{"id":662312,"date":"2016-08-26T01:28:27","date_gmt":"2016-08-25T23:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=662312"},"modified":"2016-08-28T15:23:00","modified_gmt":"2016-08-28T13:23:00","slug":"die-wertvollen-erfahrungen-der-gescheiterten-gastbeitrag-von-georg-kraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/08\/26\/die-wertvollen-erfahrungen-der-gescheiterten-gastbeitrag-von-georg-kraus\/","title":{"rendered":"Die wertvollen Erfahrungen der Gescheiterten &#8211; Gastbeitrag von Unternehmensberater Georg Kraus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer als Unternehmer scheitert, wird als Loser abgestempelt. Wer im Unternehmen ein Projekt gegen die Wand f\u00e4hrt, muss mit einem Karriere-Knick rechnen. Deshalb f\u00e4llt es vielen Menschen schwer, einzugestehen: Ich bin auf dem Holzweg. Unternehmensberater Georg Kraus von <a href=\"http:\/\/www.kraus-und-partner.de\">Kraus &amp; Partner<\/a> &#8211; zu seinen Referenzkunden z\u00e4hlen Adidas, W\u00fcrth oder die Hypovereinsbank &#8211; pl\u00e4diert f\u00fcr ein Umdenken. Oder besser: Genaues Hinsehen, denn auch misslungene Vorhaben liefern wertvolle Erfahrungen. Ein Gastbeitrag.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_662317\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662317\" class=\"size-full wp-image-662317\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Kraus_Georg_verschrankte_Arme_1MB-1.jpg\" alt=\"Georg Kraus\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Kraus_Georg_verschrankte_Arme_1MB-1.jpg 640w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Kraus_Georg_verschrankte_Arme_1MB-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Kraus_Georg_verschrankte_Arme_1MB-1-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-662317\" class=\"wp-caption-text\">Unternehmensberater Georg Kraus von der Unternehmensberatung Kraus &amp; Partner<\/p><\/div>\n<p>Jedes Jahr werden in Deutsch\u00adland circa 300.000 Unternehmungen gegr\u00fcndet, also mehr als 800 pro Tag. Erfolg hat aber nur jedes Zehnte. Das hei\u00dft: F\u00fcr 270.000 Jungunternehmer und Selbstst\u00e4ndige ist das Scheitern schon program\u00admiert.\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn sie scheitern? Sind die Gescheiterten dann stolz auf diese Erfahrung? Erz\u00e4hlen sie anderen davon, lecken ihre Wunden und starten gereift und gest\u00e4rkt neu durch? Eher selten. Wer in Deutschland scheitert, schweigt. Denn Scheitern erzeugt im besten Fall Mitleid, und im schlimmsten Fall ist der Misserfolg ein Brandmal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fuckup-Nights: \u00dcber Scheitern sprechen, befreit <\/strong><\/p>\n<p>Doch seit zwei, drei Jahren gibt es einen Trend, der mit diesem Tabu bricht. Die Mexikanerin Leticia Gasca hatte die Gesch\u00e4ftsidee, Kunsthandwerk \u00fcbers Internet zu verkaufen. Die Umsetzung scheiterte. Zun\u00e4chst hatte die junge Unternehmerin Hemmungen hier\u00fcber zu sprechen. Doch dann erz\u00e4hlte sie Freunden von ihrem Scheitern und merkte, wie wichtig es f\u00fcr sie war, diese Erfahrung zu teilen. So entstand die Idee von FuckUp-Nights \u2013 Treffen, bei denen Menschen, Geschichten von ihrem Scheitern erz\u00e4hlen. Immer mehr Personen kamen. Denn die Frauen und M\u00e4nner, die offen \u00fcber ihr Scheitern sprachen, erlebten dies als eine Katharsis. Sie wur\u00adden wieder frei von Scham, Angst und Selbstverurteilung. Frei f\u00fcr den n\u00e4chsten Versuch und Start.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Schockstarre abstreifen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen finden in zahlreichen Gro\u00dfst\u00e4dten diese Loser-Treffen regelm\u00e4\u00dfig statt: Storytelling, um das Erlebte zu verarbeiten und Misserfolge salonf\u00e4hig zu machen. Das ist eine wirksame Medizin, um die Schockstarre abzustreifen &#8211; und wieder aufzustehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><strong>Aus Angst, zu scheitern, gar nicht erst Risiken eingehen \u00a0<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Solche Runden sind n\u00f6tig \u2013 auch in Unternehmen. Denn viele F\u00fchrungskr\u00e4fte und Projekt-Manager, aber auch Mitarbeiter, die operative Verantwortung tragen, scheuen sich, Risi\u00adken einzugehen. Aus Angst zu scheitern, am Pranger zu stehen und das Stigma Loser auf der Stirn zu tragen.<\/p>\n<p>Jedoch: Wer soll in der Gesellschaft, in den Unternehmen noch herausfordernde Aufgaben \u00fcbernehmen und risikobehaftete Zukunfts-Entscheidungen treffen, wenn die Kultur toleriert wird, die das Scheitern verurteilt?<\/p>\n<p>Was wird dann aus dem Unternehmergeist, der Entdeckerfreude, dem Ver\u00e4nderungswillen, der Gesellschaft und Unternehmen voran treibt?<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Edison, der Erfinder der Gl\u00fchbirne, erhob das Fehler-Machen und Scheitern zum Prinzip. Als ein Mitarbeiter von ihm nach dem tausendsten Versuch, eine marktreife Gl\u00fchbirne zu entwickeln, sagte \u201eWir sind gescheitert&#8220;, soll Edison erwidert haben: \u201eIch bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine\u00a0Gl\u00fchbirne baut.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur wer Misserfolge erlebt, hat viel wertvolle Erfahrung<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Denken fehlt hierzulande. Es wird \u00fcbersehen, wie wertvoll die Erfahrungen sein k\u00f6nnen, die Menschen bei Misserfolgen sammeln. Dabei heben sie den Reifegrad und verbessern die Performance bei den nachfolgenden Versuchen \u2013 wenn die Erfahrungen reflektiert und verar\u00adbeitet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Damals, als ich mein Projekt krachend vor die Wand fuhr<\/strong><\/p>\n<p>Wer gescheitert ist, bekommen selten eine zweite Chance. Vielleicht sollte es auch in Unternehmen FuckUp-Nights geben, in denen Mitarbeiter freim\u00fctig berichten, wie sie zum Beispiel ein Projekt krachend gegen die Wand fuhren oder\u00a0eine Auftragschance so richtig vergeigten.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde au\u00dfer ihren K\u00f6pfen auch die K\u00f6pfe vieler ihrer Kollegen wieder freier machen, die in der st\u00e4ndigen Angst leben: \u201eDas darf mir nicht passieren, sonst&#8230;\u201c. Vermutlich w\u00fcrden solche Meetings einen Beitrag leisten dazu, dass Fehler als Chance gesehen werden und Personen, die auf dem Holzweg sind oder waren, sich und anderen eingestehen k\u00f6nnen: \u201eDas ist zwar dumm gelaufen, doch ich habe daraus viel gelernt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><strong>Gescheiterte Projekte = Karriere-Aus<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>In vielen Unternehmen bedeutet zum Beispiel ein gescheitertes Projekt noch das Karriere-Aus. Also wird das sich abzeichnende Scheitern so lange verschwiegen bis die Fehlentwicklung zum Himmel stinkt.<\/p>\n<p>Und bewirbt sich ein gescheiterter Selbstst\u00e4ndiger bei Unternehmen? Dann fassen ihn diese, wenn \u00fcberhaupt, mit Glac\u00e9handschuhen an. Sollten solche Bewerber nich tviel mehr einen Bonus bekommen? Haben sie doch Eigeninitiative bewiesen und wissen, wie man gewisse Dinge nicht machen sollte, um erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gezielte Fragen f\u00fcr Personaler<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich sollten die Personalverantwortlichen in den Unternehmen Bewerber, die sich f\u00fcr eine Position bewerben, die viel Eigeninitiative und -verantwortung erfordert, in Vorstellungsge\u00adspr\u00e4chen stets fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eSind Sie in Ihrem Berufs-Leben schon mal so richtig ge\u00adscheitert?\u201c. Und:<\/li>\n<li>\u201eWas haben Sie daraus gelernt?\u201c.<\/li>\n<li>Und wenn auf die erste Frage nichts kommt? Dann sollten sie sich ernsthaft fragen: Ist das der richtige Mitarbeiter f\u00fcr uns? Denn dann hat der Bewerber f\u00fcr seine k\u00fcnftige Position sehr wichtige Erfahrungen noch nicht gemacht. Oder er hat sie verdr\u00e4ngt. Oder er l\u00fcgt. In allen drei F\u00e4llen ist er wohl nicht der Richtige.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zum Autor: Kraus ist neben seiner T\u00e4tigkeit als Unternehmensberater auch\u00a0Lehrbeauftragter an der Universit\u00e4t Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence, der St. Gallener Business-School und der Technischen Universit\u00e4t Clausthal.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer als Unternehmer scheitert, wird als Loser abgestempelt. 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