{"id":665170,"date":"2017-06-06T21:51:23","date_gmt":"2017-06-06T19:51:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665170"},"modified":"2017-06-07T08:46:31","modified_gmt":"2017-06-07T06:46:31","slug":"lassen-sie-doch-denker-in-ruhe-arbeiten-appelliert-medienwissenschaftler-norbert-bolz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/06\/06\/lassen-sie-doch-denker-in-ruhe-arbeiten-appelliert-medienwissenschaftler-norbert-bolz\/","title":{"rendered":"Lassen Sie doch Denker in Ruhe arbeiten, appelliert Medienwissenschaftler Norbert Bolz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teamarbeit im B\u00fcro \u2013 Innovationstreiber oder \u00fcbersch\u00e4tztes Mittel?\u00a0Unternehmen setzen immer wieder auf Teamarbeit \u2013 auch in der Ideenfindung. Doch wie kreativ k\u00f6nnen Gruppen sein, fragt Medienwissenschaftler Norbert Bolz, Professor an der TU Berlin? Oder sind Einsamkeit und Ruhe unabdingbar? Der Wissenschaftler meint:\u00a0Teamarbeit hemmt Innovation (Gastbeitrag*)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665171\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665171\" class=\"size-full wp-image-665171\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/Bolz.Norbert-Bolz_2015.png\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/Bolz.Norbert-Bolz_2015.png 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/Bolz.Norbert-Bolz_2015-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><p id=\"caption-attachment-665171\" class=\"wp-caption-text\">Norbert Bolz (Foto: Presse), Professor an der TU Berlin f\u00fcr Medienwissenschaften<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<strong>Dass Teams gut darin sind, neue Ideen zu generieren, ist ein Irrglaube<\/strong><br \/>\n<strong>Gruppen k\u00f6nnen Ideen verbessern, doch auf sie kommen, das tun Einzelne<\/strong><br \/>\n<strong>Erfolgreiche Unternehmen lassen ihre Denker deshalb in Ruhe arbeiten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Teams eignen sich nicht zur Ideen-Findung<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen setzen auf Teamarbeit. M\u00f6glichst diverse Menschen kommen zusammen, um sich gegenseitig auf neue Ideen zu bringen. Und schlie\u00dflich das Unternehmen selbst mit Innovationen zu versorgen. Dabei gibt es nichts, das Kreativit\u00e4t mehr hemmen k\u00f6nnte, als Gruppenarbeit und Interaktion. Nat\u00fcrlich hat das Arbeiten in Gruppen Vorteile: Sie sind hervorragend darin, wenn es darum geht, Kritik zu \u00fcben und Schw\u00e4chen zu finden. Sie k\u00f6nnen also bef\u00f6rdernd darauf wirken, eine Idee weiterzuentwickeln. Aber auf eine Idee zu kommen, daf\u00fcr eignen sich Teams nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Brainstorming kann allenfalls anregen, aber nie Ideen aufbauen<\/strong><\/p>\n<p>Teams setzen gut um, mit Kreativit\u00e4t hat das wenig zu tun.\u00a0Historisch ist mir kein Vorgang bekannt. Und auch wenn man die Denker, Literaten und Erfinder der Jetztzeit und der Vergangenheit betrachtet, so sind Ideen doch immer nur in einzelnen K\u00f6pfen entsprungen. Nat\u00fcrlich gibt es Forschungsarbeiten, die kollektiv in Laboren durchgef\u00fchrt werden. Doch hier ist die Suchfrage bereits gekl\u00e4rt und streng vorgegeben. Mit Kreativit\u00e4t hat das sehr wenig zu tun. Und auch das immer wieder eingesetzte Brainstorming verspricht viel mehr, als es leisten kann. Zwar hat die Methode einen gewissen Wettbewerbscharakter, was anregend wirken kann. Doch kommt es nie zu einem Aufbau einer Idee. Es sind immer einzelne Personen, die sich am Ende durchsetzen, nicht die Ideen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mich pers\u00f6nlich st\u00f6rt die Anwesenheit von Meinesgleichen bei der t\u00e4glichen Arbeit<\/strong><\/p>\n<p>Ich selbst mache immer wieder die Erfahrung, dass mich die Anwesenheit von Meinesgleichen bei meiner t\u00e4glichen Arbeit in der Forschung st\u00f6rt. Es ist wie der obligatorische Blick \u00fcber die Schultern, den man noch aus Kindheitszeiten von Eltern oder auch Lehrern gewohnt ist. Ausnahmen best\u00e4tigen selbstredend die Regel \u2013 meine Ausnahme bildete einmal ein Streit, in dem neue Gedanken aufkamen. Es ist jedoch nicht der Fall, dass ich von dem, was andere sagen, profitiere. Im Gegenteil: Ich werde von anderen eher blockiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ruhe bef\u00f6rdert den Erfindergeist<\/strong><br \/>\nNun fragt man sich, was sind die besten Gegebenheiten f\u00fcr Ideen? Wie kann man Kreativit\u00e4t f\u00f6rdern? Meiner Ansicht nach kann man Kreativit\u00e4t gar nicht f\u00f6rdern. Man kann nur darauf achten, sie nicht unm\u00f6glich zu machen. Ein guter Garant ist Einsamkeit. Interaktion hemmt den Erfindergeist. Ruhe dagegen bef\u00f6rdert ihn. Dabei ist die Definition von Ruhe individuell. Kollegen von mir schlie\u00dfen gern ihre B\u00fcrot\u00fcr und schotten sich ab. Auf andere wirkt das Rauschen des Verkehrs stimulierend. Ich selbst finde meine sogenannten idealen Empfindungsbedingungen zu Hause bei meiner Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer Ideen f\u00f6rdern will, sichert sich brillante K\u00f6pfe &#8211; und l\u00e4sst sie in Ruhe<\/strong><\/p>\n<p>Nichts ist seltener als Ideen. Das Beste, was man tun kann, um Ideen zu f\u00f6rdern, ist sich brillante K\u00f6pfe zu sichern und diese in Ruhe zu lassen. Lasst ihnen freie Hand. Lasst sie tun, was sie tun wollen. Erkannt haben das bereits Unternehmen wie Sony und Bosch. Sony l\u00e4dt zum Beispiel 14- bis 18-j\u00e4hrige Game-Nerds ein und l\u00e4sst sie ihre Lieblingsspiele nach ihrem Belieben umprogrammieren. Die Versionen, die ihnen zum Schluss am Besten gefallen, gehen in den Verkauf.<\/p>\n<p>Bosch w\u00fcrfelt in seinem Lab, das aussieht, wie eine Werkstatt, Personen mit verschiedenen Expertisen zusammen und gibt ihnen die Freir\u00e4ume, alleine zu arbeiten sowie sich in verschiedenen Teams zusammenzufinden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erfordert dieses Vorgehen Mut \u2013 von Unternehmen wie auch von Mitarbeitern. Doch welche Innovationen der Geschichte erforderten keinen Mut?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*Zuerst ver\u00f6ffentlicht bei Xing<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teamarbeit im B\u00fcro \u2013 Innovationstreiber oder \u00fcbersch\u00e4tztes Mittel?\u00a0Unternehmen setzen immer wieder auf Teamarbeit \u2013 auch in der Ideenfindung. 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