{"id":662546,"date":"2016-09-18T23:46:47","date_gmt":"2016-09-18T21:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=662546"},"modified":"2016-09-19T12:21:29","modified_gmt":"2016-09-19T10:21:29","slug":"woydich-in-new-delhi-2-ein-wirtschaftsstudent-in-indien-strassenmarkierungen-interessieren-keinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/09\/18\/woydich-in-new-delhi-2-ein-wirtschaftsstudent-in-indien-strassenmarkierungen-interessieren-keinen\/","title":{"rendered":"Woydich in New Delhi (2): Ein Wirtschaftsstudent in Indien &#8211; Stra\u00dfenmarkierungen interessieren keinen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662381\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.serienfoto.vor1_.jpg\" alt=\"woydich.serienfoto.vor1\" width=\"650\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.serienfoto.vor1_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.serienfoto.vor1_-300x235.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.serienfoto.vor1_-383x300.jpg 383w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tobias Woydich, 26, studiert Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal, macht seinen Master und absolviert f\u00fcr\u00a0drei Monate ein Auslandssemester am Management Development Institute (MDI) in Gurgaon, einer Satellitenstadt 20 Kilometer von New Delhi entfernt. Folge 2.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur unter Einsatz des eigenen Lebens: Stra\u00dfen \u00fcberqueren<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt bin ich seit einer Woche in\u00a0Indien und die Woche war durchwachsen. Irgendwie muss man hier alles neu lernen. Beispiel Stra\u00dfenverkehr: Ein Zebrastreifen hei\u00dft keineswegs, dass irgendwann Autos anhalten, damit man \u00fcber die Stra\u00dfe gehen kann..Stattdessen muss man &#8211; genauso wie an jeder anderen Stelle der Stra\u00dfe &#8211; unter lautem Gehupe und gef\u00fchltem Einsatz des eigenen Lebens \u00fcber die staubigen Stra\u00dfen hechten. Dass man schon mal geschlagene f\u00fcnf Minuten z\u00f6gert, bis man sich traut, ist f\u00fcr uns Neuank\u00f6mmlinge v\u00f6llig normal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_662549\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662549\" class=\"size-full wp-image-662549\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.c.jpg\" alt=\"Haupteingang der Bibliothek an der Uni in Gurgaon\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.c.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.c-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-662549\" class=\"wp-caption-text\">Haupteingang der Bibliothek an der Uni in Gurgaon<\/p><\/div>\n<p>Die durchgehende Hitze ist anstrengend. Aber der Campus gleicht im Verh\u00e4ltnis zum sonstigen Treiben einer Urlaubsanlage. Auf den Stra\u00dfen schlendern die Studenten herum, viele B\u00e4ume spenden Schatten und die sch\u00f6nen Blumenbeete an jeder Ecke lassen den L\u00e4rm auf der Stra\u00dfe schnell vergessen. Ein Ruhepol.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Feudale Vorlesungsr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorlesungen sind f\u00fcr uns Austausch-Studenten &#8211; die anderen kommen aus Polen, Belgien,\u00a0Frankreich, D\u00e4nemark, Marokko und Italien &#8211;\u00a0nach deutschen Massst\u00e4ben eher Seminare. Au\u00dfer den Klausuren werden n\u00e4mlich auch die Mitarbeit in Vorlesungen und Pr\u00e4sentationen bewertet, es ist also verschulter. Daf\u00fcr gibt es hier statt Klappholzst\u00fchlen richtige B\u00fcrost\u00fchle &#8211; an die k\u00f6nnte ich mich gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662552\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.f.jpg\" alt=\"woydich2-f\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.f.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.f-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><br \/>\nAn die vielen Stra\u00dfenhunde hier habe ich mich schnell gew\u00f6hnt. H\u00e4tte ich das nicht, k\u00f6nnte ich mich wahrscheinlich im Zimmer einsperren. Sie sind n\u00e4mlich,\u00a0zumindest au\u00dferhalb des Campus,\u00a0quasi \u00fcberall. Am liebsten an einem schattigen Platz, wo sie in Ruhe schlafen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Menschen interessieren sich die Hunde nicht. Nicht mal im dicksten Gew\u00fchl, als ich mit Dutzenden von Menschen an einem Kiosk um Kaffee anstand, lie\u00dfen sich die Hunde st\u00f6ren. Der Kaffee kostet \u00fcbrigens nur zehn Rupie, also 14 Cent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662578\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2kuh.jpg\" alt=\"woydich2kuh\" width=\"366\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2kuh.jpg 366w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2kuh-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><\/p>\n<p>In den B\u00e4umen vor dem Balkon unseres Zimmers wohnen \u00fcbrigens mehrere gr\u00fcne Papageien. Ganz \u00e4hnliche wie die Papageienkolonien in K\u00f6ln oder D\u00fcsseldorf, nur deutlich gr\u00f6\u00dfer. Und nat\u00fcrlich sind auf den Stra\u00dfen K\u00fche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Affen kennen Zebrastreifen<\/strong><\/p>\n<p>Die lustigste Tier-Begegnung hatte ich jedoch gleich am ersten Wochenende in New Delhi an einem Parkplatz in einer sehr ruhige Gegend, im Vorzeigeviertel zwischen dem Parlament und India Gate. Zehn\u00a0Affen kamen von den B\u00e4umen, be\u00e4ugten uns misstrauisch\u00a0und liefen dann in verschiedene Richtungen fort. Einer von ihnen war so schlau und wusste, wie er den Zebrastreifen richtig benutzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662547\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.2.a.jpg\" alt=\"woydich-2-a\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.2.a.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.2.a-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich.2.a-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Viel Geduld f\u00fcr den Internetzugang<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor meiner Abfahrt wurde ich von allen Indien-Erfahrenen gewarnt, dass ich jede Menge Geduld mitbringen m\u00fcsste. Das ist\u00a0kein Problem, dachte ich &#8211; bis es zum Problem wurde. F\u00fcr den Internetzugang an der Uni musste ich meine MAC-Adresse,\u00a0eine Identifikationsnummer jedes Ger\u00e4ts,\u00a0abliefern &#8211; doch beim Versuch, mich einzuloggen, wurde mir der Zugang immer verweigert. In sechs Tagen wurde ich insgesamt 15 mal\u00a0im IT-B\u00fcro der Uni vorstellig und\u00a0immer wurde mir versichert, man habe schon freigeschaltet und der Internetzugang werde in den n\u00e4chsten Stunden funktionieren.<\/p>\n<p>H\u00e4tte mir nicht ein freundlicher indischer Kommilitone geholfen, m\u00fcsste ich vermutlich noch heute darauf warten: lustig war die Zeit ohne Internetzugang nicht, ohne wie gewohnt, \u00a0jederzeit mit jedem sprechen oder schreiben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Tuk-Tuks sind am schnellsten<\/strong><\/p>\n<p>Die drei g\u00fcnstigsten Verkehrsmittel sind die Metro, das Tuk-Tuk &#8211; offiziell: Autorikscha &#8211; und das Uber-Taxi,\u00a0das tats\u00e4chlich deutlich g\u00fcnstiger als die normalen Taxis ist. Nach den indischen Bahnstationen ist die Metro eine echte \u00dcberraschung &#8211; viel sauberer als die Stra\u00dfenbahnen deutscher Gro\u00dfst\u00e4dte. Uber-Taxis fahren hier in New Delhi keine Privatleute, sondern richtige Taxis. Nur dass die Fahrer oft kaum Englisch sprechen. Man h\u00e4lt sich also am besten daran, was die App sagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stra\u00dfenmarkierungen interessieren niemand<\/strong><\/p>\n<p>Die Fahrt mit dem Tuk-Tuk ist die lustigste und aufregendste Alternative. Da es keine W\u00e4nde und auch keine Gurte gibt, ist man mitten drin im dichten Stra\u00dfenverkehr und bekommt das Chaos und den L\u00e4rm hautnah mit. Markierungen auf der Stra\u00dfe beachtet kein Mensch selbst f\u00fcr die Fahrtrichtung gibt es spontane Ausnahmen. Das wichtigste Bauteil ist ohnehin die Hupe, die die Inder eigentlich immer und f\u00fcr alles einsetzen. Dass die Tuk-Tuks auf ihren drei R\u00e4dern so schmal sind, ist ein Vorteil. Die Staus sind an der Tagesordnung und die Tuk-Tuks passen durch jede L\u00fccke. Gerade bei k\u00fcrzeren Strecken sind sie oft die schnellsten Gef\u00e4hrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662551\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.e.jpg\" alt=\"woydich2-e\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.e.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.e-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.e-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fiel es es mir anfangs noch schwer, mit den Fahrern \u00fcber den Preis zu verhandeln, so macht es mir mittlerweile Spa\u00df. Sobald man am Stra\u00dfenrand Interesse an einer Fahrt zeigt, bildet sich sofort eine ganze Traube von Fahrern. Und dann l\u00e4uft es so: Die Fahrer forderten lautstark 100 Rupie und ich bot erstmal 50 Rupie. Nachdem ich mich mit einem von ihnen auf 70 Rupie geeinigt.habe, merkte ich dass es wohl ein guter Preis war: weil die anderen Fahrer meinen deshalb beschimpften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662550\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.d.jpg\" alt=\"woydich2-d\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.d.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/09\/woydich2.d-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reis kauft man hier im Supermarkt und zwar lose und aus diesen riesigen Kisten. Die Kunden f\u00fcllen sich die vielen verschiedenen Sorten selbst in T\u00fctchen ab und wiegen sie, um sie sp\u00e4ter an der Kasse zu bezahlen. Dort erlebte ich \u00fcbrigens eine \u00dcberraschung: Eine Meter von der Kasse entfernt steht am Ausgang ein Wachmann, der bei jedem Kunden den Kassenzettel mit den eingepackten Waren abgleicht. Zum Gl\u00fcck hatte ich den Kassenzettel eingepackt, was ich in Deutschland nie mache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Tobias Woydich, 26, studiert Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal, macht seinen Master und absolviert f\u00fcr\u00a0drei Monate ein Auslandssemester am Management Development Institute (MDI) in Gurgaon, einer Satellitenstadt 20 Kilometer von New Delhi entfernt. 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