{"id":666009,"date":"2017-09-23T02:12:30","date_gmt":"2017-09-23T00:12:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=666009"},"modified":"2017-09-23T09:33:00","modified_gmt":"2017-09-23T07:33:00","slug":"buchauszug-massiomo-bognanni-middelhoff-abstieg-eines-star-managers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/09\/23\/buchauszug-massiomo-bognanni-middelhoff-abstieg-eines-star-managers\/","title":{"rendered":"Buchauszug Massimo Bognanni: &#8222;Middelhoff &#8211; Abstieg eines Star-Managers&#8220;"},"content":{"rendered":"<hr \/>\n<p><strong>&#8222;Managern gro\u00dfer Konzerne sollte der Fall zu denken geben&#8220;, schreibt Ex-&#8222;Capital&#8220;-Chefredakteur\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Middelhoff-Abstieg-Star-Managers-Massimo-Bognanni-ebook\/dp\/B072F6YR3V\">Ralf-Dieter Brunowsky \u00fcber die Middelhoff-Biographie von &#8222;Handelsblatt&#8220;-Redakteur Massiomo Bognanni.\u00a0<\/a>Und weiter: &#8222;Bognanni listet Thomas Middelhoffs berufliche Karriere mit all ihren Spr\u00fcngen und Rissen minuti\u00f6s auf, immer aus der Sicht eines au\u00dfenstehenden Beobachters, der mit dem Delinquenten nicht gesprochen hat. Ihm war angeboten worden, das Buch gemeinsam mir Middelhoff zu verfassen, aber Bognanni hat sich darauf zu Recht nicht eingelassen. Dazu ist seine Sichtweise viel zu weit von Middelhoffs Selbstdarstellung entfernt. Middelhoff konnte er daraufhin nicht mehr sprechen.&#8220;\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Hier ein Buchauszug aus Bognannis &#8222;Middelhoff &#8211; Abstieg eines Star-Managers&#8220;:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_662437\" style=\"width: 446px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662437\" class=\"size-full wp-image-662437\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/bognanni_massimo.jpg\" alt=\"\" width=\"436\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/bognanni_massimo.jpg 436w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/bognanni_massimo-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/><p id=\"caption-attachment-662437\" class=\"wp-caption-text\">Buchautor Massimo Bognanni, Redakteur beim &#8222;Handelsblatt&#8220;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen<\/strong><\/p>\n<p>Zwei W\u00e4rter f\u00fchren Middelhoff an diesem 14. November 2014 zur Zelle. Trakt A, die Aufnahme. Jeder H\u00e4ftling durchl\u00e4uft diese Station. Egal, ob Steuerhinterzieher, Vergewaltiger oder M\u00f6rder. Die Frischlinge sind im Schnitt um die 30 Jahre alt. Middelhoff k\u00f6nnte ihr Vater sein.<\/p>\n<p>Der Neue wird in seine Zelle gef\u00fchrt. Die schwere Stahlt\u00fcr ist mit Holz verkleidet. Ein kleiner Spion mit einer Klappe ist zu sehen. Neben der T\u00fcr klebt ein gelber Zettel, der f\u00fcr den neuen H\u00e4ftling noch verh\u00e4ngnisvoll werden wird. \u00bb15 Minuten Kontrolle\u00ab steht darauf geschrieben.<\/p>\n<p>Zwei Schritte zur Seite ist die Gef\u00e4ngniszelle gro\u00df, vier nach vorn, mehr nicht. An der Wand ein Waschbecken, daneben ein Klo. Die Matratze ist aus gelbem Schaumstoff, der wackelige Schrank aus Spanplatten. Keine Tapeten, keine Teppiche. Nur eine Holzleiste, an der pers\u00f6nliche Fotos befestigt werden k\u00f6nnen. Die schwere Zellent\u00fcr f\u00e4llt knarzend in die Fugen. Der Schl\u00fcssel dreht. Klick, klick, dann: Isolation.<\/p>\n<p>Middelhoff, der freiheitsliebende Manager, der manchmal mehrfach am Tag \u00fcber Kontinentalplatten und Zeitzonen hinweg geglitten war, ist weggesperrt. Dieses Mal legt ihm das Schicksal, das es so au\u00dferordentlich gut mit ihm gemeint hatte, einen dicken Brocken in den Weg. Wieder eine Aufgabe f\u00fcr ihn, den Teufelskerl. Middelhoffs Anw\u00e4lte werden Revision einlegen.<\/p>\n<p>Nach wenigen Tagen legt er die H\u00e4ftlingskluft ab. Als Untersuchungsh\u00e4ftling darf er seine Privatkleidung tragen. Middelhoff wirkt auf das Justizpersonal wie eine Autorit\u00e4tsperson, w\u00fcrdevoll, die Haare stets gek\u00e4mmt, frisch rasiert sitzt er da in seiner Zelle. Das Hemd sauber geb\u00fcgelt, dazu tr\u00e4gt er meist Stoffhose und eine braune Strickjacke.<\/p>\n<p>Beim Gef\u00e4ngnisleiter, Alfred Doliwa, bittet er darum, in der Aufnahmeabteilung bleiben zu d\u00fcrfen. Normalerweise m\u00fcsste er in den B-Trakt verlegt werden. Doch Middelhoff bevorzugt das bekannte Territorium, bittet darum, in Einzelhaft zu bleiben. Schlie\u00dflich braucht er Ruhe zur Arbeit. L\u00e4ngst hat er einen neuen Plan gefasst, blitzschnell eine Perspektive geschaffen. Eine T\u00fcr schlie\u00dft sich, eine andere geht auf. Middelhoff bestellt Bleistift und viel Papier.<\/p>\n<p>Er schreibe seine Memoiren, erkl\u00e4rt er Bewachern. Auf eine bizarre Weise, so schien es, verwirklicht er sich hier, hinter schwedischen Gardinen, seinen Jugendtraum: ein Buchautor zu sein. Zun\u00e4chst nutzt er noch die Freistunde. Er trottet mit auf den Spazierg\u00e4ngen in dem kargen Innenhof. Wie eingesperrte Raubkatzen tigern die H\u00e4ftlinge dort im Kreis herum. St\u00e4ndig beobachtet von Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen W\u00e4rtern in Wacht\u00fcrmen. Doch die Mith\u00e4ftlinge erkennen ihn. Der prominente Ex-Manager weckt Begehrlichkeiten, schildert er den W\u00e4rtern. Middelhoff verzichtet auf den Freigang.<\/p>\n<p>Auch sonst bevorzugt er die eigenen vier W\u00e4nde. Tags\u00fcber ist die JVA ein lauter Ort. Zwei bis drei Mal in der Woche schrillt der Alarm auf allen Gef\u00e4ngnisfluren. Weil sich wieder einer selbst verletzten wollte oder einen Beamten angegriffen hat. St\u00e4ndig ert\u00f6nen Durchsagen. Gruppen von H\u00e4ftlingen gehen polternd \u00fcber die Gitterroste zu ihren Sportgruppen oder in die Werkst\u00e4tten. Fremde Sprachen schwirren durch die Luft. Middelhoff wagt sich in diese Welt nur hinaus, wenn es sein muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-666010\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.middelhoff.jpg\" alt=\"\" width=\"408\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.middelhoff.jpg 408w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.middelhoff-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><strong>Massimo Bognanni: &#8222;Middelhoff &#8211; Abstieg eines Star-Managers&#8220;, Campus Verlag, 24,95 Euro, 288 Seiten: <a href=\"http:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/wirtschaft-gesellschaft\/wirtschaft\/middelhoff-14239.html\">http:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/wirtschaft-gesellschaft\/wirtschaft\/middelhoff-14239.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie jeder hier darf Middelhoff f\u00fcr 210 Euro im Monat bei einem H\u00e4ndler einkaufen. In T\u00fcten wird dann die Bestellung frei Haus geliefert. Das Essen wird in der Zelle serviert. Auf dem Speiseplan stehen Graupensuppe mit Mettwurst, Chili-con-Carne und gekochte Eier mit Spinat und Kartoffeln. Seine Familie darf er zwei Mal im Monat sehen, jeweils eine Stunde lang. Der Besucherraum ist eng. An den gelb gestrichenen W\u00e4nden h\u00e4ngt eine geschmacklose Zeichnung einer leicht bekleideten, knienden Frau. Weil anf\u00e4nglich Verdunkelungsgefahr besteht, also Absprachen getroffen werden k\u00f6nnten, um Beweise aus dem Weg zu schaffen, sitzt die ganze Zeit ein Beamter daneben. Keine Privatsph\u00e4re.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig besucht er den evangelischen Pfarrer, singt im Kirchenchor. Den Rest der Zeit investiert er in seine Autobiografie. Bei leise laufendem Radio sitzt er konzentriert am Schreibtisch. Kommt jemand herein, erhebt er sich z\u00f6gerlich, mit dem vorwurfsvollen Gestus, gerade aus einem wichtigen Gedankengang gerissen worden zu sein. Es gebe schon interessierte Verlage, sagt er.<\/p>\n<p>Das Schreiben, so wirkt es auf das Wachpersonal, gibt ihm eine Struktur. Seine Unternehmung lautet: Memoiren schreiben. Das Vorstandsb\u00fcro seiner Ich-AG ist die gerade einmal acht Quadratmeter gro\u00dfe Zelle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Insolvenz<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00bbPersonal Statement\u00ab setzte Bruno Wu im Januar 2015 auf, verschickte es per E-Mail, f\u00f6rmlich im Ton, hart im Inhalt. Die Entzauberung einer vermeintlichen Erfolgsgeschichte. Noch vor wenigen Monaten hatte Middelhoff gesagt, er baue gerade wieder einen Medienkonzern auf, in China: \u00bbDa kommt noch was!\u00ab<\/p>\n<p>In Bruno Wus Brief klang das nun anders. Urspr\u00fcnglich, so weit waren sich die beiden einig, wollten die Freunde Wu und Middelhoff mit der BT Capital ein gro\u00dfes Business aufziehen, in dem sie ihrer beiden Aktivit\u00e4ten b\u00fcndelten. Doch aus verschiedenen Gr\u00fcnden h\u00e4tten sie noch nicht einmal das Joint Venture gr\u00fcnden k\u00f6nnen, geschweige denn ins operative Gesch\u00e4ft starten. 2014 erdachten sie, so beschreibt es Wu, schlie\u00dflich eine Alternative, um Middelhoffs angekratzte Reputation zu retten. Einen Medienfonds in China. Auch diese Idee habe sich nun er\u00fcbrigt.<\/p>\n<p>Seit der Verurteilung sei, hei\u00dft es da trocken, ein gemeinsames Business in China unm\u00f6glich. Seit dem Urteilsspruch seien alle Gespr\u00e4che abgebrochen worden, auch mit Investoren. Der massive Reputationsverlust mache eine Gesch\u00e4ftsentwicklung unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Herr Wu hat endg\u00fcltig kalte F\u00fc\u00dfe bekommen. Dies war nur der Auftakt zu weiteren Einbr\u00fcchen. Middelhoff hatte sie alle pariert: die Angriffe Bergers, die Pf\u00e4ndung seiner Uhr. Doch den entscheidenden Schritt in der Phalanx der Gl\u00e4ubiger macht eine Beh\u00f6rde, das Finanzamt Bielefeld-Au\u00dfenstadt.Sie stellt einen Insolvenzantrag, der gravierende Folgen hat. Middelhoff hatte lange mit sich vor dem letzten Schritt gerungen. Anw\u00e4lte, Freunde, die Familie dr\u00e4ngten ihn. Allein, es blieb keine andere Wahl. Am 31. M\u00e4rz 2015, einem Dienstag, um 14:02 Uhr, beantragt Middelhoff seinerseits die Privatinsolvenz. Der Mann, der einst bei Bertelsmann 40 Millionen Euro Bonus f\u00fcr einen gelungenen Deal erhielt, kann Steuerschulden nicht mehr zahlen.<\/p>\n<p>Es ist eine Steuerlast von sch\u00e4tzungsweise mindestens 5 Millionen Euro, die am Schluss den Ausschlag gibt. Die Bielefelder Finanzbeamten fordern die Summe f\u00fcr Einnahmen aus dem Beratervertrag Middelhoffs mit der K\u00f6lner Privatbank Sal. Oppenheim. Middelhoff gab sp\u00e4ter an, das Bankhaus habe sich sein Wissen und seine Kontakte zu Investoren sichern wollen. Die Honorare seien nur \u00bbvirtuell\u00ab \u2013 sie wurden verrechnet mit Kreditverpflichtungen.<\/p>\n<p>Der Insolvenzantrag ver\u00e4ndert alles. Middelhoff, der sein Image als millionenschwerer Macher pflegte, ist pleite. Am Nachmittag wird Thorsten Fuest von Brinkmann &amp; Partner in Bielefeld zum Insolvenzverwalter bestimmt. Die Kanzlei unterh\u00e4lt gute Verbindungen zur M\u00fcnchener Gro\u00dfkanzlei Noerr, die die Interessen des Gro\u00dfgl\u00e4ubigers Deutsche Bank vertritt. Jetzt \u00fcbernimmt ein Jurist in Ostwestfalen den verwickelten Fall. Die Dinge sind verworren, die Spuren der Middelhoff-Gelder \u00e4hneln einem \u00bbDrip Painting\u00ab von Jackson Pollock, lauter bunte Schlieren, Kreise und Ellipsen. Und wer wei\u00df, ob sich seine gewieften Gegner nicht weitere Schritte \u00fcberlegen? Man\u00f6ver vielleicht gegen die Kinder.\u00bbIrgendwo muss doch das Geld sein\u00ab, sagt Berater Berger vor Vertrauten. Man vermutet \u00bbAsset Protection\u00ab, vulgo gebunkertes Geld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insolvenzverwalter Thorsten Fuest muss erfahren sein in der Welt der Hochfinanz, kundig mit Fonds und Immobilien, geschickt im Umgang mit Spitzenanw\u00e4lten und mit ungehaltenen Million\u00e4ren; immerhin hat sein Chef, Kanzleigr\u00f6\u00dfe Gerhard Brinkmann, das Handwerk einst an der Seite des Branchenveteranen und Arcandor- Insolvenzverwalters Klaus Hubert G\u00f6rg gelernt.<\/p>\n<p>Fuest wei\u00df um die Aufregung auf allen Seiten, will sich aber keine Gef\u00fchle, keine Schlammschlacht leisten. Nur die Zahlen sollen wichtig sein. Gerade weil er das Erbe von \u00bbBig T\u00ab ermittelt. Weil es der Name Thomas Middelhoff ist, der auf den Aktendeckeln prangt. Und weil unter den Gl\u00e4ubigern die Beraterlegende Roland Berger und Immobilienmogul Josef Esch zu finden sind.<\/p>\n<p>Thorsten Fuest w\u00e4lzt seit seiner Bestellung Gerichtsunterlagen, fragt Gl\u00e4ubiger, richtet ein eigenes Sonderkonto ein. Nur: Selbst nach Wochen der Suche hat er kein Geld gefunden. \u00bbNull Euro und null Cent\u00ab habe er sichern k\u00f6nnen, so sein erster Wasserstandsbericht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alles verschwunden, verschollen, verprasst? Auf der Suche nach verborgenen Sch\u00e4tzen wird Fuest eine \u00bbZahlungsflussanalyse\u00ab bis zur\u00fcck in die 1990er Jahre vornehmen. Jahrelange Recherchen stehen\u00a0ihm bevor. Der 43-J\u00e4hrige, keine Krawatte, offenes Hemd, nimmt die Sache sportlich: \u00bbSolche Herkulesaufgaben spornen mich an.\u00ab<\/p>\n<p>Mindestens 50 Gl\u00e4ubiger haben mit Middelhoff noch eine Rechnung offen. Da ist etwa Berater Roland Berger, der 7 Millionen Euro fordert. Da ist der Immobilienfonds Gewobag mit Forderungen von knapp 1 Million Euro. Da sind die Bank Sal. Oppenheim, die Sparkasse K\u00f6lnBonn und der Arcandor-Insolvenzverwalter. Auch Josef Esch will immer noch 2,5 Millionen Euro zur\u00fcck. Zu den Gl\u00e4ubigern\u00a0z\u00e4hlen zudem Bedienstete Middelhoffs.<\/p>\n<p>Einige Forderungen sind Gegenstand von Prozessen. Wie hoch die Schulden insgesamt sein werden, ist unsicher. Middelhoffs Ziel dagegen ist klar: eine rasche Restschuldbefreiung. Nur wenn er glaubhaft alles daransetzt, seine Gl\u00e4ubiger zu bedienen, wird ihm die Restschuld erlassen. Im besten Fall k\u00f6nnte er nach drei Jahren die Reset-Taste dr\u00fccken. Doch das gilt nur, wenn Fuest keine verborgenen Verm\u00f6gen findet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Folter-Gate<\/strong><\/p>\n<p>Middelhoff verfolgt seinen finanziellen Niedergang hinter den dicken Mauern der JVA Essen. Nichts wurde daraus, dank Revision vor Weihnachten in Freiheit zu sein. Auch die anderen Haftpr\u00fcfungen liefen ins Leere. Middelhoff hat stark an Gewicht verloren, ist gesundheitlich angeschlagen. Die n\u00e4chste Haftpr\u00fcfung steht kurz bevor, es ist April 2015. Der leidenschaftliche Pianist spielt \u00fcber seine Anw\u00e4lte nun eine Klaviatur, die er selbst aus dem Gef\u00e4ngnis heraus bestens beherrscht: die der Medien.<\/p>\n<p>Es geht um jenen kleinen gelben Zettel am Rahmen seiner Zellent\u00fcr, den Middelhoff zun\u00e4chst in seiner Tragweite kaum wahrnehmen konnte. Erst sp\u00e4ter bekommt er die Folgenschwere der knappen Information zu sp\u00fcren, die da steht: \u00bb15 Minuten Kontrolle\u00ab. In Middelhoffs Zelle wurde jede Viertelstunde die Metallplatte \u00fcber dem Spion beiseitegeschoben. Ein Beamter kontrollierte regelm\u00e4\u00dfig, auch in der Nacht. Bewegte sich der Brustkorb? Gab es ein Lebenszeichen? War der Insasse leblos, klopfte der W\u00e4rter an.<\/p>\n<p>Anfang April stecken Middelhoffs Mannen der Bild am Sonntag exklusive Informationen. Die Kontrollen zur Suizidpr\u00e4vention seien die reinste Folter! 672 Stunden Schlafentzug h\u00e4tten den H\u00e4ftling krank gemacht. M\u00f6glicherweise unheilbar. Die Boulevard-Journalisten bekommen Einblicke in die Krankenakte. Die \u00c4rzte diagnostizieren Chilblain Lupus, eine seltene Immunschw\u00e4chekrankheit. Die Symptome erinnern an Frostbeulen (Chilblain = Frostbeule): Middelhoff klagte \u00fcber geschwollene H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe. Sohn Jan, 31, meldet sich zu Wort: \u00bbMein Vater hatte zu keinem Zeitpunkt Selbstmordabsichten.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch am gleichen Tag setzt sich Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner an den Schreibtisch \u2013 und widmet seine \u00bbPost von Wagner\u00ab dem \u00bblieben Thomas\u00ab: \u00bbWenn nur die H\u00e4lfte stimmt, was Ihre Anw\u00e4lte sagen \u2013 Schlaffolter etc. \u2013 haben Sie mein Mitgef\u00fchl. Ich mag nicht, wenn Menschen leiden. Menschen, die wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt wurden, sollen b\u00fc\u00dfen. Aber nicht leiden. Knast ist f\u00fcr niemanden leicht. Vielleicht ist der Knast leichter f\u00fcr Zuh\u00e4lter und Gewohnheitsverbrecher. Middelhoff war der Chef des damaligen Weltkonzerns Bertelsmann, Chef von Karstadt. Middelhoff lebte in der Welt der G\u00f6tter und Helden. Er ist nun krank, abgemagert. Er b\u00fc\u00dft nicht nur, er leidet.\u00ab<\/p>\n<p>Auch der S\u00fcddeutschen Zeitung gibt Middelhoffs Anwalt Einblicke in die Krankenakte. Middelhoff habe der Ver\u00f6ffentlichung ausdr\u00fccklich zugestimmt. Middelhoff, 1,91 Meter gro\u00df, habe bei Haftantritt 87,4 Kilogramm gewogen. Nach f\u00fcnf Monaten Haft wiege er nur noch rund 70 Kilo. Gewebe an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen zerfalle. Middelhoff k\u00f6nne sich kaum das Hemd zukn\u00f6pfen, einen Stift halten.<\/p>\n<p>\u00bbIrgendwann muss dem Martyrium ein Ende gesetzt werden\u00ab, sagt der Jurist Sven Thomas dem Westfalenblatt. Weitere Reaktionen bleiben nicht aus. Das Middelhoff-Bild in der \u00d6ffentlichkeit wandelt sich. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der S\u00fcddeutschen Zeitung, f\u00fcrchtet nun, an Middelhoff werde ein Exempel statuiert. \u00bbEs ist nicht Haftzweck, einen Menschen zu brechen\u00ab, schreibt der gelernte Jurist in seinem Kommentar. \u00bbF\u00fcrsorge darf nicht zur Schikane werden. Haft ist als solche hart genug; sie darf nicht so gestaltet werden, dass sie einen Menschen mehr als unvermeidbar drangsaliert und maltr\u00e4tiert.\u00ab<\/p>\n<p>Auch die V\u00f6lkerrechtsexpertin von Amnesty International meldet sich zu Wort. Middelhoffs Haftbedingungen k\u00f6nnten eine unmenschliche Behandlung darstellen und gegen die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Direktor der Stasi-Gedenkst\u00e4tte Berlin-Hohensch\u00f6nenhausen, Hubertus Knabe, f\u00fchlt sich an schlimmste Tage der Vergangenheit erinnert. \u00bbWas \u00fcber die Behandlung von Thomas Middelhoff in der Justizvollzugsanstalt Essen bekannt geworden ist, erinnert mich an die Methoden des DDR-Staatssicherheitsdienstes\u00ab, diktiert der Historiker den Journalisten von Spiegel Online in den Block. Auch die Stasi habe Gefangene zerm\u00fcrbt, indem sie die ganze Nacht hindurch immer wieder das Licht angemacht habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es vergeht kein Tag, da melden sich auch die Gr\u00fcnen in der Debatte zu Wort in Gestalt von Renate K\u00fcnast. Das zust\u00e4ndige Gericht solle die Mittel nochmals pr\u00fcfen. M\u00f6glich sei auch, den Haftbefehl au\u00dfer Vollzug zu setzen und t\u00e4gliche Meldeauflagen f\u00fcr den Freig\u00e4nger zu verh\u00e4ngen. Die Berichte verfehlen ihre Wirkung nicht. Selbst vor den Landtag Nordrhein-Westfalens schafft es die Causa Middelhoff. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sieht sich gezwungen, vor dem Rechtsausschuss Rechenschaft abzulegen. Am 22. April 2015 weist er die Kritik aus dem Middelhoff-Lager zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der Minister sieht hinter der Diskussion eine gezielte Kampagne Middelhoffs \u2013 und stellt sich vor die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Essen, die zu Unrecht in ein schlechtes Licht ger\u00fcckt worden seien. Kutschaty dankt dem Personal f\u00fcr den professionellen Umgang mit dem schwierigen Fall Middelhoff. Acht Seiten lang ist sein Untersuchungsbericht. Die Annahme der m\u00f6glichen Suizidgef\u00e4hrdung Middelhoffs beruhe auf zwei psychologischen Gutachten. Das eine sei kurz nach der Aufnahme von der Anstaltspsychologin erstellt worden, schlie\u00dflich hatte Richter Schmitt noch im Gerichtssaal einen entsprechenden Hinweis vermerkt.<\/p>\n<p>Das zweite Gutachten verfasste der Leiter des Psychologischen Dienstes vor der ersten Haftpr\u00fcfung im Dezember. Middelhoff h\u00e4tte der Dauerkontrolle entgehen k\u00f6nnen, wenn er der Unterbringung in einer Zweierzelle zugestimmt h\u00e4tte. Doch er habe das Angebot mehrfach abgelehnt. Middelhoff habe sich auch zu keinem Zeitpunkt bei der JVA beschwert.Im Gegenteil. Gegen\u00fcber den Psychologen habe Middelhoff ge\u00e4u\u00dfert, er f\u00fchle sich \u00bbgut aufgehoben\u00ab und \u00bber sch\u00e4tze die Art und Weise des Umgangs der Bediensteten mit ihm\u00ab.<\/p>\n<p>Doch wirkungslos blieb Middelhoffs Vorsto\u00df in die \u00d6ffentlichkeit nicht. Fachleute sprechen bei so etwas von \u00bbLitigation PR\u00ab, also einer gezielten Kampagne als Begleitung juristischer Streitigkeiten. Das Lager Middelhoff hat die \u00f6ffentliche Meinung gedreht, Druck auf die Beh\u00f6rden ausge\u00fcbt. Das Landgericht Essen setzt den Haftbefehl gegen Middelhoff schlie\u00dflich aus. Gegen Auflagen.<\/p>\n<p>Das Gericht taxiert die Kaution auf 895 000 Euro. Middelhoff muss seine Reisep\u00e4sse abgeben und sich mehrfach in der Woche auf dem Polizeirevier melden. Doch Middelhoffs Anwalt Fromm hat alle M\u00fche, die Kaution einzutreiben. Zusagen habe er, ja. Doch er k\u00f6nne nicht mit Sicherheit sagen, \u00bbob alle, die einen Beitrag zugesagt haben, auch leisten werden\u00ab. \u00dcber eine qu\u00e4lende Woche lang dauert es, dann best\u00e4tigt das Landgericht: Die Kaution ist hinterlegt. Middelhoff kommt frei.<\/p>\n<p>Spekulationen schwirren durch die Medien, wer denn das Geld zur Verf\u00fcgung gestellt habe. War es die Familie? Freunde aus Amerika? Oder Klinikbetreiber Ulrich Marseille? Ein Name f\u00e4llt dabei nicht. Und doch hat auch Mark W\u00f6ssner Geld beigesteuert. Middelhoffs Mentor und F\u00f6rderer. Sein Ziehvater.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr W\u00f6ssner ist es ein Schlussstrich. Er ist durch mit Middelhoff. Unvers\u00f6hnlich. Erst allm\u00e4hlich, nach dem Symposium zu seinem Geburtstag, war ein Verdacht bei ihm aufgelodert, den er jahrelang weggewischt, verdr\u00e4ngt, \u00fcberh\u00f6rt hatte. Doch W\u00f6ssner forschte nach, f\u00fchrte Gespr\u00e4che. Seine Meinung war nun gef\u00e4llt, unumst\u00f6\u00dflich: Thomas Middelhoff war es gewesen, der damals bei Bertelsmann-Patriarch Mohn daf\u00fcr gesorgt hatte, dass er, W\u00f6ssner, hatte gehen m\u00fcssen. Middelhoff, so seine Analyse, habe es nicht ertragen k\u00f6nnen, in die riesigen Fu\u00dfstapfen seines Mentors zu treten. Er sei zu Mohn gegangen, habe eine Entscheidung provoziert: entweder W\u00f6ssner oder Middelhoff. F\u00fcr seinen einstigen G\u00fcnstling empfindet er jetzt nur noch: Mitleid. Das hat selbst der Thomas nicht verdient. Deshalb ringt sich W\u00f6ssner zu der Geste durch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck ins Gef\u00e4ngnis<\/strong><\/p>\n<p>Die Villa Aldea war ihr R\u00fcckzugsort, hier verbrachten die Middelhoffs gl\u00fcckliche Feriensommertage. Als es in Deutschland bedrohlich und ungem\u00fctlich wurde, bot das Anwesen in Saint-Tropez gar eine Heimat. W\u00e4hrend des Strafprozesses sch\u00f6pfte Middelhoff hier neue Energie. So viele Erinnerungen. Am 30. September 2015 wird in einem B\u00fcro ganz in der N\u00e4he des mond\u00e4nen Jachthafens von Saint-Tropez, notariell besiegelt, dass es f\u00fcr die Middelhoffs keine neuen Gl\u00fccksmomente in der Aldea mehr geben wird. Die Villa: pass\u00e9. Ein Ehepaar, Londoner Investmentbanker, einst bei Goldman Sachs besch\u00e4ftigt, l\u00e4sst sich den Spa\u00df 22 987 370 Euro kosten, es kauft die Villa. Oder genauer gesagt: die Gesellschaft, der die Villa geh\u00f6rt. Das sandfarbene Haupthaus \u2013 Middelhoff wird es in diesem Leben wohl nicht mehr als Eigent\u00fcmer betreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Middelhoffs Gl\u00e4ubiger in Deutschland ist dieser 30. September trotzdem kein Freudentag. Denn seit 2014 steht da eine Schuld von 6,2 Millionen Euro im Grundbuch \u2013 zugunsten der niederl\u00e4ndischen Gesellschaft Pyrite, die wiederum im Einflussbereich von Middelhoffs Anwalt Hartmut Fromm zu verorten ist. Daneben lastet noch eine Hypothek von 13 Millionen Euro zugunsten der Bank Cr\u00e9dit Agricole Suisse, die mittlerweile CA Indosuez hei\u00dft. Nach Abzug von Geb\u00fchren und Steuern bleibt wohl nur ein kl\u00e4glicher Rest.<\/p>\n<p>Nicht der einzige Verlust dieser Tage: Eine knappe \u00dcberschrift, zwei n\u00fcchterne Abs\u00e4tze \u2013 mehr ben\u00f6tigt der Bundesgerichtshof (BGH) nicht, um Thomas Middelhoffs Vita als Topmanager um das d\u00fcstere Kapitel eines Wirtschaftskriminellen zu erweitern. Middelhoffs Revision, verk\u00fcndete der BGH an einem Montagvormittag im Februar 2016 trocken, werde als unbegr\u00fcndet verworfen. Das Urteil gegen ihn sei rechtskr\u00e4ftig. F\u00fcr den 62-J\u00e4hrigen bedeutet die juristische Schlappe: Er muss wohl bald wieder in die Justizvollzugsanstalt einr\u00fccken. Sobald die Akten am Landgericht eingegangen sind, wird \u00fcber den Strafantritt entschieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bielefeld, wenige Wochen sp\u00e4ter, Ortsteil Eckardtsheim, die Einrichtung der Bodelschwinghschen Stiftung. Middelhoffs Tochter f\u00e4hrt den Vater im roten Mini zur neuen Arbeitsstelle. Ab heute wird er in einer Behindertenwerkstatt aushelfen. Um die Stelle habe er sich selbst bem\u00fcht. Wie fr\u00fcher dr\u00e4ngeln sich die Fotografen um den besten Schuss, Passanten laufen mit Handy-Kameras neben dem einstigen Topmanager her. Middelhoff hat einen beigen Pulli \u00fcber das hellblaue Hemd gezogen. Dazu eine beige Hose und dunkelbraune Schuhe. Der beige Parker flattert. Middelhoff hat sichtbar an Gewicht verloren. Die ihm stets eigene Jugendlichkeit \u2013 verflogen.<\/p>\n<p>Die neue Arbeit erh\u00f6ht seine Chancen, die Reststrafe im offenen Vollzug absitzen zu k\u00f6nnen. Middelhoff, der einst Hunderttausende Besch\u00e4ftigte unter sich hatte, ist nun eine einfache Hilfskraft. Zu Middelhoffs Aufgaben, so der Leiter der Einrichtung, z\u00e4hlten das Aufr\u00e4umen und Tischdecken. Ebenso, wie \u00bbDinge von A nach B\u00ab zu tragen. \u00bbBig T\u00ab, \u00bbT-Rex\u00ab, \u00bbMagier\u00ab, \u00bbMajest\u00e4t\u00ab \u2013 heute nur noch Laufbursche. Monatsgehalt: 1 785 Euro brutto. Das Geld flie\u00dft an seinen Insolvenzverwalter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Freitag, den 13. Mai 2016, um kurz vor 16 Uhr, tritt Middelhoff erneut seine Haft an. Er ist in der JVA Bielefeld untergebracht. Nur eine Woche sp\u00e4ter ist klar: Er darf in den offenen Vollzug, bald als Freig\u00e4nger tags\u00fcber in der Behindertenwerkstatt arbeiten. Nur die N\u00e4chte muss er weiterhin im Gef\u00e4ngnis verbringen.<\/p>\n<p>Anfang Juli verbreitete der Focus die Meldung vom Ehe-Aus der Middelhoffs. 35 Jahre lang waren sie verheiratet. Das Paar, das sich auf dem Parkett einer Tanzschule kennen gelernt hatte. Cornelie hat auf ihren Beruf als Architektin verzichtet, die f\u00fcnf Kinder \u00fcberwiegend allein gro\u00dfgezogen, regelm\u00e4\u00dfige Gesch\u00e4ftsessen erduldet, selbst in den Ferien auf ihren Mann verzichtet. Gemeinsam haben sie jahrelang die Medienberichte nach dem Arcandor-Aus durchgestanden. Im Strafprozess ist Cornelie gar selbst in die \u00d6ffentlichkeit getreten, um ihrem Mann beizustehen. Jetzt trennten sich ihre Wege im Stillen. Ohne Schlammschlacht, ohne Rosenkrieg.<\/p>\n<p>Der Focus spekulierte, das Paar habe sich aus finanziellen \u00dcberlegungen getrennt. Die Trennung folge einem Kalk\u00fcl: Die Middelhoffs wollten mit der Scheidung Teile ihres Verm\u00f6gens retten. Das Ehepaar lebe in einer \u00bbZugewinngemeinschaft\u00ab. Die H\u00e4lfte aller Einnahmen der Ehefrau entfielen auf Thomas Middelhoff \u2013 und st\u00fcnden damit den Gl\u00e4ubigern zu. Durch die Scheidung, so wird ein\u00a0Middelhoff-Anwalt zitiert, h\u00e4tten diese keinen Zugriff. Insolvenzverwalter Thorsten Fuest widerspricht dieser Theorie. Das mache weder\u00a0juristisch noch logisch Sinn. \u00bbIn Deutschland muss sich niemand scheiden lassen, um sein Verm\u00f6gen vor dem Insolvenzverwalter des Ehegatten zu sch\u00fctzen.\u00ab<\/p>\n<p>Im Juli vollbringt Insolvenzverwalter Fuest das, was Middelhoffs\u00a0Anw\u00e4lten \u00fcber Jahre nicht gegl\u00fcckt ist: Er beendet den jahrelangen\u00a0Rechtsstreit mit Sal. Oppenheim. Middelhoff und das\u00a0Bankhaus schlie\u00dfen einen Vergleich. Eigentlich sollte im Oktober das Urteil verk\u00fcndet werden. Doch die Streith\u00e4hne kommen Richter Stefan Singbartl zuvor. Details zu dem Deal nennen die Parteien nicht. Grund zur Freude d\u00fcrfen auch Middelhoffs Gl\u00e4ubiger\u00a0haben: Insidern zufolge erh\u00e4lt Middelhoff Geld von Sal. Oppenheim.<\/p>\n<p>Ein Teil des Geldes von Middelhoffs Festgeldkonten, um das der Pleitier jahrelang gek\u00e4mpft hatte, flie\u00dft nun in die Insolvenzmasse.\u00a0Fuest ist derweil Middelhoffs Anw\u00e4lten auf der Spur. So fahndet\u00a0er nach den 2,4 Millionen Euro aus dem Immobilienverkauf des\u00a0Fonds Ossendorf VII, die an die Kanzlei des Middelhoff-Verteidigers\u00a0Winfried Holterm\u00fcller geflossen sind. Das Geld, befindet Fuest, hat die Kanzlei unrechtm\u00e4\u00dfig kassiert. Die Parteien einigen sich auf einen\u00a0Vergleich. 1,55 Millionen Euro muss die Kanzlei zur\u00fcckzahlen.<\/p>\n<p>Nicht nur deshalb hat der Geldtransfer in die Kanzleikassen einen\u00a0Beigeschmack. 50 000 Euro der Millionensumme sind den Ermittlungen zufolge zur\u00fcck an ein nahes Familienmitglied geflossen. Seitdem fragen sich die Gl\u00e4ubiger: Sichern sich die Middelhoffs etwa noch Gelder \u00fcber ihre Anw\u00e4lte?<\/p>\n<p>Mit dem gleichen Misstrauen blicken sie auf die 6 Millionen\u00a0Euro, die sich Firmen aus dem Umkreis des Middelhoff-Vertrauten\u00a0Hartmut Fromm als Grundschuld auf die inzwischen verkaufte Villa\u00a0Aldea haben eintragen lassen. Hat Fromm tats\u00e4chlich berechtigte\u00a0Forderungen in H\u00f6he von 6 Millionen Euro? Die Ermittlungen des Verwalters werden wohl noch Jahre dauern und bis ins Ausland reichen. Gewissenhaft geht er der Frage nach, ob Middelhoff tats\u00e4chlich\u00a0nirgendwo Geld gebunkert hat, das den Gl\u00e4ubigern zusteht.<\/p>\n<p>Gleichzeitig pr\u00fcft er, ob die Transfers an Hartmut Fromm rechtens waren.\u00a0An einer weiteren Front endet die Schlammschlacht. Das Schreiben\u00a0enth\u00e4lt nur einen Satz \u2013 und doch ist seine Wirkung gro\u00df:\u00a0Middelhoff zieht seine Gegenklage gegen Unternehmensberater\u00a0Roland Berger zur\u00fcck. Die Probleme lichten sich. Der Wust aus Schuldnern und Verschiebungen, aus Klagen und Gegenklagen entwirrt sich.<\/p>\n<p>Am 11. Mai 2017, an seinem 64. Geburtstag, steht Middelhoff erneut\u00a0vor Gericht. Dieses Mal teilt er sich die Anklagebank mit acht\u00a0fr\u00fcheren Arcandor-Aufsichtsr\u00e4ten und deren teuren Anw\u00e4lten. Der\u00a0Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Aufsichtsrat des strauchelnden\u00a0Handelsriesen habe Middelhoff den Bonus von 2,3 Millionen Euro nach Lust und Laune gew\u00e4hrt \u2013 unabh\u00e4ngig von den erbrachten Managementleistungen\u00a0oder der Situation des Unternehmens. In den\u00a0Augen der Staatsanwaltschaft haben die Kontrolleure Untreue in besonders\u00a0schwerem Fall begangen. Middelhoff werfen sie \u00bbAnstiftung\u00a0zur Untreue\u00ab vor. Es sind 34 Verhandlungstage angesetzt. Beinahe so viele wie beim ersten Strafverfahren gegen Middelhoff.<\/p>\n<p>Doch dieser Prozess nimmt eine andere Wende. Schon am zweiten\u00a0Verhandlungstag meldet sich Middelhoff zu Wort. Offen erz\u00e4hlt\u00a0er von seiner Arbeit in der Behindertenwerkstatt, in der er\u00a0Bewohner zur Toilette begleite, ihnen beim Essen helfe, leichte\u00a0Spazierg\u00e4nge mache. Zwei Br\u00fcche, so Middelhoff, habe es in seinem Leben gegeben. Der eine sei die Verurteilung vor dem Essener\u00a0Landgericht. Der zweite Bruch seien die Kontrollen in der Untersuchungshaft\u00a0gewesen. Er sei nun krank. Unheilbar. An Augen,\u00a0Niere, Herz.<\/p>\n<p>Der Rechtsstaat kennt Gnade. Das Verfahren gegen Middelhoff, verk\u00fcndete der Richter wenige Prozesstage sp\u00e4ter, werde nach Paragraph\u00a0154 der Strafprozessordnung eingestellt. Kein Freispruch,\u00a0aber auch kein Prozessmarathon mehr. Der Paragraph greift, wenn\u00a0der Angeklagte schon wegen einer anderen Tat rechtskr\u00e4ftig verurteilt wurde und eine m\u00f6gliche weitere Strafe im Vergleich nicht \u00bbins Gewicht\u00ab f\u00e4llt. Mit anderen Worten: Middelhoff hat genug geb\u00fc\u00dft. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat auch all die anderen Verfahren\u00a0eingestellt: wegen einer m\u00f6glichen Insolvenzverschleppung; der\u00a0Oxford-Spende; einer etwaigen Falschaussage unter Eid. Ebenso haben\u00a0die Kollegen in M\u00fcnchen ihr Verfahren gegen Middelhoff wegen einer m\u00f6glichen Falschaussage im Kirch-Prozess ad acta gelegt.<\/p>\n<p>Als der Vorsitzende der Ersten Strafkammer des Landgerichts Essen\u00a0an einem Tag im Juni 2017 die Einstellung verk\u00fcndet, zeigt Middelhoff\u00a0keine Regung. Kein L\u00e4cheln. Keine Siegerpose. Nicht einmal\u00a0ein Nicken. Auch nach dem Termin gibt er keine Statements ab,\u00a0schultert die Ledertasche, zieht von dannen.\u00a0Middelhoff verl\u00e4sst vorerst die B\u00fchne. Im Stillen. Er wurde als\u00a0Wunderkind gefeiert. Diente als Romanvorlage. Taugte zum Pr\u00fcgelknaben.\u00a0Mal bewunderte ihn das Publikum, mal schlugen ihm Hass und Hohn entgegen. Nur eines war es mit Middelhoff nie: langweilig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Managern gro\u00dfer Konzerne sollte der Fall zu denken geben&#8220;, schreibt Ex-&#8222;Capital&#8220;-Chefredakteur\u00a0Ralf-Dieter Brunowsky \u00fcber die Middelhoff-Biographie von &#8222;Handelsblatt&#8220;-Redakteur Massiomo Bognanni.\u00a0Und weiter: &#8222;Bognanni listet Thomas Middelhoffs berufliche Karriere mit all ihren Spr\u00fcngen und Rissen minuti\u00f6s auf, immer aus der Sicht eines au\u00dfenstehenden &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/09\/23\/buchauszug-massiomo-bognanni-middelhoff-abstieg-eines-star-managers\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6904,6905,2441,5955,6907,1735],"class_list":["post-666009","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-middelhoff-abstieg-eines-star-managers","tag-biographie","tag-campus-verlag","tag-massimo-bognanni","tag-ralf-dieter-brunowsky","tag-thomas-middelhoff"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=666009"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/666009\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=666009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=666009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=666009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}