{"id":665165,"date":"2017-07-25T01:06:53","date_gmt":"2017-07-24T23:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665165"},"modified":"2017-07-25T01:06:53","modified_gmt":"2017-07-24T23:06:53","slug":"buchauszug-matthias-noellke-machtspiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/07\/25\/buchauszug-matthias-noellke-machtspiele\/","title":{"rendered":"Buchauszug Matthias N\u00f6llke: &#8222;Machtspiele&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus Matthias N\u00f6llkes \u201eMachtspiele\u201c : Machtdynamiken im B\u00fcro, typische Machtsituationen und ihr wahrer Sinn und Zweck &#8211; vom allt\u00e4glichen Machtgepl\u00e4nkel bis hin zur b\u00f6sartigen Intrige.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665173\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665173\" class=\"size-full wp-image-665173\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/N\u00f6llke-Matthias_Neu.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"629\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/N\u00f6llke-Matthias_Neu.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/N\u00f6llke-Matthias_Neu-300x290.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/N\u00f6llke-Matthias_Neu-310x300.jpg 310w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-665173\" class=\"wp-caption-text\">Autor Matthias N\u00f6llke<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Soft-Power-Spiele<\/strong><\/p>\n<p>Was du zusammendr\u00fccken willst, das musst du erst richtig sich ausdehnen lassen. Was du schw\u00e4chen willst, das musst du erst richtig stark werden lassen. Wem du nehmen willst, dem musst du erst richtig geben. Das Weiche siegt \u00fcber das Harte. Das Schwache siegt \u00fcber das Starke. Lao Tse: Tao te King<\/p>\n<p>Macht und Weichheit, im abendl\u00e4ndischen Denken reimt sich das noch nicht so recht zusammen. Dabei gibt es auch bei uns eine reiche Tradition von h\u00f6chst wirksamen \u00bbSoft-Power-Spielen\u00ab, die einige irrt\u00fcmlich f\u00fcr das Kontrastprogramm zu den sonst \u00fcblichen Machtspielen halten, bei denen ja eher H\u00e4rte und R\u00fccksichtslosigkeit gefragt sind. Doch manchmal geht es eben auch ohne H\u00e4rte, wenn man seinen Willen durchsetzen m\u00f6chte. Unter Umst\u00e4nden, \u00fcber die noch zu reden sein wird, kommen Sie auf die weiche Tour sogar eher zum Ziel. Aber Ihr Gegenspieler eben auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Soft-Power-Spiele der F\u00fchrungskr\u00e4fte, die gar nicht menschenfreundlich sind<\/strong><\/p>\n<p>Daher m\u00f6chte ich in diesem Kapitel Ihren Blick f\u00fcr die Soft-Power-Spiele sch\u00e4rfen, die durchaus nicht immer so lieb und menschenfreundlich sind, wie sie daherkommen. Sie lernen vier typische Spiele kennen, die F\u00fchrungskr\u00e4fte mit ihren Mitarbeitern treiben: Die \u00bbEigenverantwortung\u00ab, das \u00bbSt\u00fchle wechseln\u00ab, \u00bbEin Auge zudr\u00fccken\u00ab und das \u00bbEntt\u00e4uschungsspiel\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der N\u00e4hrboden f\u00fcr die weiche Macht Soft-Power-Spiele setzen ein bestimmtes Umfeld voraus, in Organisationen eine bestimmte Unternehmens- oder Spielkultur. Allzu dominantes, bosshaftes Auftreten steht dort zumindest offiziell nicht hoch im Kurs. Mitarbeiter sollen dort keine Befehlsempf\u00e4nger sein, sondern sie sollen partizipieren, sich einbringen, mitentscheiden oder zumindest einverstanden sein mit dem, was geschieht (was h\u00e4ufig auf ein und dasselbe hinausl\u00e4uft).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Umfeld, in dem rauere Sitten herrschen, w\u00e4ren Soft-Power-Spiele v\u00f6llig fehl am Platz. Eine F\u00fchrungskraft, die es damit versucht, w\u00fcrde sich unter Umst\u00e4nden l\u00e4cherlich machen. Auf der anderen Seite scheint es aber durchaus m\u00f6glich, die weichen Spiele durch h\u00e4rtere Varianten anzureichern oder ganz ins harte Rollenfach \u00fcberzuwechseln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665174\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/cover.noellke.machtspiele.jpg\" alt=\"\" width=\"459\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/cover.noellke.machtspiele.jpg 459w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/06\/cover.noellke.machtspiele-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><\/p>\n<p><strong>Matthias N\u00f6llke: &#8222;Machtspiele &#8211; Wie wir unseren Willen durchsetzen.&#8220;, Haufe Verlag, 226 Seiten 19,95 Euro, <a href=\"https:\/\/shop.haufe.de\/prod\/machtspiele\">https:\/\/shop.haufe.de\/prod\/machtspiele<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eigenverantwortung<\/strong><\/p>\n<p>Eines der beliebtesten Soft-Power-Spiele hei\u00dft \u00bbEigenverantwortung\u00ab. Dabei geht es nat\u00fcrlich nicht um echte Eigenverantwortung (sonst w\u00e4re es ja kein Spiel), sondern darum, dass der Mitarbeiter die Verantwortung daf\u00fcr zugeschoben bekommt, das zu tun, was die F\u00fchrungskraft will. Das ist etwas verk\u00fcrzt gesagt, denn was die F\u00fchrungskraft will, ist ebenfalls in hohem Ma\u00dfe davon abh\u00e4ngig, was andere wollen \u2012 der eigene Chef, die Kunden, die Lieferanten, die Investoren, die \u00d6ffentlichkeit oder irgendwelche anderen Personen, von denen Sie und ich nichts ahnen.<\/p>\n<p>Doch verw\u00e4ssern wir nicht die Grundidee, die wieder auf unsere vertraute Machtspielregel hinausl\u00e4uft: Wer Macht sucht, muss Verantwortung loswerden. Der Mitarbeiter soll sich selbst darum k\u00fcmmern, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wie er das fertig bringt, ist seine Sache. Hier hat er \u00bbfreie Hand\u00ab \u2012 und das ist gut so, denn in dem \u00bbWie\u00ab liegt eine ganze Menge an Unannehmlichkeiten und Zumutungen, um die sich die F\u00fchrungskraft nun nicht mehr k\u00fcmmern muss. Die Probleme hat erst einmal der Mitarbeiter an den Hacken. Und das Wort \u00bbProbleme\u00ab existiert im Wortschatz eines versierten Eigenverantwortungsspielers nur in Verbindung mit dem Wort \u00bbL\u00f6sungen\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Ziel ist das Ziel des Vorgesetzten &#8211; der Weg ist ihm egal<\/strong><\/p>\n<p>Nun ist das bestimmte Ziel, das der Mitarbeiter eigenverantwortlich ansteuert, nat\u00fcrlich ziemlich genau das, was sein Vorgesetzter erreichen m\u00f6chte. Ein anderes Ziel w\u00fcrde der gar nicht zulassen. Dass er sein Ziel zum Ziel des Mitarbeiters macht, ist schon der ganze Trick bei der Sache. Es ist der Weg, den er ihm freistellt. Aber der Weg ist dem Chef auch herzlich egal. Er ahnt nur, dass er beschwerlich ist, also nichts, mit dem man sich gerne abgibt.<\/p>\n<p>Nehmen Sie hingegen einen autorit\u00e4ren Chef, der seinen Mitarbeiter an die kurze Leine nimmt und ihm vorschreibt, was er zu tun hat: Weg und Ziel zugleich. Da gibt es eine klare Trennung zwischen dem, was der Chef, und dem, was der Mitarbeiter will. Auch das hat seine Vorteile, denn es erlaubt dem Mitarbeiter, Dinge zu tun, die er von sich aus nie tun w\u00fcrde, die er aber erledigt, weil ein anderer daf\u00fcr die Verantwortung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Beim Spiel \u00bbEigenverantwortung\u00ab muss der Chef auf solche Sonderw\u00fcnsche verzichten. Doch daf\u00fcr hat er etwas viel Wichtigeres erreicht: Er hat den Mitarbeiter darauf verpflichtet, seinen Willen als Ziel zu \u00fcbernehmen. Erinnern wir uns:<\/p>\n<p>Macht besteht darin, gegen\u00fcber anderen seinen Willen durchzusetzen \u2012 auch gegen Widerstreben, wie Max Weber sagt. Nun, hier entf\u00e4llt das Widerstreben. Denn der Mitarbeiter brennt f\u00f6rmlich darauf zu tun, was sein Chef von ihm verlangt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gute Mitarbeiter setzen sich ehrgeizige Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Versierte Eigenverantwortungsspieler geben den Mitarbeitern nicht einfach ihre Ziele vor, um dann zu behaupten, dies seien deren eigene Ziele. Das w\u00e4re plump, ein halbwegs intelligenter Mitarbeiter w\u00fcrde sich vielleicht auf diese Kom\u00f6die einlassen, aber nur, um den Schein zu wahren. Nein, das Eigenverantwortungsspiel geht so weit, dass sich die Mitarbeiter ihre Ziele selbst setzen. Anders gesagt, als Mitarbeiter f\u00e4llt es in Ihre Verantwortung, worauf Sie sich verpflichten. Niemand schreibt Ihnen das vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Macht dem Mitarbeiter, k\u00f6nnte man nun annehmen. Aber das ist damit gerade nicht bezweckt. Vielmehr geht es darum, dass der Mitarbeiter f\u00fcr seine Ziele Verantwortung \u00fcbernimmt. Setzt er sich zu mickrige Ziele, f\u00e4llt das auf ihn zur\u00fcck. Sein Chef wird ihn sanft dazu bewegen, sich mehr zuzutrauen, was nichts anderes hei\u00dft als: mehr zu leisten. Mit diesem Argument wird er auf besonders offene Ohren sto\u00dfen, wenn der Mitarbeiter mit anderen im Wettbewerb steht, deren ehrgeizige Ziele er m\u00f6glichst zu \u00fcbertreffen\u00a0 versucht. Dabei sorgt der Vorgesetzte daf\u00fcr, die Ziele in die richtigen Bahnen zu lenken und aufeinander abzustimmen. Denn wenn sich jeder ohne jede Koordination seine Ziele setzen w\u00fcrde \u2012 und seien sie noch so hoch angesetzt \u2012, br\u00e4che das Chaos aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn sich der Mitarbeiter kaputt macht, ist es seine Sache<\/strong><\/p>\n<p>Ziele und Interessen Und wo ist jetzt der Haken bei diesem Spiel? Warum ist es gar nicht so lieb und menschenfreundlich? Eigenverantwortung ist doch eine gute Sache, oder nicht? Im Prinzip schon. Solange sie nicht in einem Machtspiel gegen denjenigen eingesetzt wird, der sie \u00fcbernehmen soll. Dann gibt es n\u00e4mlich gleich zwei mehr oder weniger gro\u00dfe Haken, an denen der \u00bbEigenverantwortungsnehmer\u00ab \u00fcber den Tisch gezogen wird: Der Mitarbeiter legt seine Ziele in einem Rahmen fest, der es gar nicht erlaubt, eigene Interessen ins Spiel zu bringen. Er kann sich nur entscheiden, mehr oder weniger Leistung in eng begrenzten Feldern zu erbringen \u2012 um damit bei seinem Vorgesetzten Punkte zu sammeln. Die Verantwortung f\u00fcr den Weg wird dem Mitarbeiter nur \u00fcberlassen, weil ihm so viel abverlangt wird, dass der Vorgesetzte den Weg nicht verantworten kann. Wenn der Mitarbeiter sich kaputt macht, ist das seine Sache.<\/p>\n<p>Echte Eigenverantwortung setzt zwingend voraus, dass ich meine Interessen wahren kann. In dem Augenblick, in dem ich von ihnen absehen muss, ja gezwungen bin, gegen sie zu handeln, kann von Eigenverantwortung keine Rede mehr sein. Und genau das geschieht in diesem Spiel: Bestimmte Interessen, die ich als Mitarbeiter habe, genauer: alles, was au\u00dferhalb der Interessen der Organisation liegt, kann ich gar nicht geltend machen, wenn ich mich nicht l\u00e4cherlich machen will. Denn es geht nur darum, ein m\u00f6glichst hohes Leistungsversprechen abzugeben, um sich gegen\u00fcber seinem Chef auszuzeichnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Weg ist der Weg &#8211; Dankbar sein m\u00fcssen, wenn man tut, was der Chef will<\/strong><\/p>\n<p>Wenn mir als Mitarbeiter \u00fcberlassen bleibt, wie ich mein Ziel erreiche, dann wirkt das erst einmal sehr sympathisch: mehr Freiheit und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Doch l\u00f6st sich diese Freiheit augenblicklich in Luft auf, wenn ich M\u00fche habe, den eingegangenen Verpflichtungen hinterherzuhetzen. Meinen Chef kann ich daf\u00fcr nicht verantwortlich machen, denn ich habe mich selbst dazu verpflichtet. Freiwillig. Habe ich die eigenen F\u00e4higkeiten am Ende \u00fcbersch\u00e4tzt?<\/p>\n<p>Zerknirscht wende ich mich an meinen Chef, der entweder verst\u00e4ndnislos und panisch reagiert (\u00bbWie k\u00f6nnen Sie uns so h\u00e4ngen lassen?!\u00ab) oder aber freundlich und hilfsbereit (immerhin bewegen wir uns auf der Ebene der Soft-Power-Spiele). Gemeinsam finden wir eine L\u00f6sung. Oder sagen wir besser: Wir spielen das Spiel \u00bbWir finden eine L\u00f6sung\u00ab, denn wieder achtet der Chef darauf, dass alles ganz eigenverantwortlich geschieht, er sich also nicht die H\u00e4nde mit der l\u00e4stigen Verantwortung schmutzig macht. Und ich bin ihm auch noch unendlich dankbar daf\u00fcr, dass er mich nicht h\u00e4ngen l\u00e4sst, sondern mich auch noch dabei unterst\u00fctzt, wenn ich tue, was er will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefahren &#8211; die Freiheit, sich totzuschuften<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es im Allgemeinen harmlos bleibt und sich die Mitarbeiter an die spezielle Form der \u00bbEigenverantwortung\u00ab gew\u00f6hnen, so kann das Spiel auch zerst\u00f6rerische Folgen haben. Mitarbeiter reiben sich auf und sind dabei der Ansicht, sie w\u00fcrden die Dinge steuern. Eine Gespr\u00e4chspartnerin f\u00fcr dieses Buch, die dem \u00bbEigenverantwortungsspiel\u00ab auf den Leim gegangen war, betonte, dass sie in ihrer Firma \u00bbkommen und gehen\u00ab k\u00f6nne, wann sie wolle. Was in ihrem Fall hie\u00df: Niemand konnte sie hindern, extrem fr\u00fch zu kommen und extrem sp\u00e4t wieder zu gehen \u2012 und am Wochenende noch Arbeit mitzunehmen.<\/p>\n<p>Aber auch f\u00fcr den Machtspieler kann das Spiel unangenehme Konsequenzen haben: Wenn die Mitarbeiter durchschauen, wer hier wem die Ziele setzt und wer sich f\u00fcr wen aufreibt, f\u00fchlen sie sich ausgenutzt und werden das Spiel hintertreiben. Dar\u00fcber hinaus hinterl\u00e4sst das Spiel verbrannte Erde. Der eigentlich ganz sympathische Gedanke der Eigenverantwortung wird durch solche Spielchen in Verruf gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gegenstrategien<\/strong><\/p>\n<p>Das Spiel \u00bbEigenverantwortung\u00ab ist schwerer zu durchkreuzen, als man meint. Denn Sie stellen sich selbst ins Abseits, wenn Sie nicht mitspielen, sich keine ehrgeizigen Ziele vornehmen und auch die Verantwortung daf\u00fcr nicht \u00fcbernehmen wollen. Sie setzen sich dem unangenehmen Verdacht aus, dass Sie zu jenen unreifen Pers\u00f6nlichkeiten geh\u00f6ren, denen man immer alles vorschreiben muss, die keinen Biss haben und die unf\u00e4hig sind, Verantwortung f\u00fcr sich zu \u00fcbernehmen. Auch als Aufkl\u00e4rer in Sachen \u00bbechter Eigenverantwortung\u00ab werden Sie sich nicht gerade beliebt machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nie auf unrealistische Ziele festnageln lassen<\/strong><\/p>\n<p>Es hilft also nichts: Sie werden das Spiel mitspielen m\u00fcssen. Da Sie immerhin wissen, wie der Hase l\u00e4uft, k\u00f6nnen Sie versuchen, das Beste daraus zu machen. Das hei\u00dft: Lassen Sie sich niemals auf unrealistische Ziele festnageln. Nutzen Sie die Freiheiten und Gestaltungsspielr\u00e4ume, die Sie haben. Und wenn es keine gibt, fordern Sie sie ein oder nehmen Sie sich die Freiheiten einfach. Und schlie\u00dflich: Schlagen Sie Alarm, wenn es Schwierigkeiten gibt. Es sei denn, Sie k\u00f6nnen das Problem tats\u00e4chlich \u00bbeigenverantwortlich\u00ab l\u00f6sen. Ansonsten aber gilt: Holen Sie Ihren Chef mit ins Boot, wenn Sie ihn brauchen. Fordern Sie, dass er Sie unterst\u00fctzt, denn selbstverst\u00e4ndlich bleibt er mitverantwortlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>St\u00fchle wechseln: Wenn sich Mitarbeiter in den Chef versetzen sollen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen hin und wieder Entscheidungen treffen, die bei ihren Mitarbeitern gar nicht gut ankommen. Wom\u00f6glich formiert sich Widerstand, es gibt Gegenforderungen oder es wird sogar ein Ultimatum gestellt mit dem Ziel, dass die Entscheidung zur\u00fcckgenommen wird. Um solche unerfreulichen Entwicklungen gar nicht erst aufkommen zu lassen, spielen manche Vorgesetzte das Spiel \u00bbSt\u00fchle wechseln\u00ab. Dabei geht es darum, dass die Mitarbeiter sich in die schwierige Lage ihres Chefs hineinversetzen, um zu erkennen, dass der mal wieder die bestm\u00f6gliche Entscheidung getroffen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr wen ist das Spiel geeignet?<\/strong><\/p>\n<p>Das Spiel eignet sich f\u00fcr Vorgesetzte, die ihren Mitarbeitern einen unerfreulichen Beschluss verkaufen m\u00fcssen, egal, ob sie einem einzelnen\u00a0 Mitarbeiter die betr\u00fcbliche Mitteilung machen m\u00fcssen, dass nicht er, sondern sein unsympathischer Konkurrent die Projektleitung \u00fcbernimmt, oder ob sie der gesamten Belegschaft zu erkl\u00e4ren haben, dass sich irgendeine Regelung versch\u00e4rft hat, eine Verg\u00fcnstigung weg f\u00e4llt oder das Geld wieder einmal knapp ist. Auch wenn sich in j\u00fcngster Zeit in den F\u00fchrungsetagen der Organisation einige unerfreuliche Vorf\u00e4lle abgespielt haben, die erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig sind, kommt hin und wieder das \u00bbSt\u00fchle wechseln\u00ab zum Einsatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Spielverlauf<\/strong><\/p>\n<p>Das Spiel beginnt damit, dass der Vorgesetzte seinen Mitarbeitern die fragliche Entscheidung mitteilt und ihnen die n\u00e4heren Hintergr\u00fcnde erl\u00e4utert. Und w\u00e4hrend die Gesichter immer l\u00e4nger werden, vollzieht er den zweiten Spielzug: Er wechselt den Stuhl. Geistig, versteht sich. Das hei\u00dft, er versetzt sich in die Situation seiner Mitarbeiter, die, so wie die Dinge nun einmal liegen, ziemlich unerfreulich ist. Er sagt S\u00e4tze wie: \u00bbIch kann verstehen, wenn Sie jetzt bedr\u00fcckt sind.\u00ab Oder: \u00bbIch an Ihrer Stelle w\u00e4re jetzt auch entt\u00e4uscht. Nach der ganzen Arbeit, die Sie in dieses Projekt investiert haben.\u00ab Oder: \u00bbIch wei\u00df, dass Ihnen das v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich erscheint und Sie w\u00fctend auf mich sind. Ich an Ihrer Stelle w\u00e4re es auch.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verstehen Sie den Chef und es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen oder: es gab keine andere Wahl<\/strong><\/p>\n<p>Daraufhin folgt Spielzug Nummer drei: Ein Satz, der fast immer mit dem W\u00f6rtchen \u00bbaber\u00ab beginnt und der den Perspektivenwechsel vollendet: Die Zuh\u00f6rer sollen auch Sie, den Chef, verstehen. Unter den aktuellen Umst\u00e4nden h\u00e4tten Sie gar keine andere Wahl gehabt, als diese Entscheidung zu treffen.<\/p>\n<p>Es\u00a0folgen noch ein, zwei Erl\u00e4uterungen, die deutlich machen: Es h\u00e4tte ja noch viel schlimmer kommen k\u00f6nnen. Ja, eigentlich waren noch ganz andere Ma\u00dfnahmen in der Diskussion, die Sie aber abwenden konnten. Daran schlie\u00dft sich h\u00e4ufig, aber nicht zwingend, die klassische Frage an: Wenn jemand von den Mitarbeitern eine bessere L\u00f6sung in dieser Frage w\u00fcsste, dann, bitte sehr, sind Sie dankbar, sie zu erfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Meine T\u00fcr steht immer offen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Da im Normalfall niemand eine bessere L\u00f6sung aus dem Hut zaubert, kann das Spiel damit sein Bewenden haben. Es ist aber auch m\u00f6glich, das Spiel noch ein Weilchen weiter zu treiben. Der Chef bleibt geistig auf dem Stuhl der Mitarbeiter und versucht umgekehrt, seine Mitarbeiter st\u00e4ndig auf seinen Stuhl zu zwingen. Je nach dem H\u00e4rtegrad seiner Zumutung kann er auf Verst\u00e4ndnis hoffen. Oder auch nicht. Das ist aber auch kein Drama, denn der Chef \u00bbversteht\u00ab auch das \u00bbvollkommen\u00ab. Wom\u00f6glich beschlie\u00dft er seine Erkl\u00e4rungen mit folgenden S\u00e4tzen: \u00bbIch erwarte nicht, dass Sie diese Entscheidung gutheissen. Doch bitte ich Sie: Denken Sie einmal \u00fcber die Sache nach. Und wenn Sie Anregungen oder Vorschl\u00e4ge haben, bitte, meine T\u00fcr steht immer offen &#8230;\u00ab<\/p>\n<p>Und wenn durch die offene T\u00fcr tats\u00e4chlich ein Mitarbeiter mit einem Vorschlag oder einer Anregung kommt, wird er nicht etwa zur\u00fcckgewiesen. Nein, gleichg\u00fcltig, wie weltfremd, utopisch oder unbrauchbar der Vorschlag ist, der Vorgesetzte ist \u00bbdankbar\u00ab. Denn mit seinem Vorschlag dokumentiert der Mitarbeiter, dass er sich auf das Spiel eingelassen hat: Er nimmt den Platz seines Vorgesetzten ein, steht vor den gleichen Problemen, unterliegt den gleichen Sachzw\u00e4ngen und verf\u00fcgt doch nicht ann\u00e4hernd \u00fcber die gleichen Informationen.<\/p>\n<p>Geradezu ideal verl\u00e4uft der Stuhlwechsel, wenn sich der Vorgesetzte irgendein unwesentliches Detail herausgreifen kann, das er ber\u00fccksichtigen wird. Denn damit kann er gegen\u00fcber den Mitarbeitern immer darauf hinweisen, dass die Entscheidung \u00bbauf Ihren Wunsch\u00ab noch ver\u00e4ndert wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Mitarbeiter ins Boot holen<\/strong><\/p>\n<p>Selbstredend verwendet nicht jeder Vorgesetzte so viel M\u00fche auf den Stuhlwechsel, und nicht immer wird so viel M\u00fche aufzuwenden sein. Denn das h\u00e4ngt ganz von der Schwere des Falles ab. Das Ziel ist aber immer gleich: Die Mitarbeiter sollen die Entscheidung akzeptieren, sie sollen sie zumindest hinnehmen. Und dazu ist der Perspektivenwechsel das geeignete Mittel.<\/p>\n<p>Dass sich der Vorgesetzte seinerseits in die Rolle des Mitarbeiters versetzt, macht ihn in dieser Situation kaum angreifbar. Er kann ja alles verstehen \u2012 aus Mitarbeiterperspektive. Dass sich daraus leider keine nennenswerten Konsequenzen ergeben, ist eben Teil des Spiels.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefahren<\/strong><\/p>\n<p>Wird das Man\u00f6ver als reine Showveranstaltung empfunden, schafft es nicht gerade Vertrauen. Au\u00dferdem nutzt sich die Sache durch mehrmaligen Gebrauch ab. Wer sich immer wieder anh\u00f6ren muss, dass ihn sein Chef ja so gut verstehen kann, der f\u00fchlt sich irgendwann verschaukelt.<\/p>\n<p>Gegenstrategien Wenn es nur darum geht, dass Ihr Chef Ihnen schonend etwas beibringen will, das Sie ohnehin akzeptieren m\u00fcssen (Kollege bekommt Projektleitung), brauchen Sie keine Gegenstrategie. Ihre Interessen decken sich ja: Ihr Chef m\u00f6chte die Beziehung zu Ihnen nicht belasten. Das m\u00f6chten Sie ganz sicher auch nicht. Anders verh\u00e4lt es sich, wenn Sie dazu gebracht werden sollen, irgendeine Kr\u00f6te zu schlucken, die Ihr Vorgesetzter oder die Gesch\u00e4ftsleitung ausgebr\u00fctet hat.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen sich keineswegs auf den Stuhlwechsel einlassen. Sie sind ja gerade nicht der Vorgesetzte. Artikulieren Sie Ihre Interessen. Vielleicht lassen sich daraus konkrete Forderungen ableiten. Und vielleicht verf\u00fcgen Sie \u00fcber das eine oder andere Druckmittel (zum Beispiel Dienst nach Vorschrift machen, \u00d6ffentlichkeit herstellen, Arbeit niederlegen), mit dem Sie Ihren Forderungen Nachdruck verleihen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Auge zudr\u00fccken<\/strong><\/p>\n<p>In jeder Organisation gibt es Vorschriften, Anweisungen, Verfahrensregeln, die offiziell eingehalten werden m\u00fcssen. Im praktischen Leben weichen die Mitarbeiter jedoch davon ab. Sie vereinfachen sich die Sache, halten Dienstwege nicht ein, unterlaufen umst\u00e4ndliche Sicherheitsbestimmungen, verwenden leichteres, billigeres oder offiziell nicht zugelassenes Material, k\u00fcrzen vorgeschriebene Prozeduren ab. Dadurch erleichtern sie sich die Arbeit, werden schneller fertig und\/oder erzielen bessere Ergebnisse. Dar\u00fcber freut sich nat\u00fcrlich auch der Chef, zumal wenn er mit diesen besseren Ergebnissen seine Vorgaben bequem erreicht und\/oder seine Konkurrenten ausstechen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abweichen vom offiziellen Kurs\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite schafft dieses Abweichen vom offiziellen Kurs nat\u00fcrlich auch ein gravierendes Problem: Denn der Vorgesetzte ist nicht nur daf\u00fcr zust\u00e4ndig, dass seine Mitarbeiter eine m\u00f6glichst gute Leistung erbringen, sondern auch daf\u00fcr, dass alles mit rechten Dingen zugeht, also so, wie es vorgeschrieben ist. Werden Vorschriften \u00fcbertreten, so m\u00fcsste er das eigentlich unterbinden. Besonders dringlich ist das nat\u00fcrlich, wenn Sicherheitsbestimmungen verletzt oder irgendwelche krummen Sachen gedreht werden. Schreitet er hier nicht ein, so f\u00e4llt das auf ihn zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist der Hintergrund f\u00fcr das Spiel \u00bbein Auge zudr\u00fccken\u00ab. Dabei duldet der Vorgesetzte bestimmte Praktiken, die offiziell nicht erlaubt sind. Er tut das aber nur, solange er sie (scheinbar) nicht bemerkt. Dann w\u00fcrde er n\u00e4mlich sofort einschreiten und den Versto\u00df ahnden. Doch er dr\u00fcckt ein Auge zu: einmal als verschw\u00f6rerisches Augenzwinkern, vor allem aber, um die Abweichungen nicht mitzubekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorschriften unterlaufen lassen<\/strong><\/p>\n<p>Das Spiel kann sich auf einem ganz harmlosen Niveau abspielen: Der Vorgesetzte sieht es nicht so eng, wenn sein Mitarbeiter sich die Arbeit einfacher macht, indem er die Regeln \u00fcbertritt. Manche Vorschriften sind alte Z\u00f6pfe, die sich niemand abzuschneiden traut. Sie scheinen nur den Sinn zu haben, alles umst\u00e4ndlicher zu machen. Sie sind einfach nicht praxistauglich, sondern nur l\u00e4stig. Sie sind von Leuten erdacht, die keine Ahnung haben, wie der normale Arbeitsalltag abl\u00e4uft. Das meinen zumindest die Praktiker, die sich diese Vorschriften nach ihren Bed\u00fcrfnissen zurechtschneidern oder sie v\u00f6llig umgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn von Mitarbeitern erwartet wird, dass sie Vorschriften umgehen<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr k\u00f6nnen sie bei ihrem Vorgesetzten auf volles Verst\u00e4ndnis rechnen. Ja, es ist sogar m\u00f6glich, dass es von den Mitarbeitern erwartet wird, die Vorschriften zu umgehen. Weil es alle hier so halten \u2012 und noch keinem etwas passiert ist. Und weil es gar nicht m\u00f6glich ist, auf geradem Wege die Vorgaben einzuhalten. Die Verst\u00f6\u00dfe werden inoffiziell toleriert, aber nat\u00fcrlich nur unter der Voraussetzung, dass sie nicht im Gesichtskreis des Vorgesetzten stattfinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer sich erwischen l\u00e4sst, wird bestraft<\/strong><\/p>\n<p>Mitarbeiter, die mit dem Spiel noch nicht vertraut sind, begehen manchmal den Fehler, ihren Vorgesetzten den Regelversto\u00df merken zu lassen. Sie gehen davon aus, dass der doch ohnehin Bescheid wei\u00df und \u00fcber die Sache hinweggehen wird. Allerdings tut er das nicht, sondern ahndet den Versto\u00df, mitunter sogar recht streng. Der Mitarbeiter f\u00fchlt sich ungerecht behandelt, weil sich in seiner Abteilung doch alle so verhalten und ungestraft davonkommen. Erfahrene Kollegen erkl\u00e4ren ihm milde l\u00e4chelnd: \u00bbDu darfst dich eben nicht erwischen lassen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chef-Kontrollen, auf die alle vorbereitet sind<\/strong><\/p>\n<p>Unter Umst\u00e4nden f\u00fchrt der Vorgesetzte sogar Kontrollen durch, allerdings so, dass alle vorbereitet sind, m\u00f6gliche Spuren verwischen k\u00f6nnen und sich nur\u00a0der D\u00fcmmste erwischen l\u00e4sst, um den es niemandem leid tut. Geht es um etwas schwerere Verst\u00f6\u00dfe, kann er auch eine unabh\u00e4ngige Kontrollinstanz beauftragen, deren Aufgabe darin besteht, nichts Nennenswertes zu entdecken. Um die Kontrollinstanz bei dieser schwierigen Aufgabe zu unterst\u00fctzen, sind alle betroffenen Mitarbeiter aufgerufen, sich vorzusehen und sich keinesfalls erwischen zu lassen.<\/p>\n<p>Damit jedoch unter diesen erschwerten Bedingungen Normverst\u00f6\u00dfe noch weiter m\u00f6glich sind, wird zeitnah ein Fr\u00fchwarnsystem eingerichtet, das die Arbeit der Kontrollinstanz aufmerksam begleitet und in gewissem Sinne ja auch unterst\u00fctzt. Denn wer der Kontrollinstanz jetzt noch ins Netz geht, ist entweder dumm, tollk\u00fchn oder f\u00fchlt sich unangreifbar \u2012 alles keine Eigenschaften, mit denen man sich f\u00fcr die Organisation empfiehlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verg\u00fcnstigungen entziehen<\/strong><\/p>\n<p>Dass dieses Spiel auch dazu dient, kriminelle Machenschaften zu decken, sollte Ihnen nicht den Blick daf\u00fcr verstellen, dass es h\u00e4ufig um ganz harmlose Dinge geht, um simple Abweichungen vom vorgeschriebenen Weg, um Tricks, inoffizielle Arbeitserleichterungen, die auch der Mitarbeiter selbst ins Spiel bringt. So berichtete mir ein Angestellter, dass es ihm inoffiziell gestattet war, eine bestimme Software zu nutzen, weil er mit der Firmensoftware nicht zurechtkam. Jeder wusste davon, doch h\u00e4tte er das nie offen aussprechen d\u00fcrfen. Er musste den Schein wahren, und alle anderen auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Inoffizielle Arbeitserleichterungen &#8211; die sich auch als Druckmittel eignen<\/strong><\/p>\n<p>Weil sie den Mitarbeitern zugute kommen, eignen sich diese inoffiziellen Verg\u00fcnstigungen auch als Druckmittel. Wollen die Mitarbeiter nicht so, wie der Vorgesetzte will, k\u00fcndigt er an: \u00bbIch werde es nicht l\u00e4nger hinnehmen, dass sich hier keiner an die Regeln h\u00e4lt. Jeder glaubt, er kann tun, was er will. So geht es nicht!\u00ab Er droht mit Sanktionen und macht zum Erstaunen seiner Mitarbeiter zeitweise sogar ernst damit, bis sich das Verh\u00e4ltnis wieder entspannt und alle wieder harmonisch zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Vorgesetzten trifft nie eine Schuld<\/strong><\/p>\n<p>Der Hauptnutzen dieses Spiels besteht wieder einmal darin, Verantwortung loszuwerden. Nat\u00fcrlich gilt der Vorgesetzte als der Verantwortliche f\u00fcr alles, was in seiner Abteilung passiert. Aber was sich hinter seinem R\u00fccken abspielt, daf\u00fcr wird er nicht im Ernst zur Rechenschaft gezogen. Es sei denn, ihm wird im Zuge des \u00bbSchuldschiebens\u00ab die Verantwortung\u00a0 aufgeladen. Ansonsten kann er sich immer darauf berufen, von allem nichts gewusst zu haben. Wenn das glaubhaft ist, geht es allenfalls um die Frage, ob er von den Vorf\u00e4llen \u00bbh\u00e4tte wissen m\u00fcssen\u00ab \u2012 was schon sehr viel vager klingt und viel Spielraum l\u00e4sst, den Vorgesetzten zu entlasten \u2012 wenn man will. Und meist will man.<\/p>\n<p>Denn f\u00fcr jede Organisation bedeutet es eine eklatante Schw\u00e4chung, wenn sie st\u00e4ndig ihr F\u00fchrungspersonal auswechseln muss. Abgesehen davon w\u00fcrden die Verantwortlichen nur noch extrem defensiv agieren, wenn sie wirk lich f\u00fcr alles zur Verantwortung gezogen w\u00fcrden, was hinter ihrem\u00a0 R\u00fccken passiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unter dem Zwang der Verh\u00e4ltnisse<\/strong><\/p>\n<p>Nun muss es keineswegs so sein, dass in Wahrheit den Vorgesetzten die Schuld trifft, nicht nur, weil es oft die Mitarbeiter sind, die sich unter dem Zwang der Verh\u00e4ltnisse ihre Arbeit vereinfacht haben. Manche Abweichung vom offiziellen Weg hat sich im Laufe der Jahre eingeschliffen und bew\u00e4hrt. Der Vorgesetzte k\u00f6nnte den Kampf gegen diese Missst\u00e4nde aufnehmen, doch ist die Chance sehr hoch, dass er damit scheitert. Daher ist es ein Gebot politischer Klugheit, bei den kleinen Abweichungen tats\u00e4chlich ein Auge zuzudr\u00fccken und das Spiel so zu spielen, wie ich es hier geschildert habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur wenige Vorgesetzte r\u00e4umen auf, legen S\u00fcmpfe trocken<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorgesetzte ger\u00e4t jedoch schnell auf vermintes Gel\u00e4nde, wenn die Abweichungen nicht mehr so harmlos sind, wenn es sich um die bereits erw\u00e4hnten krummen Dinger dreht. Man w\u00fcrde nat\u00fcrlich erwarten, dass ein halbwegs integerer Vorgesetzter da einschreitet, dass er aufr\u00e4umt und gegebenenfalls den Sumpf trockenlegt. Doch das scheint sehr viel leichter gesagt als getan zu sein. Geh\u00f6ren solche Machenschaften wie etwa Korruption zu den \u00fcblichen Gepflogenheiten, so bringen offenbar nur wenige Vorgesetzte den Mut auf, dagegen anzugehen. Vielmehr scheinen sie in diesem Fall gleich beide Augen zuzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Augen zu \u2012 von oben nach unten. Im Zweifel gibt sich der Chef entsetzt<\/strong><\/p>\n<p>Das Spiel kann in gro\u00dfem Stil angelegt sein und die ganze Organisation durchziehen. Die oberste F\u00fchrungsebene hat keine Ahnung, welche schmutzigen Gesch\u00e4fte an der Basis laufen. Dabei werden Vorgaben gemacht, die sich nur durch mehr oder weniger regelkonforme Abk\u00fcrzungen einhalten lassen. Solange die Sache gut geht, will niemand so genau hinschauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nichts gewusst, get\u00e4uscht worden &#8211; und in der Branche \u00fcblich<\/strong><\/p>\n<p>Das Gleiche gilt auch f\u00fcr den Umgang mit Zulieferern oder Gesch\u00e4ftspartnern. Es werden Auftr\u00e4ge ausgeschrieben, die sich realistischerweise nur erf\u00fcllen lassen, wenn an der einen oder anderen Stelle nachgeholfen wird. Fliegen diese Praktiken auf, so gibt sich der Auftraggeber entsetzt. Davon habe man nichts gewusst, man sei von seinem Gesch\u00e4ftspartner get\u00e4uscht worden. Und dieser Gesch\u00e4ftspartner hat nat\u00fcrlich auch eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr seine Machenschaften: Auf andere Weise h\u00e4tte er den Auftrag gar nicht bekommen. Und \u00fcberhaupt sei das in der Branche \u00fcblich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefahren<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00bbAugenzudr\u00fccken\u00ab macht die Organisation geschmeidiger, doch ist es irritierend, wenn f\u00fcr die Mitarbeiter nicht klar ist, welche Ma\u00dfst\u00e4be denn nun gelten. Und erst recht zerst\u00f6rt es das Vertrauen, wenn der Vorgesetzte seine Leute im Regen stehen l\u00e4sst und sich ahnungslos gibt. Die Mitarbeiter m\u00fcssen verstehen, wie das Spiel l\u00e4uft, welche Abk\u00fcrzungen sie nehmen d\u00fcrfen und unter welchen Bedingungen. Extrem gef\u00e4hrlich wird es, wenn der Vorgesetzte krumme Touren duldet. M\u00f6glicherweise wird er dadurch erpressbar. Und wenn die Sache auffliegt, ist fraglich, ob er sich wirklich aus der Verantwortung stehlen kann. Etwas wird gewiss an ihm kleben bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gegenstrategien &#8211; wenn die Leistung auf offiziellem Weg unerreichbar ist\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Solange das Spiel f\u00fcr Sie durchschaubar bleibt und es nur um die kleinen Abk\u00fcrzungen geht, k\u00f6nnen Sie es mitspielen. Es haben ja alle etwas davon. Unter Umst\u00e4nden bleibt Ihnen auch gar keine andere Wahl, weil Sie Ihre Leistung gar nicht erbringen k\u00f6nnen, wenn Sie sich an den offiziellen Weg halten. In diesem Fall k\u00f6nnten Sie schon versuchen, den Vorgesetzten ein wenig festzunageln \u2012 sofern es sich nicht gerade um irgendwelche pers\u00f6nlichen Vorlieben handelt (wie bei dem Beispiel mit der Software). Es ist n\u00e4mlich nicht in Ordnung, dass Sie Ihre Arbeit nur dann erledigen k\u00f6nnen, wenn Sie von dem offiziellen Weg abweichen und dann f\u00fcr die Abweichungen bestraft werden.<\/p>\n<p>Wenn m\u00f6glich, sollten Sie Ihren Chef \u00fcber Ihr Dilemma informieren. Es geht darum, dass Sie ihn ins Boot holen, dass Sie sich absichern und vermeiden, dass der Regelversto\u00df, von dem auch Ihr Vorgesetzter profitiert, an Ihnen h\u00e4ngen bleibt. Und was die krummen Dinger betrifft, so gibt es nur eine Gegenstrategie: Lassen Sie die Finger davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das \u00bbSei-kein-Arschloch\u00ab-Spiel<\/strong><\/p>\n<p>Unser Selbstwertgef\u00fchl beruht nicht nur darauf, dass wir viel leisten und wirksam sind. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass wir meinen: Im Gro\u00dfen und Ganzen sind wir moralisch in Ordnung, loyal und vertrauensw\u00fcrdig. In der Welt w\u00fcrde es besser zugehen, wenn sich unsere Mitmenschen genauso anst\u00e4ndig verhalten w\u00fcrden wie wir. Kaum jemand meint von sich, dass er wirklich unmoralisch ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jeder strebt danach, sich f\u00fcr einen &#8222;anst\u00e4ndigen&#8220; Menschen zu halten\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Kommt es doch mal vor, dass wir nicht nach unseren eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben handeln, dann machen wir die Umst\u00e4nde daf\u00fcr verantwortlich. Wir konnten nicht anders. Oder wir waren nicht ganz bei uns. Eine absolute Ausnahme. Wer hingegen gewohnheitsm\u00e4\u00dfig Normen bricht, der hat nicht selten einen strengen \u00bbEhrencodex\u00ab. Dass der eingehalten wird, gleicht die Dinge wieder aus \u2012 und sorgt daf\u00fcr, dass man sich f\u00fcr einen besonders \u00bbanst\u00e4ndigen\u00ab Menschen halten kann. Danach streben wir alle. Denn nur dann f\u00fchlen wir uns gut, mit uns selbst im Reinen. Gewissensbisse und Schuldgef\u00fchle sind belastend beim Spiel um die Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau an dieser Stelle setzt ein ausgesprochen softes und defensives Machtspiel an. Der Gegenspieler soll davon abgehalten werden, seine Machtposition auszunutzen. Und zwar einzig und allein dadurch, dass man ihm zu verstehen gibt: Wenn Sie das tun, dann verhalten Sie sich unfair, unmoralisch, niedertr\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Das mag als sehr schwaches Druckmittel erscheinen. Doch sollten Sie es nicht untersch\u00e4tzen. Wenn es fr\u00fchzeitig ins Spiel gebracht wird, kann es au\u00dferordentlich wirksam sein. Und zwar nicht nur wenn die M\u00f6glichkeit besteht, die fragw\u00fcrdigen Man\u00f6ver des Gegenspielers auf die Vorderb\u00fchne zu bringen. Manchmal ist es ausreichend, ihm gewisserma\u00dfen vorauseilend den Spiegel vorzuhalten, um ihn von seinem Tun abzuhalten. Er soll erkennen: Wenn ich so handle, mache ich mich zum B\u00f6sewicht. Nicht nur in den Augen der anderen, sondern auch in meinen eigenen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur die besten Absichten unterstellen<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00bbSei kein Arschloch\u00ab-Spiel hat vor allem dann Aussicht auf Erfolg, wenn der Anschein gewahrt bleibt, der Gegenspieler habe sich selbst entschieden, seine Machtposition nicht auszunutzen. Er ist ein so fairer, anst\u00e4ndiger Mensch, dass er es \u00bbnicht n\u00f6tig\u00ab hat, Sie zu sch\u00e4digen. Er kommt Ihnen sogar noch entgegen. Sie belohnen ihn daf\u00fcr mit dem angenehmen Gef\u00fchl, ein guter Mensch zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, Sie d\u00fcrfen den anderen nicht merken lassen, dass Sie ihm unterstellen, er k\u00f6nnte auch anders. Nein, Sie lassen ihn sp\u00fcren, dass Sie davon ausgehen, er werde sich anst\u00e4ndig verhalten. Gleichzeitig m\u00fcssen Sie ihm vor Augen f\u00fchren, was f\u00fcr schlechte Menschen das sind, die r\u00fccksichtslos ihren eigenen Vorteil durchsetzen und ihre Mitmenschen sch\u00e4digen. Im Idealfall halten Sie ihn nicht nur davon ab, sich so zu verhalten. Sie bringen ihn auch noch dazu, diejenigen zu verurteilen, die sich \u00fcber die moralischen Skrupel hinwegsetzen. Ein Hinweis noch: Das \u00bbSei kein Arschloch\u00ab-Spiel funktioniert nur in einem Umfeld, in dem zumindest die Illusion aufrechterhalten wird, dass man anst\u00e4ndig miteinander umgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefahren<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Spiel k\u00f6nnen Sie nahezu gefahrlos betreiben. Allenfalls riskieren Sie, dass man an Ihr eigenes Verhalten \u00e4hnliche Ma\u00dfst\u00e4be anlegt. Dann sehen Sie sich heftiger Kritik ausgesetzt, wenn sich das Blatt wendet und Sie selbst nicht z\u00f6gern, Ihre Machtposition auszusch\u00f6pfen. Doch das ist ein ganz neuer Fall. Und hohe Anspr\u00fcche an das Verhalten anderer haben noch niemanden davon abgehalten, sich selbst allerlei Freiheiten herauszunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gegenstrategien: Unbeeindruckt bleiben, wenn andere einen ablehnen<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben es bereits angesprochen: Das \u00bbSei kein Arschloch\u00ab-Spiel ist sehr defensiv ausgerichtet und hat eigentlich nur Aussicht auf Erfolg, wenn Sie sich von den Fairplay-Appellen erreichen lassen. Ist das so, dann brauchen Sie keine Gegenstrategie. Sie folgen ja nur ihren ethischen Grunds\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Versierte Machtspieler lassen sich von diesem Spiel wenig beeindrucken. Sie durchschauen sofort, auf welchem Register die anderen spielen. Und sie haben keinerlei Scheu, sich bei den anderen unbeliebt zu machen. Das ist ja ohnehin eine Grundvoraussetzung, um dauerhaft eine Machtposition einzunehmen. Man darf sich nicht allzu sehr davon beeindrucken lassen, dass andere Menschen einen ablehnen. Doch nun m\u00f6chten auch und gerade diejenigen, die sich im Machtgef\u00fcge recht weit oben befinden, gute Menschen sein, die sich nichts vorzuwerfen haben. Dies l\u00e4sst sich auf zweifache Art erreichen: Die (ohnehin etwas feingesponnenen) Einw\u00e4nde nimmt man gar nicht wahr. Oder man wertet diejenigen ab, die sie vorbringen. Es l\u00e4sst sich sehr leicht behaupten: Die verfolgen ihre eigenen fragw\u00fcrdigen Interessen, denen man entschieden entgegentreten muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Entt\u00e4uschungsspiel<\/strong><\/p>\n<p>Unser kleines Kabinett von Soft-Power-Spielen w\u00e4re unvollst\u00e4ndig, wenn wir nicht wenigstens einen Vertreter der Kategorie \u00bbSpiele auf der Klaviatur der Gef\u00fchle\u00ab vorstellen w\u00fcrden. Das \u00bbEntt\u00e4uschungsspiel\u00ab nimmt hier einen herausragenden Platz ein \u2012 vergleichbar etwa mit dem \u00bbOpferspiel\u00ab, das jedoch eher von unten nach oben gespielt wird, w\u00e4hrend mit dem Entt\u00e4uschungsspiel vornehmlich der Vorgesetzte einzelne Mitarbeiter unter Druck setzen kann.<\/p>\n<p>Aber \u2012 das gilt sowohl f\u00fcr das Opfer-, wie f\u00fcr das Entt\u00e4uschungsspiel \u2012 beide k\u00f6nnen auch in der Gegenrichtung gespielt werden: Der Vorgesetzte kann sich als beklagenswertes Opfer ins Spiel bringen (erst recht im Rahmen eines Soft-Power-Spiels) und der Mitarbeiter kann seinen Vorgesetzten mit der scharfen Waffe der Entt\u00e4uschung qu\u00e4len.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr wen geeignet? Entt\u00e4uschung ist kostbar &#8211; und sollte nicht an jeden verschwendet werden\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zwingend erforderlich ist ein intaktes pers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis zwischen dem entt\u00e4uschten Vorgesetzten und seinem entt\u00e4uschenden Mitarbeiter. Das Spiel kommt vor allem f\u00fcr, sagen wir: hochwertige Beziehungen in Frage. Von Mitarbeitern, an denen Ihnen nichts liegt, sollten Sie nicht einmal im Spiel entt\u00e4uscht sein. Denn Sie entwerten Ihre Entt\u00e4uschung, wenn Sie \u00fcber alles und jedes entt\u00e4uscht sind. Entt\u00e4uschung ist etwas Kostbares, das Sie nicht an jeden verschwenden sollten, der sich Ihrem Willen widersetzt.<\/p>\n<p>Entt\u00e4uschung will verdient sein. Und noch etwas sollten Sie im Auge behalten: Gef\u00fchlskalte Karrieremenschen werden Sie mit dem Entt\u00e4uschungsspiel nicht erreichen, wom\u00f6glich werden Sie bei denen eher Erheiterung ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Spielverlauf<\/strong><\/p>\n<p>Wie beim Opferspiel geht es auch beim Entt\u00e4uschungsspiel um emotionale Verstrickung. Auch hier m\u00fcssen Sie zun\u00e4chst einmal eine gute Beziehung zu Ihrem Gegenspieler aufbauen. Als Vorgesetzter sind Sie in einer privilegierten Situation. Im Normalfall versuchen Mitarbeiter, ihrem Vorgesetzten zu gefallen, seine Anerkennung zu bekommen. Denn sie sind von ihm abh\u00e4ngig, wie sie nur allzu gut wissen. Wenn ihr Vorgesetzter wollte, dann k\u00f6nnte er etwas f\u00fcr sie tun, ihre Arbeit erleichtern, ihnen interessante Aufgaben geben, l\u00e4stige Kollegen vom Hals halten und vieles mehr. Wenn er sie hingegen nicht mag \u2026 Einer aktuellen Studie zufolge ist ein schlechtes Verh\u00e4ltnis zum Chef K\u00fcndigungsgrund Nummer eins. Kaum jemand h\u00e4lt es l\u00e4nger aus, wenn der Chef gegen ihn ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Mitarbeiter anerkennen und allm\u00e4hlich \u00fcberfordern<\/strong><\/p>\n<p>Umgekehrt hei\u00dft das: Wenn Sie eine gute Beziehung aufbauen wollen, werden Sie offene T\u00fcren einrennen. Dabei greift eins ins andere, da Sie als Chef den Mitarbeiter ja tats\u00e4chlich sch\u00e4tzen. Darum wollen Sie ja \u00fcberhaupt Macht \u00fcber ihn. Und dazu m\u00fcssen Sie ihn erst einmal emotional an sich binden. Als Vorgesetzter, versteht sich. Sie geben ihm Anerkennung, Sie f\u00f6rdern ihn \u2012 und Sie fordern ihn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das grausame Entt\u00e4uschungsspiel<\/strong><\/p>\n<p>Hier liegt bereits das Scharnier, an dem das eher freundliche Spiel, das bis hierher dem Spiel des Lobens so \u00e4hnlich scheint, umklappt in das grausame Entt\u00e4uschungsspiel. Denn Sie fordern den anderen nicht nur, Sie \u00fcberfordern ihn allm\u00e4hlich \u2012 nicht allzu sehr, aber doch immerhin genug, um entt\u00e4uscht zu sein, dass er das, was Sie sich von ihm versprochen haben, nicht erreicht hat. Und wenn Sie bis hierher alles richtig gemacht haben, wird dies Ihren Gegenspieler entsetzlich wurmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Folgenden setzen Sie ihn immer wieder unter Entt\u00e4uschungsdruck: Wenn er nicht das tut, was Sie wollen, sind Sie entt\u00e4uscht. Wenn er sich eine Aufgabe nicht zutraut, sind Sie entt\u00e4uscht. Wenn er f\u00fcr Ihr Anliegen gerade keine Zeit hat \u2026 Sie haben das Prinzip begriffen. Dabei ist es unabdingbar, den Mitarbeiter immer wieder aufzubauen, ihm einzuh\u00e4mmern, dass Sie an ihn glauben. Aber er muss wissen: Wenn er nicht spurt, setzt es den Peitschenhieb der Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Spieler macht sich abh\u00e4ngig, um zu kontrollieren<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht halten Sie das Entt\u00e4uschungsspiel nur f\u00fcr die schwarze Schwester des wei\u00dfen Spiels des Lobens. Doch gibt es einen wichtigen Unterschied: W\u00e4hrend beim Loben der Vorgesetzte \u00fcber der ganzen Angelegenheit schwebt und seine Lobportionen austeilt, ist er hier regelrecht verstrickt. Er macht \u00fcberhaupt gar keinen Hehl daraus, dass er auf den Mitarbeiter angewiesen ist. Im Gegenteil, er \u00fcbertreibt diese Abh\u00e4ngigkeit, bis es dem Mitarbeiter im Gewissen schmerzt. \u00bbIch brauche Sie\u00ab, lautet die Botschaft, \u00bbSie d\u00fcrfen mich einfach nicht h\u00e4ngen lassen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er plant den Mitarbeiter einfach nach seinen Vorstellungen ein, er rechnet fest mit ihm, weil sonst das ganze Projekt kippt. \u00bbIch wei\u00df, Sie schaffen das, Frau Goldbach\u00ab, verk\u00fcndet der Chef \u2012 und droht unterschwellig mit ma\u00dfloser Entt\u00e4uschung, wenn seine Mitarbeiterin die Erwartungen nicht erf\u00fcllt. Daher wird Frau Goldbach alles tun, dem Vertrauen ihres Chefs gerecht zu werden. Und danach wartet dann der n\u00e4chste dicke Fisch, der ebenfalls gefangen und zerlegt werden muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zum Entt\u00e4uschungsspiel dazu, dass mit der Entt\u00e4uschung nicht nur gedroht wird, sondern dass der Mitarbeiter sie auch hin und wieder zu schmecken bekommt. Irgendetwas l\u00e4sst sich immer finden, was nicht gut gelaufen ist, erst recht, wenn der Mitarbeiter \u00fcberlastet ist. An dem Grad seiner Zerknirschung kann der Vorgesetzte ablesen, wie viel Macht er aktuell noch \u00fcber seine Spitzenkraft besitzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gl\u00e4nzende Aussichten<\/strong><\/p>\n<p>Das Entt\u00e4uschungsspiel wird gerne in Verbindung mit dem Spiel \u00bbgl\u00e4nzende Aussichten\u00ab gespielt. Denn auch die sind es, mit denen der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter antreibt, und nicht nur mit Lob und Anerkennung. Die gl\u00e4nzenden Aussichten bleiben h\u00e4ufig unbestimmt oder werden halb im Scherz ge\u00e4u\u00dfert, au\u00dferdem lassen sie sich mit dem Entt\u00e4uschungsspiel wieder in weite Ferne r\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Spiel mit Gef\u00fchlen: Sie sind nicht echt und ein Mittel, um zu g\u00e4ngeln<\/strong><\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet geht bei dem Entt\u00e4uschungsspiel alles mit rechten Dingen zu. Es ist nur allzu verst\u00e4ndlich, dass ein Vorgesetzter ged\u00e4mpft reagiert, wenn ein Mitarbeiter die Hoffnung, die er in ihn setzt, nicht erf\u00fcllt. Das wenig Menschenfreundliche bei diesem Spiel liegt denn auch gar nicht darin, dass sich der Vorgesetzte \u00fcber seinen Mitarbeiter \u00e4rgert und von ihm entt\u00e4uscht ist. Das Bedenkliche, ja Absto\u00dfende ist vielmehr, dass seine Gef\u00fchle nicht echt sind, dass sie ein Mittel sind, um den Mitarbeiter zu g\u00e4ngeln. Seine Entt\u00e4uschung ist nicht angemessen. Um Druck auszu\u00fcben, reagiert der Vorgesetzte entt\u00e4uschter, als es ihm eigentlich zusteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefahren: Das Spiel wird durchschaut<\/strong><\/p>\n<p>Spielt der Chef allzu oft auf dem Entt\u00e4uschungsregister, nutzt sich der Effekt allm\u00e4hlich ab. Der Mitarbeiter nimmt die Sache nicht mehr ganz so ernst. Und wenn er das Spiel durchschaut und die Absicht bemerkt, ist der Schaden betr\u00e4chtlich. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis, auf dem das Entt\u00e4uschungsspiel ja letztlich aufbaut, wird durch solche Man\u00f6ver zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gegenstrategien: Wenn die Leistung nur dem Chef zugute kommt &#8211; die Entt\u00e4uschung abprallen lassen,\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Schritt besteht darin, dass Sie als Mitarbeiter das Spiel \u00fcberhaupt durchschauen. Das ist h\u00e4ufig schwer genug, denn schlie\u00dflich entwickelt es sich ja aus einem guten pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnis heraus. Sie f\u00fchlen sich von Ihrem Chef anerkannt und hoch gesch\u00e4tzt \u2012 die Entt\u00e4uschung ist ja nur die Kehrseite davon. Dass er Sie vereinnahmt, k\u00f6nnen Sie ihm eigentlich nicht vorwerfen. Er fordert Sie und verlangt Ihnen H\u00f6chstleistungen ab \u2012 das ist doch eigentlich etwas Positives. Solange sich das Spiel auf diesem Niveau bewegt, k\u00f6nnen Sie durchaus mitspielen \u2012 sogar wenn Sie vermuten, dass die Entt\u00e4uschung von Ihrem Chef manchmal \u00fcberdramatisiert ist.<\/p>\n<p>Bedenklich wird es jedoch, wenn Sie ausgenutzt werden. Wenn Sie sich aufreiben und diese Leistung nicht Ihnen zugute kommt, sondern ausschlie\u00dflich Ihrem Chef. Dann wird es h\u00f6chste Zeit, dass Sie sich aus dieser emotionalen Verstrickung l\u00f6sen. Zeigen Sie Ihrem Chef, dass er mit seiner Entt\u00e4uschungsnummer keine Macht \u00fcber Sie hat. Haben Sie den Mut, seine Entt\u00e4uschung einfach an sich abprallen zu lassen. Sie werden feststellen, wie Ihnen pl\u00f6tzlich wieder Macht zuw\u00e4chst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus Matthias N\u00f6llkes \u201eMachtspiele\u201c : Machtdynamiken im B\u00fcro, typische Machtsituationen und ihr wahrer Sinn und Zweck &#8211; vom allt\u00e4glichen Machtgepl\u00e4nkel bis hin zur b\u00f6sartigen Intrige.\u00a0 &nbsp; &nbsp; Soft-Power-Spiele Was du zusammendr\u00fccken willst, das musst du erst richtig sich ausdehnen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/07\/25\/buchauszug-matthias-noellke-machtspiele\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,1983,4300,6777],"class_list":["post-665165","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-haufe-verlag","tag-machtspiele","tag-matthias-noellke"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=665165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/665165\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=665165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=665165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=665165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}