{"id":665941,"date":"2017-09-15T01:48:59","date_gmt":"2017-09-14T23:48:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665941"},"modified":"2017-09-15T01:48:59","modified_gmt":"2017-09-14T23:48:59","slug":"buchauszug-christian-peter-dogs-und-nina-poelchau-gefuehle-sind-keine-krankheit-warum-wir-sie-brauchen-und-wie-sie-uns-zufrieden-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/09\/15\/buchauszug-christian-peter-dogs-und-nina-poelchau-gefuehle-sind-keine-krankheit-warum-wir-sie-brauchen-und-wie-sie-uns-zufrieden-machen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Christian Peter Dogs und Nina Poelchau: &#8222;Gef\u00fchle sind keine Krankheit: Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Christian Peter Dogs und Nina Poelchau: &#8222;<span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large\">Gef\u00fchle sind keine Krankheit: Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen&#8220;. Dogs ist der \u00e4<\/span>rztlicher Direktor der psychosomatischen Klinik der Max Grundig Klinik B\u00fchlerh\u00f6he, Poelchau ist &#8222;stern&#8220;-Reporterin mit dem Fachgebiet Psychologie.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665642\" style=\"width: 482px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665642\" class=\"size-full wp-image-665642\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/07\/DogsChristian-Dogs-2.jpg\" alt=\"\" width=\"472\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/07\/DogsChristian-Dogs-2.jpg 472w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/07\/DogsChristian-Dogs-2-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><p id=\"caption-attachment-665642\" class=\"wp-caption-text\">Christian Dogs, Max-Grundig-Klinik<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schlafst\u00f6rungen<\/strong><\/p>\n<p>Krankhafte Schlafst\u00f6rungen beginnen schleichend. Sie setzen sich fest, k\u00f6nnen das Leben extrem beeintr\u00e4chtigen\u00a0und echten Krankheitswert bekommen, wenn man nicht rechtzeitig einschreitet. Schlafst\u00f6rungen,\u00a0das klingt f\u00fcr viele Menschen ja nach ein bisschen im\u00a0Bett hin- und herdrehen, Sch\u00e4fchen z\u00e4hlen und dann irgendwann doch ins Reich der Tr\u00e4ume gleiten. Wer schon mal ernsthafte Schlafst\u00f6rungen hatte, wei\u00df, dass das ein Martyrium sein kann. Ich habe in unserer Klinik zahlreiche Patienten erlebt, die viel Geld f\u00fcr eine einzige\u00a0durchgeschlafene Nacht bezahlt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gest\u00f6rter Schlaf f\u00fchrt zum Risiko, krank zu werden<\/strong><\/p>\n<p>Schlafst\u00f6rungen sind das Achsensymptom der Depression\u00a0\u2013 man muss sie ernst nehmen. Es gibt keine Depression, die nicht von einer Schlafst\u00f6rung begleitet wird. Und keine Schlafst\u00f6rung, die nicht irgendwann\u00a0in einer Depression endet. Achtzig Prozent aller Deutschen klagen immer wieder \u00fcber Schlafst\u00f6rungen, jeder\u00a0Zehnte leidet unter chronischen Problemen mit dem\u00a0Schlaf. Mit gest\u00f6rtem Schlaf kommt man nicht zu der Erholung, die man braucht \u2013 so besteht ein hohes Risiko,\u00a0krank zu werden.<\/p>\n<p>\u00dcber Probleme mit dem Schlaf kursiert eine Menge Unsinn \u2013 deshalb hier das Wichtigste zusammengefasst:<\/p>\n<p>Es ist normal, bis zu zwanzigmal in der Nacht wach zu\u00a0werden \u2013 nicht normal ist es allerdings, danach nicht\u00a0wieder einschlafen zu k\u00f6nnen. Zu Beginn des Schlafs finden besonders viele Tiefschlafphasen statt, nach vier\u00a0bis f\u00fcnf Stunden hat der K\u00f6rper sich vollkommen erholt\u00a0(ungef\u00e4hr gegen drei Uhr).<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der Nacht dominieren die REM-Phasen. Hierbei erholt sich die Psyche. Der Schlafende ist in dieser Zeit wie gel\u00e4hmt.<\/p>\n<p>Bei Menschen, die \u00bbnormal\u00ab schlafen, sieht das dann\u00a0in etwa so aus: Sie gehen um 23 Uhr m\u00fcde ins Bett, bleiben etwa zwei bis drei Minuten wach (die Wachphase), nach ungef\u00e4hr zehn Minuten trudeln sie in Phase 1,\u00a0danach in Phase 5 und 3. Alle diese Phasen dienen lediglich\u00a0zum Einschlafen (die Einschlafphasen).<\/p>\n<p>Es folgt Phase 4, die Tiefschlafphase. Hier sind die Muskeln entspannt, Blutdruck und Puls sinken \u2013 der K\u00f6rper erholt\u00a0sich. Anschlie\u00dfend kommen wir in Phase 5, die REMPhase\u00a0(REM = Rapid Eye Movement), der Puls kann bis auf 120 steigen, der Blutdruck bis auf 200 mm\/hg. Wir tr\u00e4umen aktiv, die Tr\u00e4ume aus der REM-Phase k\u00f6nnen\u00a0oft nicht erinnert werden. In diesen Phasen wird unglaublich viel verarbeitet. Das Gehirn kaut aktuelle Konflikte\u00a0durch, manchmal entwickelt es sogar L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Was am Tag passierte, wird in der REM-Phase ins Langzeitged\u00e4chtnis \u00fcbertragen.\u00a0Manche Menschen bereiten ihre Schlafst\u00f6rung systematisch vor, sage ich meinen Patienten gerne. Es\u00a0lohnt sich, zu analysieren, was vor dem Schlafengehen passiert. Schlechte Gef\u00fchle schaden dem Schlaf. \u00c4rger und Sorgen des Tages, ungekl\u00e4rte Konflikte sind Gift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachrichten-Gucken und Krimis sind schlecht f\u00fcrs Einschlafen<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Deutschen gucken kurz vor dem Schlafengehen Nachrichten oder einen Krimi, lassen sich also\u00a0mit Negativem und Gruseligem nur so bombardieren. Das reibt auf. Das n\u00e4mlich ist der Stoff, mit dem sich\u00a0unser Gehirn zu Beginn der Nacht besch\u00e4ftigt.\u00a0Es empfiehlt sich, statt sich zu \u00e4rgern und fernzusehen, bei einem Spaziergang zur Ruhe zu kommen,\u00a0ein Buch mit positivem Inhalt zu lesen, zu meditieren\u00a0oder angenehme Musik zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen mit Depressionen ist es besonders wichtig, vor dem Schlaf\u00a0nicht in die altbekannte Negativspirale der Gedanken\u00a0zu geraten, sondern Erinnerungen hervorzuholen, die positiv sind, und sei es nur eine kleine Begebenheit des\u00a0Tages, denn gerade in der ersten REM-Phase wird der Gedanken- und Gef\u00fchlsstoff vor dem Einschlafen in das Langzeitged\u00e4chtnis eingelagert.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt diese Formel: Wer am Tag viel erlebt, durchl\u00e4uft nachts viele REM-Phasen. Wer sich\u00a0tags\u00fcber viel bewegt, dem werden nachts viele Tiefschlafphasen beschert. Wenn man daran denkt, wie viele Deutsche sich zu wenig bewegen oder auch zu wenig erleben, dann ist es kein Wunder, dass es so viele Menschen mit Schlafst\u00f6rungen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwei Schlaftypen: Lerchen und Eulen- was sind Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Wissen Sie \u00fcbrigens, welcher Schlaftyp Sie sind? Und\u00a0auch, dass es nicht einfach nur mit Ihrer Faulheit zusammenh\u00e4ngen\u00a0muss, wenn Sie morgens nicht aus\u00a0dem Bett kommen?\u00a0Es gibt Lerchen und Eulen. Das ist in den Genen festgeschrieben, kaum zu ver\u00e4ndern und wissenschaftlich\u00a0bewiesen. Lerchen gehen fr\u00fch ins Bett und stehen problemlos\u00a0morgens fr\u00fch auf. Eulen hingegen werden erst sehr sp\u00e4t m\u00fcde, sie kommen vor 11 Uhr nicht aus dem\u00a0Bett.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer zu fr\u00fch schlafen geht, glaubt, er hat Schlafst\u00f6rungen<\/strong><\/p>\n<p>M\u00e4nner sind vermehrt Eulen, Frauen Lerchen. Viele Eulen machen den Fehler, zu fr\u00fch ins Bett zu gehen, weil\u00a0sie morgens ja fr\u00fch aufstehen m\u00fcssen. Sie liegen dann herum und k\u00f6nnen nicht einschlafen. Schlafst\u00f6rungsalarm!<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung: Sie m\u00fcssten einfach wach bleiben,\u00a0bis sie wirklich m\u00fcde sind. Lieber weniger schlafen und\u00a0daf\u00fcr richtig, als sich stundenlang herumw\u00e4lzen. Nach vier bis sechs Stunden Wachzeit (wenn sie um 11 Uhr\u00a0aufgestanden sind, also nachmittags), kommen diese\u00a0Menschen erst richtig in Gang. Zehn bis zw\u00f6lf Stunden nach dem Aufwachen (also ab 21 Uhr) erreichen sie das\u00a0Maximum ihrer Leistungsf\u00e4higkeit. \u00a0Es gibt auch noch\u00a0die Mischform. \u00bbLeulen\u00ab, Leute, die sp\u00e4t ins Bett gehen und fr\u00fch aufstehen.<\/p>\n<p>Man kann seinen Schlaftyp nicht \u00e4ndern. Um herauszufinden,\u00a0welcher Schlaftyp man ist, sollte man auf\u00a0das Schlafverhalten im Urlaub achten: Lerchen sind auch im Urlaub zwischen 22 und 23 Uhr m\u00fcde, Eulen\u00a0k\u00f6nnen bis um 4 oder 5 Uhr aufbleiben. Gegen seinen Schlaf-wach-Rhythmus zu versto\u00dfen,\u00a0bedeutet Stress. Eulen-Kinder beispielsweise haben es\u00a0in einem Schulsystem sehr schwer, in dem um 7.30 Uhr der Gong ins Klassenzimmer befiehlt. Schade, dass\u00a0unsere Politiker sich so wenig von wissenschaftlichen\u00a0Erkenntnissen beeinflussen lassen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665963\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Cover.DOGS_Gef\u00fchle-sind-keine-Krankheit_Cover-1.jpg\" alt=\"\" width=\"397\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Cover.DOGS_Gef\u00fchle-sind-keine-Krankheit_Cover-1.jpg 397w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Cover.DOGS_Gef\u00fchle-sind-keine-Krankheit_Cover-1-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 397px) 100vw, 397px\" \/><\/p>\n<p>Christian Dogs und Nina Poelchau:\u00a0&#8222;<span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large\">Gef\u00fchle sind keine Krankheit: Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen&#8220; :\u00a0<\/span>20 Euro, 240 Seiten, Ullstein Verlag<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/gefuehle-sind-keine-krankheit-9783550081958.html\">http:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/gefuehle-sind-keine-krankheit-9783550081958.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der viel zu hohe Anspruch \u2013 oder warum Gl\u00fcckssuche Stress bedeutet<\/strong><\/p>\n<p>Perfekt sein zu wollen, toll sein zu wollen, m\u00f6glichst keinen \u00bbSchei\u00df\u00ab zu bauen, sondern immer zu funktionieren \u2013 ich habe viele erlebt, die von diesem Anspruch an sich selbst in die Knie gedr\u00fcckt wurden, Bedr\u00fcckung\u00a0und Beklemmung waren irgendwann ihr bestimmendes\u00a0Lebensgef\u00fchl. Ich blicke, wie gesagt, auf die Erfahrung\u00a0mit etwa drei\u00dfigtausend Patientinnen und Patienten zur\u00fcck. Da entsteht ein deutliches Bild.\u00a0\u00bbAlles gut?\u00ab, ist heute eine gel\u00e4ufige Floskel \u2013 und Ausdruck erschreckender Oberfl\u00e4chlichkeit in unserem\u00a0t\u00e4glichen Umgang miteinander. Es ist eine Frage, die ich\u00a0gar nicht mag. \u00bbWie geht es dir?\u00ab Diese Frage ist ehrlicher. Zumindest, wenn sie verbunden ist mit echtem Interesse an der Antwort. Es ist n\u00e4mlich tats\u00e4chlich eigentlich nie alles gut.<\/p>\n<p>Und das Schlechteste ist obendrein, wenn man das von\u00a0sich erwartet. Wie will einer dann aushalten, was im\u00a0Leben, in so gut wie jedem einzelnen Leben, an Schwierigem und Traurigem passiert?\u00a0Die Geschichte des Fu\u00dfballtorwarts Robert Enke, der sich im November 2009 das Leben nahm, hat f\u00fcr\u00a0mich eine gro\u00dfe Symbolkraft. Ich habe ihn pers\u00f6nlich\u00a0nicht kennengelernt. Aber man kann sagen, er hat in Deutschland die Sicht auf Depressionen ver\u00e4ndert. Es\u00a0war damals wie ein Donnerschlag. Ich erinnere mich an die stern-Titelgeschichte kurz darauf: \u00bbIch war depressiv\u00ab hie\u00df sie. In ihr \u00bbouteten\u00ab sich verschiedene Sportler,\u00a0zum Beispiel auch der Skispringer Sven Hannawald.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer immer nur funktionieren will &#8211; wie Robert Enke<\/strong><\/p>\n<p>Sehr vielen Menschen wurde in dieser Zeit bewusst, was sich hinter einer fast schon titanenhaft starken\u00a0Fassade verbergen kann. Depressionen, Leid und Elend. Die Geschichte von Robert Enke ist, jedenfalls nach au\u00dfen,\u00a0die Geschichte eines verzweifelten Mannes, der\u00a0versucht hat, sich ein Leben lang zusammenzurei\u00dfen und \u00bbnegative\u00ab Gef\u00fchle wie Angst, Traurigkeit und auch Wut \u00fcber Kr\u00e4nkungen nicht zuzulassen. Der sich auferlegte,\u00a0dagegen anzuk\u00e4mpfen, weil er immer wieder funktionieren wollte, und dem es nicht gelang, diese Gef\u00fchle zu integrieren.<\/p>\n<p>Da ich mir von diesem sehr sympathisch wirkenden\u00a0Mann keinen pers\u00f6nlichen Eindruck machen konnte,\u00a0w\u00e4re es vermessen, seine Geschichte, die so tragisch endete, aus der Ferne zu beurteilen. Ich habe mir als\u00a0Psychiater aus dem, was ich \u00fcber ihn gelesen habe,\u00a0nat\u00fcrlich dennoch ein Bild gemacht. Und ich muss sagen, dass dieser Mann mich an so viele Patienten erinnert, die ich im Laufe meines Berufslebens gesehen habe. Starke Menschen waren das, gef\u00fchlvolle, sympathische,\u00a0die immer gegen das vermeintlich Negative\u00a0in sich selbst angek\u00e4mpft haben. Und die das Schwere, Bedrohliche dadurch verst\u00e4rkt haben, dass sie sich selbst daf\u00fcr geradezu hassten.<\/p>\n<p>In der ganzen Psychosomatik gilt: Je mehr du gegen\u00a0ein Symptom ank\u00e4mpfst, desto st\u00e4rker wird es. Das Ziel\u00a0in der Behandlung ist die Integration, nicht das Niederk\u00e4mpfen von vermeintlich schlechten Gef\u00fchlen. Alle Gef\u00fchle sind in Ordnung, sind willkommen: gute und\u00a0schlechte, helle und freudige, d\u00fcstere und traurige. Es ist so wichtig, zu akzeptieren, dass nicht immer alles\u00a0gut ist und sich kein Mensch sch\u00e4men muss, weil in ihm alles schreit: Alles schlecht, bleib mir vom Hals mit deiner dummen Frage! Aber das ist schwer in einer\u00a0Gesellschaft, die dazu neigt, diesen Teil der Gef\u00fchlswelt wie eine Krankheit zu betrachten und wie auss\u00e4tzig zu\u00a0behandeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665942\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665942\" class=\"size-full wp-image-665942\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/dogs.stern_.Poelchau_Nina_c_privat.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/dogs.stern_.Poelchau_Nina_c_privat.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/dogs.stern_.Poelchau_Nina_c_privat-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-665942\" class=\"wp-caption-text\">Autorin Nina Poelchau (Foto: privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gl\u00fcckssuche ist Stress &#8211; Zufriedenheit reicht<\/strong><\/p>\n<p>Es w\u00e4re \u00fcbrigens viel gewonnen, wenn wir uns\u00a0von einem inzwischen ziemlich verbreiteten Gl\u00fccksanspruch\u00a0befreien w\u00fcrden. Gl\u00fcckssuche ist Stress. Zufriedenheit als Grundstimmung reicht. Von dieser\u00a0Ebene aus, einem grunds\u00e4tzlichen, etwas stilleren Einverst\u00e4ndnis\u00a0mit dem Leben, lassen sich auch schwierige Zeiten besser in den Alltag integrieren. Der Mechanismus,\u00a0sich selbst immer mit hohen Zielen zu drangsalieren, f\u00fchrt zu permanenter Entwertung, weil man nie so gut ist, wie man es von sich selbst und wie es vielleicht\u00a0auch die Umwelt von einem erwartet.<\/p>\n<p>Ich habe einen Patienten vor Augen, einen begabten, sympathischen Rechtsanwalt Anfang vierzig, er war von\u00a0geradezu best\u00fcrzender Freundlichkeit, man sah ihn nie ohne L\u00e4cheln, keine Fahrstuhlfahrt mit ihm, ohne dass er irgendetwas Nettes, H\u00f6fliches, Aufmunterndes gesagt\u00a0h\u00e4tte. Nur war er ja nicht in die Klinik gekommen, weil es ihm so ausgesprochen gut ging. Das war nichts weiter\u00a0als ein \u2013 f\u00fcr ihn und seine Mitmenschen \u2013 ziemlich\u00a0anstrengendes Muster, das er sich sehr fr\u00fch antrainiert\u00a0hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>St\u00e4ndig alles geben, nur um Anerkennung zu bekommen<\/strong><\/p>\n<p>Er stammte aus einer Familie, in der Leistung alles\u00a0bedeutete und jede Art von Schw\u00e4che bestraft wurde.\u00a0Sogar f\u00fcr einen Sprachfehler, den er in den fr\u00fchen Lebensjahren\u00a0hatte \u2013 er konnte das \u00bbsch\u00ab nicht richtig aussprechen und sagte stattdessen \u00bbch\u00ab \u2013, wurde er von\u00a0seiner Mutter gesch\u00fcttelt und nachge\u00e4fft. Also gab er von klein an alles, um Anerkennung zu bekommen. Er riss sich st\u00e4ndig zusammen. Er war einer, der auf die\u00a0Frage \u00bbAlles gut?\u00ab immer antwortete: \u00bbAlles super!\u00ab<\/p>\n<p>Er hatte Jura studiert, war bald Unternehmensberater\u00a0geworden \u2013 und dann, ausgel\u00f6st durch Beziehungsprobleme,\u00a0kam pl\u00f6tzlich, mit Ende drei\u00dfig, der Zusammenbruch. Er konnte nicht mehr schlafen, er kam morgens\u00a0nicht mehr aus dem Bett, sein Magen rebellierte, er\u00a0hatte st\u00e4ndig Durchfall. Er hatte schon Panik, wenn er nur daran dachte, das Haus zu verlassen.\u00a0Es dauerte lange, bis er sich entschloss, psychisch Hilfe zu suchen, das war f\u00fcr ihn das Eingest\u00e4ndnis,\u00a0versagt zu haben. Vor\u00fcbergehend verordnete ich ihm\u00a0Medikamente, die seine Angst l\u00f6sten und die ihm aus\u00a0der akuten Krise halfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lernen, man selbst zu sein<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem musste er dann aber\u00a0lernen, er selbst zu sein. Ein Mensch, der nicht immer\u00a0nett und perfekt sein und das Beste vom Besten erreichen will, sondern einer, der sich \u00e4rgern und schlecht\u00a0gelaunt sein darf, der manchmal jemanden im Aufzug\u00a0so bl\u00f6d findet, dass er einfach nicht mit ihm spricht.<\/p>\n<p>Eine wichtige \u00dcbung, die ich ihm aufgebrummt hatte, war, richtig, richtig unfreundlich zu sein. Zwei Tage\u00a0lang sollte er auf jedes freundliche Angebot mit \u00bbnein\u00abreagieren. Ohne L\u00e4cheln! Einfach mal am Tisch sitzen\u00a0und zuh\u00f6ren, mittelm\u00e4\u00dfig, ach, mehr noch: ein Unsympath,\u00a0ein Spielverderber sein. Und was sollte er dabei lernen, und was lernte er auch dabei?\u00a0Dass die Welt nicht untergeht. Dass ihn daf\u00fcr niemand\u00a0bestraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Menschen haben mehr Respekt, wenn jemand nicht immer nett ist<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegenteil, es ist ja so: Die Menschen\u00a0haben mehr Respekt, wenn jemand nicht immer nett ist, sondern Kontur zeigt. Er stellte erstaunt fest, dass\u00a0sich ein paar Mitpatienten so richtig ins Zeug legten, um\u00a0ihn freundlicher zu stimmen. Es waren genau diejenigen, die selbst lernen mussten, sich abzugrenzen und\u00a0nicht auf Zur\u00fcckweisung mit verst\u00e4rkter Anstrengung zu reagieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Autoren von Gl\u00fccksb\u00fcchern setzen ihre Leser nur unter Druck<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe die vielen Gl\u00fccksexperten kritisch, die sich immer wieder zu Wort melden und suggerieren, man m\u00fcsse\u00a0nur den Trick kennen, dann sei dauerhaftes Gl\u00fcck m\u00f6glich. Bleibt mir weg damit! Die Verfasser solcher\u00a0B\u00fccher verdienen eine Menge Geld, indem sie unsere Sehns\u00fcchte befeuern. Das wird zumindest ihnen selbst\u00a0vor\u00fcbergehende Gl\u00fccksgef\u00fchle bescheren. Ihre Leser setzen sie damit aber unter Druck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich mag es nicht, zu\u00a0erfahren, in welchen St\u00e4dten angeblich Deutschlands\u00a0gl\u00fccklichste Menschen leben. Solche Umfragen werden den Einzelnen sowieso nicht gerecht, so etwas beschw\u00f6rt eine unrealistische Erwartung herauf: Reines,\u00a0pures Gl\u00fcck ist m\u00f6glich, man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, dann f\u00e4llt es einem in den\u00a0Scho\u00df.<\/p>\n<p>Jeder wei\u00df doch, wie es in Wirklichkeit aussieht: Man ist am sch\u00f6nsten Ort \u2013 und kann sich sehr schlecht f\u00fchlen.\u00a0Und manchmal sitzt man in einem h\u00e4sslichen B\u00fcro, die Kaffeemaschine ist kaputt, der Kollege schustert\u00a0einem seine Arbeit zu \u2013 und man f\u00fchlt sich trotzdem\u00a0pr\u00e4chtig. Das hat mit den Botenstoffen an den Rezeptoren\u00a0zu tun.<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/tag\/christian-dogs\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/tag\/christian-dogs\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/gesundheit\/psychotherapeut-christian-peter-dogs--es-gibt-einen-ausweg-aus-angst-und-depressionen-7070418.html\">http:\/\/www.stern.de\/gesundheit\/psychotherapeut-christian-peter-dogs&#8211;es-gibt-einen-ausweg-aus-angst-und-depressionen-7070418.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Christian Peter Dogs und Nina Poelchau: &#8222;Gef\u00fchle sind keine Krankheit: Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen&#8220;. Dogs ist der \u00e4rztlicher Direktor der psychosomatischen Klinik der Max Grundig Klinik B\u00fchlerh\u00f6he, Poelchau ist &#8222;stern&#8220;-Reporterin mit dem Fachgebiet &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/09\/15\/buchauszug-christian-peter-dogs-und-nina-poelchau-gefuehle-sind-keine-krankheit-warum-wir-sie-brauchen-und-wie-sie-uns-zufrieden-machen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6862,2726,1890,6864,6867,5614,6865,5613,6866,6863],"class_list":["post-665941","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gefuehle-sind-keine-krankheit-warum-wir-sie-brauchen-und-wie-sie-uns-zufrieden-machen","tag-stern","tag-buchauszug","tag-christian-peter-dogs","tag-glueckssuche","tag-max-grundig-klinik","tag-nina-poelchau","tag-schlaf","tag-schlafstoerungen","tag-ullstein-verlag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=665941"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665941\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=665941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=665941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=665941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}