{"id":663749,"date":"2017-04-13T13:14:14","date_gmt":"2017-04-13T11:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=663749"},"modified":"2017-04-13T13:14:14","modified_gmt":"2017-04-13T11:14:14","slug":"wenn-der-personalchef-als-anwalt-mitarbeitern-gleich-selbst-mit-mobbing-droht-gastbeitrag-alexander-haasler-von-abeln-rechtsanwaelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/04\/13\/wenn-der-personalchef-als-anwalt-mitarbeitern-gleich-selbst-mit-mobbing-droht-gastbeitrag-alexander-haasler-von-abeln-rechtsanwaelte\/","title":{"rendered":"Wenn der Personalchef als Anwalt Mitarbeitern gleich selbst mit Mobbing droht &#8211; Gastbeitrag Alexander Haasler von Abeln Rechtsanw\u00e4lte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gastbeitrag von Arbeitsrechtler Alexander Haasler aus der Kanzlei Abeln Rechtsanw\u00e4lte \u00fcber untrainierte F\u00fchrungskr\u00e4fte, die Taktik der Unternehmen beim Herausdr\u00e4ngen von Mitarbeitern und Unternehmensjuristen, die sich aufs Glatteis begeben: Die als zugelassene Anw\u00e4lte gegen F\u00fcrsorgepflichten versto\u00dfen und durchs Androhen von Mobbing riskieren, vors Ehrengericht der Anwaltskammern zu kommen. Was Mitarbeiter tun k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_664647\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-664647\" class=\"size-full wp-image-664647\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/haasler.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/haasler.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/04\/haasler-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-664647\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitsrechtler Alexander Haasler von Abeln Rechtsanw\u00e4lte<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kein F\u00fchrungstraining, aber daf\u00fcr Seminare zum Loswerden von Mitarbeitern<\/strong><\/p>\n<p>Die allermeisten F\u00fchrungskr\u00e4fte haben nie eine Schulung oder ein Training bekommen, wie man f\u00fchrt. 75 Prozent sind das laut dem Verband Die F\u00fchrungskr\u00e4fte. Was aber gut besucht ist: Seminare von Anw\u00e4lten, die beibringen, wie man am besten mit Schlecht- oder Minderleistern umgeht. Genauer gesagt: Wie man Mitarbeiter zu Minderleistern erkl\u00e4rt &#8211; um sie z\u00fcgig loszuwerden, am besten ohne Abfindung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Attacken aus dem Nichts<\/strong><\/p>\n<p>Wer davon \u00fcberrascht wird, dass ihm Vorgesetzte quasi aus dem Nichts solche Vorw\u00fcrfe machen &#8211; nach jahrelanger unbeanstandeter Arbeit wom\u00f6glich &#8211; sollte nur unbedingt eins tun: Es nicht pers\u00f6nlich nehmen, sich gar nicht erst in die Defensive bringen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitarbeiter auf der Abschussliste: Nur eine Nummer &#8211; Nichts pers\u00f6nlich nehmen<\/strong><\/p>\n<p>Wesentlicher Fakt ist, dass der Einzelne gerade bei einer gr\u00f6\u00dferen Umstrukturierung mit einer K\u00fcndigungswelle nur noch eine Nummer ist. Was er in den Jahren zuvor geleistet hat, darauf kommt es oft nicht mehr an. Deshalb sollte man seinen Rauswurf dann auf gar keinen Fall pers\u00f6nlich nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Strategie: Streng sachlich vorgehen &#8211; Mitschreiben und Sammeln<\/strong><\/p>\n<p>Die Devise ist: Immer mitschreiben, streng sachlich und formell bleiben, Informationen sammeln und sich m\u00f6glichst fr\u00fch arbeitsrechtlich, strategisch beraten lassen.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise l\u00e4uft es im Firmenalltag so ab: Mitarbeiter werden &#8211; ohne dazu zu sagen, weshalb &#8211; in die Personalabteilung einbestellt und \u00fcberrumpelt. Ihnen wird vor dem Termin tunlichst nicht verraten, worum es gehen wird. Dann er\u00f6ffnet man ihnen zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Firma geht es so schlecht, sie \u00a0m\u00fcsse Personal abbauen. Nehmen sie besser jetzt die Abfindung und gehen fr\u00fchzeitig, ansonsten ist sp\u00e4ter wom\u00f6glich nicht mal mehr Geld mehr f\u00fcr Abfindungen da &#8211; und Sie gehen dann ganz leer aus.<\/li>\n<li>Es werde restrukturiert, diese und jene Abteilung werde geschlossen und leiderleider geh\u00f6ren Sie eben zu dem Team. Keine Rede von j\u00fcngeren Mitarbeitern, anderen ohne Kinder oder die erst k\u00fcrzer dabei sind, die man zuerst k\u00fcndigen m\u00fcsste. Oder von einem freien Job in einer anderen Abteilung.<\/li>\n<li>Wenn Sie klagen, erhalten Sie nicht einmal die Sozialplanabfindung &#8211; was rechtlich nat\u00fcrlich nicht zutrifft.<\/li>\n<li>Wer sich stur zeigt, dem reden Personaler gerne so zu: Schauen Sie mal, wenn Sie nicht einsichtig sind und &#8222;freiwillig&#8220; den Aufhebungsvertrag unterschreiben, dann wissen Sie doch, was mit Ihnen passiert: Sie werden versetzt und Ihre Karriere ist dann hin. Oder gleich in eine andere Stadt. Sie bekommen ein Zimmer weitab von Ihrer Abteilung zugewiesen undsoweiter.<\/li>\n<li>Damit Sie &#8222;Zeit zum Nachdenken&#8220; haben, werden Sie jetzt erst mal freigestellt. Skrupellose Unternehmen schicken dem Betroffenen dann im Drei-Wochen-Takt regelm\u00e4\u00dfig eine neue Freistellung, bis er weichgekocht ist. Wenn er sich erst einmal innerlich entfernt hat von den Kollegen und seiner Arbeit.<\/li>\n<li>Jedoch: Diese Taktik ist laut Rechtsprechung unzul\u00e4ssig (Arbeitsgericht K\u00f6ln, Aktenzeichen 20 Ca 9245\/12).<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies alles ist wie ein Fahrplan, den Personalabteilungen aus dem Effeff kennen und einfach routiniert abarbeiten &#8211; f\u00fcr den Mitarbeiter dagegen ist es jeweils qualvolles Neuland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Taktik: Mitschreiben, wortkarg bleiben<\/strong><\/p>\n<p>Wer um seinen Job k\u00e4mpfen will, wenn er zum Personalchef zitiert wird, kann erst mal so vorgehen:<\/p>\n<p>Sich bewaffnen mit einem Schreibblock und einem Stift und die ganze Zeit \u00fcber alles mitschreiben, was \u00a0der Personaler sagt. Am besten, ohne selbst auf irgendetwas einzugehen. Die Devise: Nicht reagieren, sich zur Ruhe zwingen, nur mitschreiben und dem Personaler sagen: &#8222;Ich denke \u00fcber alles nach&#8220; &#8211; und rausgehen.<\/p>\n<p>Wer genug Mut hat, kann diese Punkte zusammenfassen und danach &#8211; als Gespr\u00e4chsprotokoll bezeichnet &#8211; dem Personalchef mailen. Inklusive seiner ausgesprochenen Drohungen.\u00a0Dann hat der den Ball erst mal in seinem Tor.<\/p>\n<p>Und das signalisiert erst einmal direkt: Suchen Sie, lieber Arbeitgeber, sich lieber gleich ein leichteres Opfer. Mit mir haben Sie kein leichtes Spiel. Das erh\u00f6ht zumindest die Abfindung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verletzte F\u00fcrsorgepflicht &#8211; und ein Fall f\u00fcrs Ehrengericht der Anwaltskammer<\/strong><\/p>\n<p>Zumal, widerspricht er dem Protokoll nicht, haben Sie ein Indiz f\u00fcr eine versuchte N\u00f6tigung. Das wiegt umso schlimmer, wenn der Personalchef &#8211; wie h\u00e4ufig &#8211; gleichzeitig ein Syndikusanwalt ist. Dann w\u00e4re solch eine Drohung mit Mobbing-Ma\u00dfnahmen nicht nur eine Verletzung seiner F\u00fcrsorgepflicht als Arbeitgeber, sondern m\u00f6glicherweise ein Fall f\u00fcrs Ehrengericht der Anwaltskammer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine N\u00f6tigung oder Erpressung als Anwalt<\/strong><\/p>\n<p>Denn immerhin sind auch Unternehmens-Anw\u00e4lte sogenannte &#8222;unabh\u00e4ngige Organe der Rechtspflege&#8220;, die sich rechtlich einwandfrei verhalten m\u00fcssen und die in dieser Funktion erst recht keine N\u00f6tigung oder Erpressung ver\u00fcben sollten. Bei solchen Verst\u00f6ssen gegen das\u00a0anwaltliche Berufsrecht ermittelt dann die Rechtsanwaltskammer, das Anwaltsgericht und schlimmstenfalls die Generalstaatsanwaltschaft. Siehe auch:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.rechtsanwaltskammer-duesseldorf.de\/berufsrecht\/grundsatzfragen\/\">http:\/\/www.rechtsanwaltskammer-duesseldorf.de\/berufsrecht\/grundsatzfragen\/<\/a>\u00a0(viel zu lesen). Aber: Vor jeder Beschuldigung oder einer Anzeige wegen N\u00f6tigung immer einen Anwalt fragen, damit man nicht deshalb eine K\u00fcndigung erh\u00e4lt, weil man den Vorwurf selbst nicht nachweisen kann. Das w\u00e4re ein fataler Bumerang-Effekt.<\/p>\n<p>Das ist nicht leicht zu beweisen, aber eine Mitschrift hilft &#8211; und erst recht, wenn man auf entsprechende Mobbing-Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber anderen Kollegen zuvor verweisen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Arbeitsrechtler Alexander Haasler aus der Kanzlei Abeln Rechtsanw\u00e4lte \u00fcber untrainierte F\u00fchrungskr\u00e4fte, die Taktik der Unternehmen beim Herausdr\u00e4ngen von Mitarbeitern und Unternehmensjuristen, die sich aufs Glatteis begeben: Die als zugelassene Anw\u00e4lte gegen F\u00fcrsorgepflichten versto\u00dfen und durchs Androhen von Mobbing &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/04\/13\/wenn-der-personalchef-als-anwalt-mitarbeitern-gleich-selbst-mit-mobbing-droht-gastbeitrag-alexander-haasler-von-abeln-rechtsanwaelte\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5852,87,6544,424,6543,669,5873,785,5574],"class_list":["post-663749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-alexander-haasler","tag-arbeitsrecht","tag-ehrengericht-der-anwaltskammer","tag-fursorgepflicht","tag-gastbeitrag-abeln-rechtsanwaelte","tag-kundigung","tag-minderleister","tag-mobbing","tag-personalchef"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=663749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663749\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=663749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=663749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=663749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}