{"id":663367,"date":"2016-11-23T16:48:43","date_gmt":"2016-11-23T15:48:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=663367"},"modified":"2016-11-23T16:48:43","modified_gmt":"2016-11-23T15:48:43","slug":"kommentar-von-compliance-experte-fissenewert-uli-hoeness-die-rueckkehr-eines-gestrauchelten-koenigs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/11\/23\/kommentar-von-compliance-experte-fissenewert-uli-hoeness-die-rueckkehr-eines-gestrauchelten-koenigs\/","title":{"rendered":"Kommentar von Compliance-Experte Fissenewert: Uli Hoene\u00df &#8211; Die R\u00fcckkehr eines gestrauchelten K\u00f6nigs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Moderne Manager: Scheitern ist keine Option, &#8211; oder etwa doch?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Konkret: Kann <a href=\"http:\/\/hd.welt.de\/Sport-edition\/article159610384\/Die-Rueckkehr-des-Koenigs.html\">Uli Hoene\u00df aus Compliance-Sicht Pr\u00e4sident des FC Bayern M\u00fcnchen<\/a> werden? Diesen Freitag wird er gew\u00e4hlt werden. Gast-Kommentar von Peter Fissenewert, Compliance-Anwalt bei Buse Heberer Fromm in Berlin. <\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/hd.welt.de\/Sport-edition\/article159610384\/Die-Rueckkehr-des-Koenigs.html\">http:\/\/hd.welt.de\/Sport-edition\/article159610384\/Die-Rueckkehr-des-Koenigs.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_663387\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-663387\" class=\"size-full wp-image-663387\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/11\/Fissenewert.11.2016.jpg\" alt=\"Peter Fissenewert von Buse Heberer Fromm\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/11\/Fissenewert.11.2016.jpg 640w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/11\/Fissenewert.11.2016-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/11\/Fissenewert.11.2016-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-663387\" class=\"wp-caption-text\">Peter Fissenewert von Buse Heberer Fromm<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Allzu harte Strafen der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Ist das nun die typische bayerische Wurschtigkeit oder steckt dahinter vielleicht so etwas wie ein modernes Compliance-Verst\u00e4ndnis? Der Wunsch von Uli Hoene\u00df wirkt angesichts seines Steuerhinterziehungs-Skandals zun\u00e4chst skurril. Aber hindert ihn die Verurteilung daran, aus Compliance-Gr\u00fcnden tats\u00e4chlich wieder Pr\u00e4sident zu werden?<\/p>\n<p>Viele meiner Compliance-Kollegen sch\u00fctteln den Kopf und sagen \u201edas geht gar nicht. In der freien Wirtschaft w\u00e4re so etwas nicht m\u00f6glich\u201c. Aber stimmt das wirklich? Ist es richtig, dass gescheiterte Manager auf Dauer, also quasi lebenslang, nicht mehr auf vergleichbare Managerposten zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen? Muss das so sein?<\/p>\n<p>Das Scheitern und der Fehltritt werden in Deutschland vom Gesetzgeber wie von der Gesellschaft hart bestraft. Das Scheitern f\u00fchrt zu ihrer Stigmatisierung. Der Fall Hoene\u00df zeigt deshalb auch, dass und wie es einen Kulturwandel geben k\u00f6nnte. Wenn sich n\u00e4mlich Reue, Strafverb\u00fc\u00dfung und starke Sachkenntnis vereinen und Sympathie hinzukommt, kann dies zu einer Loyalit\u00e4t der \u00d6ffentlichkeit f\u00fchren, die nach einer Krise sogar st\u00e4rkend wirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Typisch deutsch: alles auf die Spitze treiben &#8211; auch Compliance<\/strong><\/p>\n<p>Hier ist also etwas mehr Gelassenheit im Umgang und Diskussion mit Compliance gefragt. Wir Deutschen neigen mittlerweile dazu, alles erdenklich M\u00f6gliche unter Compliance-Gesichtspunkten zu sehen. Das ist im Grundsatz zu begr\u00fc\u00dfen. Allerdings: Es ist es auch typisch deutsch, alles auf die Spitze zu treiben. Auch das Thema Compliance.<\/p>\n<p>Sieht man sich die Compliance-Programme vieler Unternehmen an, wird klar, dass Compliance um der Compliance willen geschaffen wurde. Ohne dass man sich dar\u00fcber Gedanken gemacht hat, was Compliance eigentlich wirklich bezwecken soll.<\/p>\n<p>Compliance bedeutet &#8211; kurz gesagt -nichts anderes als das Beachten von Gesetzen und Richtlinien. Jedoch: Verst\u00f6\u00dft die Kandidatur von Uli Hoene\u00df gegen ein Gesetz? Manager d\u00fcrfen keine Unternehmen f\u00fcr eine Dauer von f\u00fcnf Jahren leiten, wenn sie wegen einer Straftat verurteilt wurden. Bei dem Katalog der Straftaten sind einige gellistet, allerdings nicht die Steuerhinterziehung.<\/p>\n<p>So gesehen st\u00fcnde einer Kandidatur von Uli Hoene\u00df nichts im Wege. Und nat\u00fcrlich kann man den FC Bayern mit einem Unternehmen vergleichen, sogar mit einem Konzern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweierlei Ma\u00df und Neidkultur<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Vorfeld der Verurteilung von Uli Hoene\u00df gab es ja ein sogenanntes Compliance-Geschm\u00e4ckle, weil die meisten im Aufsichtsrat an Uli Hoene\u00df festgehalten haben &#8211; obwohl schon gegen ihn ermittelt wurde und Bestrafung drohte. Die meisten im Aufsichtsrat von FC Bayern sind Spitzenmanager von Gro\u00dfkonzernen, die ihrerseits ja erheblichen Wert auf Compliance legen. Martin Winterkorn als noch amtierendes Aufsichtsratsmitglied kann davon ein besonderes Lied singen. Er musste als VW-Vorstand wegen der Compliance-Verst\u00f6\u00dfe seinen Hut nehmen. Und viele Mitarbeiter der im Aufsichtsrat des FC Bayern vertretenen Konzerne m\u00fcssen eben auch gehen, wenn sie sich Compliance-Vergehen vorhalten lassen m\u00fcssen, die erheblich geringer sind als eine Steuerhinterziehung. Sie werden ihren Job verlieren und im \u00dcbrigen bei keinem anderen Unternehmen einen vergleichbaren Job bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einmal scheitern, tief fallen<\/strong><\/p>\n<p>Denn Scheitern ist in Deutschland keine Option. Wer scheitert, f\u00e4llt tief. Einmal gescheitert, immer gescheitert. Hinzu kommt eine Neidkultur, die uns leider auch den Blick auf die rechtlichen, psychologischen, \u00f6konomischen und verfassungsrechtlichen Begleitumst\u00e4nde und Hintergr\u00fcnde vernebelt.<\/p>\n<p>Muss man nicht genauer hinsehen? Was will Compliance, was will Compliance erreichen, was will Compliance verhindern? Was sie keinesfalls will ist: Gescheiterten Managern auf Dauer ein Berufsverbot auferlegen. Das ist nicht Sinn und Zweck von Gesetzen und Richtlinien.<\/p>\n<p>Im Idealfall f\u00fchrt eine gute Compliance zu einer guten Unternehmenskultur. Und zu solch einer guten Unternehmenskultur geh\u00f6rt auch, dass man Verst\u00f6\u00dfe gegen Gesetze und Richtlinien sanktioniert. Genauso geh\u00f6rt aber dazu, dass man nach der Sanktionierung und dem Gelernten aus dem Fehler dem Gescheiterten eine neue Chance gibt. Die Unternehmenskultur reicht aber allein nicht aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fehlende Scheiterkultur:\u00a0Fehler machen und trotzdem weiterleben d\u00fcrfen<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen auch ein Scheiterkultur, was hierzulande etwas Neues w\u00e4re. Es muss m\u00f6glich sein, Risiken einzugehen und Fehler zu machen und im schlimmsten Fall trotzdem weiterleben zu k\u00f6nnen und nicht in Schimpf und Schande unterzugehen. Und scheitern darf nicht lebensl\u00e4nglich\u201c oder Berufsverbot bedeuten. Stattdessen m\u00fcssen wir Gescheiterten helfen und k\u00f6nnen aus Fehlern lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die R\u00fcckkehr eines gestrauchelten K\u00f6nigs<\/strong><\/p>\n<p>Weder Gesch\u00e4ft, noch das Normale, das Menschliche darf auf der Strecke bleiben. Und dabei darf auch der neidische Blick auf die Tabelle oder ein Gehalt nicht das transparente Denken vernebeln. Stehen wir uns nicht allzu oft mit unseren Regeln im Weg und verhindern M\u00f6glichkeiten oder Geschehnisse, ohne genau zu wissen, was hier eigentlich gemacht wurde? Fehler d\u00fcrfen gemacht werden und aus Fehlern kann man lernen. Wir sollten Managern, Pr\u00e4sidenten, Ministern nach ihrem Scheitern, nach dem Verb\u00fc\u00dfen ihrer Strafe, eine neue Chance geben. Die Wiederwahl von Uli Hoene\u00df ist die R\u00fcckkehr eines gestrauchelten K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moderne Manager: Scheitern ist keine Option, &#8211; oder etwa doch?\u00a0 Konkret: Kann Uli Hoene\u00df aus Compliance-Sicht Pr\u00e4sident des FC Bayern M\u00fcnchen werden? Diesen Freitag wird er gew\u00e4hlt werden. 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