{"id":665832,"date":"2017-10-09T23:28:41","date_gmt":"2017-10-09T21:28:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665832"},"modified":"2017-10-10T00:55:42","modified_gmt":"2017-10-09T22:55:42","slug":"buchauszug-jonathan-sierck-junge-ueberflieger-millenials-eine-generation-auf-der-erfolgsspur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/10\/09\/buchauszug-jonathan-sierck-junge-ueberflieger-millenials-eine-generation-auf-der-erfolgsspur\/","title":{"rendered":"Buchauszug Jonathan Sierck: &#8222;Junge \u00dcberflieger. Millenials &#8211; eine Generation auf der Erfolgsspur&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug: Jonathan Siercks &#8222;Junge \u00dcberflieger. Millenials &#8211; eine Generation auf der Erfolgsspur&#8220; \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jonathansierck.com\/\">Siercks ist Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Inspired World mit Kunden wie Audi, Siemens oder dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft und Raumfahrt:\u00a0Er gibt Seminare\u00a0<\/a> zu effizientem Arbeiten, Zeitmanagement und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung. Er selbst ist Jahrgang 1993, z\u00e4hlt sich zu den sogenannten Millenials\u00a0\u00a0und hat f\u00fcr dieses Buch einige Erfolgreiche seiner Generation interviewt wie die\u00a0Unternehmerin Lencke Steiner, Rapper Kontra K, Deutschlands j\u00fcngster Sternekoch Philipp Stein, Comedian Chris Tall, Fashion-Bloggerin Masha Sedgwick, Fu\u00dfballer Joshua Kimmich, \u00d6sterreichs Au\u00dfenminister Sebastian Kurz, die Fotographin Fee-Gloria Gr\u00f6nemeyer, Westwing-Gr\u00fcnderin Delia Fischer, Schriftstellerin und die Lebensk\u00fcnstlerin Jannike St\u00f6hr.<\/p>\n<div id=\"attachment_665833\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665833\" class=\"size-full wp-image-665833\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/millenials.Nils_Schwarz.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/millenials.Nils_Schwarz.jpg 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/millenials.Nils_Schwarz-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><p id=\"caption-attachment-665833\" class=\"wp-caption-text\">Autor Jonathan Sierck (Foto: Nils Schwarz)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geduld<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr uns Millennials ist, dass wir in einer Welt aufgewachsen sind, in der fast alles schnell beziehungsweise auf Abruf bereitsteht und wir es gewohnt sind. Das bestellte Paket bei Amazon ist morgen da. Mit Tinder k\u00f6nnen wir im Sekundentakt entscheiden, ob uns ein Mensch gef\u00e4llt \u2013 zumindest rein optisch. Whatsapp erm\u00f6glicht es uns, \u00fcber den gesamten Globus Sofortnachrichten zu verschicken und wir erwarten demzufolge auch schnelle Antworten. Alles soll augenblicklich passieren und ist auf Tempo ausgelegt. Ungeduld wird nicht mehr als Laster, sondern als Tugend gesehen, weil es die Beschleunigung noch mehr f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Da alles so schnell geht, unterliegen wir der Illusion, keine Zeit zu haben, und fangen aus diesem Grund vieles an und f\u00fchren wenig zu Ende. Wir wollen Abk\u00fcrzungen, Zusammenfassungen und idiotensichere Anleitungen. Wenn sich Resultate nicht sofort einstellen, lassen wir es eben wieder sein. Im Marketing lernen wir, dass wir die Aufmerksamkeit des potenziellen Kunden sofort fesseln m\u00fcssen, weil er sich sonst einer Sache widmet, die noch lauter schreit. Die Erwartungshaltung ist: sofort verf\u00fcgbar, schnell konsumierbar, leicht verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geduld und Best\u00e4ndigkeit sind die Meisterschl\u00fcssel<\/strong><\/p>\n<p>Bevor wir uns in eine Sache hineinfuchsen und bereit sind, in Vorleistung zu gehen, muss sichergestellt sein, dass es sich lohnt und uns etwas bringt. Eine altbew\u00e4hrte Weisheit lassen wir dabei au\u00dfer Acht: Gut Ding will Weile haben. Trotz des rasanten Fortschritts wird es immer Dinge geben, die ihre Zeit brauchen und kein sicheres Ergebnis versprechen. Vorrangig betrifft das genau die Bereiche, \u00fcber die ich bisher geschrieben habe: Sport, Musik, Kunst und Entertainment, Wissenschaft, Unternehmertum. Wer weit gekommen ist, hat die Bereitschaft gezeigt, sich seiner Sache langfristig zu widmen und nicht damit aufzuh\u00f6ren, wenn nach kurzer Zeit der ersehnte Erfolg ausblieb. Geduld und Best\u00e4ndigkeit sind die Meisterschl\u00fcssel und werden es auch bleiben, egal wie sehr wir uns technisch noch optimieren.<\/p>\n<p>Wenn wir immer nur an der Oberfl\u00e4che kratzen, weil wir durch die vielen Ablenkungen sofort auf den n\u00e4chsten Reiz reagieren und uns nicht in komplexere Sachverhalte einarbeiten wollen, kann das nur eine logische Konsequenz haben: Tiefgang und beachtliches K\u00f6nnen bleiben aus. Wenn es zwei Dinge gibt, die sich beim Streben nach Erfolg bei\u00dfen, dann ist es das Bed\u00fcrfnis nach sofortigen Resultaten und das Bed\u00fcrfnis nach Spitzenleistungen. Das Minimax-Prinzip funktioniert nicht, wenn wir ein Geschick wirklich meistern wollen. Fast alle lohnenswerte Dinge im Leben, wie etwa Liebe, Freundschaft, Vertrauen oder Erfolg, m\u00fcssen behutsam aufgebaut werden. Wer keine Geduld und die damit verbundene Ausdauer mitbringt, wird wie Chris Tall zu Beginn seiner Karriere denken, dass Promis und erfolgreiche Menschen von einem anderen Stern kommen, anstatt selbst erfolgreich zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das grosse Warum<\/strong><\/p>\n<p>Dieser letzte Faktor ist der Motor, der alles andere zum Laufen bringt und in Gang h\u00e4lt. Was verleitet einen Fu\u00dfballspieler dazu, in jungen Jahren seinem gro\u00dfen Ziel alles unterzuordnen? Wieso arbeitet ein Musiker jahrzehntelang aufopferungsvoll an seinen Texten, obwohl er nicht wei\u00df, ob ihm jemals der Durchbruch gelingen wird? Was bewegt Menschen dazu, sich jahrelang f\u00fcr ihre Leidenschaft aufzuopfern und auf vieles freiwillig zu verzichten?<\/p>\n<p>Nur durch ein klares Warum im Leben, kommen wir mit dem herausfordernden Wie zurecht, wusste schon Friedrich Nietzsche. Unsere Motivation muss langfristig st\u00e4rker sein als die Verlockung, uns mit weniger zufrieden zu geben oder abzubrechen. Sie ist es, die uns antreibt und uns die Kraft schenkt, uns jeden Tag neuen Herausforderungen zu stellen, jeden Tag weiter wachsen zu wollen. Diese Motivation entspringt dem eigenen Warum. Wenn es fehlt \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013, dann brechen wir ab, bevor wir in Sph\u00e4ren vordringen konnten, in denen sich der Ertrag sehen l\u00e4sst und wir uns selbst erstaunen.<\/p>\n<p>Wir tun dem Erfolgreichen Unrecht, wenn wir seine Leistungen auf Talent oder Gl\u00fcck reduzieren. Die Meilen, die er gehen musste, um an den Punkt zu kommen, an dem er steht, blenden wir nur zu all gerne aus. Sie entsprechen keinem vorgefertigten Weg, sind oft holprig und einsam \u2013 intensiv ge\u00fcbt wird schlie\u00dflich viel alleine.<\/p>\n<p>Der Faktor Anerkennung und die Rolle des Umfelds d\u00fcrfen nat\u00fcrlich nicht allzu sehr heruntergespielt werden. Wie Sebastian Klussmann und Conrad Caine erz\u00e4hlten, kann es ein gro\u00dfer Ansporn sein, eine gewisse Rolle auferlegt zu bekommen und sich den Respekt der anderen zu verdienen. Diese extrinsische Motivation reicht zwar alleine nicht aus, aber sie kann f\u00fcr einen beachtlichen Schub sorgen, um kritische Phasen zu \u00fcberwinden oder noch eine Schippe draufzulegen. F\u00f6rderer und Unterst\u00fctzer im eigenen Umfeld sind vor allem in solchen Phasen wichtig. Doch Zweifler, die uns erz\u00e4hlen, dass wir es niemals schaffen werden, und Neider, die uns keinen Erfolg g\u00f6nnen, sind oft die gr\u00f6\u00dften Motivatoren. Sie sind es, die uns den entscheidenden Kick geben. Gleiches gilt f\u00fcr Misserfolge.<\/p>\n<p>Klar ist: F\u00fcr jeden gibt es einen Weg, seinen Traum zu leben. Mit der richtigen Herangehensweise, dem n\u00f6tigen Einsatz, der Best\u00e4ndigkeit durch ein klares Warum, kann auch ein schwerer Weg gemeistert werden. Es gibt keinen Grund, dem eigenen Traum nicht zu folgen. (Es sollte aber klar sein, dass utopische Tr\u00e4ume von diesem Gedanken ausgeschlossen sind: Mit 50 Jahren wird man kein Bundesligaprofi mehr, als Kleinw\u00fcchsiger wird man vermutlich nicht in der NBA landen und wer komplett unmusikalisch ist, wird wohl keine Musikerkarriere vor sich haben.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665834\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.\u00dcberflieger_Cover-1.jpg\" alt=\"\" width=\"458\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.\u00dcberflieger_Cover-1.jpg 458w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.\u00dcberflieger_Cover-1-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><\/p>\n<p><strong>Jonathan Sierck: &#8222;\u00dcberflieger. Millenials &#8211; eine Generation auf der \u00dcberholspur&#8220; 272 Seiten, 16,99 Euro, Redline Verlag, <a href=\"https:\/\/www.m-vg.de\/redline\/shop\/article\/13361-junge-ueberflieger\/\">https:\/\/www.m-vg.de\/redline\/shop\/article\/13361-junge-ueberflieger\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Scheitern, aufstehen und st\u00e4rker zur\u00fcckkommen<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbBeurteile einen Mann nicht, wenn er am Boden liegt. Beurteile ihn, wie er wieder auf die Beine kommt. Wenn ich eine Niederlage einstecken muss, bin ich des\u00adwegen noch lange kein Verlierer. Ein Verlierer bin ich nur, wenn ich selbst daran glaube. Wenn sich jemand immer einredet, eine Verliererin oder ein Verlierer zu sein, wird sie oder er es irgendwann glauben und sich entsprechend verhalten. Dann wird Verlieren zur Ange\u00adwohnheit.\u00ab Ralph Kr\u00fcger<\/p>\n<p>Nichts ist schlimmer als der Moment der Niederlage, der Dem\u00fctigung, der Ablehnung, des Sturzes, des Verlusts, des Misserfolgs. Er kr\u00e4nkt uns, l\u00e4sst uns zweifeln und trifft uns oft bis ins Mark. Er schmerzt f\u00fcrchterlich. Doch gerade weil er so f\u00fcrchterlich schmerzt, ist er auch so m\u00e4chtig. Er kann zu einem gro\u00dfen Antrieb werden und zu einem Ausma\u00df motivieren, das den Betroffenen zu ungeahnten H\u00f6hen kata\u00adpultiert. Es ist der Gekr\u00e4nkte, der Getroffene, der, der den bitteren Ge\u00adschmack des Scheiterns zu schmecken bekommen hat, der mehr von sich abverlangt als zuvor. R\u00fcckblickend sind es oft die aussichtslosen Zeiten, die dunklen Phasen und die gr\u00f6\u00dften Niederlagen, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Scheitern als starker Antrieb, der zu ungeahnten H\u00f6hen katapultiert<\/strong><\/p>\n<p>Ohne das Scheitern w\u00e4ren uns viele gro\u00dfe Kunstwerke, Erkenntnisse, Durchbr\u00fcche und Ikonen des Sports verwehrt und unbekannt geblie\u00adben \u2013 im sechsten Kapitel habe ich zahlreiche Beispiele aufgelistet, die diesen Gedanken verdeutlichen. Auch der Blick in die Geschichten der jungen \u00dcberflieger hat gezeigt: Oft waren es die schmerzlichen Phasen, die sie an die Spitze gef\u00fchrt haben. Jannike St\u00f6hr hat es sch\u00f6n auf den Punkt gebracht, als sie sagte: \u00bbIn Krisen richten wir den Fokus automatisch auf das Wesentliche.\u00ab Oder Joshua Kimmich, der erz\u00e4hlte, dass wir uns besonders dann, wenn es nicht so l\u00e4uft, den Blick auf das richten, was wir besser machen k\u00f6nnen. Die S\u00e4ge sch\u00e4rfen wir nach einem Sturz; der Erfolg hingegen kann uns blind machen, wenn wir nicht aufpassen und zu sehr in Euphorie verfallen. Die gr\u00f6\u00dfte Angriffsfl\u00e4che offenbaren wir ironischerweise dann, wenn wir in unserem Hochgef\u00fchl des Sieges unachtsam und nachl\u00e4ssig werden. Der tragische Sturz des Helden ist uns aus jahrtausendalten Sagen bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Scheitern zwingt zu Neuausrichtung &#8211; und Kr\u00e4fte-B\u00fcndeln<\/strong><\/p>\n<p>Das Scheitern mag uns zwar kurzzeitig (und auch l\u00e4nger, wenn wir es zulassen) in die Knie zwingen, aber es n\u00f6tigt uns auch zu reflektieren und uns neu auszurichten. Diese Reflexionsphase haben viele f\u00fcr sich genutzt, um ihre Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und dann den gro\u00dfen Wurf anzu\u00adgehen. Die M\u00fcnchner Fu\u00dfballfans werden sich noch wie gestern an das bitter verlorene \u00bbFinale Dahoam\u00ab von 2012 erinnern. Die darauf\u00adfolgende Saison wurde zur erfolgreichsten ihrer \u00fcber hundertj\u00e4hrigen Geschichte. Es hei\u00dft nicht umsonst, dass mitten im Misserfolg eine neue Chance liegt und dass die gr\u00f6\u00dften Errungenschaften oft auf die schmerzhaftesten Niederlagen folgen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcrden zwar niemandem den Schmerz des Hinfallens w\u00fcnschen, doch oftmals ist genau das die bittere Erfahrung, die mancher ma\u00adchen muss, um in die richtige Spur zu finden und diese mit dem n\u00f6\u00adtigen Biss zu verfolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wolf Schneider: &#8222;Scheitern ist normal&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDas Scheitern ist normal\u00ab, schreibt Wolf Schneider in seinem Buch Gl\u00fcck!. \u00bbIm Wettlauf nach Gl\u00fcck, Ruhm, Ehre und Medaille treffen auf jeden Gewinner zehn, hundert, manchmal hunderttausend, die ver\u00adloren haben.\u00ab Jeder, der es wagt, ein gro\u00dfes Ziel zu verfolgen, etwas Neues auszuprobieren und etwas Originelles auf die Beine zu stellen, wird immer und immer wieder scheitern, aber wenn er das n\u00f6tige Durchhalteverm\u00f6gen mitbringt, tut er durch sein Wirken in den meis\u00adten F\u00e4llen nicht nur sich selbst, sondern vielen anderen Menschen durch sein Beispiel einen gro\u00dfen Gefallen.<\/p>\n<p>Genauso wie Erfolg ist Scheitern ein subjektiver und daher schwam\u00admiger Begriff. Was der eine als das Ende der Welt einstuft, ist f\u00fcr den anderen konstruktives Feedback. Scheitern ist etwas Tempor\u00e4res, solange wir uns dazu entschlie\u00dfen, wieder auf die Beine zu kommen. Manche nehmen es pers\u00f6nlich, andere sehen es als Test, den sie be\u00adstehen m\u00fcssen, um zu zeigen, wie sehr sie es wirklich wollen. Thomas Edison wird das Zitat zugeschrieben: \u00bbIch habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.\u00ab So kann man die Dinge auch sehen.<\/p>\n<p>Unsere Auffassung und unsere Definition von Scheitern sagt viel \u00fcber uns als Mensch aus, ebenso wie unsere Auffassung vom Erfolg. In Momenten der Niederlage kommt unser wahrer Charakter zum Vor\u00adschein. Wir werden in fast jeder bekannten Absolventenrede von ame\u00adrikanischen Universit\u00e4ten und in zahlreichen Motivationsvideos daran erinnert, dass wir genau dann Gr\u00f6\u00dfe beweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch die bisher beschriebenen \u00dcberflieger sind (mehrfach) ins Strau\u00adcheln geraten, haben Bauchlandungen hingelegt und schwere Krisen durchgemacht. Nichtsdestotrotz wollte ich f\u00fcr diesen Teil mit Men\u00adschen sprechen, die pers\u00f6nlich unter Beweis gestellt haben, dass man selbst existenzbedrohende Krisen \u00fcberwinden und gest\u00e4rkt aus Miss\u00aderfolgen hervorkommen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anne Koark -Scheitern als Chance<\/strong><\/p>\n<p>Anne war erfolgreiche Unternehmerin, wurde mehrfach mit Preisen f\u00fcr ihr innovatives Gesch\u00e4ftsmodell und ihre unternehmerischen F\u00e4\u00adhigkeiten ausgezeichnet. Im Jahr 2001 erhielt sie zum Beispiel den Breakeven Award, der an Existenzgr\u00fcnder verliehen wird, und im Jahr 2004 ging der Lady Business Award an sie. Sie erhielt viel media\u00adle Aufmerksamkeit \u2013 und h\u00e4tte ich dieses Buch vor rund 20 Jahren geschrieben, w\u00e4re sie h\u00f6chstwahrscheinlich im ersten Teil gelandet. Doch im Jahr 2003 musste sie Insolvenz anmelden, sowohl gesch\u00e4ft\u00adlich als auch privat. Die Auswirkungen der Anschl\u00e4ge vom 11. Septem\u00adber 2001 und ein Mietvertrag, aus dem sie nicht herauskam, zwangen ihr bl\u00fchendes Business und ihren unerm\u00fcdlichen unternehmerischen Kampfgeist letztlich doch in die Knie.<\/p>\n<p>Bekannt wurde Anne zum einen durch ihren Artikel \u00bbHilfe, ich bin noch ein Mensch!\u00ab, der im Wall Street Journal Online ver\u00f6ffentlicht wurde und ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Echo erzeugte, und zum anderen durch ihr Buch Insolvent und trotzdem erfolgreich, das direkt in die Wirtschafts\u00adbestsellerlisten aufstieg und sich fast ein halbes Jahr lang dort hielt. Anne wurde in zahlreiche Talkshows eingeladen, h\u00e4lt bis heute Vortr\u00e4\u00adge \u00fcber den Umgang mit dem Scheitern und hat sich seitdem gegen die Stigmatisierung von insolventen Personen und die Auflockerung des deutschen Insolvenzrechts eingesetzt, das es dem Gescheiterten \u00e4u\u00dferst schwer macht, wieder auf die Beine zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vor dem Durchbruch steht immer Experimentieren &#8211; und mehrmals scheitern<\/strong><\/p>\n<p>Auf ihrer Visitenkarte steht Pleitier, was Anne nicht davon abh\u00e4lt, sich augenzwinkernd als \u00bbVIP\u00ab zu bezeichnen: Very Intensively Pleite. Sie erkl\u00e4rt mir:<\/p>\n<p>\u00bbScheitern hat immer etwas Positives, auch wenn es sich nicht so anf\u00fchlt und mit Erschwernissen verbunden ist, die man nicht haben will und die Narben hinterlassen. Immer wenn ich ein gro\u00ad\u00dfes Ziel verfolge, einen Durchbruch schaffen will, dann muss ich zwangsl\u00e4ufig experimentieren. Und Experimentieren ist darauf aufgebaut, mehrmals zu scheitern, bis man das findet, was man sucht, und jedes Mal aus diesem Scheitern zu lernen. Das kennen wir alle aus der Wissenschaft. Nichts Gro\u00dfes ist je ohne zahl\u00adreiche R\u00fcckschl\u00e4ge entstanden. Softwareentwicklung beruht auf diesem Prinzip. Es wird etwas programmiert, dann wird es ge\u00adtestet, und dann werden die Bugs korrigiert und das System wird besser. Nur so k\u00f6nnen wir lernen, und deshalb ist Software auch die Erfindung des Menschen, die sich am schnellsten entwickeln konnte, weil es das Konzept des Scheiterns gar nicht kennt. Es gibt nur Updates.\u00ab<\/p>\n<p>Scheitern ist f\u00fcr Anne immer eine Frage der eigenen Perspektive.<\/p>\n<p>\u00bbOft ist es doch so: Ich mache Erfahrungen und stelle fest, was nicht funktioniert \u2013 dadurch mache ich einen Lernschritt, aber scheitere nicht. Das f\u00fchrt zu Flexibilit\u00e4t im Kopf. Die Frage \u203aWann bin ich gescheitert?\u2039, ist sehr schwer zu beantworten, weil das mit der eigenen Einstellung zusammenh\u00e4ngt.\u00ab<\/p>\n<p>Mit einem leichten Schmunzeln f\u00fcgt sie hinzu:<\/p>\n<p>\u00bbWirklich gescheitert bin ich erst, wenn ich aufgebe. Ich w\u00fcrde aber nie sagen, man soll mit aller Gewalt an einer Sache festhal\u00adten und mit etwas weitermachen, das bergab geht und nicht zu retten ist. Etwas nach vorne bringen zu wollen, was schon tot ist, ist auch eine Form des Scheiterns. Etwas Totes kann man nur eine kurze Zeit mit sich schleppen, dann wird es zu schwer. Und dann gibt es auch keinen Neuanfang. Einen Neuanfang gibt es nie ohne ein Ende. Ich muss etwas abschlie\u00dfen k\u00f6nnen, bevor ich etwas Neues starte.\u00ab<\/p>\n<p>Wie wir das Scheitern sehen, ist immer abh\u00e4ngig von der individu\u00adellen Wahrnehmung. Unser Umfeld spielt dabei eine tragende Rolle, wobei wir immer im Hinterkopf behalten m\u00fcssen: Nur weil ein anderer denkt, wir w\u00e4ren gescheitert und uns als Versager betitelt, hei\u00dft das noch lange nicht, dass das stimmt. Wir haben das letzte Wort und so\u00adlange wir uns nicht geschlagen geben, sind wir auch niemals geschei\u00adtert. \u00bbWas von au\u00dfen kommt, ist immer gef\u00e4rbt von den pers\u00f6nlichen Erfahrungen. Wir wissen nie, was eine andere Person durchmachen musste und kennen die Geschichte der anderen Person nicht\u00ab, findet Anne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Verzweiflungstag pro Woche<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbWie bist du mit deiner Insolvenz umgegangen? Wie lief das ab?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbEs gibt bei jedem Menschen nach einem groben Scheitern einen kurzen Moment, in dem sein Weltbild wackelt und er stark an sich selbst zweifelt \u2013 und mit einer Insolvenz wackelt das eigene Welt\u00adbild wirklich gewaltig, weil man von heute auf morgen in ein Sys\u00adtem kommt, das man nicht kennt. Ohne Insolvenz bin ich selbst\u00adbestimmt, mit Insolvenz muss ich alles, was ich mache, absegnen lassen. Viele Selbstverst\u00e4ndlichkeiten fallen weg: Ich habe keine EC-Karte mehr, kriege keinen Handyvertrag et cetera. Ich habe mir dann \u203aVerzweiflungstage\u2039 einger\u00e4umt: Einmal in der Woche habe ich mir erlaubt, komplett verzweifelt zu sein, aber am Ende des Tages schenkte ich mir ein Glas Rotwein ein und sagte zu mir: \u203aSo, jetzt sind wir fertig mit dem Verzweifeltsein \u2013 was machen wir morgen?\u2039 Dieses Druckventil in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zu \u00f6ffnen, war ganz wichtig f\u00fcr mich.\u00ab<\/p>\n<p>Die Familie und ihre Erziehung haben f\u00fcr Anne beim Umgang mit ihrer Situation eine wesentliche Rolle gespielt.<\/p>\n<p>\u00bbIch hatte in meiner Familie viele Vorbilder f\u00fcr den Umgang mit Scheitern und R\u00fcckschl\u00e4gen. Den Ansatz \u203aIch bin gescheitert, jetzt gebe ich auf\u2039 gab es in unserer Familie nicht. So hat niemand bei uns gedacht. Bei uns ist es nicht schlimm, wenn jemand etwas nicht schafft. Es ist nur schlimm, wenn man daraus nicht lernt und nicht wieder aufsteht. Der Umgang mit dem Scheitern ist das Ent\u00adscheidende. Man muss aktiv werden und darf sich nicht h\u00e4ngen\u00adlassen \u2013 das klingt nat\u00fcrlich einfacher, als es ist. Das Elternhaus und die Erziehung spielen eine gro\u00dfe Rolle im Umgang mit dem Scheitern. Die meisten Erwachsenen versuchen, Schwierigkeiten und Herausforderungen von den Kindern fernzuhalten, statt ihnen zu zeigen, wie man mit Schwierigkeiten umgeht. Ich sehe da eine gro\u00dfe L\u00fccke in der Erziehung. Wenn ich immer eine heile Welt vor\u00adspiele, beraube ich die Heranwachsenden der Chance zu verste\u00adhen: Scheitern stellt einen Teil unseres Lebens dar, es geh\u00f6rt dazu und wir k\u00f6nnen damit umgehen und weitermachen. Unser gr\u00f6\u00dftes Problem ist oft, dass wir uns selbst bek\u00e4mpfen, wenn es schwierig wird. Wir machen uns daf\u00fcr schlecht, dass wir Angst haben und verkrampfen, statt nach einem anderen Weg zu suchen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Man darf sich selbst nicht so ernst nehmen, muss \u00fcber sich lachen k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Annes Perspektive zum Thema Scheitern ist da wahrlich wohltuend. Und durch ihre Erfahrung, kann sie auch getrost behaupten: \u00bbWenn ich einmal gescheitert bin und es geschafft habe, wieder aufzustehen, dann nimmt mir das automatisch die Angst vorm Scheitern, weil ich wei\u00df, wozu ich imstande bin.\u00ab Besonders wichtig f\u00fcr sie ist, dass man sich selbst nicht so ernst nimmt. Sie meint: \u00bbSolange man (\u00fcber sich selbst) lachen kann und ein paar Leute im Umfeld hat, die einem trotzdem vertrauen, kommt man auch aus den tiefsten T\u00e4lern wieder raus.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter mit Angst vorm Scheitern &#8211; das \u00dcbelste f\u00fcr Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Was das Scheitern im gesch\u00e4ftlichen Kontext betrifft, hebt Anne her\u00advor, dass es nie als Ausschlusskriterium gelten darf, weil wir immer Menschen brauchen, die den Mut haben, nach vorne zu gehen. Und sobald Scheitern zu einem Ausschlusskriterium wird, kommen uns solche Menschen abhanden, was gravierende Konsequenzen hat: \u00bbDas Schlimmste f\u00fcr Unternehmen sind zum Beispiel Mitarbeiter, die Angst davor haben zu scheitern. Denn Unternehmen verlieren dadurch die M\u00f6glichkeit, sich einen Vorsprung zu verschaffen. Wenn ich mich nichts traue, aus Angst schlecht dabei auszusehen und zu stolpern, kommt zwangsl\u00e4ufig jemand anders, der es wagt und ich habe meine Chance verspielt. Es ist auch immer die Frage, worauf wir unseren Fokus richten wollen. Ich frage mich immer, auch in den schwierigsten Phasen: \u203aWas bleibt mir noch?\u2039 \u2013 Und bin dankbar daf\u00fcr.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWie h\u00e4ngen Scheitern und Erfolg f\u00fcr dich zusammen?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDurch das Scheitern \u00e4ndert sich unsere Vorstellung von Erfolg. Oft wird sie griffiger, ist weniger vom Umfeld, von Karriere und materiellen G\u00fctern abh\u00e4ngig, als es h\u00e4ufig vorher der Fall war. Erfolgreich ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich immer der, der Zufriedenheit mit der Situation findet, in der er sich befindet.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbHast du noch einen finalen Tipp f\u00fcr den Leser?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch empfehle meinen Kindern immer, alles auszuprobieren, wo\u00adran sie echte Freude versp\u00fcren k\u00f6nnten. Nur so k\u00f6nnen sie her\u00adausfinden, was ihnen Erf\u00fcllung bringt. Gleichzeitig rate ich aber auch, den Mut zu haben, einen Traum zu revidieren, wenn man merkt: Das ist doch nicht das, was ich machen m\u00f6chte. Es hilft niemandem, etwas bis ins Unendliche durchzuziehen, weil man meint, ein Kurswechsel w\u00e4re nicht m\u00f6glich. Man darf sich selbst nicht in seinem Traum verlieren.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Attila von Unruh &#8211; Raus aus der Opferrolle<\/strong><\/p>\n<p>Wie Anne sagt auch Attila von Unruh: \u00bbScheitern bedeutet f\u00fcr jeden etwas anderes.\u00ab Er ist heute systemischer Coach, der sich auf Kri\u00adsen- und Sanierungsberatung spezialisiert hat. Aus seiner eigenen Erfahrung des Scheiterns heraus \u2013 Attila hat ebenfalls eine Insolvenz durchgemacht \u2013 hat er sich zwangsl\u00e4ufig sehr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Zwei Jahrzehnte lang war Attila von Unruh Unternehmer, hat diver\u00adse Unternehmen aufgebaut und kurz vor der Jahrtausendwende ein erfolgreiches Unternehmen verkauft. Als ehemaliger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hing er jedoch noch in pers\u00f6nlichen B\u00fcrgschaften fest, f\u00fcr die er nach und nach freigestellt werden sollte. Doch der K\u00e4ufer musste Insol\u00advenz anmelden, was dazu f\u00fchrte, dass diese B\u00fcrgschaften mit einem Schlag f\u00e4llig wurden. Attilas langj\u00e4hrige Partner und Gesch\u00e4ftskunden dr\u00fcckten zwar ihr Bedauern aus, verlangten aber, dass er das Geld aufbrachte. F\u00fcnf Jahre k\u00e4mpfte Attila, er versuchte Wege zu finden, eine L\u00f6sung mit den Gl\u00e4ubigern herzustellen, bot Vergleiche an. Nie\u00admals zog er in dieser Zeit in Erw\u00e4gung, Insolvenz anzumelden, weil das f\u00fcr ihn bedeutet h\u00e4tte, als Unternehmer gescheitert zu sein. \u00bbUnd das wollte ich nicht. Ich wollte L\u00f6sungen finden, aber nie den Offen\u00adbarungseid leisten.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Etwas Neues starten nach einer Insolvenz? Oh nein<\/strong><\/p>\n<p>Doch im Jahr 2005 musste er doch Privatinsolvenz anmelden. \u00bbIch hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Mir war nie klar, wie stigmatisiert das Thema in der Gesellschaft ist. Ich dachte, ich kann nach vorne schauen, bin den Druck los und darf etwas Neues star\u00adten.\u00ab Der Alltag sah aber ganz anders aus: Der Handyvertrag und das Konto wurden gek\u00fcndigt, Bestellungen im Internet waren kaum noch m\u00f6glich, der Insolvenzverwalter untersagte jegliches Aus\u00fcben einer selbstst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit und jede M\u00f6glichkeit eines Neustarts und damit die Chance, die Schulden aus eigener Kraft zur\u00fcckzahlen zu k\u00f6nnen, wurden verwehrt.<\/p>\n<p>\u00bbDas war schon ein harter Schlag, den ich anfangs sehr pers\u00f6n\u00adlich genommen habe. Aus Verzweiflung habe ich dann im Internet danach gesucht, wie andere damit umgehen und musste feststel\u00adlen, dass es keine Organisation oder Einrichtung gab, die Men\u00adschen zusammenbringt, die in einer Insolvenz stecken. Als ich mit einem Bekannten, der \u00c4hnliches erlebt hat, sehr offen \u00fcber das Thema sprechen konnte, und mir nicht irgendwelche Positiv-denken-Floskeln um die Ohren geschlagen wurden, habe ich fest\u00adgestellt, wie gut das tut und wie wichtig das f\u00fcr mich ist. Es macht schon etwas mit dem Selbstwertgef\u00fchl, wenn du etwas f\u00fcr 5 Euro online bestellen willst und dann eine Absage bekommst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Abw\u00e4rtsspirale und &#8222;Die Anonymen Insolvenzler&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das f\u00fchrt schnell in eine Abw\u00e4rtsspirale: Man will sein Gesicht wahren und spricht nicht viel dar\u00fcber, isoliert sich, f\u00fchlt sich schlecht, macht sich selbst nieder und das Selbstwertgef\u00fchl nimmt zunehmend ab. Daraus kann ich nur ausbrechen, indem ich mich \u00f6ffne und es mit jemandem teile. Und weil ich das erkannt habe, habe ich mich 2007 entschlossen selbst eine Initiative zu gr\u00fcnden (\u00bbDie Anonymen Insolvenzler\u00ab), damit Leute in einer vertraulichen Um\u00adgebung \u00fcber ihre Lage sprechen k\u00f6nnen. Ich bin dann als Selbst\u00adbetroffener damit in die \u00d6ffentlichkeit gegangen, habe mit einer Journalistin gesprochen.\u00ab<\/p>\n<p>Wie bei Anne war das Echo \u00fcberw\u00e4ltigend. Attila wurde mit Presse\u00adanfragen \u00fcberflutet und zu den Treffen kamen gro\u00dfe Menschenmen\u00adgen. \u00bbIch war damals schon \u00fcberrascht, wen es alles treffen kann. Da sa\u00dfen so viele gestandene Pers\u00f6nlichkeiten vor mir, die meisten gut gekleidet, und sprachen \u00fcber ihre Erfahrung und ihre Insolvenz. Da\u00addurch habe ich schnell gemerkt: Scheitern schlie\u00dft niemanden aus.\u00ab<\/p>\n<p>Daraus ist Attilas Sozialunternehmen Team U entstanden, das Un\u00adternehmern in finanziellen und unternehmerischen Krisensituationen Beratung und Orientierung bietet. Team U macht sich f\u00fcr eine Kultur der zweiten Chance stark. \u00bbIch habe aus diesem empfundenen Man\u00adgel dann eine St\u00e4rke entwickelt.\u00ab<\/p>\n<p>Die eigene Wahrnehmung ist auch f\u00fcr Attila wesentlich f\u00fcr den Um\u00adgang und die Einordnung des Scheiterns. Er meint: \u00bbWenn ich mir Ziele setze und sie nicht erreiche, kann ich das als Scheitern einord\u00adnen \u2013 im Kleinen wie im Gro\u00dfen. Die entscheidende Frage ist aller\u00addings immer: Wie bewerte ich das, was mir widerfahren ist? Die Frage der Bewertung hilft dabei, den richtigen Ma\u00dfstab zu finden; es ist immer eine Auslegungssache, ob ich etwas als gelungen oder miss\u00adlungen erachte.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erst das Tal der Tr\u00e4nen, dann der Neustart<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbWas hast du durch deine Erfahrung des Scheiterns gelernt?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWenn ich eine wirklich gro\u00dfe Krise durchmache, komme ich an einen Punkt \u2013 ich nenne ihn das Tal der Tr\u00e4nen \u2013 an dem ich das niedergeschlagene Gef\u00fchl zulasse und mich diesem Gef\u00fchl hin\u00adgebe. Nur durch das Zulassen dieses Gef\u00fchls kann ich loslassen, nach vorne blicken und einen Neustart wagen. Wenn ich nicht loslasse, hat es keinen Sinn, sich direkt in etwas Neues st\u00fcrzen zu wollen. Das ist in Beziehungen, im Unternehmertum und in allen anderen Bereichen gleich. Ich muss erst den Raum schaffen, et\u00adwas Neues entwickeln zu k\u00f6nnen, und das gelingt mir nicht, wenn ich noch viele Altlasten mit mir herumschleppe.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbEigentlich m\u00fcssten wir doch gerade in Deutschland eine besondere Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Thema Scheitern haben, nachdem wir im letzten Jahrhundert eine zweite Chance erhalten haben und uns wieder auf die Beine geholfen wurde. Wieso ist, vor allem bei Insolvenzen, eher das Gegenteil der Fall?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWir haben hier in Deutschland leider einen anderen Ansatz, was das Thema Scheitern, vor allem finanziell und unternehmerisch, betrifft. Wir sprechen von Schulden, Schuldnern und Schuld, die wir auf uns nehmen und durch die wir uns schuldig machen k\u00f6n\u00adnen. Deswegen ist das Insolvenzrecht in Deutschland auch im Strafrecht verwurzelt. Eine zweite Chance zu bekommen, ist in Deutschland unheimlich schwer \u2013 da werden einem viele, viele Steine in den Weg gelegt. Und das ist, wie du schon sagtest, in\u00adteressant, wenn man bedenkt, dass unserem Land nach einem gro\u00dfen Scheitern auch eine neue Chance einger\u00e4umt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angels\u00e4chsische Beh\u00f6rden helfen, schnell wieder auf die Beine zu kommen<\/strong><\/p>\n<p>In England und Amerika wird mit dem Thema zum Beispiel ganz anders umgegangen. Da helfen dir die Beh\u00f6rden dabei, m\u00f6glichst schnell wieder auf die Beine zu kommen. Der Blick auf jemanden, der mit einem Vorhaben gescheitert ist, ist ein ganz anderer. Ich wurde hier aus der Bank rausgeworfen, als ich ein neues Konto nach der Insolvenz er\u00f6ffnen wollte. Du bekommst hier fast das Gef\u00fchl vermittelt, du w\u00e4rst ein Krimineller. Und das ist nat\u00fcrlich t\u00f6dlich, weil wir dadurch hochbegabte Menschen mit tollen Gr\u00fcn\u00addungsideen vergraulen, weil die sich sagen: \u203aWenn das nicht klap\u00adpen sollte, dann zeigen die Leute mit dem Finger auf mich und ich kann erst einmal sechs Jahre lang keinen Neustart machen.\u2039<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass gro\u00dfe Innovationen in unserem Land vermehrt aus\u00adbleiben und wir daf\u00fcr prim\u00e4r ins Silicon Valley schauen m\u00fcssen. Die Risikobereitschaft ist nun einmal eine andere, wenn ich wei\u00df, dass ich im Falle eines Scheiterns anders aufgefangen werde. Es hemmt Menschen, sich zu verwirklichen und sich zu entfalten, da sie wissen, was ihnen bl\u00fchen k\u00f6nnte. Dadurch leben viele Men\u00adschen unter ihrem Potenzial und gehen den sicheren Weg, statt ihre k\u00fchnsten Tr\u00e4ume zu verfolgen. Es w\u00e4re sicherlich nicht ver\u00adkehrt, sich zumindest eine kleine Scheibe vom amerikanischen Ansatz des Scheiterns abzuschneiden. Wenn du da einmal hin\u00adf\u00e4llst, hei\u00dft es: \u00bbOkay, what\u2019s the problem? Dann mache ich halt etwas anderes.\u2039\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWelche Erkenntnisse k\u00f6nnen wir deiner Erfahrung nach durch das Scheitern ziehen?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbMisserfolg ist eine gro\u00dfe Reflexionsm\u00f6glichkeit. Ich sah mich pl\u00f6tzlich gezwungen, mir die Fragen zu stellen: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr l\u00e4nger der angesehene Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bin? Wor\u00ad\u00fcber definiere ich mich eigentlich? Das Wichtigste ist, im Schei\u00adtern keine Opferrolle einzunehmen, denn dadurch wird sich nie etwas ver\u00e4ndern. Ich habe so nie das Steuer selbst in der Hand und kann nie fragen: Was kann und werde ich an dieser Situation \u00e4ndern?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Wind kann man nicht \u00e4ndern, aber die Segel darf man selbst neu ausrichten<\/strong><\/p>\n<p>Als Erstes kann ich meine Einstellung der Situation ge\u00adgen\u00fcber umkrempeln. Ich muss sie akzeptieren, um eine andere Perspektive und Bewertung gewinnen zu k\u00f6nnen. Es hilft, das Gu\u00adte im Schlechten zu suchen, weil es das Urteil \u00e4ndert und eine St\u00e4rke schafft: Ich trauere dem Vergangenen nicht mehr nach, sondern schaue nach vorne und richte den Blick auf das, was mir erhalten geblieben ist. Den Wind kann ich nie \u00e4ndern, aber die Segel darf ich selbst neu ausrichten.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch habe ab und zu das Gef\u00fchl, dass Scheitern so ein bisschen in Mo\u00adde geraten ist, ganz nach dem Motto: dream big, fail big, live big. Muss ich einmal richtig gescheitert sein, um Erfolg haben zu k\u00f6nnen?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch bin dagegen, Scheitern auf ein Podest zu heben und zu sagen: Es ist total geil zu scheitern. Das ist Quatsch. Es tut weh, wenn man scheitert. Ich bin ein Freund davon, aus Fehlern zu lernen, aber nicht davon zu sagen: Scheitere ruhig erst einmal richtig und danach wird es schon klappen. Du kannst 20 Mal scheitern, ohne etwas daraus zu lernen. Und du kannst Erfolg haben, ohne jemals selbst richtig auf die Schnauze gefallen zu sein. Das Scheitern hat keinen Wert an sich; es geht darum, was wir aus der Erfahrung machen und wie wir damit umzugehen lernen. Klar kann es uns deutlich st\u00e4rker und resistenter machen, aber es ist keine notwen\u00addige Erfolgsbedingung. Nat\u00fcrlich wird jeder Mensch, der gro\u00dfe Ziele verfolgt, auch mit R\u00fcckschl\u00e4gen und kurzzeitigem Misser\u00adfolg konfrontiert. Der Weg zum Erfolg ist nie linear. Der Schl\u00fcssel besteht darin, die richtigen Schl\u00fcsse aus dem Scheitern zu ziehen und dann st\u00e4rker zur\u00fcckzukommen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die neue T\u00fcr finden<\/strong><\/p>\n<p>Wer zu den Besten z\u00e4hlen will, muss bereit sein Wagnisse einzugehen. Nach jedem R\u00fcckschlag, jedem Straucheln oder jeder Verletzung ist es entscheidend, danach st\u00e4rker oder reflektierter zu sein als zuvor. Wie Nobelpreistr\u00e4ger Samuel Beckett schrieb: \u00bbImmer versucht. Im\u00admer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.\u00ab Nur wie gelingt uns das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sich nicht abhalten lassen, trotzdem handeln &#8211; das macht Erfolg aus<\/strong><\/p>\n<p>Die Angst vor dem Scheitern paralysiert. Wer Gro\u00ad\u00dfes wagt, geht automatisch gewisse Risiken ein und nimmt die Bruchlandung in Kauf. Sich davon nicht zur\u00fcckhalten zu lassen und trotzdem zu handeln, macht erfolgreiche Millennials aus.<\/p>\n<p>Unter dem Strich z\u00e4hlt weder der Kritiker noch der Kommentator. Es geht um das, was Theodore Roosevelt in dem Zitat sagt, das zu Be\u00adginn dieses Buchs abgedruckt ist:<\/p>\n<p>\u00bbDie Ehre geb\u00fchrt dem [\u2026], der sich irrt, wieder und wieder scheitert, weil es kein Fortkommen ohne Irrtum und Fehler gibt; [\u2026] der f\u00fcr eine Sache, die es wert ist, alles gibt; der im besten Falle schlie\u00dflich den Triumph einer gro\u00dfen Leistung kennenlernt und im schlimmsten Fall scheitert, weil er Gro\u00dfes gewagt hat, so dass sein Platz niemals bei den kalten, furchtsamen Seelen ist, die weder Sieg noch Niederlage kennen.\u00ab<\/p>\n<p>Wer aufgrund von Zweifeln oder aus Angst nie das tut, wof\u00fcr sein Herz schl\u00e4gt, der ist gescheitert. Jede Krise birgt die Chance, neue Potenzi\u00adale zu entdecken, St\u00e4rke und R\u00fcckhalt zu finden und als Person zu rei\u00adfen. Es ist kein Zufall, dass die gr\u00f6\u00dften menschlichen Errungenschaf\u00adten, Kunstwerke, Symphonien und literarischen Werke aufgrund oder w\u00e4hrend einer besonders dunklen Phase entstanden sind. Nobelpreis\u00adtr\u00e4ger Daniel Kahneman hat in diversen Studien, die er in seinem anre\u00adgenden Werk Schnelles Denken, Langsames Denken genauer erl\u00e4utert, gezeigt: Wir denken tiefgr\u00fcndiger, klarer und vern\u00fcnftiger, wenn wir uns in einer eher melancholisch-reflexiven Phase befinden und ober\u00adfl\u00e4chlicher, fehlerhafter und impulsiver, wenn wir zu euphorisch sind.<\/p>\n<p>Das tempor\u00e4re Scheitern nicht pers\u00f6nlich zu nehmen, von der Gold\u00adfisch- in die Helikopterperspektive zu wechseln und Abstand zu ge\u00adwinnen, um reflektiert agieren zu k\u00f6nnen, ist die Grundlage daf\u00fcr, nicht nur aufzustehen, sondern auch kraftvoll weiterzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Misserfolg als Antrieb<\/strong><\/p>\n<p>Den Antrieb, den uns eine Dem\u00fctigung, eine Niederlage, eine Pleite oder eine andere Form des Scheiterns erm\u00f6glichen kann, ist von un\u00admessbarem Wert. Paula Schwarz verglich es mit einem Tumor, der ge\u00adf\u00fchlt in ihrem Nacken sa\u00df, der sie zu unmenschlichem Tatendrang an\u00adtrieb. Aus dem Misserfolg einen Erfolg, aus der Schw\u00e4che eine St\u00e4rke machen zu wollen, war schon immer einer der gr\u00f6\u00dften Antriebe des Menschen. Ein Mangel will ausgeglichen werden \u2013 das lehrt uns nicht nur Emerson in seinem Essay \u00fcber die Kompensation und Aristoteles in seinem Werk Physik, sondern auch die Natur und der K\u00f6rper (zum Beispiel W\u00e4rme\u00fcbertragung oder Energiehaushalt). Chris Tall nutzte beispielsweise seinen schw\u00e4rzesten Auftritt als Motivationsquelle und hat eine wichtige Lektion gelernt: sich nie aus dem Konzept bringen zu lassen, egal wer vor ihm sitzt.<\/p>\n<p>Anne Koark und Attila von Unruh berichteten beide, dass die gro\u00dfe Bruch\u00adlandung sich so bescheiden anf\u00fchlt, dass es sich kaum in Worte fassen l\u00e4sst. Doch sie haben es geschafft, sich davon zu erholen, sie sind wieder auf die Beine gekommen und erkannten, dass das Leben weitergeht. Das half ihnen dabei, sich einer Sache zu entledigen: der Angst, dass wieder etwas schiefl\u00e4uft. Dadurch haben sie Vertrauen gefasst, auch zuk\u00fcnftige R\u00fcckschl\u00e4ge und Krisen meistern zu k\u00f6nnen. Was sie fr\u00fcher kurzzeitig aus der Bahn geworfen h\u00e4tte, l\u00e4cheln sie heute weg. Wem jedoch immer eine heile Welt vorgespielt wird \u2013 was Anne an der g\u00e4ngigen Erziehung bem\u00e4ngelt und was Simon Sinek als eine der Hauptursachen der Millen\u00adnial Question ausmacht \u2013, der kann an der kleinsten Krise zerschellen, weil er darauf schlichtweg nicht gut genug vorbereitet ist.<\/p>\n<p>Es lassen sich zwei Formen des Scheiterns unterscheiden, wobei nur ei\u00adne unsere Widerstandsf\u00e4higkeit st\u00e4rkt. Die Erste hat Attila als das gr\u00f6\u00dfte Scheitern \u00fcberhaupt identifiziert: auf den perfekten Moment (Kairos) zu warten oder aus Unsicherheit zu z\u00f6gern und in der Folge nie ins Handeln zu kommen. Von diesem Scheitern k\u00f6nnen wir rein gar nichts lernen und das Einzige, was dadurch erreicht wird, ist das Begr\u00e4bnis unseres Traums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wolf Schneider: &#8222;Qualit\u00e4t kann immer nur von Qual kommen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die zweite Form des Scheiterns trifft immer nur den, der sich traut, Dinge auszuprobieren, weit au\u00dferhalb seiner Komfortzone, und der dabei immer wieder hinf\u00e4llt. Dieses Scheitern schmerzt zwar auch, doch es st\u00e4rkt zugleich: Es st\u00e4rkt den inneren Glauben, die Zuversicht, den rechten Pfad f\u00fcr das eigene Vorhaben noch aufsp\u00fcren zu k\u00f6nnen, und es bereichert den Erfahrungsschatz. Die Besten ihres Fachs sind diejeni\u00adgen, die den schweren Weg gehen mussten, um dorthin zu kommen, wo sie gerade stehen. \u00bbQualit\u00e4t kann immer nur von Qual kommen\u00ab, hat mir Wolf Schneider einmal gesagt. Diejenigen, die f\u00fcr ihr Tun kritisiert wur\u00adden, deren Vorhaben bel\u00e4chelt und angezweifelt wurden, die gescheitert sind und trotzdem weitergemacht haben \u2013 einige ihrer Vertreter haben es in dieses Buch geschafft \u2013 ermutigen andere, ebenso konsequent und hartn\u00e4ckig f\u00fcr die Verwirklichung ihrer Tr\u00e4ume zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Perspektive \u00e4ndern und den Nutzen erkennen &#8211; nur nicht mit sich hadern<\/strong><\/p>\n<p>Essenziell f\u00fcr die Widerstandsf\u00e4higkeit ist die pers\u00f6nliche Einstellung. Wer mit sich selbst und dem Leben hadert, nur weil es mal nicht l\u00e4uft wie erwartet oder geplant, kann nicht aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen. Wer sich als Opfer der Umst\u00e4nde identifiziert, gibt die Verantwortung f\u00fcr sein Leben aus der Hand. Das f\u00fchrt dazu, dass andere \u00fcber seinen Weg bestimmen k\u00f6nnen. Wer will das schon? Niemand wird durch Zufall erfolgreich und keiner f\u00e4llt ohne eigene Be\u00adteiligung hin. Wer nur dem Lob f\u00fcr den Erfolg hinterherlechzt und die Kritik des Misserfolgs um jeden Preis meiden will, ist des Scheiterns Lieblingsopfer.<\/p>\n<p>Bei der Einordnung des R\u00fcckschlags spielt die Einstellung eine zen\u00adtrale Rolle und sie ist ein ausschlaggebender Faktor, um sich wieder aufzurappeln. Lencke Steiner beispielsweise nimmt Scheitern weder allzu ernst noch pers\u00f6nlich. Sie ist \u00fcberzeugt davon, dass sich eine bessere M\u00f6glichkeit f\u00fcr sie auftun wird. Wer sich wie sie nicht klein kriegen l\u00e4sst, weil er \u00fcberzeugt ist, auf ihn warte noch etwas Besseres, zeigt das in seinem Handeln wie in seinem Auftreten. Wer hingegen glaubt, das Schicksal sei gegen ihn, steckt den Kopf schneller in den Sand und wagt es nicht, sich erneut aufzuraffen.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rke der jungen \u00dcberflieger liegt darin, aus ei\u00adnem Scheitern eine Trotzreaktion zu katalysieren, die sich oft als Ursprung des n\u00e4chsten gro\u00dfen Sprungs entpuppt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dem eigenen Plan treu sein und sich nicht immer vergleichen<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem Gespr\u00e4ch mit Dr. John Demartini meinte er zu diesem Thema:<\/p>\n<p>\u00bbDie meisten Menschen, die sich als gescheitert ansehen, ver\u00adgleichen sich zu viel. Wenn wir unserem eigenen Plan treu sind, k\u00f6nnen wir nicht final scheitern, weil wir immer wieder aufstehen und weitermachen. Ich stelle mir bei jedem R\u00fcckschlag die Frage: \u203aWieso ist das in meinem Leben passiert? Was ist die Botschaft f\u00fcr mich? Wie hilft es mir in Zukunft dabei, meine Ziele zu erreichen und meinen Plan umzusetzen?\u2039 Oft werden wir mit R\u00fcckschl\u00e4gen und Kritik konfrontiert, wenn wir zu euphorisch sind, abheben, uns stolz f\u00fchlen. Dann m\u00fcssen wir zwangsl\u00e4ufig wieder geerdet werden. Wenn wir uns selbst erh\u00f6hen, kommt immer jemand oder es pas\u00adsiert etwas, das uns wieder ausgleicht. Wenn wir einfach nur unse\u00adren Plan verfolgen, ohne uns ablenken zu lassen, ohne zu sehr auf uns selbst zu schauen und ohne uns nach Anerkennung und Lob zu sehnen, dann sind wir automatisch ausgeglichen und brauchen niemand anderen, der uns von unserem H\u00f6henflug runterholt.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6sser als das Scheitern sein<\/strong><\/p>\n<p>Drei Dinge m\u00f6chte ich abschlie\u00dfend festhalten:<\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Zeit ist immer reif, uns einem Traum zu widmen, der uns so viel bedeutet, dass wir jegliche Angst vor einem m\u00f6glichen Miss\u00aderfolg verlieren. R\u00fcckschl\u00e4ge wird es immer geben, doch wenn uns die Verwirklichung unserer Ziele wirklich wichtig ist, ist Aufh\u00f6ren schlichtweg keine Option.<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Art der Motivation ist der Schl\u00fcssel. Wenn wir eine Sache nur wegen der Anerkennung, des Applauses, der Verkaufszahlen, der positiven Kritiken machen, k\u00f6nnen wir damit nur scheitern. Unsere Einstellung ist entscheidend, also wie wir unsere Aufgaben und an Herausforderungen herangehen. Es liegt allein in unserer Hand. Wenn wir unseren Erfolg von anderen und deren Meinung abh\u00e4n\u00adgig machen, f\u00fchrt das nur zu emotionaler Labilit\u00e4t und innerer Unzufriedenheit. Wir k\u00f6nnen nach einem R\u00fcckschlag nur aufste\u00adhen und noch st\u00e4rker zur\u00fcckkommen, wenn wir davon angetrieben werden, unsere eigenen Standards zu erf\u00fcllen und unser Bestes zu geben. Dann lassen wir die Welt entscheiden, was sie damit anfangen will \u2013 allerdings ohne uns davon aus der Spur bringen zu lassen. Lob und nette Worte sind sch\u00f6n, aber sie d\u00fcrfen nicht \u00fcber unseren Erfolg oder unser Scheitern entscheiden.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00dcberm\u00e4\u00dfiger Stolz kann das Scheitern zu einer endlosen Prozedur machen. Nur wer sich traut, nach einem Rettungsring zu rufen, wenn es brenzlig wird, kann das rettende Ufer erreichen. Zu glauben, immer stark sein zu m\u00fcssen, bewirkt das Gegenteil. Ein Scheitern verbergen zu wollen, macht es nur schlimmer. Hinfallen ist f\u00fcr jeden unangenehm, kein Zweifel. Die Frage ist nur: Wollen wir wie Andreas Kunze ein Learning-Buch f\u00fchren, um daraus zu lernen? Wollen wir wie Lencke Steiner den gr\u00f6\u00dferen Nutzen und die bessere Option sehen, die noch auf uns wartet? Wollen wir wie Andreas Wolff genau deshalb noch eine Schippe drauflegen? Oder wollen wir so tun, als w\u00e4re nichts, und auf diese Weise ein noch gr\u00f6\u00dferes \u00dcbel erzeugen, das uns weit l\u00e4nger begleitet als n\u00f6tig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Impulse der \u00dcberflieger und Tiefflieger<\/strong><\/p>\n<p>\u2022\u2022\u00bbEs ist okay, Fehler zu machen, das macht Menschsein aus. Es geht darum, was man daraus macht und wie man damit umgeht. Shit happens \u2013 aber nur selten zweimal am selben Ort. Wenn etwas schiefgelaufen ist, wei\u00df man, woran man arbeiten muss und wie man besser werden kann.\u00ab Anne Koark<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u00bbIch w\u00fcrde jedem raten, trotzdem sein Ding zu machen und es zu versuchen, auch wenn es scheitern kann. Meiner An-sicht nach ist es immer noch besser, es versucht zu haben, als immer auf Nummer sicher zu gehen. Leute, die zur\u00fcckblicken, bereuen am meisten, ihr Leben nicht gelebt zu haben. Und das ist f\u00fcr mich das gr\u00f6\u00dfte Scheitern.\u00ab Attila von Unruh<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u00bbIch sehe Fehler und Niederlagen nicht als deprimierend an und glaube, dass jeder Stein, der mir in den Weg gerollt wird, auch als Meilenstein zu sehen ist \u2013 daraus kann ich etwas Neues basteln. Schwierige Phasen erm\u00f6glichen immer auch einen anderen Blickwinkel einzunehmen.\u00ab Lencke Steiner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug: Jonathan Siercks &#8222;Junge \u00dcberflieger. 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