{"id":665649,"date":"2017-08-07T02:12:43","date_gmt":"2017-08-07T00:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665649"},"modified":"2017-08-07T17:48:57","modified_gmt":"2017-08-07T15:48:57","slug":"designer-bestimmen-wie-andere-zu-arbeiten-haben-bei-apple-sind-die-programmierer-sauer-auf-neue-grossraumbueros","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/08\/07\/designer-bestimmen-wie-andere-zu-arbeiten-haben-bei-apple-sind-die-programmierer-sauer-auf-neue-grossraumbueros\/","title":{"rendered":"Designer bestimmen, wie andere zu arbeiten haben &#8211; bei Apple sind die Programmierer sauer auf neue Gro\u00dfraumb\u00fcros"},"content":{"rendered":"<header class=\"article-header meldung\">\n<h2 class=\"article__heading\"><\/h2>\n<\/header>\n<p>Sollten sich Unternehmenslenker nicht freuen, wenn es ihren Mitarbeitern selbst wichtig\u00a0ist, gute Arbeit abzuliefern? Und das m\u00f6glichst fehlerfrei und z\u00fcgig?\u00a0Wenn alles, was sich die Leute daf\u00fcr w\u00fcnschen, Ruhe und Konzentration zum Arbeiten ist? Hat man sich nicht jahrzehntelang gerade solche Mitarbeiter mit Unternehmergeist gew\u00fcnscht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Apples Programmierer wollen Einzelb\u00fcros &#8211; der Konzentration halber<\/strong><\/p>\n<p>Es klingt bescheiden. Und das erst recht, wenn der Arbeitgeber Apple hei\u00dft und alles andere als am Hungertuch nagt. Wenn so ein Gigant f\u00fcr sein neues Hauptquartier f\u00fcnf Milliarden Dollar ausgibt und die betroffenen Mitarbeiter, die ihre professionelle Arbeitsumgebung wollen, hochspezialisierte Programmierer sind. Vermutlich sind sie auch keine leicht ersetzbaren Typen &#8211; jedenfalls sind sie erwiesenerma\u00dfen erfolgreich.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte das gedacht?\u00a0Bei Apple &#8211; <a href=\"http:\/\/www.chip.de\/news\/Apple-UFO-Hauptquartier-Mitarbeiter-hassen-die-neuen-Bueros_119926844.html\">so schreibt das Fachblatt &#8222;Chip&#8220; <\/a>&#8211; hassen die Programmierer und Codierer ihre k\u00fcnftigen Gro\u00dfraumb\u00fcros in der neuen Zentrale, die sich die Designer so sch\u00f6n ausgedacht haben. Sicherlich ohne sie zu fragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeitdruck plus Erfolgsdruck &#8211; das l\u00e4sst keinen Raum f\u00fcr Experimente<\/strong><\/p>\n<p>Denn die Programmierer hatten wohl Einzelb\u00fcros und m\u00fcssen pl\u00f6tzlich in Gro\u00dfraumb\u00fcros, wo sie nicht mehr st\u00f6rungsfrei arbeiten k\u00f6nnen.\u00a0Verwunderlich? Eigentlich gar nicht. Sie d\u00fcrften unter Zeitdruck plus Erfolgsdruck stehen. Beides wird schwierig, wenn man in Wohnlandschaften arbeiten muss. Wo st\u00e4ndig jemand durchl\u00e4uft, dauernd irgendetwas passiert, nicht alle denselben Druck und denselben Arbeitsrhythmus haben und dieselbe Ruhe brauchen zum konzentrierten Arbeiten. Mal abgesehen von Zeitverlust durch zwischenmenschliche Reibereien.<\/p>\n<p>Wenn geistig anspruchsvolle T\u00e4tigkeit mit hohem Tempo quasi mitten auf dem Rummelplatz absolvieren soll. Auf den Punkt gebracht: Wo es Personal- und andere Ressourcen im \u00dcberfluss gibt und es auch nicht eilig ist mit Ergebnissen, der kann sich Gro\u00dfraumb\u00fcros leisten.<\/p>\n<p>Wer das sein soll, f\u00e4llt mir allerdings gerade nicht ein, denn alle Unternehmen sind heute auf Kante gen\u00e4ht und haben enge Termine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich m\u00fcssen Mitarbeiter a) selbst gute Arbeit abliefern wollen und b) sie arbeiten unter sportlichen Zeitvorgaben. Bei keinem Projekt kann es heute schnell genug gehen. Beides widerspricht Gro\u00dfraumb\u00fcro-Konzepten. Denn wer unter Erfolgs- plus Zeitdruck steht, den bringt jede kleine St\u00f6rung und Ablenkung noch mehr unter Druck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wieder mal Boni als Spalter im Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Warum die Top-Manager das nicht wissen? Keine Ahnung. Warum sie die Einw\u00e4nde ihrer gutwilligen Angestellten ignorieren und doof finden? Nicht nachvollziehbar. Es muss wohl an ihren pers\u00f6nlich gestrickten- leider nicht einsehbaren &#8211; Boni liegen, andere Erkl\u00e4rungen sind kaum mehr vorstellbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Top-Manager-Boni als wahrer Grund f\u00fcr Gro\u00dfraumb\u00fcros?<\/strong><\/p>\n<p>Warum es dennoch landauf landab so passiert? Bei manchen Unternehmen wollen die Top-Manager ganz profan Miete sparen. Sparaktionen wirken sich prima und ganz schnell auf ihre pers\u00f6nlichen Boni aus. Die Konzentration und Gesundheit der Kollegen steht demgegen\u00fcber auf ihrer &#8211; verborgenen &#8211; Priorit\u00e4tenliste ganz weit unten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oder purer Modernit\u00e4tswahn &#8211; mangels echter Konzepte?<\/strong><\/p>\n<p>Bei manchen Unternehmen wollen die Top-Manager &#8211; sagen sie &#8211; Transparenz f\u00fcr Kunden und Besucher schaffen. Das hei\u00dft im Klartext: Show-Aktionen sind wichtiger als Arbeitsergebnisse. Merkw\u00fcrdige Argumentation. Nach Show-Ma\u00dfnahmen haben weder Kunden je gerufen noch w\u00fcrden sie deshalb auch nur einen Sous mehr f\u00fcr die Produkte zahlen. Doch die Entscheider an der Spitze versuchen solche sichtbaren Ma\u00dfnahmen als Manager-Leistung zu verkaufen: Als Ausdruck f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfe F\u00fchrung, die frisch und modern und irgendwie als Arbeit 4.0 daherkommen soll. Nur leider tut sie das nur optisch. Fehlerquoten steigen, die Effizienz sinkt immer um mindestens zehn Prozent, sagen Studien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter: Herabgew\u00fcrdigt statt respektiert<\/strong><\/p>\n<p>Und das Schlimmste: Mitarbeiter sehen sich herabgew\u00fcrdigt zu Zoo-Tieren statt respektiert als qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, Das wirkt sich irgendwann dann auch durch eine allzu hohe Fluktuationsquote aus und liefert miese Mitarbeiterbefragungs-Ergebnisse. Aber das dauert und so lange haben die Top-Manager ihre Boni in Sicherheit gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Mitarbeiter Gro\u00dfraum leben, zahlen Unternehmen drauf<\/strong><\/p>\n<p>Zumal: Unversch\u00e4mt kann man die Arbeits-Bed\u00fcrfnisse so hochqualifizierter Leute wie Apple-Programmierer kaum nennen. Nein, eher niedlich. K\u00f6nnten sie als \u00a0Angestellte, die auf dem Papier daf\u00fcr bezahlt werden, dass sie ihre Lebens-Zeit zur Verf\u00fcgung stellen, doch die F\u00fc\u00dfe still halten. Sie k\u00f6nnen sich sagen, ok, dann kommunizieren wir eben den ganzen Tag mit den anderen Gro\u00dfraumb\u00fcro-Bewohnern, statt zu arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie k\u00f6nnten Dienst nach Vorschrift machen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Motto: Wer die Musik zahlt, darf sie auch bestellen. Effizient arbeiten geh\u00f6rt nicht dazu? Dann eben nicht. Hocken wir uns in einen Gro\u00dfraum, gucken nett drein f\u00fcr alle Zoobesucher und benehmen uns servil &#8211; passt. Und es reicht ja auch.<\/p>\n<p>Zumindest f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Monate. Den Ergebnissen kann man\u00b4s erst peu a\u00b4 peu ablesen.Und die Kausalit\u00e4t erschlie\u00dft sich so schnell ohnehin nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlerquote geht hoch, Reputation runter<\/strong><\/p>\n<p>Dumm nur, wenn die Mitarbeiter wie bei Apple a) lieber selbst gute Arbeit abliefern wollen und b) daf\u00fcr auch noch enge Zeitvorgaben bekommen. Gerade letztere widersprechen n\u00e4mlich Gro\u00dfraumb\u00fcro-Konzepten. Denn wer unter Erfolgs- plus Zeitdruck steht, den bringt jede kleine St\u00f6rung noch mehr unter Druck, die Fehlerquote steigt.Seine pers\u00f6nliche Reputation nicht.<\/p>\n<p>Warum Top-Manager das nicht wissen oder nicht wissen wollen? Keine Ahnung. Warum sie die Einw\u00e4nde ihrer gutwilligen Angestellten doof finden und ignorieren? Nicht nachvollziehbar. Es muss an ihren pers\u00f6nlich gestrickten &#8211; leider unver\u00f6ffentlichten &#8211; \u00a0Boni-Regelungen liegen, andere Erkl\u00e4rungen sind kaum mehr vorstellbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Arbeits-Ehre? Stolz auf die Company? Naja<\/strong><\/p>\n<p>Und deren Vorwurf an widerspenstige Belegschaften und Bertriebsr\u00e4te, Gro\u00dfraumb\u00fcro-Verweigerer seien ja nur d\u00fcnkelhaft, hilft ihnen am Ende ja nicht weiter. Meine Freundin M. klagte mir ihr Leid, als hierzulande die ach-so-modernen Gro\u00dfraumb\u00fcros in Mode kamen: Da habe sie nun so lange studiert und sei ihrem Arbeitgeber nun nicht mal ein eigenes kleines Zimmer wert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie weg war. Eine andere Freundin schlug k\u00fcrzlich ein &#8211; an sich attraktives &#8211; Job-Angebot wg Gro\u00dfraumb\u00fcro aus. Anspruchsvoller Job im K\u00e4fighaltungs-Atmosph\u00e4re? Danke, nein. Nur verraten hat sie es der Firma leider nicht &#8211; aus Angst, als unmodern zu gelten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Innere K\u00fcndigung oder Super-Chance f\u00fcr die Konkurrenten: Zum Abheuern<\/strong><\/p>\n<p>Wer schweigend mitmacht und an Bord bleibt, geht in die innere K\u00fcndigung &#8211; siehe Gallup-Studie.\u00a0Wenn er denn an Bord bleibt: Konkurrenten haben jetzt beste Chance, abzuwerben, wen sie zuvor nicht k\u00f6dern konnten.<\/p>\n<p>PS: Der Marktforscher United Research hat zu Jahrebeginn durch eine repr\u00e4sentative Umfrage mit dem Vorurteil aufger\u00e4umt, dass junge Leute &#8211; Millenials oder Generation Y genannt &#8211; diese vermeintlich modernen Arbeitsformen haben wollen. Das formluierte &#8222;Capital&#8220; so: &#8222;83 Prozent der Befragten gaben an, dass sie keinen Bock haben, ihren Arbeitsplatz mit anderen zu teilen oder mit dem Laptop und einem Kaffeebecher auf dem Sofa zu arbeiten, w\u00e4hrend andere daneben Kicker spielen.&#8220; \u00a0<a href=\"http:\/\/www.capital.de\/themen\/fuer-millennials-ist-co-working-tot.html\">http:\/\/www.capital.de\/themen\/fuer-millennials-ist-co-working-tot.html<\/a><\/p>\n<div class=\"ce_text block\">\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"nvsTEEX91i\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/03\/16\/gallup-studie-wenn-ich-meiner-firma-egal-bin-ist-sie-mir-auch-egal\/\">Gallup-Studie: Wenn ich meiner Firma egal bin, ist sie mir auch egal<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Gallup-Studie: Wenn ich meiner Firma egal bin, ist sie mir auch egal&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/03\/16\/gallup-studie-wenn-ich-meiner-firma-egal-bin-ist-sie-mir-auch-egal\/embed\/#?secret=Xdxn3qUwzs#?secret=nvsTEEX91i\" data-secret=\"nvsTEEX91i\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.chip.de\/news\/Apple-UFO-Hauptquartier-Mitarbeiter-hassen-die-neuen-Bueros_119926844.html\">http:\/\/www.chip.de\/news\/Apple-UFO-Hauptquartier-Mitarbeiter-hassen-die-neuen-Bueros_119926844.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"ce_text block\">\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollten sich Unternehmenslenker nicht freuen, wenn es ihren Mitarbeitern selbst wichtig\u00a0ist, gute Arbeit abzuliefern? 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