{"id":662170,"date":"2016-08-12T01:16:09","date_gmt":"2016-08-11T23:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=662170"},"modified":"2016-08-17T11:48:56","modified_gmt":"2016-08-17T09:48:56","slug":"buchauszug-schluss-mit-den-psychospielchen-wie-man-manipulationstricks-durchschaut-und-sich-entzieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/08\/12\/buchauszug-schluss-mit-den-psychospielchen-wie-man-manipulationstricks-durchschaut-und-sich-entzieht\/","title":{"rendered":"Buchauszug &#8222;Schluss mit Psychospielchen&#8220;: Wie man Manipulationstricks durchschaut &#8211; und sich entzieht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug: &#8222;Schluss mit Psychospielchen&#8220; von Cornelia und Stephan Schwarz. Ihr Unternehmen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.schwarzschwarz.com\/\">Schwarz &amp; Schwarz<\/a> coacht und trainiert Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_662196\" style=\"width: 652px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662196\" class=\"size-full wp-image-662196\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/schwarzschwarz.jpg\" alt=\"Autorenduo Cornelia und Stephan Schwarz\" width=\"642\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/schwarzschwarz.jpg 642w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/schwarzschwarz-300x280.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/schwarzschwarz-321x300.jpg 321w\" sizes=\"auto, (max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><p id=\"caption-attachment-662196\" class=\"wp-caption-text\">Autorenduo Cornelia und Stephan Schwarz<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verfolgerspiele: Ich bin okay, die anderen sind nicht okay<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Anklagetaktik:\u00a0<\/strong><strong>\u00bbSie machen alles falsch!\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Susanne, 43, leitet eine Eventagentur, die sich auf Mottopartys spezialisiert hat. Vom mediterranen Brunch bis zur Halloweenparty kann man so ziemlich alles bei ihr buchen. Das Team besteht aus zw\u00f6lf Mitarbeitern, die vom ersten Ideenbrainstorming \u00fcber die Planung bis zur Durchf\u00fchrung der Veranstaltungen alle Phasen gestalten. Wer hier arbeitet, hat einen interessanten Job, keine Frage. Allerdings muss man echte Nehmerqualit\u00e4ten beweisen, wenn es kurz vor dem jeweiligen Event hektisch wird.<\/p>\n<p>Obwohl jeder hoch motiviert ist und auch mal zw\u00f6lf Stunden durcharbeitet, kommt es immer wieder zu kritischen Momenten. Susanne beteuert zwar gern, sie sei eine \u00fcberzeugte Teamworkerin und lege Wert auf flache Hierarchien. In Stresssituationen wird sie jedoch zur gnadenlosen Ankl\u00e4gerin. Vor Kurzem war mal wieder Melanie dran, eine langj\u00e4hrige, erfahrene Mitarbeiterin, die f\u00fcrs Catering zust\u00e4ndig ist. Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung inspizierte die Chefin das Buffet. Und schon flippte sie aus. \u00bbFalsch! Sie machen alles falsch!\u00ab, fuhr sie Melanie an. Nichts fand Gnade vor ihren Augen. Dabei war jedes Detail abgesprochen.<\/p>\n<p>\u00bbDie Servietten haben nicht den richtigen Farbton! Die Blumendeko ist geschmacklos! Die Hintergrundmusik ist viel zu laut!\u00ab Melanie wurde blass. \u00bbAber \u2026\u00ab \u00bbNichts aber!\u00ab, fuhr Susanne dazwischen, die die junge Frau ohne jede Hemmung vor den anderen Mitarbeitern blo\u00dfstellte. \u00bbMein Gott, wenn man nicht alles selber macht! Sie produzieren wirklich nur Fehler!\u00ab Am n\u00e4chsten Tag ging es in der Agentur weiter, wieder vor Publikum. Und das, obwohl die Veranstaltung ein voller Erfolg gewesen war. Wie eine Staatsanw\u00e4ltin schleuderte Susanne ihrer Mitarbeiterin eine Anklage nach der anderen an den Kopf. Einfach entw\u00fcrdigend.<\/p>\n<p><strong>Verfolgerspiel Gerichtssaal: Die Blo\u00dfstellung vor Publikum als Prinzip<\/strong><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sich Melanie am Tag darauf krankmeldete. Erst nach zwei Wochen kehrte sie zur\u00fcck und \u00fcberreichte ihrer v\u00f6llig verdutzten Chefin das K\u00fcndigungsschreiben. \u00bbIhnen kann man nichts recht machen\u00ab, begr\u00fcndete sie ihren Weggang. \u00bbAu\u00dferdem haben Sie mich vor den anderen gedem\u00fctigt.\u00ab Susanne stritt das vehement ab. Doch es war zu sp\u00e4t. Melanie hatte einen Therapeuten konsultiert, der ihr bescheinigte, dass die wiederkehrenden Attacken am Arbeitsplatz in eine Depression gef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Das Verfolgerspiel \u00bbAnklage\u00ab nennt man auch \u00bbGerichtssaal\u00ab, weil es die Blo\u00dfstellung vor Publikum zum Prinzip macht. Dabei schwingt sich der Verfolger auf ein Richterpodest und behauptet, zweifelsfrei \u00fcber Richtig und Falsch urteilen zu k\u00f6nnen. Jede Abweichung von der eigenen Meinung wird als Fehler oder gar Vergehen gebrandmarkt. Spielr\u00e4ume existieren nicht. Selbst dort, wo von Mitarbeitern Eigeninitiative und Kreativit\u00e4t gefordert sind, pocht der Verfolger auf angeblich unverr\u00fcckbare Regeln \u2013 die er willk\u00fcrlich festlegt. Das Besondere ist: Der Ankl\u00e4ger unterscheidet nicht zwischen Dingen, f\u00fcr die jemand faktisch zust\u00e4ndig ist, und solchen, die derjenige gar nicht zu verantworten hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-662171\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/cover.dtv_.psychospielchen-193x300.jpg\" alt=\"cover.dtv.psychospielchen\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/cover.dtv_.psychospielchen-193x300.jpg 193w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/cover.dtv_.psychospielchen.jpg 418w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Schluss mit\u00a0Psychospielchen&#8220; von Cornelia &amp; Stephan Schwarz, dtv Verlagsgesellschaft, M\u00fcnchen, Juli 2016, 240 Seiten, 14,90 Euro: <a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/cornelia-schwarz-stephan-schwarz-schluss-mit-psychospielchen-26115\/\">https:\/\/www.dtv.de\/buch\/cornelia-schwarz-stephan-schwarz-schluss-mit-psychospielchen-26115\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es geht nur darum, den Rang der Verfolgers zu erh\u00f6hen &#8211; nicht um die Sache<\/strong><\/p>\n<p>Es geht auch gar nicht um die Sache. Sondern vielmehr darum, jemandem die gesamte Verantwortung und damit auch die gesamte Schuld f\u00fcr vermeintliche Fehler zuzuschieben \u2013 und zwar vor anderen. Das erh\u00f6ht den Rang des Verfolgers. Sobald er sich als oberster Richter aufspielt, kann er seinen Narzissmus ungebremst ausleben. Oft stellt der Ankl\u00e4ger die Warum-Frage, also zum Beispiel: \u00bbWarum haben Sie die falschen Servietten ausgesucht? \u00ab Auf diese Suggestivfrage k\u00f6nnte das Opfer letztlich nur antworten: \u00bbWeil ich bl\u00f6d bin und keine Ahnung habe.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau diese Ausweglosigkeit macht das Anklagespiel so grausam. Der unterlegene Gespr\u00e4chspartner sitzt von vornherein auf der Armes\u00fcnderbank. Erkl\u00e4rungen sind nicht erw\u00fcnscht, Argumente schon gar nicht, Kompromisse sind ausgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Spielgewinne f\u00fcr den Verfolger:<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Der Verfolger stilisiert sich zum obersten Richter.<\/p>\n<p>\u2022 Der Verfolger befriedigt seine narzisstische Eitelkeit durch seinen Sieg vor Publikum.<\/p>\n<p>\u2022 Der Verfolger kann willk\u00fcrliche Regeln aufstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Spielverluste f\u00fcr das Opfer:<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 Das Opfer verliert sein Gesicht, weil es in Gegenwart anderer abgekanzelt wird.<\/p>\n<p>\u2022 Das Opfer unterliegt der Suggestion der Richtig\/Falsch-Klassifizierung.<\/p>\n<p>\u2022 Das Opfer kann sein Handeln nicht rechtfertigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fragen, die Sie sich stellen sollten, falls Ihnen solche Situationen bekannt vorkommen:<\/strong><\/p>\n<p>\u2022 F\u00fchlen Sie sich h\u00e4ufig von jemandem blo\u00dfgestellt?<\/p>\n<p>\u2022 Werden Sie in die Rolle des \u00bbarmen S\u00fcnders\u00ab gedr\u00e4ngt, der eine \u00f6ffentliche Bestrafung verdient hat?<\/p>\n<p>\u2022 Sp\u00fcren Sie die Skepsis oder sogar die Verachtung anderer, die Zeuge Ihrer Dem\u00fctigung sind?<\/p>\n<p>\u2022 Ist Scham ein Dauerzustand geworden?<\/p>\n<p>\u2022 Sind Sie verunsichert, weil Sie sich nicht mehr zutrauen, das \u00bbRichtige\u00ab zu tun?<\/p>\n<p>\u2022 Sinkt Ihre Motivation, weil Sie Angst haben, neue \u00bbFehler\u00ab zu machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Spielausstieg \u2013 klares Feedback<\/strong><\/p>\n<p>Gleich mehrere Entwertungen sind hier manifest. Sie beginnen mit dem beleidigenden Ton, setzen sich fort in dem Urteil, das Opfer mache \u00bballes\u00ab falsch, und steigern sich durch die \u00f6ffentliche Anklage. Dem\u00fctigungen vor Publikum machen den Spielausstieg besonders dringlich. Melanie hat den Schlussstrich gezogen und gek\u00fcndigt. Die Alternative w\u00e4re ein klares Feedback gewesen, in dem sie deutlich Grenzen zieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Phase 1: Beschreibung der Sachlage &#8211; und den K\u00f6rper kontrollieren<\/strong><\/p>\n<p>Skript: \u00bbMir ist aufgefallen, dass Sie sagen, ich mache alles falsch. H\u00e4ufig schieben Sie mir die Verantwortung f\u00fcr Dinge zu, bei denen ich gar nicht federf\u00fchrend bin \u2013 erstens beim Projekt Schmidt, zweitens beim Projekt Huber, drittens beim Projekt Maier.\u00ab<\/p>\n<p>K\u00f6rpersprache: Melanie hatte sich angew\u00f6hnt, zu Boden zu blicken, wenn sie beschuldigt und besch\u00e4mt wurde. Jetzt sieht sie ihrer Chefin direkt in die Augen. Sie dr\u00fcckt die Brust etwas heraus und richtet sich zu ihrer vollen Gr\u00f6\u00dfe auf.<\/p>\n<p>Tonfall: Melanie kontrolliert ihre Stimme durch regelm\u00e4\u00dfiges Atmen, damit sie nicht zittert. Das Tempo ist normal, die Stimmlage bewegt sich im unteren Bereich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Phase 2: Beschreibung der eigenen Gef\u00fchle\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Skript: \u00bbIch bin erschrocken, wie aggressiv Sie mich behandeln.\u00ab<\/p>\n<p>K\u00f6rpersprache: Ohne ihre aufrechte Haltung aufzugeben, bewegt sich Melanie: Sie kreuzt die Arme vor der Brust. So sp\u00fcrt sie ihre Angst und ihre Verletzung, sch\u00fctzt sich jedoch gleichzeitig.<\/p>\n<p>Tonfall: Melanie wechselt in einen leiseren Ton, ohne ins Jammern zu verfallen. Ihre Stimmlage ist daher bewusst tief gew\u00e4hlt. Den Schl\u00fcsselbegriff \u00bberschrocken\u00ab spricht sie lauter aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Phase 3: Beschreibung der Zielvorstellung &#8211; Grundregeln des Arbeitslebens<\/strong><\/p>\n<p>Skript: \u00bbIch m\u00f6chte, dass Sie damit sofort aufh\u00f6ren. Au\u00dferdem m\u00f6chte ich, dass Anweisungsgespr\u00e4che unter vier Augen gef\u00fchrt werden.\u00ab<\/p>\n<p>K\u00f6rpersprache: Melanies Arme liegen jetzt seitlich am K\u00f6rper. Damit signalisiert sie Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>Tonfall: Der neutrale Tonfall, in dem Melanie spricht, verweist auf die professionelle Ebene. Ihre Zielvorstellungen klingen dadurch weniger nach pers\u00f6nlichen W\u00fcnschen, sondern vielmehr wie Grundrechte und Grundregeln des Arbeitslebens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorsicht, Dramarollen!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Gefahr bei Verfolgerspielen lauert darin, dass Sie durch den unertr\u00e4glichen Druck vom Opfer zum Verfolger werden. Verwerflich? Nein, menschlich. Wenn Sie in die Enge getrieben werden, sp\u00fcren Sie logischerweise den Wunsch, irgendwann zur\u00fcckzuschlagen. Souver\u00e4nit\u00e4t gewinnen Sie damit allerdings nicht. Vielmehr hat es der Verfolger dann geschafft, Sie zu manipulieren. Sie sind nicht bei sich, Sie sind nicht Sie selbst \u2013 sondern ein fremdgesteuerter Mitspieler im Drama.<\/p>\n<p>Der Rollenwechsel k\u00fcndigt sich durch typische Alarmzeichen an. Gehen Sie die folgenden Fragen durch und kreuzen Sie an, was auf Sie zutrifft:<\/p>\n<p>\u2022 Sind Sie oft ver\u00e4rgert \u00fcber andere?<\/p>\n<p>\u2022 Haben Sie in letzter Zeit h\u00e4ufig Wutausbr\u00fcche?<\/p>\n<p>\u2022 Sp\u00fcren Sie den Impuls, andere zu drangsalieren?<\/p>\n<p>\u2022 Macht es Ihnen Freude, andere zu belehren?<\/p>\n<p>\u2022 Gehen Ihnen andere Menschen schnell auf die Nerven?<\/p>\n<p>\u2022 Werden Sie schon mal lauter, wenn Sie Ihre Meinung \u00e4u\u00dfern?<\/p>\n<p>\u2022 Haben Sie das Gef\u00fchl, Sie m\u00fcssten andere f\u00fchren und dominieren, weil sie so schwach sind?<\/p>\n<p>\u2022 Erkennen Sie h\u00e4ufig Fehler der anderen und sprechen sie darauf an?<\/p>\n<p>\u2022 M\u00f6chten Sie manchmal am liebsten den ganzen Laden zusammenbr\u00fcllen?<\/p>\n<p>\u2022 Schimpfen Sie innerlich oft auf andere?<\/p>\n<p>\u2022 Finden Sie, Ihre Kollegen m\u00fcssten besser kontrolliert werden?<\/p>\n<p>\u2022 Denken Sie, dass es bei der Arbeit und im Privatleben besser laufen w\u00fcrde, wenn Sie alles selbst machen w\u00fcrden? Wenn Sie mehr als drei Kreuze gemacht haben, sollten Sie dar\u00fcber nachdenken, welche Verfolger es in Ihrem Leben gibt, die Sie derart provozieren, dass Sie selber Verfolgersymptome zeigen. Wer wertet Sie ab? Wie tut er das? Wie ver\u00e4ndern sich Ihre Gef\u00fchle und Ihr Verhalten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erste L\u00f6sungsperspektiven: nicht auf Psychospiele einlassen<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung von Verfolgerspielen erscheint fast aussichtslos \u2013 so festgefahren sind die Machtverh\u00e4ltnisse, so emotional aufgeladen ist die gesamte Kommunikation. Und in der Tat erscheint es den meisten Leuten als unwahrscheinlich, irgendetwas am allt\u00e4glichen Drama \u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Wie denn auch? Verfolger \u00fcben eine beachtliche Macht aus. Man will es sich nicht mit ihnen verderben, aus Angst, noch mehr einstecken zu m\u00fcssen. Solange man den eigenen Hang zum Drama nicht wahrnimmt, wird man immer wieder vom Dramapartner in Psychospiele hineingezogen. Sobald Sie sich auf Verfolgerspiele einlassen, verhalten Sie sich vermutlich als Opfer, irgendwann drehen Sie den Spie\u00df vielleicht um und werden selbst zum Verfolger. Da hilft nur der Ausstieg aus dem Dramaspiel. Das Ziel ist eine neutrale Haltung und die Bewahrung der eigenen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Skripte im Dialog ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>Wir zeigen Ihnen jetzt zwei Versionen einer typischen Verfolgersituation. Das Problem: Ein Angestellter hat eine wichtige Arbeit nicht erledigt, sehr zum Missfallen des deutlich \u00e4lteren Chefs. Die erste Variante: Der Chef tobt, der Angestellte verteidigt sich, beide werden ausfallend, der Konflikt eskaliert. In der zweiten Variante gelingt ein ruhiger, respektvoller Austausch ohne emotionale Altlasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Variante 1 &#8211; Vorw\u00fcrfe statt L\u00f6sungssuche<\/strong><\/p>\n<p>Chef (Verfolger, spricht mit schneller, erregter Stimme):\u00a0\u00bbIch wollte die aktuellen Umsatzzahlen! Aber Sie haben diese Sache schon wieder nicht erledigt! Nie schaffen Sie Ihr Pensum! Ich wei\u00df nicht, wie ich mit Ihnen weitermachen soll! Sie sind immer der Langsamste von allen!\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter (Opfer, spricht mit leidender Stimme):\u00a0\u00bbAber ich hatte doch so viel zu tun. Ich konnte es gar nicht schaffen.\u00ab<\/p>\n<p>Chef:\u00a0\u00bbJetzt jammern Sie mir nicht die Ohren voll! Sie kosten viel Geld und bringen nichts zustande. Das nervt!\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter:\u00a0\u00bbEs ist einfach zu viel Arbeit im Moment, die anderen haben auch nicht alles geschafft.\u00ab<\/p>\n<p>Chef:\u00a0\u00bbWas haben die anderen damit zu tun? Konzentrieren Sie sich gef\u00e4lligst auf Ihre Aufgaben! Als ich so alt war wie Sie, habe ich mir f\u00fcr diese Firma jeden Tag den Arsch aufgerissen, sonst w\u00e4re nie was daraus geworden!\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter (wechselt in den Verfolgermodus):\u00a0\u00bbAch, h\u00f6ren Sie doch auf mit diesen bl\u00f6den alten Geschichten, wie toll fr\u00fcher alles war. Sie kochen auch nur mit\u00a0Wasser.\u00ab<\/p>\n<p>Chef (wechselt ins Opfer):\u00a0\u00bbMein Gott, kann mal irgendwer anerkennen, was ich f\u00fcr diese Firma getan habe? Sie haben ja keine Ahnung, welche Opfer ich daf\u00fcr bringen musste.\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter (h\u00f6hnisch, weiterhin Verfolger):\u00a0\u00bbMir kommen gleich die Tr\u00e4nen.\u00ab<\/p>\n<p>Chef (wieder im Verfolgermodus):\u00a0\u00bbJetzt reicht es aber. Noch ein Wort, und Sie bekommen Ihre K\u00fcndigung!\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter (weiterhin im Verfolgermodus):\u00a0\u00bbMir doch egal, dann gehe ich eben! Sie sind sowieso ein unterirdischer Chef. Einen wie Sie sollte man feuern, nicht mich.\u00ab<\/p>\n<p>Das ist Drama pur. Eigentlich m\u00f6chte der Chef nur eine Aufstellung von Umsatzzahlen. Dass sie nicht da sind, \u00e4rgert ihn verst\u00e4ndlicherweise. Doch statt nach einer L\u00f6sung zu suchen, hagelt es Vorw\u00fcrfe im klassischen Verfolgerstil.<\/p>\n<p>Der Angestellte hingegen begibt sich sofort in die Opferrolle, statt eine L\u00f6sung anzubieten. \u00bbIch konnte es nicht schaffen\u00ab signalisiert Schw\u00e4che, aber auch Verweigerung. Eine Front entsteht, eine L\u00f6sung r\u00fcckt in weite Ferne. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um das Verfolger-Opfer-Spiel. Entsprechend bezeichnet der Chef die Opfer-Argumentation als \u00bbJammern\u00ab. Und genauso folgerichtig stellt der Chef die Kompetenz, ja, den gesamten Job des Angestellten infrage. Am Ende wechselt das Opfer in die Verfolgerrolle: Es schl\u00e4gt zur\u00fcck. Jetzt ist der Bruch unausweichlich, weil die gegenseitige Akzeptanz aufgek\u00fcndigt wird. Schauen wir uns also an, wie bei der gleichen Ausgangssituation eine dramafreie Auseinandersetzung aussehen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Variante 2 &#8211; kein Degradieren, Begegnen auf Augenh\u00f6he<\/strong><\/p>\n<p>Chef (mit neutraler \u203aTagesschau\u2039-Stimme):\u00a0\u00bbLieber Herr Meier, ich hatte Sie am Freitag um 10 Uhr gebeten, die Umsatzzahlen des Kunden Berger zu \u00fcberpr\u00fcfen. Unsere gemeinsame Vereinbarung bestand darin, dass Sie diese Aufgabe bis heute Morgen um 11 Uhr erledigen. Ist das richtig?\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter (ebenfalls mit neutraler Stimme):\u00a0\u00bbJa, stimmt.\u00ab<\/p>\n<p>Chef: \u00bbIch brauche diese Zahlen, weil ich um 15 Uhr mit Herrn Berger ein Meeting habe, bei dem die aktuellen Ums\u00e4tze die Grundlage f\u00fcr Expansionspl\u00e4ne sind. Doch die Zahlen sind nicht da. Ich f\u00fchle mich gestresst und bin ver\u00e4rgert.\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter:\u00a0\u00bbDas kann ich nachvollziehen, und es tut mir leid. Mir war nicht bewusst, dass ich Sie in eine so dumme Situation bringe.\u00ab<\/p>\n<p>Chef:\u00a0\u00bbIch erwarte, dass Sie sich sofort hinsetzen, die Zahlen aufbereiten und mir in einer Stunde zukommen lassen, damit ich mich ad\u00e4quat vorbereiten kann.\u00ab<\/p>\n<p>Angestellter:\u00a0\u00bbOkay, ich erledige das sofort.\u00ab<\/p>\n<p>Dieser Dialog l\u00e4uft ganz anders als der erste. Die Aussagen sind klar und unmissverst\u00e4ndlich. Hart in der Sache, aber weder abwertend noch beleidigend. Warum? Von Anfang an holt der Chef seinen Angestellten mit ins Boot. Er erinnert ihn an eine gemeinsame Absprache, degradiert ihn also nicht zum subalternen Befehlsempf\u00e4nger, sondern begegnet ihm auf Augenh\u00f6he. Er nimmt ihn als gleichwertigen Partner wahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gutes Selbstmanagement und Transparenz&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Zugleich ist der Chef emotional authentisch, denn er sagt offen, dass die fehlenden Zahlen ihn stressen und \u00e4rgern. Solche \u00c4u\u00dferungen zeugen von einem guten Selbstmanagement. Statt den \u00c4rger in einen Angriff zu verwandeln, bleibt er sich selbst treu. Er kommuniziert die Folgen, die sich aus den fehlenden Unterlagen ergeben. Diese Transparenz ist die Basis daf\u00fcr, dass eine sachbezogene L\u00f6sung gefunden wird. Gef\u00fchle m\u00fcssen also nicht unterdr\u00fcckt werden. Man muss nur lernen, sie ad\u00e4quat und ohne Angriffe zu artikulieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230; er\u00fcbrigen opfertypische Ausfl\u00fcchte und erm\u00f6glichen L\u00f6sungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Angestellte wiederum versteckt sich nicht hinter opfertypischen Ausfl\u00fcchten. Er sp\u00fcrt ja: Trotz seines Fehlverhaltens steht seine Zugeh\u00f6rigkeit zum Team au\u00dfer Frage. Er ist eingebunden, begreift, dass er durch sein Vers\u00e4umnis ein Meeting gef\u00e4hrdet. Da der Chef nicht als Verfolger auftritt, muss sich der Angestellte auch nicht als Opfer auff\u00fchren. Er kann seinen Fehler zugeben und das abschlie\u00dfende L\u00f6sungsangebot des Chefs annehmen. Ohne Gesichtsverlust, wohlgemerkt, denn die neuerliche Vereinbarung ist einvernehmlich und erfolgt ohne Diffamierungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus: Cornelia &amp; Stephan Schwarz: Schluss mit Psychospielchen.<\/p>\n<p>\u00a9 2016 dtv Verlagsgesellschaft, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dtv.de\/buecher\/schluss_mit_psychospielchen_26115.html\">http:\/\/www.dtv.de\/buecher\/schluss_mit_psychospielchen_26115.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug: &#8222;Schluss mit Psychospielchen&#8220; von Cornelia und Stephan Schwarz. Ihr Unternehmen\u00a0Schwarz &amp; Schwarz coacht und trainiert Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte. &nbsp; &nbsp; &nbsp; Verfolgerspiele: Ich bin okay, die anderen sind nicht okay Die Anklagetaktik:\u00a0\u00bbSie machen alles falsch!\u00ab Susanne, 43, leitet eine &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/08\/12\/buchauszug-schluss-mit-den-psychospielchen-wie-man-manipulationstricks-durchschaut-und-sich-entzieht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5918,1890,5909,302,5910],"class_list":["post-662170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-schluss-mit-psychospielchen","tag-buchauszug","tag-cornelia-schwarz","tag-dtv","tag-stephan-schwarz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=662170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/662170\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=662170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=662170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=662170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}