{"id":665957,"date":"2017-10-18T07:00:51","date_gmt":"2017-10-18T05:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665957"},"modified":"2017-11-10T15:46:42","modified_gmt":"2017-11-10T14:46:42","slug":"buchauszug-frank-behrendt-die-winnetou-strategie-werde-zum-haeuptling-deines-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/18\/buchauszug-frank-behrendt-die-winnetou-strategie-werde-zum-haeuptling-deines-lebens\/","title":{"rendered":"Buchauszug Frank Behrendt: &#8222;Die Winnetou-Strategie &#8211; Werde zum H\u00e4uptling Deines Lebens&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Frank Behrendt: &#8222;Die Winnetou-Strategie&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/12\/18\/fragebogen-nahaufnahme-mit-frank-behrendt-der-auf-parties-gerne-hello-again-vorsingt\/\">Frank Behrendt ist leidenschaftlicher Winnetou-Fan<\/a> und hat von dem Apachen-H\u00e4uptling aus Karl Mays B\u00fcchern viel gelernt: Haltung, Klugheit und Weisheit, selbstbestimmt und selbst-entschieden zu leben, tatsa\u0308chlich Ha\u0308uptling des eigenen Lebens zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_666265\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666265\" class=\"size-full wp-image-666265\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/behrendmitpferd2Frank-Winnetou4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/behrendmitpferd2Frank-Winnetou4-2.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/behrendmitpferd2Frank-Winnetou4-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/10\/behrendmitpferd2Frank-Winnetou4-2-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-666265\" class=\"wp-caption-text\">Frank Behrendt, Buchautor und Chef von Serviceplan Public Relations<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H\u00f6r den weisen Ratgebern zu <\/strong><\/p>\n<p>Wer gute Entscheidungen treffen will, braucht kluge Mentoren an seiner Seite \u2013 das haben schon die alten Indianerh\u00e4uptlinge gewusst. Aber was macht einen guten Ratgeber aus? Er braucht Lebenserfahrung und Gelassenheit, damit er auch in den verzwicktesten Situationen Licht ins Dunkel bringen kann. Genauso wichtig ist aber auch ein weiteres Merkmal: Er muss uneigenn\u00fctzig sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich mit 12 Jahren beim TSV Otterndorf auf dem Hadelner Kanal mit dem Rudern begann, kam ich noch nicht in den Genuss unseres sp\u00e4teren Top-Trainers. Anf\u00e4nger wie ich wurden erst einmal von den \u00e4lteren Ruderern angeleitet. Sie gaben ihre Erfahrungen bereitwillig an mich weiter und ich lernte eine Menge von ihnen. Irgendwann war ich bereit f\u00fcr meine erste Regatta. An diesem Tag startete ich gleich dreimal: im Slalom, wo ich im Einer in m\u00f6glichst kurzer Zeit einen kleinen Parcours fahren musste, dann im Zweier mit Schlagmann, und zum Schluss noch einmal die 500 Meter im Einer. Im Slalom stellte ich mich nicht \u00fcbel an und gewann mit einer ordentlichen Portion Gl\u00fcck, denn meine beiden st\u00e4rksten Gegner kenterten an der Tonne und mussten klatschnass von einem Motorboot an Land gebracht werden. Meine erste Goldmedaille!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Jubel war gro\u00df. Als ich dann auch noch zusammen mit dem Schlagmann, der ebenfalls Frank hie\u00df und der\u00a0den von unseren erfahrenen Trainern erstellten Rennplan penibel einhielt, im Doppelzweier siegte, schwebte ich auf Wolke 7. Es schien, als k\u00f6nne mich nichts mehr\u00a0bremsen.\u00a0Zum Abschluss standen die 500 Meter im Einer an. Auf\u00a0meinem H\u00f6henflug glaubte ich, das Triple an Goldmedaillen schon in der Tasche zu haben. Wahnsinn! Bei meiner ersten Regatta!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die alten K\u00e4mpen nahmen mich vor dem Rennen ins Gebet, ermahnten\u00a0mich, blo\u00df nicht zu schnell anzufahren. Denn das hatten sie mit unbestechlichem Auge l\u00e4ngst gesehen: Ich war kein Sprinter, eher einer, der in der zweiten Rennh\u00e4lfte seine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe mit langen Z\u00fcgen ausspielen und so allen\u00a0davonfahren konnte. Ich sagte \u00bbJaja\u00ab und dachte insgeheim, dass ich selbst am besten w\u00fcsste, wie man\u00a0gewinnt; schlie\u00dflich hatte ich ja schon zwei goldene Medaillen\u00a0am gelb-blauen Band eingesackt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich machte also mein Ding und fuhr wie ein Verr\u00fcckter los; die an der\u00a0Strecke fuchtelnden Trainer \u00fcbersah ich souver\u00e4n. Nach\u00a0den ersten 150 Metern hatte ich einen guten Vorsprung herausgeholt, dann ging mir die Luft aus. Meine Arme\u00a0wurden bleischwer, mit zusammengebissenen Z\u00e4hnen\u00a0versuchte ich, weiter eisern durchzuziehen und verkrampfte nur noch mehr. Bei 350 Metern zogen die\u00a0anderen l\u00e4ssig vorbei und ich schleppte mich als Letzter ins Ziel. Blamage auf ganzer Linie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nicht auf Erfahrung geh\u00f6rt und die Rechnung bekommen<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbFrank, hast du uns nicht zugeh\u00f6rt?\u00ab, musste ich mir im Anschluss anh\u00f6ren. Ich schaute zu Boden. Ich wusste\u00a0ganz genau, dass die Niederlage ganz allein auf meine Rechnung ging. \u00bbAuf Erfahrung nicht geh\u00f6rt und daf\u00fcr die Quittung bekommen\u00ab, bemerkte Thorsten, ein alter\u00a0Recke, der schon Dutzende Rennen bestritten hatte.<\/p>\n<p>Dann klopfte er mir auf den R\u00fccken und meinte: \u00bbAber du wirst daraus lernen.\u00ab Stimmt. Seit jenem Tag wei\u00df\u00a0ich, dass das Sprinten am Ende eines Rennens kommt \u2013 und dass du, wenn du es besser als die alten Hasen zu\u00a0wissen meinst, schnell ins Hintertreffen ger\u00e4tst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit dem Kopf durch die Wand\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In jungen Jahren f\u00e4llt es besonders schwer, Ratschl\u00e4ge \u00c4lterer anzunehmen \u2013 das geht allen Generationen\u00a0so. Vor allem diejenigen, die ein paar Revoluzzer-Gene mehr als andere abbekommen haben, wollen sich nichts\u00a0sagen lassen. Wenn dann Eltern, Lehrer oder Trainer\u00a0Recht behalten, ist das die H\u00f6chststrafe. Aber das Sich-Ausprobieren geh\u00f6rt zum Erwachsenwerden dazu.\u00a0Kinder und Jugendliche m\u00fcssen da durch, und Eltern\u00a0m\u00fcssen es aushalten, dass der Nachwuchs mal auf die Nase fliegt. Es w\u00e4re ja auch v\u00f6llig gegen die Natur, wenn\u00a0Kinder nie etwas auf eigene Faust ausprobieren w\u00fcrden\u00a0und wie eine Marionette immer nur das t\u00e4ten, was die Gro\u00dfen ihnen sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es z\u00e4hlt das Bauchgef\u00fchl, wann der eigene Weg besser ist<\/strong><\/p>\n<p>Bl\u00f6d wird es nur, wenn aus Kindern Erwachsene werden, die immer noch nicht zugeben k\u00f6nnen, dass sie nicht\u00a0alles wissen. Denn wie immer im Leben geht es darum, eine gute Balance zu finden. In diesem Fall hei\u00dft das:\u00a0ein Bauchgef\u00fchl daf\u00fcr zu entwickeln, wann es besser\u00a0ist, den eigenen Weg zu gehen, und wann es angesagt\u00a0ist, einfach mal auf die Erfahreneren zu h\u00f6ren. Ich wei\u00df,\u00a0es gibt hundert B\u00fccher, die Mut machen, auch mal die\u00a0eigene Variante durchzuziehen. Allerdings hat meiner Erfahrung nach die Mehrzahl der Menschen kein Problem\u00a0damit, auf Durchzug zu schalten und nach den eigenen Vorstellungen loszulaufen. Lieber k\u00fcmmere ich mich in diesem Kapitel um die kniffligere Variante:\u00a0auch mal auf andere h\u00f6ren. \u00bbJung, nimm Lehre an!\u00ab, hat mein Schwiegervater immer in typisch k\u00f6lscher\u00a0Diktion gesagt \u2013 f\u00fcr alle Nicht-K\u00f6lner kommt hier die\u00a0\u00dcbersetzung: \u00bbJunge, lass dir auch mal was sagen!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie gesagt: Manche k\u00f6nnen das, die meisten tun sich schwer damit. Zum Beispiel ein Freund, der mit mir Tag f\u00fcr Tag denselben\u00a0Schulweg nach Cuxhaven gefahren ist. Er sollte\u00a0nach seinem Abschluss den elterlichen Betrieb \u00fcbernehmen, doch der Junior hatte keinen Bock darauf.\u00a0Lieber wollte er seine eigene Firma hochziehen. Sein Vater war sehr fair, er suchte sich jemand anderen f\u00fcr\u00a0die Leitung des Familienunternehmens und unterst\u00fctzte\u00a0seinen Sohn mit einer Anschubfinanzierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er sparte allerdings auch nicht mit guten Ratschl\u00e4gen: \u00bbIch glaube nicht, dass du in dem Markt, den du dir\u00a0ausgesucht hast, \u00fcberstehen kannst\u00ab, sagte er seinem Filius. \u00bbEs gibt zu viel\u00a0Konkurrenz, als Newcomer wirst du an die heutigen Marktf\u00fchrer nicht herankommen.\u00ab Doch\u00a0der junge Mann wusste es besser. Er gr\u00fcndete den Laden \u2013 und nach zwei Jahren war die Party vorbei. Er\u00a0hatte sein ganzes Geld verbrannt und musste wieder\u00a0zu Hause andackeln. Dem Vater lag jede H\u00e4me fern, er machte seinem Sohn auch keine Vorw\u00fcrfe. Mir schien\u00a0das damals eine sehr komfortable Situation f\u00fcr meinen Freund zu sein, andere m\u00fcssen unsch\u00f6n zu Kreuze kriechen, wenn sie ihre Wunden leckend in den Scho\u00df der Familie zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr meinen Freund war es\u00a0immer noch hart genug. Anfangs erz\u00e4hlte er noch tausend\u00a0Geschichten, was er f\u00fcr Pech gehabt und an welchen unvorhersehbaren Umst\u00e4nden es gelegen h\u00e4tte,\u00a0dass sein Unternehmen am Ende chancenlos gewesen war. Als ich ihn Jahre sp\u00e4ter auf einem Klassentreffen wiedersah, erz\u00e4hlte er mir, dass er dann doch in die\u00a0Firma des Vaters eingestiegen war. Er gab dem Unternehmen einen neuen Spin und baute sogar einen zweiten Standort aus. So hat er sich seinen Traum, etwas\u00a0Eigenes zu machen, doch noch erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Rat f\u00fcrs Leben<\/strong><\/p>\n<p>Mein Vater und seine beiden Br\u00fcder haben sich diesen Umweg erspart. Wenn ich an meinen Gro\u00dfvater\u00a0Fritz Behrendt denke, Jahrgang 1900, dann sehe ich einen weisen alten H\u00e4uptling vor mir, wie er in seinem\u00a0hohen Sessel sitzt und \u00bbDie Glocke\u00ab von Schiller rezitiert\u00a0\u2013 alle 19 Strophen! Er war das, was es heute nur noch selten gibt: ein Patriarch,\u00a0ein geborener Anf\u00fchrer und ein Fels in der Brandung. Seine Klugheit und seine\u00a0Geradlinigkeit hatten ihn nicht nur in steiler Karriere vom Schulleiter bis hoch ins nieders\u00e4chsische Kultusministerium\u00a0gebracht, sondern machten ihn auch zu einem unbestechlichen Ratgeber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf den Vater h\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich rieben sich die drei Br\u00fcder st\u00e4ndig mit ihrem alten Herrn, denn der hatte sehr klare Vorstellungen\u00a0vom Leben. Unter anderem auch davon, was seine S\u00f6hne einmal werden sollten. Die drei jungen\u00a0Behrendts hatten jedoch eigene Pl\u00e4ne. Einer meiner sp\u00e4teren Onkel wollte Schauspieler werden \u2013 in der damaligen Zeit nicht ganz zu Unrecht der Inbegriff\u00a0der brotlosen Kunst. \u00bbEine Karriere als Luftikus finanziere ich nicht\u00ab, entschied Gro\u00dfvater Fritz dann auch\u00a0und drehte seinem Sohn kurzerhand den Geldhahn\u00a0zu. Auch bei der Berufswahl seiner beiden anderen S\u00f6hne redete er ein W\u00f6rtchen mit. Sie h\u00f6rten auf ihren\u00a0Vater, und aus allen drei Br\u00fcdern wurde \u00bbetwas Anst\u00e4ndiges\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein trauriges Beispiel daf\u00fcr, wie man den Willen und die Kreativit\u00e4t seiner Kinder bricht? Nein, denn meinem\u00a0Gro\u00dfvater ging es nicht darum, eigene W\u00fcnsche und Vorstellungen seinen Kindern aufzupfropfen. Er\u00a0kannte seine Jungs gut genug, um genau\u00a0zu erkennen, wo ihre St\u00e4rken und\u00a0Schw\u00e4chen lagen, und beriet sie klug. Er wusste genau, dass sein Sohn nicht nur\u00a0die Schauspielerei mochte, sondern auch ein gutes Leben. Heute kann man eher mal was riskieren,\u00a0so lange man keine Verantwortung f\u00fcr eine Familie tr\u00e4gt, in der Nachkriegszeit aber gab es kein nennenswertes soziales Netz f\u00fcr K\u00fcnstler. Also schlug\u00a0mein Gro\u00dfvater vor, dass sein Sohn in die Wirtschaft gehen sollte \u2013 das war in der Lehrerfamilie Bruch mit der Tradition genug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Ratschl\u00e4ge des alten H\u00e4uptlings ein Gefallen sind<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, als alle drei Br\u00fcder ihren\u00a0Platz im Leben gefunden und mehr Erfahrung gesammelt hatten, konnten sie ihre damalige Situation besser\u00a0einsch\u00e4tzen. Einhellig kamen sie zum Schluss, dass der alte H\u00e4uptling ihnen mit seinen Ratschl\u00e4gen einen\u00a0gro\u00dfen Gefallen getan hatte. Sie waren heilfroh, auf\u00a0Ihre Passion haben sie trotzdem ausgelebt. Mein Vater, der eigentlich Architekt und nicht Lehrer werden\u00a0wollte, baute sich sp\u00e4ter sein Traumhaus: das Blaue Haus, die \u00bbB\u00e4renh\u00f6hle\u00ab, ohne einen einzigen rechten Winkel \u2013 Otterndorfer Handwerker verdrehen heute\u00a0noch die Augen. Sein Bruder Hans, der verhinderte Schauspieler, wurde ein gro\u00dfartiger Vertriebsmann, der bei jeder Tagung mit seiner Pr\u00e4senz auf der B\u00fchne alle Kunden von den St\u00fchlen riss und ein Leben ganz\u00a0nach seinem Geschmack genoss.ihn geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der klare Blick der alten F\u00fcchse<\/strong><\/p>\n<p>Heute gibt es in Familie und Berufswelt in der Regel\u00a0wenig Zwang und viel wohlwollende Unterst\u00fctzung.\u00a0Umso wichtiger ist die F\u00e4higkeit, auch mal aus freiem Willen auf andere zu h\u00f6ren. Das gilt f\u00fcr die Chefs, die wie die alten Indianerh\u00e4uptlinge niemals eine weitreichende\u00a0Entscheidung treffen w\u00fcrden, ohne zuvor die Meinung von alten und weisen Stammesmitgliedern,\u00a0tapferen Kriegern und angesehenen Frauen einzuholen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die F\u00e4higkeit, die Ratschl\u00e4ge anderer anzunehmen<\/strong><\/p>\n<p>Das mit dem Zuh\u00f6ren gilt aber auch f\u00fcr den Nachwuchs,\u00a0der sich erst noch bew\u00e4hren muss. Die Jungen\u00a0sollten jede Gelegenheit nutzen, von den Erfahrenen zu lernen, nur so werden sie einmal zum \u00dcberleben ihres Stammes beitragen und zu geehrten Stammesangeh\u00f6rigen\u00a0werden. Das hat nichts mit Wild-West-Romantik zu tun \u2013 ich verdanke es zu einem gro\u00dfen Teil der F\u00e4higkeit,\u00a0die Ratschl\u00e4ge anderer annehmen zu k\u00f6nnen,\u00a0dass mein Berufsleben (bis jetzt) doch recht erfolgreich verlaufen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Mann mit dem Vornamen Direktor<\/strong><\/p>\n<p>Zu meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule\u00a0in M\u00fcnchen geh\u00f6rten auch Praktika, eines davon\u00a0absolvierte ich in der Presseabteilung des Flugzeugbauers Dornier in Oberpfaffenhofen. Mein Chef hie\u00df mit Nachnamen Patt, Vorname: Direktor. Direktor Patt war ein imposanter Bayer, ein Klasse-Typ und lebensfroher Pfundskerl; wenn er dir mit seiner Pranke auf die Schulter haute, gingst du in die Knie. Und gleichzeitig strahlte\u00a0dieses Urgestein selbst in den bewegtesten Zeiten eine unglaubliche Ruhe aus. Er stand kurz vor der Rente und ich junger PR-Krieger hatte das Gl\u00fcck, ihn in seinem letzten\u00a0beruflichen Sommer erleben zu d\u00fcrfen. Ein Gespr\u00e4ch mit ihm war wertvoller als jedes Journalismus-Seminar.<\/p>\n<p>Oft nahm er mich mit in die Kantine und gab mir bei Leberk\u00e4s und Brez\u2018n die Erkenntnisse seines Berufslebens\u00a0mit auf den Weg. Und damit meine ich nicht nur das normale beruflich-fachliche Sparring, sondern wirkliche Ratschl\u00e4ge. Jede einzelne seiner Weisheiten habe\u00a0ich verinnerlicht, eine davon leider erst mit zehn Jahren Versp\u00e4tung.<\/p>\n<p>\u00bbSeien Sie immer professionell, junger Mann\u00ab, hatte er mir gesagt, \u00bbund liefern Sie immer perfekte Arbeit ab.\u00ab\u00a0Und dann hatte er mir zugezwinkert: \u00bbAber machen Sie nie den Fehler, Ihre Arbeit als zu bedeutend anzusehen. Das ist sie n\u00e4mlich nicht. Gehen Sie in den Biergarten, haben Sie\u00a0abends Spa\u00df und denken Sie blo\u00df nicht ans B\u00fcro.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Je mehr Du Dich in Deiner Arbeit verlierst, umso mehr verlierst Du \u00dcberblick und Gelassenheit<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Teil leuchtete mir gleich ein, bis heute ist Professionalit\u00e4t meine pers\u00f6nliche Leitlinie.\u00a0Der Sache mit dem \u00bbseine Arbeit nicht zu wichtig nehmen\u00ab konnte ich aber nicht viel abgewinnen. Denn wie\u00a0die meisten anderen jungen Kerle dachte ich damals, dass\u00a0man nur mit Ranklotzen Karriere machen kann. Dar\u00fcber ist dann meine erste Ehe kaputtgegangen. Erst nach\u00a0diesem Schock ging auch diese Saat von Direktor Patt in mir auf. Endlich checkte ich, dass der Sinn des Lebens nicht darin bestehen kann, pausenlos zu ackern. Ganz\u00a0im Gegenteil: Je mehr du dich in deiner Arbeit verlierst, desto mehr verlierst du auch den \u00dcberblick und die Gelassenheit.\u00a0Damit geht nicht nur dein Privatleben in den Keller, auch im Beruf steigst du eher zu den W\u00fchlm\u00e4usen\u00a0ab, statt dein Unternehmen mit wertvollen Ideen voranzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein erstes Buch, \u00bbLiebe dein Leben\u00a0und nicht deinen Job\u00ab, hat also seinen Ursprung in der\u00a0Werkskantine von Dornier. Auch von anderen erfahrenen H\u00e4uptlingen habe ich viel gelernt. Manfred, der Leiter des Werksarchivs bei Henkel, war mir ein v\u00e4terlicher Freund und half mir als\u00a0Novizen, die komplizierten Zusammenh\u00e4nge in gro\u00dfen Firmen besser zu verstehen und viele unternehmenspolitische\u00a0Fehler zu vermeiden. Wolf Gramatke, der legend\u00e4re\u00a0Pr\u00e4sident des Medienkonzerns PolyGram, war ein Meister des Networkings und zeigte mir, wie man mit\u00a0echten und M\u00f6chtegern-Stars umgeht. Klaus Wendler,\u00a0das grandiose Finanzgenie der Werbe- und Marketingagentur BBDO lehrte mich, wie ein Plan aussehen muss, der in Amerika jeden happy macht. Und Martin Heel,\u00a0den ich bei meinen Talk-Shows im Altersheim traf (f\u00fcr alle, die mein erstes Buch gelesen haben: Das ist der\u00a0mit dem B\u00fcgeleisen), erinnerte mich daran, was Liebe\u00a0wirklich bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur einem alten H\u00e4uptling bin ich nicht gefolgt, sein Name tut hier nichts zur Sache. Als er mir nach der\u00a0Jahrtausendwende sagte: \u00bbDas Internet wird \u00fcbersch\u00e4tzt\u00ab, streichelte ich nur kurz \u00fcber den Blackberry in meiner Hosentasche und k\u00fcndigte bei n\u00e4chster Gelegenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665959\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/coverbehrendt.winnetou.jpg\" alt=\"\" width=\"407\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/coverbehrendt.winnetou.jpg 407w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/coverbehrendt.winnetou-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 407px) 100vw, 407px\" \/><\/p>\n<p><strong>Frank Behrendt: &#8222;Die Winnetou-Strategie&#8220; &#8211; G\u00fcterloher Verlagshaus, 224 Seiten, 17,99 Euro\u00a0 https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Die-Winnetou-Strategie\/Frank-Behrendt\/Guetersloher-Verlagshaus\/e522800.rhd<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Mix macht\u2018s<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbNach einigem Suchen sah ich ihn. Er sa\u00df mit vier Indianern beisammen, von denen allerdings keiner das Abzeichen\u00a0der H\u00e4uptlingsw\u00fcrde trug. Das war aber nicht n\u00f6tig, denn nach den Gebr\u00e4uchen der Roten musste der \u00e4lteste dieser vier der Anf\u00fchrer sein.\u00ab Wenn Karl May beschreibt, wie Old Shatterhand sich an\u00a0den Ober-B\u00f6sewicht Santer und einige feindliche Indianer\u00a0anschleicht und dabei Ausschau nach dem Wortf\u00fchrer der Kiowas h\u00e4lt, ist f\u00fcr ihn ganz klar: Die weisen Ratgeber sind die \u00c4ltesten, denn sie haben das meiste\u00a0Wissen angesammelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wissen erzeugt Gelassenheit<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es heute genauso wie zu Karl Mays Zeiten 60-J\u00e4hrige, die ihr Leben lang\u00a0nichts dazugelernt haben. Und es gibt 25-J\u00e4hrige, die\u00a0dank ihrer unb\u00e4ndigen Neugier in Lichtgeschwindigkeit Erfahrungen sammeln konnten. Sie sind aber die Ausnahmen von der Regel. An dem prinzipiellen Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Lebenserfahrung\u00a0haben auch die drei, vier digitalen Revolutionen der letzten Jahrzehnte nicht viel ge\u00e4ndert. Auf dem Feld der Lebenserfahrung stecken die \u00c4lteren die J\u00fcngeren\u00a0immer noch in die Tasche. Und genau das macht sie zu weisen Ratgebern.\u00a0Denn Wissen erzeugt Gelassenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alte K\u00e4mpen gehen besser mit Konflikten um<\/strong><\/p>\n<p>Wie oft habe ich in Krisensituationen von den Senioren geh\u00f6rt: \u00bbDa musst\u00a0du dich nicht aufregen, so etwas hab ich schon ein Dutzend\u00a0Mal erlebt.\u00ab Und schon war die Herzfrequenz wieder auf Normalniveau und Raum zum Nachdenken da\u00a0\u2013 und damit auch ein Ausweg in Reichweite. Denn Probleme\u00a0werden dann gel\u00f6st, wenn auf Katastrophenmeldungen nicht im Panikmodus reagiert wird. Die alten K\u00e4mpen gehen auch besser mit Konflikten um als die Jungen. Ich habe schon oft\u00a0erlebt, dass es die \u00e4lteren Teammitglieder sind, die Warnsignale f\u00fcr entstehende Streitigkeiten\u00a0fr\u00fcher erkennen und Quersch\u00fcsse sicherer einordnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00c4ltere Mitarbeiter sind aufmerksamer gegen\u00fcber ihren Kollegen<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4ltere Mitarbeiter sind auch aufmerksamer ihren Kollegen\u00a0gegen\u00fcber, merken schneller, wenn etwas im Busch\u00a0ist. Das liegt nicht nur an ihrer Lebenserfahrung. Ich wei\u00df, es ist ein Klischee, dass die J\u00fcngeren sich zu oft\u00a0von ihren Smartphone-Bildschirmen ablenken lassen.\u00a0Aber es stimmt einfach.<\/p>\n<p>Dass die \u00e4lteren Semester es besser drauf haben, ist wissenschaftlich belegt. An der University von Michigan\u00a0interviewte ein Psychologen-Team unter der Leitung von Igor Grossmann 247 Versuchspersonen\u00a0unterschiedlichen Alters.4 Die Aufgabe der Probanden\u00a0war, zum Inhalt fiktiver Zeitungsartikel Stellung zu beziehen und abzusch\u00e4tzen, wie sich die beschriebenen\u00a0Konflikte weiter entwickeln. In den Artikeln ging es\u00a0um komplexe gesellschaftliche Fragestellungen, zum Beispiel, wie weit sich Migranten an die Gepflogenheiten\u00a0in ihrem neuen Heimatland anpassen m\u00fcssen. Aber auch Familien- und Beziehungsthemen lagen auf dem Tisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der klarere Blick der \u00c4lteren<\/strong><\/p>\n<p>Die Rentenfraktion der Probanden (65 Jahre\u00a0plus) zeichnete sich gegen\u00fcber den J\u00fcngeren (unter 45 Jahren) in drei Punkten aus.<\/p>\n<p>Erstens: Sie versetzten sich in die Lage aller am Konflikt beteiligten Parteien, die j\u00fcngeren Probanden dagegen\u00a0konnten ihre eigene Perspektive kaum verlassen.<\/p>\n<p>Zweitens: Sie suchten verst\u00e4rkt nach Kompromissen.<\/p>\n<p>Und drittens: Sie erkannten h\u00e4ufiger, dass sie \u00fcber zu wenig Information verf\u00fcgten, um zu einem abschlie\u00dfenden\u00a0Urteil kommen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Ihre Lebenserfahrung erm\u00f6glichte den \u00c4lteren einen klareren Blick auf Problemstellungen\u00a0und eine ausgewogenere Einsch\u00e4tzung von Konflikten. Genau das macht sie zu perfekten Ratgebern. Es gibt\u00a0also einen guten Grund daf\u00fcr, warum Yoda, Gandalf\u00a0und Co. \u00e4ltere Herrschaften sind.<\/p>\n<p>Mein Loblied auf die klugen Alten k\u00f6nnte den Eindruck erwecken, dass hier ein Dinosaurier all den anderen Dinosauriern\u00a0sagt, wie toll sie sind, w\u00e4hrend l\u00e4ngst die kleinen, wendigen S\u00e4ugetiere die Herrschaft \u00fcber die Welt \u00fcbernommen haben. Ich will auf etwas anderes\u00a0hinaus: Ohne die Old-School-Boys und -Girls geht es nicht. Aber die Geronto-Fraktion allein ist auch keine\u00a0L\u00f6sung. Denn auch das hat der Versuch von Igor Grossmann\u00a0gezeigt: Mit zunehmendem Alter rostet die geistige Beweglichkeit ein. Man kann sich nicht mehr so viel merken und hat auch nicht viel Lust darauf, sich in neue Themen einzuarbeiten. Es ist so wie seit Jahrtausenden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erfahrung und Gelassenheit treffen auf Einsatzfreude und Flexibilit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg der Mannschaft liegt im Mix von\u00a0Jung und Alt. Die Alten bringen ihre Gelassenheit und\u00a0strategischen F\u00e4higkeiten ins Spiel, die Jungen sorgen f\u00fcr frischen Wind und daf\u00fcr, dass die Bude nicht verkn\u00f6chert.\u00a0Erfahrung und Gelassenheit treffen auf Einsatzfreude\u00a0und Flexibilit\u00e4t. Dieses Modell funktioniert in der Familie genauso wie im Beruf \u2013 und auch auf dem Fu\u00dfballplatz: Der Rechtsau\u00dfen mit ein paar Dutzend L\u00e4nderspielen auf dem Buckel umdribbelt l\u00e4ssig die Verteidigung und schie\u00dft die perfekte Flanke auf den\u00a0gerade von der Schulbank kommenden, wieselflinken Neuzugang \u2013 Tor!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ganz fern und doch so nah<\/strong><\/p>\n<p>Alter und Lebenserfahrung k\u00f6nnen einen Menschen zu einem guten Ratgeber machen. Es gibt aber noch\u00a0ein weiteres wichtiges Kriterium: In welcher Beziehung stehen du und dein Mentor? Man k\u00f6nnte meinen: Je\u00a0n\u00e4her ihr euch seid, desto besser \u2013 so wie bei Gro\u00dfvater\u00a0Behrendt und seinen S\u00f6hnen. Meistens ist es aber genau anders herum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wen Sachfremde die richtigen Fragen stellen<\/strong><\/p>\n<p>In gro\u00dfen Unternehmen, zunehmend aber auch in mittelst\u00e4ndischen Betrieben, gibt es Beir\u00e4te. Sie haben die\u00a0Aufgabe, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bei strategischen Entscheidungen\u00a0und wichtigen Personalentscheidungen zu unterst\u00fctzen. Was auff\u00e4llt: Viele dieser Beir\u00e4te sind gar nicht aus\u00a0der Branche, sie haben keine Ahnung von der Materie. Und genau das erweist sich\u00a0als besonders wertvoll. Weil sie fachfremd sind, stellen\u00a0sie Fragen, die ein Insider niemals stellen w\u00fcrde. So bringen sie ganz neue Impulse ins Spiel. Diesem Muster\u00a0folgen zum Beispiel auch die Think Tanks. Hier treffen\u00a0interessante Menschen aus Wissenschaft und Wirtschaft, Kunst und sozialen Bereichen aufeinander und\u00a0er\u00f6rtern gemeinsam komplexe Fragestellungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mentoren ohne Interessenskonflikte<\/strong><\/p>\n<p>Gut, dass viele Beir\u00e4te keine Ahnung von der Materie haben. Diese Beispiele zeigen, dass du die wertvollsten Impulse von Au\u00dfenstehenden bekommst. Ein weiterer Vorteil von Mentoren, die mit deinem Business nichts zu tun haben: Sie stehen nicht in einem Interessenskonflikt \u2013\u00a0weder bewusst noch unbewusst. Zum Beispiel macht es nicht viel Sinn, bei Beziehungsproblemen im gemeinsamen\u00a0Freundeskreis oder in der Familie um Rat zu fragen.\u00a0Da hat jeder seine ganz pers\u00f6nlichen Motive, die den Wert seiner Meinung nur einschr\u00e4nken. Vielleicht\u00a0f\u00fcrchtet ja deine Schwester, dass du ein paar Wochen\u00a0bei ihr wohnen wirst, wenn du dich von deiner Freundin trennst und aus der gemeinsamen Wohnung ausziehst.\u00a0Oder dein Cousin hat einen Groll gegen dich und freut\u00a0sich klammheimlich, wenn dein Privatleben in die Br\u00fcche geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfenstehende mit dem entscheidenden Dreh<\/strong><\/p>\n<p>Wenn du vor wirklich wichtigen Lebensentscheidungen\u00a0stehst, kann ein Au\u00dfenstehender den entscheidenden\u00a0Dreh bringen. Er muss nicht politisch korrekt sein wie\u00a0diejenigen, die Tag f\u00fcr Tag mit dir zusammen sind. Er spricht die Wahrheit und besch\u00f6nigt nichts. Genau an\u00a0den Stellen, an denen du dir und deinen Freunden etwas vormachst, hakt er nach. Nur eine einzige Sache muss euch verbinden: Vertrauen. Dann schafft ihr es\u00a0gemeinsam, die richtigen Fragen zu stellen: Wo will ich hin? Was treibt mich an? Was will ich wirklich?<\/p>\n<p>Ein Mitarbeiter hatte sich bei uns in der Agentur beworben\u00a0und wurde eingestellt. Ein spannender Typ,\u00a0dessen Leidenschaft das Reenactment mittelalterlicher Szenen war. Fast an jedem Wochenende tourte er\u00a0mit Gleichgesinnten in selbstgewebter Kleidung durch\u00a0die Gegend. Witzige Sache, doch seine Neigungen hatten mit dem Tagesgesch\u00e4ft in unserem Job nicht viel zu tun. Es stellte sich heraus, dass er nicht in unsere\u00a0Agentur passte: Das Team war nicht begeistert von ihm, und beim Mittagessen sa\u00df der junge Mann als\u00a0Trauerklo\u00df stumm am Tisch. Als seine Teamchefin ihm klar gemacht hatte, dass er seine Probezeit\u00a0nicht \u00fcberstehen w\u00fcrde, sah ich ihn ziemlich geknickt durch die Flure laufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den richtigen Platz im Leben finden<\/strong><\/p>\n<p>Als Oberh\u00e4uptling des Vereins war ich nicht direkt f\u00fcr ihn zust\u00e4ndig, hatte ihn bis dahin nur am Rande mitbekommen. Von der Entscheidung, dass er nicht mehr Teil des Teams sein w\u00fcrde, wusste\u00a0ich aber. Jetzt konnte ich ganz offen mit ihm \u00fcber seine berufliche Zukunft reden. Sofort hatten wir einen\u00a0Draht zueinander, denn auch ich habe ja ein Faible\u00a0f\u00fcr Fantasiewelten. Es zeigte sich, dass er kommunikativ sehr gut aufgestellt war, aber Pressemitteilungen\u00a0\u00fcber Lifestyle-Produkte zu schreiben war nicht seine Kragenweite. \u00bbW\u00e4rst du in der Kommunikationsabteilung eines Theaters nicht besser aufgehoben?\u00ab, fragte\u00a0ich ihn. Er fiel aus allen Wolken. Niemand war zuvor auf die Idee gekommen, dass die Bereiche \u00bbFantasiewelten\u00ab und \u00bbKommunikation\u00ab eine Schnittmenge\u00a0haben. Er bekam tats\u00e4chlich einen Job bei einem kleinen Theater, wo er f\u00fcr die Pressearbeit verantwortlich\u00a0war, als M\u00e4dchen f\u00fcr alles aber auch mal Masken und\u00a0Kost\u00fcme entwerfen durfte. Er war total happy, hatte seinen Platz gefunden.<\/p>\n<p>Der Erfolgsfaktor der weisen Ratgeber\u00a0Wenn ein Ratgeber keine eigenen Interessen verfolgt,\u00a0dient das nicht nur der Qualit\u00e4t seiner Ratschl\u00e4ge. Sein Engagement zeichnet sich noch durch einen weiteren\u00a0Vorteil aus.\u00a0Ein Personalberater, der sich auf besondere F\u00e4lle spezialisiert\u00a0hat, erz\u00e4hlte mir einmal bei einem Mittagessen die Geschichte einer ungew\u00f6hnlichen Stellenbesetzung.\u00a0In einer Company lief es nicht schlecht, es gab auch keine offensichtlichen Baustellen Trotzdem war der Aufsichtsrat des Unternehmens unzufrieden. Er sp\u00fcrte,\u00a0dass da noch Luft nach oben war. Normal w\u00e4re es nun gewesen, dem Vorstand Druck zu machen, bessere Zahlen zu liefern und\/oder eine Unternehmensberatung\u00a0zwecks Detailanalyse einzuschalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stattdessen suchte der Aufsichtsratsvorsitzende nach einem erfahrenen\u00a0Controller im Ruhestand, der sich mal ganz zwanglos im Unternehmen umschauen sollte. Hier kam mein Gegen\u00fcber ins Spiel. Der wunderte sich zuerst\u00a0\u00fcber den ungew\u00f6hnlichen Auftrag, fand dann aber die perfekte Besetzung: einen erfahrenen alten Fuchs,\u00a0der viele Firmen gesehen und zahlreiche Schlachten\u00a0geschlagen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Neue machte sich an die Arbeit. Statt sich nur an die Tastatur zu setzen und Tabellen zu vergleichen, zog er\u00a0den Blaumann an, tauchte in die Produktionsprozesse ein und lie\u00df sich alle Abl\u00e4ufe im Detail erkl\u00e4ren. Ein halbes Jahr lang tat er nichts anderes, als nur zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alter Fuchs? Interessierter Betriebsrentner?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Belegschaft war er ein freundlicher \u00e4lterer Herr mit wachen Augen, manche hielten ihn f\u00fcr einen\u00a0interessierten Betriebsrentner. Als er jede Ecke des Betriebes in- und auswendig kannte, tauchte er aus den\u00a0Tiefen des Unternehmens wieder auf und wies auf ein\u00a0paar Fehler im System hin, die sich durch Umstellungen ganz einfach \u00e4ndern lie\u00dfen. Das Unternehmen sparte nicht nur Kosten ein, die reibungsloseren Abl\u00e4ufe sorgten\u00a0auch f\u00fcr bessere Stimmung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum so erfolgreich? Weil er den Leuten keine Angst macht<\/strong><\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne kleine Geschichte \u2013 aber der Clou kommt noch. Der Personalberater beugte sich ein wenig zu\u00a0mir \u00fcber den Tisch, als er mir sagte: \u00bbFranky, wei\u00dft du, warum der Mann so gro\u00dfen Erfolg hatte?\u00ab Mit einem\u00a0sicheren Gesp\u00fcr daf\u00fcr, wie man Spannung aufbaut,\u00a0lehnte er sich noch einmal zur\u00fcck und nahm einen Schluck aus seinem Weinglas. Dann sagte er: \u00bbEr\u00a0machte den Leuten keine Angst!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau so ist es. Man kann sich vorstellen, welche Unruhe\u00a0ein Trupp\u00a0 Unternehmensberater in der Firma hervorgerufen h\u00e4tte! Ein weiser Ratgeber dagegen macht niemandem Angst. Seine Rolle ist das genaue Gegenteil: Er nimmt dir die Angst. Denn\u00a0die Angst steht zwischen dir und einer guten Entscheidung. Ich bin Jahrgang 1963, f\u00fcr uns hie\u00df es von klein auf: Mach blo\u00df\u00a0keine Dummheiten! Mach blo\u00df keinen\u00a0Fehler! Nicht auffallen, nicht hinfallen, nicht rausfliegen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch meine Eltern waren vor dieser Sichtweise\u00a0nicht gefeit. Als ich meinen ersten Job bei Henkel antrat,\u00a0fiel ihnen ein Stein vom Herzen: \u00bbIn dem Job bist du sicher, jetzt m\u00fcssen wir uns nie mehr Sorgen um\u00a0dich machen.\u00ab Dass ich nicht vorhatte, ein Leben lang\u00a0n D\u00fcsseldorf-Holthausen zu bleiben, konnten sie nicht verstehen. Das hat wohl damit zu tun, dass es f\u00fcr ihre Generation noch \u00fcberlebenswichtig war, auf Nummer sicher zu gehen. Meine Geschwister und ich mussten\u00a0mit diesem Nachklappeffekt des Krieges erst mal fertig werden. Meine Kinder haben mit so einer Grundangst nichts mehr am Hut; ich bin froh, dass sie Erwartungen\u00a0statt \u00c4ngste haben. Und jeden Morgen geht die Sonne auf \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den weisen Ratgebern. Sie dr\u00e4ngen sich nichtauf und m\u00fcssen niemandem etwas beweisen. Sie wollen weder deinen Job noch dir auf die F\u00fc\u00dfe treten. Ob im beruflichen\u00a0oder im privaten Bereich \u2013 sie stehen au\u00dferhalb der Hierarchie und sind operativ nicht in das Geschehen\u00a0eingebunden. Sie sind oft genug im Leben mit ihren eigenen \u00c4ngsten konfrontiert gewesen, um zu wissen, dass einiges passieren muss, bis der Dom umkippt. All\u00a0dies nimmt Druck und Angst von dir. Mit einem weisen Ratgeber an deiner Seite wird aus einem Weltuntergangsszenario\u00a0eine Aufgabe, die sich l\u00f6sen l\u00e4sst. Er weist dir\u00a0den Weg, der dich aus dem Nebel ins Licht f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine gr\u00f6\u00dfte private Krise war die Trennung von meiner ersten Frau. Nat\u00fcrlich war mir klar, dass das Scheitern meiner Ehe kein Einzelfall war. Aber wenn du mitten im Scheidungsprozess steckst und jeder Gang\u00a0zum Briefkasten mit Magenschmerzen verbunden ist,\u00a0hockst du einfach nur in einem tiefen Loch. Horror!<\/p>\n<p>In dieser schlimmen Zeit fuhr ich mit meiner Tochter in den Urlaub. Vorfreude? Nicht vorhanden. Denn ich\u00a0war so mies drauf, dass ich mich schon mit finsterer Miene am Alleinreisenden-Tisch sitzen sah, w\u00e4hrend\u00a0meine Tochter mit den anderen Kindern Spa\u00df hatte. Erleichtert\u00a0stellte ich am Ferienort fest, dass ich nicht der\u00a0einzige Solo-Vater im Club war. Thilo, ein graumelierter\u00a0M\u00fcnchner und ebenfalls Vater einer kleinen Tochter,\u00a0teilte mein Schicksal. Er selbst war nicht unschuldig gewesen, zu viel Arbeit, falscher Fokus,\u00a0immer unterwegs, erz\u00e4hlte er mir \u2013 das\u00a0kam mir alles ziemlich bekannt vor. Am\u00a0Ende war seine Frau mit einem Musiker durchgebrannt. Thilo hatte aus seinen Fehlern gelernt. Er arbeitete weniger, allein schon, damit er mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen konnte.<\/p>\n<p>Es tat mir gut, mit jemandem zu reden, den es genauso\u00a0wie mich aus der Kurve getragen hatte. Thilo war mir\u00a0allerdings ein paar Monate voraus. Er hatte sich schon weitgehend wieder sortiert und konnte recht abgekl\u00e4rt auf seine Situation schauen. Ich dagegen war noch weit\u00a0entfernt von einem neuen Anfang und lief noch im Zerschmettert-Modus herum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Skeptisch sein &#8211; und trotzdem drauf einlassen<\/strong><\/p>\n<p>Gleich am zweiten Tag schlug Thilo vor, dass ich ihn am n\u00e4chsten Morgen zum Yoga am Strand begleiten\u00a0sollte. Ich war skeptisch. Vor dem Fr\u00fchst\u00fcck irgendwelche Verrenkungen machen? Nichts f\u00fcr mich. Aber mein neuer Kumpel lie\u00df nicht locker: \u00bbKomm, ich will dir was\u00a0zeigen!\u00ab In aller Herrgottsfr\u00fche stand ich also in Sporthose und Hard-Rock-Caf\u00e9-T-Shirt am Meer. Vierzehn\u00a0Frauen und zwei M\u00e4nner \u2013 und die Yogalehrerin Sanna,\u00a0die zu leiser Musik mit sanfter Stimme ihre Anweisungen gab. Anfangs f\u00fchlte mich etwas fehl am Platz, aber\u00a0ich lie\u00df mich darauf ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann ging die Sonne auf. Ein wunderbarer Augenblick. W\u00e4hrend Sanna uns den Sonnengru\u00df beibrachte, f\u00fchlte ich zum ersten Mal seit Monaten, dass es immer\u00a0noch m\u00e4chtigere Dinge auf der Welt gibt als das\u00a0elende Trio \u00bbmeine Scheidung \u2013 mein Versagen \u2013 mein\u00a0Schmerz\u00ab. Thilo wusste, was in mir vorging, denn als ich\u00a0die Arme in den Himmel hob, schaute er mich an und\u00a0sagte: \u00bbSiehst du, Franky, egal was kommt, beruhigend ist doch, dass jeden Morgen die Sonne wieder aufgeht.\u00ab<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"ih6virN66H\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/12\/18\/fragebogen-nahaufnahme-mit-frank-behrendt-der-auf-parties-gerne-hello-again-vorsingt\/\">Fragebogen &#8222;Nahaufnahme&#8220; mit Frank Behrendt, der auf Parties gerne &#8222;Hello again&#8220; vorsingt<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Fragebogen &#8222;Nahaufnahme&#8220; mit Frank Behrendt, der auf Parties gerne &#8222;Hello again&#8220; vorsingt&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/12\/18\/fragebogen-nahaufnahme-mit-frank-behrendt-der-auf-parties-gerne-hello-again-vorsingt\/embed\/#?secret=fMHt8FTCvG#?secret=ih6virN66H\" data-secret=\"ih6virN66H\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Frank Behrendt: &#8222;Die Winnetou-Strategie&#8220; Frank Behrendt ist leidenschaftlicher Winnetou-Fan und hat von dem Apachen-H\u00e4uptling aus Karl Mays B\u00fcchern viel gelernt: Haltung, Klugheit und Weisheit, selbstbestimmt und selbst-entschieden zu leben, tatsa\u0308chlich Ha\u0308uptling des eigenen Lebens zu sein. &nbsp; &nbsp; H\u00f6r &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/18\/buchauszug-frank-behrendt-die-winnetou-strategie-werde-zum-haeuptling-deines-lebens\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6972,1890,2617,6973],"class_list":["post-665957","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-die-winnetou-strategie-werde-zum-haeuptling-deines-lebens","tag-buchauszug","tag-frank-behrendt","tag-guetersloher-verlagshaus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=665957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665957\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=665957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=665957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=665957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}