{"id":666511,"date":"2018-01-31T16:50:26","date_gmt":"2018-01-31T15:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=666511"},"modified":"2018-01-31T16:50:26","modified_gmt":"2018-01-31T15:50:26","slug":"interview-do-experte-michael-hendricks-die-unerklaerliche-geheimnistuerei-der-versicherer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/01\/31\/interview-do-experte-michael-hendricks-die-unerklaerliche-geheimnistuerei-der-versicherer\/","title":{"rendered":"Interview D&amp;O-Experte Michael Hendricks:  Die unerkl\u00e4rliche Geheimnistuerei der Versicherer"},"content":{"rendered":"<p><strong>D&amp;O-Versicherer machen hierzulande Verluste.\u00a0Wird es f\u00fcr versicherte Top-Manager bald brenzlig?\u00a0\u00a0Um\u00a0Zahlen beim Thema Managerhaftpflichtversicherungen machen die Beteiligten seit jeher ein Geheimnis. Ausgerechnet von der Versichererlobby, dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft,\u00a0sickerten k\u00fcrzlich\u00a0zum allerersten Mal\u00a0Marktzahlen an den Branchendienst &#8222;Versicherungsmonitor&#8220; durch. Michael Hendricks,\u00a0D&amp;O-Pionier und\u00a0Rechtsanwalt\u00a0des Spezialmaklers f\u00fcr Managerversicherungen\u00a0Howden, erkl\u00e4rt,\u00a0ob und welche Gefahren auf Manager zukommen, wenn erste Versicherer die D&amp;O-Sparte schlie\u00dfen. D&amp;O-Versicherer machen hierzulande Verluste.\u00a0Wird es f\u00fcr versicherte Top-Manager bald brenzlig?\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_646577\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-646577\" class=\"size-full wp-image-646577\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/11\/hendricks.michael.offizi\u00f6s.jpg\" alt=\"\" width=\"609\" height=\"433\" \/><p id=\"caption-attachment-646577\" class=\"wp-caption-text\">Managerhaftungs-Experte Michael Hendricks<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Hendricks, seit Jahren gibt es Ger\u00fcchte, dass das Gesch\u00e4ft mit Managerhaftungsversicherungen &#8211; D&amp;O &#8211; in Deutschland Verluste macht.\u00a0Bekommen deutsche Unternehmen gegen Fehler ihrer Manager bald keinen Versicherungsschutz mehr?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hendricks:<\/strong> Managerhaftpflichtversicherungen sind f\u00fcr viele Versicherer ein pures\u00a0Verlustgesch\u00e4ft,\u00a0das stimmt. Die D&amp;O-Versicherer zahlen drauf.\u00a0Warum\u00a0sollen sie sich das noch lange angucken? Und der gr\u00f6\u00dfte Schadensfall hierzulande, die Diesel-Aff\u00e4re von VW &#8211; kommt ja erst noch. Die Deckungssumme von 500 Millionen Euro, f\u00fcr die\u00a0mehr als 20\u00a0Versicherer\u00a0unter F\u00fchrung der Zurich Versicherung\u00a0aufkommen m\u00fcssen, wird nicht mal reichen.<\/p>\n<p><strong>Womit m\u00fcssen die Unternehmen jetzt rechnen?<\/strong><\/p>\n<p>Dass die D&amp;O-Versicherer sich ums Zahlen dr\u00fccken werden. Das beginnt bei den Anwaltskosten, die ohnehin 70\u00a0Prozent bei den Haftpflichtf\u00e4llen ausmachen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;das hei\u00dft konkret?<\/strong><\/p>\n<p>Manager werden nicht mehr die erste Riege der Verteidiger bekommen. Sie m\u00fcssen sich mit einem weniger teuren, aber daf\u00fcr auch weniger versierten Strafverteidiger oder Zivilrechtsanwalt begn\u00fcgen m\u00fcssen. Und die D&amp;O-Versicherer werden im Vorfeld, in den Vertr\u00e4gen immer mehr Versicherungsausschl\u00fcsse einbauen &#8211; also F\u00e4lle, in denen sie nicht einspringen wollen\u00a0wie Kartellf\u00e4lle oder verdeckte Korruption, selbst wenn sie selbst damit gar nichts zu tun hatten. Nicht-Juristen erkennen die Fallstricke der raffinierten Versicherungs-Formulierungen kaum.<\/p>\n<p><strong>Und die Manager riskieren immer \u00f6fter, dass sie mit ihrem Privatverm\u00f6gen f\u00fcr Fehler einstehen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit w\u00e4chst, dass das pers\u00f6nliche Verm\u00f6gen gef\u00e4hrdet ist. Diese Entwicklung l\u00e4sst sich schon seit einigen Jahren beobachten. Die Zahl der Manager nimmt zu, die vom Hochverdiener in die pers\u00f6nliche Insolvenz abrutschen. Das prominenteste Beispiel: Der Ex-Finanzvorstand von Siemens, Heinz-Joachim Neub\u00fcrger, der sich nach einem jahrelangen, kr\u00e4ftezehrenden und teuren Schadenersatzprozess wegen der schwarzen Kassen des Konzerns von der Br\u00fccke st\u00fcrzte. Nachdem er\u00a02,5 Millionen Euro aus seinem Privatverm\u00f6gen an Siemens zahlen musste\u00a0und dann der n\u00e4chste Managerhaftungsfall &#8211; in Griechenland &#8211; auf ihn zukam. Er ist nicht der einzige, bei dem der Versicherungsschutz vollkommen versagt hat. Es gibt viele andere F\u00e4lle, in denen Manager am Ende mittellos dastehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur die \u00d6ffentlichkeit erf\u00e4hrt nie viel davon.<\/strong><\/p>\n<p>Viele dieser Schicksale werden nie\u00a0bekannt. Es\u00a0ist \u00fcblich, dass alles hinter verschlossenen T\u00fcren verhandelt wird, alle Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben und die Versicherer sowieso keine Urteile in der Welt haben wollen, auf die sich die n\u00e4chsten Unternehmen berufen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und auch wenn die Versicherung zahlt, werden Manager auch noch zur Kasse gebeten?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die wenigsten Manager wissen, dass D&amp;O-Versicherer und ihr Unternehmen von ihnen pers\u00f6nliche Zuzahlungen in Millionenh\u00f6he verlangen &#8211; so war es auch bei Rolf Breuer vor einem halben Jahr. Damit nicht genug, das Unternehmen streicht den Betroffenen dann meistens auch noch ihre hohen Pensionszusagen.<\/p>\n<p>Die Folgen f\u00fcr Manager sind tragisch, aber die wollen nicht dar\u00fcber reden.<br \/>\nDie wenigsten begehen Suizid, aber solche beruflichen Tiefschl\u00e4ge lenken das Leben der Betroffenen und ihrer Familien in v\u00f6llig andere, vollkommen unerwartete Bahnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie eine Zahl nennen ? Welche Taktik verfolgen D&amp;O-Versicherer, wenn\u00b4s hart auf hart kommt?<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen drei Jahren haben wir allein bei Howden gut hundert F\u00e4lle erlebt,\u00a0in denen D&amp;O-Versicherungen nicht zahlten und die Manager fast alles verloren haben. Allein die hohen Prozesskosten sind dann schon\u00a0 existenzbedrohend, weil es um Betr\u00e4ge in Millionenh\u00f6he geht. Versicherer spielen auf Zeit und setzen darauf, dass der Manager aufgibt. So kommt es, dass am sie es am Ende schaffen, dass sich alle Beteiligten auf einen mickrigen Vergleich einlassen, der oft nur zehn Prozent der Schadenssumme betr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Zahlt die Versicherung nicht voll, verlangt das Unternehmen umso mehr Geld vom Manager privat.\u00a0Ich sch\u00e4tze, dass es\u00a0bundesweit Hunderte von Managern\u00a0gibt, denen dasselbe passiert ist und\u00a0die ihr Verm\u00f6gen an ihre Arbeitgeber verloren haben.<\/p>\n<p><strong>Warum verschweigt die Versicherungslobby die entscheidenden Zahlen wie das Pr\u00e4mienvolumen im D&amp;O-Segment?<\/strong><\/p>\n<p>Die Geheimnistuerei ist unerkl\u00e4rlich. Schon deshalb, weil Unternehmen sich so in Sicherheit wiegen. Sie denken, dass alles gut geregelt ist und stattdessen k\u00f6nnen die &#8211; auf den ersten Blick attraktiv wirkenden &#8211; niedrigen Pr\u00e4mien f\u00fcr sie selbst am Ende sch\u00e4dlich sein und sich als Bumerang entpuppen. Ihnen wird vorgegaukelt, dass sich so ein existenzielles Risiko zu Dumpingpreisen absichern l\u00e4sst. Das wird f\u00fcr etliche Manager ein b\u00f6ses Erwachen geben.<\/p>\n<p><strong>Und welche Versicherer machen\u00a0hohe Verluste?<\/strong><br \/>\nChubb und Allianz haben beide zugegeben, dass ihre D&amp;O-Sparten Verluste machen.<\/p>\n<p><strong>Sollten Unternehmen solche Versicherer bei erster Gelegenheit verlassen?<\/strong><br \/>\nNicht, wenn sie als kulanter Regulierer auffallen und ohnehin die Verluste innerhalb des Konzerns wettmachen. Beispielsweise um im Gesch\u00e4ft zu bleiben mit namhaften Unternehmen, denen sie auch andere, profitablere Versicherungen verkaufen.\u00a0Einige Versicherer werden auch weiterhin ihre D&amp;O-Sparte\u00a0quersubventionieren, um sie als Lockvogel zu nutzen \u2013 sie ist die Eintrittskarte in die Chefetage. Sie haben ja auch schon in F\u00e4llen gezahlt, in denen sie gar nicht zahlen mussten wie bei VW-Manager Peter Hartz &#8211; die AIG wollte auf keinen Fall den Gro\u00dfkunden VW verlieren.<\/p>\n<p><strong>Was raten Sie den Managern?<\/strong><br \/>\nDass die Unternehmen m\u00f6glichst lange Nachmeldefristen bis zu zw\u00f6lf Jahren aushandeln und auch nachverhandeln, weil die Anspr\u00fcche f\u00fcr viele Manager zehn Jahre im Nachhinein und noch l\u00e4nger geltend gemacht werden k\u00f6nnen. Beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wurde eben erst die Konzernzentrale durchsucht wegen Bestechungen in Dakar, die zwischen 2006 und 2012 gewesen sein sollen. Ob sich die f\u00fcnf beschuldigen Manager noch an alles vor vor elf Jahren erinnern k\u00f6nnen, bezweifle ich.<\/p>\n<p><strong>Was sorgt f\u00fcr die schlechten Ergebnisse bei den D&amp;O-Versichern: die Riesenf\u00e4lle wie DaimlerChrysler mit 168 Millionen Euro Schaden oder Siemens mit 100 Millionen Euro? VW kommt ja auch noch obendrein.<\/strong><\/p>\n<p>Durchaus. Aber die vielen F\u00e4lle im Mittelstand addieren sich sehr hoch. Zumal wenn jetzt die Insolvenzverwalter als neue Kl\u00e4ger immer \u00f6fter antreten, wenn sie in der Insolvenzmasse als einzigen Verm\u00f6genswert am Ende noch eine D&amp;O-Police finden.<br \/>\nDie milliardenschweren Haftungsf\u00e4lle\u00a0von\u00a0VW\u00a0werden die Versicherer sicher erst in zehn Jahren zahlen m\u00fcssen, aber bis dahin zahlen sie schon jetzt den Managern erst mal ihre\u00a0Anwalts- und Gerichtskosten.\u00a0D&amp;O-F\u00e4lle dauern im Schnitt in der Konzern-Liga sieben Jahre, im Mittelstand\u00a0drei Jahre\u00a0\u2013 und wenn Versicherer auf Zeit spielen, um Manager m\u00fcrbe zu machen und weniger zahlen zu m\u00fcssen, dauert\u00b4s l\u00e4nger.<br \/>\n<strong>Und Insolvenzverwalter klagen heute, um nicht selbst haften zu m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Diese\u00a0Anspr\u00fcche\u00a0m\u00fcssen sie\u00a0geltend machen und holen daf\u00fcr\u00a0neuerdings\u00a0immer h\u00e4ufiger Prozessfinanzierer mit ins Boot. Dann zahlt der\u00a0die Kosten f\u00fcr langwierige Gerichtsverfahren\u00a0und bekommt am Ende 30 Prozent der Schadensersatzsumme.<\/p>\n<p>Dann kommen mehr F\u00e4lle vors Gericht als fr\u00fcher und die Anw\u00e4lte m\u00fcssen bis zum Urteil k\u00e4mpfen, statt einen schnellen, aber mickrigen Vergleich zu unterschreiben?<\/p>\n<p>Genau, ich mache heute schon viele Gutachten f\u00fcr Prozessfinanzierer, die ihre Aussichten erst mal abkl\u00e4ren wollen. Dann werden auch mehr F\u00e4lle \u00f6ffentlich werden und die Betroffenen nicht mehr so vom M\u00e4ntelchen des Schweigens vor unangenehmen Fragen gesch\u00fctzt. Bei Vergleichen schreiben sie immer Verschwiegenheitsklauseln hinein, dass funktioniert nicht bei Gerichtsurteilen.<\/p>\n<p><strong>Aber es gibt auch D&amp;O-Versicherer, die weiter Profit machen?<\/strong><\/p>\n<p>Einige Versicherer stehen in der Tat noch gut da. Noch.\u00a0Die haben im Prinzip nur Gl\u00fcck gehabt. Es ist purer Zufall, dass bei ihren Versicherungskunden weniger Schadensf\u00e4lle aufgetreten sind.<\/p>\n<p><strong>Wie werden\u00a0die D&amp;O-Versicherer\u00a0nun angesichts ihrer schlechten Finanzlage\u00a0reagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar D&amp;O-Versicherer\u00a0werden\u00a0aufgeben.\u00a0Andere &#8211;\u00a0Chubb ein Vorreiter\u00a0&#8211;\u00a0werden\u00a0ihre Versicherungspr\u00e4mien kr\u00e4ftig erh\u00f6hen. Aus versicherungsmathematischer Sicht m\u00fcssten sie ihre Pr\u00e4mien verdreifachen, um mit einem halbwegs blauen Auge davon zu kommen.<br \/>\nDamit nicht genug: sie werden ganz viele F\u00e4lle von vornherein ausklammern in ihren Versicherungsbedingungen &#8211; und das werden die Manager erst dann schmerzlich erfahren, wenn\u00b4s zu sp\u00e4t ist. So wie meistens.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu VW:\u00a0Beim\u00a0VW-Dieselgate-Skandal sind\u00a0Hunderte\u00a0von\u00a0Managern involviert.\u00a0Unter\u00a0den Experten gilt es als ausgemachte Sache, dass die Versicherungssumme von 500 Millionen Euro nicht f\u00fcr alle reicht. Werden\u00a0die\u00a0letzten die Hunde bei\u00dfen? Und ihr Eigenheim weggepf\u00e4ndet\u00a0bekommen\u00a0und sie die hohen Anwaltsrechnungen nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bezweifle, dass alle diese Manager wirklich haftbar gemacht werden k\u00f6nnen. Die Verantwortung tragen\u00a0sicherlich\u00a0der Vorstand und der Aufsichtsrat. Doch f\u00fcr manche Manager wird es ein b\u00f6ses Erwachen geben\u00a0\u2013 wie\u00a0gerade die Verurteilung des VW-Managers\u00a0Oliver Schmidt zu sieben Jahren Haft\u00a0in Florida gezeigt hat.\u00a0Sie werden ihr Privatverm\u00f6gen f\u00fcr ihre Verteidigung einb\u00fc\u00dfen. Es sei denn, sie haben vorgesorgt und\u00a0es\u00a0lange vorher schon\u00a0auf ihre Ehefrau, ihre Kinder oder Treuh\u00e4nder \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf den unteren Managementebenen ist es also gef\u00e4hrlicher als ganz oben im Top-Management?<\/strong><\/p>\n<p>Richtig, Oliver Schmidt wird von VW wohl jetzt auch noch gek\u00fcndigt. Die Top-Manager sch\u00fctzt es am Ende auch noch, wenn in ihrem Aufsichtsrat Politiker sitzen, das ist bei VW so und beim Skandal-Flughafen BER auch. Die Politiker nehmen die Top-Manager einfach nicht in Regress, obwohl sie\u00b4s m\u00fcssten, so wie Klaus Wowereit in Berlin. Hinter den T\u00fcren schlossen alle einen Vergleich von zw\u00f6lf Millionen Euro \u2013 die Sch\u00e4den sind viel h\u00f6her, aber das Top-Management blieb ungeschoren. Den Schaden hat der Steuerzahler.<\/p>\n<p><strong>Und was ist, wenn Versicherungen jetzt aufh\u00f6ren in Deutschland, aber die\u00a0von ihnen\u00a0versicherten Manager\u00a0sie\u00a0in f\u00fcnf Jahren zur Kasse bitten wollen? Weil all solche F\u00e4lle so lange dauern, so wie bei Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist kein Problem. Solange die Versicherer nicht Insolvenz anmelden, m\u00fcssen sie f\u00fcr den in den D&amp;O-Versicherungsvertr\u00e4gen ausgehandelten Schutz auch einstehen. Umgekehrt \u2013 die viele Jahre sp\u00e4ter f\u00e4llige Nachhaftung ist eher ein Problem f\u00fcr die Versicherer. Wer jetzt aus dem D&amp;O-Markt aussteigen will, kann sein Risiko gar nicht so schnell begrenzen, wie er es gerne w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sie schleppen das Risiko von D&amp;O-Versicherungsvertr\u00e4gen auch nach ihrer eigenen Aufk\u00fcndigung noch bis zu zw\u00f6lf Jahre lang mit sich. Denn so lange die Nachhaftungsfrist noch l\u00e4uft, so lange k\u00f6nnen Unternehmen und Manager, Schadenf\u00e4lle, die in die urspr\u00fcnglich vereinbarte Versicherungszeit fallen, nachmelden.<\/p>\n<p><strong>Die Amerikaner waren\u00a0vor\u00a0gut\u00a025 Jahren\u00a0die ersten, die D&amp;O-Policen in Deutschland an die staunenden Unternehmen verkauften. Die rieben sich damals die Augen: Eine Versicherung gegen Fehler der eigenen Manager? Dabei:\u00a0Kann es sein, dass die Amerikaner sich damals \u00fcber den deutschen Markt geirrt haben? Weil in Amerika nur Aktion\u00e4re und Konsumenten Manager pers\u00f6nlich verklagten, aber in Deutschland sogar die eigenen Unternehmen? Und die F\u00e4lle, in denen\u00a0Unternehmen die eigenen Manager verklagen, sind hierzulande der Regelfall &#8211; aber in Amerika gab es das gar nicht?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Als die Amerikaner Ende der\u00a080-er Jahre D&amp;O-Policen in Deutschland auf den Markt brachten, haben sie in der Tat das Ganze untersch\u00e4tzt. Dass die internen Streitigkeiten zwischen Unternehmen und Managern so immense Ausma\u00dfe annehmen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>F\u00e4lle, in denen der Aufsichtsrat\u00a0Schadenersatzforderungen gegen den eigenen Vorstand\u00a0erhebt oder\u00a0umgekehrt, der Vorstand,\u00a0dem\u00a0Aufsichtsrat\u00a0vor Gericht\u00a0den Streit verk\u00fcndet\u00a0und mit in den Prozess hineinzwingt,\u00a0machen mehr als 80 Prozent aller Schadenf\u00e4lle in Deutschland aus. In den USA ist es\u00a0ganz anders: Da greifen Aktion\u00e4re oder Konsumenten die Manager an und verlangen Schadenersatz. Die amerikanischen D&amp;O-Versicherer hatten gehofft, mit der D&amp;O-Versicherung Geld zu verdienen und damit neue Gro\u00dfkunden zu gewinnen. Letzteres hat funktioniert.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D&amp;O-Versicherer machen hierzulande Verluste.\u00a0Wird es f\u00fcr versicherte Top-Manager bald brenzlig?\u00a0\u00a0Um\u00a0Zahlen beim Thema Managerhaftpflichtversicherungen machen die Beteiligten seit jeher ein Geheimnis. 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