{"id":664535,"date":"2017-04-20T00:14:43","date_gmt":"2017-04-19T22:14:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=664535"},"modified":"2017-04-20T00:14:43","modified_gmt":"2017-04-19T22:14:43","slug":"us-kanzleien-auf-der-jagd-nach-corporate-soeldnern-klare-direktiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/04\/20\/us-kanzleien-auf-der-jagd-nach-corporate-soeldnern-klare-direktiven\/","title":{"rendered":"US-Kanzleien auf der Jagd nach Corporate-S\u00f6ldnern &#8211; Klare Direktiven"},"content":{"rendered":"<p><strong>Klare Direktiven (Die Print-Fassung erschien in WiWo 15\/2017)<\/strong><\/p>\n<p><strong>US-Kanzleien: Wie mit Bundesliga-Abl\u00f6sesummen versuchen US-Kanzleien, Anw\u00e4lte abzuwerben und am deutschen Markt Fu\u00df zu fassen.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Headhunter laufen wieder mit dem Gelds\u00e4ckel durch die Landschaft,\u201c sagt Hans-Ulrich Wilsing von Linklaters. Drei bis vier Millionen Euro im Jahr garantiert f\u00fcr drei, ganz selten auch f\u00fcr f\u00fcnf Jahre, kann sich ein Top-M&amp;A- oder Private-Equity-Anwalt wie er derzeit sichern, wenn er sich von einer US-Kanzlei abwerben l\u00e4sst. Geschickte Corporate-S\u00f6ldner &#8211; so der Branchenjargon -, handeln obendrein einen Welcome-Bonus aus, der im Extremfall 1,5 Millionen Euro ausmachen kann.<\/p>\n<p>Die typische Strategie der US-Kanzleien: mit viel Geld Top-Leute anzulocken, manchmal ganze Teams, &#8211; oder selbst ein Team zusammenzukaufen. Wie mit Bundesliga-Abl\u00f6sesummen werben sie Kanzlei-Partner ab, um am deutschen Markt Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Umsatz-je-Partner-Ranking: Die ersten elf Pl\u00e4tze belegen US-Kanzleien<\/strong><\/p>\n<p>Welcher Wechsel wie viel bekommt, das sind bestgeh\u00fctete Geheimnisse. Nicht mal die eingesetzten Headhunter d\u00fcrfen die Summen wissen. Fest steht: Geht es um den Umsatz je Partner, haben sich die US-Kanzleien Deutschland laut Branchenblatt \u201eJuve\u201c die ersten elf Pl\u00e4tze gesichert. Ganz oben mit Quinn Emanuel Urquhart &amp; Sullivan mit 7,2 Millionen Umsatz je Partner. Erst auf Platz 15 kommt eine deutsche Soziet\u00e4t, die Energie- und Infrastrukturkanzlei Becker B\u00fcttner Held gefolgt von der Insolvenzkanzlei Pluta, beide mit gut drei Millionen Euro Umsatz je Partner. Doch insgesamt ist im deutschen Markt unter den zehn umsatzst\u00e4rksten Kanzleien keine aus USA.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>US-Kanzleien als Rosinenpicker<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund: Sie sind nur nur auf das Kapitalmarkt- und Transaktionsgesch\u00e4ft scharf, wo die h\u00f6chsten Honorare drin sind. Man k\u00f6nnte es Rosinen-Picken nennen. Von den Stundens\u00e4tze der\u00a0US-Anw\u00e4lte k\u00f6nnen Briten und erst recht die Deutschen nur tr\u00e4umen: \u201eEin US-Partner bekommt ein Stundenhonorar von 1200 Euro, hier zucken Mandanten schon bei 600\u201c, vergleicht Siegfried Elsing, von der Silicon-Valley-Kanzlei Orrik in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>\u201eJeder Top-M&amp;A-Anwalt hat in den vergangenen Monaten mindestens sechs Anfragen von US-Kanzleien bekommen\u201c, best\u00e4tigt Linklaters-Anwalt Wilsing. Haben wollen die US-Kanzleien nur die \u00c4lteren, um sich mit denen den Zugang in den Top-Etagen der Industrie zu verschaffen\u201c, sagt Wilsing. Als Eintrittskarte in die Vorstandsetage kommen aber nicht viele Kandidaten infrage: Rund 30, maximal 50 sch\u00e4tzt ein Headhunter, der seinen Namen nicht geschrieben sehen will.<\/p>\n<p>Ob es reicht, nur mit Schecks zu locken? \u201eEs gibt beeindruckende US-Kanzleien, aber f\u00fcr einige unter ihnen h\u00f6rt die Welt an der Freiheitsstatue auf der einen und an der Golden Gate-Bridge an der anderen Seite auf. Nur wenigen gelingt es, multikulturell zu sein\u201c, f\u00fcrchtet ein Grandsigneur unter den Anw\u00e4lten, Siegfried Elsing, selbst Partner der US-Kanzlei Orrick.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>US-Law-Firms wollen nun nach der Brexit-Abstimmung die Gunst der Stunde nutzen und britischen Kanzleien Gesch\u00e4ft abjagen. \u201eUnsere Anw\u00e4lte fielen nach der Brexit-Abstimmung in kollektive Depression\u201c, erz\u00e4hlt ein Betroffener.\u00a0\u201eWenn die Londoner Law Firms den Rechtsmarkt Europa nicht mehr so einfach bearbeiten k\u00f6nnen, wittern Amerikaner neue Felder\u201c, sagt Oliver Maass von Eversheds Sutherland, einem Zusammenschluss von Briten und Amerikanern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schnell rein &#8211; und auch schnell wieder raus aus dem deutschen Markt<\/strong><\/p>\n<p>Doch so viel Geld US-Kanzleien auf den Tisch legen, so viel wollen sie auch heraus bekommen.\u00a0Sonst sind sie genauso schnell wieder weg vom Markt. Dann zieht die US-Zentrale nach drei Jahren\u00a0Bilanz und ordnet schon mal \u00fcber Nacht ohne Vorwarnung B\u00fcros, die ihnen nicht profitabel genug sind. Orrick etwa schloss erst k\u00fcrzlich in Frankfurt und Berlin. Auch Shearman Sterling in D\u00fcsseldorf ging es so.<\/p>\n<p>Dann dr\u00fccken die hohen Fixkosten &#8211; die die oft erst selbst hierzulande einf\u00fchrten und verbreiteten: Erst \u201eangels\u00e4chsische Kanzleien brachten die ganzen Funktionen wie Director Marketing, Director Human Ressources, IT, Business Development, Regional Director mit, aber die erh\u00f6hen eben auch die Kosten, die die Anw\u00e4lte erst mal verdienen m\u00fcssen\u201c, sagt Elsing.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch untereinander jagen sich US-Kanzleien hierzulande Top-Anw\u00e4lte ab<\/strong><\/p>\n<p>US-Kanzleien werben aber nicht nur bei deutschen oder britischen Kanzleien Anw\u00e4lte ab, sondern auch\u00a0untereinander jagen sie sich Big Shots ab: Sidley Austin heuerte k\u00fcrzlich nicht nur ein Team aus sieben Partnern von Kirkland &amp; Ellis ab \u2013 alle Spezialisten f\u00fcr Private-Equity-Deals und M&amp;A. Kirkland hat erst im vergangenen Jahr in M\u00fcnchen er\u00f6ffnet und mit Achim Herfs ein Kapitalmarktrechtler-Team von Hengeler abgeworben und ist &#8211; so hei\u00dft es im Markt, versch\u00e4rft auf der Suche nach denen, die drei bis vier Millionen im Jahr wert sind.\u00a0Kirkland selbst weigert sich auf Nachfrage, etwas etwas zu sagen &#8211; wegen der \u201eGlobalen Policy\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klare Direktiven aus Amerika<\/strong><\/p>\n<p>Der Preis der prallen US-Gelds\u00e4cke ist hoch.\u00a0\u201eDruck, Vorgaben und ein Korsett\u201c, so ein Insider. US-Kanzleien\u00a0haben hohe Erwartungen, wie viel die Eroberten einspielen sollen und geben klare Direktiven. Wer drei Millionen im Jahr kassiert, muss ein Mehrfaches reinholen.\u00a0Und dann ist vielen noch die Kanzlei-Pleite von Dewey &amp; LeBoeuf vor vier Jahren pr\u00e4sent, die in den USA laut Insidern \u00fcber 100 F\u00fcnf-Millionen-Dollar-Vertr\u00e4ge mit Anw\u00e4lten hatten, daf\u00fcr Bankkredite brauchten und am Ende pleite waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Reputation unter ihresgleichen<\/strong><\/p>\n<p>Und dann gibt es noch einen ganz anderen Punkt: F\u00fcr etliche Top-Shots k\u00e4me ein Wechsel nur des schn\u00f6den Mammons zuliebe gar nicht infrage &#8211; um nicht ihre Reputation und Akzeptanz unter ihresgleichen zu gef\u00e4hrden. Bei anderen Top-Juristen. Einmal im Kanzlei-Olymp angekommen, wollen viele von ihnen unbedingt dort bleiben. Denn: S\u00e4hen es doch viele der Rainmaker als einen Abstieg an, zu einer &#8211; hierzulande namenlosen &#8211; US-Kanzlei zu wechseln. Das sind diejenigen, die sich von den Headhuntern der amerikanischen Soziet\u00e4ten mit ihren eintr\u00e4glichen Offerten nicht mal sprechen lassen.<\/p>\n<div>Anwalt Elsings Bilanz: \u201eEs gibt beeindruckende US-Kanzleien, aber f\u00fcr einige unter ihnen h\u00f6rt die Welt an der Freiheitsstatue auf der einen und an der Golden-Gate-Bridge an der anderen Seite auf. Nur wenigen gelingt es, multikulturell zu sein.\u201c<\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;font-size: small\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\">\u00a0<\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klare Direktiven (Die Print-Fassung erschien in WiWo 15\/2017) US-Kanzleien: Wie mit Bundesliga-Abl\u00f6sesummen versuchen US-Kanzleien, Anw\u00e4lte abzuwerben und am deutschen Markt Fu\u00df zu fassen. \u201eDie Headhunter laufen wieder mit dem Gelds\u00e4ckel durch die Landschaft,\u201c sagt Hans-Ulrich Wilsing von Linklaters. 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