{"id":663018,"date":"2016-11-07T23:48:43","date_gmt":"2016-11-07T22:48:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=663018"},"modified":"2016-11-07T23:48:43","modified_gmt":"2016-11-07T22:48:43","slug":"buchauszug-anja-foersterpeter-kreuz-nein-was-vier-mutige-buchstaben-im-leben-bewirken-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/11\/07\/buchauszug-anja-foersterpeter-kreuz-nein-was-vier-mutige-buchstaben-im-leben-bewirken-koennen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Anja F\u00f6rster\/Peter Kreuz:  &#8222;Nein &#8211; was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken k\u00f6nnen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug: \u00a0Anja F\u00f6rster \/ Peter Kreuz &#8222;Nein &#8211; was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken k\u00f6nnen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_663019\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-663019\" class=\"size-full wp-image-663019\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/neinsagenautorenfoersterkreuz1.jpg\" alt=\"F\u00f6rster Kreuz (Bild: xy)\" width=\"650\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/neinsagenautorenfoersterkreuz1.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/neinsagenautorenfoersterkreuz1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/neinsagenautorenfoersterkreuz1-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-663019\" class=\"wp-caption-text\">Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz (Bild: Pantheon)<\/p><\/div>\n<p><strong>Ein gro\u00dfes Ja, viele Neins<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9 T. arbeitet als Logistikexperte in einem deutschen Unternehmen, das Niederlassungen in \u00fcber 20 L\u00e4ndern hat. Er ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Region Nordamerika und telefoniert deshalb regelm\u00e4\u00dfig mit Kollegen in den USA und Kanada. Wegen der Zeitverschiebung erledigt er das oft abends, meist von zuhause aus. Seine Familie findet das nicht immer toll, er findet es auch manchmal nervig. Aber eigentlich keine gro\u00dfe Sache, geh\u00f6rt eben zum Job dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings: Sein Arbeitgeber hat damit ein gro\u00dfes Problem! Denn auch, wenn der Arbeitnehmer mitspielt, der Arbeitgeber bewegt sich au\u00dferhalb der gesetzlichen Vorschriften. Strenggenommen darf Ren\u00e9 T. am n\u00e4chsten Tag nicht vor zehn Uhr drei\u00dfig im B\u00fcro erscheinen, wenn er tags zuvor noch um zweiundzwanzig Uhr drei\u00dfig ein Telefonat gef\u00fchrt hat. Das deutsche Arbeitszeitgesetz schreibt vor, dass Arbeitnehmer nach Beendigung der t\u00e4glichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden bis zur Wiederaufnahme der Arbeit haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beides passt so gut zusammen\u00a0wie Abendkleid und Gummistiefel<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferdem arbeitet Ren\u00e9 T. oft achteinhalb Stunden am Tag, manchmal sogar ein klein wenig l\u00e4nger. Laut Gesetz darf die werkt\u00e4gliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer acht Stunden nicht \u00fcberschreiten. Hier die Normalit\u00e4t in zig Jobs \u2013 da das Gesetz. Beides passt so gut zusammen wie Abendkleid und Gummistiefel. Woran liegt das?<\/p>\n<p>Es liegt daran, dass das Gesetz von 1994 stammt, also aus einer Zeit, als Helmut Kohl noch Kanzler war, Robbie Williams bei Take That tr\u00e4llerte und Madonnas Hintern noch faltenfrei war. Die Jugend kann sich das heute kaum vorstellen, aber das Internet und mobiles Telefonieren waren in der Breite der Bev\u00f6lkerung \u00fcberhaupt noch nicht angekommen und \u2013 kein Witz \u2013 man fuhr ohne Navi Auto; der Shell-Atlas war das TomTom unserer Generation. Arbeiten bedeutete, an einem bestimmten Ort anwesend zu sein, weil es die Flexibilit\u00e4t, wie sie die neuen Kommunikationsmedien erm\u00f6glichen, noch nicht gab. Erst gut 20 Jahre ist das her. Aber die Zeiten haben sich in diesen zwei Jahrzehnten so gr\u00fcndlich ge\u00e4ndert, dass das deutsche Arbeitszeitgesetz heute klinisch tot ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, das Paragraphenwerk ist noch in Kraft. Aber es ist ein Zombie. W\u00fcrde sich die deutsche Wirtschaft daran halten, verl\u00f6re sie komplett die Konkurrenzf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Auch unser Empfinden, was normal ist, hat sich entsprechend angepasst: Sp\u00e4tabends noch einen guten Gedanken f\u00fcr das Meeting des n\u00e4chsten Tages aufschreiben. Morgens von zuhause die E-Mails checken. Im Urlaub eine Skype-Schalte mit den Kollegen aus den USA \u2026 Business as usual.<\/p>\n<p>Die Anwesenheit im B\u00fcro steht gar nicht mehr im Vordergrund. Es ist ein praktischer Ort, um sich mit Kollegen auszutauschen, aber arbeiten kann man heute \u00fcberall, im Zug, in der Abflughalle, im Caf\u00e9, im Co-Working-Space und von zuhause. Macht dann die Unterscheidung von Arbeit und Freizeit \u00fcberhaupt noch Sinn? Ist Work-Life-Balance nicht schon deshalb kalter Kaffee, weil Leben und Arbeiten f\u00fcr viele Menschen \u00fcberhaupt nicht mehr plausibel auseinander dividierbar sind?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-663020\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/cover.nein-cover-frontal.jpg\" alt=\"cover-nein-cover-frontal\" width=\"408\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/cover.nein-cover-frontal.jpg 408w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/10\/cover.nein-cover-frontal-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><\/p>\n<p><strong>Anja F\u00f6rster\/Peter Kreuz: &#8222;Nein &#8211; Was vier mutige Buchstaben bewirken k\u00f6nnen&#8220;, Pantheon Verlag, 256 Seiten, 14,99 Euro: <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/NEIN\/Anja-Foerster\/Pantheon\/e500426.rhd\">https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/NEIN\/Anja-Foerster\/Pantheon\/e500426.rhd<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das deutsche Arbeitszeitgesetz ist klinisch tot &#8211; Work-Life-Blending regiert<\/strong><\/p>\n<p>Heute regiert Work-Life-Blending: ein Zustand, in dem Arbeit und Freizeit miteinander verschmelzen und dauernd die F\u00fchrung wechseln. Das alles ist nun grunds\u00e4tzlich weder gut noch schlecht, sondern einfach Realit\u00e4t. Aber es ist auch eine gewaltige \u00c4nderung unserer Lebenswirklichkeit.<\/p>\n<p>Eine solche Entgrenzung ben\u00f6tigt dringend Autokorrektur durch Selbsterm\u00e4chtigung und eine bewusste individuelle Grenzziehung. Das bewusste Nein spielt in diesem Zusammenhang eine ganz wichtige Rolle.\u00a0Wenn es keine vorgegebenen und klaren Grenzen mehr gibt, muss jeder Einzelne die Grenzen situativ angemessen f\u00fcr sich selbst ziehen.<\/p>\n<p>Das ist sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig f\u00fcr diejenigen, die sich bisher prima damit arrangiert hatten, dass die Grenzziehung und das damit verbundene Nein stets von anderen kam \u2013 und die damit auch kein gro\u00dfes Problem hatten, weil das System sie genau daf\u00fcr gelobt und protegiert hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die \u00c4ra selbst\u00e4ndigen Entscheidens<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00c4ra, in der man damit gut \u00fcber die Runden kam, geht zu Ende. Damit beginnt das Zeitalter der freiwilligen Selbstkontrolle, also selbst\u00e4ndig zu entscheiden: Wozu sage ich Nein \u2013 und wozu nicht? Ein Nein verlangt von mir, meine Position zu \u00fcberpr\u00fcfen und die Konsequenzen zu tragen. Und es verlangt von mir, sehr viel mehr auf meine Selbstf\u00e4higkeiten zu setzen: Selbstdisziplin, Selbstorganisation, Selbstverantwortung, Selbsteinsch\u00e4tzung, Selbstkontrolle, Selbstvertrauen.<\/p>\n<p>Das ist unabdingbar f\u00fcr alle, die ihre Selbstbestimmung nicht beim Management oder beim Staat abgeben. Es erfordert von uns eine Haltung \u2013 und das ist ist beileibe keine Petitesse oder nettes Zubeh\u00f6r f\u00fcr den Charakter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Nein zur Selbstausbeutung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Haltung ist untrennbar damit verbunden, ein weiteres klares Nein zu formulieren: Das Nein zur Selbstausbeutung. Wer st\u00e4ndig erreichbar ist und seinen Schreibtisch \u00fcberall aufschlagen kann, muss lernen, Grenzen zu ziehen und f\u00fcr sich zu entscheiden, wann es an der Zeit ist, das Handy auszuschalten, den Computer herunterzufahren und Feierabend zu machen. Das hat wiederum eine Menge mit einem gesunden Trieb zur Selbstbehauptung und Selbsterhaltung zu tun. Chefs m\u00fcssen lernen, diese Grenzen als Selbstverst\u00e4ndlichkeit zu akzeptieren. Und sie m\u00fcssen ihren Mitarbeitern vertrauen und ihnen zugestehen, ihren Freiraum zu nutzen und ihr Pensum autonom gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gesetze oder Tarifvertr\u00e4ge von gestern werden jedenfalls niemanden davor sch\u00fctzen, zu viele Zugest\u00e4ndnisse zu machen.<\/p>\n<p>Niemand hat behauptet, dass das einfach ist. Aber wir glauben daran, dass es langfristig der richtige Weg ist. Und dass man sich besser jetzt schon darauf vorbereitet. Die Ver\u00e4nderung ist unausweichlich. Das Arbeitsmodell der Zukunft hei\u00dft nicht 9 bis 17 Uhr, sondern: Es ist deine Zeit. Teile sie dir selbst ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das bin ich \u2013 und das bin ich nicht!<\/strong><\/p>\n<p>N, E, I und N sind nicht nur schwer wiegende, sondern auch m\u00e4chtige Buchstaben. Dem Nein entspringt die Macht \u00fcber das eigene Leben, die Chancen zur Gestaltungsfreiheit.<\/p>\n<p>Jedes Nein tr\u00e4gt in sich eine Dualit\u00e4t aus Erm\u00e4chtigung und Abgrenzung. Dabei sind Macht und Grenzen nichts Schlechtes, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Lebens: Jeder lebendige Organismus ben\u00f6tigt Grenzen, um sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Um zu \u00fcberleben und zu gedeihen muss jeder Mensch und jede Organisation in der Lage sein, Nein zu sagen zu allem, was Sicherheit, W\u00fcrde und Integrit\u00e4t bedroht. Eine gute Grenze im Sozialen oder im \u00d6konomischen ist so wie in der Biologie immer eine semipermeable Membran \u2013 keine hermetische Abdichtung. Es gibt ein Rein und Raus, es muss Grenz\u00fcbertritte geben d\u00fcrfen. Aber eben organisiert und nicht willk\u00fcrlich. Das Schlechte muss raus, das Gute muss rein, ganz entschieden. Darin steckt eine subjektive Bewertung, zu der jeder Mensch und jede Organisation das Recht hat: Sie m\u00fcssen niemanden heiraten, den Sie nicht heiraten wollen und ein Unternehmen muss niemanden einstellen, den es nicht einstellen will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Schlechte muss raus,\u00a0das Gute muss rein, ganz entschieden<\/strong><\/p>\n<p>Nein ist der Schl\u00fcsselbegriff zu Identit\u00e4t, Ordnung, Struktur und Disziplin. Regeln und Gesetze werden h\u00e4ufig in Form eines Neins formuliert. Von den zehn Geboten in der Bibel beispielsweise sind acht als Nein formuliert. Da steht nicht: \u201eDu sollst am Leben lassen!\u201c, sondern: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c<\/p>\n<p>Das Nein vermittelt Klarheit und Genauigkeit und sein Nutzen geht weit \u00fcber Schutz und Disziplin hinaus. Kinder in der Trotzphase \u00fcben das Neinsagen \u2026 bis die Nerven der Eltern v\u00f6llig blank liegen. Das ist eine extrem wichtige Entwicklungsphase, in der Kinder lernen, eigenst\u00e4ndig zu handeln und Grenzen zu setzen.<\/p>\n<p>Sie beginnen, zu definieren, wer sie sind \u2013 und wer sie nicht sind. \u201eNein, das esse ich nicht! Nein, das ziehe ich nicht an! Nein, da will ich nicht hingehen!\u201c \u2013 Damit sagen sie implizit: \u201eIch existiere! Ich habe ein Recht auf meine Gef\u00fchle. Ich habe ein Recht auf meine Meinung. Ich bin ich selbst.\u201c<\/p>\n<p>So auch sp\u00e4ter im Leben: Nein sagen ist ein wesentlicher Bestandteil der lebenslangen Weiterentwicklung eines jeden Menschen.\u00a0Nein ist das Schl\u00fcsselwort f\u00fcr die Definition unserer Identit\u00e4t oder \u2013 auf Unternehmensebene \u2013 der Marke.<\/p>\n<p>Wer nicht Nein sagt, gibt seine Identit\u00e4t zur allgemeinen Interpretation frei, denn das Selbst wird durch das definiert, wozu man Nein sagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nein sagen \u2026 bis die\u00a0Nerven der Eltern v\u00f6llig blank liegen<\/strong><\/p>\n<p>Und das Nein erm\u00f6glicht uns, eine individuelle Grenze zu ziehen zwischen den Interessen anderer und unseren eigenen Interessen. Diese Grenze geschickt und angemessen zu setzen, ist heute extrem wichtig geworden. Wer sein Nein nicht kennt und es anderen \u00fcberl\u00e4sst, Entscheidungen f\u00fcr ihn zu treffen, muss sich nicht wundern, wenn am Ende nichts mehr \u00fcbrig bleibt, woran er sich halten kann. Es ist also von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, gut im Nein sagen zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie m\u00fcssen nicht Everybody\u2019s Darling sein<\/strong><\/p>\n<p>Jede Organisation, jede zweckorientierte Ansammlung von Menschen wird nur dadurch stark und unterscheidbar, dass sie Grenzen setzt. Und das bedeutet unter Umst\u00e4nden, dass es Gegner braucht: Seht her, die da, das sind nicht wir. Wir sind die Bayern und nicht Borussia Dortmund! Diese Abgrenzung ist so klar, dass selbst ein Bayern-Fan, der nach zwei Tagen Pokalrausch statt eines Gehirns nur noch eine ausgewrungene Windel im Sch\u00e4del hat, sie spielend hinbekommen w\u00fcrde. Und auch umgekehrt ist da wenig zu bef\u00fcrchten &#8230;<\/p>\n<p>Und was f\u00fcr den Sport gilt, das gilt genauso f\u00fcr die Wirtschaft: Unternehmen, die durch Abgrenzung eine starke und attraktive Kultur ausstrahlen, ziehen Menschen an, sowohl Mitarbeiter als auch Kunden. Und nat\u00fcrlich sto\u00dfen sie auch andere, die nicht dazu passen, ab: Wenn ein Unternehmen eine freiheitliche Arbeitsweise pflegt, in der es viel Selbstverantwortung braucht, um zu Ergebnissen zu kommen, dann zieht das Leute an, die damit etwas anzufangen wissen \u2013 und st\u00f6\u00dft Leute ab, die im Job erwarten, dass ihnen jemand sagt, was zu tun ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>McKinsey polarisiert: Einmal Meckie, immer Meckie<\/strong><\/p>\n<p>McKinsey zum Beispiel ist ein Unternehmen\u00a0mit starker Abgrenzung. Viele gut ausgebildete Berufsanf\u00e4nger w\u00fcrden nackt \u00fcber Glasscherben kriechen, wenn sie daf\u00fcr die Chance bek\u00e4men, bei McKinsey anzufangen. Andere w\u00fcrden lieber nackt \u00fcber Glasscherben kriechen, wenn sie nicht bei McKinsey arbeiten m\u00fcssten. Die starken Eigenheiten, die McKinsey von anderen Unternehmen abgrenzen, polarisieren. Und das macht stark und schafft ein Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit. Alle aktuellen und sogar auch die ehemaligen Mitarbeiter bezeichnen sich selbst als \u201eMeckies\u201c. Einmal Meckie, immer Meckie, ein Leben lang. Diese Bezeichnung wird getragen wie ein Orden. So etwas gibt es bei weniger polarisierenden Marken nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer\u00b4s allen recht machen will, endet im Miittelma\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Marken d\u00fcrfen und sollen durchaus polarisieren. Sie m\u00fcssen nicht Everybody\u2019s Darling sein. Wer es allen recht machen will, endet bekanntlich im Mittelma\u00df. Dass das markenst\u00e4rkende Nein in der Praxis so selten ausgesprochen wird, hat einen nachvollziehbaren Grund. Ein Nein bedeutet, sich auf das festzulegen, was man nicht tut.<\/p>\n<p>Dummerweise liegt da aber auch genau die Schw\u00e4che des Neins: Die Festlegung darauf, was man nicht tut, kommt nicht mit der eingebauten Sicherheit, dass sich das auch im Nachhinein als brillante und einzig richtige Entscheidung herausstellt. Genau das schreckt die \u00c4ngstlichen ab. Sie legen sich nicht fest und versuchen, alle Optionen offen zu halten. Das Ergebnis: Verwechselbarkeit bis zur Unkenntlichkeit. Alle Konturen werden unerm\u00fcdlich glatt geschliffen. Alles ist total beliebig und austauschbar.<\/p>\n<p>Ein gefundenes Fressen f\u00fcr jeden einigerma\u00dfen cleveren Konkurrenten, der es versteht, ein paar mal \u00f6fter nein zu sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Not-to-do-Listen<\/strong><\/p>\n<p>Je mehr wir dar\u00fcber nachdenken: Nein ist eines der besten, wertvollsten, \u201epositivsten\u201c W\u00f6rter, die wir kennen. Ja, vielleicht ist Nein tats\u00e4chlich der wichtigste Bestandteil unseres Wortschatzes. \u201eDie Geschichte des freien Menschen wird nie vom Zufall geschrieben, sondern durch Entscheidungen \u2013 seine Entscheidungen.\u201c Ein Satz wie ein Paukenschlag! Dwight D. Eisenhower, der 34. Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten, hat in diesem einen Satz exakt auf den Punkt gebracht, warum Nein eines der wertvollsten W\u00f6rter \u00fcberhaupt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der ganz private Index<\/strong><\/p>\n<p>Dieser besondere Wert des Neins ist uns bewusst geworden, seitdem wir vor rund f\u00fcnf Jahren damit begonnen haben, eine Not-to-do-Liste zu f\u00fchren. Alles, was wir nicht mehr tun wollen, setzen wir auf diese Liste, sozusagen auf unseren ganz privaten Index. Nach jedem \u201eNa, das h\u00e4tten wir uns aber echt sparen k\u00f6nnen\u201c oder \u201eDas hat&#8217;s doch wirklich nicht gebracht\u201c wird eben dieses misslungene St\u00fcckchen Alltag auf die Liste gesetzt: Reizm\u00fcll, Bekanntschaftsm\u00fcll, Konsumm\u00fcll, News-M\u00fcll, Nahrungsm\u00fcll.<\/p>\n<p>Nein, wir wollen kein Fast Food essen und auch keine Fertigmahlzeiten! Und wir wollen nicht Fernsehen! Wir wollen unsere Zeit auch nicht mit Menschen verbringen, die uns nerven, und wir wollen keinen Smalltalk aus Verlegenheit f\u00fchren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Energiesaugende, Fremdbestimmte einfach weglassen<\/strong><\/p>\n<p>Das alles wollen wir nicht \u2013 aber nicht, weil wir irgendwas verteufeln wollten. Wir wollen diese Dinge deshalb nicht, weil wir f\u00fcr uns pers\u00f6nlich beschlossen haben, dass sie f\u00fcr uns \u00fcberfl\u00fcssig sind. Dadurch ist uns erst so richtig bewusst geworden, wie viele allt\u00e4gliche Kleinigkeiten uns den Kopf verstopfen. Wir h\u00e4tten vorher nicht geglaubt, wie viel Zeugs wir in unserem Leben akzeptieren, obwohl wir ohne all das wunderbar auskommen. Das L\u00e4hmende, Energiesaugende, Fremdbestimmte einfach wegzulassen, h\u00e4lt den Kopf frei f\u00fcrs Wesentliche: Bei uns ist es das kreative Denken und Schreiben, Ideen zusammenf\u00fchren, Inhalte produzieren. Pl\u00f6tzlich ist viel mehr Raum daf\u00fcr da!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Entscheidung, etwas nicht zu tun<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben f\u00fcr uns jedenfalls herausgefunden: Etwas nicht zu tun ist eine ebenso wichtige Entscheidung wie etwas zu tun. Wenn nicht noch wichtiger.<\/p>\n<p>Wir behaupten nicht, dass es einfach ist, Nein zu sagen. Nicht im Privaten und nicht im Beruf. Insbesondere dann, wenn sich der Neinsager im offenen Gegensatz zur herrschenden Mehrheit oder zur herrschenden Unternehmenskultur befindet. \u201eNichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.\u201c Dieser Satz des Schriftstellers und Journalisten Kurt Tucholskys bezeugt die Schwierigkeit der \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferung eines Neins. Mut ist, trotzdem genau hinzusehen und wahrzunehmen, was passiert \u2013 statt wegzuschauen oder sich wegzuducken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nichts ist schwerer und nichts erfordert\u00a0mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu\u00a0seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein<\/strong><\/p>\n<p>Aber es muss ja nicht immer das ganz gro\u00dfe Nein sein \u2013 auch die vielen kleinen Neins im Alltag k\u00f6nnen sehr viel bewegen.\u00a0Doch wie viele Menschen haben den Mut, aufzustehen und ihr Nein zu vertreten? Wie viele sagen: \u201eNein, ich sehe das anders. Ich finde diesen Weg nicht richtig, weil \u2026\u201c? Und wie viele Menschen f\u00fchren die Anweisung vom Chef kommentarlos aus, obwohl sie sie f\u00fcr falsch halten? Oder die Entscheidung des Kunden, die in ihren Augen ein Fehler ist?<\/p>\n<p>Ob das letztlich den Lauf der Dinge bestimmt oder \u00e4ndert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es w\u00e4re verdammt optimistisch zu erwarten, dass sich ein einzelner Abweichler immer durchsetzt. Das mag in seltenen F\u00e4llen gelingen, aber h\u00e4ufig auch nicht. Aber darum geht es auch nicht. Es geht vielmehr um den aufrechten Gang. Unabh\u00e4ngig davon, ob das Nein etwas \u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Unterschied ist die Haltung<\/strong><\/p>\n<p>In vielen Situationen des Unternehmensalltags werden wir trotzdem akzeptieren m\u00fcssen, was wir verneinen. Der Unterschied liegt aber in der Haltung. Die eine Haltung beugt sich der Macht und denkt sich: \u201eHm, da kann ich ja sowieso nichts machen, also stimme ich zu und sage erst gar nicht Nein.\u201c \u2013 Die andere Haltung bleibt aufrecht und tut das Angeordnete ohne sich zu beugen. Sie akzeptiert die Macht, aber nicht die Meinung. Sie sagt: \u201eIch habe die Freiheit und das Recht Nein zu sagen und dieses Nein auch zu \u00e4u\u00dfern \u2013 auch wenn ich trotzdem das Ja ausf\u00fchren muss.\u201c<\/p>\n<p>Diese Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine aufrechte Haltung treffen wir jeden Tag aufs Neue. Heben wir beim n\u00e4chsten Mal im Meeting die Hand und vertreten unsere \u00dcberzeugung? Oder nicken wir weiter mit den anderen, weil es einfacher und ungef\u00e4hrlicher ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die drei Gesichter des Nein<\/strong><\/p>\n<p>Warum es f\u00fcr viele so schwierig ist, das Nein auszusprechen, ist im Kern auf das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Machtaus\u00fcbung und Beziehungspflege zur\u00fcckzuf\u00fchren: Sie wollen ja niemanden vor den Kopf sto\u00dfen! Macht aus\u00fcben ist ein zentraler Bestandteil des Nein-Sagens, belastet in der Regel aber die Beziehung. Die Beziehung zu pflegen kann aber die eigene Macht schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Diesem Macht-versus-Beziehung-Dilemma begegnen die meisten Menschen mit drei Verhaltensstrategien: Anpassen, angreifen oder ausweichen \u2013 wie William Ury in seinem Buch `Nein sagen und trotzdem erfolgreich verhandeln\u00b4 schreibt.<\/p>\n<p>Anpassung bedeutet: Wir sagen ja, wenn wir nein sagen wollen. Das hei\u00dft, wir opfern unsere eigenen Interessen der Beziehung, die wir unbedingt erhalten wollen. Mit einem Ja, das sich nicht gut anf\u00fchlt, erkaufen wir uns einen br\u00fcchigen, tempor\u00e4ren Frieden.\u00a0Das Problem dabei: Am Ende bereuen wir alles. Und keiner hat gewonnen. H\u00e4tten wir stattdessen angreifen sollen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Schritt vor, zwei Schritte zur\u00fcck, es wird\u00a0taktiert, ausgesessen, angegriffen, Probleme werden\u00a0verlagert oder unter den Teppich gekehrt<\/strong><\/p>\n<p>Angreifen bedeutet, wir sagen auf unangemessene Weise Nein. Es ist quasi der direkte Gegenentwurf zum Anpassen: Die Beziehung wird der Macht geopfert. Wir handeln nicht aus Angst, wie bei der Anpassung, sondern im Zorn. Wir rennen geradewegs in den Konflikt.<\/p>\n<p>So sind wir m\u00f6glicherweise w\u00fctend, weil jemand anderes uns verletzt hat oder \u00fcberzogene Forderungen an uns hat. Vielleicht sind wir auch einfach nur frustriert \u00fcber die Gesamtsituation. Und dann schlagen wir zur\u00fcck: Wir sagen auf eine Weise Nein, die wiederum den anderen verletzt und unsere Beziehung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u201eDer Kern eines jeden destruktiven Konflikts auf der Welt \u2013 sei er nun gro\u00df oder klein \u2013 ist ein Nein\u201c, schreibt Ury. Und das werden wir eines Tages bereuen: W\u00e4ren wir also besser ausgewichen?<\/p>\n<p>Ausweichen bedeutet Vermeidungsverhalten. Wir sagen lieber gar nichts. Weder ja noch nein. Wir legen uns nicht fest. Wir halten lieber den Mund und versuchen den Status Quo zu bewahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Selbstachtung auf der Strecke bleibt<\/strong><\/p>\n<p>Aber das hei\u00dft nur, dass ein anderer oder Sie selbst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt die Konsequenzen tragen werden. Vielleicht verlagert sich das Problem, aber niemand wird es f\u00fcr Sie aus der Welt schaffen. Egal, wie die Sache ausgeht, was auf jeden Fall auf der Strecke bleibt, ist Ihre Selbstachtung. Und Sie werden auch diese Strategie bereuen.<\/p>\n<p>Die Kombination aller drei Strategien k\u00f6nnen Sie in der Politik bestens beobachten. Es wird gestritten und gezankt, Probleme werden ausgesessen, wichtige Entscheidungen werden geopfert, um die Klientel oder die Koalitionspartner nicht zu ver\u00e4rgern, ein Schritt vor, zwei Schritte zur\u00fcck, es wird taktiert, ausgesessen, angegriffen, Probleme werden verlagert oder unter den Teppich gekehrt, es wird geredet und geredet, die einen emp\u00f6ren sich, die anderen echauffieren sich, die n\u00e4chsten regen sich auf, die \u00fcbern\u00e4chsten beschwichtigen und so weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Seltene Spezies: Menschen mit klarer Haltung<\/strong><\/p>\n<p>Dieselben Kombinationen aus allen drei Strategien finden Sie in so manchen Paarbeziehungen und Familien. Und nat\u00fcrlich in vielen Unternehmen mit mieser Betriebskultur. Sie finden m\u00fchelos die Typen von Menschen, die st\u00e4ndig zwischen den drei Verhaltensweisen pendeln: anpassen, angreifen und ausweichen. Aber Menschen mit einer klaren Haltung, die ihre Meinung so artikulieren k\u00f6nnen, dass sie die anderen mitnehmen, finden Sie dort nur selten.<\/p>\n<p>In der typischen, mittelm\u00e4\u00dfigen Unternehmenskultur geht es wie in der Politik fast immer nur um Beziehungen und Macht. Was nichts anderes hei\u00dft, als dass niemand zu seinem gro\u00dfen Ja steht und darum die vielen zugeh\u00f6rigen Neins nicht offen, ehrlich und fair ausgesprochen werden. Die Folge: Das einzige, was nicht im Mittelpunkt steht, ist der Kunde respektive der B\u00fcrger. Die Hoffnung, dass es in diesen Unternehmen und politischen Gremien eine effektive Zusammenarbeit zur zielgerichteten L\u00f6sung der Probleme des Kunden respektive des B\u00fcrgers g\u00e4be, \u00e4hnelt der Hoffnung, unser Kater Spiky k\u00f6nne lernen, alleine auf seinen Hinterbeinen zu laufen.<br \/>\n<strong>Der Kern einer Strategie besteht darin\u00a0zu bestimmen, was man nicht macht<\/strong><\/p>\n<p>Auch darum brauchen wir dringend mehr Kompetenz im Neinsagen! Doch dazu muss man auch angemessen Ja sagen k\u00f6nnen. Es ist sogar so: Man kann erst dann wirklich Ja sagen, wenn man wirklich Nein sagen kann. Und nur wenn man sein Ja kennt, gelingt das Neinsagen.<\/p>\n<p>Jeden Tag m\u00fcssen wir Entscheidungen treffen, ob gro\u00dfe oder kleine. Und jedes Ja zu einer Alternative zieht automatisch ein Nein zur n\u00e4chsten nach sich. Nein zwingt uns, Position zu beziehen. Nur Nein gibt Platz f\u00fcrs Ja und die Dinge die wichtig sind.<\/p>\n<p>Strategieprofessor Michael Porter bringt es brillant auf den Punkt: \u201eDer Kern einer Strategie besteht darin, zu bestimmen, was man nicht macht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Drei Fragen, um zu sch\u00fctzen, was uns etwas bedeutet<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dfer um vern\u00fcnftig zu entscheiden, brauchen wir das Nein auch, um das uns Wesentliche zu sch\u00fctzen: Das Nein erm\u00f6glicht uns, auf pers\u00f6nlicher, beruflicher und gesellschaftlicher Ebene Grenzen zu setzen, aufrechtzuerhalten und zu verteidigen, um das zu sch\u00fctzen, was uns etwas bedeutet. Drei Fragen helfen dabei.<\/p>\n<p>Erstens: Wozu bin ich bereit, nein zu sagen? Was wir entscheiden nicht zu tun, ist mindestens so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als das was wir entscheiden zu tun.<\/p>\n<p>Zweitens: Welchen Preis bin ich bereit daf\u00fcr zu zahlen?<\/p>\n<p>Drittens: Welche Dinge sind es wert, stattdessen getan zu werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeit und Kraft f\u00fcr Selbstreflexion<\/strong><\/p>\n<p>Diese Fragen fordern uns dazu auf, dem Leben mit Wachheit zu begegnen. Der Schl\u00fcssel dazu: Wir m\u00fcssen uns regelm\u00e4\u00dfig die Zeit nehmen, \u00fcber das eigene Leben und das, was wir tun nachzudenken. Investiere ich also Zeit und Kraft in die Selbstreflexion oder f\u00fchre ich ein gebrauchtes Leben und nehme alles, wie es kommt, ohne mich zu fragen, wie es meiner gew\u00fcnschten Zielrichtung n\u00e4her kommen kann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kein Nein ohne Ja<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Schritt beginnt beim Ja, nicht beim Nein. Es geht darum, unser Nein in einem tieferen Ja zu verwurzeln, einem Ja zu unseren eigentlichen Interessen und zu dem, was f\u00fcr uns wirklich von Bedeutung ist.\u00a0Das Ja zeigt uns die richtige Richtung. Wir wissen, wo wir stehen und wo wir mit dem Nein hinwollen.<\/p>\n<p>Das Ja versorgt uns mit Energie. Es gibt die Kraft, Nein zu sagen und dabei zu bleiben, auch wenn wir auf Widerstand sto\u00dfen. Wenn Sie auf einen Menschen treffen, der sein gro\u00dfes Ja kennt, dann merken Sie das. Erstaunlicherweise sind dessen Neins viel leichter zu akzeptieren. Sie werden nicht als Angriff verstanden, sondern wirken nur konsequent. Dieser Mensch wirkt klar und steht f\u00fcr etwas.<\/p>\n<p>Einer, der uns f\u00fcr genau diese Klarheit und Konsequenz begeistert und gr\u00f6\u00dften Respekt abn\u00f6tigt, ist Jason Fried, ein Unternehmer aus Chicago. Er reduziert sein Unternehmen auf das Wesentliche:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie auf einen Menschen treffen,\u00a0der sein gro\u00dfes Ja kennt, dann merken Sie das<\/strong><\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen w\u00e4chst enorm, Ihre Produkte verkaufen sich sensationell gut, der Gewinn steigt stetig, der Kundenstamm wird immer gr\u00f6\u00dfer und mehr noch: Die Kunden sind begeistert, Ihr Unternehmen hat echte Fans und die Unternehmensgr\u00fcnder genie\u00dfen Kultstatus. \u2013 Was machen Sie?<\/p>\n<p>Investieren, richtig? Also mehr Mitarbeiter. Mehr Produkte. Mehr Features. Mehr Marktanteil.<\/p>\n<p>In jedem Fall wachsen, wachsen, wachsen. Logisch! Das ist ein ganz normaler Reflex. Kriegskasse gef\u00fcllt? \u2013 Ab in die Schlacht und noch mehr gewinnen. Alle machen das so. Die \u201eMehr-Ist-Besser-Philosophie\u201c ist quasi in die DNA unserer Gesellschaft eingeschrieben. Die ganze Wirtschaft ist so programmiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Minimalismus als Programm<\/strong><\/p>\n<p>Die ganze Wirtschaft? Nein! Basecamp in Chicago tickt anders. Jason Fried, einer der beiden Gr\u00fcnder, sagte im Interview mit brandeins beispielsweise: \u201eDie meisten Firmen kommen zu leicht an zu viel Geld heran und schmei\u00dfen es f\u00fcr Marketing und neue Stellen raus. Ich stelle lieber so wenige Leute wie m\u00f6glich und so sp\u00e4t wie m\u00f6glich ein.\u201c<\/p>\n<p>Und dieser Minimalismus ist Programm: Bei hunderttausenden von Kunden weltweit hat das Unternehmen gerade mal ein paar Dutzend Mitarbeiter, die alle in das eine B\u00fcro passen w\u00fcrden (wobei viele von zuhause aus arbeiten). Basecamp stattet seine Software-Produkte mit so wenigen Features wie m\u00f6glich aus. Manager gibt es keine. Nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Doch dann startete das Unternehmen seinen bislang gr\u00f6\u00dften Coup: Das Unternehmen beschloss, sich aufgrund des riesigen Erfolgs zu verkleinern.\u00a0Sie haben richtig gelesen: zu verkleinern!<\/p>\n<p>Dieser Entschluss ist geradezu unversch\u00e4mt. Sie behielten lediglich ein einziges Produkt, eben Basecamp, tauften ihre Firma neu auf den Namen dieses Produkts und stie\u00dfen alle anderen Softwareprodukte, die \u00fcbrigens allesamt ebenfalls erfolgreich sind, nach und nach ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verkleinern! Dieser Entschluss ist geradezu unversch\u00e4mt<\/strong><\/p>\n<p>Und statt diese wertvollen Assets an die h\u00f6chstbietenden Softwarekonzerne zu verscherbeln, gaben sie die Produkte lieber in die H\u00e4nde von Kollegen, die sie gut kennen und von denen sie wissen, dass dort die Kunden wiederum in guten H\u00e4nden sind.<\/p>\n<p>Basecamp macht in vielen Dingen genau das Gegenteil von dem, was alle tun w\u00fcrden. Und trotzdem sind sie enorm erfolgreich \u2026 Nicht trotzdem. Wir sind davon \u00fcberzeugt: Gerade deswegen!<\/p>\n<p>In einem extrem wettbewerbsintensiven Markt, in dem es von aufgeblasenen und mit Features \u00fcberladenen Produkten nur so wimmelt und in dem dann der n\u00e4chste Wachstumsschub mit noch mehr Wagniskapital angeschoben wird, sagt Basecamp Nein zu noch mehr Wachstum, noch mehr Umsatz, noch mehr Mitarbeitern, noch mehr Gewinn. Und dieses Nein wurzelt in einem gro\u00dfen Ja. Es ist das Ja zum Wesentlichen: Ein tolles Produkt und zufriedene Kunden. Punkt. Das ist alles.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erfolg durch Nicht-\u00dcbertrumpfen der Wettbewerber \u2026 das hat was!<\/strong><\/p>\n<p>Die Macht unseres Neins entspringt der Macht unseres gro\u00dfen Jas.\u00a0Um unser gro\u00dfes Ja nicht aus den Augen zu verlieren, ist es wichtig, achtsam zu sein und sich selbst zu reflektieren.<\/p>\n<p>Doch was hei\u00dft das? \u201eDas ungepr\u00fcfte Leben ist f\u00fcr den Menschen nicht lebenswert.\u201c Mit diesen Worten\u00a0hat Sokrates in seiner Verteidigungsrede vor den Athener Richtern den Wert der philosophischen Selbstreflexion hochgehalten.\u00a0In anderen Worten: Wenn wir unser Leben nicht permanent \u00fcberpr\u00fcfen, um sicherzugehen, dass seine Ausrichtung noch stimmt, besteht die gro\u00dfe Gefahr, dass wir das Leben eines anderen f\u00fchren. Dann m\u00fcssen wir am Ende unseres Lebens wom\u00f6glich erkennen, dass der Pfad, den wir beschritten haben, nicht unser eigener war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Weisheit, zu fragen, ob die Richtung noch stimmt<\/strong><\/p>\n<p>Ein gelungenes Leben erfordert Weisheit, mehr nachzudenken und sich immer und immer (und immer) wieder zu fragen, ob das eigene Leben noch in der richtigen Richtung verl\u00e4uft, und es so anzupassen, dass es unseren Vorstellungen noch mehr entspricht.<\/p>\n<p>Also Nein zu sagen zu allen Wegen, die auch noch m\u00f6glich sind, allen Verlockungen, die zwar interessant sind, mich aber von meinem Weg abbringen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Genau daran fehlt es vielen Menschen. Sie leben ein unreflektiertes Leben und nehmen alles, wie es kommt, ohne sich gro\u00df zu fragen, wie sie ihrer gew\u00fcnschten Zielrichtung n\u00e4her kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und schon winken Best\u00e4tigung und\u00a0Zuspruch der anderen Schafe. M\u00e4h!<\/strong><\/p>\n<p>Das ist verst\u00e4ndlich: Ein entschiedenes Ja zu dem, was wir gew\u00e4hlt haben und ein entschiedenes Nein zu dem, was uns von unserem Weg abbringt, verlangt pers\u00f6nlichen Einsatz und die Einsicht, dass der Ausgang des Prozesses offen ist. Doch das ist schon wieder unbequem und ein bisschen unsicher, also etwas, das unserer Kultur nicht entspricht. Offene M\u00f6glichkeiten, neue Wege? Da folgt man doch lieber dem Trampelpfad der Herde. Und siehe da, schon winken Best\u00e4tigung und Zuspruch der anderen Schafe. M\u00e4h!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Worauf kommt es mir an? Was ist mir wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere tiefe \u00dcberzeugung: Es geht nicht darum, sein Leben danach auszurichten, worauf es ankommt, sondern danach, worauf es mir ankommt: Ist mein Leben nach den Dingen ausgerichtet, die mir wirklich wichtig sind? Bin ich der Mensch, der ich sein will?<\/p>\n<p>Um sich solche Fragen zu stellen, brauchen Sie Zeit. Neulich haben wir ein fantastisches Interview mit einem der besten Fu\u00dfballtrainer der Welt gelesen: Jos\u00e9 Mourinho. Faszinierend fanden wir daran nicht nur, dass der 53j\u00e4hrige Portugiese im Gespr\u00e4ch so v\u00f6llig anders auftritt als am Spielfeldrand oder auf seinen ber\u00fcchtigten Pressekonferenzen: Er klang ruhig, selbstreflektiert und ja, fast schon bescheiden.<\/p>\n<p>Was wir au\u00dferdem noch nie von einer erfolgreichen, viel besch\u00e4ftigten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit \u00f6ffentlich geh\u00f6rt haben, ist folgende Passage: \u201eI need my time to be lonely (\u2026) I need to reflect, I need to try to anticipate problems. I need my time.\u201c<\/p>\n<p>Jos\u00e9 Mourinho kommt jeden Morgen um halb acht als erster aufs Trainingsgel\u00e4nde, geht in sein B\u00fcro, verschlie\u00dft die T\u00fcr und bleibt dort f\u00fcr zwei Stunden. Alleine. Jeden Tag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>In vielen Unternehmen ist es weitaus besser\u00a0f\u00fcr die Karriere, sich vor die Tastatur<\/strong><br \/>\n<strong> zu setzen und Besch\u00e4ftigung zu simulieren<\/strong><\/p>\n<p>In den meisten Unternehmen w\u00e4re so etwas undenkbar! Wenn Sie diese Einsch\u00e4tzung f\u00fcr \u00fcbertrieben halten, dann probieren Sie doch mal folgendes aus: Setzen Sie sich mitten am Tag ganz entspannt mit einem Espresso auf die Besuchercouch und schauen in die Luft. Wie lange dauert es, bis einer der gehetzten Laptop-wichtig-durch-die-Gegend-Tragenden, einer der gestressten Pausenlos-das-Handy-ans-Ohr-Haltenden oder einer der gesch\u00e4ftigen Absatzzahlen-in-Papierstapeln-Suchenden zum absch\u00e4tzigen Blick auch noch ein paar missbilligende Spr\u00fcche in ihre Richtung schleudert?<\/p>\n<p>In vielen Unternehmen ist es weitaus besser f\u00fcr die Karriere, sich vor die Tastatur zu setzen und Besch\u00e4ftigung zu simulieren als zehn Minuten aus dem Fenster in die Wolken zu schauen. Dabei sind wir sicher, dass in den Wolken ein paar gute Gedanken schneller und sicherer zu finden sind als vor dem Bildschirm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R\u00e4ume des Zweckfreien zulassen &#8211; f\u00fcr ungeplant Entscheidendes<\/strong><\/p>\n<p>Schuld an unserer gedankenverlorenen Rastlosigkeit ist aber nicht nur die vorherrschende Unternehmenskultur. Wir stehen uns auch selbst im Weg: Der Drang, immer besch\u00e4ftigt, immer erreichbar, immer angestrengt zu sein, ist der grimmigste Feind des Nachdenkens. Mal ehrlich: Den Ausknopf des Handys zu bedienen, den Stecker zu ziehen und mal still zu sitzen, das m\u00fcssen viele erst wieder lernen!<\/p>\n<p>Und genau so wie jeder Einzelne wieder lernen sollte, sich ohne schlechtes Gewissen kreative Auszeiten zu nehmen, sollten Unternehmen lernen, R\u00e4ume des Zweckfreien zuzulassen. Denn gerade dort tut sich oft ungeplant Entscheidendes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeit und Ruhe zum Nachdenken &#8211; das Fabrikzeitalter ist vorbei<\/strong><\/p>\n<p>Flie\u00dfb\u00e4nder funktionieren auf Knopfdruck, Kreativit\u00e4t tut es nicht. Ausgepowerte Flie\u00dfbandarbeiter lassen sich \u2013 krass gesagt \u2013 einfach austauschen wie Ersatzteile. Aber das Fabrikzeitalter ist vorbei. Die meisten Menschen arbeiten heute auf der Basis von Wissen und Erfahrung \u2013 sie benutzen ihren Kopf. Und das erfordert Zeit und Ruhe zum Denken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug: \u00a0Anja F\u00f6rster \/ Peter Kreuz &#8222;Nein &#8211; was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken k\u00f6nnen&#8220; &nbsp; Ein gro\u00dfes Ja, viele Neins Ren\u00e9 T. arbeitet als Logistikexperte in einem deutschen Unternehmen, das Niederlassungen in \u00fcber 20 L\u00e4ndern hat. 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