{"id":662636,"date":"2017-05-10T21:19:25","date_gmt":"2017-05-10T19:19:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=662636"},"modified":"2017-05-10T21:19:25","modified_gmt":"2017-05-10T19:19:25","slug":"buchauszug-gender-key-wie-sich-frauen-in-der-maennerwelt-durchsetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/05\/10\/buchauszug-gender-key-wie-sich-frauen-in-der-maennerwelt-durchsetzen\/","title":{"rendered":"Buchauszug: &#8222;Gender Key &#8211; Wie sich Frauen in der M\u00e4nnerwelt durchsetzen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Arbeits-Klischee \u2013 und m\u00e4nnerverst\u00e4rkende Gefallfrauen:\u00a0Christian Seidel hat zehn Kernklischees identifiziert, die urs\u00e4chlich daf\u00fcr sind, dass Frauen das Leben im Beruf wie in Partnerschaft und Familie h\u00e4ufig so schwer gemacht wird.\u00a0Buchauszug aus &#8222;Gender Key &#8211; wie sich Frauen in der M\u00e4nnerwelt durchsetzen&#8220;<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_662640\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662640\" class=\"size-full wp-image-662640\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/Seidel_Christian_300dpi_24091.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/Seidel_Christian_300dpi_24091.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/Seidel_Christian_300dpi_24091-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><p id=\"caption-attachment-662640\" class=\"wp-caption-text\">Autor Christian Seidel<\/p><\/div>\n<p><strong>Vorurteile gegen Frauen in der Arbeitswelt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Unterstellung: Weil Sie eine Frau sind<\/strong><\/p>\n<p>Ein Freund erz\u00e4hlte mir von einem Vorfall, der sich in der Kantine einer deutschen Universit\u00e4tsklinik ereignet hatte \u2013 er tr\u00fcbte die Freude einer Kollegin \u00fcber eine verliehene Auszeichnung. Seit Jahren leitete sie als einzige \u00c4rztin mit anderen Wissenschaftlern ein Forschungsprojekt. Aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen hatte sie als Leiterin der Arbeitsgruppe mit ihrem Team ein Stipendium zugesprochen bekommen. Noch nie war einer \u00c4rztin an dieser Klinik diese Ehrung zuteil geworden. Kurz nach der Vergabe des Stipendiums sa\u00df sie mit dem Freund beim Mittagessen in der Krankenhauskantine. Ein Oberarzt kam vorbei, klassischer Macho, der immer einen Spruch parat hatte. Jetzt sagte er: \u00bbIch gratuliere Ihnen zum Stipendium! Das haben Sie sicherlich nur bekommen, weil Sie eine Frau sind.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbUnd was sagte deine Kollegin dazu?\u00ab, fragte ich nach.\u00a0\u00bbIhr verschlug es die Sprache. Sie war so verletzt, dass ihr die Tr\u00e4nen kamen. Ich habe versucht, mich f\u00fcr den Oberarzt zu entschuldigen. Doch sie meinte nur, dass ich jetzt mal live miterlebt h\u00e4tte, wie es einem als arbeitende Frau unter M\u00e4nnern ergehen kann. \u203aWenn sie uns nicht rausschmei\u00dfen k\u00f6nnen, dann ekeln sie uns raus.\u2039\u00ab<\/p>\n<p>Der Freund erz\u00e4hlte auf meine Bitte hin noch mehr aus dem Alltag in der Universit\u00e4tsklinik, noch mehr \u00fcber die Diskriminierung von Frauen. Der Chef, ein Mann, habe sechs Ober\u00e4rzte und eine Ober\u00e4rztin unter sich, dazu zwanzig Assistenz\u00e4rztinnen und zehn Assistenz\u00e4rzte. Von den Assistenz\u00e4rzten w\u00fcrden fast ausschlie\u00dflich die M\u00e4nner gef\u00f6rdert, trotz weiblichen \u00dcberschusses. \u00c4hnliches w\u00fcrde er auch von anderen Universit\u00e4tskliniken kennen. Dabei seien Kontaktpflege und M\u00e4nnerseilschaften \u00e4u\u00dferst hilfreich. Frauen h\u00e4tten meist viel weniger Kontakte. Zum Schluss sagte er: \u00bbM\u00e4nner werden bevorzugt, weil sie M\u00e4nner sind. Frauen haben nur eine Chance, wenn sie viel besser sind als die M\u00e4nner, was ihnen aber zunehmend gelingt.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine andere Unterstellung: Hochgeschlafen<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbGenau solche Vorf\u00e4lle habe ich viele erlebt\u00ab, rief Evelyn, nachdem ich die Geschichte im Pfarrsaal vorgetragen hatte. \u00bbWenn eine Frau Erfolg hat, wird ihr unterstellt, dass sie das dem Gesetz, also der Quote zu verdanken hat, nicht ihren Leistungen. Oft schwingt bei den Typen noch mit, dass sie sich wom\u00f6glich hochgeschlafen h\u00e4tte.\u00ab<\/p>\n<p>Es entspann sich eine hitzige Debatte \u00fcber Vorurteile gegen Frauen in der Arbeitswelt. Einige Teilnehmerinnen standen vor Wut auf und liefen auf und ab. Sie nahmen kein Blatt vor den Mund. Hier eine Wiedergabe einiger gek\u00fcrzter Aussagen:<\/p>\n<p>\u00bbM\u00e4nner f\u00f6rdern sich gegenseitig im Job\u00ab, merkte Sophia vehement an. \u00bbSie schanzen sich gegenseitig Privilegien zu, und wenn man ihnen das vorh\u00e4lt, streiten sie das rundweg ab. Solche L\u00fcgner sind das!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSie k\u00f6nnen ungerechte Situationen oder sogar gesch\u00e4ftssch\u00e4digende Umst\u00e4nde einfach so hinnehmen, als w\u00e4re das v\u00f6llig normal. Das k\u00f6nnte ich nie\u00ab, ereiferte sich Isabelle.<\/p>\n<p>\u00bbStimmt. Von dieser Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung vieler M\u00e4nner unterscheiden wir Frauen uns wirklich\u00ab, f\u00fcgte Martha hinzu.<\/p>\n<p>\u00bbUnverst\u00e4ndlich, warum M\u00e4nner es n\u00f6tig haben, Frauen im Job oder zu Hause so zu deckeln. Man k\u00f6nnte doch auch sch\u00f6n zusammenhalten\u00ab, sagte Evelyn.<\/p>\n<p>Cristins Kommentar: \u00bbSie trauen uns Frauen einfach nichts zu. Weder strategisches Geschick noch Macht.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbManchmal machen mir die M\u00e4nner aus unerfindlichen Gr\u00fcnden Angst\u00ab, entfuhr es Yvonne. \u00bbEs ist so eine diffuse Furcht. Dass sie mich am liebsten wegsperren oder sogar t\u00f6ten wollen, nur weil ich f\u00fcr sie als Frau eine Konkurrenz darstelle.\u00ab<\/p>\n<p>Diese Angst vor dem Get\u00f6tetwerden, da war sie wieder \u2013 ein klassisches Beispiel f\u00fcr ein Seelentattoo, das sich verselbstst\u00e4ndigt hatte. Sicherlich w\u00fcrde kaum ein Mann tats\u00e4chlich in Erw\u00e4gung ziehen, eine weibliche Konkurrentin zu ermorden. Doch in ihrer Geschichte haben Frauen das jahrhundertelang so erlebt. Auch heute noch h\u00f6ren sie fast t\u00e4glich von Morden an Frauen. Es ist also kein Wunder, dass das Gehirn in bestimmten Situationen eine derartige Assoziation wachruft und damit die mit ihr verbundenen Gef\u00fchle. Man kann mit solchen Empfindungen allerdings nicht umgehen, indem man sie als absurd oder unrealistisch abtut. Sobald man etwas f\u00fchlt und denkt, ist es Bestandteil der pers\u00f6nlichen Realit\u00e4t, unabh\u00e4ngig davon, ob die ausl\u00f6sende Situation wirklich damit zu tun hat. Diese Gef\u00fchle sollte man wahrnehmen, in ihrem Kontext vergegenw\u00e4rtigen und aufgeschlossen betrachten und schlie\u00dflich loslassen. Es ist ein selbsttherapeutischer Vorgang, auf den ich sp\u00e4ter noch kommen werde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf meine Bitte hin schilderte Yvonne ihre Angst vor dem Get\u00f6tetwerden noch ein wenig ausf\u00fchrlicher.<\/p>\n<p>\u00bbNachts in Albtr\u00e4umen\u00ab, erz\u00e4hlte sie, \u00bbspuken manchmal M\u00e4nner in meinem Kopf herum. Ohne mit der Wimper zu zucken, \u00fcben sie k\u00f6rperliche Gewalt aus, um mich in die Schranken zu weisen oder meinen Willen zu brechen. Nat\u00fcrlich sind das haltlose Vorstellungen. Kennt ihr die auch?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSchon\u00ab, best\u00e4tigten fast alle.<\/p>\n<p>\u00bbUnd wie verhaltet ihr euch, wenn ihr das feststellt?\u00ab<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Pause sagte Sophia: \u00bbIch gebe den M\u00e4nnern von vornherein nach, sodass sie mir gar nicht erst gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbIch verhalte mich von vornherein vorsichtiger, um den Mann nicht zu schw\u00e4chen\u00ab, meinte Martha.<\/p>\n<p>\u00bbOder ich fange sogar an, einen Typen, vor dem ich mich f\u00fcrchte, zu unterst\u00fctzen\u00ab, sagte Isabelle.<\/p>\n<p>\u00bbUnterst\u00fctzen als Vorbeugung gegen Probleme. Kenne ich auch, bringt aber nichts.\u00ab Das war Sophia. \u00bbMan rackert sich ab. Aber die Typen reagieren dennoch nicht.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662639\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/cover.Seidel_CGender-Key__169033_300dpi.jpg\" alt=\"\" width=\"406\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/cover.Seidel_CGender-Key__169033_300dpi.jpg 406w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/cover.Seidel_CGender-Key__169033_300dpi-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 406px) 100vw, 406px\" \/><\/p>\n<p><strong>&#8222;Gender Key &#8211; Wie sich Frauen in der M\u00e4nnerwelt durchsetzen&#8220; von Christian Seidel: Ariston Verlag, 288 Seiten, 16,99 Euro \u00a0<a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Gender-Key\/Christian-Seidel\/Ariston\/e493206.rhd\">https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Gender-Key\/Christian-Seidel\/Ariston\/e493206.rhd<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Helfersyndrom der Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Was die Gespr\u00e4chsteilnehmerinnen offenbarten, \u00e4hnelte einem psychologischen Vorgang, der als Helfersyndrom bekannt wurde. Der M\u00fcnchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer hatte Ende der Siebzigerjahre das suchtartige Helfen als psychologische Erkrankung erforscht. Er erkannte, dass der neurotische Charakter des Helfens sich auspr\u00e4gt, wenn ein Kind nur dann Beachtung bekommt, wenn es bestimmte Leistungen erbringt. Die Aufmerksamkeit h\u00e4ufig abwesenden Vaters erhalten M\u00e4dchen zum Beispiel oft nur, wenn sie etwa sehr diszipliniert sind. Oder wenn sie, wie im Fall von Evelyn, daf\u00fcr sorgen, dass der Vater sein richtiges Besteck beim Abendbrot vorfindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das abgewandelte Helfersyndrom: Allen alles recht machen, sich selbst verlieren<\/strong><\/p>\n<p>Eine abgewandelte Form des Helfersyndroms, eine Art \u00bbUntermauerungssyndrom\u00ab, zeigt sich bei berufst\u00e4tigen Frauen und ist ein altruistisches Verhalten, das insbesondere bei ihnen vorgesetzten M\u00e4nnern an den Tag gelegt wird. Sie wollen den M\u00e4nnern alles recht machen und kommen dadurch nicht dazu, ein ihrer weiblichen Individualit\u00e4t entsprechendes Benehmen zu entwickeln. Der Druck, sich der vorherrschenden m\u00e4nnlichen Umgangskultur in Firmen anzupassen, ist so hoch, dass sie permanent damit besch\u00e4ftigt sind, diese zu unterst\u00fctzen und sogar zu untermauern. Dabei verlieren sie unmerklich den Bezug zu sich selbst und die eigene Wertsch\u00e4tzung. Alles wird zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rt, nur nicht die eigene Person.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einer Frau, die mich nach meinem Frauenexperiment kontaktierte, fiel mir dieses Ph\u00e4nomen besonders auf. Die Yogalehrerin schrieb mir, dass sie ihre erfolgreiche Yogaschule aufgeben wolle, sie f\u00fchle sich aus einem unerfindlichen Grund v\u00f6llig \u00fcberfordert und \u00bbunendlich schwach\u00ab. Nach einer Reihe von Gespr\u00e4chen stellte sich heraus, dass sie diese Kraftlosigkeit erstmals an sich bemerkt hatte, nachdem sie sich einen Partner f\u00fcr ihr Studio gesucht hatte, dem sie sich zunehmend unterordnete.<\/p>\n<p>Zudem beriet sie viele Yogasch\u00fcler bei ihren privaten Sorgen. Sie traf sich mit ihnen zum Kaffee, blieb nach den Kursen noch lange mit ihnen im Studio. Diese Frau war nicht in der Lage, etwas f\u00fcr sich zu tun, ohne sich schuldig zu f\u00fchlen. Sie erz\u00e4hlte mir von Albtr\u00e4umen und Fantasien \u2013 sie handelten davon, dass ihr m\u00e4nnlicher Partner ihr das Yogastudio wegnehmen, dass er sie verdr\u00e4ngen wolle. Vielleicht hatte sie damit sogar Recht. Aber sie war nicht dazu f\u00e4hig, sich konstruktiv zu sammeln und ihn mit seinem Treiben zu konfrontieren, da sie sich st\u00e4ndig in ihrem Untermauerungssyndrom verstrickte.<\/p>\n<p>Selbst in den Gespr\u00e4chen mit mir fing sie immer wieder an, mich zu beraten, wollte mir einen M\u00f6beltransport organisieren, Yogastunden kostenlos geben oder andere Gef\u00e4lligkeiten f\u00fcr mich erledigen. Und nicht nur mir, auch ihrem Studiopartner hatte sie ihre Unterst\u00fctzung bei einem Umzug angeboten, sie hoffte dadurch, dass anschlie\u00dfend wieder \u00bbFriede in ihrem Seelenkarton herrschen\u00ab w\u00fcrde. Von au\u00dfen betrachtet, war sie eine vollkommen freie Frau, innerlich war sie aber in einem engen K\u00e4fig eingepfercht. Er bestand daraus, M\u00e4nnern einen Gefallen zu tun, damit sie sich besser f\u00fchlte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immenser Aufwand ohne Dank<\/strong><\/p>\n<p>Ohne es zu bemerken, beginnen viele Frauen daher, mit kleineren und gr\u00f6\u00dferen Aktionen die m\u00e4nnlichen Klischees und Rituale in Unternehmen zu verst\u00e4rken. Damit versuchen sie die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der M\u00e4nner auf sich zu lenken, von denen ihre berufliche Zukunft abh\u00e4ngt. Sie beobachten genau, ob und inwieweit sie von den M\u00e4nnern unterst\u00fctzt werden. Den Dank aber, den sie sich erwarten, erhalten sie kaum, ihr immenser Aufwand wird in den seltensten F\u00e4llen ausreichend beachtet. Daher versuchen diese Frauen noch mehr zu leisten. Sie opfern unz\u00e4hlige Wochenenden, um an Fortbildungsseminaren teilzunehmen, einzig und allein zur Verbesserung ihrer Qualifikationen, die ja gewinnbringend f\u00fcr die M\u00e4nner sein sollen. Am Ende wundern sie sich, dass diese trotzdem nicht mehr auf sie reagieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die doppelte Selbstaufgabe<\/strong><\/p>\n<p>Solche Frauen opfern Teile ihrer weiblichen Identit\u00e4t. Sie springen sogar \u00fcber den Schatten ihrer weiblichen Geschlechterrolle. Durch diese doppelte Selbstaufgabe ist es f\u00fcr altruistische Frauen nicht leicht, wieder zu sich zu finden. Das kann nur \u00fcber einen authentischen Neuanfang klappen, \u00fcber das Erkennen und Akzeptieren dessen, was jede Frau menschlich (und nicht als Geschlechterrolle) ausmacht. Und \u00fcber ein Begreifen, dass M\u00e4nner diese Form weiblichen Entgegenkommens nicht als Hilfe wahrnehmen, sondern als Anbiederung oder sogar als ungebetene Einmischung, die man sich vom Hals halten muss. M\u00e4nner wollen gar keine Hilfe, im Extremfall empfinden sie das sogar als Bedrohung, denn es widerspricht der m\u00e4nnlichen Geschlechterrolle, Unterst\u00fctzung zu brauchen und anzunehmen \u2013 noch dazu von einer Frau. Das w\u00fcrde Schw\u00e4che signalisieren \u2013 ein schon erw\u00e4hnter neuralgischer Punkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gefalltochter oder Leistungstochter?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sich Frauen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit hilfsbereit verhalten, kann das M\u00e4nnern richtig auf die Nerven gehen. Sie f\u00fchlen sich bedr\u00e4ngt, weisen die Frauen zur\u00fcck und reagieren mit dem Gegenteil des Erwarteten: mit Aufmerksamkeitsentzug n\u00e4mlich. Das aktiviert bei vielen Betroffenen eine Kindheitspr\u00e4gung: Das alte Seelentattoo aus der Verbindung mit dem Vater wird beispielsweise mit der aktuellen Berufserfahrung verkn\u00fcpft, denn das Verhalten vieler Frauen gegen\u00fcber m\u00e4nnlichen Kollegen (und Lebenspartnern) ist davon beeinflusst, wie der eigene Vater Aufmerksamkeitsanspr\u00fcche erwidert hat. Hatte ein M\u00e4dchen es schwer, vom Vater beachtet zu werden, kann sich eine Pers\u00f6nlichkeit herausbilden, die die Schweizer Psychologin Julia Onken \u00bbGefalltochter\u00ab (\u00bbIch gefalle, also bin ich\u00ab) oder \u00bbLeistungstochter\u00ab (\u00bbIch bin leistungsf\u00e4hig und erfolgreich, also bin ich\u00ab) nennt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiterer bedeutender Komplex beim Arbeits-Klischee ist das Sozialverhalten. So wurde festgestellt, dass sich M\u00e4dchen und Frauen aufgrund ihrer Konditionierung viel leichter auf vorgegebene soziale Verhaltensanforderungen einlassen k\u00f6nnen. Die Genderforscherin Alyssa Croft von der Universit\u00e4t British Columbia in Vancouver sagt hierzu, dass M\u00e4nner und Frauen bereits von Kindheit an unterschiedlich auf sozial vorgegebene Verhaltensweisen reagieren, die M\u00e4dchen eher auf \u00e4u\u00dfere Ver\u00e4nderungen genderbezogener Erziehungsweisen (sie lassen sich eher ein und passen ihr Verhalten an), die Jungen tun das nicht. Crofts Erkl\u00e4rung: \u00bbWeil die Stereotypen, welche das m\u00e4nnliche Verhalten dominieren (die Geschlechterrollen), viel rigider sind als die der Frauen.<\/p>\n<p>\u00abDaraus l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass genderbezogene Entwicklungen im Berufs- sowie im Privatleben eher durch Verhaltens\u00e4nderungen der Frauen eine Chance haben als durch solche von M\u00e4nnern. Ansatzpunkte w\u00e4ren die in der weiblichen Kindheit liegenden Beziehungspr\u00e4gungen mit M\u00e4nnern, besonders jene mit dem Vater oder \u00e4quivalenten Bezugspersonen. Es lohnt sich daher, die dazugeh\u00f6rigen Seelentattoos zu analysieren und bewusst zu machen.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf unseres Seminars beschwerte sich Evelyn abermals dar\u00fcber, dass M\u00e4nner weibliche Freundlichkeit und Kontaktaufnahme im Job \u00bbals sexuelle Aufforderung wahrnehmen und wom\u00f6glich bei n\u00e4chster Gelegenheit zur Tat schreiten w\u00fcrden\u00ab. Nicht nur, um m\u00e4nnlicher und h\u00e4rter zu wirken, sondern auch als Pr\u00e4vention h\u00e4tte sie sich einen betont k\u00fchlen Ton angew\u00f6hnt. \u00bbDurch mein reserviertes Verhalten signalisiere ich einem Mann von Beginn an, dass da nichts l\u00e4uft. Aber das ist anstrengend, weil ich eigentlich nicht so verschlossen bin. Ich flirte gerne, bin eher ein warmherziger Mensch, und manche Typen in der Firma finde ich auch ganz schnuckelig. Doch da geht gar nichts.<\/p>\n<p>\u00abFast alle beklagten sich daraufhin \u00fcber einen der schwierigsten Aspekte in der Zusammenarbeit mit M\u00e4nnern, n\u00e4mlich dass sie sich \u00fcber ihr Verhalten gegen\u00fcber den Frauen absolut nicht im Klaren seien.<\/p>\n<p>\u00bbSie scheinen \u00fcberhaupt nicht zu reflektieren, dass wir Frauen sind\u00ab, sagte Anne. \u00bbDas hat zur Folge, dass die wenigen Frauen bei uns in der Softwarefirma dazu neigen, sich den m\u00e4nnlichen Verhaltensweisen anzupassen, quasi als Tarnung.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gesetze allein befreien nicht<\/strong><\/p>\n<p>Das Arbeits-Klischee der Geschlechter l\u00e4sst sich in einem Satz definieren: Frauen geh\u00f6ren nicht in die M\u00e4nnerwelt von B\u00fcror\u00e4umen und Werkshallen. Nur zur Erinnerung: Erst seit 1977 darf eine Frau ohne Zustimmung ihres Mannes in Deutschland arbeiten. Bis 1959 konnte der Ehemann den Anstellungsvertrag seiner Frau selbstst\u00e4ndig k\u00fcndigen. Die Frau hatte also nicht nur einen Vorgesetzten in der Firma, sondern auch noch einen zu Hause. \u00bbDer Hang zur Unmoral, der jeder Frau latent innewohne, bed\u00fcrfe der Kontrolle und Umsicht eines \u203am\u00e4nnlichen\u2039 Familienoberhauptes\u00ab, so gibt die Geschlechterforscherin Gabriele Sobiech alte Statuten wieder.<\/p>\n<p>Die Frau st\u00f6rte also mit ihrer Weiblichkeit in der Berufswelt der M\u00e4nner und wurde m\u00f6glichst aus dieser ausgegrenzt. Die im Gott-Klischee beschriebene \u00dcberordnung der M\u00e4nner und ihre im Steinzeit-Klischee hervorgehobene Unterschiedlichkeit wird im Arbeits-Klischee mit Differenzen in der Leistungsf\u00e4higkeit erg\u00e4nzt. M\u00e4nnern wird von vornherein mehr berufliche Kompetenz zugetraut als Frauen. Allein dieses Vorurteil tr\u00e4gt dazu bei, dass der Druck auf Frauen steigt und sie dadurch benachteiligt sind.<\/p>\n<p>\u00bbStellt euch vor, ihr h\u00e4ttet mit Menschen zu tun, die alle glauben, dass ihr nicht so kr\u00e4ftig und leistungsf\u00e4hig seid wie sie\u00ab, sagte Anne, die Abteilungsleiterin einer Softwarefirma. \u00bbWie w\u00fcrde man sich dabei f\u00fchlen?\u00ab<\/p>\n<p>Ich versuchte, mir das vorzustellen, und kam zu dem Schluss, dass es ziemlich anstrengend sein musste, etwas zu bewerkstelligen, was einem andere nicht so richtig zutrauten. Sp\u00e4ter, bei einer Bergwanderung in den Alpen, machte ich einen Selbstversuch. Ich bat den Freund, mit dem ich unterwegs war, mir w\u00e4hrend des ganzen Tages Gr\u00fcnde zu nennen, warum diese Wanderung f\u00fcr mich viel schwieriger sei als f\u00fcr ihn. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit war ich derart ersch\u00f6pft, dass ich fast doppelt so viele Pausen brauchte wie er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der t\u00e4gliche Kampf gegen m\u00e4nnliche Vorurteile<\/strong><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr zur gleichen Zeit schickte mir eine \u00e4ltere Frau aus einer Kurklinik fast t\u00e4glich Briefe. Sie erz\u00e4hlte darin von ihrem Leben. Im Zentrum stand ihr Kampf gegen m\u00e4nnliche Vorurteile. \u00bbIch arbeitete zwanzig Jahre lang in Kanada im Management eines Tankstellenunternehmens\u00ab, schrieb sie. \u00bbDa gab es nur M\u00e4nner, die mir nichts zutrauten. Autofahrer, Lastwagenfahrer, Mechaniker, S\u00e4ufer. Ich glaube, das war es, was meine Gelenke krank gemacht hat. Dieser st\u00e4ndige Kampf, mich beweisen zu m\u00fcssen. Und nie die wirkliche Best\u00e4tigung zu bekommen. Es war eine Qual. Jetzt liege ich mit Rheuma in der Klinik, plage mich mit Pflegern ab. Das Gleiche in Gr\u00fcn. Wenn eine Pflegerin kommt, sehe ich, dass auch sie gegen Vorurteile der M\u00e4nner um sie herum ank\u00e4mpft, die ihr einfach weniger zutrauen w\u00fcrden. Diese Frauen werden dann besonders trotzig, verm\u00e4nnlichen sich oder ordnen sich unter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leistungsst\u00e4rkende Mittel \u00f6fter f\u00fcr Frauen<\/strong><\/p>\n<p>\u00ab Auch in der Frauengruppe sprachen wir noch weiter \u00fcber das mangelnde Zutrauen seitens m\u00e4nnlicher Mitarbeiter.<\/p>\n<p>\u00bbUnd was macht das mit euch? Was hat das f\u00fcr Konsequenzen? \u00ab, fragte ich.<\/p>\n<p>\u00bbDass ich das Gef\u00fchl habe, mehr leisten zu m\u00fcssen, um an das Level eines Mannes heranzukommen\u00ab, sagte Sophia.<\/p>\n<p>\u00bbDer Betriebsarzt hat mir sogar mal ein Mittel gegeben, damit ich leistungsf\u00e4higer bin, und dabei gesagt: \u203aDas wirkt, ist vor allem gut f\u00fcr Frauen, Streicheleinheiten f\u00fcrs Gehirn, versuchen Sie\u2019s mal.\u00ab<\/p>\n<p>Mittel, die leistungsst\u00e4rkend auf das Gehirn wirken, nennt man Neuro-Enhancer. Zwar ist die Nutzung dieses Gehirndopingmittels noch nicht weit verbreitet, in einer entsprechenden Untersuchung des Robert-Koch-Instituts hat sich aber gezeigt, dass berufst\u00e4tige Frauen zu einem Drittel mehr als berufst\u00e4tige M\u00e4nner ihre Leistungsf\u00e4higkeit mit Pillen zu verbessern versuchen. \u00bbChronischer Stress schadet nicht nur Herz und Magen, sondern auch dem Gehirn\u00ab, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Psychiatrischen Klinik an der Berliner Charit\u00e9. \u00bbFrauen, die sich gesund ern\u00e4hren und sich geistig und k\u00f6rperlich bewegen, brauchen keine Neuro-Enhancer.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Geschlechterforscher Heinz-J\u00fcrgen Voss attestiert den Menschen aufgrund seiner Forschungen eine \u00bbunendliche Geschlechtervielfalt \u00ab: \u00bbDurch den Blick auf die Prozesshaftigkeit und die sich damit darstellende Vielf\u00e4ltigkeit zeigt sich, dass sich alle Menschen voneinander unterscheiden. Es gibt also so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt. Das gilt selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr die Geschlechtsidentit\u00e4t.\u00ab Die franz\u00f6sische Neurobiologin Catherine Vidal best\u00e4tigt \u00c4hnliches f\u00fcr die Welt der Gehirne. Dennoch gehen die Geschlechter miteinander um, als k\u00f6nnten die Frauen nur das eine und die M\u00e4nner nur das andere.<\/p>\n<p>Die Geschlechterdifferenzierung f\u00fchrt in Unternehmen trotz gesetzlicher Gleichstellungsverordnung \u2013 oder gerade wegen ihr \u2013 immer wieder zu Spannungen. Einst haben die Geschlechter von vornherein in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet, gem\u00e4\u00df der ehernen Regel des Gott-Klischees waren die M\u00e4nner die Chefs, die Frauen die Sekret\u00e4rinnen, Buchhalterinnen oder Putzfrauen. Heute kollidiert der Gleichstellungsprozess\u00a0mit dem Unterschiedszwang der Geschlechterrollen. Wie soll man etwas gleich machen, was allgemein als unterschiedlich gilt? Mit dem Ergebnis, dass sich die \u00c4rztin, die das Stipendium erhalten hatte, sagen lassen musste: \u00bbDas haben Sie sicherlich nur bekommen, weil Sie eine Frau sind.\u00ab<\/p>\n<p>Der Klischeedruck auf M\u00e4nner und Frauen ist in der Berufswelt so stark, dass selbst dort, wo gar keine Unterschiede vorhanden sind, welche erzeugt werden. Die Zusammenarbeit beider Geschlechter muss im Sinne der Rollen konfliktbehaftet bleiben. W\u00fcrde man den Rollen diese aufgesetzten Formen der Unterscheidung wie einen unsichtbaren Vorhang wegziehen, w\u00fcrden sich Menschen gegen\u00fcberstehen. In meinen Augen eine wunderbare Herausforderung und Vision.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Archaische \u00c4ngste und Kurzschl\u00fcsse<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit von Mann und Frau ist heute mehr denn je problematisch. Da ihre Gleichstellung gesetzlich verordnet ist und sich nicht homogen entwickelt hat, nehmen viele M\u00e4nner das als \u00dcbergriff wahr und empfinden die Frauen als Eindringlinge in ihr Hoheitsgebiet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die M\u00e4nner in ihrer Not und in Ermangelung ausreichender Praxis und Erfahrung die Geschlechterunterschiede aus privaten Bereichen auf die Berufswelt \u00fcbertragen. Der Vorgang findet weitgehend unbewusst \u00fcber Seelentattoos statt. Unmerklich vermischt sich dadurch Privates und Berufliches, obwohl dies laut Arbeits-Klischee getrennt sein sollte. Aber auch Frauen projizieren wegen fehlender Erfahrungen private Verhaltensmuster und Erwartungen in ihre B\u00fcrosituation. Ebenfalls sind daf\u00fcr Seelentattoos und Altkonditionierungen verantwortlich. So lassen sich die teilweise irrationalen und bisweilen extremen \u00c4ngste von Frauen erkl\u00e4ren, dass M\u00e4nner sie k\u00f6rperlich fertigmachen k\u00f6nnten. Folgender Eindruck eines Angst erzeugenden und geschlechtertypischen Rollenverhaltens ergibt sich aufgrund des Arbeits-Klischees:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1. der Mann, der Chef \/ die Frau, die Untertanin<\/p>\n<p>2. der Mann, der T\u00e4ter \/ die Frau, das Opfer<\/p>\n<p>3. der Mann, der Wertvolle \/ die Frau, die weniger zum \u00dcberleben der Familie beitr\u00e4gt als der Mann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Degradierung kompensieren berufst\u00e4tige Frauen mit der Annahme m\u00e4nnlicher Verhaltensweisen, durch eine Vertaffung und mehr Leistungen.<\/p>\n<p>Die Betriebswissenschaftlerin Elena Sch\u00e4like ist eine talentierte Mathematikerin, die jung damit begann, Firmen weltweit zu beraten. Als Jugendliche besuchte sie eine Schule, in der mathematisch hochbegabte Kinder gef\u00f6rdert wurden. Dort kamen sechzig m\u00e4nnliche Sch\u00fcler auf sechs weibliche.<\/p>\n<p>\u00bbDabei wusste ich, dass viele M\u00e4dchen in Mathe exzellent waren\u00ab, erz\u00e4hlte sie mir w\u00e4hrend einer Skype-Sitzung. \u00bbAber viele Eltern gehen immer noch davon aus, dass Mathe nichts f\u00fcr M\u00e4dchen ist.\u00ab<\/p>\n<p>Als Elena Sch\u00e4like sp\u00e4ter mit ihrem damaligen Lebenspartner ein Unternehmen aufbaute, wunderte sie sich \u00fcber die Reaktion in der medialen Berichterstattung: Sie und ihr Partner hatten das Projekt gemeinsam entwickelt, doch in der Presse wurde fast immer nur ihr Lebensgef\u00e4hrte erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00e4nner-Worte haben mehr Gewicht<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDas war keine Ausnahme. Solche Situationen erlebte ich immer wieder. Sa\u00df ich in einer Besprechung mit gleicher Qualifikation neben einem Mann, so hatten seine Worte beim Gegen\u00fcber mehr Gewicht als meine.\u00ab<\/p>\n<p>Nach der Trennung von ihrem Mann lernte sie die Zusammenarbeit von M\u00e4nnern und Frauen in verschiedenen Kulturen kennen, wobei ihr mathematisches Talent abermals nicht immer von Vorteil war: \u00bbRechnete ich M\u00e4nnern vor, was sie nicht verstanden, war am Ende meistens ich diejenige, die die Probleme bekam. Ich wurde dann zu den weiteren Projektbesprechungen nicht mehr eingeladen.\u00ab<\/p>\n<p>Eine verbl\u00fcffende Erfahrung machte die Mathematikerin in Uganda, wo sie eine Vereinigung von Berufsschulen beim Fundraising und bei den Finanzen beriet. Dabei erfuhr sie, dass in dem Land Behinderte und Frauen gleicherma\u00dfen Anspr\u00fcche auf Sonderf\u00f6rderungen bei ihrer Ausbildung h\u00e4tten. Verantwortlich waren daf\u00fcr die weltweit g\u00fcltigen Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Verwendung von Geldern aus der internationalen Entwicklungshilfe. Der m\u00e4nnliche Nachwuchs wurde dagegen nicht unterst\u00fctzt, er war auf sich selbst gestellt. Die Folge war ein starker R\u00fcckgang hochqualifizierter m\u00e4nnlicher Arbeitskr\u00e4fte. Heute wird in Uganda ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der F\u00fchrungspositionen von Frauen bekleidet.<\/p>\n<p>Auf die Frage, welche Eindr\u00fccke sie allgemein im Verhalten von berufst\u00e4tigen M\u00e4nnern und Frauen gewonnen habe, sagte Elena Sch\u00e4like: \u00bbDie M\u00e4nner denken eindeutig mehr an sich selbst. Bei ihrer Karriere ist das pers\u00f6nliche Fortkommen zentral. F\u00fcr Frauen steht das Business als Ganzes eher im Vordergrund. Dazu z\u00e4hlen auch das Wohl der Mitarbeiter und wie sehr sich die Firma mit dem Nachhaltigkeitsgedanken auseinandersetzt. Das habe ich \u00fcberall und immer wieder beobachten k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauen sind sachlicher &#8211; und ecken genau damit bei M\u00e4nnern an<\/strong><\/p>\n<p>Heute betreibt die Finanzmanagerin ein Unternehmen, das Fu\u00dfballwetten mathematisch analysiert. In ihrer weltweit agierenden Firma stellt sie bevorzugt Frauen ein: \u00bbWeil die mehr die \u00dcbersicht behalten.\u00ab Und was sie besonders sch\u00e4tzt: \u00bbFrauen betrachten das Business als Familie, bei den M\u00e4nnern dreht sich alles um die eigene Selbstverwirklichung. Zudem sind Frauen sachlicher. Aber genau damit ecken sie bei den M\u00e4nnern auch an.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbFrauen sind sachlicher als M\u00e4nner?\u00ab, hakte ich nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Korruption &#8211; das m\u00e4nnlich Ph\u00e4nomen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbJa. Frauen stellen pers\u00f6nliche Befindlichkeiten zur\u00fcck, wenn es um die Firma als Familie geht.\u00ab Schlie\u00dflich f\u00fcgte Elena Sch\u00e4like noch hinzu: \u00bbAufgrund meiner mathematischen F\u00e4higkeiten kann ich finanzielle Zusammenh\u00e4nge sehr schnell durchschauen. Immer wieder wurde ich engagiert, um die Bilanzen von Regierungsstellen oder Firmen auf korruptionsspezifische Anhaltspunkte zu untersuchen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass Korruption ein m\u00e4nnliches Ph\u00e4nomen ist. Kaum habe ich eine wirklich korrupte Frau erlebt, zumindest nicht unter den R\u00e4delsf\u00fchrern.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Arbeits-Klischee \u2013 und m\u00e4nnerverst\u00e4rkende Gefallfrauen:\u00a0Christian Seidel hat zehn Kernklischees identifiziert, die urs\u00e4chlich daf\u00fcr sind, dass Frauen das Leben im Beruf wie in Partnerschaft und Familie h\u00e4ufig so schwer gemacht wird.\u00a0Buchauszug aus &#8222;Gender Key &#8211; wie sich Frauen in der &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/05\/10\/buchauszug-gender-key-wie-sich-frauen-in-der-maennerwelt-durchsetzen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6630,2851,1890,6629],"class_list":["post-662636","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gender-key-wie-sich-frauen-in-der-maennerwelt-durchsetzen","tag-ariston-verlag","tag-buchauszug","tag-christian-seidel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662636","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=662636"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662636\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=662636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=662636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=662636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}