{"id":664909,"date":"2017-06-03T01:26:21","date_gmt":"2017-06-02T23:26:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=664909"},"modified":"2017-06-03T01:26:21","modified_gmt":"2017-06-02T23:26:21","slug":"buchauszug-wie-ich-meine-angst-vor-zurueckweisung-ueberwand-und-unbesiegbar-wurde-von-jia-jiang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/06\/03\/buchauszug-wie-ich-meine-angst-vor-zurueckweisung-ueberwand-und-unbesiegbar-wurde-von-jia-jiang\/","title":{"rendered":"Buchauszug: &#8222;Wie ich meine Angst vor Zur\u00fcckweisung \u00fcberwand und unbesiegbar wurde&#8220; von Jia Jiang"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug: &#8222;Wie ich meine Angst vor Zur\u00fcckweisung \u00fcberwand und unbesiegbar wurde&#8220; von Jia Jiang.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_664910\" style=\"width: 393px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-664910\" class=\"size-full wp-image-664910\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/jiang.jpg\" alt=\"\" width=\"383\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/jiang.jpg 383w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/jiang-177x300.jpg 177w\" sizes=\"auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><p id=\"caption-attachment-664910\" class=\"wp-caption-text\">Jia Jiang<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit einem Nein umgehen<\/strong><\/p>\n<p>Etwa ab der H\u00e4lfte meiner 100 Tage entwickelte sich meine Angst vor Ablehnung in eine Art Neugier. Dieser Perspektivenwechsel \u00f6ffnete mir die T\u00fcr, um noch mehr mit Zur\u00fcckweisungen herumzuexperimentieren. Ich wollte der Ablehnung auf den Grund gehen und sie aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen. Und als Erstes wollte ich herausfinden, was passieren konnte, <em>nachdem <\/em>ich ein Nein als Antwort bekommen hatte.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher dachte ich stets, der beste Weg, um den Schmerz einer Ablehnung zu minimieren, sei, diese so schnell wie m\u00f6glich zu \u00fcberwinden \u2013 \u00e4hnlich wie bei einem Pflaster, das man mit einer raschen Bewegung abrei\u00dft, anstatt es langsam abzupulen und so das Leid in die L\u00e4nge zu ziehen. In den meisten F\u00e4llen fl\u00fcchtete ich \u2013 manchmal im wahrsten Sinne des Wortes \u2013, wenn ich ein Nein als Antwort bekommen hatte, und beendete das Gespr\u00e4ch so schnell wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nun wollte ich sehen, was weiter passierte, wenn ich einfach blieb. Ich hatte ja keine Ahnung, wie viel ich dadurch lernen sollte, dass ich nicht fortlief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frage \u00bbWarum?\u00ab, bevor du dich vom Acker machst!<\/strong><\/p>\n<p><strong>100 Tage Ablehnung: Eine Blume im Garten eines Fremden pflanzen<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich das Video gepostet hatte, in dem ich Fu\u00dfball im Garten von Scott, dem Fu\u00dfballfan, spiele, forderten Leute mich dazu auf, weiter an den T\u00fcren von Fremden zu klopfen. Bei ihren Vorschl\u00e4gen war alles dabei \u2013 von der Idee, mir eine Tasse Zucker zu borgen, bis zu der Frage, ob ich die Nacht im Haus fremder Leute verbringen d\u00fcrfe. Von all den kreativen Anregungen erregte eine meine Aufmerksamkeit besonders: Ich sollte um die Erlaubnis bitten, eine Blume im Garten eines Fremden zu pflanzen. Die Idee gefiel mir sehr gut, da sie zum einen seltsam genug war, um ein Nein fast zu garantieren, und ich zum anderen \u2013 falls ich doch ein Ja als Antwort erhalten sollte \u2013 etwas zur Sch\u00f6nheit der Gartengestaltung eines anderen Menschen beitragen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zum Ablehnungsveteran geworden<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich eine pfirsichfarbene Rose der Sorte Double Delight gekauft hatte, fuhr ich in Austin herum und hielt nach einem geeigneten Haus Ausschau. Beim letzten Mal war ich extrem nerv\u00f6s gewesen, aber mittlerweile war ich ein Ablehnungsveteran geworden. Ich w\u00e4hlte ein Haus aus, ging zur T\u00fcr und klopfte einfach an. Das Gef\u00fchl wie vor Scotts Haus, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, existierte nun so gut wie nicht mehr.<\/p>\n<p>Ein wei\u00dfhaariger Mann kam zur T\u00fcr. Sofort erblickte er die Rose in meinen H\u00e4nden \u2013 sie war schwer zu \u00fcbersehen. Wahrscheinlich nahm er an, ich sei ein Vertreter, denn er schien keine gro\u00dfe Lust auf eine Unterhaltung zu haben. Dann erkl\u00e4rte ich ihm, dass ich die Rose in seinem Garten pflanzen wolle, kostenlos. Er zog eine Augenbraue nach oben und l\u00e4chelte etwas.\u00a0\u00bbOkay, das ist interessanter als ich dachte\u00ab, r\u00e4umte er fast etwas verlegen ein. \u00bbVielen Dank, aber nein.\u00ab<\/p>\n<p>Das war der Moment \u2013 meine Chance zu erfahren, was nach einem Nein passierte. Gerade als er die T\u00fcr schlie\u00dfen wollte, sagte ich: \u00bbKein Problem. Aber darf ich fragen, warum nicht?\u00ab\u00a0\u00bbNun, ich m\u00f6chte keine Blumen in meinem Garten haben\u00ab, erkl\u00e4rte er. \u00bbMein Hund w\u00fcrde sie ausbuddeln und zerst\u00f6ren. Ich wei\u00df Ihr Angebot zu sch\u00e4tzen, aber hier sind Sie an der falschen Adresse.\u00ab<\/p>\n<p>Er betrachtete die Rose erneut. \u00bbEs gef\u00e4llt mir, dass Sie diese Blume verschenken\u00ab, sagte er. \u00bbGehen Sie auf die andere Stra\u00dfenseite und fragen Sie mal bei Lauren nach, sie m\u00f6chte sie vielleicht gerne haben. Sie liebt Blumen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die unerwartete Wendung im Geschehen<\/strong><\/p>\n<p>Das war eine unerwartete Wendung im Geschehen. Ich bedankte mich und ging mit einem Gef\u00fchl aufkeimender Zuversicht und gespannter Erwartung wagemutig auf Laurens Haus zu. Ich traf sie und ihren Mann in einem Moment an, als sie gerade das Haus verlassen wollten. Nachdem sie sich mein Angebot angeh\u00f6rt und sich mit ihrem Mann dar\u00fcber abgestimmt hatte, erlaubte sie mir, die Double Delight in ihrem Vorgarten einzupflanzen.<\/p>\n<p>\u00bbIch liebe pfirsichfarbene Rosen\u00ab, schw\u00e4rmte sie mit ehrlicher Begeisterung angesichts des Neuzugangs in ihrem Garten. Mit seinem geraden Stamm und den beiden winkelf\u00f6rmig abstehenden Zweigen sah der Rosenstrauch, den ich pflanzte, wie ein Y aus und erinnerte mich somit buchst\u00e4blich an die Kraft der Frage \u00bbwhy\u00ab (warum) nach einer Zur\u00fcckweisung. Im Gespr\u00e4ch mit dem ersten Hausbewohner erfuhr ich zwei wertvolle Dinge:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Der Mann wies mich nicht etwa zur\u00fcck, weil er mir nicht vertraute oder weil er dachte, ich sei sonderbar. Er wusste mein Angebot zu sch\u00e4tzen, aber es passte nicht zu seiner pers\u00f6nlichen Situation.<\/li>\n<li>Er empfahl mir eine andere Person, die nach seiner Einsch\u00e4tzung viel offener f\u00fcr mein Geschenk sein w\u00fcrde.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meinem allerersten Ablehnungsexperiment hatte ich den Wachmann gefragt, ob er mir 100 Dollar leihen w\u00fcrde. Nachdem er \u00bbNein\u00ab gesagt hatte, hatte er mir eine Frage gestellt: \u00bbWarum?\u00ab Weil ich Angst hatte und das Ganze mir peinlich war, hatte ich mich rasch aus dem Staub gemacht, ohne ihm etwas zu erkl\u00e4ren. Doch seitdem hatte ich seine Antwort nicht mehr aus dem Kopf bekommen.<\/p>\n<p>Nachdem Scott mir erlaubt hatte, Fu\u00dfball in seinem Garten zu spielen, fragte ich ihn, warum er damit einverstanden gewesen war. Er antwortete mir, das Ganze sei \u00bbso abgefahren\u00ab gewesen, dass er mich nicht abweisen konnte. Da ich den Grund erfuhr, warum er sich dazu bem\u00fc\u00dfigt gef\u00fchlt hatte, Ja zu sagen, konnte ich Scott verstehen und seine Entscheidung nachvollziehen. Aber dazu kam es nur aufgrund des Wortes <em>warum<\/em>.<\/p>\n<p>Die Frage an den wei\u00dfhaarigen Mann, warum er keinen Rosenstrauch in seinem Garten haben wollte, f\u00fchrte zu einem anderen Ergebnis: Ich bekam eine Erkl\u00e4rung <em>und <\/em>eine Empfehlung. Er h\u00e4tte mich abweisen k\u00f6nnen, aber stattdessen gab er mir einen konstruktiven Hinweis, aus dem letztlich ein Ja wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Frage nach dem Warum kl\u00e4rt alle Missverst\u00e4ndnisse auf<\/strong><\/p>\n<p>Sobald ich nach dem Warum fragte, kl\u00e4rten sich in der Regel alle Missverst\u00e4ndnisse bez\u00fcglich der Beweggr\u00fcnde der anderen Person auf. Wenn ich in der Vergangenheit zur\u00fcckgewiesen worden war, hatte ich automatisch angenommen, etwas falsch gemacht zu haben. Jetzt, wo ich nach der Abweisung etwas mehr Zeit mit dem Mann verbrachte, er kannte ich, dass es keineswegs etwas Pers\u00f6nliches war. Er wollte einfach keinen Rosenstrauch, weder von mir noch von sonst jemandem. Und ich hatte nicht das Gef\u00fchl, dass er mich unter einem Vorwand abwies, nur um mich von seiner Veranda herunterzubekommen; denn dann h\u00e4tte er mir nicht empfohlen, mich an seine blumenliebende Nachbarin zu wenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Zur\u00fcckweisung nichts mit der Anfrage zu tun hat<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr jede Entscheidung einen Grund, ob dieser nun logisch und wohl\u00fcberlegt oder emotional und aus einem Moment heraus entstanden ist. Kennt man den Grund f\u00fcr eine Ablehnung, l\u00e4sst sich der Schmerz dar\u00fcber eher aufl\u00f6sen oder g\u00e4nzlich \u00fcberwinden. Die Zur\u00fcckweisungen vieler Menschen hatten nichts mit meiner Anfrage oder mit mir pers\u00f6nlich zu tun, sondern basierten auf v\u00f6llig anderen Motiven \u2013 manchmal lie\u00df sich der Grund leicht benennen. Sobald ich das begriffen hatte, war ich viel besser in der Lage, mit einer Ablehnung fertig zu werden. Es gelang mir sogar, Zur\u00fcckweisungen als Erfahrungen zu nutzen, um meine Anfragen beim n\u00e4chsten Mal noch besser r\u00fcberzubringen.<\/p>\n<p>Nach dem \u00bbWarum\u00ab zu fragen bringt nur Vorteile. Schlie\u00dflich wurden Sie bereits zur\u00fcckgewiesen. Und die Erkenntnis, die Sie m\u00f6glicherweise durch die Antwort bekommen, k\u00f6nnte sich als wertvoll erweisen. Die Frage \u00bbWarum?\u00ab kann sogar ein Instrument sein, um eine Ablehnung in eine Zustimmung zu verwandeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckzug statt Flucht<\/strong><\/p>\n<p><strong>100 Tage Ablehnung: Der McDonald\u2019s-Test<\/strong><\/p>\n<p>Eines Tages schlug ein Follower mir vor, mitten am Nachmittag in eine McDonald\u2019s-Filiale hineinzumarschieren und ein McGriddles-Sandwich* zu bestellen \u2013 was dort nur morgens zum Fr\u00fchst\u00fcck angeboten wird. Er war sich \u00bbhundertprozentig\u00ab sicher, dass ich eine Abfuhr bekommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Es war 14 Uhr, als ich eine Bedienung fragte, ob ich ein McGriddles-Sandwich bekommen k\u00f6nne. Wie erwartet, erhielt ich prompt ein Nein als Antwort. Als ich nachfragte, erkl\u00e4rte die Mitarbeiterin mir, die Maschine f\u00fcr die Zubereitung der Eier und der Wurst sei bereits gereinigt worden. Also \u00e4nderte ich meine Taktik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Bitte um etwas \u00c4hnliches<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbHaben Sie so etwas <em>\u00c4hnliches <\/em>wie ein McGriddles?\u00ab, fragte ich. Das weckte das Interesse der Bedienung. Sie bot mir an, ein \u00bbeinfaches McGriddles\u00ab zu machen \u2013 dabei handelte es sich um einen Pancake mit eingebackenem Honig und K\u00e4se darauf. Ich beschloss, es zu nehmen. W\u00e4hrend ich mein Sandwich zu einem Tisch brachte, drehte ich mein iPhone um, um meinen Erfolg angesichts dieser \u00bbunm\u00f6glichen\u00ab Aufgabe zu filmen. Das Sandwich war ohne die Eier und die Wurst nicht ganz so gut. Aber ich a\u00df trotzdem alles auf, und es schmeckte wirklich nicht schlecht.<\/p>\n<p>Der McDonald\u2019s-Test wirkte anfangs ein bisschen albern, aber am Ende bescherte er mir eine wichtige Erkenntnis. Ich hatte eine Verhandlungstaktik ausprobiert, die sich als weitere entscheidende Waffe in meinem Arsenal erweisen sollte. Anstatt nur eine bestimmte Sache zum Ziel zu erkl\u00e4ren, \u00fcberdachte ich meine urspr\u00fcngliche Anfrage und bat um weniger \u2013 in diesem Fall um etwas \u00bb\u00c4hnliches wie ein McGriddles\u00ab. Die Bedienung ging auf meinen Kompromissvorschlag ein und kam mir mit ihrer L\u00f6sung auf halbem Weg entgegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-664951\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/cover.jiang_.jpg\" alt=\"\" width=\"321\" height=\"499\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/cover.jiang_.jpg 321w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/cover.jiang_-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/p>\n<p><strong>&#8222;Wie ich meine Angst vor Zur\u00fcckweisung \u00fcberwand und unbesiegbar wurde&#8220; von \u00a0dtv premium, dtv Verlagsgesellschaft, M\u00fcnchen, 240 Seiten, 14,90 Euro: https:\/\/www.dtv.de\/buch\/jia-jiang-wie-ich-meine-angst-vor-zurueckweisung-ueberwand-und-unbesiegbar-wurde-26116\/<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der milit\u00e4rischen Kriegsf\u00fchrung gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einem R\u00fcckzug und einer Flucht. Ein R\u00fcckzug ist in der Regel vor\u00fcbergehend. Die Truppen ziehen sich zur\u00fcck, um sich neu zu formieren, ihre Kr\u00e4fte zu konsolidieren oder eine bessere taktische Position einzunehmen. Die Flucht ist dagegen Ausdruck eines kompletten Zusammenbruchs der Kampfkraft und Moral der Truppen. Bei einer Flucht lassen die Verlierer oft ihre Waffen fallen und rennen um ihr Leben. Die wehrlosen, fl\u00fcchtenden Soldaten wenden dem Feind den R\u00fccken zu und werden so zu schutzlosen Zielscheiben. H\u00e4ufig kommt es w\u00e4hrend einer solchen Flucht zu den gr\u00f6\u00dften Verlusten.<\/p>\n<p>Manche Menschen, die sich vor Zur\u00fcckweisung f\u00fcrchten, kommen sich vor wie auf einem Mini-Schlachtfeld, wenn sie andere um etwas bitten. Wenn man sich schon so unwohl f\u00fchlt, w\u00e4hrend man sein Anliegen vorbringt, l\u00e4sst sich manchmal schwer beurteilen, ob man nach einem Nein weitermachen oder die Flucht w\u00e4hlen sollte. Ich hatte diesbez\u00fcglich Folgendes festgestellt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Wenn ich darauf bestand, zu bekommen, was ich wollte, egal was mein Gegen\u00fcber sagte, ver\u00e4rgerte das den anderen, und er begann zu mauern.<\/li>\n<li>Wenn ich mich abwendete und fl\u00fcchtete, f\u00fchrte ich selbst meine eigene Niederlage herbei.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In beiden Situationen zog ich mich zur\u00fcck, ohne zu erhalten, was ich wollte oder brauchte. Die Urteile anderer Menschen sowie meine eigenen \u00dcberzeugungen und demoralisierenden Geschichten, die ich mir selbst zusammenreimte, machten mich verletzlich. Der gr\u00f6\u00dfte Verlust bei diesen \u00bbK\u00e4mpfen\u00ab war nicht die Zur\u00fcckweisung, sondern der Verlust meines Selbstvertrauens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckzug, Neubewertung und neuer Versuch mit anderem Ansatz<\/strong><\/p>\n<p>Die Begebenheit bei McGriddles lehrte mich, dass es einen wirksamen dritten Weg gab \u2013 R\u00fcckzug, Neubewertung und erneuter Versuch mit einem anderen Ansatz. Wenn ich meine Anfrage ver\u00e4ndern und mein \u00bbAnliegen\u00ab aus einer anderen Perspektive angehen konnte, w\u00fcrde vielleicht etwas Interessantes und Unerwartetes geschehen \u2013 h\u00e4ufig war es tats\u00e4chlich der Fall. Einmal versuchte ich, ein Zimmer in einem Luxushotel umsonst zu bekommen, und wurde sofort abgewiesen. Aber als ich nachgab und einen kleineren Wunsch \u00e4u\u00dferte, erhielt ich letzten Endes eine kleine F\u00fchrung und durfte auf einem der f\u00fcr ihre Bequemlichkeit ber\u00fchmten Hotelbetten ein Nickerchen machen.<\/p>\n<p>Bei einem anderen Ablehnungsversuch ging ich zur Feuerwehrwache und fragte, ob ich an ihrer Rutschstange hinunterrutschen d\u00fcrfe. Tats\u00e4chlich hatte das Geb\u00e4ude aber nur ein Stockwerk, und es gab keine Rutschstange. Also besann ich mich auf eine kleinere Bitte \u2013 und wurde kurz darauf vom diensthabenden Feuerwehrmann pers\u00f6nlich durch die Feuerwache gef\u00fchrt. Er bot mir sogar an, in ihrem Feuerwehrauto mitzufahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach einer Ablehnung direkt eine geringere Forderung stellen<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Klassiker \u00fcber Psychologie und Kommunikation, \u203aDie Psychologie des \u00dcberzeugens\u2039, zeigt Robert Cialdini, wie wirkungsvoll es ist, Zugest\u00e4ndnisse zu machen und nach einer anf\u00e4nglichen Ablehnung eine geringere Forderung zu stellen. Da die meisten Menschen keine Unsympathen sein m\u00f6chten, ist es Cialdini zufolge viel unwahrscheinlicher, dass sie ein zweites Mal Nein sagen, wenn der Anfragende bei seiner Bitte Zugest\u00e4ndnisse macht. Daher sind erfolgreiche Verhandlungen, die mit einer Win-win-Situation enden, in der Regel das Ergebnis eines gegenseitigen Gebens und Nehmens und basieren nicht etwa auf einer Haltung, bei der beide Parteien mauern und keine Kompromissbereitschaft zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jedes Nein ist von interessanten, unsichtbaren Jas umgeben<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage \u00bbWarum?\u00ab kann eine g\u00e4nzlich neue Verst\u00e4ndnisebene sowie andere M\u00f6glichkeiten zwischen dem Anfragenden und seinem Gegen\u00fcber er\u00f6ffnen. Und das gilt ebenso, wenn man nachgibt und fragt: \u00bbWenn Sie das nicht tun k\u00f6nnen, k\u00f6nnten Sie dann vielleicht etwas anderes tun?\u00ab Als ich diese Fragen immer wieder stellte, wurde mir klar, dass man h\u00e4ufig viel mehr Raum hat, um ein Nein zu umgehen, als ich fr\u00fcher je vermutet h\u00e4tte. Jedes Nein war tats\u00e4chlich von einer ganzen Reihe interessanter, aber unsichtbarer Jas umgeben, die es f\u00fcr mich zu entdecken galt.<\/p>\n<p>Wenn Sie bei einer Bewerbung um einen Job eine Absage bekommen, ist es eine Option zu fl\u00fcchten \u2013 aber eine andere Option w\u00e4re, danach zu fragen, welche anderen Positionen man Ihnen aufgrund Ihrer Qualifikationen anbieten k\u00f6nnte. Wenn jemand Ihre Verkaufsargumente abschmettert, k\u00f6nnten Sie darum bitten, an eine andere Abteilung oder einen anderen Kunden weiterempfohlen zu werden. Wenn Sie sich auf eine Position zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen \u2013 und sich eine offene Haltung bewahren \u2013, k\u00f6nnen Sie es h\u00e4ufig vermeiden, sich durch eine Absage eine Niederlage einzuhandeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zusammenarbeiten, anstatt zu k\u00e4mpfen<\/strong><\/p>\n<p><strong>100 Tage Ablehnung: Meine eigene Eiscremesorte erfinden<\/strong><\/p>\n<p>Als Kind hatte ich viele gro\u00dfe Tr\u00e4ume. Einer davon war, von China bis nach Amerika ein Loch durch die Erde zu buddeln. Im Alter von sechs Jahren begann ich tats\u00e4chlich damit, dieses Loch neben der Stra\u00dfe zu graben, in der ich aufwuchs. Aber nach zwei Tagen \u2013 als ich etwa einen Meter tief in die Erde vorgedrungen war \u2013 erz\u00e4hlte jemand meiner Mutter davon. Das war das Ende meines Abenteuers, und meine Reise nach Amerika sollte sich um eine ganze Dekade verz\u00f6gern.<\/p>\n<p>Ein weiterer Kindheitstraum von mir war, meine eigene Eiscremesorte zu erfinden. Allerdings versuchte ich nie, diesen Traum zu verwirklichen. Da ich mittlerweile auf meiner Ablehnungsreise schon weit vorangekommen war und viel besser wusste, wie ich ein Nein umschiffen konnte, hatte ich das Gef\u00fchl, dass nun der richtige Zeitpunkt f\u00fcr einen Versuch gekommen war.<\/p>\n<p>Nachdem ich eine Weile \u00fcber die Geschmacksrichtung nachgedacht hatte, machte ich mich auf zu Amys Ice Cream, einer gro\u00dfartigen Eisdiele, die f\u00fcr ihr ausgezeichnetes Eis bekannt ist \u2013 sowie f\u00fcr die schwungvollen, t\u00e4nzerischen Bewegungen der Angestellten beim Portionieren und Garnieren von Eis. Zum Gl\u00fcck war meine Mutter dieses Mal nicht da, um mich zu stoppen.<\/p>\n<p>Ich bat den Eisverk\u00e4ufer, mir ein Eis in einer Geschmacksrichtung zusammenzustellen, die ich als \u00bbThai-Tortur\u00ab bezeichnete. Den Geschmack beschrieb ich ihm als Kombination aus getrocknetem Pfeffer, Jalapenos und Ghost Chili \u2013 den sch\u00e4rfsten Zutaten, die mir einfielen. Ich habe einmal ein Gericht in einem thail\u00e4ndischen Restaurant bestellt, das auf der Sch\u00e4rfeskala den Wert 50 von 51 hatte. Allerdings waren die folgenden beiden Tage nichts als eine absolute innere Tortur. Thai-Tortur war mit Sicherheit eine Geschmacksrichtung, die niemand haben wollte \u2013 und die kein Eisverk\u00e4ufer je f\u00fcr mich kreieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Es \u00fcberraschte mich nicht, als der Eisverk\u00e4ufer Nein sagte und mich auf die Karte der Eisdiele verwies. Aber anstatt den Laden zu verlassen \u2013 oder mich mit Vanilleeis zu begn\u00fcgen \u2013, begann ich, weitere Fragen zu stellen. Als ich nachhakte, ob es irgendwelche scharfen Sorten gebe, antwortete der Verk\u00e4ufer, dass sie im Sommer tats\u00e4chlich ein paar verkauft h\u00e4tten (es war gerade Winter), einschlie\u00dflich ein paar Sorten mit Jalapenogeschmack und einer namens \u00bbSchokolade-Wasabi\u00ab. Er suchte in einer Gefriertruhe danach, konnte aber keine dieser Sorten finden. Aber er bot mir an, gerne ein Eis nach meinen Vorstellungen zusammenzustellen, wenn ich meine eigenen Geschmackszutaten mitbr\u00e4chte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gab der Verk\u00e4ufer mir ein paar Proben von Amys sehr speziellem Speck-und-Minz-Eis, von dem ich begeistert war. Es schmeckte mit Sicherheit besser, als Thai-Tortur es getan h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Probleml\u00f6sung nach dem Motto: &#8222;Wir gegen die anderen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>R\u00fcckblickend fiel mir auf, dass der Verk\u00e4ufer von seinem Platz hinter der Theke zu mir nach vorne gekommen war, um die Sache zu besprechen. Es handelte sich nicht um ein Nullsummenspiel nach dem Motto \u00bbEiner gegen den anderen\u00ab, sondern vielmehr um eine Probleml\u00f6sungssituation nach dem Motto \u00bbWir gegen die anderen\u00ab. Das Problem zu l\u00f6sen, war ein Gewinn f\u00fcr uns beide. \u00dcberdies hatte der Eisverk\u00e4ufer mir eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet, meine eigene Eissorte zu kreieren, wenn ich ihm auf halbem Weg entgegenkam und meine eigenen Zutaten mitbrachte.<\/p>\n<p>Als ich mich vor Zur\u00fcckweisungen f\u00fcrchtete, kam es mir ganz normal vor, Menschen als Gegner zu betrachten, die es in der Hand hatten, mir mit Ja oder Nein zu antworten. Aber als ich meine Sichtweise ver\u00e4nderte und begann, sie als Verb\u00fcndete zu sehen, fand ich mich auf v\u00f6llig neuem Terrain wieder. Ich war mit keinerlei negativen Gef\u00fchlen auf den Eisverk\u00e4ufer zugegangen. Diese ausgeglichene mentale Haltung erm\u00f6glichte es mir, positiv gestimmt und respektvoll zu bleiben. Durch meine Fragen machte ich mir den Eisverk\u00e4ufer zu einem Verb\u00fcndeten, was diesen dazu bewog, kundenfreundlich zu reagieren und mir zu helfen, meine W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Und das Endergebnis \u00fcbertraf \u2013 so wie ich es nun immer wieder erlebt hatte \u2013 das, worum ich anfangs gebeten hatte.<\/p>\n<p>Die Kehrseite der Zusammenarbeit ist jedoch eine Auseinandersetzung \u2013 ein Magnet f\u00fcr eine Zur\u00fcckweisung. Nichts machte mir das so bewusst wie die Erfahrung, die ich mit einem Dokumentarfilmteam machte, das von Los Angeles nach Austin gefahren war, um einen kurzen Film \u00fcber meine Ablehnungsreise zu drehen. Die Leute waren besonders angetan davon, wie es mir gelang, trotz meiner verr\u00fcckten Anfragen so viele Zusagen zu bekommen. Zu der Zeit versuchte ich selbst, das zu verstehen, also willigte ich ein, das Filmteam auf eine Ablehnungsexkursion mitzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Idee: Musiker in Austin zu bitten, ein St\u00fcck zu spielen<\/strong><\/p>\n<p>In der Stadt Austin, deren offizieller Spitzname \u00bbLivemusik-Hauptstadt der Welt\u00ab ist, gibt es zahlreiche Independent Musikstudios. Die Besch\u00e4ftigten dieser Studios sind in der Regel selbst Teilzeitmusiker. Die Idee war, bei einem dieser Studios aufzukreuzen und dort jemanden zu bitten, sein Lieblingsmusikst\u00fcck f\u00fcr uns zu spielen.<\/p>\n<p>Wir waren neugierig, was passieren w\u00fcrde, wenn jemand anderer anfragte, daher sollte Ethan, ein Mitglied der Filmcrew, es versuchen. Er ging zu dem Mann am Empfang und fragte ihn, ob er uns das Studio zeigen und uns etwas Musik vorspielen k\u00f6nne. Der Mann am Empfangstisch sagte Nein. Er erkl\u00e4rte uns, er habe zu arbeiten, und sah etwas genervt aus.<\/p>\n<p>Ethan begann mit ihm zu diskutieren. Er wies den Mann darauf hin, dass es sein Job sei, auf W\u00fcnsche potenzieller Kunden einzugehen. Daraufhin erwiderte dieser, es sei gegen die Studiovorschriften, wenn Mitarbeiter oder Kunden die Instrumente ohne Genehmigung oder Bezahlung nutzten. Die beiden argumentierten hin und her, und ihre Stimmen wurden lauter. Unsere \u00bbAblehnungsanfrage\u00ab artete rasch in einen verbalen Schlagabtausch \u00fcber Vorschriften und Kompetenzen aus.<\/p>\n<p>Ich wusste aus Erfahrung, dass dies nicht gut enden w\u00fcrde, daher schaltete ich mich ein. \u00bbUns ist bewusst, dass dies eine ungew\u00f6hnliche Bitte ist, und es w\u00e4re vollkommen in Ordnung f\u00fcr uns, wenn Sie Nein sagen\u00ab, erkl\u00e4rte ich. \u00bbAber wir w\u00fcrden ein Ja wirklich zu sch\u00e4tzen wissen. Wir w\u00fcrden Sie einfach unheimlich gerne Schlagzeug in diesem Studio f\u00fcr uns spielen h\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Absage, die sich in eine Zusage verwandelte<\/strong><\/p>\n<p>Der Studiomitarbeiter sah mich an, dann blickte er zur Decke und begann mit dem Kopf zu nicken. \u00bbIn Ordnung\u00ab, antwortete er. Und ohne zu z\u00f6gern, f\u00fchrte er uns in den besten Schlagzeugraum des Studios und begann sein Lieblingsst\u00fcck zu spielen.\u00a0Die Filmcrew war v\u00f6llig perplex. So konnten sie nicht nur einen Ablehnungsversuch sowie ein Schlagzeugsolo filmen, sondern erlebten auch noch mit, wie eine Absage sich in eine Zusage verwandelte. Nachdem wir uns bedankt und das Studio verlassen hatten, fragte mich das Filmteam, welchen Voodoo-Zauber ich da angewandt hatte.<\/p>\n<p>Aufgrund all der Dinge, die ich gelernt hatte, war es eine schl\u00fcssige Entwicklung. Mit einer Person zu diskutieren, die einen zur\u00fcckgewiesen hat, ist wahrscheinlich die ineffektivste Art und Weise, ihre Haltung zu ver\u00e4ndern. Stattdessen handelt man sich so gut wie garantiert eine Abfuhr ein, denn eine Auseinandersetzung macht aus potenziellen Verb\u00fcndeten Feinde. Ich war als Verb\u00fcndeter auf den Mann zugegangen und diese ver\u00e4nderte Haltung hatte ihn zum Umdenken bewegt. Da ich klar stellte, dass er die Freiheit hatte, Nein zu sagen, bekam ich das Ja, auf das wir aus waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Umschalten, statt aufzugeben<\/strong><\/p>\n<p>Aufgeben oder nicht aufgeben? Das ist die Frage, die fast jeder im Hinterkopf hat, der schon einmal bei irgendetwas gescheitert ist. Einerseits predigen Lebenshilfe-Gurus und Motivationsredner immer wieder mit Winston Churchill: \u00bbGib niemals auf. Gib nie auf. Nie, nie, nie \u2013 weder in gro\u00dfen Dingen noch in kleinen, in wichtigen oder unbedeutenden \u2013 gib niemals auf\u00ab, oder mit Vince Lombardi: \u00bbGewinner geben nie auf, und wer aufgibt, gewinnt nie.\u00ab Andererseits raten moderne Unternehmer aber eindringlich dazu, bei unerreichbaren Ideen rasch umzuschwenken. Ihr Motto lautet: \u00bbScheitere schnell, scheitere oft.\u00ab Die Bestsellerautoren und Wirtschaftswissenschaftler Steven Levitt und Stephen Dubner widmeten in ihrem Buch \u203aThink like a Freak\u2039 dem Thema \u00bbDie positive Seite des Aufgebens\u00ab sogar ein ganzes Kapitel.<\/p>\n<p>Was die Zur\u00fcckweisung betrifft, kann man beiden Argumenten etwas abgewinnen. Bei meinen 100 Tagen Ablehnung blieb ein Nein manchmal ein Nein, egal wie ich das Ganze anging und welche Taktik ich auch ausprobierte. In diesen F\u00e4llen war es kontraproduktiv und unzweckm\u00e4\u00dfig, dieselbe Bitte in derselben Situation gegen\u00fcber derselben Person immer wieder aufs Neue zu \u00e4u\u00dfern \u2013 in der Hoffnung, meine Beharrlichkeit werde das Ergebnis irgendwie ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber es konnte durchaus zu einem anderen Ergebnis f\u00fchren, wenn ich einen Schritt zur\u00fccktrat und unter anderen Vorzeichen einen neuen Versuch startete. Ich bezeichne dies als \u00bbUmschalten\u00ab. Bei meinem Versuch, einen Eintagesjob zu ergattern, ben\u00f6tigte ich drei verschiedene Unternehmen, um eine Zusage zu bekommen. Als ich versuchte, Blumen im Garten eines Fremden zu pflanzen, gab die zweite Person, Lauren, mir gr\u00fcnes Licht. Es war viel zielf\u00fchrender, eine andere Person anzusprechen, als immer weiter zu versuchen, denselben Menschen von meinem Vorhaben zu \u00fcberzeugen \u2013 egal welche Bed\u00fcrfnisse und Vorlieben er hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Weg \u00bbumzuschalten\u00ab besteht darin, das Umfeld zu ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>Stephon Marbury war bereits in jungen Jahren ein Sportstar. Geboren und aufgewachsen in Brooklyn verdiente er sich aufgrund seines Basketballtalents rasch den Spitznamen \u00bbStarbury\u00ab und wurde von vielen als der n\u00e4chste gro\u00dfe NBA-Spielmacher gesehen. Bereits an der Highschool erhielt er zwei sehr renommierte Auszeichnungen: Ihm wurde der Titel \u00bbMr New York Basketball\u00ab verliehen, und er wurde zu einem McDonald\u2019s All-American ernannt. Dar\u00fcber hinaus erschien ein Buch \u00fcber ihn, au\u00dferdem zierte er das Cover eines Videospiels. Nach einem Jahr Studium am Georgia Institute of Technology wurde er 1996 als vierter Spieler beim NBA Draft* ausgew\u00e4hlt. In der NBA wurde er 2001 und 2003 als All-Star gew\u00e4hlt und verhalf seinem Team f\u00fcnf Mal zur Teilnahme an den Playoffs.<\/p>\n<p>Marburys Lebenslauf klingt wie der eines gro\u00dfen Basketballstars. Aber in Wirklichkeit war seine sportliche Laufbahn von Kontroversen und Zur\u00fcckweisungen gepr\u00e4gt, zumindest in der NBA.\u00a0 Kaum war er in der Profiliga, fiel er durch seine ruppige, sich vordr\u00e4ngelnde Spielweise und seine h\u00e4ufigen Auseinandersetzungen mit den Trainern auf. Schnell hatte er den Ruf, egoistisch zu sein. Er wurde an vier verschiedene Teams weitergereicht, bevor er bei den New York Knicks landete \u2013 einem Team, von dem er schon als Heranwachsender getr\u00e4umt hatte. Bald schon entzweite er sich mit zwei verschiedenen Trainern und wurde als \u00bbStreithammel\u00ab, an dem sich alle Trainer aufarbeiteten, sowie als \u00bbStursch\u00e4del\u00ab und \u00bbLoser\u00ab bezeichnet. Er wurde regelm\u00e4\u00dfig suspendiert und h\u00e4ufig von den Fans ausgebuht.<\/p>\n<p>Obwohl er ordentliche Ergebnisse erzielte, zwang Marburys Ruf die New York Knicks dazu, ihn abzus\u00e4gen. Nach einem miserablen Jahr bei den Boston Celtics schloss man ihn aus der Liga aus. Trotz seines enormen Talents wurde er nach turbulenten 13 Jahren von der NBA und den Fans abgelehnt. Es sah so aus, als w\u00e4re seine Karriere f\u00fcr immer beendet.<\/p>\n<p>Stephon Marbury h\u00e4tte einfach von all dem Geld leben k\u00f6nnen, das er verdient hatte. Er h\u00e4tte auch versuchen k\u00f6nnen, bei einem anderen Team unterzukommen, um seine verblassende Karriere zu verl\u00e4ngern. Aber er tat nichts dergleichen. Stattdessen beschloss er, einen Schritt zur\u00fcckzutreten und seine Sportlerlaufbahn auf der anderen Seite des Globus fortzusetzen \u2013 in China.<\/p>\n<p>In der chinesischen Kultur, die viel zur\u00fcckhaltender ist, betrachtete man Marburys ungehobelte Art und Spielweise als F\u00fchrungsqualit\u00e4ten, die in einem Basketballteam dringend ben\u00f6tigt werden. Nach zwei Spielzeiten in der Chinese Basketball Association (CBA) nahmen die Beijing Ducks Marbury unter Vertrag. Diese Mannschaft hatte in der 17-j\u00e4hrigen Geschichte der Liga noch nie eine Meisterschaft gewonnen, obwohl sie zu den reichsten Teams geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>In Peking wurde Marbury zu einer Legende. Als Spielmacher erzielte er im Durchschnitt 30 Punkte pro Spiel und verhalf den Ducks 2012 zu ihrem ersten Meistertitel. Bevor sie den Pokal entgegennahmen, lie\u00dfen seine Mannschaftskameraden ihn hochleben, indem sie ihn in die Luft warfen. Danach brach er in der Kabine in Tr\u00e4nen aus und weinte \u00fcber 15 Minuten lang. \u00bbEs ist unglaublich\u00ab, sagte er immer wieder zu den Reportern.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter f\u00fchrte er die Ducks zum zweiten Meistertitel. Im Alter von 37 Jahren war Marbury f\u00fcr die 20 Millionen Einwohner von Peking ein Held und wurde vom B\u00fcrgermeister zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt ernannt. Vor dem Stadion der Ducks stellte man sogar eine Bronzestatue von ihm auf. Marburys Weg f\u00fchrte ihn vom Ruhm zur Ablehnung und schlie\u00dflich wieder zur\u00fcck zum Ruhm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach Zur\u00fcckweisungen gibt es Chancen<\/strong><\/p>\n<p>Man kann von Marburys Charakter halten, was man will, aber sein \u00bbUmschalten\u00ab zeigt, dass es nach Zur\u00fcckweisungen Chancen gibt \u2013 und eine Ablehnung nicht immer das Ende bedeuten muss. Um jeden Preis auf etwas zu bestehen oder aber die Segel zu streichen und aufzugeben, sind nicht die einzigen beiden Optionen nach einem Nein. Stattdessen sollten Sie manchmal einen Schritt zur\u00fccktreten und Ihre Begabungen und Tr\u00e4ume neu bewerten \u2013 ebenso wie die Umst\u00e4nde und das Umfeld, in dem Sie versucht haben, eine Zusage zu erhalten. Wenn Sie all die Faktoren noch einmal betrachten, finden Sie m\u00f6glicherweise einen neuen Ansatz, der es Ihnen erm\u00f6glicht, eine Idee in einem neuen Licht zu sehen \u2013 und das Ja zu bekommen, das Sie sich immer gew\u00fcnscht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>TIPPS<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Nach dem \u00bbWarum?\u00ab fragen, statt sich zu verabschieden: Setzen Sie das Gespr\u00e4ch nach der ersten Zur\u00fcckweisung fort. Das magische Wort lautet \u00bbWarum?\u00ab. Es kann den Grund f\u00fcr die Ablehnung aufdecken und dem Abgelehnten die M\u00f6glichkeit geben, das Problem auszur\u00e4umen.<\/li>\n<li>Zur\u00fcckweichen, statt wegzurennen: Wenn man nach der ersten Ablehnung nicht aufgibt und stattdessen etwas nachgibt, um ein kleineres Anliegen vorzubringen, hat man eine viel gr\u00f6\u00dfere Chance, ein Ja zu bekommen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li>Zusammenarbeit statt Kampf: Diskutieren Sie nie mit dem Ablehnenden. Versuchen Sie vielmehr, mit ihm zusammenzuarbeiten, um Ihr Vorhaben zu verwirklichen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"4\">\n<li>Umschalten, statt aufzugeben: Bevor Sie entscheiden, ob Sie Ihr Vorhaben aufgeben oder nicht, sollten Sie einen Schritt zur\u00fccktreten und Ihr Anliegen einem anderen Menschen unterbreiten oder es in einem anderen Umfeld oder unter anderen Bedingungen vorbringen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sich auf ein Ja ausrichten<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte von Jiro Ono, einem 85-j\u00e4hrigen Japaner, der sein ganzes Leben der Meisterschaft und Perfektion der Kunst der Sushi-Zubereitung gewidmet hat, wurde durch den Dokumentarfilm \u203aJiro und das beste Sushi der Welt\u2039 aus dem Jahr 2011 ber\u00fchmt. Sein kleines Restaurant in Tokio wurde zum bekanntesten Sushi-Laden der Welt und zu einem nationalen Kulturgut Japans. Sogar Pr\u00e4sident Obama legte w\u00e4hrend seines Besuchs im Land dort einen Stopp ein und verk\u00fcndete, es sei das beste Sushi, das er je gegessen habe.<\/p>\n<p>Was viele Zuschauer an Jiros Restaurant faszinierte, war die strapazi\u00f6se und penible Ausbildung der Lehrlinge in den grundlegenden Fertigkeiten. Zun\u00e4chst m\u00fcssen sie lernen, die hei\u00dfen Handt\u00fccher richtig auszuwringen, die das Restaurant seinen G\u00e4sten bereitstellt. Die Handt\u00fccher sind so hei\u00df, dass die Lehrlinge sich daran die H\u00e4nde verbrennen. Wenn sie das beherrschen, lernen sie jahrelang, Fisch zu zerlegen und zuzubereiten. Nachdem sie sich zehn Jahre lang mit Fisch befasst haben, erlangen sie das Recht, Eier zuzubereiten. Ein Lehrling erkl\u00e4rte, er habe monatelang \u00fcber zweihundert Partien Sushi-Omelette herstellen m\u00fcssen, bevor er die Erlaubnis bekam, es f\u00fcr die Kunden zuzubereiten.<\/p>\n<p>Jiros Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, die Grundlagen zu erlernen, bevor man zu komplizierteren Fertigkeiten \u00fcbergeht und schlie\u00dflich die gesamte Kunst beherrscht.<\/p>\n<p>Wenn sich meine Kunst insgesamt darum drehte, mit Zur\u00fcckweisungen fertigzuwerden, dann lie\u00df sich der Aspekt, nach einem Nein nicht aufzugeben, mit dem Auswringen der Handt\u00fccher vergleichen. Ich hatte viel gelernt, aber das meiste stand mir noch bevor. Im n\u00e4chsten Schritt ging es darum, mir verschiedene M\u00f6glichkeiten zu erschlie\u00dfen, um von vornherein mehr Zusagen zu bekommen.<\/p>\n<p>Da es f\u00fcr ein Ja eine gewisse \u00dcberzeugungsarbeit braucht, gelobte ich, meine Anfragen nicht weniger verr\u00fcckt zu gestalten, nur um mir das Ganze leichter zu machen. Ich wollte keine Zusage erhalten, indem ich eine allzu nahe liegende Bitte vorbrachte. Da ich bereits viel selbstbewusster war als zu Beginn meiner Reise, musste ich mich nicht durch leicht erh\u00e4ltliche Zusagen aufbauen. Stattdessen wollte ich herausfinden, ob ich ein paar Prinzipien erkennen konnte, die eine Zusage wahrscheinlicher machten, egal an welche Anfrage sie gekn\u00fcpft war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das \u00bbWarum\u00ab erl\u00e4utern<\/strong><\/p>\n<p><strong>100 Tage Ablehnung: Passanten in Austin f\u00fcnf Dollar schenken\u00a0<\/strong><strong>und Fotos mit Fremden in New York City machen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bb<em>Die besten Dinge im Leben sind kostenlos, aber die \u00fcberlasst bitte den Bienchen und den Bl\u00fcmchen. Nun gebt mir schon Geld, denn das will ich haben<\/em>.\u00ab<\/p>\n<p>Barrett Strong im Song \u00bbMoney\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00fcnschen Menschen sich Geld tats\u00e4chlich mehr als alles andere, wie in Barrett Strongs Songklassiker angedeutet wird? Falls dem so ist, m\u00fcssten sie es eigentlich \u00fcberaus begr\u00fc\u00dfen, wenn man ihnen Geld schenkt, ohne irgendwelche Bedingungen daran zu kn\u00fcpfen. Zumindest dachte ich das, als ich mich an einer belebten Stra\u00dfenecke im Zentrum von Austin postierte und zuf\u00e4llig vorbeikommenden Passanten F\u00fcnfdollarscheine anbot. Ich erkl\u00e4rte ihnen nicht, was ich tat. Ich stand lediglich mit ausgestreckter Hand da und fragte sie, ob sie f\u00fcnf Dollar haben wollten.<\/p>\n<p>Um mein Bankkonto nicht zu sehr zu pl\u00fcndern, bot ich nur f\u00fcnf Leuten das Geld an. Hier die Ergebnisse:<\/p>\n<p>Person Nr. 1: Sie war sehr erfreut und sagte immer wieder: \u00bbDas ist sehr nett von Ihnen!\u00ab Sie bot au\u00dferdem an, das Geld \u00bbweiter zu verschenken\u00ab, wenn sie eine bed\u00fcrftige Person sehe.<\/p>\n<p>Person Nr. 2: Sie sah mich etwas skeptisch an und fragte mich, ob es einen Haken gebe. Als sie h\u00f6rte, dass das nicht der Fall war, nahm sie das Geld l\u00e4chelnd an \u2013 forderte mich aber auf, zur\u00fcckzukommen und es mir wieder zu holen, sollte ich es brauchen.<\/p>\n<p>Person Nr. 3: Dieser Mann lehnte das Angebot entschieden ab. Er sagte: \u00bbIch brauche keine f\u00fcnf Dollar.\u00ab Bevor er weiterging, deutete er in Richtung eines nahe gelegenen Obdachlosenheims. \u00bbEs gibt viele Leute, die auf der Stra\u00dfe leben und wahnsinnig gerne f\u00fcnf Dollar h\u00e4tten. Warum schenken Sie ihnen das Geld nicht?\u00ab<\/p>\n<p>Person Nr. 4: Dieser Mann fragte mich, wof\u00fcr die f\u00fcnf Dollar seien. \u00bbEinfach nur so\u00ab, erwiderte ich. Er ging schnell weiter.<\/p>\n<p>Person Nr. 5: Diese Frau fragte mich ebenfalls, wof\u00fcr das Geld sei. Wieder sagte ich: \u00bbEinfach nur so.\u00ab Sie lachte verlegen und ging weiter.<\/p>\n<p>Insgesamt hatten zwei Leute Ja gesagt und drei Nein.<\/p>\n<p>Kurz darauf hatte ich Besuch von meiner Tante und fuhr mit ihr nach New York \u2013 einer Stadt, in der stets ein reges Treiben herrscht. Wo immer wir auch hin gingen \u2013 ob zum Times Square, Central Park oder Empire State Building \u2013, \u00fcberall lie\u00dfen Menschen sich fotografieren. H\u00e4ufig bat der Fotograf fremde Leute h\u00f6flich darum, etwas zur Seite zu gehen, damit sie nicht mit im Bild waren. Oder er wartete, bis sie weitergegangen waren. Alle wollten offenbar zeigen, dass sie in diesem Moment die Einzigen bei der Sehensw\u00fcrdigkeit waren.<\/p>\n<p>Als ich das immer wieder beobachtete, kam mir eine Idee. Da der Charakter von New York ebenso durch die New Yorker gepr\u00e4gt wird wie durch die Geb\u00e4ude, konnte ich doch zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte New Yorker fragen, ob ich mit ihnen auf der Stra\u00dfe f\u00fcr ein Foto posieren d\u00fcrfe, das meine Tante von uns machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Stunden bat ich Dutzende zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Passanten, sich gemeinsam mit mir fotografieren zu lassen. Darunter waren Leute aller m\u00f6glichen Volkszugeh\u00f6rigkeiten sowie unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Manche von ihnen sprachen nicht sehr gut Englisch. Die einzige Gemeinsamkeit war die Art und Weise, wie ich sie ansprach. Ich sagte ihnen, dass ich ein Foto mit ihnen machen wolle, weil Menschen meiner Meinung nach ein wesentlicher Bestandteil einer Stadt seien.<\/p>\n<p>Einige von ihnen dachten anfangs, ich w\u00fcrde sie darum bitten, ein Foto <em>f\u00fcr <\/em>mich zu machen, und waren \u00fcberrascht, dass sie <em>mit <\/em>mir auf dem Bild sein sollten. Andere z\u00f6gerten zun\u00e4chst etwas und dachten eine Weile \u00fcber meine ungew\u00f6hnliche Anfrage nach.\u00a0Aber letztlich war ich selbst am meisten \u00fcberrascht, weil jeder Einzelne von ihnen einwilligte.<\/p>\n<p>Viele Leute glauben, ich h\u00e4tte w\u00e4hrend meiner Ablehnungsreise so viele Zusagen bekommen, weil ich im texanischen Austin lebe, einem Ort, der f\u00fcr seine aufgeschlossenen und etwas speziellen Bewohner bekannt ist. Ihrer Meinung nach lag es an der Gastfreundschaft des S\u00fcdens. H\u00e4tte ich die gleichen Bitten an einem Ort wie New York oder fast \u00fcberall in Europa vorgetragen, w\u00e4re ich ihnen zufolge strikt zur\u00fcckgewiesen worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>New Yorker so entgegen kommend wie Menschen in Austin<\/strong><\/p>\n<p>In manchen F\u00e4llen mag das stimmen. Allerdings hatte ich auch in Austin h\u00e4ufig eine Ablehnung bekommen \u2013 manchmal wenn ich es am wenigsten erwartet h\u00e4tte, wie zum Beispiel als ich versuchte, die F\u00fcnfdollarscheine zu verteilen. Aber nun war ich in New York und \u00e4u\u00dferte eine Bitte, die niemandem einen Vorteil brachte, und trotzdem waren alle angesprochenen Personen damit einverstanden.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick war das nicht plausibel. Aber nachdem ich mir die Videos erneut angesehen hatte, erkannte ich einen eklatanten Unterschied zwischen der Fotoanfrage in New York und der Geld-verschenk-Aktion in Austin. In New York hatte ich all den fremden Leuten auf dem B\u00fcrgersteig erkl\u00e4rt, <em>warum <\/em>ich sie darum bat, sich mit mir fotografieren zu lassen \u2013 ich wollte nicht nur Sehensw\u00fcrdigkeiten, sondern auch Menschen mit auf meinem Foto haben. Ich hatte es nicht ihnen \u00fcberlassen, sich selbst ihren Teil zu denken. Infolgedessen hatten sie positiv reagiert, obwohl die Bitte vom normalen Sozialverhalten abwich, das sie im Alltag gewohnt waren.<\/p>\n<p>Wenn ich jemanden nach einer Absage danach fragte, warum er sich so entschieden hatte, konnte ich seine Beweggr\u00fcnde besser verstehen und ein Nein manchmal in ein Ja umwandeln \u2013 oder sogar in ein noch interessanteres Angebot. Nun stellte ich fest, dass es eine \u00e4hnliche Wirkung hatte, wenn ich <em>meine <\/em>Gr\u00fcnde gleich zu Anfang erl\u00e4uterte. Ich war jedoch nicht der Erste, der das erkannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit Grund funktionieren Bitten besser<\/strong><\/p>\n<p>1978 f\u00fchrte Ellen Langer von der Harvard University ein Experiment durch, das diesen Zusammenhang deutlich macht. Sie fragte Leute, die an einem Kopierger\u00e4t anstanden, ob diese sie vorlassen w\u00fcrden. Langer wollte herausfinden, ob die Art und Weise, wie sie die Anfrage formulierte, sich auf die Antworten auswirkte. Als sie sagte: \u00bbEntschuldigung, ich habe f\u00fcnf Seiten. Darf ich den Kopierer benutzen?\u00ab, lie\u00dfen 60 Prozent der Leute sie vor.<\/p>\n<p>Als sie au\u00dferdem einen Grund nannte: \u00bbEntschuldigung, ich habe f\u00fcnf Seiten. Darf ich den Kopierer benutzen? Ich habe es n\u00e4mlich sehr eilig\u00ab, erh\u00f6hte sich die Rate der Zusagen auf 94 Prozent. Bei der dritten Variante gab sie ebenfalls einen Grund an, formulierte ihn aber absichtlich so, dass er nicht plausibel war: \u00bbEntschuldigung, ich habe f\u00fcnf Seiten. Darf ich den Kopierer benutzen? Ich muss n\u00e4mlich ein paar Kopien machen.\u00ab Erschreckenderweise gingen in diesem Fall ebenfalls 93 Prozent der Leute auf ihre Bitte ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hauptsache, es gibt einen Grund<\/strong><\/p>\n<p>Langers Experiment \u2013 mit dem Titel \u00bbDer Kopierer\u00ab \u2013 entwickelte sich zu einer bahnbrechenden Studie im Bereich der Psychologie. Demnach werden die Reaktionen auf eine Anfrage stark von dem Wissen beeinflusst, dass es einen Grund f\u00fcr die Anfrage gibt, egal um welchen es sich dabei handelt. All meine Erfahrungen auf meiner Ablehnungsreise best\u00e4tigten dies. Wenn ich jemandem einen Grund f\u00fcr meine Bitte nannte, egal wie weit hergeholt er auch sein mochte, bekam ich mit viel gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit eine Zusage.<\/p>\n<p>Aber viele Menschen lassen diesen Schritt aus \u2013 mich selbst eingeschlossen. R\u00fcckblickend wundere ich mich dar\u00fcber, wie oft ich keinen Grund f\u00fcr meine Anfrage genannt habe \u2013 in der Regel, weil ich davon ausging, dass der andere ihn bereits kannte oder es ihn nicht interessierte. Manchmal war ich von meinem Anliegen so vereinnahmt, dass es mir nicht einmal in den Sinn kam, dem anderen zu erkl\u00e4ren, warum ich von meiner Idee so begeistert war. Hin und wieder hatte ich das Gef\u00fchl, mich zu verwundbar zu machen, wenn ich meine Beweggr\u00fcnde offen legte. Und manchmal war ich mir selbst nicht sicher, welchen Grund ich f\u00fcr eine Anfrage hatte, oder ich konnte ihn nicht in Worte fassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug: &#8222;Wie ich meine Angst vor Zur\u00fcckweisung \u00fcberwand und unbesiegbar wurde&#8220; von Jia Jiang. &nbsp; &nbsp; Mit einem Nein umgehen Etwa ab der H\u00e4lfte meiner 100 Tage entwickelte sich meine Angst vor Ablehnung in eine Art Neugier. 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