{"id":664578,"date":"2017-03-28T15:25:39","date_gmt":"2017-03-28T13:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=664578"},"modified":"2017-03-28T23:04:25","modified_gmt":"2017-03-28T21:04:25","slug":"vince-ebert-freiheit-oder-firmenwagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/03\/28\/vince-ebert-freiheit-oder-firmenwagen\/","title":{"rendered":"Vince Ebert: Freiheit oder Firmenwagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erschienen in der &#8222;Absatzwirtschaft&#8220; Nr. 03 vom 14.03.2017 Seite 116 \/ Kolumne &#8211; Der Herausgeber der &#8222;Absatzwirtschaft&#8220;, Georg\u00a0Altrogge hat sie\u00a0ausnahmsweise freigeben f\u00fcr den Management-Blog, vielen Dank!<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<br \/>\n<em><strong>Freiheit oder Firmenwagen<\/strong><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_660093\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-660093\" class=\"size-medium wp-image-660093\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/01\/Vince_Ebert_Unberechenbar_9512_a-3-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/01\/Vince_Ebert_Unberechenbar_9512_a-3-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/01\/Vince_Ebert_Unberechenbar_9512_a-3.jpg 433w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><p id=\"caption-attachment-660093\" class=\"wp-caption-text\">Vince Ebert<\/p><\/div>\n<p>Junge Menschen wollen Freiheiten und keine Bonussysteme. Das m\u00fcssen Unternehmen verstehen, wenn sie erstklassigen Nachwuchs f\u00fcr ihre Organisationen gewinnen wollen<br \/>\nVor einiger Zeit kam ein gro\u00dfer deutscher Konzern auf mich zu und wollte mich f\u00fcr einen humorvollen Vortrag auf einer seiner firmeninternen Veranstaltungen buchen. Einem Kick-off zum neuen Jahr mit den 200 wichtigsten F\u00fchrungskr\u00e4ften. Thematisch sollte ich vor allem \u00fcber Innovationsf\u00e4higkeit und Kreativit\u00e4t sprechen.<\/p>\n<p>Wie \u00fcblich gab es im Vorfeld ein telefonisches Vorgespr\u00e4ch, in dem wir die wichtigsten inhaltlichen Punkte besprachen: Mitarbeitern Freiheiten geben, Raum f\u00fcr Experimente lassen, Kontrollverlust hinnehmen, etc. etc. Am Ende der Telefonkonferenz schloss der Kommunikationschef des Unternehmens mit dem Satz: &#8222;Sie schicken uns dann bitte Ihren detaillierten Redetext zu, damit wir sichergehen k\u00f6nnen, dass da nicht gewisse Grenzen \u00fcberschritten werden &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Redemanuskript freigeben wollen &#8211; nein, danke<\/strong><\/p>\n<p>Sie merken die Ironie in der Geschichte: Man w\u00fcnscht sich eine Keynote \u00fcber geistige Freiheiten, \u00fcber Mut und Eigenverantwortung und versucht sie vorab mit \u00e4ngstlichem Kontrollwahn in politisch korrekte Bahnen zu lenken. Als ich daraufhin meinte, dass ich mein Manuskript in der Regel nicht herausgebe, antwortete er mir: &#8222;Also, wenn das jetzt eine Frage des Geldes ist, k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich noch einmal \u00fcber Ihre Gage reden &#8230;&#8220; Genau das war dann auch der Punkt, an dem ich meine Teilnahme abgesagt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter wie unm\u00fcndige Kinder behandeln &#8211; aber vollmundig nach den Kreativen kr\u00e4hen<\/strong><\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch steht sinnbildlich f\u00fcr ein Dilemma, in dem sich viele Angestellte in Konzernstrukturen befinden. Normalerweise betreiben Unternehmen einen irrsinnigen Aufwand, um hochklassige, selbst denkende Mitarbeiter zu finden. In aufwendigen Vorstellungsgespr\u00e4chen und Assessmentcentern k\u00f6dert man sie mit der M\u00f6glichkeit, im Job ihre kreativen Potenziale voll auszuleben. Doch sobald sie dann den Arbeitsvertrag unterschrieben haben, behandelt man sie wie unm\u00fcndige Kinder.<\/p>\n<p>Viele Nachwuchskr\u00e4fte lassen sich das nicht mehr bieten. Unter jungen Topkr\u00e4ften regt sich massiver Widerstand. Brillante Hochschulabsolventen lassen sich immer weniger mit monet\u00e4ren Anreizsystemen wie Bonussystemen oder Firmenwagen locken. Die wollen Freiheiten. Wer dazu noch auf die Idee kommt, den Firmenserver ab 18 Uhr und an Wochenenden abzuschalten, der kann dann eben nur noch aus Bewerbern mit Beamtenmentalit\u00e4t w\u00e4hlen. Menschen, die lieber \u00fcber Sicherheit, Fr\u00fchverrentungen und K\u00fcndigungsschutz reden als \u00fcber Leidenschaft, Eigeninitiative und Risiko.<\/p>\n<p>Zurzeit machen wir uns ja viele Sorgen, dass Hunderttausende Menschen ohne ad\u00e4quate Schulbildung in unser Land immigrieren. Was allerdings selten erw\u00e4hnt wird: Pro Jahr verlassen 140 000 Deutsche dieses Land. Und die sind meist hochgebildet. Die gehen, weil sie sich in anderen L\u00e4ndern mehr M\u00f6glichkeiten erhoffen: in Kanada, in den USA, in Australien. Die sind nicht links, nicht rechts, nicht gr\u00fcn. Die sind so liberal, dass es selbst der FDP schlecht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unsere eigene Einstellung schw\u00e4cht unsere Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht die Fl\u00fcchtlingskrise, was unsere Wirtschaft entscheidend schw\u00e4chen kann, oder der Innovationsdruck durch das Silicon Valley. Es ist einzig und alleine unsere innere Einstellung. Kodak, Nixdorf, AEG, Grundig &#8211; all diese Konzerne sind lange vor der Digitalisierung und vor der \u00d6ffnung der EU-Grenzen untergegangen. Weil sie unflexibel, b\u00fcrokratisch und selbstgef\u00e4llig wurden.<\/p>\n<p>Unternehmen, die wirklich zukunftsf\u00e4hig sein wollen, m\u00fcssen sich \u00fcberwinden, Fragen zu stellen, die richtig wehtun: Sind wir als Arbeitgeber f\u00fcr die innovativen Leute interessant? Wie viel Kontrollverlust sind wir bereit hinzunehmen? Aus wie vielen angepassten Jasagern besteht unser Konzern? Haben wir uns dabei selbst mitgez\u00e4hlt? Und die vielleicht wichtigste Frage: Kann ich in unserem Unternehmen Schwierigkeiten bekommen, wenn ich solche Fragen stelle?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-664585\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/Logoneu-300x111.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"111\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/Logoneu-300x111.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/Logoneu.jpg 369w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Vince Ebert ist Physiker, Kabarettist und Keynote-Speaker. Seit September 2016<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> ist er mit seinem neuen B\u00fchnenprogramm &#8222;Zukunft is the future&#8220; auf Tournee.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Logo-Verwendung auf Wunsch der Absatzwirtschaft<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen in der &#8222;Absatzwirtschaft&#8220; Nr. 03 vom 14.03.2017 Seite 116 \/ Kolumne &#8211; Der Herausgeber der &#8222;Absatzwirtschaft&#8220;, Georg\u00a0Altrogge hat sie\u00a0ausnahmsweise freigeben f\u00fcr den Management-Blog, vielen Dank! . . 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