{"id":662116,"date":"2016-08-21T16:34:53","date_gmt":"2016-08-21T14:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=662116"},"modified":"2016-08-21T16:34:53","modified_gmt":"2016-08-21T14:34:53","slug":"sammeln-sich-ratten-oder-leiden-mitarbeiter-gemeinsam-und-still","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/08\/21\/sammeln-sich-ratten-oder-leiden-mitarbeiter-gemeinsam-und-still\/","title":{"rendered":"Sammeln sich Ratten oder leiden Mitarbeiter gemeinsam und still?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Viele Angestellte haben eine schwache Position oder sehen sich so &#8211; tyrannische Chefs fliegen dann erst sehr sp\u00e4t auf.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es gibt gute und schlechte Pl\u00e4tze zum Arbeiten&#8220;, sagt meine Freundin Juliana immer. Und dass man die schlechten eben verlassen m\u00fcsse, so einfach sei das.<\/p>\n<p>Sicher, allzu oft ist eben genau das Verlassen nicht so einfach: wenn jemand schon \u00fcber 40 Jahre alt ist und wegen des Alterdiskriminierungswahns der allermeisten Unternehmen nicht mal in die Endrunde eines Auswahlverfahrens kommt. Oder weil man eben nicht von heute auf morgen in einer anderen Stadt anfangen kann. Oder weil man in einer Krisenbranche arbeitet, wo konkrete Stellenangebote praktisch sowieso nicht vorkommen. Oder. Oder. Oder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Stammtisch der Gesch\u00e4digten<\/strong><\/p>\n<p>Wie mies manchmal Chefs ihre Leute behandeln, jahrelang und von der \u00d6ffentlichkeit oder im eigenen Unternehmen sogar unentdeckt, ist erstaunlich: Zum Beispiel: Mehrere Ex-Mitarbeiter der Politikerin Petra Hinz, Bundestagsabgeordneten, brauchten deshalb eine Psychotherapie, schrieb <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/32\/petra-hinz-spd-essen-jusos\">&#8222;Zeit.de&#8220;<\/a>:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dort gab sich noch eine weitere Petra Hinz zu erkennen, die herrische Chefin. Es konnte passieren, dass sich ihre Mitarbeiter, wollten sie zur Toilette, bei Hinz ab- und danach wieder anmelden mussten. Von Telefonaten musste f\u00fcr sie oft ein Wortlaut-Protokoll angefertigt und ihr vorgelegt werden. An einen &#8222;Gulag&#8220; erinnern sich ehemalige Mitarbeiter aus dem B\u00fcro Petra Hinz. \u00dcberdurchschnittlich viele Mitarbeiter soll Hinz in ihrer Zeit als Abgeordnete verschlissen haben. Einige von ihnen gingen danach zur Psychotherapie, andere treffen sich noch heute an einem Stammtisch der Gesch\u00e4digten. Aus diesen Reihen wurde Ende Juni, kurz bevor Hinz\u2019 Hochstapelei aufflog, ein offener Brief lanciert, der alle Beschwerden pr\u00e4zise auflistete. Die F\u00fchrung der SPD-Fraktion schlug Hinz daraufhin vor, ein Seminar zum Thema Mitarbeiterf\u00fchrung zu besuchen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/32\/petra-hinz-spd-essen-jusos\">http:\/\/www.zeit.de\/2016\/32\/petra-hinz-spd-essen-jusos<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So weit, so \u00fcbel. Wer Mitarbeiter hat, hat ihnen gegen\u00fcber auch F\u00fcrsorgepflichten qua Gesetz. Das wissen die meisten aber nicht einmal, ihr eigenes Unternehmen hat es ihnen nicht gesagt und sie erf\u00fcllen ihre Pflichten demzufolge auch nicht. Erstens.<\/p>\n<p>Zweitens muss ein Vorgesetzter &#8211; aus Gr\u00fcnden des Vorbilds und weil er als Vorgesetzter den verl\u00e4ngerten Arm der Unternehmensleitung darstellt- Erziehung und gute Kinderstube an den Tag legen, anderen Menschen mit Respekt begegnen undsoweiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Benimmkurs statt Coaching<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4re es daher nicht cleverer, so herrischen Chefs kein Coaching zu empfehlen, sondern erst einmal das Basiswissen zu verordnen: einen Benimmkurs. Damit sie lernen, &#8222;Danke&#8220; und &#8222;Bitte&#8220; zu sagen, auf dem Gang immer zu gr\u00fc\u00dfen und derlei mehr. Damit sie kapieren, dass sie am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub fragen m\u00fcssen, wie es denn so war. Damit sie lernen, am letzten Arbeitstag &#8222;sch\u00f6ne Ferien&#8220; zu w\u00fcnschen, kranken Mitarbeiter umgehend &#8222;Gute Besserung&#8220; zu sagen undsoweiter. Eine Frendin in einem Konzern, der durchaus keinen schlechten Ruf hat, muss sich als 50-j\u00e4hrige von Ihrem Chef ins Gesicht sagen lassen: &#8222;Sie interessieren mich nicht&#8220; oder &#8222;Sie sehen aus wie das Leiden Christi&#8220;, aber ver\u00e4chtlich, nicht mitleidig. So, wie die anderen \u00dc50 in der Abteilung auch behandelt werden. Wetten, dass die Vorgesetzten dieses Chefs davon nichts wissen?<\/p>\n<p>Und selbst wenn, was soll so ein Mensch mit einem Coaching, wenn er die Mindestregeln des Anstands nicht drauf hat? Das w\u00e4re wie Eingeschult-Werden in der Quarta statt in der ersten Klasse. Dann fehlt das Kleine und Gro\u00dfe 1&#215;1 total.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oder sind die gequ\u00e4lte Mitarbeiter einfach Ratten? Manche Entscheider sie so.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Doch was mich echt \u00fcberrascht hat, war dann die so sehr unterschiedliche Lesart desselben Falls sein kann: Die Sicht auf Petra Hinz von dem Manager, den ich vor ein paar Tagen zum Hintergrundgespr\u00e4ch traf, ging so:<\/p>\n<p>&#8222;Diese Ratten! Da haben sich die Mitarbeiter versammelt und gewartet, bis sie umso wirkungsvoller zuschlagen konnten: Diese Leute h\u00e4tten doch l\u00e4ngst aufbegehren k\u00f6nnen,&#8220; emp\u00f6rte er sich. Hinz\u00b4 Umgangsformen und F\u00fchrungsmethoden waren f\u00fcr ihn gar kein Thema. Aber die Reaktion der Tyrannisierten, die war ekelhaft.<\/p>\n<p>Ob die Gequ\u00e4lten n\u00e4mlich im konkreten Fall wirklich die Position hatten, sich zu wehren oder ob sie vielleicht wirtschaftliche Zw\u00e4nge oder gar Existenz\u00e4ngste hatten, war f\u00fcr ihn einfach keine Option. Das kam in seinem Weltbild einfach nicht vor.<\/p>\n<p>Kein Wunder, wenn man selbst seit vielen Jahren nicht mehr gema\u00dfregelt wird und vergessen hat, wie sich so was anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur die ganz drastischen F\u00e4lle werden irgendwann ruchbar oder \u00f6ffentlich<\/strong><\/p>\n<p>Dass nur die allerh\u00e4rtesten Arbeitspl\u00e4tze irgendwann in der Presse landen, ist klar. Normalerweise liest man tats\u00e4chlich meist nur nach dem Abgang von Managern, dass sie &#8222;cholerisch&#8220; waren &#8211; aber nie Details.<\/p>\n<p>So wie hier beim amerikanischen Hedgefonds Bridgewater, der laut &#8222;S\u00fcddeutscher Zeitung&#8220; anscheinend &#8222;ein\u00a0finsteres Reich aus `Sex, Angst, Einsch\u00fcchterung und Video\u00fcberwachung\u00b4&#8220; sei:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/bridgewater-reich-der-finsternis-1.3096734\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/bridgewater-reich-der-finsternis-1.3096734<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Angestellte haben eine schwache Position oder sehen sich so &#8211; tyrannische Chefs fliegen dann erst sehr sp\u00e4t auf. &#8222;Es gibt gute und schlechte Pl\u00e4tze zum Arbeiten&#8220;, sagt meine Freundin Juliana immer. 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