{"id":663757,"date":"2017-02-20T23:50:39","date_gmt":"2017-02-20T22:50:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=663757"},"modified":"2017-02-21T10:53:28","modified_gmt":"2017-02-21T09:53:28","slug":"buchauszug-marc-stephan-daniels-tough-talk-die-rhetorischen-spielregeln-zum-ueberleben-im-haifischbecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/02\/20\/buchauszug-marc-stephan-daniels-tough-talk-die-rhetorischen-spielregeln-zum-ueberleben-im-haifischbecken\/","title":{"rendered":"Buchauszug:  Marc-Stephan Daniels \u201eTough Talk &#8211; Die rhetorischen Spielregeln zum \u00dcberleben im Haifischbecken\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus &#8222;Tough Talk &#8211; Die rhetorischen Spielregeln zum \u00dcberleben im Haifischbecken\u201c von Marc-Stephan Daniel. Tipps, wie man als Mitarbeiter, Kollege, Business-Partner mit Narzissten, Psychopathen und Wadenbeissern in Meetings umgehen kann, wie man sich durchsetzen kann.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verfall der Gespr\u00e4chskultur &#8211;\u00a0<\/strong><strong>Warum der Ton im Gesch\u00e4ftsleben rauer geworden ist<\/strong><\/p>\n<p>Der Mann ist unter Druck. Er steht vor Gericht und soll Auskunft\u00a0\u00fcber seine Finanzverh\u00e4ltnisse geben. Diese erteilt er freim\u00fctig.\u00a0Roland Berger verlange von ihm 7,5 Millionen Euro,\u00a0sein fr\u00fcherer Verm\u00f6gensverwalter Josef Esch 2,5 Millionen\u00a0Euro, der Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro und die Bank\u00a0Salomon und Oppenheim rund 70 Millionen Euro. Er selbst behauptet,\u00a0Forderungen gegen andere in H\u00f6he von 200 Millionen Euro zu haben. Eine solche unw\u00e4gbare Finanzsituation w\u00fcrde Normalsterblichen den Schwei\u00df ins Gesicht treiben. Nicht so\u00a0\u00bbBig T\u00ab, wie Thomas Middelhoff einst von seinen Bewunderern\u00a0genannt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_663758\" style=\"width: 423px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-663758\" class=\"size-full wp-image-663758\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/daniel.wiley_.jpg\" alt=\"Daniel\" width=\"413\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/daniel.wiley_.jpg 413w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/daniel.wiley_-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><p id=\"caption-attachment-663758\" class=\"wp-caption-text\">Marc-Stephan Daniel<\/p><\/div>\n<h1 class=\"productDetail-title\"><\/h1>\n<p>Als sei diese Situation nicht schon Adrenalin f\u00f6rdernd genug, setzt er noch eins drauf. Gen\u00fcsslich schildert er vor Gericht, wie\u00a0er den Paparazzi entkommen sei, als der Gerichtsvollzieher an\u00a0seiner T\u00fcr klingelte. Er habe sich wie \u00bbeine Katze \u00fcbers Dach\u00ab geschlichen und sei so den Fotografen, die ihn \u00bbabschie\u00dfen wollten wie Freiwild\u00ab entkommen. Nachdem eine zur Verf\u00fcgung\u00a0stehende Leiter zu kurz gewesen sei, sei er einfach aus\u00a0dem Fenster gesprungen und durch den Hinterhof entkommen. Als er wieder festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen gehabt habe, sei er \u00bbfr\u00f6hlich pfeifend\u00ab in eine Nebenstra\u00dfe gegangen und habe\u00a0dort ein Taxi gerufen. Sp\u00e4ter sei er nach London geflogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Big T&#8220; alias Thomas Middelhoff: Das v\u00f6llige Fehlen von Reue<\/strong><\/p>\n<p>Der Mann hat Nerven, diesen Eindruck hinterl\u00e4sst \u00bbBig T\u00ab bei Beobachtern. Andere gehen in ihrem Urteil \u00fcber Thomas Middelhoff\u00a0noch weiter. Middelhoff genie\u00dfe offenbar den Ritt auf\u00a0dem Vulkan.\u00a0Selbst als die Strafe, drei Jahre Haft ohne Bew\u00e4hrung, am Ende des Prozesses verh\u00e4ngt wird, ist sich Thomas Middelhoff keiner\u00a0Schuld bewusst. Journalisten, die angereist sind, um \u00fcber den\u00a0Prozess zu berichten, bemerken das v\u00f6llige Fehlen von Reue. So\u00a0schreibt die Online-Ausgabe der &#8222;Frankfurter Allgemeine Zeitung&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbSeine Unf\u00e4higkeit zu unterscheiden zwischen dem eigenen Vorteil und dem Nutzen f\u00fcr die Firma brach ihm vor Gericht\u00a0das Genick. Er hatte sich auf Kosten anderer bereichert, vielleicht\u00a0sogar, ohne sich dessen bewusst zu sein. F\u00fcr so ein Verhalten sind unreflektierte Menschen anf\u00e4lliger als andere. Aber\u00a0erst die grenzenlose Bewunderung, die heute niemand mehr\u00a0geteilt haben mag, macht aus solchen Leuten gef\u00e4hrliche Verf\u00fchrer.\u00a0Nun hat Middelhoff alles verloren: Ruhm, Geld und Freunde.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-663759\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/cover.daniel.wiley_.jpg\" alt=\"Cyan:Magenta:Yellow:Black\" width=\"424\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/cover.daniel.wiley_.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/cover.daniel.wiley_-196x300.jpg 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/p>\n<h1 class=\"productDetail-title\">&#8222;T<strong>ough Talk: Die rhetorischen Spielregeln zum \u00dcberleben im Haifischbecken&#8220; von\u00a0<\/strong><strong>Marc-Stephan Daniel, Wiley Verlag, 200 Seiten, 19,99 Euro:\u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/www.wiley-vch.de\/de?option=com_eshop&amp;view=product&amp;isbn=9783527508846\">http:\/\/www.wiley-vch.de\/de?option=com_eshop&amp;view=product&amp;isbn=9783527508846<\/a><\/h1>\n<p>Mindestens genauso starke Nerven, wenn nicht sogar noch bessere, bewies Bernard L. Madoff. Mehr als 30 Jahre hielt er in\u00a0New York ein Finanz-Schneeballsystem am Laufen, das mindestens 60 Milliarden Dollar umfasste. Dieses Schneeballsystem\u00a0fiel wie Pulverschnee in sich zusammen, als der Finanzcrash\u00a02008 den dauernden Zufluss von frischem Geld unterbrach\u00a0und er die Renditen an seine Kunden nicht mehr zahlen konnte. Als Madoff vom FBI abgef\u00fchrt wurde und sofort gestand,\u00a0brach f\u00fcr seine Anleger eine Welt zusammen. Madoff\u00a0galt an der Wall Street als Institution, viele hatten geglaubt, dass er den Markt einfach besser durchschaut habe als sie selbst und daher im Stande gewesen sei, Renditen von bis zu zw\u00f6lf Prozent\u00a0zu zahlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Unterschied macht die Unverfrorenheit<\/strong><\/p>\n<p>Was Madoff von anderen Betr\u00fcgern unterscheidet, ist die Unverfrorenheit, mit der er vorging. W\u00e4hrend sein betr\u00fcgerisches\u00a0Schneeballsystem bereits im Gang war, forderte er h\u00e4rtere Kontrollen\u00a0f\u00fcr die Akteure an der Wall Street. Doch damit nicht genug. Er setzte sich an die Spitze eines Gremiums, die NASD,\u00a0welches die NASDAQ, die gr\u00f6\u00dfte elektronische B\u00f6rse in den\u00a0USA, regulierte. Dieser Posten verhalf ihm zu enormer Reputation,\u00a0ebenso sein gro\u00dfes finanzielles Engagement bei Wohlt\u00e4tigkeitsorganisationen, gemeinsam mit seiner Frau Ruth. Dieses Image des um Seriosit\u00e4t bem\u00fchten Finanzgenies, den gesellschaftliche N\u00f6te nicht kalt lie\u00dfen, machte ihn nahezu unangreifbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gift f\u00fcrs Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Menschen, die diese Typen mit Nerven aus Stahl bewundern. Andere nennen so ein Verhalten psychopathisch. Ich\u00a0schlie\u00dfe mich denen an, die ein solches Gebaren im Business\u00a0nicht nur als gesch\u00e4ftssch\u00e4digend, sondern auch als psychopathisches\u00a0Verhalten einordnen. Den wirtschaftlichen Schaden, den solche Menschen verursachen, sch\u00e4tzt der Kriminalpsychologe\u00a0Robert D. Hare in den USA auf einen mehrstelligen Millionenbetrag.\u00a0In Deutschland f\u00e4ngt man gerade erst an, dar\u00fcber nachzudenken, welchen Schaden solche Menschen in der Gesch\u00e4ftswelt anrichten. Diese Naivit\u00e4t gegen\u00fcber dem Ph\u00e4nomen halte ich f\u00fcr \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ellenbogen sind im Wettbewerb gefragt<\/strong><\/p>\n<p>Hare ist sich sicher, dass selbst f\u00fchrende Wirtschaftsberatungsunternehmen bei der Analyse der Ursachen, warum in einem Unternehmen etwas schief gelaufen\u00a0ist, noch immer zu sehr auf die Strukturen des Unternehmens\u00a0schauen. Stattdessen sollten sie in Betracht ziehen, dass m\u00f6glicherweise Personen mit toxischen Eigenschaften dem Unternehmen mehr Schaden zugef\u00fcgt haben k\u00f6nnten als\u00a0ineffiziente Strukturen. Dabei steuern Menschen mit dieser\u00a0Veranlagung sehr gerne Wirtschaftsunternehmen an. Sie f\u00fchlen sich von dem herrschenden Wettkampf in Wirtschaftsunternehmen\u00a0geradezu angezogen. Ihr un\u00fcbersehbares Dominanzgebaren\u00a0st\u00f6rt dort nicht. Im Gegenteil. Ellbogen sind in der Wirtschaft\u00a0gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass solche Menschen Nerven aus Stahl haben, wissen wir bereits. Doch welches Verhalten zeigen sie sonst noch? Was\u00a0macht sie, bis sie vor dem Strafrichter sitzen, so erfolgreich? Experten\u00a0nennen folgende Eigenschaften, mit denen Menschen\u00a0mit psychopathischem Verhalten ihre Umwelt faszinieren, aber\u00a0auch terrorisieren:\u00a0Emotionsloses Agieren in Stresssituationen, unempfindlich gegen\u00fcber Angstgef\u00fchlen, pr\u00e4zises Erkennen von Schw\u00e4chen\u00a0anderer bei gleichzeitig mangelnder oder nicht vorhandener\u00a0Empathie f\u00fcr ihre Mitmenschen, massives manipulatives Verhalten, \u00fcbersteigertes Selbstwertgef\u00fchl, Narzissmus, notorisches L\u00fcgen, die Liebe zum Risiko und die\u00a0Gier nach immer gr\u00f6\u00dferen Stimulanzien, schauspielerische F\u00e4higkeiten, eine gro\u00dfe Portion Charme und eine oft hohe Intelligenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Menschen, die Verw\u00fcstung hinterlassen &#8211; bei extremer Ich-Bezogenheit<\/strong><\/p>\n<p>Wer auf die Spur der Verw\u00fcstung schaut, die diese Menschen hinterlassen, wird mir Recht geben, dass nicht nur Menschen,\u00a0die im klinischen Sinne das Vollbild eines Psychopathen aufweisen,\u00a0gef\u00e4hrlich sind f\u00fcr ihre Mitmenschen, sondern auch die, die einige wesentliche Z\u00fcge mit ihnen teilen, etwa die Narzissten.<\/p>\n<p>Narzissten zeichnen sich durch eine extreme Ich-Bezogenheit\u00a0aus. Sie sind schnell gekr\u00e4nkt, wenn ihr Selbstbild\u00a0durch Kritik \u2013 auch wenn es sich um sachliche Kritik handelt \u2013 ersch\u00fcttert wird. Das trifft auf Menschen mit psychopathischem Talent nicht zu; sie sind durch Kritik nicht\u00a0zu ersch\u00fcttern. Letztere sind gef\u00fchlskalt, Scham kennen sie nicht. Bei Narzissten hingegen spielen Schamgef\u00fchle\u00a0eine gro\u00dfe Rolle, weil ihnen ihre Wirkung auf andere au\u00dferordentlich\u00a0wichtig ist. Anders als Menschen mit psychopathischen Verhaltensweisen, k\u00f6nnen Narzissten jedoch\u00a0Gef\u00fchle entwickeln und durchaus Bindungen zu ihren\u00a0Mitmenschen aufbauen, zumindest wenn diese ihr Ego st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Menschen, die ein psychopathisches Verhalten\u00a0zeigen, sind dazu nicht in der Lage. Die Bindung an andere\u00a0Menschen ist bei ihnen immer oberfl\u00e4chlich, auch wenn sie Gef\u00fchle wie Freundschaft und Liebe hervorragend vorgaukeln\u00a0k\u00f6nnen. Leider sind Menschen vom Schlage eines Madoff keine Einzelf\u00e4lle,\u00a0wenn auch die finanzielle Dimension nicht immer die\u00a0Milliarden-Marke \u00fcberschreitet. Dennoch sind die Sch\u00e4den, die\u00a0solche Menschen anrichten, immer verheerend \u2013 finanziell, menschlich und nicht zuletzt auch gesundheitlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jeder zehnte Chef hat psychopathische Tendenzen<\/strong><\/p>\n<p>Neueste Untersuchungen gehen davon aus, dass Menschen mit psychopathischer oder narzisstischer Pers\u00f6nlichkeit drei- bis\u00a0viermal so h\u00e4ufig in Chefsesseln sitzen als Menschen mit normaler\u00a0Pers\u00f6nlichkeitsstruktur. Experten sch\u00e4tzen, dass etwa\u00a0vier Prozent der Bev\u00f6lkerung Narzissten sind und etwa ein bis zwei Prozent Psychopathen. Deren Anteil an F\u00fchrungspositionen\u00a0betr\u00e4gt etwa sechs Prozent. Die Wissenschaftler vermuten\u00a0daher, dass jede zehnte F\u00fchrungskraft psychopathische Tendenzen\u00a0hat. Die genannten Zahlen sind nur sehr vorsichtige Sch\u00e4tzungen, vermutlich ist der Anteil an der Gesamtpopulation\u00a0deutlich h\u00f6her und w\u00e4chst stetig, denn psychopathisch veranlagte\u00a0Personen pflegen erfahrungsgem\u00e4\u00df viele sexuelle Beziehungen\u00a0und zeugen eine gro\u00dfe Anzahl von Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer darunter leidet als Mitarbeiter, suchen nach Gegenstrategien<\/strong><\/p>\n<p>Da die Forschung heute davon ausgeht, dass Vererbung bei einer\u00a0psychopathischen Veranlagung eine wichtige, wenn auch nicht\u00a0die alleinige Rolle spielt, l\u00e4sst sich sagen: Wir haben ein Problem.\u00a0Kein Wunder also, dass Betroffene, die unter solchen F\u00fchrungspersonen\u00a0leiden, die es fr\u00fcher nicht in die Chefetagen geschafft h\u00e4tten, sich in den einschl\u00e4gigen Blogs im Internet austauschen.\u00a0Wer sich diese Foren anschaut, gewinnt den Eindruck,\u00a0dass das, was einmal die Ausnahme war, n\u00e4mlich andere eiskalt \u00fcber den Tisch zu ziehen, fast schon die Regel geworden\u00a0ist. Als Coach, aber auch in meinen Seminaren, mache ich die\u00a0gleichen Erfahrungen: Menschen, die unter Vorgesetzten und \u00a0Kollegen leiden, die ein solches Verhalten zeigen, suchen nach M\u00f6glichkeiten, diese sch\u00e4digenden Verhaltensmuster rechtzeitig zu identifizieren und Gegenstrategien zu entwickeln. Vielleicht\u00a0haben auch Sie zu diesem Buch gegriffen, weil Sie zu diesen\u00a0Menschen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Enorme wirtschaftliche Sch\u00e4den<\/strong><\/p>\n<p>Zu meinen Vortr\u00e4gen kommen auch Betroffene, die im Vorstand oder Aufsichtsrat t\u00e4tig sind, Leiter von Personalabteilungen\u00a0oder selbst\u00e4ndige Unternehmer, die die Gefahr, die von solchen\u00a0Menschen f\u00fcr das Unternehmen ausgeht, klar erkannt haben. Denn der wirtschaftliche Schaden ist, neben den seelischen\u00a0Sch\u00e4den, die bei den Mitarbeitern verursacht werden und sich in den Krankmeldungen spiegeln, meist enorm. Es ist daher kein Zufall, dass die Nachfrage nach Beratungen, die\u00a0Antworten darauf geben, deutlich zunimmt.<\/p>\n<p>Doch wie kommt es, dass Narzissten und Menschen, die einige sch\u00e4digende Eigenschaften mit Psychopathen teilen, gegenw\u00e4rtig\u00a0in der Wirtschaft so erfolgreich sind, anstatt, wie man vermuten\u00a0m\u00f6chte, im Gef\u00e4ngnis zu sitzen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wo Ver\u00e4nderungen in Unternehmen anstehen, haben Psychopathen ein ideales Spielfeld<\/strong><\/p>\n<p>Was ist geschehen?\u00a0Der amerikanische Wissenschaftler Robert D. Hare findet nicht\u00a0nur eine plausible, sondern auch eine wissenschaftlich fundierte\u00a0Erkl\u00e4rung f\u00fcr die dramatische Umkehrung der Verh\u00e4ltnisse im\u00a0Gesch\u00e4ftsleben. Nach jahrelanger Forschung \u00fcber die Auswirkungen\u00a0von Menschen mit psychopathischer Veranlagung im Wirtschaftsleben fasst er seine Beobachtung wie folgt zusammen:\u00a0Immer dort, wo gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen in Unternehmen\u00a0anstehen, oder bereits im Gange sind, finden Menschen mit psychopathischen Charakterz\u00fcgen ein ideales Spielfeld.19 Ver\u00e4nderungen, gar Chaos in Unternehmen bei Umstrukturierungen, \u00fcbernahmen, Krisen oder Neugr\u00fcndungen von Unternehmen,\u00a0sind der N\u00e4hrboden, den solche Menschen ben\u00f6tigen, um ihre negative Energie zu entfalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Globalisierung und Deregulierung waren die T\u00fcr\u00f6ffner<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir diese Forschungsergebnisse ernst nehmen, muss die Finanzbranche vor und nach dem Finanzcrash in 2008 ein El Dorado f\u00fcr Menschen mit psychopathischen Charaktereigenschaften gewesen sein bzw. immer noch sein. Denn eine Branche, die sich durch wenige Regeln und wenige Kontrollen einst\u00a0auszeichnete und immer noch auszeichnet \u2013 trotz der Versuche\u00a0seitens der Politik neue Regelungen greifen zu lassen \u2013, war und\u00a0ist das nat\u00fcrliche Umfeld f\u00fcr Menschen mit dieser Veranlagung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es nur die Finanzbranche betreffen w\u00fcrde, w\u00e4re dies\u00a0zwar schlimm genug, aber noch nicht bedrohlich f\u00fcr die ganze\u00a0Wirtschaft. Was aber das Ph\u00e4nomen des erfolgreich agierenden\u00a0Managers mit psychopathischen oder narzisstischen Eigenschaften so gef\u00e4hrlich macht, ist die Tatsache, dass sich die\u00a0Bedingungen des Wirtschaftens seit der Globalisierung grundlegend\u00a0ge\u00e4ndert haben. Das Stichwort hei\u00dft Dynamik. Und Dy namik bedeutet, dass Regelungen, die gestern noch galten,\u00a0au\u00dfer Kraft gesetzt werden, Kontrollen nicht greifen, weil sich\u00a0die Situation innerhalb k\u00fcrzester Zeit bereits wieder ver\u00e4ndert\u00a0hat. Nur wenige behalten da den \u00dcberblick. Genau eine solche\u00a0Situation brauchen Menschen mit psychopathischer Veranlagung,\u00a0um mit faulen Tricks, Betr\u00fcgereien und aggressiver Rhetorik\u00a0Karriere zu machen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, dass\u00a0man ihnen auf die Schliche kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir alle kennen die Dynamik, die durch die Globalisierung in fast jeder Branche Einzug gehalten hatte. \u00dcbernahmen waren\u00a0an der Tagesordnung, Umstrukturierungen ebenso, erzeugt\u00a0durch den Druck noch effizienter produzieren zu m\u00fcssen, weil die Konkurrenz einem im Nacken sa\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Start-ups in Silicon Valley wurden, so schien es, w\u00f6chentlich\u00a0gegr\u00fcndet. Die Technologiebranche erlebte einen Boom, der\u00a0seinesgleichen suchte, und forcierte durch die technologischen\u00a0Neuerungen strukturelle Umw\u00e4lzungen in Firmen, f\u00fcr die es sonst vieler Jahrzehnte ben\u00f6tigt h\u00e4tte. Mit anderen Worten:\u00a0Manager, die eine Neigung zu psychopathischem Verhalten\u00a0hatten, fanden in den 1990er-Jahren den idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr\u00a0ihr Tun. Die Auswirkungen kennen wir sp\u00e4testens seit dem Finanzcrash 2008 alle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Zutaten der Verf\u00fchrung: Charme und Charisma<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl Narzissten und Menschen mit psychopathischer Veranlagung\u00a0viele negative Eigenschaften haben und Angst und\u00a0Schrecken in Unternehmen verbreiten, sind sie sehr erfolgreich.\u00a0Daher fragt man sich verwundert: Was macht diese Menschen so erfolgreich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Antwort ist gar nicht so schwer. Die Erfolgsfaktoren hei\u00dfen:\u00a0Charme, Charisma, schauspielerische F\u00e4higkeiten und die\u00a0Beherrschung manipulativer Techniken. Diese Eigenschaften\u00a0helfen ihnen, die Maske sehr lange aufrechtzuerhalten. Wie wir\u00a0im Fall Madoff gesehen haben, w\u00e4hrte das Theaterst\u00fcck \u00fcber 30\u00a0Jahre. Menschen mit narzisstischen oder psychopathischen Tendenzen werden nicht schnell erkannt. Nur wer sehr genau beobachtet,\u00a0kann die feinen Haarrisse sehen, die das Bild, welches\u00a0man sich von der jeweiligen Person gemacht hat, zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schauen wir noch einmal auf den Fall Madoff. Fast jeder, der ihn kannte, schw\u00e4rmte von seiner starken pers\u00f6nlichen Ausstrahlung. Er habe Esprit und Charme, hie\u00df es\u00a0unisono. Er gab den leutseligen Chef, der seine Mitarbeiter\u00a0wie Familienangeh\u00f6rige behandelte und sich um sie sorgte. Ein Grandseigneur der Extraklasse. Er hielt sich von den Schickimicki-Partys der Wall-Street fern, was seinen Ruf, er sei ein\u00a0seri\u00f6ser Gesch\u00e4ftsmann mit einem enormen Fingerspitzengef\u00fchl\u00a0f\u00fcr das Aktiengesch\u00e4ft, weiter verst\u00e4rkte. In Wahrheit hatte\u00a0er bereits 1996 den Aktienhandel eingestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Madoff wolle nichts Schriftliches: Keine Briefe, keine Mails<\/strong><\/p>\n<p>Madoff mochte keine schriftlichen Unterlagen \u2013 weder E-Mails\u00a0noch Briefe. Diese h\u00e4tten Spuren hinterlassen k\u00f6nnen. Er zog\u00a0es vor, m\u00fcndlich zu verhandeln. Von Angesicht zu Angesicht\u00a0konnte er seinen Charme spielen lassen. Sp\u00e4ter lie\u00df er sein Image, das er sich in vielen Jahren sorgf\u00e4ltig und mit viel Strategie\u00a0aufgebaut hatte, f\u00fcr sich arbeiten. Er spendete Millionenbetr\u00e4ge\u00a0f\u00fcr die gute Sache und er arbeitete eng mit den Aufsichtsbeh\u00f6rden\u00a0zusammen, war also immer \u00fcber deren n\u00e4chste Schritte bestens informiert. Er listete detailversessen seine angeblichen Transaktionen auf und schickte diese Unterlagen seinen\u00a0Kunden. Seri\u00f6ser, so glaubten die, die ihn bewunderten, k\u00f6nne man gar nicht sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch seine B\u00fcros in New York und London waren in zur\u00fcckhaltendem Grau und Schwarz eingerichtet. Von Angeberei keine Spur. Er hatte eine Familie und war noch immer mit der derselben Frau verheiratet. Ein Mensch, der offenbar grundsolide war. Dennoch konnte er alle Insignien der Macht vorweisen,\u00a0die man einfach zu haben hat, wenn man es wirklich bis ganz\u00a0nach oben geschafft hat: das Penthouse in Manhattan, die meterlange Yacht, die Villa in Frankreich. Geld zu haben und zugleich\u00a0bescheiden aufzutreten \u2013 diese Kombination war unschlagbar.\u00a0Und so pilgerten sie zu ihm und gaben ihm ihr Geld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immenses Kontrollbed\u00fcrfnis<\/strong><\/p>\n<p>Nur eins fiel unangenehm auf: sein immenses Kontrollbed\u00fcrfnis. So installierte er in seinen B\u00fcros Kameras, auch in seinen\u00a0B\u00fcros in London, so dass er, wenn er in New York auf die Monitore\u00a0schaute, zu jedem Zeitpunkt sehen konnte, was geschah. Kontrolle von anderen aber lie\u00df er nicht zu. Die gro\u00dfen Steuerberatungsfirmen\u00a0lie\u00df er nicht in seine B\u00fccher schauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass der gr\u00f6\u00dfte Finanzbetr\u00fcger, den die\u00a0Welt bisher erlebt hat, nicht mehr viel Charme brauchte, als\u00a0sein Ruf, ein genialer Finanzmann zu sein, dank Mundpropaganda,\u00a0immer weitere Kreise zog und sein Schneeballsystem am Laufen hielt. Doch auf dem Weg dahin wird er viel davon gebraucht\u00a0haben. Selbst jetzt, seitdem er im Gef\u00e4ngnis in North\u00a0Carolina einsitzt, ist zu vernehmen, dass er ein sehr beliebter H\u00e4ftling sei. Die anderen Insassen m\u00f6gen ihn und wollten von\u00a0ihm Investmenttipps haben, bis die Gef\u00e4ngnisleitung davon\u00a0Wind bekam und dies untersagte. Charme verdirbt eben nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Compliance-Regeln helfen nicht gegen Psychopathen<\/strong><\/p>\n<p>Wie aber sieht es heute aus? Sind die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen immer noch so, dass Psychopathen und Narzissten\u00a0nahezu automatisch nach oben gesp\u00fclt werden? Auf den ersten Blick scheint sich die Situation ver\u00e4ndert zu haben. Immerhin hat die weltweite wirtschaftliche Entwicklung\u00a0einen deutlichen D\u00e4mpfer bekommen. Selbst die deutsche\u00a0Wirtschaft, die als \u00e4u\u00dferst robust gilt, hat an Dynamik verloren.<\/p>\n<p>Das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) bem\u00e4ngelte unl\u00e4ngst, dass es der deutschen Wirtschaft zwar gut gehe,\u00a0das Wachstum jedoch nicht sehr breit aufgestellt sei.30 Viele\u00a0Staaten und Volkswirtschaften sind noch immer mit den Auswirkungen des Finanzcrashs besch\u00e4ftigt. Dort werden noch\u00a0heute die Wunden geleckt, die 2008 geschlagen wurden.\u00a0Dabei sind die wirtschaftlichen Krisen in Spanien, Portugal, Italien,\u00a0Irland und Griechenland nur die Krisen, die bei uns in den Medien pr\u00e4sent waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Krise bem\u00fchen sich Politiker um neue Regeln f\u00fcr Unternehmen und im Besonderen f\u00fcr die Finanzbranche.\u00a0Compliance-Vereinbarungen halten Einzug in die gro\u00dfen\u00a0Konzerne und verpflichten Mitarbeiter und Vorstand zu ethischem Verhalten. R\u00fcckzug, Ma\u00dfhalten, Aufwertung des Regionalen\u00a0sind die Schlagworte der aktuellen wirtschaftlichen wie\u00a0politischen Trends. Dynamik, Deregulierung und enormes Wirtschaftswachstum sind, so sieht es zurzeit aus, die Schlagworte von gestern. Und so titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) erschrocken:\u00a0\u00bbErleben wir das Ende der Globalisierung?\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir uns also entspannt zur\u00fccklehnen? Ist Menschen vom Schlage eines Madoffs endg\u00fcltig der N\u00e4hrboden entzogen?\u00a0Leider nein. Die Statistiken des Bundeskriminalamtes, die die\u00a0F\u00e4lle von Wirtschaftskriminalit\u00e4t registrieren, die zur Anzeige\u00a0gebracht wurden, sprechen eine andere Sprache. Im Jahr 2010,\u00a0also zwei Jahre nach dem Finanzcrash, lag die Zahl auf dem\u00a0h\u00f6chsten Niveau seit 2006. Das Bundeskriminalamt registrierte 102813 F\u00e4lle. Im Jahr 2014 sind die Fallzahlen im Vergleich\u00a0dazu zwar gesunken, befinden sich aber immer noch auf hohem\u00a0Niveau von 63194 registrierten F\u00e4llen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch wer die Statistik zu lesen wei\u00df, ist nicht beruhigt. Denn die angezeigten Straftaten im Bereich \u00bbAnlage- und Finanzierungsdelikte\u00ab sind im Vergleich zum Vorjahr sogar auf 8652\u00a0gestiegen. Der wirtschaftliche Schaden betrug allein 2014 in diesem Segment 443 Millionen Euro. Gestiegen sind im gleichen\u00a0Jahr auch die F\u00e4lle von Betrug und Untreue im Zusammenhang\u00a0mit Kapitalanlagen. Hier entstand ein Schaden von 525 Millionen Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weniger Delikt-F\u00e4lle, h\u00f6here Summen<\/strong><\/p>\n<p>Was den Kriminologen Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache,\u00a0dass der Schaden gr\u00f6\u00dfer geworden ist bei gleichzeitig geringerer\u00a0Fallzahl. Das l\u00e4sst nicht nur Experten aufhorchen, sondern\u00a0auch Unternehmer, Manager und Personalleiter, die versuchen, Schaden von ihren Unternehmen abzuwenden. Wie viele dieser Taten von Menschen mit psychopathischer oder\u00a0narzisstischer Veranlagung begangen wurden, ist nicht bekannt. Doch es ist zu vermuten, dass ihr Anteil hoch ist.\u00a0Die Tatsache, dass dies nur die F\u00e4lle sind, die angezeigt wurden,\u00a0vermag ebenfalls nicht zur Beruhigung beizutragen. Denn die meisten Unternehmen versuchen, wenn sie durch Manager oder Mitarbeiter gesch\u00e4digt wurden, den Schaden zu vertuschen.\u00a0Das Ganze wird intern geregelt. Davon geht auch das Bundeskriminalamt\u00a0aus und verweist auf eine hohe Dunkelziffer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Angst ums Firmenimage nutzt den Psychopathen<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund f\u00fcr die Unternehmen \u2013 trotz hohem Schaden \u2013 den\u00a0Fall nicht vor Gericht zu bringen, liegt auf der Hand: Die Reputation \u00a0des Unternehmens k\u00f6nnte Schaden nehmen. Daher verzichten die meisten Unternehmen darauf, Anzeige zu erstatten. Das schafft den Narzissten und Psychopathen den n\u00f6tigen Freiraum,\u00a0um zum n\u00e4chsten Unternehmen weiterzuziehen, wo sie\u00a0erneut gr\u00fcne und s\u00e4ttigende Weidefl\u00e4chen finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Blutspur der Psychopathen: Zerr\u00fcttete Unternehmenskulturen, Burnout-F\u00e4lle<\/strong><\/p>\n<p>Dort, in den neuen Unternehmen, werden Vorstand, Personalabteilung und Kollegen erneut eine Weile brauchen, bis sie erkennen,\u00a0mit wem sie es zu tun haben. Dann aber ist der Schaden\u00a0bereits eingetreten. Dabei sprechen wir in diesem Zusammenhang nur von dem finanziellen\u00a0Schaden, nicht aber von der Zerr\u00fcttung der Unternehmenskultur, geschweige denn von den Burn-out-F\u00e4llen, die\u00a0erfahrungsgem\u00e4\u00df sprunghaft steigen, wenn man es Narzissten\u00a0oder Menschen mit psychopathischer Veranlagung erlaubt, ihr Werk im Unternehmen zu verrichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aggressive Rhetorik ist heute Standard<\/strong><\/p>\n<p>Selbst wenn die Manager mit narzisstischer oder psychopathischer\u00a0Veranlagung das Unternehmen verlassen haben, sind die\u00a0Nachwirkungen nicht nur auf den Gesch\u00e4ftskonten noch lange\u00a0zu sp\u00fcren. Gelitten hat vor allem ein Bereich, der wie ein Seismograph\u00a0die Stimmung im Unternehmen widerspiegelt: die Kommunikation. Diese liegt am Boden, denn die Atmosph\u00e4re ist vergiftet. Narzissten\u00a0und Menschen mit psychopathischen Eigenschaften\u00a0schaffen es, viele Menschen gegeneinander auszuspielen. Die\u00a0Wunden heilen nur langsam, manches l\u00e4sst sich gar nicht mehr kitten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kampfkommunikation als neue Gespr\u00e4chskultur: entw\u00fcrdigend, ehrverletzend<\/strong><\/p>\n<p>Die dramatische Ver\u00e4nderung der Gespr\u00e4chskultur in den Unternehmen,\u00a0die F\u00fchrungspersonen mit psychopathischer Tendenz\u00a0bewusst im Schatten von Deregulierung und Globalisierung\u00a0erzeugt haben, ist, so lautet die n\u00e4chste schlechte Nachricht,\u00a0leider nicht auf die jeweils betroffenen Unternehmen beschr\u00e4nkt geblieben. Vielmehr hat sich eine Gespr\u00e4chskultur in der Wirtschaft insgesamt und sogar im privaten Bereich breit gemacht, die\u00a0viele Menschen als ehrverletzend oder entw\u00fcrdigend empfinden.\u00a0Das, was wir Gespr\u00e4chskultur nennen, hat sich in den letzten zwanzig Jahren nachhaltig ver\u00e4ndert. Das Wort\u00a0Kampfkommunikation trifft es besser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kommunikation als Waffe der Psychopathen<\/strong><\/p>\n<p>Wer im Beruf den\u00a0Kopf \u00fcber Wasser halten will, sollte sich darin auskennen. Die im Zuge der Globalisierung propagierte Deregulierung hat offenbar nicht nur Zoll- und Handelsschranken fallen\u00a0lassen, sondern auch andere Grenzen gesprengt: die der\u00a0guten Kommunikation.\u00a0Damit wir uns nicht falsch verstehen: Globalisierung und Deregulierung sind nicht grunds\u00e4tzlich schlecht, doch die neuen Freir\u00e4ume wurden von Narzissten und Menschen mit psychopathischer\u00a0Veranlagung systematisch ausgenutzt. Weil sie Chaos brauchen, um ihre Ziele durchzusetzen, erzeugen sie\u00a0unter den Mitarbeitern oder Vorstandskollegen Konflikte, die\u00a0es in sich haben. Sie verbreiten L\u00fcgen, Halbwahrheiten und\u00a0schrecken auch nicht vor \u00fcbler Nachrede zur\u00fcck. Sie nutzen Kommunikation als Waffe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das erzeugt tiefe Gr\u00e4ben in der Gespr\u00e4chskultur eines Unternehmens, die Meetings, Gesch\u00e4ftsverhandlungen und selbst die\u00a0Begegnung in der Kantine oder auf dem Flur zu einem Kriegsschauplatz\u00a0werden lassen. Wer hat nicht selbst schon einmal eine solche vergiftete Atmosph\u00e4re im Unternehmen erlebt? In\u00a0den Seminaren bekomme ich unz\u00e4hlige solcher Erfahrungen\u00a0geschildert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dennoch stellt sich die Frage, wie sich diese enthemmte Kommunikation derart verbreiten konnte und nicht nur einzelne\u00a0Unternehmen infiziert hat. Die Antwort ist simpel. Berichte von Menschen, die mit psychopathisch oder narzisstisch veranlagten Chefs und Kollegen zusammengearbeitet haben, schildern\u00a0sie als Personen mit gro\u00dfer Ausstrahlung. Leader mit Charisma. Und genau das war in der Deregulierungsphase der\u00a0Wirtschaft und w\u00e4hrend des Technologiebooms sehr gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten von gestern: Die Seri\u00f6sen und Soliden<\/strong><\/p>\n<p>Chefs, die Seriosit\u00e4t und Solidit\u00e4t ausstrahlten, galten in dieser Boom-Zeit als F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit von gestern.\u00a0Gefragt waren Menschen vom Zuschnitt eines Steve Jobs, der\u00a0die Menschen begeisterte und mitrei\u00dfen konnte. F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, die wussten, wie \u00bbsie die anderen kriegen\u00ab. Und\u00a0zwar kurzfristig, denn alles musste schnell gehen, die Spirale\u00a0schien sich immer schneller zu drehen. Der Erfolg gab diesen charismatischen F\u00fchrern Recht. Mit viel hei\u00dfer Luft wurde eine Menge Geld verdient. Doch nicht jeder, der Charisma und eine\u00a0faszinierende Ausstrahlung hat, ist ein Mensch mit psychopathischer\u00a0Veranlagung. Man muss schon genauer hinschauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch genau darum geht es in diesem Buch: den Spreu vom\u00a0Weizen zu trennen, Menschen mit aggressiver und sozial sch\u00e4digender\u00a0Veranlagung anhand ihrer Kommunikation zu erkennen\u00a0und rechtzeitig kommunikative Gegenstrategien zu entwickeln. Sie erfahren in diesem Buch die wichtigsten Eigenschaften dieser Menschen. Geschildert wird auch ihre Art der Kommunikation,\u00a0so dass es Ihnen leichter f\u00e4llt, diese Menschen zu identifizieren. Wie Sie Ihre eigene Kommunikation darauf einstellen, erfahren Sie in Kapitel zwei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Dominotheorie: Beleidigen wie der Chef<\/strong><\/p>\n<p>Der Virus, der diese destruktive Kommunikation wie eine Epidemie in die Unternehmen getragen hat, hei\u00dft: Nachahmung.\u00a0Die Charismatiker waren die Stars. Und wer will nicht so sein\u00a0wie sie? So wurde deren Art der Kommunikation zum Vorbild und vielfach kopiert. Grenzen des guten Benehmens, auch im\u00a0Gesch\u00e4ftsgespr\u00e4ch, wurden gesprengt. Wenn die charismatisch\u00a0und psychopathisch veranlagten F\u00fchrer sprachen und andere beleidigten, wurden diese Grenz\u00fcbertritte als erfrischend empfunden. Der traut sich was. Was f\u00fcr ein cooler Typ! Wer da\u00a0keine schnelle Antwort parat hatte, hatte in den Augen der anderen\u00a0schon verloren. Was f\u00fcr ein Langweiler! Der Sprachlose war durch seine passive Reaktion vor aller Augen vorgef\u00fchrt. Er\u00a0trug fortan das Stigma des Opfers auf der Stirn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer sich verbal daneben benimmt, zeigt, er ist ein Gewinner<\/strong><\/p>\n<p>Je h\u00f6her Menschen mit narzisstischer oder psychopathischer Veranlagung nach oben steigen, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Schar ihrer\u00a0Bewunderer. Damit sind die Grenzen, die eine gute Kommunikation\u00a0ausmachen, verschoben, und zwar in Richtung des \u00e4u\u00dferen Randes, dort wo keine sachliche Auseinandersetzung mehr stattfindet, sondern die pers\u00f6nliche Beleidigung beginnt.\u00a0Das kommunikative Spielfeld ist damit f\u00fcr alle gr\u00f6\u00dfer geworden,\u00a0nicht nur f\u00fcr den Narzissten oder psychopathisch Veranlagten. Der, der sich verbal danebenbenimmt, ist nicht mehr\u00a0der, der von den anderen abgestraft wird. Vielmehr zeigt er\u00a0durch seine Art der Kommunikation, dass er zu den Gewinnern im Unternehmen geh\u00f6rt. Wir alle kennen diese Gruppendynamik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verbale Wild-West-Methoden<\/strong><\/p>\n<p>Zwar sind nach dem Finanzcrash in 2008 vielerorts neue Kodizes,\u00a0Compliance-Regeln und Standards des Good Governance\u00a0entworfen und feierlich in Unternehmen und Organisationen\u00a0verabschiedet worden. Die Frage ist jedoch, ob die Einhaltung der neuen Regeln auch kontrolliert wird oder nur als Schmuck\u00a0an der Wand h\u00e4ngt. Man gibt sich halt seri\u00f6s. Mit der Realit\u00e4t\u00a0hat das oft nichts zu tun. Leider enthalten diese neuen Regelungen meist nichts zu der im\u00a0Unternehmen anzustrebenden Kommunikation, und so herrschen dort auf dem verbalen Spielfeld noch immer die Wild-West-Methoden, die sich in der Boomphase der 1990er-Jahre\u00a0etabliert haben. Schlie\u00dflich wurden viele Manager, die jetzt am\u00a0Ruder sind, in dieser Zeit sozialisiert. Das Rad l\u00e4sst sich so schnell nicht zur\u00fcckdrehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Toxische Menschen &#8211; auch Normalos, die sich den Ton nur angeeignet haben<\/strong><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass wir es im beruflichen Umfeld generell mit einer aggressiveren Kommunikation als noch vor Jahren\u00a0zu tun haben. Dies gilt nicht nur, wenn Sie tats\u00e4chlich einem Narzissten oder psychopathisch veranlagten Menschen in einem Meeting oder einer Verhandlung gegen\u00fcbersitzen.\u00a0Dies gilt auch, wenn Ihr Gegen\u00fcber ein \u00bbNormalmensch\u00a0\u00ab ist, der sich in vielen Jahren einen aggressiven Kommunikationsstil angeeignet hat, ohne daf\u00fcr jemals\u00a0Konsequenzen ziehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Grundstruktur der\u00a0Business-Kommunikation kippt heute schneller von einer harmonischen oder sachlichen in eine aggressive Tonart.\u00a0Auch wenn Narzissten oder andere toxische Menschen\u00a0nicht die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung stellen, sind doch sie es, die es geschafft haben, den ersten Dominostein zum\u00a0Fallen zu bringen. Bekanntlich reicht das, um auch die\u00a0anderen Steine zu Fall zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denken wir nur an die Fl\u00fcchtlingsdiskussion in Deutschland. Einige hundert polizeibekannte Intensivt\u00e4ter, die an Silvester\u00a0Frauen massiv sexuell bel\u00e4stigten und sie auch noch bestahlen,\u00a0haben die Stimmung im Land gegen\u00fcber den Fl\u00fcchtlingen insgesamt gekippt. Das Gleiche gilt f\u00fcr die Angriffe auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo oder die Terrorakte im November in\u00a0Paris. Immer waren es nur eine Handvoll T\u00e4ter, doch sie hatten\u00a0es in der Hand, die Atmosph\u00e4re ins Negative zu drehen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es mit Narzissten oder psychopathisch veranlagten Menschen gewesen, die es in den 1990er-Jahren geschafft haben,\u00a0vom \u00e4u\u00dferen Rand unserer Gesellschaft in den \u203ainner circle\u2039 zu\u00a0gelangen und die Regeln der Kommunikation auf den Kopf zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Besonders aggressive Kommunikation der Deutschen<\/strong><\/p>\n<p>Wir Deutschen scheinen diese Art der aggressiven Kommunikation ganz besonders verinnerlicht zu haben, denn die erstaunten\u00a0Reaktionen von Menschen aus \u00d6sterreich oder der\u00a0Schweiz, wie in deutschen Unternehmen kommuniziert wird, zeigen mir, wie sehr wir uns bereits an diese Art der rhetorischen\u00a0Eskalation in Deutschland gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommunikation kann an vielen Stellen scheitern. Die Motive sind vielf\u00e4ltig und durchaus nicht neu. Boshafte Rache, Gerangel\u00a0um die Hackordnung oder Machtspiele sind nur einige, aber\u00a0wesentliche Gr\u00fcnde, warum Kommunikation nicht genutzt wird, um zu kommunizieren, sondern benutzt wird, um Intrigen\u00a0in Gang zu setzen, abzukanzeln oder einen Zuwachs an\u00a0Macht zu ergattern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aggressive Kommunikation in der Firma zeigt sich am Ende in der Bilanz\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Neu ist dabei die aggressive Grundstruktur der Kommunikation. Eine solche aggressiv aufgestellte sprachliche Basistextur im\u00a0Unternehmen kippt schneller ins Negative, ver\u00e4ndert die Atmosph\u00e4re\u00a0im Unternehmen insgesamt, was sich bald auch in der Bilanz des Unternehmens negativ widerspiegelt. Deswegen sollte man als Verantwortlicher \u2013 egal ob Sie f\u00fcr eine\u00a0Gruppe oder f\u00fcr ein ganzes Unternehmen verantwortlich sind \u2013\u00a0diese gesellschaftliche Entwicklung nicht auf die leichte Schulter nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Interne aggressive Kommunikation sorgt f\u00fcr externe aggressive Kommunikation<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Kommunikation nicht nur in einem Meeting\u00a0aggressiv ist, sondern insgesamt nicht mehr stimmt, ist\u00a0meist auch die Au\u00dfenkommunikation mit Gesch\u00e4ftspartnern, Presse oder Kunden gest\u00f6rt. Eine solche Kommunikation\u00a0produziert ineffiziente Meetings, weil es nicht mehr\u00a0um Inhalte, sondern um Rangk\u00e4mpfe geht; sie kostet Auftr\u00e4ge, weil Machtk\u00e4mpfe wichtiger sind als gute Bilanzzahlen;\u00a0sie verdirbt zudem die Reputation eines Unternehmens\u00a0in der \u00d6ffentlichkeit und vermiest die Stimmung im Unternehmen.\u00a0Die Abw\u00e4rtsspirale ist dann nur noch schwer zu\u00a0bremsen. Eine gelungene oder misslungene Kommunikation \u2013 intern wie extern \u2013 ist immer ein genauer Gradmesser daf\u00fcr, wie es um\u00a0das Unternehmen bestellt ist. Der Fall VW ist daf\u00fcr ein gutes\u00a0Beispiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Fall VW<\/p>\n<p>Eine Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation und der Universit\u00e4t West Virginia entdeckt\u00a02014 erh\u00f6hte Emissionswerte bei einigen Volkswagen- Modellen in den USA. Der Vorstand von VW wird informiert. Dieser versucht auf dem Verhandlungsweg die Sache beizulegen, was nicht gelingt. Dann platzt die Bombe. Die amerikanische\u00a0Umweltbeh\u00f6rde EPA macht die Vorw\u00fcrfe \u00f6ffentlich. Am 19. September r\u00e4umt der VW-Konzern offenbar Software-Manipulationen an den Dieselmotoren ein. Doch es bleibt\u00a0nicht bei den Dieselmotoren. Die Vorw\u00fcrfe weiten sich aus, allein in den USA sollen 600 000 Fahrzeuge betroffen sein. In\u00a0Europa ruft VW freiwillig 8,5 Millionen Dieselfahrzeuge mit\u00a0der manipulierten Software zur\u00fcck. Autos von Skoda, Seat und Audi sind, so stellt sich sp\u00e4ter heraus, ebenfalls betroffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 21. September schaltet sich das US-Justizministerium ein\u00a0und k\u00fcndigt Untersuchungen an. Der Amerika-Chef von VW\u00a0r\u00e4umt ein, dass VW \u00bbMist gebaut habe\u00ab. Am gleichen Tag\u00a0st\u00fcrzt die VW-Aktie ins Bodenlose. Am n\u00e4chsten Tag geht die Talfahrt weiter, der Wert der Aktie rutscht auf unter 100 Euro\u00a0pro St\u00fcck. Damit hat die Aktie innerhalb weniger Stunden 40\u00a0Prozent ihres Wertes eingeb\u00fc\u00dft. Winterkorn muss gehen. Matthias M\u00fcller \u00fcbernimmt. M\u00fcller\u00a0steht nun vor der Herkulesaufgabe, sich mit den US-Beh\u00f6rden\u00a0zu einigen. Die Verhandlungen sind festgefahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachfragen sind nicht so wichtig wie Fingerspitzengef\u00fchl in der Kommunikation<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Verhandlungen festgefahren sind, geht es zun\u00e4chst weniger um Sachfragen, als um Fingerspitzengef\u00fchl in der Kommunikation.\u00a0Ob er das kann, muss er nun auf seiner USA-Reise\u00a0unter Beweis stellen. Ihm muss der Spagat gelingen zwischen dem in den USA erwarteten Demutsgang und der Gefahr,\u00a0durch eine zu gro\u00dfe Demutsgeste seine Autorit\u00e4t zu Hause zu\u00a0verlieren. Mit der Frage, ob M\u00fcller eher zu den Aufkl\u00e4rern oder zu denen z\u00e4hlt, die alles vertuschen wollen, gie\u00dft der Spiegel in\u00a0seiner Online-Ausgabe vor M\u00fcllers heikler Reise in die USA\u00a0nochmals \u00d6l ins Feuer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Reise in die USA ger\u00e4t f\u00fcr M\u00fcller zum Desaster. Sich als neuer, starker Mann an der Spitze zu pr\u00e4sentieren, misslingt\u00a0dem studierten Informatiker gr\u00fcndlich. Ein Interview von ihm\u00a0mit dem amerikanischen Radiosender NPR l\u00e4uft v\u00f6llig aus dem Ruder. Auf die Bemerkung des Reporters, warum VW die amerikanische\u00a0Umweltbeh\u00f6rde belogen habe, antwortet er: \u00bbWir\u00a0haben nicht gelogen (&#8230;).\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Endg\u00fcltig aufs Glatteis f\u00fchren l\u00e4sst sich M\u00fcller mit der Frage, wie er die Wahrnehmung in den USA \u00e4ndern wolle, dass es sich\u00a0bei VW nicht um ein technisches, sondern um ein ethisches Problem\u00a0gehandelt habe. M\u00fcllers Antwort lautet: \u00bbEhrlich gesagt, es war ein technisches Problem. ( &#8230;) Wir hatten\u00a0einige Ziele f\u00fcr unsere Techniker, und sie l\u00f6sten dieses Problem\u00a0und erreichten diese Ziele mit einer Softwarel\u00f6sung, die nicht vereinbar war mit dem amerikanischen Gesetz. Das ist\u00a0der Punkt. Und die andere Frage, die Sie erw\u00e4hnten, nach dem\u00a0ethischen Problem \u2013 ich kann nicht verstehen, warum Sie das sagen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VW: Halbherzige Entschuldigungen werden in USA als Provokation empfunden<\/strong><\/p>\n<p>Statt in den USA die erwartete Seifenoper zu bedienen, die\u00a0immer nach dem gleichen Muster abl\u00e4uft \u2013 S\u00fcnder wird erwischt,\u00a0es folgt das reuige Schuldeingest\u00e4ndnis, der Protagonist\u00a0durchleidet ein tiefes Tal der Tr\u00e4nen und gelobt Besserung, schlie\u00dflich erteilen Beh\u00f6rden und Verbraucher Vergebung \u2013, bleibt M\u00fcller bei seiner Variante, die irgendwie nach einer halbherzigen\u00a0Entschuldigung klingt.\u00a0Das wird in den USA als pure Provokation empfunden. Anstatt\u00a0ein klares Schuldeingest\u00e4ndnis zu liefern, bietet M\u00fcller ein verkorkstes\u00a0Interview, das z\u00e4hneknirschend von der Presseabteilung des VW-Konzerns zur\u00fcckgezogen wird. M\u00fcller entschuldigt sich am n\u00e4chsten Tag,\u00a0er habe die Frage des Reporters w\u00e4hrend\u00a0der deutsch-englischen Pressekonferenz in Detroit \u00bbfalsch zugeordnet\u00ab. Doch die Sache ist in der Welt. Das nennt man einen Kommunikations-GAU. So etwas kann teuer werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den USA nennt das renommierte Wall Street Journal gespenstische 46 Billionen Dollar, die der Skandal das Wolfsburger\u00a0Unternehmen kosten wird. Die Schweizer Bank Credit Suisse\u00a0h\u00e4lt nach Angaben von CNNMoney sogar 86 Billion Dollar f\u00fcr m\u00f6glich, wenn die Folgekosten korrekt eingerechnet w\u00fcrden.\u00a0M\u00fcller wei\u00df, dass es ums Ganze geht. Er sieht den Konzern\u00a0vor \u00bbder gr\u00f6\u00dften Bew\u00e4hrungsprobe in der Unternehmensgeschichte\u00ab. Zwar wurde mit den Amerikanern inzwischen\u00a0eine Einigung erzielt, so dass Sammelklagen, die bekannterma\u00dfen\u00a0in den Vereinigten Staaten Forderungen in schwindelerregenden H\u00f6hen durchsetzen k\u00f6nnen, aller Voraussicht nach vermieden\u00a0werden konnten, doch den Kopf aus der Schlinge gezogen,\u00a0hat das Unternehmen VW damit noch nicht. Zu viele Baustellen\u00a0sind noch offen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der VW-Skandal ist ein Skandal historischen Ausma\u00dfes, dessen\u00a0Auswirkungen bis in den politischen Bereich hineinwirken.\u00a0Bisher galten die Deutschen auf internationaler B\u00fchne als Vorzeigeland,\u00a0wenn es um Umweltstandards und deren technische L\u00f6sungen ging, und so konnten die Deutschen in der Vergangenheit\u00a0auch auf andere L\u00e4nder Druck aus\u00fcben, ebenfalls nur\u00a0solche Produkte auf dem europ\u00e4ischen Markt anzubieten, die diesen hohem Umwelt- und Verbraucherstandards gerecht wurden. Diese Verhandlungsposition der Deutschen ist Geschichte.<\/p>\n<p>Konnte sich Angela Merkel zuvor im internationalen\u00a0Umfeld r\u00fchmen, dass die deutsche Autoindustrie bei der Reduzierung\u00a0des CO2-Aussto\u00dfes bereits weit voran geschritten sei, wird der VW-Skandal nun als ideales Faustpfand f\u00fcr die Amerikaner dienen, bei den heiklen Verhandlungen \u00fcber das Transatlantische\u00a0Freihandelsabkommen (TTIP) endlich voranzukommen\u00a0und so voraussichtlich weitaus niedrigere Standards zu\u00a0etablieren. Dass die Amerikaner diesen \u00bbWeak-Point\u00ab, diese\u00a0Schwachstelle, f\u00fcr ihre Verhandlungen nutzen werden, gilt in\u00a0eingeweihten Kreisen in Br\u00fcssel als sicher. M\u00f6glicherweise ist dies auch der Grund, warum der VW-Skandal in den USA so\u00a0hochgefahren worden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass ein stark geschw\u00e4chter Weltkonzern wie\u00a0VW in Zukunft f\u00fcr amerikanische Autobauer ein deutlich weniger\u00a0be\u00e4ngstigender Konkurrent sein wird, als er es in der Vergangenheit\u00a0mit seiner \u00fcberall in der Welt gesch\u00e4tzten \u00bbGerman\u00ab Ingenieurskunst gewesen ist. Der Verkauf von VW-Autos\u00a0ist weltweit r\u00fcckl\u00e4ufig und es wird, wenn die hohen Schadensersatzanspr\u00fcche\u00a0gezahlt werden m\u00fcssen, auch an Geld f\u00fcr notwendige\u00a0Zukunftsinvestitionen fehlen. Ob es dem Konzern\u00a0letztlich das Genick brechen wird, wird sich zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aggressive Rhetorik als Fr\u00fchwarnsystem \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bevor solche Skandale historischen Ausma\u00dfes passieren, ist\u00a0vorher eine Menge im Unternehmen schief gelaufen. Dies gilt im\u00a0Besonderen f\u00fcr die Kommunikation. Wer die Zeichen zu lesen wei\u00df, kann regelrecht ein Fr\u00fchwarnsystem im Unternehmen installieren. Soll im Unternehmen \u00bbein Ding gedreht werden\u00ab, sprich\u00a0Kunden, Gesch\u00e4ftspartner oder Mitarbeiter \u00fcber den Tisch\u00a0gezogen werden, ist erfahrungsgem\u00e4\u00df eine aggressive Rhetorik\u00a0immer die Begleitmusik. Diese dient dazu, Widerstand\u00a0zu brechen, bestimmte Leute auszuschalten, Energie bei\u00a0kritischen Kunden, Gesch\u00e4ftspartnern oder Mitarbeitern zu\u00a0binden, die dann an anderer Stelle fehlt. Wenn also der\u00a0Grundton in einem Unternehmen dauerhaft im roten\u00a0Bereich ist, ist Vorsicht geboten. Es empfiehlt sich eine\u00a0erh\u00f6hte Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit die Rationalit\u00e4t im Unternehmen nicht verloren geht\u00a0und weder das Unternehmen noch Sie pers\u00f6nlich Schaden nehmen,\u00a0m\u00fcssen Sie einen k\u00fchlen Kopf bewahren und die Menschen identifizieren, von denen diese Gefahr ausgeht. Das muss nicht derjenige sein, der den Angriff im Meeting gegen Sie\u00a0f\u00fchrt. Sie m\u00fcssen lernen, Menschen, die sozialen Schaden anrichten,\u00a0schnell und pr\u00e4zise einzusch\u00e4tzen. Das gelingt, wenn\u00a0Sie deren K\u00f6rpersprache, Stimme, Kommunikationsstil und Verhalten analysieren Die Analyse hilft Ihnen zu erkennen, mit wem Sie es zu tun haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Folgenden werden psychopathische Menschen und Narzissten anhand von ausgesuchten Beispielen geschildert. Die Beispiele\u00a0dienen dazu, die Charaktereigenschaften dieser Menschen\u00a0zu verdeutlichen. Das hilft all denen, die in ihrem Umkreis\u00a0mit schwierigen Pers\u00f6nlichkeiten konfrontiert sind, aber\u00a0die Sachlage vielleicht noch nicht einordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-664197\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/11\/blogger-k\u00f6nige.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus &#8222;Tough Talk &#8211; Die rhetorischen Spielregeln zum \u00dcberleben im Haifischbecken\u201c von Marc-Stephan Daniel. 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