{"id":664621,"date":"2017-05-26T18:10:20","date_gmt":"2017-05-26T16:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=664621"},"modified":"2017-05-26T18:10:20","modified_gmt":"2017-05-26T16:10:20","slug":"top-anwalt-maximilian-schiessl-champagner-ist-sein-zweiter-vorname-ein-portrait-langfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/05\/26\/top-anwalt-maximilian-schiessl-champagner-ist-sein-zweiter-vorname-ein-portrait-langfassung\/","title":{"rendered":"Top-Anwalt Maximilian Schiessl: Champagner ist sein zweiter Vorname &#8211; ein Portrait (Langfassung)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Keiner betreut mehr Milliardendeals in Deutschland als Anwalt Maximilian Schiessl. Gerade mischt er bei Linde und Praxair mit. Was den unorthodoxen Juristen und Deutschlands erfolgreichsten Deal-Maker auszeichnet. (Langfassung des WirtschaftsWoche-Print-St\u00fccks vom 12.5.2017)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665107\" style=\"width: 343px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665107\" class=\"size-full wp-image-665107\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/schiessl.wiwo_.foto_.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"499\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/schiessl.wiwo_.foto_.jpg 333w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/05\/schiessl.wiwo_.foto_-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><p id=\"caption-attachment-665107\" class=\"wp-caption-text\">Maximilian Schiessl, Anwalt bei Hengeler (Foto: wiwo)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl Maximilian Schiessl dem Wachmann an der Schranke seine Parkerlaubnis zeigte, verweigerte der dem Anwalt die Zufahrt zum Sonderparkplatz bei der Hauptversammlung von Krupp\/H\u00f6sch. Wer mit einem \u00e4lteren kleinen Golf ankomme, m\u00fcsse unwichtig sein und geh\u00f6rt nicht zu den Limousinen der Vorst\u00e4nde, erz\u00e4hlt Schiessl, den unstandesgem\u00e4\u00dfe Gef\u00e4hrte so gar nicht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer M&amp;A-Anwalt von der Traditionskanzlei Hengeler Mueller, der der Vorstand f\u00fcr die anstehende Unternehmensfusion angeheuert hatte, grinst noch heute 24 Jahre sp\u00e4ter dar\u00fcber: \u201eMein alter Golf war legend\u00e4r.\u201c Und seine Auto-Marotte bewegt immer noch die Gem\u00fcter seiner Freunde, jeder erw\u00e4hnt sie. Anw\u00e4lte berichten, dass er doch tats\u00e4chlich monatelang mit abgebrochenem R\u00fcckspiegel herum fuhr, der nur mit Klebeband notd\u00fcrftig befestigt war.<br \/>\nDen Golf schaffte Schiessl noch lange nicht ab, Autos sind ihm als Prestige-Objekt egal &#8211; anders als allen anderen Anw\u00e4lten seiner Coleur. Und seit der Golf neun Jahre sp\u00e4ter ihren Geist aufgab, hat er einen Wagen, der auch schon wieder 16 Jahre alt ist: Ein schwarzes Jaguar-Cabrio, mit dem der 56-J\u00e4hrige selbst im Winter mit offenem Verdeck mit Schal und M\u00fctze f\u00e4hrt. Wen er vom Flughafen abholt, der muss damit rechnen, dass er seinen Kaffer auf den Schoss nehmen muss. Weil der Kofferraum bis oben hin proppevoll ist \u2013 mit Sportsachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alte Auto auszutauschen gegen j\u00fcngere Modelle ist f\u00fcr ihn keine Option. Ebenso wenig wie der alten Lederkoffer seines Gro\u00dfvaters, mit dem er bei seinen Mandanten aufkreuzte und in dem er neben Akten auch gleich sein Nachtzeug verstaute.<br \/>\nEr hat es eben als Rainmaker bei Hengeler \u2013 so nennt man die Umsatzbringer in Kanzleien \u2013 ohnehin nicht n\u00f6tig. Brancheninsider z\u00e4hlen ihn neben Ralph Wollburg von Linklaters und Schiessl Studienfreund und Partner Hans-J\u00f6rg Ziegenhain zu den Top-Drei- der deutschen M&amp;A-Anw\u00e4lte.<\/p>\n<p>Bei den \u00dcbernahmen der b\u00f6rsennotierten Aktiengesellschaften \u00fcber die vergangenen zehn Jahre steht Schiessl mit mehr als 100 Milliarden\u00a0Euro Umsatzvolumen im Ranking des Analyseunternehmens MergerMarket an der Spitze. Und das mit viel Abstand zu den Nummern zwei und drei: Sein Kollege Hans-J\u00f6rg Ziegenhain mit knapp 70 Milliarden Euro und Carsten Berrar von Sullivan &amp; Cromwell mit gut\u00a046 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Referenzmandanten sind\u00a0 Oetker, KKR oder Linde<\/strong><\/p>\n<p>Die Liste der Industrienamen, die den Wahl-Rheinl\u00e4nder bei Firmen-Deals beauftragen, ist lang.\u00a0Aktuell ist es Linde, die mit US-Konkurrenten Praxair fusionieren will, um Weltmarktf\u00fchrer der Industriegase zu werden. Auch Peugeot PSA hat j\u00fcngst beim Kauf von Opel, Schiessl angeheuert. F\u00fcr Oetker dealt er gerade den Verkauf der Reedereien Hamburg S\u00fcd. Und f\u00fcr KKR ist er bei der \u00dcbernahme der GFK im Geschirr.<br \/>\nGro\u00dfe Besprechungen formen k\u00f6nnen, das ist sein Ding, erkennt ein Konkurrent an. Er habe People skills und k\u00f6nne schwierige Situationen einsch\u00e4tzen und entsch\u00e4rfen. Er liest Leute gut und zieht die richtigen Schl\u00fcsse daraus. Wenn sich zwei Platzhirsche nicht verstehen oder Abteilungen desselben Unternehmens bek\u00e4mpfen und sich gegen\u00fcber ihrem Vorstand produzieren, wird\u00b4s kompliziert. Oder wenn ein Fehler passiert und die Investmentbank den Kaufpreis falsch berechnet hat, das aber niemand rechtzeitig bemerkt hat.<\/p>\n<p>Wenn ein Punkt, der bei der Due Dilligence gesehen, aber falsch eingeordnet wurde, pl\u00f6tzlich ein richtiges Problem ist und eine Woche vor Vertragsunterzeichnung hochpoppt &#8211; dann sind juristisch brilliante L\u00f6sungen das eine. Dann geht der Suchscheinwerfer an und wir m\u00fcssen gucken, dass wir zur\u00fcck sind im Sch\u00fctzengraben, zitieren ihn fr\u00fchere Mitstreiter. Und die Gem\u00fcter beruhigen kann und daf\u00fcr sorgen, dass die Problem gel\u00f6st werden, das ist Schiessls Gabe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Daimler\/Chrysler-Fusion war sein Durchbruch<\/strong><\/p>\n<p>Sein Durchbruch waren Transaktionen wie die Daimler\/Chysler-Fusion, die Schaeffler-\u00dcbernahme von Continental oder dem B\u00f6rsengang der Telekom.\u00a0Auf dem Regal in seinem B\u00fcro ist kein Platz mehr f\u00fcr noch mehr Thumb Stones, die Troph\u00e4en, die Unternehmen den Deal-Beteiligten zur Erinnerung schenken. Rund 60 dieser Land Marks stehen da, aber so gar nicht ordentlich in Reih\u00b4und Glied und mit dem in Form eines Spielzeugautos d\u00fcrfen Besucher-Kinder spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein B\u00fcro will Schiessls eigentlich lieber nicht zeigen. Passt es doch nicht ins Schema F moderner, entmenschlichter B\u00fcros. Stattdessen sieht es so richtig nach viel und kluger Arbeit aus. Nach jemandem, der sich nicht unterordnen und keinem gefallen muss: Auf dem Boden verteilt stehen -zig Aktenordner, sein Schreibtisch hat so gar nichts mit modischer Clean-Desk-Philosophie zu tun. Aber genau genommen muss ja auch er ein Kreativer sein und L\u00f6sungen f\u00fcr Fragen in internationalen Deals finden, die nie zuvor gestellt wurden und wo es keine Gesetzesantworten oder Blaupausen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit den &#8222;Bunten&#8220; beim Italiener<\/strong><\/p>\n<p>Schiessl ist ein Typ: Kein anderer Anwalt w\u00fcrde sich trauen und vielleicht auch nicht die Zeit nehmen, sich Donnerstagsmittags beim Italiener mit der neuen Ausgabe der \u201eBunten\u201c hinsetzen und daneben einen Teller Nudeln essen. Soviel Lebensqualit\u00e4t muss sein. Doch vor allem: Er versteckt sich nicht hinter den \u00fcblichen Ausreden der Anzugtr\u00e4ger, die im Flieger das Peoplemagazin angeblich nur f\u00fcr ihre Frau einstecken. Im Gegenteil, \u201emeine Klienten kommen doch auch ab und zu da drin vor\u201c, sagt er.<br \/>\nZum Partner wurde Schiessl mit rekordverd\u00e4chtigen 30 Jahren bef\u00f6rdert, nachdem er f\u00fcr RWE in den USA 1990 die \u00dcbernahme von Vista Chemical durchzog. Der Vorstandschef hatte bei Hengeler angerufen, damit sofort Seniorpartner Klaus B\u00f6hlhoff in Essen antreten sollte. Denn die Amerikaner waren vor Ort und die Verhandlungen liefen schon. Aber weder B\u00f6hlhoff noch ein anderer Partner waren da. \u201eAlso marschierte ich hin und \u00fcbernahm das Mandat \u00fcber mehrere hundert Millionen Dollar\u201c, erinnert sich Schiessl an die \u00dcbernahme des b\u00f6rsennotierten Unternehmens. Da konnte er seine Erfahrungen aus seiner Zeit als Anwalt in New York und seinem Studium an der Harvard Law School ausspielen.\u00a0Das Wissen, das damals hierzulande rar war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war die Zeit, als sich alles ver\u00e4nderte in der Anw\u00e4lte-Welt: Als Kanzleien Standorte in mehreren St\u00e4dte erlaubt wurden, als die erste angels\u00e4chsischen Law Firms und Investmentbanken auf den deutschen Markt kamen, als die pl\u00f6tzlich Private-Equity-Fonds auftauchten, Kanzleien erstmals B\u00f6rseng\u00e4nge berieten und sich viele neue Felder f\u00fcr Anw\u00e4lte auftaten, \u201eeine Traumsituation\u201c, sagt der Schwabe, der sich mit Ende zwanzig erst mal hochdeutsch antrainieren musste. Als Schiessl von Gleiss in Stuttgart zu Hengeler ins Rheinland wechselte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tansparenz f\u00fcr Kanzleien? Vor 20 Jahren undenkbar<\/strong><\/p>\n<p>Damals wusste man nichts \u00fcber einzelne Kanzleien. Transparenz durch Anwaltsrankings oder das Internet konnte man sich nicht mal vorstellen. Doch wenn eine Kanzlei dann doch in den 90-er Jahren Profil gewann, dann war es Hengeler. \u201eEin bisschen sekten\u00e4hnlich seien die\u201c formuliert es ein Konkurrent. In keiner anderen Soziet\u00e4t fallen sonst Worte wie Anstand, ist respektvoller Umgang miteinander ein Muss. Dazu passt selbst die Empfangsdame im Parterre der Benrather Strasse 18, die Besuchern sagt: \u201eFahren Sie bitte in den f\u00fcnften Stock und sprechen Sie da wieder vor.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freunde in der Not: Huckepack ins Flugzeug<\/strong><\/p>\n<p>Nirgends sind so viele Partner auch privat Freunde. Um Hengeler als Kanzlei zu erfassen, dabei hilft auch dieses Bild: Als sich Schiessl sich beim Fu\u00dfballspielen beim Kanzleitreffen in Lissabon einen Kreuzbandriss einhandelte und nicht mehr laufen konnte, trug ihn sein Partner Thomas Schmidt-K\u00f6tters huckepack vom Hotel ins Flugzeug.\u00a0Weder dieser noch ein weiterer Kreuzbandriss k\u00f6nnen aber Schiessls Ehrgeiz bremsen, er muss weiter Tennis und Fu\u00dfball spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie sch\u00f6nsten Mandate bekomme ich von denen, die vorher auf der Gegenseite standen\u201c, erz\u00e4hlt Schiessl. Schaut\u00a0er auf die Liste seiner Heldentaten, die mit \u201eCurriculum Vitae\u201c \u00fcberschrieben und korrekt unterteilt sind nach der Kategorie der Deals, wird der Rheinl\u00e4nder versonnen. Und dann zeigt er, der sonst so uneitel daherkommt, pl\u00f6tzlich Stolz. Ist es doch auch sein Leben, das er den wirtschaftlichen Interessen seiner Mandanten oft genug untergeordnet, N\u00e4chte durcharbeitet und auf viel Freizeit verzichtet, erz\u00e4hlt sein Schmidt-K\u00f6tters. Er stellte Schiessl die Ex-Referendarin Barbara vor und wurde sein Trauzeuge, als Schiessl erst mit 43 Jahren heiratete. Dabei war er in allem anderen schneller: Er machte mit 17 Abi, hatte eine Klasse \u00fcbersprungen, in Rekordzeit in M\u00fcnchen Jura und nebenbei Alte Geschichte studiert, die Harvard Law School in den USA absolviert und sich nach einem Jahr bei McKinsey doch lieber f\u00fcr die Anwaltskarriere entschieden. Weil er da mehr Freiheiten hat, sagt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr seine Freunde ist ihm kein Weg zu weit<\/strong><\/p>\n<p>Der Typ Streber, mit dem keiner spielen will, war Schiessl nicht. Er hatte immer viele Freunde und denen ist er besonders treu. Nie ist ihm der Weg zu einem Treffen mit seiner alten Freundesclique zu weit. \u201eM\u00e4xchens Geburtstagsparties in seinem Elternhaus waren legend\u00e4r, selbst der Weinkeller seines Vaters musste dran glauben\u201c, erz\u00e4hlt seine Studienfreundin Ingeborg Neumann, BDI-Vize und Inhaberin der Textilgruppe Peppermint.\u00a0\u201eEr ist ein sehr konservativer Geist\u201c, beschreibt sie ihn. Und dass er auch austeilen kann, dass er immer die Nummer eins sein will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Spitznamen Champagner-Schiessl hat er sich redlich verdient, weil er so feierfreudig und gesellig ist. \u201eBei Partys gluckt er nicht bei seinen Hengeler-Kollegen h\u00e4ngen, sondern arbeitet sich regelrecht durch den Raum\u201c, erz\u00e4hlt ein D\u00fcsseldorfer Anwalt. Seine Studienfreunde sprechen unisono von Max\u00b4 Leidenschaft f\u00fcr gutes Essen, nennen ihn einen immensen Weinkenner. Diese Vorliebe lebt er am liebsten im Skiurlaub im Hospiz am Arlberg aus, das ber\u00fchmt ist f\u00fcr seinen Weinkeller.<br \/>\nSchiessls Markenzeichen ist schon ewig der Strickpulli, den er sich \u00fcber die Schultern knotet, oft auch im B\u00fcro, erz\u00e4hlt Neumann. \u00dcberhaupt tr\u00fcge er heute wie damals denselben Mantel, dieselben Schuhe, denselben Schal, dieselbe Jeans \u2013 vermutlich kaufe er immer dieselben Teile einfach nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn gute Croissants verbinden<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr gutes Essen hat er mehr Sinn und lernet deshalb auch Hans-J\u00f6rg Ziegenhain kennen, weil sie beide dasselbe Cafe\u00b4 in M\u00fcnchen mit den guten Croissants mochten. Oder sein Kommilitone Christoph Walther, der Ex-Daimler-Kommunikationschef, der Schiessl als \u201eblitzschnell, immer l\u00f6sungsorientiert\u201c charakterisiert. Als &#8222;Brainy und feinen Menschen, der zuh\u00f6rt, niemand benutzt und sich auf Menschen wie F\u00e4lle einl\u00e4sst \u2013 aber nie verzettelt\u201c und vor allem mit einer \u201ereichhaltigen juristischen Instrumentenbox\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kennengelernt hatten sich die zwei 1977 im Audimax der M\u00fcnchner Uni, bei der Daimler-Chrysler-Fusion sassen sie pl\u00f6tzlich am selben Verhandlungstisch.<br \/>\nMandanten brauchen Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Besonders Familienunternehmer treffen auch mal irrationale Entscheidungen. \u00dcberrollt ein Amerikaner einen verkaufswilligen Mittelst\u00e4ndler mit einem harten Vertrag \u2013 ohne jede Empathie\u00a0und Gespr\u00e4che \u00fcber seine Bedenken \u2013 kann das ruckzuck schief gehen. Wenn der Unternehmer das Vertrauen verliert, sich um sein Lebenswerk sorgt und die Verhandlungen abbricht. Dann hat der Berater auf der anderen Seite keinen guten Job gemacht, sagt Schiessl. Dann l\u00e4sst ein Unternehmer auch einen K\u00e4ufer abblitzen, der perfekt gewesen w\u00e4re. Schiessls Job ist es dann, beizustehen und zu raten. Weniger juristisch als taktisch: Eigentlich m\u00fcsse man nur ruhig bleiben, so einen Vertrag einfach nur ab\u00e4ndern und zur\u00fcckgeben.<br \/>\n\u201eMan muss sich auf jeden Mandanten und auf jeden Gegner einstellen\u201c, sagt Schiessl. Jeder Jeck sei schlie\u00dflich anders. \u201eIch passe auch nicht zu jedem.\u201c Wer einen sehr harten, aggressiven Verhandler will, sei bei ihm an der falschen Adresse. Bei Transaktionen will er ein faires Ende, sagt er. Schlie\u00dflich m\u00fcssen die Parteien ja auch danach zusammen arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geheimhaltung ist oberste Pflicht<\/strong><\/p>\n<p>Dann wird lange \u00fcberlegt, wo man sich trifft, meist au\u00dferhalb Deutschlands, oft in der Schweiz oder den Niederlanden. \u201eWenn Vorstandschefs mit je 25 Leuten mit allen m\u00f6glichen Beratern in einem Konferenzraum verschwinden, braucht man ja nur eins und eins zusammenz\u00e4hlen.\u201c Ab dann finden alle entscheidenden Verhandlungen wie die Anlagenbestimmung und viel Detailarbeit von Wirtschaftspr\u00fcfern, Anw\u00e4lten und den Stabsabteilungen im kleineren Rahmen \u2013 oft bis tief in die Nacht \u2013 statt. Auf keinen Fall d\u00fcrfen zu fr\u00fche Ger\u00fcchte aufkeimen und Stakeholder, Mitarbeiter wie Kunden beunruhigen oder den Aktienkurs treiben. Geheimhaltung ist oberste Pflicht. Wird ein Deal bekannt, der gar nicht spruchreif ist, gef\u00e4hrdet das die ganze Transaktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Internationale Fusionen haben oft ein Jahr Vorlauf, so lang f\u00fchrt man Vorgespr\u00e4che, die zwischendurch mal ruhen und dann wieder aufgenommen werden. Zuerst geht es um die Ann\u00e4herung der Management-Teams. Man pr\u00fcft, ob die Kulturen und Strategien passen, damit aus eins und eins eine 2,8 wird\u201c, sagt Schiessl.\u00a0Bei Daimler und Chrysler waren die Unterschiede zu gro\u00df. \u201eSchade, es war eine Vision\u201c findet Schiessl. Aber es h\u00e4tte ja auch trotzdem funktionieren k\u00f6nnen. Jedenfalls war der Deal ein weiterer Meilenstein seiner Karriere.<br \/>\nIst etwa ein Scheich aus den Emiraten oder der CEO eines hierarchisch organisiertem, japanischen Unternehmen beteiligt ist, geht es nicht nur um juristische Klauseln, sondern um Verhandlungsgeschick, damit keine atmosph\u00e4rischen Fehler die Transaktion platzen lassen. Schiessls Erfahrung ist n\u00f6tig, um taktische Spielchen lesen zu k\u00f6nnen: Wenn ein Verk\u00e4ufer ein Team eine geschlagene Woche auf den Datenraum warten l\u00e4sst &#8211; weil er tats\u00e4chlich zuerst den Preis verhandeln will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;2016 war ein unfassbar eintr\u00e4gliches Jahr f\u00fcr Schiessl&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u201e2016 war ein unfassbar eintr\u00e4gliches Jahr f\u00fcr Schiessl\u201c, sagt ein Brancheninsider. Denn im vergangenen Jahr ging es im M&amp;A-Gesch\u00e4ft nach acht Jahren erstmals wieder hoch her. \u201eViele Ausl\u00e4nder kaufen deutsche Unternehmen, vor allem Amerikaner, Chinesen und Japaner\u201c, sagt Schiessl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit der Flut der M&amp;A-Deals &#8211; ihr Volumen stieg um 27 Prozent &#8211; arbeitet Schiessl jeden Abend zu Hause weiter, sobald die Familie schl\u00e4ft. Aber nur bis Mitternacht, betont er. Nicht zu schlafen ist weder schick noch cool, so sein Wahlspruch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber durchgetaktet ist jemand wie er nat\u00fcrlich \u2013 auch wenn er seinem Gegen\u00fcber nicht das Gef\u00fchl vermittelt.\u00a0\u201eZur Schulauff\u00fchrung meiner Tochter kam ich in allerletzter Sekunde, ihr Auftritt ging grade los\u201c, erz\u00e4hlt er. Seine Familie hat f\u00fcr Schiessl erste Priorit\u00e4t. Society-Events sehen ihn nicht, abends und am Wochenende spielen sein Frau Barbara und seine Kinder, Fabian (9) und Lara (10) f\u00fcr ihn die erste Geige. Die zweite ist dann schon sein Tennis in der Seniorenmannschaft. Nicht umsonst wohnt er nur einen Steinwurf entfernt von seinem Club am Grafenberger Wald. Besucht ihn Studienfreundin Neumann, nutzt er sofort die Gelegenheit, zum Tennis abzuhauen und ihr als Patentante die Kinder zu \u00fcberlassen. Wo sie doch eigentlich mit \u201eM\u00e4xchen\u201c reden wolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keiner betreut mehr Milliardendeals in Deutschland als Anwalt Maximilian Schiessl. Gerade mischt er bei Linde und Praxair mit. Was den unorthodoxen Juristen und Deutschlands erfolgreichsten Deal-Maker auszeichnet. 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