{"id":665936,"date":"2017-10-05T12:59:29","date_gmt":"2017-10-05T10:59:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665936"},"modified":"2017-10-12T11:16:08","modified_gmt":"2017-10-12T09:16:08","slug":"altersdiskriminierung-sie-sollen-arbeiten-bis-69-aber-die-firma-stigmatisiert-sie-mit-53-schon-als-zu-alt-arbeitsrechtsanwalt-abeln-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/05\/altersdiskriminierung-sie-sollen-arbeiten-bis-69-aber-die-firma-stigmatisiert-sie-mit-53-schon-als-zu-alt-arbeitsrechtsanwalt-abeln-verraet\/","title":{"rendered":"Altersdiskriminierung: Sie sollen arbeiten bis 69, aber die Firma stigmatisiert Sie mit 53 schon als zu alt? Arbeitsrechtsanwalt Abeln gibt Tipps zur Gegenwehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Altersdiskriminierung: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie \u00e4ltere F\u00fchrungskr\u00e4fte rausgedr\u00e4ngt werden und was sie tun k\u00f6nnen. Gastbeitrag von Arbeitsrechtler Christoph Abeln.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_651835\" style=\"width: 538px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-651835\" class=\"size-full wp-image-651835\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/02\/AbelnChristophArbeitsrechtler.jpg\" alt=\"\" width=\"528\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/02\/AbelnChristophArbeitsrechtler.jpg 528w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/02\/AbelnChristophArbeitsrechtler-244x300.jpg 244w\" sizes=\"auto, (max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/><p id=\"caption-attachment-651835\" class=\"wp-caption-text\">Christoph Abeln, Arbeitsrechtsanwalt aus Berlin (Foto: Abeln)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In der 50ern wird\u2019s f\u00fcr viele, auch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, gef\u00e4hrlich: Dann kommen Unternehmenslenker, ihre Unternehmensberater und diejenigen, die auf ihre Jobs scharf sind, auf die Idee, sie aus dem Job zu dr\u00e4ngen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Hauptgrund: Sie finden sie pl\u00f6tzlich zu teuer und unterstellen ihnen mangelnde Leistungsf\u00e4higkeit. Die Ansicht mancher Politiker, Angestellte sollten bis 69 und l\u00e4nger arbeiten, wirkt gegen\u00fcber der gelebten Realit\u00e4t erratisch. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Doch\u00a0Betroffene m\u00fcssen sich Schikanen nicht gefallen lassen, sagt Arbeitsrechtsanwalt Christoph Abeln aus Berlin.<\/strong><\/p>\n<p>Er schildert den Fall eines Wirtschaftspr\u00fcfers einer gro\u00dfen Beratungsfirma, in dessen Arbeitsvertrag eine Altersgrenze von 62 Jahren steht.\u00a0Kurz nach seinem 58. Lebensjahr fragt ihn der Managing Partner, wie er sich denn zeitnah die \u00dcbertragung seiner Kunden vorstelle \u2013 er wolle doch sicherlich nicht \u00fcber das 60. Lebensjahr hinaus arbeiten. Ein Fall, wie er zigfach t\u00e4glich in Deutschland passiert. Auch wer topfit ist, wird gerade als F\u00fchrungskr\u00e4fte aus dem Job gedr\u00e4ngt: entweder mit einer Abfindung, indem man ihm schleichend seine Aufgaben entzieht oder schlicht droht. Die ganz Jungen nehmen dann gerne sofort die Witterung auf und erteilen Handkantenschl\u00e4ge mit nebenbei gesagten S\u00e4tzen wie \u201ealso wir Jungen machen dies oder das ja anders\u201c\u2026. So, als h\u00e4tten sie die Jugend gepachtet und w\u00fcrden selbst niemals \u00e4lter.<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Seine vertragliche Situation ist hervorragend. Denn Altersgrenzen sind unwirksam. Jeder hat nicht nur das Recht bis zum Eintritt einer ungek\u00fcrzten Altersrente bezahlt, sondern auch tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt zu werden. Rechtliche M\u00f6glichkeiten, das Arbeitsverh\u00e4ltnis einseitig zu beenden, haben Unternehmen nur selten.<\/p>\n<p>Wichtig ist daher: Es geht in diesen Konflikten nicht nur um viel Geld, sondern vor allem darum, die Nerven zu behalten. Den Unternehmen geht\u00b4s nur darum, ihre Rendite zu verbessern und die n\u00e4chsten Quartalszahlen noch mehr strahlen zu lassen \u2013 und dabei gehen sie brachial vor.<\/p>\n<p>Dass der Mann \u2013 oder die Frau \u2013 jahrzehntelang prima gearbeitet hat \u2013 egal. Dass er dabei auch noch sehr erfolgreich war und die Ums\u00e4tze mit gesteigert hat \u2013 ach was, Schnee von gestern. Alles nicht mehr wichtig, Kredit gibt es nicht und jeder J\u00fcngere \u2013 so die v\u00f6llig unbegr\u00fcndete Erwartungshaltung \u2013 wird doppelt so erfolgreich sein.<\/p>\n<p>Wer also in solch ein unangenehmes Personalgespr\u00e4ch, gezwungen wird sollte so vorgehen: Er sollte alles aufschreiben und schriftlich dokumentieren. Und es am besten danach dem Vorgesetzten schicken.<\/p>\n<p>Obendrein sollte er sich \u2013 soweit vorhanden \u2013 den Sprecherausschuss oder Betriebsrat einweihen. Denn die m\u00fcssen den Betroffenen in dieser schwierigen Zeit begleiten. Doch, Achtung Falle: Manche von denen tun es, manche nicht \u2013 und die stehen in Wirklich\u00a0auf Seiten des Unternehmens. Gerade Sprecheraussch\u00fcsse mancher Konzerne versuchen nur, die F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0einzunorden im Sinne der Company und verraten eigentlich die Interessen derer, die sie vertreten sollen. F\u00fcr Betriebsr\u00e4te, die so illoyal\u00a0zu ihren Kollegen und vom Unternehmen gekauft sind, gibt es einen eigenen Ausdruck:\u00a0Betriebsr\u00e4te\u00a0mit goldenen Turnschuhen. Insoweit ist Vorsicht geboten.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Waffenarsenal der Arbeitgeber und der Mobbingmethode Aufgaben-Entzug. Oberstes Gebot: Lassen Sie sich niemals auf den Entzug von Aufgaben, des Bereichs oder Freistellung ein. Wehren sie sich sofort dagegen, wenn man Ihnen Ihre ureigensten Projekt abnehmen will \u2013 nur so halten Sie den Druck gegen\u00fcber Ihrem Arbeitgeber aufrecht.<\/p>\n<p>Mein Rat: Schreiben Sie umgehend an Ihre Firma, dass Sie nicht\u00a0einverstanden sind mit Entzug, dass dieser\u00a0vertrags- und rechtswidrig ist. Und: Dass Sie weitere\u00a0T\u00e4tigkeiten nur auf\u00a0schriftliche Weisung durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt bei Versetzungen. Wenn die Gegenwehr nicht reicht, sollten Sie vor Gericht\u00a0auf eine sogenannte Statusfeststellung klagen. Machen Sie sich klar: Diese Weisungen werden von den Unternehmen\u00a0benutzt, um Angestellte zu demoralisieren, damit sie aufgeben. Alles ist auf Arbeitsplatzabbau gepolt.<\/p>\n<p>Ich muss feststellen, dass es\u00a0in den Unternehmen kein Ethik mehr gibt. Verdiente, langj\u00e4hrige Mitarbeiter\u00a0werden drangsaliert und sogar krankgemacht, manche bekommen sogar Suizidgedanken. Doch niemand spricht \u00fcber diese Methoden, es herrscht das gro\u00dfe Verschweigen. Zumal sich\u00a0viele Mitarbeiter\u00a0scheuen, gegen den eigenen Arbeitgeber vor Gericht zu ziehen, f\u00fcr den sie so lange loyal\u00a0gearbeitet haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Altersdiskriminierung: Wie \u00e4ltere F\u00fchrungskr\u00e4fte rausgedr\u00e4ngt werden und was sie tun k\u00f6nnen. 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