{"id":664428,"date":"2017-03-14T19:31:15","date_gmt":"2017-03-14T18:31:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=664428"},"modified":"2017-11-10T15:53:30","modified_gmt":"2017-11-10T14:53:30","slug":"ein-teller-haehnchenschnitzel-mit-frank-behrendt-ueber-die-bizarre-neue-arbeitswelt-wo-menschen-eigentlich-nicht-vorkommen-sollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/03\/14\/ein-teller-haehnchenschnitzel-mit-frank-behrendt-ueber-die-bizarre-neue-arbeitswelt-wo-menschen-eigentlich-nicht-vorkommen-sollen\/","title":{"rendered":"Ein Teller H\u00e4hnchenschnitzel mit Frank Behrendt \u00fcber die bizarre neue Arbeitswelt &#8211; wo Menschen eigentlich nicht vorkommen sollen"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Hier bin ich Mensch, hier pass ich rein&#8220; &#8211;\u00a0<\/strong><strong>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Herz und Heimat in der modernen Arbeitswelt\u00a0von Frank Behrendt, neuerdings Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Serviceplan Public Relations, der auch gleich selbst aufgeschrieben hat, was er\u00a0beim Teller H\u00e4hnchenschnitzel zuvor erz\u00e4hlt hatte. N\u00e4mlich\u00a0gleich ein B\u00fcndel liebenswerter wie bedenkenswerter Beispiele von Unternehmern, die ganz andere Wege gehen bei ihrer Mitarbeiterf\u00fchrung und der Verbesserung des Betriebsklimas.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal erz\u00e4hlt jemand etwas so leidenschaftlich, dass er es am besten selbst aufschreibt. Mit Frank Behrendt &#8211; der ohnehin schon \u00f6fter Gastautor im Management-Blog war -, Chef bei Serviceplan Public Relations und Bestseller-Autor\u00a0ist es so:\u00a0Wir trafen uns in der &#8222;Brasserie&#8220;, wo fr\u00fcher fr\u00fcher das Achenbach-Restaurant Monkeys mit dem\u00a0\u00fcberdimensional gro\u00dfen Kunstwerk Foto vom D\u00fcsseldorfer Fotok\u00fcnstler\u00a0Thomas Struth an der Wand hing. Jetzt ist dort die &#8222;Brasserie&#8220;, die zur Gastronomie-Kette &#8222;Alex&#8220; geh\u00f6rt und es sieht\u00a0dort aus wie\u00a0in einem Restaurant in Paris.<\/p>\n<div id=\"attachment_664429\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-664429\" class=\"size-full wp-image-664429\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-664429\" class=\"wp-caption-text\">Frank Behrendt in der &#8222;Brasserie&#8220; beim Alex in D\u00fcsseldorf<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Mantra der effizienzbesessenen Arbeitswelt: Weg mit allem Privaten<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr einen wie mich, der &#8211; eingerahmt von Pappfiguren mit dem Abbild von Captain Kirk und Mr. Spock vom legend\u00e4ren Raumschiff Enterprise &#8211; am Schreibtisch sitzt und auf dessen Tisch Cowboy- und Indianerfiguren und Matchboxautos stehen, klingt das Mantra der effizienzbesessenen Arbeitswelt-von-Morgen-Gestalter bizarr: Keine privaten Dinge mehr am Arbeitsplatz, alles soll transparent, flexibel nutzbar und clean sein. Alles was relevant ist, geh\u00f6rt digitalisiert und schwebt in der Cloud.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Als sei den Mensch nie dagewesen<\/strong><\/p>\n<p>Und der Arbeitsfaktor Mensch, soll \u2013 solange er noch nicht von Robotern ersetzt werden kann \u2013 unabgelenkt an einem Norm-Arbeitsplatz vor sich hin werkeln und diesen am Abend so verlassen, als sei er nie dagewesen. Am n\u00e4chsten Morgen st\u00f6pselt er sich wieder anderswo ein, eben da, wo gerade ein uniformer Arbeitsplatz frei ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verstehe ich die Grundidee dieses Ansatzes, allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Und die Zeiten, in denen jeder sein Einzelb\u00fcro hatte, das er wie einen Au\u00dfenposten seines Zuhauses betrachtete und das w\u00e4hrend Urlaub oder Krankheit einfach unbenutzt auf seine R\u00fcckkehr wartete, sind ohnehin definitiv vorbei.<\/p>\n<p>Und sie kommen auch nicht wieder, was nicht schlimm ist. Aber ein gewisses Ma\u00df an Personality, an pers\u00f6nlichem Abdruck im Office, darf es aus meiner Sicht schon geben, auch in der modernen durchgetakteten Arbeitswelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontrapunkte in den Maschinenr\u00e4umen<\/strong><\/p>\n<p>Bei meinen Vortr\u00e4gen treffe ich oft erstaunliche junge Unternehmer, die Dinge bewusst ganz anders machen, als es die neueste Arbeitslehre eigentlich empfiehlt. Oft kommt es mir sogar so vor, als ob diese jungen Chefs, die zwar alle auf der digitalen Welle reiten, bewusst einen Kontrapunkt in ihren Maschinenr\u00e4umen setzen wollen, um denen, die f\u00fcr den Erfolg der Unternehmung sorgen, die Arbeitswelt so zu machen, wie sie ihnen besonders gut gef\u00e4llt.<\/p>\n<div id=\"attachment_664431\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-664431\" class=\"size-full wp-image-664431\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/IMG_20170307_1253089.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/IMG_20170307_1253089.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/IMG_20170307_1253089-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/IMG_20170307_1253089-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-664431\" class=\"wp-caption-text\">H\u00e4hnchenbrustfilet vom Grill mit Reis und Wok-Gem\u00fcse in der &#8222;Brasserie&#8220;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Unternehmen mit einer &#8222;Mutter der Kompanie&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>In M\u00fcnster berichtete mir k\u00fcrzlich eine \u00e4ltere Dame, dass sie als Mini-Jobberin in einer Spedition als \u201eMutter der Kompanie\u201c t\u00e4tig ist. Ihr Job: Inmitten von High Tech und jungen dynamischen Machern: Mit Herz f\u00fcr gute Stimmung sorgen und dazu geh\u00f6rt, auch schon mal Teilchen mitzubringen. Mit den Kollegen sprechen. Das macht sie. F\u00fcr den Chef ist es eine Win-Win-Situation. Die r\u00fcstige Rentnerin hat eine Aufgabe, die Mitarbeiter lieben sie wie ein Maskottchen und die Stimmung ist gut wie nie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Menschen, die sich wohl f\u00fchlen, arbeiten besser<\/strong><\/p>\n<p>Die Zahlen sind es auch. Ich behaupte mal keck, da gibt es durchaus einen Zusammenhang. Menschen die sich wohl f\u00fchlen, arbeiten besser. Die Idee kam dem cleveren Inhaber \u00fcbrigens im Kino. \u201eBesser geht\u00b4s nicht\u201c hei\u00dft der Streifen, mit dem wunderbaren Robert de Niro als Seniorpraktikant Ben in der Hauptrolle. Was zun\u00e4chst als CSR-Aktion, als gesellschaftliche Verantwortung, gedacht war, wurde sp\u00e4ter zu einem absoluten Gl\u00fccksgriff. Denn Ben konnte anfangs zwar nicht einmal eine E-Mail schreiben, aber er hatte etwas, was alle anderen in dem quirligen Fashion-start-up nicht hatten: Lebenserfahrung. Und die setzte er ein. Zum Wohl der Company.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wenn es der Firma gut geht, soll es allen gut gehen&#8220; &#8211; wider den Partikularinteressen<\/strong><\/p>\n<p>Ein anderer junger Chef berichtete mir, dass er damit aufgeh\u00f6rt hat, individuelle Boni f\u00fcr Teilziele einzelner Mitarbeiter zu zahlen. Das w\u00fcrde nur zum Durchsetzen von Partikularinteressen f\u00fchren &#8211; und ein echtes Miteinander gar nicht zulassen. Stattdessen gibt es \u2013 je nach Erfolg des Gesch\u00e4ftsjahrs \u2013 ein oder zwei Geh\u00e4lter f\u00fcr jeden, on Top. Vom Prokuristen bis zum Hausmeister. \u201eWenn es der Firma gut geht, soll es allen gut gehen\u201c, sagt der Chef und f\u00e4hrt extrem gut damit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Barbie und Ken im Konferenzraum &#8211; ein Setzkasten als Spiegelbild der Crew<\/strong><\/p>\n<p>Besonders viel Freude hatte ich als altes Spielkind k\u00fcrzlich an einer Unternehmerin, die mir ein Foto pr\u00e4sentierte. Es zeigte einen Schrank im Konferenzraum ihrer Firma, der an einen \u00fcbergro\u00dfen Setzkasten erinnerte. In jedes Fach hat ein Mitarbeiter etwas aus seinem pers\u00f6nlichen Kosmos gepackt, das mit ihm zu tun hat. Von fr\u00fcheren pers\u00f6nlichen Kinderspielzeugen, \u00fcber Lieblingsb\u00fccher und Bierkr\u00fcge bis hin zu Autogrammkarten von Fu\u00dfballspielern ist alles dabei. \u201eDer Konfi ist das Spiegelbild unserer Crew\u201c, sagt die Chefin. Und Bewerber bekommen beim Gespr\u00e4ch direkt einen Eindruck, mit wem sie es m\u00f6glicherweise zu tun haben k\u00f6nnten. Einer hat k\u00fcrzlich gefragt, zu welcher Mitarbeiterin denn die Barbie und Ken-Puppen im Schrank geh\u00f6rten: \u201eDer Chefin selbst\u201c, wie sie mir laut lachend gestand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_664472\" style=\"width: 516px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-664472\" class=\"size-full wp-image-664472\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt.schreibtischmitspok.jpg\" alt=\"\" width=\"506\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt.schreibtischmitspok.jpg 506w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/03\/behrendt.schreibtischmitspok-234x300.jpg 234w\" sizes=\"auto, (max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><p id=\"caption-attachment-664472\" class=\"wp-caption-text\">Frank Behrendts Schreibtisch<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei Clean-Desk-Policy gibt&#8217;s auch keine netten Kollegen-Zettelchen mehr<\/strong><\/p>\n<p>Meinen &#8211; mit Spielzeug aus meiner Kindheit und Jugend versch\u00f6nerten &#8211; Schreibtisch darf \u00fcbrigens jeder nutzen wenn ich nicht da bin. So lassen sich effiziente Arbeitsplatznutzung und Individualit\u00e4t\u00a0sehr gut miteinander verbinden. Als ich letzte Woche nach einer Dienstreise wieder an meinen neuen Schreibtisch im K\u00f6lner Haus der Kommunikation kam, lag auf meinem Tisch ein Duplo-Riegel mit einem Post-it-Zettel. \u201eLieber Frank, es war herrlich, bei dir im Wilden Westen zu arbeiten, ich reite bald wieder vorbei\u201c. Am leeren Standard-Arbeitsplatz wird man so einen netten Zettel von Kollegen wohl nicht vorfinden. Aber der w\u00e4re ohnehin verboten im Zuge einer strikten Clean-Desk-Policy&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Hier bin ich Mensch, hier pass ich rein&#8220; &#8211;\u00a0Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Herz und Heimat in der modernen Arbeitswelt\u00a0von Frank Behrendt, neuerdings Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Serviceplan Public Relations, der auch gleich selbst aufgeschrieben hat, was er\u00a0beim Teller H\u00e4hnchenschnitzel zuvor erz\u00e4hlt hatte. &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/03\/14\/ein-teller-haehnchenschnitzel-mit-frank-behrendt-ueber-die-bizarre-neue-arbeitswelt-wo-menschen-eigentlich-nicht-vorkommen-sollen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[164,177,6457,1550,2617,6458,6459,6460],"class_list":["post-664428","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-betriebsklima","tag-boni","tag-clean-desk-philosophie","tag-ein-teller-mit","tag-frank-behrendt","tag-mutter-der-kompanie","tag-partikularinteressen","tag-serviceplan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/664428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=664428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/664428\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=664428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=664428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=664428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}