{"id":665934,"date":"2017-10-08T16:28:16","date_gmt":"2017-10-08T14:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665934"},"modified":"2017-10-09T13:12:03","modified_gmt":"2017-10-09T11:12:03","slug":"buchauszug-rainer-zitelmann-wenn-du-nicht-mehr-brennst-starte-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/08\/buchauszug-rainer-zitelmann-wenn-du-nicht-mehr-brennst-starte-neu\/","title":{"rendered":"Buchauszug Rainer Zitelmann: &#8222;Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht blo\u00df neidisch sein auf Reiche und sie missmutig belauern, sondern selbst reich werden, hat sich der Ex-&#8222;Welt&#8220;-Journalist <a href=\"http:\/\/zitelmann-autobiografie.de\/der-autor\/\">Rainer Zitelmann<\/a> gedacht &#8211; der damals schon ein Mehrfaches vom Normalo-Redakteur verdiente: 190 000 Mark plus sagenhaften 210.000 Mark Nebeneinnahmen. In der &#8222;Welt&#8220; gab es n\u00e4mlich damals keinen Interessenkonflikt, als er nebenher\u00a0Kongresse und Seminare als Fortbildungsveranstaltungen im Immobilienbereich auf eigene Rechnung veranstaltete und moderierte.<\/p>\n<p>&#8222;Ich verdiente pr\u00e4chtig an den wirren Gesetzesformulierungen, denn hier bestand hoher Aufkl\u00e4rungsbedarf&#8220;, schreibt Zitelmann. Weil er in der Redaktion t\u00e4glich die Immobilienthemen beackerte, eignete er sich dabei\u00a0viel Wissen an, gr\u00fcndete sp\u00e4ter eine Agentur mit der Zielgruppe Immobilienwirtschaft, verkauft sie und hat insgesamt 20 B\u00fccher geschrieben. Nun sei er Multimillion\u00e4r, sagt Zitelmann \u00fcber sich und legt das Buch vor:\u00a0&#8222;Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Hier daraus ein Kapitel als Leseprobe:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665935\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.zitelmann.wenn-du-nicht-mehr-brennst-starte-neu-rainer-zitelmann.jpg\" alt=\"\" width=\"458\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.zitelmann.wenn-du-nicht-mehr-brennst-starte-neu-rainer-zitelmann.jpg 458w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/cover.zitelmann.wenn-du-nicht-mehr-brennst-starte-neu-rainer-zitelmann-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><\/p>\n<p><strong>Rainer Zitelmann: &#8222;Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu&#8220;\u00a0 320 Seiten, 24,99 Euro, Finanzbuch Verlag\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Wenn-nicht-mehr-brennst-starte\/dp\/3959720319\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1492542438&amp;sr=8-1&amp;keywords=zitelmann+wenn+du+nicht+mehr+brennsthttps:\/\/www.amazon.de\/Wenn-nicht-mehr-brennst-starte\/dp\/3959720319\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1492542438&amp;sr=8-1&amp;keywords=zitelmann+wenn+du+nicht+mehr+brennst\">https:\/\/www.amazon.de\/Wenn-nicht-mehr-brennst-starte\/dp\/3959720319\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1492542438&amp;sr=8-1&amp;keywords=zitelmann+wenn+du+nicht+mehr+brennsthttps:\/\/www.amazon.de\/Wenn-nicht-mehr-brennst-starte\/dp\/3959720319\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1492542438&amp;sr=8-1&amp;keywords=zitelmann+wenn+du+nicht+mehr+brennst<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ich von 45 Superreichen lernte<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr erfolgreiche Menschen habe ich mich immer interessiert. Das war einerseits Ausdruck der Neugier eines Wissenschaftlers, der wissen, verstehen und erkl\u00e4ren will. Andererseits wollte ich schlicht herausfinden, warum manche Menschen erfolgreicher sind als andere, weil ich ja selbst Erfolg haben wollte. 2011 schrieb ich das Buch \u201eSetze dir gr\u00f6\u00dfere Ziele!\u201c, das in Deutschland in mehreren Auflagen erschien und in sieben Sprachen \u00fcbersetzt wurde. F\u00fcr dieses Buch analysierte ich die Lebenswege von 50 sehr erfolgreichen Pers\u00f6nlichkeiten \u2013 vor allem Unternehmer und Investoren, aber auch Schauspieler, Musiker und Sportler. Ich las Biografien \u00fcber Steve Jobs, Bill Gates, Michael Bloomberg, Arnold Schwarzenegger, Warren Buffett, Coco Chanel, Larry Ellison, Garri Kasparow, Ray Kroc, Est\u00e9e Lauder, Madonna, Mark Zuckerberg, Sam Walton, Ted Turner, David Ogilvy, Jack Welch, Michael Dell, Prinz Alwaleed, Richard Branson, Walt Disney und viele mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erfolgreiche Pers\u00f6nlichkeiten sind unabh\u00e4ngig im Denken, konfliktf\u00e4hig, mutig<\/strong><\/p>\n<p>Ich versuchte zu verstehen, was den Erfolg dieser Pers\u00f6nlichkeiten erm\u00f6glicht hatte. Viele von ihnen hatten sich sehr hohe Ziele gesetzt; Ziele, die zu erreichen die meisten Menschen als \u201eunm\u00f6glich\u201c erachten. Ich erkannte auch, dass Unabh\u00e4ngigkeit im Denken, Konfliktf\u00e4higkeit und der Mut, anders zu sein, viele dieser Erfolgsmenschen charakterisierten. Zudem wurde deutlich, welche Rolle Begeisterungsf\u00e4higkeit und Selbstdisziplin gespielt hatten und dass die meisten von ihnen erfolgreich waren, weil sie sich sehr stark fokussierten. Schlie\u00dflich verf\u00fcgten viele dieser Menschen \u00fcber eine erstaunliche F\u00e4higkeit zur Selbstvermarktung und Selbstinszenierung \u2013 das trifft in hohem Ma\u00dfe etwa auf Arnold Schwarzenegger, Richard Branson, Jack Welch und Madonna zu, aber auch auf Investoren wie Warren Buffett oder George Soros.<\/p>\n<p>Vier Jahre nach \u201eSetze dir gr\u00f6\u00dfere Ziele!\u201c schrieb ich das Buch \u201eReich werden und bleiben\u201c. Ich suchte nach wissenschaftlicher Literatur, die sich mit dem Thema Reichtumsbildung befasst. Wenn Soziologen sich mit Reichen besch\u00e4ftigt hatten, dann jedoch bislang kaum unter der Fragestellung der individuellen Reichtumsgenese, sondern eher unter dem Aspekt der \u201eUngleichheit\u201c.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme war ein Forschungsprojekt an der Universit\u00e4t Potsdam, auf das ich w\u00e4hrend der Recherchen f\u00fcr mein Buch stie\u00df. Es nannte sich \u201eVerm\u00f6gen in Deutschland\u201c. Die Wissenschaftler hatten 472 Reiche mit sozialwissenschaftlichen Methoden befragt. Daraus waren schon eine Doktorarbeit und eine Reihe interessanter Aufs\u00e4tze und Sammelb\u00e4nde entstanden.<\/p>\n<p>Die Reichen, mit denen sich die Potsdamer Wissenschaftler besch\u00e4ftigt hatten, besa\u00dfen im Durchschnitt ein Verm\u00f6gen von 2,3 Millionen Euro. Damit waren sie schon deutlich reicher als die sogenannten \u201eReichen\u201c, mit denen sich bis dahin der sogenannte \u201eArmuts- und Reichtumsberichts\u201c der Bundesregierung befasst hatte, denn das waren Menschen, die 200 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienten \u2013 aus meiner Sicht nicht wirklich Reiche. Menschen, die ein zwei- bis dreistelliges Millionenverm\u00f6gen besa\u00dfen, waren hingegen nicht Gegenstand der Potsdamer Untersuchung gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur Hochverm\u00f6gende sind wirklich reich<\/strong><\/p>\n<p>Wie oft, wenn ich ein interessantes Buch gelesen hatte, nahm ich mit den Autoren Kontakt auf. Ich lernte den Leiter dieses Projektes kennen, Professor Wolfgang Lauterbach. Spontan entwickelte ich die Idee, die L\u00fccke, die ich gesehen hatte, selbst zu f\u00fcllen \u2013 mit einer wissenschaftlichen Studie \u00fcber die Personen, die aus meinem Blickwinkel reich sind. Damit meine ich Menschen, die ein mindestens zwei- oder dreistelliges Millionenverm\u00f6gen besitzen. Viele dieser Hochverm\u00f6genden kenne ich pers\u00f6nlich, und ich traute mir zu, im Laufe einer Untersuchung durch Empfehlungen weitere kennenzulernen. Lauterbach fand die Idee gut: \u201eDa kann ich keinen Studenten dransetzen, denn die kennen diese Menschen nicht und bekommen auch keinen Zugang. Und selbst wenn, dann w\u00e4re es wohl schwer f\u00fcr einen Studenten, auf einer Augenh\u00f6he mit diesen Menschen zu sprechen.\u201c<\/p>\n<p>Ich entwarf ein Programm, wie ich das Thema angehen sollte. Zuerst kaufte ich mir eine Menge B\u00fccher \u00fcber qualitative Sozialforschung, insbesondere \u00fcber die Methoden, mit denen sozialwissenschaftliche Interviews gef\u00fchrt werden. Zwar hatte ich einige Jahre am Institut f\u00fcr sozialwissenschaftliche Forschung der FU Berlin gearbeitet und w\u00e4hrend meines Studiums einige Seminare in Soziologie besucht, aber das lag lange zur\u00fcck. Zugute kam mir, dass ich als Journalist schon unz\u00e4hlige Interviews gef\u00fchrt hatte; allerdings gelten f\u00fcr sozialwissenschaftliche Interviews teilweise andere Regeln als f\u00fcr journalistische Interviews.<\/p>\n<p>Auf einmal war ich wieder Wissenschaftler! Die Materie faszinierte mich zunehmend. Professor Gerd Habermann, der Zweitbetreuer der Arbeit, empfahl mir, vor Beginn der Interviews mit Dr. Thomas Petersen vom Allensbacher Institut f\u00fcr Demoskopie zu sprechen. Der kannte mich noch aus der Zeit, als ich mit Elisabeth Noelle-Neumann befreundet war. Mein n\u00e4chster Schritt bestand darin, Forschungsfragen f\u00fcr die geplante Doktorarbeit zu entwickeln und daraus wiederum Leitfragen f\u00fcr die Interviews abzuleiten, die ich mit den Superreichen f\u00fchren wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Amerikanische Unternehmerforschung &#8211; hierzulande kaum beachtet<\/strong><\/p>\n<p>Dabei stie\u00df ich auf die amerikanische Unternehmerforschung, die in Deutschland bislang viel zu wenig beachtet worden war. Das wunderte mich, denn \u2013 dies war eines der Ergebnisse des Potsdamer Forschungsprojektes \u2013 die meisten Reichen waren ja als Unternehmer reich geworden. Also, \u00fcberlegte ich, musste man doch die Ergebnisse der Unternehmerforschung f\u00fcr die Reichtumsforschung fruchtbar machen. Daraus konnten sinnvolle Fragestellungen f\u00fcr die Doktorarbeit abgeleitet werden. Es galt einerseits, gen\u00fcgend interessante Fragen zu formulieren, sich andererseits aber zu beschr\u00e4nken, da ich damit rechnete, dass mir die Reichen wohl nicht l\u00e4nger als eine bis maximal zwei Stunden zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zw\u00f6lf Themen f\u00fcr die Analyse<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hatte ich nach einigen Monaten, in denen ich Hunderte Aufs\u00e4tze und B\u00fccher gelesen hatte, zw\u00f6lf Themenkomplexe identifiziert, denen ich n\u00e4her nachgehen wollte:<\/p>\n<ol>\n<li>Besonderheiten in der Jugend (Schulzeit, Studium, informelle Lernerfahrungen im Sport und bei fr\u00fcher unternehmerischer T\u00e4tigkeit).<\/li>\n<li>Motive f\u00fcr die Selbstst\u00e4ndigkeit.<\/li>\n<li>Die Rolle, die die bewusste Zielsetzung spielte.<\/li>\n<li>Die Bedeutung, die \u201eGeld\u201c f\u00fcr die Interviewpartner hat.<\/li>\n<li>Die Bedeutung, die verk\u00e4uferische F\u00e4higkeiten f\u00fcr den finanziellen Erfolg hatten.<\/li>\n<li>Die Rolle von Optimismus und Selbstwirksamkeit.<\/li>\n<li>Die Risikoorientierung.<\/li>\n<li>Das Verh\u00e4ltnis von analytischen und intuitiven (\u201eBauch\u201c-)Entscheidungen.<\/li>\n<li>Die Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale der Big-Five-Theorie: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Vertr\u00e4glichkeit.<\/li>\n<li>Die Auspr\u00e4gung von Konfliktbereitschaft.<\/li>\n<li>Der Nonkonformismus bzw. die Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen.<\/li>\n<li>Der Umgang mit Krisen und R\u00fcckschl\u00e4gen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anfangs hatten mein Doktorvater und ich vereinbart, dass ich etwa 25 Interviews f\u00fchren sollte. Ich war optimistisch \u2013 wenn auch nicht ganz sicher \u2013, dass ich so viele finden w\u00fcrde. Mir nutzte mein verk\u00e4uferisches Talent: Fast alle, die ich pers\u00f6nlich um ein Interview bat, sagten zu. Und dies, obwohl der Interviewpartner selbst ja wenig davon hat, da die Interviews anonym gef\u00fchrt wurden und ich zusicherte, die Namen nicht zu ver\u00f6ffentlichen. Schlie\u00dflich erhielt ich sogar Zusagen f\u00fcr 45 Interviews. Als 1740 Seiten mit Interviewtexten gef\u00fcllt waren, sprach ich keine weiteren Pers\u00f6nlichkeiten mehr an, sondern begann mit der Auswertung. Es sollte mir nicht wieder so ergehen wie bei meiner geplanten Habilitation, wo ich am Ende im Material fast erstickt war.<\/p>\n<p>Bei den Interviews leitete mich zuerst die wissenschaftliche Neugier, mehr \u00fcber diese Menschen zu erfahren. Ich hatte von vornherein festgelegt, dass ich nur mit Selfmade-Million\u00e4ren sprechen w\u00fcrde oder ausnahmsweise auch mit einigen Menschen, die zwar etwas geerbt, aber dieses Erbe ganz erheblich vermehrt hatten. Denn von Menschen, die ihren Reichtum allein einer Erbschaft verdanken, kann man nicht lernen, wie man aus eigener Kraft reich wird. Sie kommen daher in meiner Doktorarbeit nicht vor.<\/p>\n<p>Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind in meiner Doktorarbeit dargestellt, die im Februar 2017 als Buch unter dem Titel \u201ePsychologie der Superreichen. Das verborgene Wissen der Verm\u00f6genselite\u201c erschienen ist. Im Wintersemester 2016\/2017 wurde sie an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universit\u00e4t Potsdam mit \u201emagna cum laude\u201c als Promotion angenommen. Ich habe mich \u00fcber diese Note gefreut, denn es war nicht ganz einfach, nach 25 Jahren, die ich nicht mehr wissenschaftlich gearbeitet hatte, den Weg zur\u00fcck in die Wissenschaft zu finden. Von der ersten Idee f\u00fcr die Doktorarbeit bis zur Fertigstellung dauerte es genau zw\u00f6lf Monate \u2013 im Durchschnitt sind es in den Sozialwissenschaften 56 Monate.<\/p>\n<p>Und ich hatte die Arbeit ja neben meiner T\u00e4tigkeit als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer meines Unternehmens und als Veranstalter der \u201eBerliner Immobilienrunde\u201c bew\u00e4ltigt. Ich freue mich \u00fcber den zweiten Doktortitel, aber das war nicht der Ausschlag gebende Grund f\u00fcr mein Dissertationsvorhaben. Neben der wissenschaftlichen Neugier und dem Bed\u00fcrfnis, mir selbst zu beweisen, dass ich drei Jahrzehnte nach meiner ersten Promotion immer noch ein guter Wissenschaftler bin \u2013 und dies auch in einem anderen Fach als ich urspr\u00fcnglich studiert hatte \u2013 interessierte mich das Thema der Arbeit ganz pers\u00f6nlich: Was kann ich von diesen Reichen lernen? Was haben sie genauso gemacht wie ich, was haben sie anders gemacht? Wo sollte ich noch dazulernen? Welche Verhaltensweisen sollte ich beibehalten, welche \u00e4ndern?<\/p>\n<p>Das war zwar kein Thema f\u00fcr die Doktorarbeit, aber diese Fragen besch\u00e4ftigten mich ganz pers\u00f6nlich. Gibt es ein Geheimnis, ein \u201egemeinsames Drittes\u201c, das alle diese finanziell \u00fcberaus erfolgreichen Menschen verband? Gibt es gemeinsame Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_666008\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666008\" class=\"size-full wp-image-666008\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-300x137.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-500x228.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-666008\" class=\"wp-caption-text\">Autor Rainer Zitelmann (Foto: Zitelmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die wiederkehrenden Muster bei der Superreichen<\/strong><\/p>\n<p>Einerseits waren meine Interviewpartner sehr verschieden. Die Spanne reichte von einem extrem reichen Unternehmer, der nur einen Hauptschulabschluss hatte und zudem Legastheniker war, bis zum promovierten Selfmade-Multimilliard\u00e4r. Neben vielen Unterschieden fand ich aber auch immer wiederkehrende Muster in der Biografie und in der Pers\u00f6nlichkeit dieser Menschen.<\/p>\n<p>Bei vielen Interviewpartnern stie\u00df ich zudem auf Gemeinsamkeiten mit meinem Lebenslauf. Die meisten von ihnen hatten schon unternehmerische Erfahrungen in ihrer Zeit als Sch\u00fcler oder Studenten gesammelt oder Dinge verkauft. Ich habe im ersten Kapitel von meinen Zeitungsprojekten berichtet, bei denen ich Organisation, Verkauf und \u2013 in gewissem Grade \u2013 unternehmerisches Handeln schon sehr fr\u00fch lernte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reichtum als Nebenprodukt oder als Ziel?<\/strong><\/p>\n<p>Neugierig war ich, welche Rolle die bewusste Zielsetzung f\u00fcr diese Menschen spielte. Und da fand ich gro\u00dfe Unterschiede: Es gab jene Menschen, die sich \u2013 so wie ich \u2013 irgendwann in ihrem Leben vorgenommen hatten, reich zu werden. Sie hatten sich, wie in popul\u00e4ren Reichtumsratgebern empfohlen, schriftlich Ziele gesetzt und diese visualisiert. Es gab jedoch auch viele Gespr\u00e4chspartner, die das nicht getan hatten. Sie waren irgendwann in ihrem Leben Unternehmer geworden, und der Reichtum hatte sich sozusagen als Nebenprodukt dieser T\u00e4tigkeit ergeben, ohne dass er von vornherein Ziel gewesen w\u00e4re. Daraus lernte ich, dass mein eigener Weg zum Reichtum nicht verallgemeinert werden kann, und dass die Behauptung in popul\u00e4ren Reichtumsratgebern,\u00a0<em>nur<\/em>\u00a0auf diesem Wege k\u00f6nne man reich werden, nicht stimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die entscheidenden Motive: Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Interessant war f\u00fcr mich, was die Menschen mit \u201eGeld\u201c verbinden, was sie motivierte. Bei den Meisten standen \u2013 wie f\u00fcr mich \u2013 Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit an der Spitze der Motive. Aber dann gab es erhebliche Unterschiede: Einige Reiche hatten ein hohes Sicherheitsbed\u00fcrfnis, auf andere traf das gar nicht zu. Es gab einige, die es sch\u00e4tzten, sich sch\u00f6ne Dinge im Leben leisten zu k\u00f6nnen, aber auch jenen Gespr\u00e4chspartner, der mir erkl\u00e4rte, er sei nur einmal in seinem Leben in den Urlaub gefahren und habe sich nie ein Hemd gekauft, das teurer als 30 Euro war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;viele sind Nonkonformisten<\/strong><\/p>\n<p>Viele der interviewten Personen waren Nonkonformisten, die gerne ihre eigenen Wege gehen und oft gegen den Strom schwimmen. In dieser Beziehung konnte ich mich in ihnen wiedererkennen und fand mich in meinem Lebensweg best\u00e4tigt. Auch die Art, wie die Menschen mit Krisen und R\u00fcckschl\u00e4gen umgingen, war oft \u00e4hnlich und \u00e4hnelte meinem Umgang mit solchen Situationen. Sie machten nicht andere f\u00fcr R\u00fcckschl\u00e4ge verantwortlich, sondern sich selbst. Und sie versuchten stets, in Krisen auch Chancen zur Fortentwicklung zu erkennen und wahrzunehmen. Meine Annahme, dass all dies Voraussetzungen sind, um als Unternehmer und Investor erfolgreich zu sein, best\u00e4tigte sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;und Verk\u00e4ufertalente<\/strong><\/p>\n<p>Auch stie\u00df ich auf eine Gemeinsamkeit, die bislang in der Wissenschaft kaum beachtet worden war: Zwei Drittel der Interviewpartner erkl\u00e4rten, die F\u00e4higkeit zu verkaufen, habe ganz entscheidend zu ihrem Erfolg beigetragen. Mehr als jeder Dritte ma\u00df sogar 70 bis 100 Prozent seines Erfolges seinen verk\u00e4uferischen F\u00e4higkeiten zu. Das \u201eNein\u201c, das einem im Verkaufsprozess zun\u00e4chst oft entgegenschl\u00e4gt, sahen die Interviewpartner keineswegs negativ. Viele berichteten, ihre gr\u00f6\u00dfte Freude sei es gewesen, dieses \u201eNein\u201c in ein \u201eJa\u201c zu verwandeln. Das trifft auch uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr mich zu, da konnte ich mich \u2013 wie auch in den meisten anderen Bereichen \u2013 in meinen Gespr\u00e4chspartnern wiedererkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_666008\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666008\" class=\"size-full wp-image-666008\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-300x137.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-500x228.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-666008\" class=\"wp-caption-text\">Autor Rainer Zitelmann (Foto: Zitelmann)<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_666008\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-666008\" class=\"size-medium wp-image-666008\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-300x137.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"137\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-300x137.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_-500x228.jpg 500w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/Zitelmann.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-666008\" class=\"wp-caption-text\">Autor Rainer Zitelmann (Foto:&#8230;)<\/p><\/div>\n<p><strong>Die drei Bereiche, die den Unterschied machen<\/strong><\/p>\n<p>Aber in drei Bereichen entdeckte ich ganz deutliche Unterschiede zwischen mir und den meisten Interviewpartnern. Das sind die Themen, \u00fcber die ich in den n\u00e4chsten Jahren wohl h\u00e4ufiger nachdenken werde. Gibt es hier f\u00fcr mich Lernm\u00f6glichkeiten? Gibt es Verhaltensmuster, die ich \u00e4ndern sollte? Oder soll ich mein Anderssein annehmen und gerade als besondere Chance erkennen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstens:\u00a0Die meisten Reichen, mit denen ich sprach, sind zwar hochintelligent, aber, anders als ich, nicht intellektuell. In Wikipedia hei\u00dft es, als Intellektueller werde ein Mensch bezeichnet, der wissenschaftlich, k\u00fcnstlerisch, religi\u00f6s, literarisch oder journalistisch t\u00e4tig ist, dort ausgewiesene Kompetenzen erworben hat und in \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen kritisch oder affirmativ Position bezieht. F\u00fcr mich selbst sehe ich das Verbindende zwischen dem Intellektuellen, dem Unternehmer und dem Investor darin, dass alle den Mut haben sollten, gegen den Strom zu schwimmen und bestehende Meinungen und Traditionen infrage zu stellen, und zwar, wenn geboten, durchaus radikal infrage zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die wenigsten Reichen sind sehr intellektuell &#8211; aber sie sind hochintelligent<\/strong><\/p>\n<p>Aber die wenigsten Intellektuellen sind sehr reich, und die wenigsten Reichen sind sehr intellektuell. Insofern bin ich eine Ausnahme \u2013 ein in dieser Hinsicht atypischer Intellektueller und ein atypischer Reicher. Intellektuelle sehen wegen ihrer hohen Bildung manchmal auf Reiche mit einer gewissen \u00dcberheblichkeit herab. Der amerikanische Sozialwissenschaftler Ferdinand Lundberg hat dies in seinem Buch \u00fcber \u201eDie Reichen und die Superreichen\u201c ver\u00e4chtlich auf den Punkt gebracht, die meisten \u201eKapitalisten\u201c seien wenig belesene \u201egeistige Schulschw\u00e4nzer mit Lebenskultur\u201c. Umgekehrt gibt es eine anti-intellektuelle Attit\u00fcde bei manchen Reichen, die ihr Bild vom lebensfremden intellektuellen \u201eElfenbeinturmbewohner\u201c pflegen.<\/p>\n<p>Wenn ich sage, die meisten Reichen, mit denen ich f\u00fcr meine zweite Doktorarbeit sprach, seien nicht intellektuell, dann hei\u00dft dies keineswegs, dass sie nicht hochintelligent sind. Man darf eben nicht den Fehler machen (was viele Intellektuelle tun), Intelligenz mit Intellektualit\u00e4t und Bildung zu verwechseln. Jeder der 45 Gespr\u00e4chspartner ist hochintelligent, aber die meisten sind nicht intellektuell.<\/p>\n<p>Zudem ergaben sich keine Hinweise daf\u00fcr, dass mit der H\u00f6he der Bildungsqualifikation der Reichtum steigt. Das wurde deutlich, wenn man die reichsten Interviewpartner (\u00fcber 300 Mio. Euro) mit der unteren Gruppe vergleicht (zwischen zehn und 30 Mio. Euro). In der unteren Gruppe waren immerhin drei Promovierte, sieben verf\u00fcgten \u00fcber ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Nur einer hatte lediglich Abitur, ohne studiert zu haben. Von den Superreichen mit einem Nettoverm\u00f6gen von 300 Mio. Euro oder mehr war eine Person promoviert, f\u00fcnf verf\u00fcgten \u00fcber ein abgeschlossenes Studium. Drei hatten zwar Abitur gemacht, danach jedoch nicht studiert bzw. das Studium abgebrochen. Und zwei hatten kein Abitur, sondern lediglich einen Haupt- bzw. Realschulabschluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schul- und Uni-Leistungen sind irrelevant<\/strong><\/p>\n<p>Die Leistungen in der Schule und der Universit\u00e4t waren bei den meisten Reichen keineswegs \u00fcberragend. Die meisten berichteten, sie h\u00e4tten in der Schule nur mittelm\u00e4\u00dfige Leistungen vollbracht. Nur neun Interviewpartner sagten, dass sie im Abitur oder im Studium zu den Besten geh\u00f6rten. Von diesen neun Personen geh\u00f6rten sechs zur untersten Verm\u00f6genskategorie (10 bis 30 Mio. Euro), zwei zur Verm\u00f6genskategorie dar\u00fcber (30 bis 100 Mio. Euro), und nur einer geh\u00f6rte zur Gruppe derjenigen mit Verm\u00f6gen \u00fcber 300 Mio. Euro. Besonders zwei fielen durch hervorragende Leistungen auf \u2013 einer hatte das Abitur mit 1,0 abgeschlossen und war im Studium Jahrgangsbester. Der andere hatte mit 0,7 das beste Diplom der letzten zehn Jahre gemacht. Beide geh\u00f6rten zur untersten Verm\u00f6genskategorie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmerforscher sagen: Die meisten Reichen entscheiden aus dem Bauch<\/strong><\/p>\n<p>In meiner Arbeit best\u00e4tigte sich etwas, das schon Unternehmerforscher in den USA herausgefunden hatten: Viele Unternehmer und Investoren entscheiden \u00fcberwiegend mit dem Bauch. Von den 45 befragten Reichen erkl\u00e4rten 24, die Bauchentscheidung \u00fcberwiege, 15 sagten, die Analyse \u00fcberwiege, und bei sechs war es 50\/50 oder lie\u00df sich nicht klar zuordnen. Das Bauchgef\u00fchl, dies betonten viele Interviewpartner, sei nicht angeboren, sondern entwickle sich durch die Summe der Erfahrungen. Ich lernte sowohl durch wissenschaftliche Studien als auch durch die Interviews, dass das Bauchgef\u00fchl keineswegs etwas Irrationales ist, sondern dass sich darin lebenslange Lernerfahrungen verdichten, die einem selbst meist gar nicht bewusst sind. H\u00e4ufiger den \u201eBauch\u201c zu befragen, k\u00f6nnte sich vielleicht auch f\u00fcr mich lohnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zweite Unterschied<strong>\u00a0<\/strong>zwischen mir und den meisten Interviewpartnern war deren sehr viel ausgepr\u00e4gtere Risikoneigung und ein deutlich geringeres Sicherheitsbed\u00fcrfnis. Ich bat jeden, seine Risikoneigung auf einer Skala von -5 bis +5 einzusch\u00e4tzen. Dabei stand -5 f\u00fcr den extrem risikoaversen Menschen und +5 f\u00fcr den extrem risikofreudigen. Die gro\u00dfe Mehrheit, n\u00e4mlich 35 von 45, ordnete sich im positiven Bereich ein. \u00dcberraschend war, dass sich immerhin 25 von 45 Befragten sogar im h\u00f6chsten Risikobereich, also zwischen +3 und +5 einordneten.<\/p>\n<p>Mich selbst w\u00fcrde ich in der Risikoskala eher bei -1 einsortieren, aber niemals bei Werten wie +3 oder gar +5, wo sich die meisten Interviewpartner sahen. Ich nahm niemals Kredite f\u00fcr meine Firma auf (sondern nur f\u00fcr Immobilien, wo reelle Werte dagegen standen), ich handelte die sichersten B\u00fcromietvertr\u00e4ge f\u00fcr meine Firma aus und suchte Sicherheit in meinem Gesch\u00e4ftsmodell langfristiger Kundenvertr\u00e4ge. Auch das Streben nach extrem hohen Margen f\u00fcr meine Firma war vor allem Ausdruck meines Sicherheitsstrebens, da ich mich mit einem geringeren \u201ePuffer\u201c sehr unwohl und unsicher gef\u00fchlt h\u00e4tte. Ja, ich habe sogar Angst, einer Bank gr\u00f6\u00dfere Geldsummen zu leihen, und habe in den vergangenen Jahren lieber kurz laufende Anleihen mit Negativzins gekauft, weil ich denke, es ist sicherer, die Bundesrepublik Deutschland oder die Vereinigten Staaten schulden mir Geld als etwa die Deutsche Bank. Und das Gold im Schlie\u00dffach der Bank habe ich sogar noch gegen Raub und Diebstahl versichert. Es gibt auch viele andere Beispiele aus meinem Leben, die mir zeigen, dass ich niemand bin, der gro\u00dfe Risiken sucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ist Risikobereitschaft typisch? Vielleicht auch gerade nicht<\/strong><\/p>\n<p>In den Interviews zeigte sich die hohe Risikopr\u00e4gung vieler Interviewpartner.\u00a0 Viele r\u00e4umten aber ein, ihr Risikoprofil habe sich im Laufe ihres Lebens reduziert. Vermutlich war das Eingehen h\u00f6herer Risiken eine der Voraussetzungen daf\u00fcr, dass sie reich wurden, und die sp\u00e4tere Reduzierung der Risikobereitschaft eine daf\u00fcr, dass sie reich blieben. Man muss ja ber\u00fccksichtigen, dass ich nur solche Menschen interviewt habe, bei denen es \u2013 zumindest bis zum Tag des Interviews \u2013 trotz Wechself\u00e4llen unter dem Strich gut gegangen war. Das war ein methodisches Problem, \u00fcber das ich viel nachgedacht und in der Doktorarbeit auch geschrieben habe. W\u00fcrde man im Spielcasino nur alle Gewinner fragen, was sie getan haben, k\u00f6nnte man leicht zum Schluss kommen, das Eingehen hoher Risiken sei die Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg. W\u00fcrde man die Verlierer fragen, erg\u00e4be sich dagegen, dass das Eingehen hoher Risiken die Ursache f\u00fcr das Scheitern ist.<\/p>\n<p>Ich denke nicht, dass ich k\u00fcnftig im Leben h\u00f6here Risiken eingehen m\u00f6chte als bisher. Da geht es mir wie vielen Interviewpartnern, die \u2013 \u00e4lter geworden \u2013 nicht aufs Spiel setzen wollen, was sie erreicht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Voraussetzung f\u00fcr Erfolg: Hohe Konfliktf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Der dritte Unterschied:\u00a0Ich bin deutlich unvertr\u00e4glicher als alle 45 Reichen, die ich interviewt habe. Das war eines der f\u00fcr mich \u00fcberraschenden Ergebnisse. Ich hatte die Biografien von Unternehmern wie Steve Jobs oder Bill Gates gelesen, die extrem unvertr\u00e4glich und hochgradig schwierig waren. Daraus leitete ich ab, sehr hohe Konfliktf\u00e4higkeit sei eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Erfolg. Diese These wurde sogar noch unterst\u00fctzt durch die Unternehmerforschung. Pers\u00f6nlichkeitstests ergaben, dass Unternehmer weniger vertr\u00e4glich sind als andere Menschen. Ich bat alle reichen Interviewpartner, einen Pers\u00f6nlichkeitstest auszuf\u00fcllen. Diesen Test habe ich im Anhang zu diesem Buch abgedruckt \u2013 und zwar mit den Antworten, die ich bei meiner Selbstbefragung gegeben habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmer sind sehr gewissenhaft<\/strong><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick entspreche ich in geradezu typischer Weise dem Unternehmerprofil, wie man es aus der Forschung kennt: Danach zeichnen sich Unternehmer durch sehr hohe \u201eGewissenhaftigkeit\u201c einerseits und geringen \u201eNeurotizismus\u201c und geringe \u201eVertr\u00e4glichkeit\u201c andererseits aus. Was ist damit gemeint? \u201eGewissenhaftigkeit\u201c steht in der Pers\u00f6nlichkeitspsychologie nicht nur f\u00fcr das, was wir darunter umgangssprachlich verstehen. Der psychologische Begriff umfasst vielmehr Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale wie Flei\u00df, P\u00fcnktlichkeit, Ehrgeiz, Durchhalteverm\u00f6gen und Organisiertheit. Auf einer Skala von 0 bis 40 Punkten erreichten bis auf vier Ausnahmen alle Interviewpartner eine hohe Punktzahl von 25 bis 40, was eine stark ausgepr\u00e4gte Gewissenhaftigkeit zeigt. Dies deckt sich mit anderen Forschungen \u00fcber Unternehmer. Zw\u00f6lf der 45 Interviewpartner lagen sogar zwischen 35 und 40 Punkten, wo auch ich selbst landete.<\/p>\n<p>Mit \u201eNeurotizismus\u201c ist die psychische Stabilit\u00e4t gemeint. Auch hier best\u00e4tigten die Testergebnisse der von mir befragten Reichen die bisherige Unternehmerforschung. Alle Interviewpartner lagen in der Kategorie 0 bis 19 Punkte, was f\u00fcr psychische Stabilit\u00e4t spricht, 36 sogar in der Kategorie zwischen 0 und 9 Punkten, wo auch mein Testergebnis mit 5 Punkten liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;.und sie sind weitgehend vertr\u00e4glich<\/strong><\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, geht die Unternehmerforschung von einer geringer ausgepr\u00e4gten \u201eVertr\u00e4glichkeit\u201c bei Unternehmern aus. Dieses Ergebnis konnte in meinen Forschungen nur teilweise best\u00e4tigt werden. Laut Testergebnis waren die Personen vertr\u00e4glicher, als man h\u00e4tte erwarten sollen. Zwar zeigten die Interviews, dass manche der laut Test vertr\u00e4glichen Personen wahrscheinlich tats\u00e4chlich doch nicht so vertr\u00e4glich sind, doch f\u00fcr mich pers\u00f6nlich war etwas anderes interessant und \u00fcberraschend: Kein einziger der 45 Befragten war nach dem Test so unvertr\u00e4glich wie ich mit nur 9 von 40 Punkten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meine Konfliktfreudigkeit hat mir geschadet &#8211; nicht genutzt<\/strong><\/p>\n<p>Das gab mir zu denken. Ich wei\u00df, dass mir meine extrem ausgepr\u00e4gte Konfliktfreudigkeit im Leben keineswegs nur genutzt, sondern auch geschadet hat. Sie war eine der Ursachen f\u00fcr die hohe Mitarbeiterfluktuation in meinem Unternehmen, die uns immer wieder Probleme mit Kunden bescherte. Der Vergleich mit den reichen Interviewpartnern nahm mir meine Selbstrechtfertigung, geringe Vertr\u00e4glichkeit sei nun einmal stets ein Pers\u00f6nlichkeitsmerkmal sehr erfolgreicher Menschen. Ja, die Vertr\u00e4glichkeit bei erfolgreichen Menschen ist insgesamt geringer, aber es ist eine Frage des Ma\u00dfes.<\/p>\n<p>Sicherlich ist es schwer \u2013 vielleicht sogar unm\u00f6glich \u2013, die Pers\u00f6nlichkeit zu \u00e4ndern. Psychologen behaupten jedenfalls, dass es nach dem 30. Lebensjahr relativ wenige \u00c4nderungen gibt. Daher glaube ich nicht, dass ich jemals ein besonders vertr\u00e4glicher und harmoniesuchender Mensch sein werde. Aber ich hoffe, allein schon die Tatsache, dass mir eine bequeme Ausrede f\u00fcr meine Unvertr\u00e4glichkeit \u2013 zumindest teilweise \u2013 genommen wurde, k\u00f6nnte etwas bewirken.<\/p>\n<p>Nun bin ich nun dort angelangt, wo ich nicht hinwollte, bei der Selbstanalyse. Um diese zu objektivieren, f\u00fcge ich im Anhang den \u201eBig Five\u201c-Pers\u00f6nlichkeitstest bei. Manche Formulierungen in dem Test sind nicht so gl\u00fccklich \u2013 etwa mit doppelten Verneinungen, wo man sich beim Ankreuzen leicht vertun kann \u2013, aber ich hatte mich nun einmal dazu entschieden, mit diesem Test zu arbeiten, und dann musste ich dies bis zum Ende durchhalten, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.<\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie Lust, den Test selbst auszuf\u00fcllen, wobei Sie den Nachteil haben, dass Sie schon vorher wissen, welches Profil zu einem Unternehmer oder einem Reichen passt \u2013 und welches nicht. Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, k\u00f6nnen Sie vielleicht etwas f\u00fcr sich lernen. Falls Sie feststellen, dass Sie bei den Merkmalen Neurotizismus und Vertr\u00e4glichkeit Punktzahlen unter 20 haben und bei den anderen Merkmalen Punktzahlen \u00fcber 20, falls Sie bei der Gewissenhaftigkeit vielleicht sogar zwischen 35 und 40 Punkten liegen, dann haben Sie \u2013 gleichg\u00fcltig welchen Beruf Sie derzeit aus\u00fcben \u2013 zumindest das typische Pers\u00f6nlichkeitsprofil eines Unternehmers.<\/p>\n<p>Mit meiner zweiten Doktorarbeit bin ich zur Wissenschaft zur\u00fcckgekehrt. Sollte sich das finanzieren lassen, werde ich vielleicht sp\u00e4ter einmal ein \u201eInstitut f\u00fcr Reichtumsforschung\u201c initiieren, in dem sich Wissenschaftler mit dem Thema Reichtum befassen. Zugleich bleibe ich der Immobilie verbunden und werde sehen, wie ich meine Kenntnisse und mein verk\u00e4uferisches Talent in den n\u00e4chsten Jahren einbringen kann. Auch journalistisch habe ich mich in den vergangenen Jahren wieder st\u00e4rker engagiert und schreibe regelm\u00e4\u00dfig Kommentare zu Themen aus Wirtschaft und Politik.<\/p>\n<div class=\"brlbs-cmpnt-container brlbs-cmpnt-content-blocker\" data-borlabs-cookie-content-blocker-id=\"default\" data-borlabs-cookie-content=\"PGJsb2NrcXVvdGUgY2xhc3M9IndwLWVtYmVkZGVkLWNvbnRlbnQiIGRhdGEtc2VjcmV0PSJvS2F3MUlzbWN1Ij48YSBocmVmPSJodHRwczovL3ppdGVsbWFubi1hdXRvYmlvZ3JhZmllLmRlL2Rlci1hdXRvci8iPkRlciBBdXRvcjwvYT48L2Jsb2NrcXVvdGU+PGlmcmFtZSBjbGFzcz0id3AtZW1iZWRkZWQtY29udGVudCIgc2FuZGJveD0iYWxsb3ctc2NyaXB0cyIgc2VjdXJpdHk9InJlc3RyaWN0ZWQiIHN0eWxlPSJwb3NpdGlvbjogYWJzb2x1dGU7IGNsaXA6IHJlY3QoMXB4LCAxcHgsIDFweCwgMXB4KTsiIHRpdGxlPSImIzgyMjI7RGVyIEF1dG9yJiM4MjIwOyAmIzgyMTI7IFJhaW5lciBaaXRlbG1hbm4iIHNyYz0iaHR0cHM6Ly96aXRlbG1hbm4tYXV0b2Jpb2dyYWZpZS5kZS9kZXItYXV0b3IvZW1iZWQvIz9zZWNyZXQ9VFRpVU5BdVZXdiM\/c2VjcmV0PW9LYXcxSXNtY3UiIGRhdGEtc2VjcmV0PSJvS2F3MUlzbWN1IiB3aWR0aD0iNTg0IiBoZWlnaHQ9IjMyOSIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIG1hcmdpbndpZHRoPSIwIiBtYXJnaW5oZWlnaHQ9IjAiIHNjcm9sbGluZz0ibm8iPjwvaWZyYW1lPg==\" >\n<div class=\"brlbs-cmpnt-cb-preset-a\">\n<p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von <strong>Standard<\/strong>. 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