{"id":665138,"date":"2017-08-21T01:52:03","date_gmt":"2017-08-20T23:52:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=665138"},"modified":"2017-08-21T12:51:39","modified_gmt":"2017-08-21T10:51:39","slug":"buchauszug-katharina-muenk-mal-eben-kurz-den-chef-retten-die-heimlichen-fuehrungskraefte-im-vorzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/08\/21\/buchauszug-katharina-muenk-mal-eben-kurz-den-chef-retten-die-heimlichen-fuehrungskraefte-im-vorzimmer\/","title":{"rendered":"Buchauszug Katharina M\u00fcnk: &#8222;Mal eben kurz den Chef retten &#8211; Die heimlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte im Vorzimmer&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus Katharina M\u00fcnks\u00a0&#8222;Mal eben kurz den Chef retten &#8211; Die heimlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte im Vorzimmer&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665748\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665748\" class=\"size-full wp-image-665748\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/muenk-katharina.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"585\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/muenk-katharina.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/muenk-katharina-300x270.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/muenk-katharina-333x300.jpg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-665748\" class=\"wp-caption-text\">Katharina M\u00fcnk<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Schweigen der M\u00e4nner \u2013 Kommunikation 4.0<\/strong><\/p>\n<p>Kennen Sie das? Es gibt Menschen, die uns \u2013 kaum dass wir sie sehen \u2013 mit sich selbst und ihrem Leben \u00fcbersch\u00fctten und uns besinnungslos quatschen oder bloggen. Und es gibt Menschen, die uns bet\u00f6ren, denen wir eine Aura des Undurchschaubaren und der Souver\u00e4nit\u00e4t zuschreiben \u2013 ganz einfach, weil sie erst einmal die Klappe halten. Weil sie hoffnungsvolle Bilder in unserem Kopf entstehen lassen, bevor sie ein einziges Wort gesagt oder geschrieben haben. Wortloses Gl\u00fcck. Stille. Ruhe. Denken statt h\u00f6ren oder reden. Quelle der Kreativit\u00e4t. Keine Antworten. Und auch keine Fragen. Handlungsspielraum. Niemand, der einem dazwischenquatscht. Ja, so sch\u00f6n kann Schweigen sein!<\/p>\n<p>Haben Sie das auch mal so gesehen? Oder f\u00e4llt Ihnen dieser Blickwinkel eher schwer? Vielleicht m\u00f6chten Sie schon morgens am liebsten das Kaffeepulver direkt durch die Nase ins Hirn saugen, weil Ihr Chef nichts von sich gibt au\u00dfer einer SMS um 7.30 Uhr irgendwo aus seiner digitalen Cloud und um 8.30 Uhr einem hingenuschelten Laut wie aus der Tierwelt: \u00bbMorgn\u00ab (Guten Morgen). Weitere Kontaktaufnahme Fehlanzeige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wortkargheit und Schweigen sind gar keine Ignoranz<\/strong><\/p>\n<p>Im beruflichen Kontext, gerade aus der Wahrnehmung einer Assistentin vis-\u00e0-vis ihres Vorgesetzten heraus, werden Wortkargheit und Schweigen oft vorschnell mit Ignoranz und Unfreundlichkeit gleichgesetzt, die Frau im schlimmsten Falle auch noch auf sich selbst bezieht. Das ist ein Trugschluss. Es f\u00e4ngt schon mit der Definition an. M\u00e4nner sagen: \u00bbIch mache wenig Worte\u00ab oder\u00a0\u00bbIch bin sehr pr\u00e4zise\u00ab und denken nicht weiter dar\u00fcber nach. Frauen sagen augenrollend: \u00bbEr schweigt. He does not speak\u00ab und suchen gr\u00fcbelnderweise nach Gr\u00fcnden \u2013 oft f\u00fcr den Rest ihres Lebens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-665751\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.m\u00fcnk.jpg\" alt=\"\" width=\"408\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.m\u00fcnk.jpg 408w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/08\/cover.m\u00fcnk-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/>\u00a0 \u00a9 Campus Verlag<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andere nehmen das Schweigen ihrer Chefs als Schicksal hin, naturgegeben und unabdingbar: Eine Teilnehmerin behauptete in einem Seminar, ihr Chef sei zwar physisch gesund und nicht stumm, aber er sei eben ein \u00bbSchweiger\u00ab. Da k\u00f6nne man nichts machen. Sie sagte das in einer Weise, als erz\u00e4hle sie die Geschichte eines Fisches, den sie kaum zu fassen kriegt und der dann schnell wieder ins Wasser springt, wenn sie ihn fragt, ob sie kurz mit ihm reden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Schweige-Ping-Pong<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin mir nicht sicher, ob der Chef dieser Frau tats\u00e4chlich ein \u00bbSchweiger\u00ab war, nur weil sie ihn als solchen wahrnahm. Schlie\u00dflich w\u00fcrde ich irgendwann auch nichts mehr sagen, wenn mir jemand nonverbal signalisiert, dass er mich mit einem stummen Fisch vergleicht, dass er das nicht gut findet, dass er \u00fcberhaupt die Schublade mit der\u00a0\u00bbSchweiger-Sammlung\u00ab darin schon ganz weit aufgezogen hat \u2013 und im \u00dcbrigen demzufolge selbst schweigt. Und fertig ist das Schweige-Ping-Pong-Spiel.<\/p>\n<p>Irgendwann gr\u00fc\u00dft so ein Chef noch nicht einmal mehr, vielleicht weil er gerade viel im Kopf hat. \u00bbDas kann ich auch\u00ab, denkt seine Assistentin, und zack, gr\u00fc\u00dft sie auch nicht mehr. Erst werden die Lippen schmaler, und irgendwann kommen \u00fcberhaupt keine Worte mehr. Sie macht dicht. Innere Immigration. Abends sitzt sie dann schweigend in der U-Bahn mit vielen anderen schweigenden Menschen im vergleichsweise miesepetrigen Deutschland. Und der Chef sagt zeitgleich zu seiner Frau: \u00bbMeine Sekret\u00e4rin kriegt den Mund nicht auf.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Effienzkiller und Zeitfresser im Job: Missverst\u00e4ndnisse<\/strong><\/p>\n<p>Simple Missverst\u00e4ndnisse, an denen sich die Worte oder das Schweigen hochschaukeln, sind wohl das Minenfeld schlechthin. Die Besch\u00e4ftigung mit mangelnder oder falscher Kommunikation und den daraus resultierenden Problemen kann eine Arbeitsstunde und mehr pro Tag kosten. Wenn Sie sich f\u00fcnf Minuten \u00fcber etwas aufregen, kann es Sie unbewusst noch bis zu sechs Stunden besch\u00e4ftigen. Die Reibungsverluste, die dadurch allein schon rein betriebswirtschaftlich entstehen, werden kolossal untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Eigentlich bin ich ganz symphatisch, wenn ich allein bin&#8220; (Chef-O-Ton)<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist die Kommunikation an und f\u00fcr sich doch ein geniales Werkzeug der Verst\u00e4ndigung, \u00fcber das die Tierwelt nicht in derselben Bandbreite verf\u00fcgt. Und trotzdem haben wir es in den B\u00fcros und Sekretariaten dieser Welt immer noch mit stummen Fischen, bellenden Doberm\u00e4nnern, scheuen Rehen oder heulenden W\u00f6lfinnen zu tun. In Sachen Kommunikation wird den deutschen F\u00fchrungskr\u00e4ften immer noch ein eher schlechtes Zeugnis ausgestellt. Wir sind heute so mit dem digitalen Wortschwall um uns herum besch\u00e4ftigt, dass f\u00fcr dar\u00fcber hinausgehende, verbal ge\u00e4u\u00dferte Worte keine Kapazit\u00e4ten mehr zu Verf\u00fcgung stehen. Da sagt ein Chef: \u00bbEigentlich bin ich ganz sympathisch, wenn ich allein bin.\u00ab Das l\u00e4sst tief blicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schreiben ist das neue Reden &#8211; wegen mangelnder r\u00e4umliche N\u00e4he<\/strong><\/p>\n<p>Hierarchien und Autorit\u00e4ten m\u00f6gen heute zunehmend aufgeweicht sein, es scheint weniger cholerische oder launische Vorgesetzte zu geben. Aber liegt das daran, dass wir B\u00fcromenschen etwa edler und feiner geworden w\u00e4ren, oder nicht eher an der mangelnden r\u00e4umlichen N\u00e4he? Ein befreundeter Key-Accounter bei einem Beratungs-<br \/>\nunternehmen arbeitet \u00bbnon-territorial\u00ab, er hat innerhalb der Firma keinen festen Arbeitsplatz. \u00bbWie soll mein Chef mich da auch finden?\u00ab, gibt er zu und merkt an: \u00bbWir kommunizieren elektronisch. Ich k\u00f6nnte den Ebola-Virus haben, und er w\u00fcrde sich nicht anstecken.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Emojis als Zeichen der Wortverknappung<\/strong><\/p>\n<p>Und wer br\u00fcllen m\u00f6chte, tut das mitunter in geschriebenen Gro\u00dfbuchstaben, Ausrufezeichen und w\u00fctend blinkenden Emojis. Das, was wir uns sagen wollen, pressen wir in die Betreffzeile einer Mail, in die Vorschau einer SMS, in eine WhatsApp-Nachricht. Der Rest ist dann ein Smiley oder ein Herzchen, P\u00fcnktchen, P\u00fcnktchen, Fragezeichen. Die absolute Wortverknappung. Es gibt nichts, was es nicht auch als Emoticon oder als digitales Bild gibt. Schreiben ist das neue Reden, beziehungsweise \u2013 in Zeiten von Instagram und Snap-chat\u2013Senden ist das neue Reden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chef-SMS: \u00bbBrauche Ula ftl f\u00fcr bggespr\u00e4ch.\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Beim Absetzen einer SMS verfallen manche Chefs in den Stummelduktus eines Viertkl\u00e4sslers oder bedienen sich einer Verschl\u00fcsselungstechnik, deren Dechiffrierung allein mehr Zeit ben\u00f6tigt als das Ausschreiben: \u00bbBrauche Ula ftl f\u00fcr bggespr\u00e4ch.\u00ab Und man fragt sich: Meint der jetzt mich oder eine fremde Galaxie? Nein, er braucht die Unterlagen ganz schnell (faster than light) f\u00fcr das Background-Gespr\u00e4ch. Manchmal muss man die Chefs direkt daran erinnern, dass man mit der aktuellen Version ihres Smartphones auch telefonieren kann. Auch dann w\u00e4re der Fortbestand unserer Sprachkultur noch nicht gesichert, aber es k\u00f6nnte immerhin zu ausgesprochenen Wort- fragmenten kommen. Wer braucht heute noch Subjekt, Pr\u00e4dikat und Objekt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Warum&#8220; und &#8222;wie&#8220; h\u00e4lt nur auf<\/strong><\/p>\n<p>Fazit: Wir kriegen beim Kommunizieren immer seltener den Mund auf. Die Fl\u00fcchtigkeit und K\u00fcrze der geschriebenen Kommunikation \u00fcbertr\u00e4gt sich auf die gesprochene. Es gilt: Logistik vor Inhalt. Fragen wie \u00bbwarum?\u00ab oder \u00bbwie?\u00ab halten auf. Stattdessen geht es um Fakten (wer, wann und wo). Und wir selbst? Mit einem Chef, der sprachlich im Rollstuhl sitzt, schwenken wir auch lieber um auf das geschriebene Wort. Teils wird sogar noch mit analogen Post-its gearbeitet, mit darauf niedergeschriebenen Auswahlm\u00f6glichkeiten zum Ankreuzen: \u203aNeuer Termin auf a) 29.01., 15h00 \u2013 16h00 oder\u00a002.03., 13h30 \u2013 14h30?\u2039.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ankreuzen statt reden<\/strong><\/p>\n<p>Genauso gut k\u00f6nnte man Schilder in die Luft halten. Solange Chefs nur ein Kreuz machen oder zwei Buchstaben liefern m\u00fcssen, werden sie ihren Mund nie aufkriegen, denn es wird ihnen beigebracht, dass sie mit zwei Kreuzchen auf einem Post-it auch weiterkommen. Damit folgen sie lediglich den Gesetzen der klassischen Konditionierung und haben noch nicht mal selbst Schuld, wenn sie weiter schweigen.<\/p>\n<p>Und wir? Selbst wenn wir mit Spuckvirus zu Hause bleiben, schreiben wir dem Chef eine Mail statt den H\u00f6rer in die Hand zu nehmen. Wir wollen ja nicht st\u00f6ren. Wer wird schon gleich anrufen? So vermeiden wir l\u00e4stige R\u00fcckfragen oder gar weitere Arbeitsauftr\u00e4ge im Sinne von \u00bbWenn Sie wieder da sind, m\u00fcssen wir mal \u2026\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer zuerst etwas sagt, hat verloren<\/strong><\/p>\n<p>Wie jemand kommuniziert, ist nicht nur charakter- oder gewohnheitsabh\u00e4ngig, sondern vor allem situationsbedingt. Ma\u00dfgeblich dabei ist die Rolle, die wir tags\u00fcber bekleiden oder meinen bekleiden zu m\u00fcssen. Wir sitzen fest in einer Hierarchie wie fette Kinder im Rettungsring, winden uns in den uns zugedachten Rollen als F\u00fchrungskraft mit \u00bbnat\u00fcrlicher Autorit\u00e4t\u00ab, Dynamik, Dominanz und Durchsetzungsverm\u00f6gen, f\u00e4hig zu \u00bbklarer Kante\u00ab und einsamen Entscheidungen auf der einen Seite und auf der anderen Seite als Assistentin mit Flexibilit\u00e4t, Geduld, Anpassungsverm\u00f6gen und sozialen, insbesondere kommunikativen, Kompetenzen.<\/p>\n<p>Optimalerweise schafft man es als Team, diese Rollen mal f\u00fcr einen Moment oder zwei zu verlassen, vertrauensvoll und hinter verschlossenen T\u00fcren sozusagen. Aber oft ist das eben auch \u00fcber die Probezeit hinaus nicht der Fall, und jeder bleibt aus Unsicherheit oder Bequemlichkeit in seiner Rolle. Erwartungen bleiben dieselben, Reaktionsmuster bleiben dieselben. Begreifen wir es als ein Spiel, als weit verbreiteten Zeitvertreib in der Kombo Chef und Assistentin: Wer zuerst redet, hat verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Schweigen der Chefs ist nur relativ: nach unten in der Hierarchie\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ausnahme: Chefs k\u00f6nnen sehr wohl ihren Mund aufkriegen und mutieren pl\u00f6tzlich zum charmanten Dampfplauderer, wenn sie sich auf derselben oder gar h\u00f6heren Hierarchiestufe bewegen und\/oder ein klar definierter Mehrwert, ein strategisches Ziel hinter dem Gespr\u00e4ch steht. Es kommt nur darauf an, a) mit wem sie sprechen und b) was sie damit erreichen wollen. Je h\u00f6her die Hierarchiestufe und je wertvoller der Mehrwert, desto geschliffener werden die Worte. Wenn der Chef von seiner Gesch\u00e4ftsreise in S\u00fcdostasien heimkehrt, erntet die Assistentin \u2013 im schlimmsten Fall \u2013 vier Worte: \u00bb1.) Hier 2) sind 3.) meine 4.) Reisebelege\u00ab.<\/p>\n<p>Seine Kollegen und erst recht sein Chef bekommen spannende Berichte, alle Informationen zu \u00fcberraschenden Meetings und neuen Deals, die aktuellsten Restaurant- und Freizeittipps f\u00fcr Bangkok und Hongkong und \u00fcberhaupt wie man sich da so f\u00fchlt momentan. Ach, Mann k\u00f6nnte ja noch so viel erz\u00e4hlen \u2013 vielleicht bei einem Dinner oder auf einen Wein einmal? Ja, das Schweigen der M\u00e4nner ist \u00e4u\u00dferst relativ. Und wir stehen daneben und staunen Baukl\u00f6tze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klaus Austermann lernt sprechen<\/strong><\/p>\n<p>Kommunikation umgibt uns \u00fcberall. Ein viel zu gro\u00dfes Thema f\u00fcr nur ein Kapitel. Ich k\u00f6nnte an dieser Stelle so viel schreiben \u00fcber die unterschiedlichsten, wunderbaren M\u00f6glichkeiten, die Reise eines Wortes zu beeinflussen von einem Mund in das Ohr eines anderen. Da w\u00e4re ich aber nicht die Einzige. Es gibt die pralle Auswahl von informativen, praktischen, unterhaltsamen, humorigen, nachdenklichen B\u00fcchern der unterschiedlichsten Genres allein zu diesem Thema, von wahren Spezialisten und gro\u00dfen Romanautoren.<\/p>\n<p>Wenn wir glauben, dass vieles von dem, was die Fachleute und unersch\u00fctterlichen Optimisten in Sachen Kommunikation in diesen B\u00fcchern behaupten und empfehlen, in den Niederungen des Alltags wohl kaum funktionieren kann (\u00bbDer soll mal zu uns kommen\u00ab), so t\u00e4uschen wir uns. Sicher, wir reden in unserem speziellen Fall nicht nur von der Kommunikation zwischen Chef und Assistentin (Hierarchiegef\u00e4lle trotz gro\u00dfer N\u00e4he), sondern letztendlich ja immer noch oft genug von der Kommunikation zwischen Mann und Frau (die Gespr\u00e4che schon mal gern v\u00f6llig unterschiedlich f\u00fchren und interpretieren).<br \/>\nDas kann zum kommunikativen doppelten Salto werden. Aber es gibt Mittel und Wege, auch dem verstocktesten Zeitgenossen noch ganze S\u00e4tze zu entlocken!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>B\u00fcros, wo Zeit, Aufmerksamkeit und Worte Mangelware sind<\/strong><\/p>\n<p>Was ich an dieser Stelle bieten kann, ist eine Geschichte, ein Dialog. Ich mag Dialoge \u2013 in meinen B\u00fcchern und im richtigen Leben. Denn darin kommt es auf das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt an. Man kann dann mit Reaktionen spielen. Technik: schnell und klar sein. Wechsel zwischen Reden und Zuh\u00f6ren, zwischen N\u00e4he und Freiraum. Raum nehmen und Raum gew\u00e4hren. \u00dcberraschen und mal so reagieren, wie der andere es nicht erwartet. H\u00f6hen und Tiefen hereinbringen. Ein bisschen auf der Klaviatur der M\u00f6glichkeiten spielen und sich vorher genau \u00fcberlegen, welche Worte man verwenden m\u00f6chte. Gar nicht so einfach, wenn man als Assistentin f\u00fcr offizielle oder selbst ernannte Anf\u00fchrer und Mitschwimmer im Haifischbecken arbeitet. Wie k\u00f6nnte ein Dialog \u00fcberhaupt aussehen in einem B\u00fcro, wo Zeit, Aufmerksamkeit und eben Worte Mangelware sind?<\/p>\n<p>Stellen wir uns einen m\u00e4nnlichen Protagonisten vor und nennen ihn Klaus Austermann, K\u00fcrzel KA (und da haben Sie bitte Ihren ganz pers\u00f6nlichen Austermann vor Augen). Die weibliche Protagonistin k\u00f6nnte Helen Wagner hei\u00dfen, K\u00fcrzel HW. Sie bietet Ich-Perspektive, das hei\u00dft wir nehmen Teil an ihrer Gedankenwelt. Welche Zumutungen des Lebens warten nun auf unsere zwei Protagonisten? Ganz einfach: Die beiden arbeiten seit sagen wir knapp zwei Jahren zusammen \u2013 als Chef (KA) und Assistentin (HW).<\/p>\n<p>Um welche typische Situation k\u00f6nnte es sich handeln? Nehmen wir einmal zwei v\u00f6llig altmodische Themen der analogen Welt, die heute besonders m\u00fchsam \u00bban den Mann zu bringen\u00ab sind, aber in 90 Prozent aller B\u00fcros noch zum gelebten Alltag geh\u00f6ren: Sagen wir also, HW m\u00f6chte endlich mit KA die Rahmenbedingungen und das Budget der n\u00e4chsten Weihnachtsfeier checken, um in der Planung weiterzukommen, und ihm m\u00f6glichst parallel noch zwei Unterschriftenmappen entlocken, die seit Wochen bei ihm Patina ansetzen und deren Inhalt dr\u00e4ngt. Mit beiden Themen kann man Chefs jagen, sie finden immer etwas, das wichtiger und\/oder dringender ist und haben damit die besseren Argumente auf ihrer Seite. Weihnachtsfeiern kommen ja mit regelm\u00e4\u00dfiger Beil\u00e4ufigkeit daher (wie Unterschriftenmappen) und entwickeln dann doch bisweilen ein spektakul\u00e4res Eigenleben (wie Unterschriftenmappen). Seien wir gn\u00e4dig mit KA und schicken auch voraus: Die Unterschriftenmappe an und f\u00fcr sich ist f\u00fcr einen Chef ein in Pappe verpacktes Symbol des Leids, st\u00e4ndig etwas anschauen, bewerten und freigeben zu m\u00fcssen, das doch eigentlich schon den Status des Fertigen hat und im Kopf sozusagen bereits verschickt ist. Kurzum: Beide Vorg\u00e4nge sind v\u00f6llig unsexy.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn man &#8222;Guten Morgen&#8220; zum PC sagen muss<\/strong><\/p>\n<p>KA rauscht an HWs B\u00fcro vorbei und raunt ein \u00bbBin da\u00ab in die Atmosph\u00e4re, als eigentlich \u00fcberfl\u00fcssige Unterstreichung eines physischen Zustands. HW atmet tief durch, streckt den R\u00fccken, reckt ihr Kinn nach oben und sagt \u00bbGuten Morgen, Herr Austermann\u00ab zu ihrem PC. Blo\u00df nicht die imagin\u00e4re Krone vorzeitig herunterfallen lassen, nur weil sich da jemand auf dem Flur an zwei Worten verschluckt. Und so ein f\u00fcr sich selbst ausgesprochenes \u00bbGuten Morgen\u00ab besiegelt ja mitunter die n\u00e4chsten vierundzwanzig Stunden. HW ist heute beim Aufstehen f\u00fcnf Sekunden auf der Bettkan-te sitzen geblieben und hat dabei den Entschluss gefasst, sich selbst einen halbwegs guten Tag zu bescheren. Das ist ein k\u00fchner, aber nicht unm\u00f6glicher Plan, wenn man f\u00fcr KA arbeitet.<\/p>\n<p>HW l\u00e4sst im Kaffeetautomaten eine Tasse f\u00fcr KA durchrauschen und geht damit in sein B\u00fcro. Auch bei KA gilt die altmodische, aber auf gef\u00fchlt 90 Prozent aller Bundesb\u00fcrger zutreffende KVK-Regel (Kaffee vor Kommunikation). Die einzige Chance, einen kommunikativen Raum mit der M\u00f6glichkeit eines Augenkontakts aufzutun, ist es, sich ihm mit einer Tasse Kaffee in der Hand zu n\u00e4hern, denn die assoziiert er nicht mit Arbeit. F\u00fcr HW dagegen ist Kaffee in diesem Moment nicht nur ein Getr\u00e4nk, sondern vor allem ein Werkzeug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Trinken Sie erst mal was&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Zeit hat sie KA darauf konditioniert, dass er nicht mehr abwinkt oder schnell den H\u00f6rer in die Hand nimmt, wenn sie schon einmal vor seinem Schreibtisch steht. Denn manchmal sagt sie auch einfach nur \u00bbTrinken Sie erst mal was\u00ab und verl\u00e4sst dann wieder sein B\u00fcro. Heute hat KA weniger Gl\u00fcck. Sie bleibt. Und mehr noch: Sie setzt\u00a0sich auf den Stuhl auf der anderen Seite seines Schreibtisches. HW mag diesen Stuhl. Er ist ihr Heiligtum, denn er bietet Augenh\u00f6he ( falls der Chef sitzt) und Pr\u00e4senz. Er nimmt ihr das \u00bbFl\u00fcchtige\u00ab, das sie am Anfang hatte, wenn sie durch sein B\u00fcro huschte wie ein laues L\u00fcftchen oder gleich nur im T\u00fcrrahmen stehen blieb, irgendwo zwischen \u00bbrein\u00ab und \u00bbraus\u00ab, also irgendwo im Nirgendwo.<\/p>\n<p>Mittlerweile reagiert KA nicht mehr allergisch darauf, wenn sie sich gleich hinsetzt, weil er bef\u00fcrchtet, dieses k\u00f6nnte eine l\u00e4ngere Sitzung werden. Unbewusst wei\u00df er, dass HW genauso schnell, wie sie sich auf den Stuhl setzt, auch wieder aufstehen kann, wenn sie ihre Botschaft losgelassen hat. Das hat er jedenfalls bisher so erlebt.<\/p>\n<p>Derweil macht KA drei Dinge simultan: trinken, seine Mails checken und reden. Er sagt zu seinem Display: \u00bbMuss jetzt gleich wieder weg.\u00ab<\/p>\n<p>HW wei\u00df, dass es mehr neuronale Verbindungen zwischen Augen und Hirn gibt als zwischen Ohren und Hirn. Blickkontakte steigern die Chance, Inhalte nachhaltig im Hirn des anderen zu verankern. Es gilt jetzt also, einen \u00bbAugen-Blick\u00ab im wahrsten Sinne des Wortes zu kriegen \u2013 bei ihr kein Problem, bei KA schon. Er hat Blickkontakt zur Cloud, und von der muss sie ihn jetzt irgendwie herunterholen. HW sagt: \u00bbIch habe eine gute und eine schlechte Nachricht f\u00fcr Sie. Welche wollen Sie zuerst h\u00f6ren?\u00ab<\/p>\n<p>KA bestreicht weiter sein Smartphone ohne aufzublicken und sagt: \u00bbHm, die schlechte.\u00ab<\/p>\n<p>HW: \u00bbOkay. Es wird Sie nicht gerade erfreuen, bef\u00fcrchte ich.\u00ab In den Bauch sprechen, Spannung aufbauen und Leerstellen aushalten k\u00f6nnen, denkt sich HW, sitzt da und schweigt.<\/p>\n<p>KA blickt nun doch auf und HW in die Augen: \u00bbHm, was ist es?\u00ab<\/p>\n<p>HW: \u00bbSie m\u00fcssen mit mir heute kurz die Weihnachtsfeier durchsprechen. Zeitdauer: 3 Minuten.\u00ab Dabei reckt sie ihm ihre Handinnenfl\u00e4che mit drei gespreizten Fingern entgegen, als w\u00e4ren sie beim Sehtest. Zeit ist das kostbarste Gut heutzutage, und das gilt es mit konkreten Angaben herauszustellen. HW wei\u00df nat\u00fcrlich, dass sie eigentlich zu diesem Thema mehr Zeit mit KA braucht, aber es geht hier erst einmal nur um die Sprechbereitschaft. Und wie lange das Gespr\u00e4ch dann im Endeffekt dauert, ist nebens\u00e4chlich. Es ist wie beim Dialog mit dem netten Typen abends an der Bar: Man muss erst einmal einsteigen, ins Gespr\u00e4ch kommen. Der Rest ist K\u00fcr.<\/p>\n<p>Doch mit dem Einstieg ist es im B\u00fcro mit dem eigenen Chef wie mit dem netten Typen an der Bar: nicht einfach. \u00bbHm. Jetzt nicht\u00ab, sagt AS und widmet sich wieder seinem Display. Er ziert sich. Aber neugierig ist er doch: \u00bbUnd die gute?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWir sprechen heute \u00fcber die Weihnachtsfeier!\u00ab HW reibt sich h\u00f6rbar die H\u00e4nde: \u00bbIch brauche ein Ja oder ein Nein von Ihnen und eine neue Zahl f\u00fcr das Budget. Den Rest mache ich.\u00ab<\/p>\n<p>KA blickt wieder auf: \u00bbWas ist denn mit Ihnen los? Nun lassen Sie mich erst mal in Ruhe.\u00ab<\/p>\n<p>HW l\u00e4sst sich nichts anmerken. Ihre Botschaft hat sie verbal und visuell jetzt mal anders verankert als sonst. Den finalen Dolchsto\u00df wird sie HW kurz nach der Mittagspause geben. Das fast t\u00e4gliche neutrale Hinweisen auf zu erledigende Dinge hatte bisher wenig Wirkung gezeigt, auch nicht das \u00bbEinstellen\u00ab eines Gespr\u00e4chstermins mit ihr in seinen Terminkalender, denn dieser fiel stets als erster den diversen Verschiebungen zum Opfer. Sie hatte es irgendwann aufgegeben \u2013 immer mehr vom Selben macht die Dinge ja meistens nicht unbedingt aussichtsreicher.<\/p>\n<p>In solchen Momenten findet HW, sie k\u00f6nnte sich auch als Animateurin in irgendeinem Club bewerben, als Psychologin eine eigene Praxis aufmachen oder zur Not als Staubsaugervertreterin Karriere machen. Sie beschlie\u00dft, sich nicht weiter aufzuregen. Es ist ein Spiel, nichts weiter. Sie wechselt erst einmal sofort das Thema: \u00bbM\u00fcller hat Feedback gegeben.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbFeedback?\u00ab KA wiederholt das Wort, als h\u00e4tte sie gerade etwas ganz Schlimmes gesagt.<\/p>\n<p>\u00bbJa, er hat den Termin best\u00e4tigt\u00ab, sagt HW.<\/p>\n<p>\u00bbWarum sagen Sie das nicht gleich so?\u00ab fragt KA.<\/p>\n<p>HW seht auf und sagt: \u00bbFeedback ist doch ein sch\u00f6nes Wort.\u00ab Das wollte sie mal so unverbindlich in KA\u2019s Unterbewusstsein verankern. Als Wort. Und als Einladung, es damit selbst mal zu versuchen.<\/p>\n<p>Dann sagt sie: \u00bbSie m\u00fcssen jetzt weg.\u00ab HW guckt demonstrativ auf ihre Armbanduhr, denn das macht KA auch. Botschaft: Ich habe die Zeit im Blick, so wie Sie. Und es ist ja nicht so, dass ich selbst nichts zu tun h\u00e4tte! \u00bbUnd ich muss mich auch noch um Ihre Unterschriftenmappen k\u00fcmmern\u00ab, sagt HW.<\/p>\n<p>KA ist irritiert: \u00bbWie, jetzt noch mehr?\u00ab<\/p>\n<p>HW steht auf und sagt im Gehen: \u00bbNein, im Gegenteil, ich versuche vorerst, aus drei Mappen eine Mappe zu machen.\u00ab Sie versucht, etwas Humor in die Stimme zu legen: \u00bbIch will Ihnen das Leid portionieren.\u00ab HW hat sich abgew\u00f6hnt, zu l\u00e4cheln, wenn ihr nicht danach ist und sie Gefahr l\u00e4uft, so unecht und \u00fcberzeugungsschwach wie ein Ganzk\u00f6rperplacebo her\u00fcberzukommen. Doch der guten Atmosph\u00e4re wegen versucht sie es manchmal mit einer Art freundlichen Ironie.<\/p>\n<p>KA dagegen l\u00e4chelt nicht und ist auch nicht ironisch, aber er spricht immerhin ein bisschen: \u00bbNun hauen Sie hier aber mal nicht so auf die Sahne.\u00ab Er erhebt sich und geht: \u00bbBis sp\u00e4ter.\u00ab<\/p>\n<p>Am Nachmittag geht HW zum Angriff \u00fcber und checkt erst einmal den emotionalen Ladezustand von KA.\u00a0 Interesse bekunden kann ja\u00a0 nie schaden: \u00bbWie war Ihr Gespr\u00e4ch?\u00ab<\/p>\n<p>KA: \u00bbNa ja.\u00ab<\/p>\n<p>HW: \u00bbSie gucken gerade so, als h\u00e4tten sie drauf verzichten k\u00f6nnen.\u00ab KA: \u00bbNa ja, ich hatte schon mal spannendere Gespr\u00e4chspartner.\u00ab HW unvermittelt: \u00bbDarf ich Sie um einen Rat fragen?\u00ab<\/p>\n<p>AS blickt auf: \u00bbJa?\u00ab Jeder halbwegs normal sozialisierte Mensch mag das Gef\u00fchl, gebraucht und offenbar gesch\u00e4tzt zu werden, wenn man ihn um Rat fragt. Erstaunlicherweise scheint KA tats\u00e4chlich dazuzugeh\u00f6ren. Seine Reaktion liegt beruhigender Weise im erwarteten Normbereich.<\/p>\n<p>HW fragt also: \u00bbIch habe da auch gerade einen unspannenden Gespr\u00e4chs- partner. M\u00fcller will seinen Vertrag haben, und ich muss ihn noch hin- halten. Ich komme da langsam an meine Grenzen. Was w\u00fcrden Sie ihm an meiner Stelle sagen?\u00ab<\/p>\n<p>KA: \u00bbIch denke, das ist schon l\u00e4ngst durch?\u00ab HW: \u00bbWie? Das soll ich ihm sagen?\u00ab<\/p>\n<p>KA: \u00bbNein, herrje, das war meine Frage an Sie.\u00ab<\/p>\n<p>HW deutet auf eine der Unterschriftsmappen, die sie auf dem Besucher- tisch nahe an der T\u00fcr so positioniert hat, dass KA sie im Vorbeigehen<br \/>\nstreifen m\u00fcsste: \u00bbJa, der liegt in der Unterschriftenmappe hier. K\u00f6nnen Sie nebenbei kurz checken. Was w\u00fcrden Sie ihm also sagen?\u00ab<\/p>\n<p>KA rollt die Augen: \u00bbIch verstehe \u2026\u00ab<\/p>\n<p>HW: \u00bbSie sind morgen in Frankfurt, nicht?\u00ab KA:\u00a0 \u00bbJa.\u00ab<\/p>\n<p>HW: \u00bbUnd am Freitag nehmen Sie den Br\u00fcckentag?\u00ab KA: \u00a0\u00bbJa.\u00ab<\/p>\n<p>HW im selben Tonfall wie die zwei Fragen, die sie vorher stellte: \u00bbK\u00f6nnen wir eben kurz die Weihnachtsfeier checken? Drei Minuten.\u00ab HW guckt noch einmal auf ihre Uhr.<\/p>\n<p>KA: \u00bbHerrje, dann lassen Sie uns kurz dar\u00fcber sprechen.\u00ab Und wenn KA nicht gestorben ist, dann redet er noch heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwischen den Zeilen<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein kommunikativer Aufwand, um ein Drei-Minuten-Gespr\u00e4ch und eine Unterschriftenmappe an den Mann zu bringen, nicht wahr? Mehr Strategie hat wohl auch die eiserne Lady Margret Thatcher nicht gebraucht f\u00fcr ihren Einzug ins Unterhaus Doch Sie, liebe Leserinnen und Alltagsheldinnen, haben die Wahl, das, was Sie bei jemandem erreichen wollen, jeden Tag wieder mit der alten Methode zu versuchen oder einmal anders als sonst. Zwischen den Zeilen werden Sie vielleicht den einen oder anderen Impuls bekommen haben, wie Sie in Ihren eigenen allt\u00e4glichen Wortwechseln einmal anders reagieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nehmen Sie die Chefperspektive ein &#8211; um sie mit Ihren Vorhaben in Einklang zu bringen<\/strong><\/p>\n<p>Es geht nicht darum, eloquent oder schlagfertig zu sein, es geht lediglich darum, die Dinge zun\u00e4chst einmal aus der Chefperspektive zu sehen, dessen Erwartungen und Reaktionen zu antizipieren, um sie anschlie\u00dfend \u00fcber kleine Kommunikationskniffe mit den eigenen Vorhaben in Einklang zu bringen. Picken Sie sich nur die Tricks und Kniffe heraus, die bei Ihnen beziehungsweise bei ihm funktionieren k\u00f6nnten. Und lassen Sie alle anderen im Trial-and-Error-Verfahren fallen! Wenn Ihr Chef \u2013 wie so viele andere Chefs \u2013 keine Unterschriftenmappen mag und sein Futter nicht anr\u00fchrt, schaffen Sie die Teile ab, oder versuchen Sie es zumindest mit anderen Mitteln. Trennen Sie Vorg\u00e4nge, bei denen es um Entscheidungen geht, von denen, bei denen es nur um Unterschriften geht. Es gibt d\u00fcnne Mappen, die nicht so verd\u00e4chtig nach Arbeit aussehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chef-Gehirne arbeiten vorhersehbar<\/strong><\/p>\n<p>Oft wird ja nicht das Ansetzen des Stifts vor sich hergeschoben, sondern die Entscheidung dahinter! Bieten sie ihm so genannte \u00bbQuick Wins\u00ab. Vielleicht wenden Sie ja unter anderem auch einmal die \u00bbJa- Fragen-Kaskade\u00ab an, die HW ganz am Ende vom Stapel gelassen hat. Sie basiert auf der sch\u00f6nen psychologischen Regel, dass die Wahrscheinlichkeit \u00bbJa\u00ab zu sagen, \u00fcberproportional zunimmt, wenn man das Wort \u00bbJa\u00ab direkt vorher schon zwei Mal ausgesprochen hat. Sie merken, auch das Hirn Ihres Chefs arbeitet bisweilen erstaunlich vorhersehbar, und das k\u00f6nnen Sie ausnutzen. Es k\u00f6nnte eine Gespr\u00e4chszeit von drei Minuten und mehr dabei herauskommen. Und damit hei\u00dfen wir uns wieder einmal willkommen im Club der Hobby-Psychologinnen, Clubanimateurinnen, Staubsaugervertreterinnen und wahren F\u00fchrungskr\u00e4fte!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Toolbox gefahrloser Kommunikation<\/strong><\/p>\n<p>Schau mir in die Augen, und ich gebe dir mein Ohr<\/p>\n<p>Da \u00fcberlegen wir, wie wir dem Chef m\u00f6glichst umstandslos eine neue App nahebringen oder wie wir SMS und Mails so aufsetzen, dass sie tats\u00e4chlich zu Ende gelesen werden \u2013 und vergessen dabei v\u00f6llig, uns auf die naheliegendsten \u00bbDevices\u00ab r\u00fcckzubesinnen, die wir st\u00e4ndig mit uns herumtragen, die wir nicht verlieren k\u00f6nnen, ganz einfach weil sie dank Mutter Natur angewachsen sind: Augen, Mund und Ohren. Fragen Sie Ihren Chef mal nach seinen \u00bbAMO-Features\u00ab. Da sei der letzte Schrei sozusagen!<\/p>\n<p>Es gibt Teams, in denen sich Kommunikation je nach Medium, in dem sie stattfindet, fatal aufteilt: 70 Prozent per E-Mail, 25 Prozent per Telefon und eben nicht selten lediglich 5 Prozent mit Augenkontakt. Das d\u00fcrften dennoch immerhin zwei Stunden Augenkontakt pro Woche sein, theoretisch. Selbst darauf kommen nicht alle. Da- bei ahnen wir, dass gerade K\u00f6rper und Mimik den L\u00f6wenanteil ausmachen, wenn es um den Wirkungsgrad von Kommunikation geht. Haben wir \u00fcberhaupt ein Gesp\u00fcr f\u00fcr uns selbst? Ist uns bewusst, wie wir gerade gucken? Ahnen wir, wie pr\u00e4sent wir eigentlich sind, wie\u00a0viel Raum wir einnehmen, wenn wir ein B\u00fcro betreten? Verschwenden wir einen bewussten Gedanken daran, wo und wie wir gerade stehen oder sitzen, was mit unseren Oberarmen und H\u00e4nden beim Sprechen passiert, ob wir uns durch die Haare fahren oder nicht, wie schnell oder wie langsam wir reagieren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00f6rper schl\u00e4gt Sprache \u2013 das haben wir alle schon in zahllosen Seminaren eingebl\u00e4ut bekommen, und es ist erstaunlich, wie wenig davon wir dann doch in der Praxis anwenden. Dass das menschliche Gehirn pro Sekunde nur sieben W\u00f6rter denken kann, glauben wir aufs Wort, wenn wir an unsere Chefs denken. Aber dasselbe Hirn be- kommt in derselben Zeit auch elf Millionen weitere Informationen \u00fcber die Sinnesorgane vermittelt, wo es dann zu Nervenimpulsen kommt, die 274 Stundenkilometer erreichen. Sagen Sie das Ihrem Chef lieber nicht. Er wird damit prahlen. Vor den Neurobiologen, die so etwas herausgefunden haben, kann man ein bisschen Angst kriegen. Die Faustformel, die dieselben schlauen Leute ebenfalls wissenschaftlich hinterlegt haben, ist da etwas \u00fcberschaubarer: Innerhalb von zwei bis sieben Sekunden entscheiden wir, wie wir mit jemandem umgehen wollen \u2013 allein aufgrund von dessen K\u00f6rperhaltung und Mimik. Sinneseindr\u00fccke durch K\u00f6rper und Mimik haben einen Wirkungsgrad von sage und schreibe 55 Prozent in der Kommunikation. Stimme und Tonfall schlagen mit 38 Prozent Wirkungsgrad zu Buche, w\u00e4hrend beispielsweise der Inhalt einer SMS auf schlappe 7 Prozent kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn wir uns im Arbeitsalltag viel zu selten wirklich sehen, so gilt im Zweifel doch: Was immer wir unseren Chefs an wichtigen Dingen mitteilen wollen, wir sollten es mit Augenkontakt und mit viel Bewusstsein f\u00fcr Mimik tun. Ansonsten k\u00f6nnten 55 Prozent Wirkung mit einem Schlag verpuffen. Die Formulierung \u00bbauf Augenh\u00f6he miteinander sprechen\u00ab kommt nicht von ungef\u00e4hr! Bringen wir also das Gesagte mit dem Nichtgesagten in Verbindung. Bei unserem Gegen\u00fcber. Und bei uns selbst. Wir haben ein Gesicht mit 10 000 m\u00f6glichen Gesichtsausdr\u00fccken, darunter feingetunte Mikroexpressionen von mitunter nur 0,04 Sekunden Dauer. Das ist selbst bei M\u00e4nnern so. Und die m\u00fcssen dazu noch nicht einmal anwesend sein: Viele Teams kommunizieren heute skypenderweise, w\u00e4hrend unten rechts im Bildschirm die zu besprechende Unterlage leuchtet. Hauptsache mit Gesicht. Dagegen k\u00f6nnen Siri &amp; Co einpacken. Noch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kleiner Tipp: Vor wichtigen Gespr\u00e4chen umgebe ich mich mit netten Leuten, die ich sch\u00e4tze und die mich im Zweifel sogar zum Lachen bringen. Essenzen ihrer Energie werden noch in meiner Mimik liegen, wenn ich ins Gespr\u00e4ch gehe, und ich muss noch nicht einmal etwas daf\u00fcr tun \u2013 meine AMO-Features arbeiten neuroautomatisch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Telefon &#8211; die Sehnsucht nach einer echten Stimme<\/strong><\/p>\n<p>Geh\u00f6ren Sie auch noch zu diesen altmodischen Menschen, die per Telefon kommunizieren? Es soll noch Sekret\u00e4rinnen geben, die S\u00e4tze sagen wie: \u00bbTelefon? Das klingelt circa 50 Mal am Vormittag. Wahnsinn.\u00ab Nein, das ist nicht Wahnsinn. Das ist wunderbar beruhigend. Denn da scheint noch jemand eine Sehnsucht nach einer echten Stimme zu haben, mit der sich der Wirkungsgrad der Kommunikation immerhin auf 38 Prozent schrauben l\u00e4sst. Mitunter reicht ein Anruf, um sich drei Mails mit f\u00fcnf Smileys zu sparen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aktives Zuh\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Mal ehrlich, wie selten leihen wir einander das Ohr? Gelungene Kommunikation besteht haupts\u00e4chlich aus Beobachten und\/oder Zuh\u00f6ren \u2013 zwei Angewohnheiten, die bei vielen Chefs, aber auch bei uns selbst, aus der Mode gekommen sind. Oft haben wir den Luxus, einander in Arml\u00e4ngenentfernung gegen\u00fcberzustehen und gucken uns trotzdem nicht ins Gesicht. Dabei lassen sich Informationen doch zeitsparend mittels hochgezogener Augenbrauen, dem Hin- und Herwiegen des Kopfes oder schlicht durch Nicken vermitteln.<\/p>\n<p>\u00bbZwei Minuten lang seinem Gegen\u00fcber zuh\u00f6ren\u00ab ist zur \u00bbAchtsamkeits\u00fcbung\u00ab beziehungsweise zum \u00bbMindful-Based-Stress-Reduction-Tool\u00ab mutiert, wof\u00fcr mitunter viel Geld bezahlt wird.<\/p>\n<p>Kabat-Zinn und andere Meditationsgurus, die unter anderem auch das Zuh\u00f6ren lehren, sind nur f\u00fcr ein stattliches S\u00fcmmchen zu haben. Man findet ihre J\u00fcnger im Silicon Valley oder in Davos, mit Gl\u00fcck auch als g\u00fcnstige Ableger zwei Mal in der Woche mittags im heimischen Besprechungsraum. \u00bbSearch Inside Yourself\u00ab steht dann auf der Digitalanzeige neben der T\u00fcr. Doch wer traut sich da schon\u00a0hin? Und wieder angekommen in den Niederungen des Alltags, ohne Yoga-Matte, ohne Anleitung, ohne Parklandschaft im Fenster scheint das alles nicht mehr so recht zu funktionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ins Display vertiefen, statt zuzuh\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist die eigene Assistentin das beste \u00bbAchtsamkeitsobjekt\u00ab. Sie erwartet noch nicht einmal, dass man ihr drei Minuten einfach zuh\u00f6rt, auch wenn sie diese \u00bbAirtime\u00ab durchaus mit Themen f\u00fcllen k\u00f6nnte. Stattdessen vertiefen sich Vorgesetzte ins Display, surfen, z\u00e4hlen Kleingeld, suchen Autoschl\u00fcssel oder den Lottoschein und verweisen stolz auf ihre angeblichen Multitasking-F\u00e4higkeiten: \u00bbReden Sie. Ich bin ganz bei Ihnen.\u00ab So mancher ist zwar mitten im Gespr\u00e4ch, bleibt aber mental in seinem kleinen Mikrokosmos, und dann wundert man sich, wenn eine Unterredung so ausgeht wie das Hornberger Schie\u00dfen oder so langweilig ist wie eine Talkshow mit J\u00f6rg Pilawa. Das liegt daran, dass es kaum jemanden gibt, der nicht lieber an das d\u00e4chte, was er tun oder sagen will, als genau auf das zu reagieren, was man ihm gerade sagt.<\/p>\n<p>Apropos Ohr: Sehr hintersinnig fand ich die Werbung eines Unternehmens f\u00fcr H\u00f6rger\u00e4tetechnik (\u00bbMit uns k\u00f6nnen Sie \u00fcber 400 000 Schallquellen differenzieren!\u00ab und daneben abgebildet ein m\u00e4nnliches Model um die 40 mit H\u00f6rger\u00e4t) auf der Karriereplattform Xing \u2013 platziert mitten im Diskussionsforum der ANID-Gruppe, dem online-Netzwerk deutscher Assistentinnen. Bevor Sie sich also beschweren, dass Ihr Chef ein \u00bbSchweiger\u00ab ist oder auf Fragen nicht oder falsch reagiert, sollten Sie vielleicht checken, ob er sich vielleicht einfach nur nicht zum Ohrenarzt traut!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie sich deutlicher ausdr\u00fccken?<\/strong><\/p>\n<p>Wie kriegt man einen nachhaltigen Informationsaustausch hin, wenn man sich noch dazu gesch\u00e4tzte 2 000 Kilometer voneinander entfernt aufh\u00e4lt und beim Wort \u00bbAugenkontakt\u00ab nur m\u00fcde l\u00e4cheln kann? Ich wei\u00df nicht, wie es Ihnen geht, aber auch von meinem Mann (dem zu Hause) h\u00f6re ich bisweilen: \u00bbWas willst du mir eigentlich sagen?\u00ab, nachdem ich ihm f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse klipp und klar eine Situation geschildert habe, unter Einbeziehung aller angenommenen Ursachen und eventueller Folgen, die sich daraus ergeben k\u00f6nnten. Mitunter rede ich dann sehr spontan, und noch w\u00e4hrend ich rede, wird mir vieles klar \u2013 und dar\u00fcber rede ich dann auch gleich noch.<\/p>\n<p>Wie viel Zeit geben wir eigentlich den Worten, bevor wir sie aus- sprechen und in die Welt hinaussenden? Manchmal sind Leerstellen kostbarer als Erkl\u00e4rungen. Das bringt uns fast schon wieder zum Schweigen der M\u00e4nner \u2026 Gerade im Job, gerade in Stresszeiten, tappen wir oft genug in die Erkl\u00e4rungs-, Interpretations- und\/ oder H\u00f6flichkeitsfalle und dekorieren das, was wir sagen wollen, mit allerlei Bl\u00fcmchen und Schleifchen. Das kann sich \u2013 zugespitzt aus- gedr\u00fcckt \u2013 so anh\u00f6ren: \u00bbIst es in Ordnung, wenn ich es f\u00fcr m\u00f6glich halte, unter diesen Umst\u00e4nden heute mal etwas fr\u00fcher zu gehen?\u00ab oder \u00bbIch h\u00e4tte gern einen Tag Urlaub, aber wenn das gar nicht geht, ist das auch okay\u00ab. Was soll ein Chef darauf antworten? Und rechtfertigen wir nicht viel zu viel und fallen damit in den Problem- statt in den L\u00f6sungsmodus? Warum sagen wir \u00bbIch habe die Arbeit nicht fertiggemacht, weil das Kind krank wurde\u00ab und f\u00fchlen uns schlecht dabei? So gucken wir dann auch. Das ist der reinste Seelenstriptease.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braucht Ihr Chef \u00fcberhaupt einen Grund, oder gen\u00fcgen ihm nicht einfach die Tatsachen und optimalerweise eine L\u00f6sung? Die Alternative k\u00f6nnte lauten: \u00bbHeute setze ich mich dran, am Dienstag k\u00f6nnen Sie damit rechnen.\u00ab Chef wei\u00df, es ist in der Mache und auch, wann er das Ergebnis hat.<\/p>\n<p>Seine Kommunikation ist im Zweifel eher sachorientiert, er h\u00f6rt auf dem \u00bbSach-Ohr\u00ab. Wir Frauen sind eher appellorientiert und verpacken unsere Botschaft gern mit Satzanf\u00e4ngen wie \u00bbMan sollte\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbWir k\u00f6nnten vielleicht \u00fcberlegen, ob\u00ab, \u00bbJemand m\u00fcsste\u00ab. M\u00e4nner reagieren auf diese indirekten Formulierungen nicht. Und anschlie\u00dfend wundern wir uns und beschweren uns wie folgt: \u00bbDer h\u00f6rt mir gar nicht richtig zu!\u00ab Bereiten Sie f\u00fcr ein R\u00fccksprachegespr\u00e4ch mit Ihrem Chef bereits Vorschl\u00e4ge vor, was aus Ihrer Sicht zu tun ist. Geben Sie ihm Antworten statt Fragen. Auf Antworten wird er schneller eingehen. Und, wie die Angelsachsen sagen: \u00bbNever complain. Never explain.\u00ab Halten Sie Ihre Begr\u00fcndungen so knapp wie m\u00f6glich, weil sie sonst aussehen wie Rechtfertigungen \u2013 und deren Glaubw\u00fcrdigkeit sinkt mit steigendem Textumfang.<br \/>\n\u00dcberhaupt sind wir uns oft der Macht der Worte nicht bewusst. Wie f\u00fchlt man sich, wenn ein Chef sagt: \u00bbIch brauche Sie!\u00ab oder \u00bbEntlasten Sie mich!\u00ab? \u00bbEntlastung\u00ab, was ist das blo\u00df f\u00fcr ein Wort. Sind wir Packesel? Und ist Ihnen andererseits jemals bewusst geworden, was das Wort \u00bbbeschweren\u00ab mit einem macht? Sie k\u00f6nnen sicher sein, dass Sie sich nicht gerade erleichtern, wenn Sie sich beschweren. Im Positiven l\u00e4sst es sich netter mit Worten spielen: Ich selbst bin in der Versuchsreihe \u00bbm\u00fcndliche Kommunikation mit einem m\u00e4nn- lichen Vorgesetzten\u00ab dazu \u00fcbergegangen, mein Gespr\u00e4chsbed\u00fcrfnis in technologisch-dynamisches Vokabular zu verpacken, und konnte mit den Begriffen \u00bbQuick-Check\u00ab oder \u00bbUpdate\u00ab durchaus positive Resultate erzielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vom Unterschied zwischen Nicht-wissen-K\u00f6nnen und Nicht-wissen-Wollen<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDas wei\u00df ich auch nicht.\u00ab Dieses Bekenntnis h\u00f6rt man oft am an- deren Ende der Telefonleitung. Es kommt ohne Einleitung, ohne Erkl\u00e4rung und setzt dem Dialog ein Ende, noch bevor dieser richtig begonnen hat. Die Aussicht auf eventuell anfallende Arbeit wird postwendend an den Absender zur\u00fcckgeschickt. Nat\u00fcrlich ist ein \u00bbKeine Ahnung\u00ab durchaus angebracht bei Fragen wie \u00bbWo habe ich zu Hause meinen Schl\u00fcssel liegen gelassen?\u00ab oder \u00bbWie ist der Rhesusfaktor meiner Frau?\u00ab Es gibt immer noch Dinge, die man nicht mal eben googeln kann. Gott sei Dank. F\u00fcr alle anderen Wissensl\u00fccken des Lebens funktioniert das Internet durchaus, sodass allgemeinhin wohl immer weniger Fragen gestellt werden und das spontane Auskunft- geben zusehends aus der Mode zu kommen scheint.<\/p>\n<p>Es gibt dann auch Sekret\u00e4rinnen, die das verbale Rollgitter mit der Aufschrift \u00bbWei\u00df ich auch nicht\u00ab bereits bei der Frage nach der E-Mail-Adresse des Produktionsleiters im Nachbarort herunterfahren, wo sie doch seine Telefonnummer haben. Kein \u00bbIch rufe da mal eben an\u00ab, \u00bbIch kl\u00e4re das\u00ab, kein \u00bbVielleicht kann ich Ihnen anders helfen\u00ab oder \u00bbAber ich kenne da jemanden \u2026\u00ab, stattdessen: \u00bbDas k\u00f6nnenen Sie googeln.\u00ab<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, wer nichts sagt, sagt auch nichts Falsches, wer nichts macht, richtet auch nicht viel an. Wer nichts durchliest, besteht den\u00a0L\u00fcgendetektor-Test bei der Frage \u00bbJa, haben Sie das denn nicht gewusst, konnten Sie da nichts machen?\u00ab<\/p>\n<p>Es kommt noch etwas anderes hinzu, was vielleicht noch st\u00e4rker wiegt: Wenn man st\u00e4ndig nach Vorgabe arbeitet, immer nur den Ball auff\u00e4ngt, der einem zugeworfen wird, verlernt man irgendwann das Werfen und richtet sich in einer kleinen \u00fcberschaubaren Welt ein, ohne dass es besonderer Initiative bedarf \u2013 die dann im \u00dcbrigen auch niemand mehr von einem erwartet. Man verliert den Blick auf das gro\u00dfe Ganze, sucht dem Chef Unterlagen heraus, ohne zu wissen, wof\u00fcr er die eigentlich braucht, ohne sich zu fragen, was er sonst noch wissen sollte oder was man selbst wissen m\u00f6chte. Damit entm\u00fcndigt man sich selbst, und das ist ganz sch\u00f6n traurig, da doch der Chef glaubt, ein Macher zu sein, der nat\u00fcrlich einen Macher um sich herum braucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Umwandlung gesundheitsgef\u00e4hrdender S\u00e4tze:<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDa muss ich aber erst mal schauen.\u00ab \u2192 \u00bbIch melde mich.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSo schnell geht das aber nicht.\u00ab \u2192 \u00bbIch melde mich sp\u00e4testens \u00fcbermorgen dazu.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWie soll ich das denn machen?\u00ab \u2192 \u00bbIch schau mal, wie man das hinkriegen kann.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch wei\u00df nicht \u2026.\u00ab \u2192 \u00bbDa ist nur noch ein offener Punkt: \u2026\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das verbale Lieblingsreich<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Wortspiel: Wenn mein Gegen\u00fcber immer gern ein bestimmtes Wort verwendet, dann verwende ich es auch in der Kommunikation mit ihm. Er hat ja kein Copyright darauf. Ich gehe mit ihm sozusagen eine sprachliche Allianz ein und begebe mich damit in sein verbales Lieblingsreich. Wenn er nachmittags sagt: \u00bbDas ma- chen wir jetzt ruckizucki\u00ab, dann sage ich ihm abends: \u00bbIch bin jetzt ruckizucki weg\u00ab. Sie k\u00f6nnen auch ein bisschen Bullshit-Bingo spielen, indem Sie \u2013 da wo es wirklich passt \u2013 Worte in Ihre S\u00e4tze streuen, auf die viele Chefs positiv konditioniert sind: Herausforderung, ergebnisorientiert, sich schlau machen, zielf\u00fchrend, Ball zuspielen, einstielen, Lernkurve, unterm Strich und so weiter. Merke: Es n\u00fctzt nichts, dem Wasserb\u00fcffel Geige vorzuspielen. Es sei denn, er spielt selbst Geige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ehrlich sein und das W\u00f6rtchen \u00bbNein\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Sagen wir immer ohne Umschweife, was wir wirklich meinen und wollen? Im Alltag ist das nicht so einfach und gerade im Office- Management auch nicht immer angemessen, in einer Welt, in der freundliches, zuvorkommendes und \u00bbangemessenes\u00ab Verhalten angesagt ist. Es gibt aber auch Situationen, in denen es angebracht ist, klar und direkt Position zu beziehen, statt zu besch\u00f6nigen. Das hat viel mit Selbstwert und Zielsetzung zu tun. Das Ich-sein-D\u00fcrfen ist ja zum seltenen Luxus geworden. Wenn es aber eines gibt, das auf den Managementetagen umso mehr Mangelware wird, je h\u00f6her man kommt, dann ist es eines: Ehrlichkeit. Echtheit. Und wer sollte die eigentlich besser liefern als die Frau in n\u00e4chster N\u00e4he, die dem Alpha- tierchen nicht wirklich gef\u00e4hrlich werden kann? Die Ehrlichkeit ist eine Marktnische, die es zu besetzen gilt. Sie ist nicht programmierbar und mit Geld nicht zu bezahlen. Gut, manchmal ist sie eine Frage des Mutes. Womit k\u00f6nnte man also ganz simpel anfangen, ohne gleich eine Beleidigungsklage am Hals zu haben oder sich zumindest unbeliebt zu machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbDarf ich jetzt mal ehrlich sein?\u00ab: Wenn Sie der festen \u00dcberzeugung sind, dass sich Ihr Chef gerade unklug verhalten hat und sich niemand sonst traut, ihm das zu sagen oder dass er schlicht Ihrer Ansicht nach auf irgendeinem Holzweg ist, dann k\u00f6nnten Sie das, was Sie sagen m\u00f6chten, einl\u00e4uten mit einer Frage wie \u00bbDarf ich jetzt mal ehrlich sein?\u00ab Das geht zur Not auch, wenn sein Krawattengeschmack kurz davor ist, \u00f6ffentliches \u00c4rgernis zu erregen. Mit Ank\u00fcndigung die Ehrliche, die Mutige herauszulassen, nimmt der Situation die Sch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freundlichkeitsfalle und L\u00e4chelrefelx<\/strong><\/p>\n<p>Vom Unterschied zwischen freundlich und schei\u00dffreundlich: Wenn Sie es etwas vorsichtiger angehen wollen, besteht die M\u00f6glichkeit, einfach das allseits empfohlene L\u00e4cheln etwas sparsamer zu verwenden, damit Ihr Chef merkt, was Sie gut finden \u2013 und was Sie nicht gut finden. Damit st\u00e4rken Sie Ihre Authentizit\u00e4t und Ihre innere Stabilit\u00e4t. Wenn das verbale oder nonverbale Verhalten nicht mit der Emotion \u00fcber- einstimmt, ist das ungeheurer Stress. H\u00f6ren Sie einfach auf, in die Freundlichkeitsfalle zu tappen oder schlimmer in den L\u00e4chelreflex zu verfallen. Ich wei\u00df, es gibt Frauen, die das perfekt beherrschen: Das langsame Breitziehen der Oberlippe, bis die obere, oft blendend wei\u00dfe Zahnreihe zum Vorschein kommt, dann das Nachziehen der Unterlippe, sodass der Mund ein perfektes, strahlendes L\u00e4cheln entsendend, noch bevor der erste Laut herauskommt. Dass diese Frauen damit auch t\u00f6ten k\u00f6nnten, das ahnt nur, wer genau hinschaut. Man darf es damit nicht \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p>Auf einer Skala zwischen 1 und 10 sollten Sie sich, was die Freundlichkeit angeht, bis zur 7 hocharbeiten. Damit l\u00e4sst es sich am ehesten nat\u00fcrlich wirken. Alles Weitere ist kostbar und kostet Energie, sollte daher wohl dosiert und ehrlich (!) angewandt werden. Wenn Sie das nicht tun, riskieren Sie es, den Unterschied zwischen \u00bbfreundlich\u00ab und (sorry) \u00bbschei\u00dffreundlich\u00ab zu verwischen. Wenn Sie vor lauter Freundlichkeit st\u00e4ndig und bedingungslos verf\u00fcgbar sind, ignorieren Sie den Umstand, dass schlie\u00dflich die Dinge und die Menschen als besonders wertvoll gelten, die schwer zu bekommen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein sagen: Das Leben ist eine ziemliche Baustelle, man ist st\u00e4ndig damit besch\u00e4ftigt, irgendwo Br\u00fccken zu bauen und anderswo Grenzen zu setzen.<\/p>\n<p>Das Wort \u00bbGrenze\u00ab mag einen negativen Beigeschmack haben, aber im Sekretariat ist es \u00fcberlebenswichtig. Kennen Sie auch die- se Sicherheitsl\u00fccke im System, irgendwo zwischen dem spontan gef\u00fchlten \u00bbNein\u00ab und dem, was einem dann \u00fcber die Lippen geht und sich wie ein \u00bbJa\u00ab anh\u00f6rt? Sicher, wenn ein Kollege direkt vor Ihrem Schreibtisch steht, den Ich-bin-nett-Du-bist-nett-Blick aufsetzt und wieder einmal etwas \u00bbbitte, bitte\u00ab sofort erledigt haben m\u00f6chte, dann k\u00f6nnen Sie ihm nicht unbedingt aus einer Spr\u00fchflasche Wasser ins Gesicht spr\u00fchen und bestimmt \u00bbNein\u00ab sagen. Das klappt bei Hunden, aber leider nicht bei Menschen. Sie k\u00f6nnten ihm aber stattdes-<br \/>\nsen ein Angebot machen und sagen: \u00bbNein. Du m\u00f6chtest, dass ich die Pr\u00e4sentation heute noch f\u00fcr dich erledige. Damit w\u00fcrde das Reporting f\u00fcr morgen liegen bleiben, und, ehrlich, damit f\u00fchle ich mich nicht gut. Mein Vorschlag: Du fragst heute Britta, oder ich erledige das am Mittwoch f\u00fcr dich.\u00ab Also a) Sagen, was Sache ist, b) Sagen, was die Konsequenz w\u00e4re, c) Sagen, wie es einem damit geht und ein Angebot machen. Das W\u00f6rtchen \u00bbNein\u00ab h\u00f6rt man heutzutage so selten, dass sich manche insgeheim danach sehnen! Chefs eingeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Focusing is about saying No.<\/p>\n<p>Steve Jobs<br \/>\nDie Faustformel<\/p>\n<p>Machen Sie sich immer und in jeder Kommunikation klar, wo Sie selber stehen, was Sie denken und was Sie vermitteln m\u00f6chten. Nur dann kann Ihre Kommunikation so \u00fcberzeugend sein, dass Sie auch erreichen, was sie wollen. Wie oft fangen wir erst einmal an zu reden, weil wir bef\u00fcrchten, dass wieder irgendetwas dazwischenkommen k\u00f6nnte, eine Mail, ein Klingelton, ein Kollege im B\u00fcro. Also schnell die Airtime ausnutzen. Nachteil: Unter Umst\u00e4nden wissen wir erst, was wir denken, wenn wir h\u00f6ren, was wir sagen. Stellen Sie sich vor jeder \u00c4u\u00dferung, ob schriftlich oder m\u00fcndlich, die Frage, was Sie selber zu der Sache denken (Achtung Meinung) und was Sie bewirken m\u00f6chten (Achtung Nutzen).<\/p>\n<p>Machen Sie sich auch klar, ob Sie die Situation Ihres Gegen\u00fcbers verstehen und nachvollziehen k\u00f6nnen. Greifen Sie seine Aussagen auf und beziehen Sie sich darauf (Achtung Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den anderen). Sich selbst treu bleiben, bei sich bleiben, dennoch auf den anderen zugehen und am Ende vor allem den Nutzen f\u00fcr beide oder gar f\u00fcrs Unternehmen herausstellen, ist sozusagen der schwarze G\u00fcrtel der Kommunikation.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor jedem wichtigen Gespr\u00e4ch folgende Fragen:<\/p>\n<p>1\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ich-Frage: wie geht es mir? was soll der andere von mir wis- sen? was ist meine Meinung? was will ich erreichen?<\/p>\n<p>2\u00a0\u00a0 Die Du-Frage: Ist der andere gerade \u00bbempfangsbereit\u00ab? wie geht es ihm? was ist seine Perspektive und sein Interesse?<\/p>\n<p>3\u00a0\u00a0\u00a0 Die Es-Frage: Um welches Thema, um welches \u00fcbergeordnete Ziel geht es eigentlich? was hat das Unternehmen davon?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Speziell als junge Assistentin im toughen Vorstandsb\u00fcro werden Sie jetzt denken: Einfacher gesagt als getan. Und damit treffen Sie einen Punkt. Aber ich halte mit folgender Erkenntnis dagegen: Alles, wirklich alles auf der Welt, ist einfacher gesagt als getan!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus Katharina M\u00fcnks\u00a0&#8222;Mal eben kurz den Chef retten &#8211; Die heimlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte im Vorzimmer&#8220; &nbsp; &nbsp; Das Schweigen der M\u00e4nner \u2013 Kommunikation 4.0 Kennen Sie das? 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