{"id":666109,"date":"2017-10-02T18:17:56","date_gmt":"2017-10-02T16:17:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=666109"},"modified":"2017-10-02T18:17:56","modified_gmt":"2017-10-02T16:17:56","slug":"gastbeitrag-bbc-moderatorin-katty-kay-ueber-maenner-die-sich-notorisch-ueberschaetzen-und-frauen-die-sich-notorisch-unterschaetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/02\/gastbeitrag-bbc-moderatorin-katty-kay-ueber-maenner-die-sich-notorisch-ueberschaetzen-und-frauen-die-sich-notorisch-unterschaetzen\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag BBC-Moderatorin Katty Kay \u00fcber M\u00e4nner, die sich notorisch \u00fcbersch\u00e4tzen und Frauen, die sich notorisch untersch\u00e4tzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katty Kay ist\u00a0US-Anchor der BBC World News America und\u00a0z\u00e4hlt zu den profiliertesten Journalistinnen Gro\u00dfbritanniens. Exklusiv im Management-Blog erscheint hier ihr St\u00fcck \u00fcber\u00a0das Ph\u00e4nomen, dass sich M\u00e4nner notorisch \u00fcbersch\u00e4tzen und Frauen notorisch untersch\u00e4tzen &#8211; ein Gastbeitrag:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anl\u00e4sslich des aktuell ausgestrahlten BBC 100-Women-Programm-Schwerpunktes wird diese Woche eine Gruppe von Frauen im Silicon Valley zusammenkommen, um eine L\u00f6sung f\u00fcr ein weithin bekanntes Problem auf den Weg zu bringen: Sie soll die unsichtbare Wand, der sich Frauen in der Wirtschaftswelt ausgesetzt sehen, \u00fcberwinden. BBC World News America Moderatorin Katty Kay erkl\u00e4rt, warum Frauen, wie diese, allen Grund haben selbstbewusst zu sein, aber sich wahrscheinlich unsicherer f\u00fchlen als M\u00e4nner in der gleichen Situation.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_666110\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666110\" class=\"size-full wp-image-666110\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.katty-kay-100-days-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.katty-kay-100-days-2.jpg 600w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.katty-kay-100-days-2-277x300.jpg 277w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-666110\" class=\"wp-caption-text\">Katty Kay, Moderatorin von BBC World News America\u00a0(Foto: BBC World News America))<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das ehrliche \u00dcbervertrauen der M\u00e4nner,\u00a0die Selbstvertrauensl\u00fccke der Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Die Columbia Business School in New York nennt das Ph\u00e4nomen, dass M\u00e4nner sich in der Regel kompetenter einsch\u00e4tzen als sie tats\u00e4chlich sind \u201cehrliches \u00dcbervertrauen\u201d. Nach den Angaben der Columbia Business School \u00fcbersch\u00e4tzen M\u00e4nner ihre eigenen F\u00e4higkeiten um circa 30 Prozent. Sie t\u00e4uschen das Selbstvertrauen dabei nicht vor, sie glauben tats\u00e4chlich daran. Wir Frauen dagegen haben die Neigung, unsere F\u00e4higkeiten zu untersch\u00e4tzen. Unser Talent sch\u00e4tzen wir geringer ein als es tats\u00e4chlich ist.\u00a0 Wir nennen dies \u201eSelbstvertrauensl\u00fccke\u201c, im Laufe einer Karriere kann dies zu weniger Bef\u00f6rderungen, begrenzter Chancengleichheit und geringerer Bezahlung f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es gibt keinen einzigen Beleg f\u00fcr geringere Frauen-Kompetenz<\/strong><\/p>\n<p>Der 100-Women-Challenge, den die BBC derzeit ausrichtet, ist Teil einer breiter angelegten Initiative, die dieses Missverh\u00e4ltnis beheben will. Es ist ein Defizit, f\u00fcr das es keine reale Begr\u00fcndung gibt. Es gibt nicht einen Beleg daf\u00fcr, dass wir Frauen weniger kompetent als unsere m\u00e4nnlichen Kollegen sind. In unserer akademischen Ausbildung schneiden wir im Durchschnitt besser als M\u00e4nner ab, was uns oft fehlt, ist das n\u00f6tige Selbstvertrauen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-666111\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.LOGO_-264x300.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.LOGO_-264x300.jpg 264w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/BBC.LOGO_.jpg 573w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gleiche Leistung von M\u00e4nnern und Frauen &#8211; verschiedene Beurteilung<\/strong><\/p>\n<p>Eine aufschlussreiche Sozialstudie f\u00fchrte mit\u00a0M\u00e4nnern und Frauen ein wissenschaftliches Argumentations-Quiz durch und zeigte: Frauen sagen fast immer, dass sie schlechter abgeschnitten haben, als sich tats\u00e4chlich sp\u00e4ter herausstellt. Bei M\u00e4nnern ist es umgekehrt. Letztlich zeigen M\u00e4nner und Frauen in etwa die gleichen Leistungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie oft haben Sie schon eine Frau sagen h\u00f6ren sie \u201ehabe Gl\u00fcck gehabt, soweit in ihrer Karriere gekommen zu sein\u201c? Oder sie \u201ewar zur richtigen Zeit am richtigen Ort\u201c? Oder in meinem eigenen Fall: Ich sagte und glaubte immer, der einzige Grund f\u00fcr meinen Erfolg in den USA sei mein britischer Akzent. Es konnte nicht sein, dass ich einfach einen guten Job machte oder hart arbeitete? Das w\u00e4re ein Unding.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Noch immer geringere Bezahlung und fehlende weibliche Vorbilder<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin kein unverbesserlicher Optimist. Ich glaube nicht, dass eine \u00dcberwindung dieser Selbstvertrauensl\u00fccke an sich schon die Spielregeln zwischen M\u00e4nnern und Frauen ausgleichen w\u00fcrde. Es gibt strukturelle Ungleichheiten, die nicht allein mit Selbstvertrauen ausgemerzt werden k\u00f6nnen. Es gibt immer noch nicht die gleiche Bezahlung f\u00fcr die gleiche Arbeit. Der Mangel an Vorbildern auf Top-Ebene zieht nach sich, dass Frauen nicht einfach nach oben schauen k\u00f6nnen und ein Bild von sich selbst sehen, wie M\u00e4nner es k\u00f6nnen. Und es gibt immer noch Diskriminierung.<\/p>\n<p>Sie erleben es in ihrer Branche, ich in meiner. Wenn ein Mann Ihr Aussehen kommentiert, dann lenkt das oft von Ihrer professionellen Kompetenz ab. Wenn ein Mann sagt, Ihr Mikrophon sollte abgeschaltet werden, da Sie eine knifflige Fragen gestellt haben, wie dies Trumps Wahlkampfhelfer Ben Carson mir gegen\u00fcber in einer Morgenfernsehsendung tat, empfindet man das als einen Versuch \u201edieses dumme M\u00e4dchen zum Schweigen zu bringen\u201c. \u00a0Das ironische an diesem Fall war, dass das Thema der Diskussion sich mit der Bel\u00e4stigung von Frauen auseinandersetzte.\u00a0Carson hatte das wohl nicht gemerkt &#8211; er ist inzwischen Minister f\u00fcr Wohnungsbau und Stadtentwicklung in den USA.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verkrustete Verh\u00e4ltnisse &#8211; und zu viele Bedenken der Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Diese verkrusteten Verh\u00e4ltnisse lassen sich nicht \u00fcber Nacht \u00e4ndern, nur weil wir pl\u00f6tzlich mehr Selbstbewusstsein haben. Wir brauchen politische Ver\u00e4nderungen. Was mir an dem Konzept des Selbstvertrauens gef\u00e4llt: Frauen k\u00f6nnen es selbst, individuell und sofort umsetzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Buch \u201eThe Confidence Code, was Frauen selbstbewusst macht\u201c, das ich zusammen mit der amerikanischen Journalistin Claire Shipman geschrieben habe, befragten wir viele Psychologen, Manager, Sportler, Milit\u00e4rs und Neurowissenschaftler. Wir sprachen mit Forschern, die das Selbstvertrauen von Ratten erforschen. Ich wusste nicht, dass es selbstbewusste und sch\u00fcchterne Ratten gibt, aber es ist tats\u00e4chlich so.<\/p>\n<p>Wir entdeckten ein Muster, das leicht aufgebrochen werden kann. Die Selbstvertrauensl\u00fccke entsteht aus einer Mischung aus Perfektionismus, Scheu vor Risiko, Angst vor Versagen, und zu vielen Bedenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauen neigen dazu, sich unter Wert zu verkaufen<\/strong><\/p>\n<p>Hierf\u00fcr gebe ich Ihnen ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung:<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren war ich ins Wei\u00dfe Haus zu einem Treffen \u00fcber die Nahostpolitik eingeladen. Ich ging in den Raum, in dem sich 14 M\u00e4nner und zwei Frauen aufhielten, und stellte fest, sie waren allesamt ausgewiesene Nahostexperten. Ich war die einzige Generalistin und eine von zwei Frauen. Sofort f\u00fchlte ich mich als T\u00e4uschung, als jemand, dem es nicht zustand, dabei zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als die Fragen- und Antworten-Runde er\u00f6ffnet wurde, f\u00fchrte ich innerlich Selbstgespr\u00e4che. Ich stellte mir vor, dass, wenn ich eine Frage stellte, jeder merken w\u00fcrde, dass ich nicht so viel Fachwissen hatte wie sie. Ich w\u00fcrde rot werden, stammeln, schwitzen und jeder w\u00fcrde mich anstarren. Dennoch zwang ich mich nach einer Weile, meine Hand zu heben und eine Frage zu stellen. Dann passierte etwas Ungew\u00f6hnliches, die Erde tat sich nicht auf und verschlang mich, und der Himmel fiel mir auch nicht auf den Kopf.<\/p>\n<p>Mit dieser einzigen Frage machte ich es jedoch einfacher f\u00fcr mich, das n\u00e4chste Treffen auf hoher Ebene zu bew\u00e4ltigen. Ich hatte etwas Selbstvertrauen gewonnen.\u00a0 Die Vertrauensl\u00fccke zu schlie\u00dfen hei\u00dft, ehrlich mit sich selbst und seinem K\u00f6nnen umzugehen und sich nicht andauern unter Wert zu verkaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen akzeptieren, dass wir nicht perfekt sind &#8211; und keine Roboter<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen akzeptieren, dass Fehler ein Teil der menschlichen Natur sind. Es bedeutet, dass wir \u00c4rger, Kritik und Fehler absch\u00fctteln und nicht an ihnen festhalten, wie ein Hund am Knochen. Es bedeutet auch zu akzeptieren, dass wir nicht perfekt sind. Roboter sind perfekt, wir sind es nicht. Jedes Mal wenn Sie sich \u00a0einem Wettbewerb stellen, wie dem f\u00fcr die BBC, verlassen Sie Ihre Komfortzone, nehmen ein Risiko auf sich und schlie\u00dfen die Selbstvertrauensl\u00fccke. Vielen Dank daf\u00fcr. Wir brauchen noch mehr davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Interview im &#8222;Handelsblatt&#8220; mit Katty Kay: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/bbc-moderatorin-katty-kay-ein-truegerisches-gefuehl-der-sicherheit\/20363002.html\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/bbc-moderatorin-katty-kay-ein-truegerisches-gefuehl-der-sicherheit\/20363002.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katty Kay ist\u00a0US-Anchor der BBC World News America und\u00a0z\u00e4hlt zu den profiliertesten Journalistinnen Gro\u00dfbritanniens. 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