziehen,<\/p>\n<p>4. m\u00f6gliche Kritik abperlen lassen.<\/p>\n<p>Erst auf den Realit\u00e4tscheck folgt das Z\u00fcnden des Turboladers. Mein britischer Kollege aus Birmingham korrigierte augenzwinkernd: \u00bbIt\u2019s not\u00a0the German turbo. It\u2019s the German panzer.\u00ab Sie k\u00f6nnen es nicht lassen,\u00a0die Briten, Humor ist aber, wenn man trotzdem lacht. Nachdenken,\u00a0Z\u00f6gern und Abw\u00e4gen werden international gerne als \u00bbGerman Angst\u00ab\u00a0diskreditiert. Dabei ist das weder \u00e4ngstlich noch innovationsfeindlich.<\/p>\n<p>Es verhindert lediglich spontane, nicht konsequent durchdachte Erstreaktionen, die zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht sind. Das Z\u00f6gerliche\u00a0wird in der Schweiz, in \u00d6sterreich und Deutschland gerne in\u00a0Kauf genommen, wenn das Projekt am Ende erfolgreich abgeschlossen\u00a0werden kann, weil es von Anfang an ordentlich durchdacht war. Auf\u00a0diese Erkenntnis haben die Macher des Berliner Flughafens offensichtlich verzichtet. Fehlplanungen waren die Folge, sodass der Schwarze Peter beim Thema Brandschutz zwischen Bauherr, Bauunternehmen\u00a0und Architekturb\u00fcro hin und her geschoben wurde. Einigkeit bestand nur in der notwendigen Kostenexplosion im Milliardenbereich.<\/p>\n<p>Typisch sind derartige Fehlentwicklungen allerdings nicht, auch wenn sie bei einigen Gro\u00dfprojekten ins Auge stechen. Charakteristisch\u00a0ist f\u00fcr Optimisten eher die erfreuliche Tendenz, in Krisensituationen\u00a0anzupacken. B\u00fcrokratie wird dann durch Improvisation ersetzt, etwa bei Flutkatastrophen. In vielen Menschen steckt hierzulande eine Krisenmanagementbereitschaft \u00e0 la Helmut Schmidt.\u00a0Sie hat den optimistischen Anspruch, aus Krisen gest\u00e4rkt hervorzugehen.<\/p>\n<p>Die Spareinlagen, trotz Bankenkrise gesichert? Die Wiedervereinigung\u00a0geschafft? Die \u00f6sterreichischen Grenzen gen S\u00fcden im\u00a0Griff? Die schweizerische Neutralit\u00e4t bewahrt? Gesellschaftliche Konflikte durch Volksabstimmungen gel\u00f6st? All das unterstreicht die Bereitschaft\u00a0zum Krisenmanagement: Nachdenken, entscheiden, durchziehen,\u00a0Kritik abperlen lassen! Das wird auch von anderen Nationen\u00a0gew\u00fcrdigt: \u00bbJa, ihr Deutschen habt das hier drauf. Im Autobau, in der Wirtschaft, im Austarieren mit Gewerkschaften. Nur bei Gro\u00dfprojekten\u00a0schw\u00e4chelt ihr, aber das kommt wieder\u00ab, so ein indischer IT-Compliance-Chef w\u00e4hrend eines gemeinsamen Abendessens in Berlin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Positive Fokussierung hilft<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Optimismusskala des Rheingold-Instituts sollten sich alle Interviewpartner selbst einsch\u00e4tzen zwischen 1 (nicht optimistisch)\u00a0und 10 (sehr optimistisch). Die durchschnittliche Selbsteinsch\u00e4tzung\u00a0der Befragten lag bei stolzen 8 bis 9. Das kollegiale Umfeld wurde dagegen\u00a0kritischer mit 5 bis 6 bewertet. Spitzenwerte gab es in Bezug auf\u00a0Kinder, Familie, Ehe \u2013 und Skepsis, was denjenigen betrifft, der im B\u00fcro oder im Kino neben uns sitzt. Zweifler und Spa\u00dfbremsen sind\u00a0wegen der positiven Fokussierung die anderen; man selbst sticht dagegen\u00a0hoffnungsvoll hervor, so zumindest die Selbstwahrnehmung.\u00a0Die anderen sieht man kritischer, denn die k\u00f6nnen f\u00fcnf nicht gerade\u00a0sein lassen, die suchen immer das Haar in der Suppe, die pflegen eine\u00a0Vollkaskomentalit\u00e4t und behaupten, ihr Pessimismus sei nicht demotivierend, sondern mahnend und Ergebnis einer kritischen Reflexion.<\/p>\n<p>\u00bbNichts ist sicher! Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass ich keine Pension vom Staat erhalten werde, obwohl sie mir zusteht\u00ab, klagt eine verbeamtete 63-j\u00e4hrige Regierungsdirektorin in Dresden. Eine Vollkaskobeamtin mit Pensions\u00e4ngsten? Mit Anspr\u00fcchen auf eine Pension, f\u00fcr die der Staat b\u00fcrgt? Die Sorge ist unbegr\u00fcndet, doch die Regierungsdirektorin zweifelt weiter. Das nervt einen Optimisten wie mich. Ich habe ihr deswegen eine Wette angeboten: Wenn sie tats\u00e4chlich keine Pension erhalten sollte, zahle ich die ersten zwei Monate ihr Pensionsgeld aus meiner privaten Tasche. Wenn Sie aber ihre Pension erh\u00e4lt, schenkt sie mir ihre ersten beiden \u00dcberweisungen. Sie hat sich Bedenkzeit erbeten, ihre Antwort steht noch aus.<\/p>\n<p>Die positive Fokussierung f\u00fchrt h\u00e4ufig zu Optimierungsw\u00fcnschen,\u00a0manchmal sogar zum Optimierungswahn: noch besser werden,\u00a0noch gl\u00fccklicher, noch schlanker, noch athletischer, sich vergleichen,\u00a0zu anderen hin\u00fcberschielen, um sich von ihnen eine Scheibe\u00a0abzuschneiden. Gerne auch \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg. Von den Franzosen, die erscheinen so kulinarisch-kultiviert. Die Mallorciner\u00a0so mediteran. Die Amerikaner mit ihrem \u00bbYou name it, we have it\u00ab so\u00a0positiv-pragmatisch. Die Italiener leidenschaftlich und spitzenm\u00e4\u00dfig\u00a0gekleidet. Die Japaner diszipliniert und angenehm distanziert. Und\u00a0die D\u00e4nen gelten ohnehin als eines der gl\u00fccklichsten V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Der Optimierungsbedarf erscheint grenzenlos. Er kann den Ehrgeiz wecken, besser werden zu wollen, doch gl\u00fccklicher macht er\u00a0nicht. Optimierungsw\u00fcnsche sind die Schattenseite der positiven\u00a0Fokussierung und hindern eher auf dem Weg, ein optimistischer\u00a0Mensch zu werden oder zu bleiben.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zur Konzentration auf die Positivtrends, die ebenfalls zum Sekund\u00e4ren Optimismus z\u00e4hlen, wie sie etwa in der\u00a0Studie der BAT-Stiftung f\u00fcr Zukunftsfragen beschrieben werden.\u00a0Ihr Gestern-Heute-Vergleich ist nicht blau\u00e4ugig, sondern gibt Anlass zur Hoffnung und damit zum Zukunftsoptimismus. So ist die weltweite\u00a0extreme Armut von 1990 bis heute reduziert worden; sie betrifft nicht mehr 1,9 Milliarden Menschen, sondern \u00bbnur\u00ab noch 0,7 Milliarden.\u00a0Die Armutsquote sank von 47 Prozent (1990) auf 10 Prozent\u00a0(heute), die Kindersterblichkeit sank im selben Zeitraum weltweit von\u00a090 von 1 000 Kindern auf 42 von 1 000 Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hoffnung machen auch Entwicklungen wie die des Chinesen Yuan Longping, einem der\u00a0renommiertesten Reisforscher der Welt. Er ist der Vater des Hybridreises. Mit seinem Superreis werden die Ertr\u00e4ge drastisch gesteigert werden k\u00f6nnen. In Regionen, in denen es bisher kaum m\u00f6glich war.\u00a0Hunger k\u00f6nnte damit zum Fremdwort werden. Optimisten sind Meister derart positiver Fokussierungen. Wie ein\u00a0Suchscheinwerfer orten sie Hoffnungsvolles, weil es sie ermutigt, auch\u00a0in die eigenen Projekte hoffnungsvoll einzusteigen.<\/p>\n<p>Diese Fokussierung\u00a0betrifft nat\u00fcrlich auch die St\u00e4rken des eigenen Landes: Ingenieurskunst,\u00a0Export- und Fu\u00dfballweltmeister, Erfolge der Wirtschaft in der Schweiz\u00a0und in \u00d6sterreich sowie historische soziale Errungenschaften seit der Bismarkschen Sozialgesetzgebung begr\u00fcnden dies. Sie bieten einen stabilen Rahmen f\u00fcr die eigene Erfolgsgeschichte, die sich unter anderem\u00a0auch in der eigenen Arbeitsplatzzufriedenheit ausdr\u00fcckt. Neun von\u00a0zehn Berufst\u00e4tigen sind damit heute zufrieden, wie die BAT-Stiftung\u00a0f\u00fcr Zukunftsfragen hervorhebt. Auch die Anzahl der Besch\u00e4ftigten\u00a0ist gestiegen, die Anzahl der Arbeitslosen gesunken. Dennoch f\u00fchren diese guten Entwicklungen hierzulande zu keinem Hurra-und-Hopplaalles- super-Hype, und das hat gute Gr\u00fcnde, denn der Optimismus in\u00a0Deutschland bleibt im Vergleich zu \u00d6sterreich und der Schweiz immer\u00a0ein wenig verhaltener. Es ist ein Tribut an die deutsche Geschichte, es\u00a0bremst die historische Angst vor der blinden Begeisterung in der Nazizeit.<\/p>\n<p>\u00bbDer Optimismus der Deutschen ist damit untrennbar von der deutschen Identit\u00e4t zu begreifen. So wie der individuelle Optimismus sich\u00a0aus dem Vergleich mit anderen und aus der Lebenserfahrung speist \u2013 so\u00a0speist sich der nationale Optimismus aus dem Vergleich mit anderen\u00a0Nationen und aus historischen Ereignissen.\u00ab \u00bbHurra-Optimismus\u00ab\u00a0wird daher eher kritisch be\u00e4ugt, selbst wenn es sich nur um fahnenschwingende\u00a0Fans w\u00e4hrend einer Fu\u00dfballeuropameisterschaft handelt. Zu patriotisch? Die Wortwahl in den Interviews unserer Studie belegen\u00a0diese Distanz zur nationalen Identit\u00e4t: Die Befragten sprechen \u00fcber \u00bbdie\u00a0Deutschen\u00ab und meinen sich selbst eigentlich nicht damit. Die ehemals\u00a0schuldige Nation, so Gr\u00fcnewald in seiner Pr\u00e4sentation beim Clubvorstand\u00a0der Optimisten, will damit nationaler Euphorie und zu viel Pathos\u00a0vorbeugen.<\/p>\n<p>Daher wird der Sekund\u00e4re Optimismus als angemessen empfunden. Er ist keine Bremse, sondern ein Garant f\u00fcr Ernsthaftigkeit und die Voraussetzung f\u00fcr eine zupackende Gesellschaft, deren\u00a0Erfolge sich sehen lassen k\u00f6nnen. Dieses selbstkritische Verst\u00e4ndnis\u00a0bezieht sich allerdings nur auf das gesellschaftspolitische. Bei privaten\u00a0Zukunftsentscheidungen ist der optimistische Blick dagegen ungetr\u00fcbt.<\/p>\n<p>Werfen wir einmal einen Blick auf die Eheschlie\u00dfung. Sicher ist sie eine der folgenreichsten\u00a0und verbindlichsten Entscheidungen im Leben von Paaren, die mit gro\u00dfem Mut\u00a0angegangen werden muss, denn die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung liegt heute bei zirka 40 Prozent. Das hei\u00dft, viele Paare werden sich trennen und dann um das Sorgerecht,\u00a0den gemeinsamen Besitz und das Verm\u00f6gen streiten. Das ist bekannt und unerfreulich. Fragt man aber Frischverheiratete, wie es bei ihnen aussehen wird, antworten die\u00a0meistens, die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine Scheidung l\u00e4ge bei ihnen bei 0 Prozent.<\/p>\n<p>Das ist nun wirklich nicht realistisch, oder? Vielleicht sollte man deswegen lieber heiratswillige Scheidungsanw\u00e4lte nach ihrer Einsch\u00e4tzung fragen \u2013 die sollten es ja wissen. Immerhin haben sie tagt\u00e4glich mit den Folgen von Trennungen zu tun. Laut ihrer Selbsteinsch\u00e4tzung liegt ihre pers\u00f6nliche Scheidungswahrscheinlichkeit bei: 0 Prozent! Das ist absurd, unbegr\u00fcndet, aber wahnsinnig romantisch.\u00a0Die Scheidungswahrscheinlichkeit von Optimisten entspricht \u00fcbrigens\u00a0im Durchschnitt ebenfalls der 40-Prozent-Marke. Doch die\u00a0Wahrscheinlichkeit, sich erneut zu verheiraten, liegt in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis\u00a0deutlich h\u00f6her \u2013 wegen des Above-Average-Effekts. Sie\u00a0halten sich selbst f\u00fcr attraktiver als andere und meinen deshalb bessere\u00a0Karten zu haben, ein weiteres Mal erw\u00e4hlt zu werden. Die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot nennt daher die Eheschlie\u00dfung mit einem Augenzwinkern den Triumph der Hoffnung \u00fcber die Erfahrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist diese Hoffnung falsch? Sollten wir uns ganz n\u00fcchtern die 40-prozentige Scheidungsquote vor Augen halten und gar nicht erst heiraten? Sollten wir dann auch keine Unternehmen gr\u00fcnden, nur weil die meisten Neugr\u00fcndungen die ersten drei Jahre nicht \u00fcberleben? Auf gar keinen\u00a0Fall! Wir sollten nicht den Mut verlieren, und das ist dank einer optimistischen\u00a0Einstellung kein gro\u00dfes Problem, denn sie sch\u00fctzt unser Gehirn wie eine Art Regenmantel. Sie beh\u00fctet das irrational positive Denken, das sogenannte Irrational Positive Brain.40 Allzu negative\u00a0Gedanken prallen daran ab, zum Selbstschutz. So kann man sich auf\u00a0das Machbare, das Hoffnungsvolle und auf die Probleml\u00f6sung konzentrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, finden wir sie richtig<\/strong><\/p>\n<p>Letzteres ist das Spezialgebiet unseres Gehirns. \u00bbBlendet die Sonne, verlangt es nach einer Sonnenbrille, ist ein Weg versperrt, fahndet es nach einer Umleitung, ist es drau\u00dfen zu hei\u00df, f\u00e4hrt es die k\u00f6rpereigenen K\u00fchlsysteme hoch. So erkl\u00e4rt sich, warum auf die Warnung vor dem Waldsterben statt des Waldsterbens der Klimaschutz folgte [\u2026] Das Hirn ist aber nicht nur intelligent, es ist auch\u00a0pragmatisch: Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, finden wir sie richtig.\u00ab<\/p>\n<p>Warum macht unser Gehirn das? Weil es evolution\u00e4r programmiert ist, die beste L\u00f6sung zu finden. Im deutschsprachigen Raum wird diese\u00a0Programmierung immer von einem selbstkritischen Unterton begleitet,\u00a0der zu immer besseren Leistungen anstachelt: \u00bbDa geht doch noch\u00a0was!\u00ab Das leistungsorientierte Selbstverst\u00e4ndnis des Wirtschaftsclubs\u00a0der Optimisten entspricht dieser Logik: Das Leben k\u00f6nnte sch\u00f6n sein!<\/p>\n<p>Aber jeder muss sich daf\u00fcr einsetzen, dass es sch\u00f6n bleibt oder besser wird! Ob wir noch die L\u00e4nder der Dichter sind, kann ich schwer beurteilen.\u00a0Die L\u00e4nder der \u00f6konomischen Denker sind wir allemal. Das ist\u00a0das Gen, das in vielen Unternehmensgr\u00fcndern steckt:\u00a0\u00bbSie sind quasi die M\u00e4rtyrer des Optimismus. Obwohl sie wissen, dass gerade mal ein Drittel der Existenzgr\u00fcndungen die ersten drei Jahre \u00fcberlebt, gr\u00fcnden Menschen\u00a0immer wieder neue Unternehmen. Sie glauben einfach daran, zu diesem Drittel zu\u00a0geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Erfolgreiche Gr\u00fcnder zeigen: Jene, die sich auf diese M\u00fchen einlassen, werden auf Dauer auch belohnt [\u2026] So f\u00fchrt der Optimismus einzelner am Ende zur\u00a0Verbesserung ganzer Gesellschaften.\u00ab\u00a0Und die Verbesserungen sind sichtbar. Sie sind keine rosarote Naivit\u00e4t, das Niveau der Zivilisation hat sich gehoben. Gesellschaftliche Toleranz wird verteidigt, Schulpflicht, Bildungschancen, Krankenversorgung\u00a0sind im deutschsprachigen Raum Basics. Unsere demokratischen\u00a0Umgangsformen und der Wohlstand weisen im R\u00fcckblick der\u00a0Jahrhunderte in eine positive Richtung. Aber diesen Fortschritt gibt es\u00a0nicht zum Nulltarif, er verlangt gro\u00dfes Engagement, wie beim nachhaltigen\u00a0Ringen um den richtigen Weg.<\/p>\n<p>\u00bbOptimismus strengt an und er gelingt nicht immer. Selbst den entschlossensten Optimisten\u00a0verl\u00e4sst manchmal der Mut. Gerade in Krisenzeiten sind Optimisten besonders\u00a0gefordert [\u2026] Es z\u00e4hlt zu den Aufgaben des Optimismus, zu hohe Erwartungen\u00a0zu d\u00e4mpfen, Wege aus der Krise zu finden.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und das geschieht t\u00e4glich. Optimismus kann schlummernde Ressourcen wecken, denn er lehrt, das Vorhandene wertzusch\u00e4tzen\u00a0und weiterzuentwickeln. \u00bbAuf diese Weise wirkt er effizient, nachhaltig\u00a0und stabilisiert das mentale \u00d6kosystem.\u00ab Erst wer Gutes denken kann, kann auch Gutes tun. Dieses \u00bbgute Denken\u00ab f\u00e4llt Optimisten leichter, aber sie \u00fcbertreiben es eben auch nicht. Daher\u00a0f\u00e4llt der kurzfristige Stolz nach einem Erfolg, schnell wieder\u00a0in den Zweifel zur\u00fcck: Hat sich wirklich alles so toll entwickelt? Ist da nicht doch noch Luft nach oben? Stimmt die Work-Life-Balance?<\/p>\n<p>Tausend m\u00f6gliche Fragen tun sich auf und der Kreislauf des\u00a0Sekund\u00e4ren Optimismus kann erneut beginnen. Mit dem Ziel, es\u00a0doch noch ein wenig besser zu machen. Allein daf\u00fcr muss man\u00a0Optimisten lieben.<\/p>\n<p>Quelle: Studie des Clubs der Optimisten\/Rheingold-Institut<\/p>\n<p>Sekund\u00e4rer Optimismus<\/p>\n<p>Selbstkritische\u00a0Zweifel<\/p>\n<p>Engagement\u00a0in Krisen<\/p>\n<p>Sekund\u00e4rer\u00a0Optimismus wegen des Erfolgs<\/p>\n<p>\u2022 Zweifeln<\/p>\n<p>\u2022 Problemanalyse<\/p>\n<p>\u2022 Sich fragen, ob die\u00a0innovative Idee\u00a0sinnvoll ist<\/p>\n<p>\u2022 Anpassend in\u00a0Krisen\/Katastrophen<\/p>\n<p>\u2022 Wir schaffen das,\u00a0gerade weil es\u00a0schwierig ist<\/p>\n<p>\u2022 Resultiert aus\u00a0Lob, Respekt\u00a0und Neid anderer<\/p>\n<p>\u2022 Produziert\u00a0vor\u00fcbergehend\u00a0Stolz<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in den Zweifel-Modus: Geht das nicht noch besser?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Besitzstandwahrung tut gut<\/strong><\/p>\n<p>Der Zweifel, ob das Optimum erreicht ist, f\u00fchrt demnach weder zu Furcht noch zu Erstarrung, sondern zu Denkanstrengungen, zu einem\u00a0kritischen Hinterfragen, das dem Sekund\u00e4ren Optimismus vorgeschaltet\u00a0ist: Lohnt sich der geplante Einsatz wirklich? Das ist ein\u00a0Selbstschutzmechanismus, der uns vor Fehlentscheidungen bewahrt und davor, Energie in Projektideen zu verpulvern, die sich bei n\u00e4herer Betrachtung nicht lohnen. Dieser Selbstschutzmechanismus ist\u00a0wichtig, denn er beh\u00fctet uns davor, den Optimismus zu idealisieren,\u00a0denn der ist kein fester Charakterzug, dem alles zuf\u00e4llt. Er garantiert\u00a0nicht automatisch Tatkraft und Erfolg, er ist keine feste Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Eine permanente 24-Stunden-Optimismusstabilit\u00e4t gibt es leider nicht in unserer Psyche, denn sie ist auch Schwankungen in der Tagesform\u00a0unterworfen, vor allem bei privaten Schicksalsschl\u00e4gen. Das hei\u00dft\u00a0auch, nur weil etwas beruflich sehr vielversprechend beginnt, muss\u00a0es nicht gelingen. Daf\u00fcr sind die gesellschaftlichen, pers\u00f6nlichen und wirtschaftlichen Einfl\u00fcsse, denen wir ausgesetzt sind, zu vielf\u00e4ltig. Die Welt \u00e4ndert sich st\u00e4ndig, ohne dass ein entscheidender individueller Einfluss durch uns m\u00f6glich ist. Daraus kann im schlechtesten\u00a0Fall ein Zukunftspessimismus wachsen, weil die globalen Entwicklungen\u00a0uns \u00fcberfordern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele optimistische Menschen entkommen diesem Zukunftspessimismus durch eine Trick, indem sie sich auf\u00a0das Nationale und Regionale konzentrieren, sie suchen Halt vor Ort\u00a0und beim Gewohnten. Und dabei spielt der Gedanke an die Besitzstandswahrung eine wichtige stabilisierende Rolle.\u00a0Besitzstandwahrung ist das Minimalziel, das sich die meisten B\u00fcrger in der Silvesternacht f\u00fcr das kommende Jahr setzen, denn am\u00a0besten sollte alles noch besser werden, aber so lange man wenigstens\u00a0seinen Lebensstandard halten kann, ist auch noch alles in Ordnung.<\/p>\n<p>Solange das gelingt, bleibt die gute Stimmung \u2013 auch im Politischen \u2013 stabil. Ist der Besitzstand gesichert, f\u00fchlt man sich sicher. Diese Haltung\u00a0ist typisch f\u00fcr den deutschsprachigen Raum. Das ist Heimat,\u00a0da hat man alles im Griff. Gigantische Themen \u00e4ngstigen dagegen:\u00a0Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel et cetera. Sie sind zu\u00a0gro\u00df, zu allumfassend, in ihren Konsequenzen unberechenbar. Die sich daraus ergebenden Krisen und Herausforderungen f\u00f6rdern eine\u00a0kippelige Ausgangslage, die uns ins Wanken bringen kann.<\/p>\n<p>Computertechnologie neu erlernen? Elektroautos kaufen oder lieber nicht?\u00a0 Internationale Konferenzen rund um den Globus? In perfektem Englisch?\u00a0Verhandlungen mit Indern, Chinesen, S\u00fcdamerikanern? Per Skype oder Face-to-Face, auf halber Strecke in Dubai? Diese Herausforderungen\u00a0k\u00f6nnen zu dramatisch empfundenen Momenten der\u00a0Entscheidungsunklarheit f\u00fchren. St\u00e4ndig diese Frage: \u00bbEntscheidet\u00a0man richtig oder falsch?\u00ab Diese konkurrierenden Handlungsimpulse\u00a0werden von vielen in unseren Interviews als ein dramatischer Moment\u00a0der Unentschiedenheit empfunden, so ein Ergebnis unserer Studie.<\/p>\n<p>Bevor diese Herausforderungen gel\u00f6st oder ertragen werden, gibt\u00a0es einen Zeitraum des Abw\u00e4gens: Zwischen Hoffnungen, Chancen,\u00a0Perspektiven und Bef\u00fcrchtungen, Grenzen und Problemen. Auch\u00a0Optimisten wechseln in diesem Zeitraum aus Unsicherheit mehrfach\u00a0zwischen den Perspektiven hin und her. Und erleben dies als eine gro\u00dfe Phase der Anspannung \u2013 bis letztlich eine Handlungsentscheidung getroffen ist, der man folgt. Dieser Abw\u00e4gungsprozess ist\u00a0charakteristisch f\u00fcr den Sekund\u00e4ren Optimismus. Er ist das Vorspiel.\u00a0Erst danach wird Gas gegeben, dann aber richtig!<\/p>\n<p>Diese konkurrierenden Handlungsimpulse und die Vielfalt an Wahlm\u00f6glichkeiten nimmt \u00fcberhand, mahnt David Bosshart, CEO\u00a0des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Wirtschaftsinstituts. Er empfiehlt,\u00a0weniger w\u00e4re mehr. Seine neue Wohlstandsformel der westlichen Welt\u00a0ist das so genannte Age of Less: ein Zeitalter des \u00bbImmer-weniger\u00ab, das\u00a0gleichzeitig Raum f\u00fcr ein neues, robusteres Wachstum bietet. Auch weil es uns erlaubt, den \u00dcberblick zu behalten: Think global, act regional,\u00a0live local.<\/p>\n<p>Die Konzentration auf das Wesentliche sch\u00fctzt nach\u00a0David Bosshart vor den Verwirrungen der Dissynchronisation \u2013 wieder\u00a0so ein sch\u00f6nes Wort \u2013, bei der alles M\u00f6gliche gleichzeitig auf uns einzust\u00fcrzen\u00a0scheint und uns schier erschl\u00e4gt. Hilfreich ist das nicht \u2013\u00a0schon gar nicht f\u00fcr den Glauben an eine positive Zukunft. Die Formel \u00bb\u00dcberblick = Stabilit\u00e4t = Optimismus\u00ab w\u00e4re damit gef\u00e4hrdet. David\u00a0Bosshart empfiehlt daher zum \u00bbLessnesser\u00ab zu werden, also zum\u00a0\u00bbWenigbraucher\u00ab \u2013 und dabei immer auf der zutiefst optimistischen\u00a0Suche nach dem Schl\u00fcssel f\u00fcr eine bessere Welt zu bleiben:<\/p>\n<p>\u00bbEntgegen den abschottenden Zynismus der Eliten von oben und den abschottenden Populismen von unten, wei\u00df die Gl\u00fccksforschung, dass die richtige Haltung wie eine sich selbst erf\u00fcllende Prophezeiung wirken kann [\u2026] Solche Menschen m\u00f6gen ein dickes Bankkonto haben, doch sie sind weder von alten Statussymbolen noch von neuen (wie dem Hybridauto) zu locken. Es ist dem wertesuchenden Lessnesser daran gelegen, dass sich die Gesamtgesellschaft positiv ver\u00e4ndert.\u00ab<\/p>\n<p>Diese gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist Optimisten wichtig,\u00a0denn sie wissen, dass ihre pers\u00f6nliche optimistische Lebenseinstellung\u00a0stabiler ist, wenn es auch der Gesamtgesellschaft immer besser\u00a0geht, weil es mehr Arbeit, weniger Armut und weniger Krankheit gibt.\u00a0Auch aus diesem egoistischen Grund engagieren sie sich daf\u00fcr, dass\u00a0es zuk\u00fcnftig immer besser wird.<\/p>\n<p>Dieses positive Engagement muss nicht auf Anhieb klappen, und das macht Optimisten auch wenig aus. Denn sie haben Geduld und die Begabung,\u00a0nicht unter Misserfolgen zu leiden. Fehlentwicklungen liegen \u2013\u00a0nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis \u2013 ja haupts\u00e4chlich nicht an ihnen, sondern\u00a0an Fehlentscheidungen ihrer Vorg\u00e4nger, an falschen Strukturen oder anderen externen Einfl\u00fcssen, die sie kaum zu verantworten haben.<\/p>\n<p>Diese schuldverschiebende Einstellung muss nicht jedem gefallen, sie erlaubt aber dem Optimisten, sein Leben auf die etwas leichtere Schulter\u00a0zu nehmen. Diese Einstellung mindert die Last des Lebens und ist\u00a0schon deshalb unbedingt empfehlenswert. Misserfolge bleiben in dieser\u00a0Logik nur kleine Baustein in einer Kette von zuk\u00fcnftigen Erfolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Hoch auf die positive Verzerrung<\/strong><\/p>\n<p>Warum das so ist, erkl\u00e4rt die Neurologie: Unser Gehirn hat sich grunds\u00e4tzlich dazu entwickelt, immer zu viel Gl\u00fcck und zu viel Erfolg\u00a0zu erwarten, weil genau diese Erwartungen Gesundheit und Karriere\u00a0wahrscheinlicher machen. Positive Verzerrungen produzieren das\u00a0 Gef\u00fchl, eine komplexe Aufgabe mit Erfolg bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Kahneman betrachtet diese Verzerrungen daher als zwingende Voraussetzung, wenn man etwas Schwieriges in Angriff nehmen will,\u00a0denn man hat den Mut, Neues auszuprobieren. Trial and error, Versuch\u00a0und Irrtum. Fehlentscheider sind f\u00fcr ihn deswegen auch keine\u00a0Versager, sondern M\u00e4rtyrer des Optimismus.<\/p>\n<p>Weil \u00bbsie glauben, f\u00fcr sie gelten die Statistiken nicht. In den USA sind nach einer Studie 81 Prozent der Unternehmensgr\u00fcnder \u00fcberzeugt, ihre Aussichten seien gut;\u00a0ein knappes Drittel glaubt sogar, das Risiko eines Scheiterns sei gleich null. Dabei\u00a0\u00fcberleben hier nur 35 Prozent der kleinen Firmen die ersten f\u00fcnf Jahre. Dass so viele\u00a0Gr\u00fcndungen scheitern, muss ja f\u00fcrs Ganze nicht unbedingt schlecht sein. An ihnen\u00a0k\u00f6nnen Sie lernen, welche Fehler Sie vermeiden sollten.\u00ab\u00a0Ein schwacher Trost f\u00fcr die Gescheiterten, aber eine extrem wichtige\u00a0Lernerfahrung f\u00fcr potenzielle Nachahmer und deren erfolgreiche Zukunft.<\/p>\n<p>Die Stabilit\u00e4t unseres Optimismus h\u00e4ngt immer von pers\u00f6nlichen,\u00a0wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfahrungen ab. Diese\u00a0Trias kann jedem im Berufs- und Privatleben R\u00fcckenwind geben oder\u00a0ihm die Stimmung verhageln: Die unerwartet hohe Steuernachzahlungsforderung;\u00a0der Wirtschaftsboykott gegen Russland, der auch die eigene Firma einschr\u00e4nkt; die \u00fcberraschende Scheidung; erste Burnout- Symptome \u2013 all das l\u00e4sst Optimisten pessimistischer werden, ohne\u00a0dass der Pessimismus die Oberhand gewinnen muss. Doch die Delle\u00a0ist deutlich sp\u00fcrbar, auch wenn die negativen Konsequenzen schon\u00a0nach kurzer Zeit abgesch\u00fcttelt werden k\u00f6nnen, dank der F\u00e4higkeit\u00a0zur Positivfokussierung, dieser wichtigen Eigenart des Sekund\u00e4ren Optimismus. \u00bbDas wird besser. Schauen wir mal, was das Leben noch Gutes zu bieten hat!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Optimismus als versteckter Champion<\/strong><\/p>\n<p>Optimismus kommt im deutschsprachigen Raum nach unserer Studie dezent daher und wird als Hidden Champion verstanden. Wobei\u00a0das Wort \u00bbHidden\u00ab kein Zufall ist, denn die Bev\u00f6lkerung will das eigene\u00a0Land bewusst nicht zu attraktiv reden, man versucht es so vor\u00a0den Begehrlichkeiten anderer Nationen zu sch\u00fctzen. Diese Schutzhaltung hat sich bei mir bis in die private Urlaubsplanung geschlichen.\u00a0Wenn ich von Hamburgern gefragt werde, wie mein Nordsee-Urlaub auf der autofreien\u00a0Insel Langeoog war, antworte ich: \u00bbWar okay, aber nichts los, Wetter ging so.\u00ab Der\u00a0normale Hamburger wendet sich jetzt gelangweilt ab und bucht seine n\u00e4chste Reise\u00a0wieder nach Sylt. Wunderbar, denn so bleibt mir die unber\u00fchrte, fantastische Natur\u00a0kilometerlanger einsamer Str\u00e4nde auf Langeoog, die im Hochsommer an die Karibik\u00a0erinnern. Wirklich, an die Karibik! Als Hidden Champion w\u00fcrde ich sagen: Ich sch\u00fctze\u00a0diese unber\u00fchrte Insel vor den Begehrlichkeiten eines Edel-Tourismus \u00e1 la Sylt.<\/p>\n<p>Viele B\u00fcrger in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz wollen ihre L\u00e4nder, in einer Zeit globaler Wanderungsbewegungen ebenfalls vor\u00a0den Begehrlichkeiten anderer Nationen sch\u00fctzen. Sie wollen sich\u00a0nicht abschotten, wie von manchem rechten Rattenf\u00e4nger propagiert,\u00a0aber sie wollen sich sch\u00fctzen. Die Frage ist also nicht, ob wir etwas\u00a0schaffen, wie die Bew\u00e4ltigung der Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me. Das darf gelassen bejaht werden. Die entscheidende Frage ist, ob wir das \u00fcberhaupt\u00a0schaffen wollen. Denn die Besitzstandswahrungslogik betrachtet Ver\u00e4nderungen\u00a0mehrheitlich nur so lange positiv, wie die eigene rosige\u00a0Zukunftsperspektive unber\u00fchrt bleibt.<\/p>\n<p>Eine wichtige Erkenntnis, gerade f\u00fcr die politischen Akteure in unseren L\u00e4ndern. Es geht \u2013 so die Empfehlung unserer Studie \u2013 um das vern\u00fcnftige Ausbalancieren\u00a0zwischen Zweckoptimismus (\u00bbWir schaffen das!\u00ab) und Zweckpessimismus\u00a0(\u00bbZu viele, zu schnell, zu fremd.\u00ab). Diese Suche nach dem\u00a0richtigen Weg aus der Krise mag anstrengend sein, verhindert aber sowohl ein \u00dcberdrehen in blinden Optimismus als auch eine pessimistische \u00dcberdramatisierung der Lage. In unseren Interviews klingt es dazu so: \u00bbDie Leute sind eher pessimistisch. Das Mitgef\u00fchl ist verloren gegangen. Fl\u00fcchtlinge werden mit Terroristen gleichgesetzt. Es f\u00e4llt schwer, anderes zu sehen. Man kriegt wenig mit von den Leuten, die was tun. Die Frage ist, behalten die die Oberhand?\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere Stimme fordert: \u00bbMan kann nicht nur sagen: \u203aWir schaffen das\u2039. Man muss auch sagen, wer und wie.\u00ab Um dann hoffnungsvoll zu res\u00fcmieren: \u00bbDeutschland\u00a0hat immer viel rausgeholt aus Krisen, da gibt es immer Gewinner und Verlierer, und\u00a0Deutschland profitiert oft davon.\u00ab<\/p>\n<p>Kein Wunder also, wenn sich der Sekund\u00e4re Optimismus im deutschsprachigen Raum weder der eigenen Bev\u00f6lkerung noch den internationalen\u00a0G\u00e4sten auf Anhieb erschlie\u00dft. Es liegt am skeptischen Abw\u00e4gen,\u00a0das unbedingt beibehalten werden sollte, weil das abw\u00e4gende\u00a0Nachdenken eine erstklassige Fehlervermeidung ist. Entsprechend werden in den Interviews nur behutsame gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen\u00a0begr\u00fc\u00dft. Schnelle Ver\u00e4nderungen in Unternehmen, um sich\u00a0neuen Marktgesetzen anzupassen, werden ebenso weniger gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Turbover\u00e4nderungen k\u00f6nnen verunsichern und bringen nicht nur den Optimismus ins Wanken, sondern der \u00c4rger \u00fcber sie kann sich zur\u00a0Wut steigern. Vom Besitzstandwahrer zum Wutb\u00fcrger ist es dann nur noch ein kurzer, emotionaler Schritt. Der Vorsitzende der deutschen\u00a0Sozialdemokratie, Martin Schulz, hat das erkannt: \u00bbAus fehlendem\u00a0Vertrauen wird Ungewissheit, aus Ungewissheit wird Angst und aus Angst wird immer h\u00e4ufiger Hass.\u00ab Der Mensch ist voller Temperament,\u00a0und der Weg zur Instabilit\u00e4t und zur Wut ist kurz. Der Weg\u00a0zur\u00fcck ist es allerdings auch. Er wird gegangen, wenn sich Verbesserungen eingestellt haben, also wenn man zu einer optimistischen\u00a0Risikoeinsch\u00e4tzung zur\u00fcckgefunden hat und dadurch wieder zur Besinnung\u00a0gekommen ist.<\/p>\n<p>Zu dieser Besinnung ermutigte der Bundestagspr\u00e4sident Lammert am Tag der deutschen Einheit 2016 in seiner Rede im Bundestag.\u00a0Das Paradies auf Erden sei hier nicht, so Norbert Lammert, aber viele\u00a0Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo h\u00e4ufiger\u00a0als hier bei uns. Wir d\u00fcrften durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein\u00a0und Optimismus zeigen und uns eine kleine Dosis Zufriedenheit erlauben, wenn nicht sogar ein Gl\u00fccksgef\u00fchl. Denn wir leben in Verh\u00e4ltnissen, um die uns fast die ganze Welt beneidet, so sein Res\u00fcmee.<\/p>\n<p>Optimisten stimmen ihm uneingeschr\u00e4nkt zu, ohne dabei aber\u00a0Verbesserungsw\u00fcrdiges aus den Augen zu verlieren. Wer allerdings \u2013 auch gegen Widerst\u00e4nde \u2013 etwas verbessern will, kann eine ordentliche\u00a0Portion Glauben an die eigene \u00dcberdurchschnittlichkeit gut gebrauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Jens Weidner, dem Autor der \u201ePeperoni-Strategie\u201c: &#8222;Optimismus &#8211; Warum manche weiter kommen als andere&#8220; &nbsp; &nbsp; Warum Sie Pessimisten sch\u00e4tzen sollten \u2013 ohne selbst einer zu werden Pessimisten helfen mit ihrem kritischen Blick, denn sie legen Schwachstellen offen. 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