{"id":663753,"date":"2017-04-07T01:11:08","date_gmt":"2017-04-06T23:11:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=663753"},"modified":"2017-04-07T01:11:08","modified_gmt":"2017-04-06T23:11:08","slug":"buchauszug-martin-roos-machs-maul-auf-eine-kurzanleitung-zum-redenschreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/04\/07\/buchauszug-martin-roos-machs-maul-auf-eine-kurzanleitung-zum-redenschreiben\/","title":{"rendered":"Buchauszug Martin Roos: &#8222;Mach\u00b4s Maul auf &#8211; eine Kurzanleitung zum Redenschreiben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus <a href=\"http:\/\/www.martinroos-autor.de\/\">Martin Roos<\/a>\u00b4 &#8222;Mach\u00b4s Maul auf &#8211; Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben&#8220; f\u00fcr Menschen, die eine Rede halten sollen, die aber &#8222;eine Gehirnl\u00e4hmung \u00fcberkommt&#8220; und die sich qu\u00e4len. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Um es gleich zu sagen: Kaum etwas wird mehr \u00fcbersch\u00e4tzt als gute Redner. Zwar wirken sie auf das Publikum fabelhaft, aber oft k\u00f6nnen sie leider nichts anderes als gut reden. Gleichzeitig wird nichts so untersch\u00e4tzt wie die Kunst der Rede. Denn die Mehrheit aller Reden, die wir serviert bekommen, ist schrecklich langweilig.<br \/>\nEine gute Rede zu schreiben geht nicht, ohne die Erfahrung zu haben, wie man eine Rede h\u00e4lt. Insofern gilt: Redenschreiben ist Redenhalten. Und dann geschieht das Typische: Wenn wir die Rede schreiben, \u00fcberkommt uns eine Gehirnl\u00e4hmung. Wir qu\u00e4len uns. Verenden im keuschen Zustand der Ungeschriebenheit.<br \/>\nDieses Buch will Sie ermutigen und inspirieren. Wer jemals vor Ideenlosigkeit schwitzend vor seinem nackten Rede-Manuskript sa\u00df, soll dieses Buch zur Hand nehmen. Und wer sich einfach nur locker machen will, ebenfalls. Es wird dem Leser nicht die Arbeit des Redenschreibens abnehmen. Aber es soll ihm den Einstieg in die Gedankenwelt der Rede erleichtern, so da\u00df der Text wie von selbst aus seiner Hand flie\u00dft und das Martin Luther zugeschriebene Wort \u00bbTritt fest auf \u2013 mach\u2019s Maul auf \u2013 h\u00f6r bald auf\u00ab zu seinem Motto wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_663754\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-663754\" class=\"size-full wp-image-663754\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Roos.Martin-Roos-2.jpg\" alt=\"Martin Roos, Autor\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Roos.Martin-Roos-2.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Roos.Martin-Roos-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Roos.Martin-Roos-2-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-663754\" class=\"wp-caption-text\">Martin Roos, Autor und Journalist<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>MACH\u2019S MAUL AUF<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben\u00a0von Martin Roos<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer etwas sagen will, sollte sprechen. Wer et\u00adwas zu sagen hat, muss eine Rede halten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Redenschreiben ist Redenhalten<\/strong><\/p>\n<p>Um es gleich zu sagen: Kaum etwas wird mehr \u00fcber\u00adsch\u00e4tzt als gute Redner. Zwar wirken sie auf das Publi\u00adkum fabelhaft. Aber oft k\u00f6nnen sie leider nichts ande\u00adres als gut reden. Gleichzeitig wird nichts so unter\u00adsch\u00e4tzt wie die Kunst der Rede. Denn die Mehrheit aller Reden, die wir serviert bekommen, ist schrecklich langweilig. H\u00e4tte der Redner doch vorher blo\u00df ein biss\u00adchen ge\u00fcbt oder zumindest in ein Lehrbuch geschaut!<\/p>\n<p>Ratgeber \u00fcber Rhetorik gibt es nun so viele, dass ei\u00adnem schwindelig wird. Welche Experten soll man lesen? Die klassischen Autoren? Cicero, Demosthenes, Quinti\u00adlian? Das dauert Monate! Oder lieber doch die immer gut gelaunten Entertainer unserer Erfolgsgesellschaft? Schon deren Buchtitel enthalten gro\u00dfe Verspre\u00adchen: \u201eDie perfekte Rede \u2013 so \u00fcberzeugen Sie jedes Publikum.\u201c Oder: \u201eDer Weg zum Top-Redner\u201c. Oder: \u201eSouver\u00e4n Reden halten \u2013 der gro\u00dfe Redenberater\u201c. Oder: \u201eWer f\u00fcr seine Rede-Erfolge nicht selbst sorgt, hat sie nicht verdient.\u201c<\/p>\n<p>Bei Leuten mit ohnehin gro\u00dfem Ego mag Hau-Ruck-Rhetorik gut ankommen. Doch was ist mit den anderen, die etwas feingliedriger sind?<\/p>\n<p>Rhetorik als der Schl\u00fcssel zur Macht wird in vielen dieser B\u00fccher als das wichtigste Verkaufsinstrument gepriesen. Charisma, Schlauheit, \u00dcberzeugungskraft und sprachliche Brillanz gelten als die wahren Killerinstrumente. Das ist sicher alles wichtig und richtig und gleichzeitig auch nicht. Denn nicht \u00fcberall garan\u00adtiert die gute Rede Erfolg. Sie ist ebenso von ganz ande\u00adren Erfolgsfaktoren abh\u00e4ngig. Zum Beispiel in der Wirtschaft. So k\u00f6nnte es sich ein Vorstandsvorsitzender, der seinen Aktion\u00e4ren hervorragende Zahlen pr\u00e4sen\u00adtiert, erlauben, alles herunterzuleiern \u2013 Hauptsache die Rendite stimmt. Ein blendender Rhetoriker ohne Gesch\u00e4ftserfolg m\u00fcsste hingegen seinen Hut nehmen.<\/p>\n<p>Gerne wird die Kunst der Rede als eine Art Zauber\u00adkraft f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Erfolg verkauft, als ein Ge\u00adheimwissen, das jeder erlernen kann, wenn er brav dieses oder jenes Buch liest oder Seminar besucht. Fachb\u00fccher sind sicher hilfreich, um wenigstens ein paar Grundwerkzeuge der Rhetorik zu erlernen. Die B\u00fccher nehmen uns aber nicht die Arbeit des Reden\u00adschreibens und Pr\u00e4sentierens ab.<\/p>\n<p>Gut \u2013 wer einen Ghostwriter bezahlen will und kann, braucht nur noch die Rede zu halten. Wer das nicht kann und will, muss die Rede selbst schreiben. Und wer das schlie\u00dflich tut, wird feststellen: Eine gute Rede zu schreiben geht nicht, ohne die Erfahrung zu haben, wie man eine Rede h\u00e4lt. Insofern gilt: Redenschreiben ist Redenhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das gro\u00dfe Nichts g\u00e4hnt einen an<\/strong><\/p>\n<p>Und dann geschieht das Typische: Wenn wir die Rede schreiben, \u00fcberkommt uns in dem Moment, in dem wie loslegen, eine Gehirnl\u00e4hmung: Was soll ich sagen? Wie soll ich\u2019s sagen? Soll ich\u2019s \u00fcberhaupt sagen? Wir qu\u00e4len uns. Das gro\u00dfe Nichts g\u00e4hnt uns an. Wir schieben auf und schieben auf. Es fehlt die Idee f\u00fcr einen guten Aufbau. Es mangelt an Inspiration f\u00fcr den geistreichen Gedanken, an sprachlicher Virtuosit\u00e4t \u2013 und schlie\u00dflich verl\u00e4sst uns der Mut. Wir verenden im keuschen Zustand der Ungeschriebenheit. Das einzig Virtuose ist dann nur noch das Elend gro\u00dfe Ausma\u00df unserer Verhinderung.<\/p>\n<p>Dieses Buch ist kein klassisches Fachbuch. Es will Sie ermutigen und inspirieren. Wer jemals schwitzend vor Ideenlosigkeit vor seinem nackten Rede-Manuskript sa\u00df, soll dieses Buch zur Hand nehmen. Und wer sich einfach nur locker machen will, auch. Wie die anderen Rhetorik-Werke wird auch dieses Buch dem Leser nicht die Ar\u00adbeit des Redenschreibens abnehmen. Aber es soll ihm den Einstieg in die Gedankenwelt der Rede erleichtern, so dass der Text wie von selbst aus seiner Hand flie\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Reden der Anderen<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber 40 Prozent der Menschen haben Angst, wenn sie \u00f6ffentlich auftreten und reden sollen. Die Angst zu versagen, sich zu blamieren, zu stottern, einen Blackout zu haben oder gar ohnm\u00e4chtig zu werden \u2013 ja, das alles kommt vor. Und auch Sie hassen das? Sie k\u00f6nnen es nicht ertragen, was andere \u00fcber Sie reden, wenn Sie mal weniger gut sind? Und Sie ziehen es deswegen vor, nie (mehr) etwas zu sagen \u2013 und lie\u00adber in st\u00e4ndiger Angst vor der M\u00f6glichkeit, dass ir\u00adgendwann doch ein Redeauftritt auf Sie wartet, weiter\u00adzuleben? Na gut. Viel Erfolg damit.<\/p>\n<p>Wenn ich Ihnen nun sage, dass es kaum ein sch\u00f6ne\u00adres Publikumserlebnis gibt, als eine Rede zu schreiben, sie mit den ei\u00adgenen Gedanken und Emotionen zu f\u00fcllen und sie vor Menschen vorzutragen, die einem wirklich am Herzen liegen \u2013 dann stimmen Sie mir zu, nicht wahr? Nein? Sie lassen den Gedanken erst gar nicht an sich ran? Einverstanden. Sie haben lieber Angst.<\/p>\n<p>Sollten Sie aber doch interessiert sein, Sie aber im\u00admer noch zu der Gruppe mit der Angst geh\u00f6ren, wird Ihnen sicher auch der tausendfach erz\u00e4hlte Trick, sich Ihr Publikum nackt oder mit einem Schnuller im Mund vorzustellen, nicht viel bringen. Das irritiert Sie im Zweifel nur noch mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Im Publikum sitzen Wohlwollende<\/strong><\/p>\n<p>Ihnen sollte aber klar sein: Wenn so viele Men\u00adschen Angst vor dem Redenhalten haben, sitzen si\u00adcherlich auch viele in Ihrem Publikum. \u00a0Ein Gro\u00dfteil wird Sie also verstehen, in welcher Lage Sie sich gerade befinden \u2013 und sehr wohlwollend mit Ihnen umgehen. Oder Sie vielleicht schon bewundern, bevor Sie auch nur ein einziges Wort gesagt haben. Und wenn Sie sich gut vorbereiten, sich klarmachen, wo Ihre Schw\u00e4chen sind und an ihnen arbeiten, gibt es keinen Grund, sich einen Kopf zu machen \u2013 und dieses Vorbereiten f\u00e4ngt beim Redenschreiben an und h\u00f6rt beim richtigen At\u00admen und Sprechen auf.<\/p>\n<p>Freuen Sie sich auf Ihre Rede! Eine Rede zu halten, ist ein Privileg. Und wenn Sie sich nicht darauf freuen, \u00fcberarbeiten Sie Ihre Rede so lange, bis Sie sich darauf freuen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Scheitere, scheitere erneut, scheitere besser!<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es ein paar Menschen, die als Redner besonders begabt sind, dazu gebildet, charmant und auch noch gut aussehend. Wenn Sie das sind: Herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Wenn nicht, sollte das \u00fcberhaupt nicht Ihr Ma\u00dfstab. Der Ma\u00dfstab sind Sie! Sie sind es vor al\u00adlem dann, wenn Sie sich f\u00fcr Ihr Thema und Ihr Publi\u00adkum interessieren, an das glauben, was Sie sagen und mit guten Argumenten \u00fcberzeugen. Und wenn Sie glauben, Sie k\u00f6nnten nicht sofort die beste Rede Ihres Lebens schreiben und halten, dann ist das zwar gut m\u00f6glich. Aber es sollte immer genau Ihr Ziel sein. Und zwar aus zwei Gr\u00fcnden:<\/p>\n<p>Erstens gibt es einfach viel zu viele durchschnittliche und auch schlechte Re\u00adden. Wir haben alle solche schon geh\u00f6rt. Die Welt braucht endlich mehr gute Reden \u2013 auch von Ihnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlschl\u00e4ge geh\u00f6ren zum Erfolg wie Kalorien zu Schokolade<\/strong><\/p>\n<p>Zweitens: Sie haben das Zeug dazu, die beste Rede Ihres Lebens zu halten. Allerdings sollten Sie vorher auch schon mal ein paar geschrieben haben. Und auch mal gescheitert sein.<\/p>\n<p>Scheitern und Fehlschl\u00e4ge geh\u00f6\u00adren zum Erfolg wie Kalorien zur Schokolade. Wer sich nicht auch mal verl\u00e4uft, findet nie den richtigen Weg. Von jedem neuen Versuch k\u00f6nnen Sie etwas lernen. Oder wie Samuel Beckett radikal empfiehlt: \u201eScheitere, scheitere erneut, scheitere besser!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Herz beredt \u2013 der Geist voll Kraft<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIt is our choices that show what we truly are, far more than our abilities\u201d, sagt Professor Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore zu Harry Potter in \u201eDie Kammer des Schreckens\u201c. Auch f\u00fcr das Redenschreiben und Redenhalten ist es hilfreich, gewisse F\u00e4higkei\u00adten mitzubringen oder sie zu erlernen. Noch wichtiger ist es aber, \u00fcberhaupt die Entscheidung zu treffen, eine Rede zu halten. Denn Wille und Mut, die hinter solchen Entscheidungen stecken, zeigen erst, wer Sie wirklich sind!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Versuchen Sie nicht, zu gefallen, sondern das Herz der Zuh\u00f6rer zu ber\u00fchren\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sie entscheiden, dass Sie etwas zu sagen haben. Sie sind euphorisiert. Und deswegen wollen Sie eine Rede halten. In erster Linie geht es bei Ihrer Rede also nicht um Ihre Sprachvirtuosit\u00e4t oder den raffinierten Redenaufbau, sondern vielmehr um das Ber\u00fchren, um das Beteiligt-Sein. \u201eDas Herz ist es, was beredt macht und die Kraft des Geistes\u201c, gab schon der alte Quintilian seinen Sch\u00fclern mit \u2013 auf Latein: Pectus est, quod disertos facit, et vis mentis. Anders ausge\u00addr\u00fcckt: Versuchen Sie nicht, den Menschen zu gefallen. Versuchen Sie zu sagen, was Ihr Herz ber\u00fchrt \u2013 und Sie werden genug Leute treffen, denen das gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Das ist die hohe Kunst. Doch die Realit\u00e4t sieht oft an\u00adders aus. Wir alle erfreuen uns an wahren Emotion \u2013 oder an dem, was manche Wahrhaftigkeit nennen. Ja, ja, doch diese Wahrhaftigkeit gelingt bei ihren Auftritten nur ganz wenigen Menschen in nur ganz wenigen Momenten. Und weil das so ist, gibt es Technik, auf die man zur\u00fcckgreift, wenn das wahre Gef\u00fchl fehlt. Schauspieler kennen diese Tricks. Viele Politiker auch. Mit sehr guter Tech\u00adnik kann man den Eindruck eines echten Gef\u00fchls ver\u00admitteln. Oder besser gesagt vort\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Auch Sie k\u00f6nnen sich darin gerne in entsprechenden Rhetorik- oder Schauspielkursen weiterbilden. Nur freuen Sie sich nicht zu fr\u00fch: Das aufmerksame Publi\u00adkum wird immer sp\u00fcren, wenn Wahrhaftigkeit fehlt. Oder wie Barack Obama einmal sagte: \u201eMan kann einen Lippenstift auf ein Schwein malen, es ist immer noch ein Schwein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-663755\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Cover_Roos.Machs-Maul-auf.jpg\" alt=\"cover_roos-machs-maul-auf\" width=\"458\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Cover_Roos.Machs-Maul-auf.jpg 458w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/12\/Cover_Roos.Machs-Maul-auf-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><\/p>\n<p>Martin Roos: &#8222;Mach\u00b4s Maul auf &#8211; Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben&#8220;, Grupello Verlag, 64 Seiten, 5 Euro\u00a0\u00a0<u><a href=\"http:\/\/www.grupello.de\/verlag\/anzeigen\/isbn\/978-3-89978-266-0\/session\/ident\/\">http:\/\/www.grupello.de\/verlag\/anzeigen\/isbn\/978-3-89978-266-0\/session\/ident\/<\/a><\/u><a href=\"http:\/\/www.martinroos-autor.de\/\"><u>www.martinroos-autor.de<\/u><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Tritt fest auf, mach&#8217;s Maul auf, h\u00f6r bald auf!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ziel jeder Rede ist es, &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; klar und verst\u00e4ndlich zu sein.<\/p>\n<p>&#8230; kurz und pointiert zu formulieren.<\/p>\n<p>&#8230; durch Sprache, Argumente und Auftritt zu \u00fcber\u00adzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das gilt, seitdem Menschen sprechen und mit Spra\u00adche \u00fcberzeugen wollen. Die r\u00f6mischen Rhetoren \u00fcber\u00adtrugen diese Dreieinigkeit in die lateinischen Begriffe brevitas (K\u00fcrze), claritas (Klarheit) und persuasio <em>(<\/em>\u00dcberzeugungskraft). Aristoteles, der alte Grieche, un\u00adterschied drei Arten der \u00dcberzeugung: <em>ethos<\/em> (Glaub\u00adw\u00fcrdigkeit des Redners), <em>pathos<\/em>(emotionaler Zu\u00adstand), und <em>logos <\/em>(Argumente). Das m\u00fcssen Sie sich nicht merken. Es macht sich gelegentlich aber ganz gut, wenn man mit ein wenig rhetorischer Teilbildung herumf\u00e4chern kann.<\/p>\n<p>Klarheit, Deutlichkeit, Offenheit \u2013 das galt auch f\u00fcr Martin Luther ein paar Jahrhunderte sp\u00e4ter. Da es der Reformator gerne deftig liebte, formulierte er sein Redenrezept so:<\/p>\n<p><em>\u201eTritt fest auf, mach&#8217;s Maul auf, h\u00f6r bald auf.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Quelle f\u00fcr das Zitat ist bis heute nicht belegt. Zumindest habe ich keine gefunden. Ist auch nicht schlimm. Im Gegenteil. Der fehlende Beweis lehrt uns: Wenn Sie mal kein griffiges Zitat finden sollten, aber eins brauchen, dann dichten Sie selbst eins und legen es einem ber\u00fchmten Toten in den Mund. Jeder wird es dann f\u00fcr ein beachtli\u00adches Zitat halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tritt fest auf!<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufforderung appelliert nat\u00fcrlich nicht nur an Ihr Selbstwertgef\u00fchl und will Ihnen Mut machen, m\u00f6g\u00adlichst selbstbewusst aufzutreten, sondern sie bedeutet auch: Wer geh\u00f6rt werden will, muss auch etwas zu sa\u00adgen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mach\u2018s Maul auf!<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Sie etwas sagen, muss es f\u00fcr alle h\u00f6rbar, klar im Ausdruck und verst\u00e4ndlich in der Ge\u00addankenfolge sein. Wer in dieser Weise spricht, ist eindeutig im Vorteil. Und wer dar\u00fcber hinaus auch noch unterhaltsam ist, erst recht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H\u00f6r bald auf!<\/strong><\/p>\n<p>Nicht alles, was Sie zu sagen haben, ist auch interes\u00adsant f\u00fcr Ihre Zuh\u00f6rer. Diese Nuance ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Fassen Sie sich also kurz! Eine Rede sollte sieben Minuten lang sein. Zumindest ist das eine goldene Regel in den USA \u2013 aber auch nur dann, wenn sie mit einem Witz beginnt und einem Scherz en\u00addet. Grunds\u00e4tzlich gilt: Das Publikum sollte wenigstens einmal geschmunzelt haben. Und die Zuh\u00f6rer sollten einen Gedanken h\u00f6ren, der so gut ist, dass sie ihn wei\u00adtererz\u00e4hlen. F\u00fcnf Redeminuten sind kurz, zehn Minu\u00adten eine gute Zeit und ab 20 Minuten wird es anstren\u00adgend f\u00fcr alle Beteiligten. Eine Dreiviertelstunde ist wirklich die Obergrenze \u2013 selbst f\u00fcr ein wohlwollendes Publikum.<\/p>\n<p>Also, lieber die Rede straffen als die Zuh\u00f6rer bestra\u00adfen. Das Publikum ist dankbar f\u00fcr alles, was es nicht h\u00f6\u00adren muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einfache Worte und man wird Sie bewundern<\/strong><\/p>\n<p>Und: Sprechen Sie nicht so kompliziert! Nur weil Sie sich ein sehr komplexes Thema ausgesucht haben, muss es noch lange nicht kompliziert ausgedr\u00fcckt werden. Im Gegenteil: Gelingt es Ihnen, das Thema in wenigen und vielleicht sogar einfachen Worten darzustellen \u2013 was viel schwieriger ist \u2013, wird man Sie bewundern, wie Sie das Thema auf den Punkt gebracht haben.<\/p>\n<p>Kurzum: Je k\u00fcrzer Sie sich fassen, desto schwieriger wird es zwar f\u00fcr Sie. Aber desto leichter f\u00fcr den Zuh\u00f6\u00adrer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Warten auf Frau Muse \u2013 oder klau\u2018 so viel du kannst!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein afrikanisches Sprichwort lautet: \u201eDas Gras w\u00e4chst nicht schneller, wenn man dran zieht.\u201c \u00c4hnlich geht es mit der Rede. Sie gedeiht zwar in den meisten F\u00e4llen schneller als Gras, aber auf Knopfdruck w\u00e4chst sie auch nicht. Sie entsteht in einem Prozess \u2013 aus Ideensuche, Gedankengliederung, Formulierung und Pr\u00e4sentation. Die Ideen kommen selten von allein. Die Geschichte von der Muse und ihren K\u00fcssen ist nicht wahr. Man muss die Ideen finden. Das kann Stunden dauern, auch Tage.<\/p>\n<p>Sie werden aber die passenden Ideen finden, indem Sie sich mit dem Thema der Rede immer wieder be\u00adsch\u00e4ftigen und Fragen stellen wie: \u201eWas ist das Ziel der Rede?\u201c oder \u201eWas sind die Argumente f\u00fcr oder gegen das Thema?\u201c oder \u201eWas will ich eigentlich sagen?\u201c Wenn Sie sich auf diesen Prozess einlassen, wird Ihr Gehirn alle Informationen und Erlebnisse, die Ihnen in dieser Zeit begegnen, auf Verwertbarkeit f\u00fcr die Rede pr\u00fcfen. Das kann richtig Spa\u00df machen!<\/p>\n<p>Sich hingegen erst kurz vor knapp mit den Inhalten der Rede zu besch\u00e4ftigen, ist sehr riskant. Oft kommt dann nichts. Der beste Zeitpunkt, gute Ideen und Gedanken zu finden, ist immer der, den Sie augenblicklich erleben. Also genau jetzt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Baast\u00f6lpel, Trottellumme und Schwarzwurzeln<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch einige handfeste Tipps, um auf neue Gedanken zu kommen. Zum Beispiel: Lassen Sie Ihren Blick \u00fcber das B\u00fccherregal schweifen \u2013 falls Sie (noch) eins haben. \u00dcberlegen Sie, wie Ihr Leben als Basst\u00f6lpel oder Trottellumme ausgesehen h\u00e4tte. Gehen Sie auf den Markt und lassen Sie sich er\u00adkl\u00e4ren, warum die Schwarzwurzel ein besonders gutes Beispiel f\u00fcr den alten Grundsatz ist, dass der erste An\u00adschein tr\u00fcgt.<\/p>\n<p>Sie werden sicherlich noch andere Ablenkungen finden. In jedem Fall gilt: Kreativ sein kann jeder.\u00a0 Wenn Sie kreativ sein wollen \u2013 tun Sie kreative Dinge. Kreativit\u00e4t hat nichts mit Kunst oder Intellekt zu tun. Sondern mit Ihrer Fan\u00adtasie und Ihrem Interesse an den Dingen. Seien Sie interes\u00adsiert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stehlen Sie!<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn gar nichts geht: Stehlen Sie! (Diese Empfehlung habe ich von John Cleese gestohlen.) Be\u00addienen Sie sich \u00fcberall. Bem\u00fchen Sie sich nicht, Ihren Diebstahl zu vertuschen (auch eine Idee von Cleese). Ein guter Gedanke bleibt ein guter Gedanke, auch wenn es ihn schon gab. Es wird n\u00e4mlich immer Leute geben, die ihn noch nicht geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Falls Sie mir nicht glauben, sondern eher f\u00fcrchten, dann in den Verdacht des Plagiats zu geraten \u2013 denken Sie an die Worte von Jean-Luc Go\u00addard: \u201eEs ist egal, woher Sie die Dinge nehmen, wichtig ist, wohin Sie sie tragen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcberraschen Sie!<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn Sie das alles nicht \u00fcberzeugt, dann hat Monsieur Ego, der gef\u00fcrchtetste Restaurantkritiker von Paris, den besten Rat f\u00fcr Sie. In der Schlussszene des Anima\u00adtionsfilms \u201eRatatouille\u201c ist der anfangs verbitterte Ego Teilhaber des Feinschmeckerrestaurants geworden, in dem R\u00e9my, die sprechende Wanderratte vom Land, als Superkoch die G\u00e4ste erfreut. Als R\u00e9my den inzwischen gel\u00e4uterten Monsieur Ego fragt, was er denn heute Abend essen wolle, breitet Ego die Arme aus, strahlt und ruft begeistert: \u201eEgal was Du machst \u2013 \u00fcberrasche mich.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcberraschen Sie Ihre Zuh\u00f6rer!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Wer nicht fragt, bleibt stumm<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Niemand geht in eine Parf\u00fcmerie und fragt nach fri\u00adschem Dill. Wer etwas will, muss wissen, was ihn er\u00adwartet. Bevor Sie also loslegen, Ihre Rede zu schreiben, sollten Sie wissen:<\/p>\n<p>Wer ist das Publikum \u2013 wer ist die Zielgruppe?<\/p>\n<p>Wer ist der Veranstalter?<\/p>\n<p>Wann und wo findet die Rede statt? Wie sieht der Ort aus?<\/p>\n<p>Welche Erwartungen des Publikums muss ich erf\u00fcl\u00adlen?<\/p>\n<p>Welche Erwartungen hat der Veranstalter?<\/p>\n<p>Welchen Ton soll ich also anschlagen?<\/p>\n<p>Wie lange soll ich reden?<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger Ihre Rede ist, desto mehr brauchen Sie eine sinnvolle und spannungsreiche Textstruktur mit Einlei\u00adtung, Hauptteil und Schluss \u2013 einen roten Faden, der Ihnen hilft, nicht beliebig viel und lang daher zu schw\u00e4tzen. Und der die Zuh\u00f6rer daran hindert, einzu\u00adschlafen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>http:\/\/www.martinroos-autor.de\/<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus Martin Roos\u00b4 &#8222;Mach\u00b4s Maul auf &#8211; Eine Kurzanleitung zum Redenschreiben&#8220; f\u00fcr Menschen, die eine Rede halten sollen, die aber &#8222;eine Gehirnl\u00e4hmung \u00fcberkommt&#8220; und die sich qu\u00e4len. \u00a0 Um es gleich zu sagen: Kaum etwas wird mehr \u00fcbersch\u00e4tzt als &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/04\/07\/buchauszug-martin-roos-machs-maul-auf-eine-kurzanleitung-zum-redenschreiben\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6521,1890,6522,6520,5532,6523,6524],"class_list":["post-663753","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-machs-maul-auf-eine-kurzanleitung-zum-redenschreiben","tag-buchauszug","tag-grupello","tag-martin-roos","tag-rede","tag-redenhalten","tag-redenschreiben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=663753"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663753\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=663753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=663753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=663753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}