{"id":661763,"date":"2016-09-30T01:50:41","date_gmt":"2016-09-29T23:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=661763"},"modified":"2016-09-30T01:50:41","modified_gmt":"2016-09-29T23:50:41","slug":"buchauszug-wir-sind-chef-von-hermann-arnold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/09\/30\/buchauszug-wir-sind-chef-von-hermann-arnold\/","title":{"rendered":"Buchauszug: &#8222;Wir sind Chef&#8220; von Hermann Arnold"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus Hermann Arnolds &#8222;Wir sind Chef &#8211;\u00a0Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen ver\u00e4ndert&#8220;.\u00a0Arnold ist Mitgr\u00fcnder und Chairman von Haufe Umantis, dem IT-Pionier und Spin-Off der Uni St-Gallen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_661765\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-661765\" class=\"size-full wp-image-661765\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/06\/ArnoldHermann.Haufe_.2016-1.jpg\" alt=\"Hermann Arnold (Foto:xz)\" width=\"488\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/06\/ArnoldHermann.Haufe_.2016-1.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/06\/ArnoldHermann.Haufe_.2016-1-300x295.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/06\/ArnoldHermann.Haufe_.2016-1-305x300.jpg 305w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-661765\" class=\"wp-caption-text\">Hermann Arnold (Foto:Haufe Verlag)<\/p><\/div>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Sichtweisen<\/h1>\n<h1>Wie man auf die Unternehmensrealit\u00e4t blicken kann<\/h1>\n<p>In diesem Abschnitt entwickeln wir die Landkarte. Wir betrachten, wie sich die Rolle von Mitarbeitern in Unternehmen ver\u00e4ndert \u2013 getrieben vom Wandel zur Wissensgesellschaft und einem neuen Verst\u00e4ndnis von Arbeit. Wir zeigen, welche Auswirkungen der umw\u00e4lzende Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie auf Unternehmen hat und wie sich diese k\u00fcnftig organisieren m\u00fcssen. Wir erl\u00e4utern vier Modelle\u00a0 der Zusammenarbeit: Weisung und Kontrolle, Schattenorganisation, \u00fcberforderte Organisation und agiles Netzwerk. Diese Landkarte hilft Ihnen, die Herausforderungen f\u00fcr Unternehmen heute besser zu verstehen und bietet ein Orientierungsraster f\u00fcr die Suche nach L\u00f6sungsans\u00e4tzen und die Einordnung von Anregungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Mitarbeiter in einer komplexen Wissensgesellschaft; Wenn wir alle f\u00fchren m\u00fcssen<\/h1>\n<p>Peter F. Drucker hat 1957 erstmals die Spezies des Wissensarbeiters beschrieben. Zumeist assoziieren wir damit Menschen, die in wei\u00dfen Hemden oder Blusen an Computern oder Schreibtischen arbeiten. Das greift jedoch nicht weit genug. In der heutigen Gesellschaft ist fast jeder ein Wissensarbeiter, selbst Schuhverk\u00e4ufer, Fabrikarbeiter oder Reinigungskr\u00e4fte sind heute Wissensarbeiter. Sie unterscheiden sich in einem Punkt grundlegend von den Handarbeitern der industriellen Revolution: Die Produktivit\u00e4t von Wissensarbeitern l\u00e4sst sich nicht in erster Linie durch Erh\u00f6hung des Arbeitstempos und Verbesserung der Prozessqualit\u00e4t steigern. Produktivit\u00e4tssteigerung erreichen Wissensarbeiter vor allem durch das richtige Verst\u00e4ndnis der eigenen Aufgabe. Im Vordergrund steht die Frage: Was ist meine Aufgabe? und erst dann Wie f\u00fchre ich diese aus? Ansonsten l\u00e4uft man Gefahr, mit hoher Effizienz und Pr\u00e4zision die falschen Dinge zu tun.<\/p>\n<p>\u201eEffizienz ist, die Dinge richtig zu machen. Effektivit\u00e4t ist, die richtigen Dinge zu machen.\u201c (Peter Drucker)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Beispiele:\u00a0Die mutige Reinigungskraft<\/h2>\n<p>Haben Sie Reinigungskr\u00e4fte schon einmal bei ihrer Arbeit beobachtet? Einige folgen peinlich genau dem angewiesenen Ablauf und arbeiten stets mit derselben Routine gem\u00e4\u00df einem gleichbleibenden Zeitplan. Andere entscheiden mutig und eigenst\u00e4ndig aufgrund des aktuellen Verschmutzungsgrades und setzen wechselnde Priorit\u00e4ten: Sie widmen einigen Bereichen bewusst weniger Aufmerksamkeit, um andere gr\u00fcndlicher zu reinigen. Welche Reinigungskraft ist wohl produktiver? Ein klares Verst\u00e4ndnis davon, was die eigene Aufgabe ist \u2013 und die Freiheit, selbst Priorit\u00e4ten zu setzen, bestimmt ma\u00dfgeblich die Produktivit\u00e4t von Wissensarbeitern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-662176\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Cover_Haufe_Buch_Wir-sind-Chef.jpg\" alt=\"Cover_Haufe_Buch_Wir sind Chef\" width=\"459\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Cover_Haufe_Buch_Wir-sind-Chef.jpg 459w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/Cover_Haufe_Buch_Wir-sind-Chef-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 459px) 100vw, 459px\" \/><\/p>\n<h2>&#8222;Wir sind Chef &#8211; Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen ver\u00e4ndert&#8220;, Hermann Arnold, Haufe Verlag, 336 Seiten, 24,95 Euro: <a href=\"https:\/\/shop.haufe.de\/prod\/wir-sind-chef\">https:\/\/shop.haufe.de\/prod\/wir-sind-chef<\/a><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2>Die Beraterin als Bergf\u00fchrer<\/h2>\n<p>Wenn Sie einen Berater bitten, seine Aufgabe zu beschreiben, wird Ihnen mancher antworten: \u201eIch berate Kunden, das ist doch klar. Ich analysiere die Situation und stelle verschiedene L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten vor. Der Kunde entscheidet \u2013 ich helfe bei der Umsetzung.\u201c Eine andere Beraterin erl\u00e4utert: \u201eIch f\u00fchre Kunden. Ich verstehe meine Aufgabe \u00e4hnlich wie ein Bergf\u00fchrer. Wir bestimmen gemeinsam das Ziel und ich bin verantwortlich daf\u00fcr, dass wir alle das Ziel wohlbehalten erreichen. Manchmal muss ich meinen Kunden auch antreiben.\u201c<\/p>\n<p>Beide Berater beurteilen den Erfolg ihrer Arbeit anhand unterschiedlicher Kriterien und erzielen damit auch unterschiedliche Ergebnisse. Im Unterschied zur mutigen Reinigungskraft und f\u00fchrenden Beraterin beruhen viele der g\u00e4ngigen F\u00fchrungs- und Organisationskonzepte noch immer auf dem Rollenverst\u00e4ndnis von Mitarbeitern als Ausf\u00fchrende. Beleuchten wir diese unbesch\u00f6nigt und ehrlich, versucht man Mitarbeiter zu programmieren: Arbeitsabl\u00e4ufe werden optimiert, Prozesse standardisiert, Vorgehensweisen zertifiziert und Fehlverhalten korrigiert. Manche Arbeitsanweisungen, Stellenbeschreibungen, Zielvereinbarungen und Reglements lesen sich wie Computerprogramme f\u00fcr Menschen. Jeder einzelne Schritt wird detailliert beschrieben, jeder Eventualit\u00e4t wird versucht vorzubeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>G\u00e4ngeln und \u00dcberwachen klappt nicht mehr im Zeitalter 4.0<\/strong><\/p>\n<p>Einige Vorgesetzte sind \u00fcberzeugt, dass Mitarbeiter genau dies w\u00fcnschen und ben\u00f6tigen: klare Anweisungen und regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberwachung. Diese Herangehensweise funktionierte hervorragend w\u00e4hrend der industriellen Revolution. In komplexen, d. h. sich schnell ver\u00e4ndernden, dynamischen und vernetzten Systemen sind diese Herangehensweisen in vielen F\u00e4llen zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine Vielzahl t\u00e4glicher Entscheidungssituationen muss jeder selbst treffen<\/strong><\/p>\n<p>Die Dominanz der Wissensarbeit \u2013 auch in Industrieunternehmen \u2013 hat die Rollenanforderung an Mitarbeiter l\u00e4ngst schon ma\u00dfgeblich ver\u00e4ndert. Mitarbeiter m\u00fcssen ihren eigenen Arbeitsbereich aktiv gestalten, um produktiv zu sein und ihren Teil zur Komplexit\u00e4tsbew\u00e4ltigung im Unternehmen zu leisten. Sie m\u00fcssen entscheiden, welche Dinge wichtig sind, was sie zuerst erledigen, wie viel Zeit und Energie sie f\u00fcr die einzelnen Aufgaben aufwenden und wie sie die Herausforderungen bew\u00e4ltigen. Sie k\u00f6nnen sich lange mit Dingen besch\u00e4ftigen, die keinen Mehrwert bringen, oder die Dinge falsch erledigen. Auch besteht ein relevanter Unterschied zwischen h\u00f6chstem Qualit\u00e4tsanspruch und der Einstellung: Erledigt ist besser als perfekt.<\/p>\n<p>Beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung \u2013 eine Entscheidung muss jedoch bewusst getroffen werden. Die zunehmende Komplexit\u00e4t der Arbeit und des Umfelds erfordert st\u00e4ndig Entscheidungen, die durch eine klassische Hierarchie nicht mehr richtig und rechtzeitig geleistet werden k\u00f6nnen. Die Vielzahl dieser t\u00e4glichen Entscheidungssituationen hat zur Folge, dass jeder Mitarbeiter diese nur f\u00fcr sich selbst kl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Rolle der Mitarbeiter sind hier durchaus zwei Perspektiven gemeint: einerseits die Rollenerwartung, die Vorgesetzte wissentlich oder manchmal auch unbewusst gegen\u00fcber Mitarbeitern haben, andererseits das Rollenverst\u00e4ndnis, das Mitarbeiter in einer Organisation gew\u00e4hlt oder erlernt haben. Manchmal decken sich Erwartung mit Verst\u00e4ndnis, manchmal gibt es aber Differenzen. Unterschiedliche Auffassungen f\u00fchren nicht selten zu Problemen in der F\u00fchrungszusammenarbeit. Selbst wenn Vorgesetzte und Mitarbeiter dasselbe Verst\u00e4ndnis haben, erschweren oder verunm\u00f6glichen unternehmensinterne Prozesse, Vorschriften oder Systeme manchmal eine ad\u00e4quate Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese beiden Rollen, die Mitarbeiter einnehmen k\u00f6nnen, lassen sich ausdifferenzieren und erweitern. Auf der linken Seite der Skala erg\u00e4nzen wir folgen. Gefolgschaft ist in vielen Situationen wichtig. Sie bedeutet nicht die sture Ausf\u00fchrung von Anweisungen, sondern intelligent und mitdenkend einem Anf\u00fchrer zu folgen. Derek Sivers (2010) formulierte dazu: \u201eDer erste Gefolgsmann verwandelt einen einsamen Verr\u00fcckten in einen Anf\u00fchrer.\u201c Auf der rechten Seite des Spektrums kann f\u00fchren erg\u00e4nzt werden im Sinne der gestaltenden T\u00e4tigkeit von Mitarbeitern mit anderen \u2013 dem F\u00fchren von Kollegen und anderen Mitarbeitern ohne formelle F\u00fchrungsrolle. Darunter verstehen wir nicht Alleinherrschaft \u00e4hnlich einer F\u00fchrungskraft, sondern vielmehr Gleichgestellte anf\u00fchren, d. h. ein F\u00fchrungsstil, dem andere freiwillig folgen. Auf dieser Stufe verschwimmt der Unterschied zwischen F\u00fchrungskraft und Mitarbeiter. Jeder f\u00fchrt entsprechend der Notwendigkeit und seiner Kompetenzen. Und alle folgen denjenigen, die F\u00fchrungsverantwortung kompetent wahrnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausdifferenzierung der Rolle von Mitarbeitern: Im Job Chef, zuhause Gefolgsmann<\/strong><\/p>\n<p>Wir sprechen hier bewusst von der Rolle der Mitarbeiter \u2013 nicht von der Pers\u00f6nlichkeit, der F\u00e4higkeit oder der Pr\u00e4ferenz von Mitarbeitern. Der Unterschied wird deutlich, wenn Sie sich und andere in verschiedenen Kontexten beobachten. Manche Mitarbeiter, die im Arbeitsumfeld vermeintlich nicht f\u00e4hig sind, aktiv zu gestalten, agieren in ihrer Freizeit als hervorragende F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten: im Fu\u00dfballklub, in einer Freiwilligen-Organisation oder der \u00f6rtlichen Musikgruppe. Manch hervorragende F\u00fchrungskraft hingegen ist im privaten Umfeld ein braver Gefolgsmann des Partners. Menschen k\u00f6nnen unterschiedliche Rollen einnehmen, je nachdem was gefordert, erw\u00fcnscht oder m\u00f6glich ist. Dies wird gerade in Krisensituationen deutlich, wenn viele Menschen \u00fcber sich hinauswachsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wir Eigeninitiative bestraft, unterbleibt sie k\u00fcnftig<\/strong><\/p>\n<p>Rollen werden meist unbewusst eingenommen \u2013 beeinflusst vom Umfeld, von Pr\u00e4ferenzen und der eigenen Wahrnehmung der M\u00f6glichkeiten, Notwendigkeiten und Alternativen. Haben Mitarbeiter im Unternehmen erfahren, dass Eigeninitiative nicht gesch\u00e4tzt (oder gar bestraft) wird, werden sie die entsprechende, angepasste Rolle einnehmen. \u00c4hnliches geschieht, wenn eine \u00fcberm\u00e4chtige F\u00fchrungskraft keinen Raum f\u00fcr andere l\u00e4sst. Sofern im Unternehmen Eigeninitiative anerkannt oder gar gefordert wird, verh\u00e4lt es sich umgekehrt. Nicht selten f\u00fcllen auch Mitarbeiter ein pl\u00f6tzlich entstandenes F\u00fchrungsvakuum, die vorher nicht durch ihren Gestaltungswillen aufgefallen sind. Nat\u00fcrlich bestimmen auch die eigenen Pr\u00e4ferenzen und das pers\u00f6nliche Umfeld, ob jemand eine ausf\u00fchrende oder gestaltende Rolle einnehmen will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieselben Menschen als Befehlsempf\u00e4nger und Freiheitsk\u00e4mpfer?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nur wenige Menschen, die ausschlie\u00dflich geborene Befehlsempf\u00e4nger sind und in keiner Situation gestaltend eingreifen: Im Zweifel macht Not erfinderisch, sobald man auf sich alleine gestellt ist. Umgekehrt gibt es nur wenige Menschen, die situationsunabh\u00e4ngig immer gestalten m\u00fcssen. Selbst notorische Freiheitsk\u00e4mpfer, die in Diktaturen ihr Leben riskieren, offenbaren in ihren Biografien, dass sie in unterschiedlichen Kontexten und Lebensphasen verschiedene Rollen eingenommen haben. Menschen sind somit weit flexibler als manche F\u00fchrungskraft glaubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Spektrum von Rollen, die Menschen aufgrund ihrer Pers\u00f6nlichkeiten und F\u00e4higkeiten einnehmen k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal wird auch von der Reife der Mitarbeiter gesprochen. Damit wird unterstellt, dass es unreife Mitarbeiter gibt, die gef\u00fchrt werden m\u00fcssen und es meist auch wollen. Und andererseits reife Mitarbeiter, denen man einen Gestaltungsfreiraum geben darf und auch sollte. Dieser Ansicht m\u00f6chten wir aus oben genannten Gr\u00fcnden widersprechen. Mitarbeiter ben\u00f6tigen einen hohen Reifegrad, um zu erkennen, wann Gefolgschaft wichtig und angebracht ist, um F\u00fchrungskr\u00e4ften dann (freiwillig) zu folgen. Ebenso ben\u00f6tigen F\u00fchrungskr\u00e4fte Reife, um in gewissen Situationen ihren Mitarbeitern zu folgen oder auch einen Schritt zur\u00fcckzutreten. Am ehesten k\u00f6nnte man von der Reife einer Organisation und der F\u00fchrungskultur sprechen, die Mitarbeiter als erwachsene Menschen versteht \u2013 oder eben nicht. Ob Mitarbeiter gestalten oder folgen wollen, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab, jedoch nur sehr beschr\u00e4nkt von der Reife der Mitarbeiter selbst. Alle \u2013 Mitarbeiter wie F\u00fchrungskr\u00e4fte \u2013 ben\u00f6tigen zus\u00e4tzliche Kompetenzen, um Mitarbeitern Gestaltung vermehrt zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Potenzial des Gro\u00dfteils der Mitarbeiter im Wettbewerb nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die zunehmende Wissensarbeit macht es unausweichlich, Mitarbeiter als Gestalter im Unternehmen zu betrachten. Diese Sichtweise ist ebenso notwendig, um die komplexen Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute stehen, erfolgreich zu meistern. Dar\u00fcber hinaus bietet sie immense Chancen, das Potenzial des Gro\u00dfteils der Mitarbeiter zu nutzen, um dem Wettbewerb sogar einen Schritt voraus zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Organisationen im wirtschaftlichen Umbruch Wenn das Umfeld uns herausfordert<\/h2>\n<p>Unternehmen sind dazu da, die menschliche Zusammenarbeit produktiv zu gestalten. Menschen kommen zusammen, um gemeinsam zu schaffen, was sie allein nicht vollbringen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der industriellen Revolution herrschte ein klares Organisationsmuster: die Steuerung von oben. An der Unternehmensspitze trafen die f\u00e4higsten Personen auf Basis umfassender Informationen und des erforderlichen Weitblicks wegweisende Entscheidungen. Wissenschaftlich ausgebildete Berater und Stabsstellen unterst\u00fctzten die Unternehmensleitung mit Analysen, Konzepten und der Verdichtung von Beobachtungen im Markt. Das mittlere Management \u00fcbersetzte diese Entscheidungen f\u00fcr den eigenen Bereich, kontrollierte die Umsetzung und berichtete nach oben \u00fcber die Ergebnisse.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Realit\u00e4t hat sich f\u00fcr die meisten Unternehmen grundlegend gewandelt und wird sich in Zukunft noch radikaler wandeln. Weltweiter Wettbewerb und technologischer Fortschritt krempeln ganze Branchen um. Innovationen erfolgen in atemberaubender Geschwindigkeit. Herausforderungen kommen nicht mehr nur von bekannten Wettbewerbern, sondern vermehrt und meist gef\u00e4hrlicher aus anderen Bereichen. Frisch gegr\u00fcndete Unternehmen ohne Altlasten, bestehende Produkte, eingespielte Kundenbeziehungen, langfristige Lieferantenverbindungen oder etablierte Partnerschaften experimentieren mit neuen Produkten und Gesch\u00e4ftsmodellen \u2013 h\u00e4ufig eindrucksvoll finanziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Agilit\u00e4t als Antwort auf immerh h\u00f6here Komplexit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die klassischen Organisationsmodelle werden den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht: Entscheidungen werden zu langsam getroffen und zu sp\u00e4t umgesetzt. Die Komplexit\u00e4t der Herausforderungen \u00fcbersteigt die herk\u00f6mmlichen Methoden der Unternehmensf\u00fchrung. Unternehmen m\u00fcssen agiler werden. Dazu geh\u00f6rt die Ver\u00e4nderung von Unternehmen hin zu mehr Autonomie und Selbstorganisation in einzelnen Bereichen oder insgesamt. Mitarbeiter vor Ort im direkten Kontakt mit Kunden, dem Markt und den Wettbewerbern ben\u00f6tigen mehr Kompetenz \u2013 Kompetenz im Sinne von d\u00fcrfen und wollen, k\u00f6nnen und sollen.<\/p>\n<p>Eine gesteuerte Organisation ist auf klar definierte Aufgaben bei hohen Effizienzanforderungen und Skaleneffekten hin optimiert. Verantwortlichkeiten, Rollen, Regeln und Automatismen erh\u00f6hen die Effizienz und Qualit\u00e4t der Prozesse und Ergebnisse. Eine gesteuerte Organisation funktioniert am besten in einem \u00fcberschaubaren Rahmen mit gen\u00fcgend Erfahrungswissen der F\u00fchrungskr\u00e4fte. Sie ist zudem im Arbeitsalltag erforderlich und sinnvoll, wenn Entscheidungen schnell und effizient getroffen werden k\u00f6nnen und sollen. Sie kann auch in einem innovativen Umfeld gute Ergebnisse erzielen, wenn die Unternehmensf\u00fchrung mutig bahnbrechende Neuerungen vorantreibt und ein hohes Vertrauen seitens der Mitarbeiter genie\u00dft. Eine selbstorganisierte Form der Zusammenarbeit ist notwendig in einem komplexen, sich schnell \u00e4ndernden Umfeld. Sie bietet ein hohes Potenzial, die F\u00e4higkeiten und Energie des Gro\u00dfteils der Mitarbeiter zu nutzen und damit langfristig und nachhaltig in einem volatilen Umfeld erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft: Mehr Selbstorganisation<\/strong><\/p>\n<p>Generell stellt sich die Frage, ob gro\u00dfe Organisationen weiterhin kleineren \u00fcberlegen sein werden und ob erfolgreiche Unternehmen weiterhin zu Gr\u00f6\u00dfe tendieren \u2013 oder ob ein Netzwerk \u00fcberschaubarer Unternehmen mit den heutigen Mitteln und f\u00fcr die heutigen Anforderungen erfolgreicher sein wird. In jedem Fall wird es mehr Selbstorganisation geben m\u00fcssen \u2013 ob in einem Netzwerk oder in einem gro\u00dfen Unternehmen oder in deren Kombination.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Organisationsformen sind auch keine klar abgrenzbaren Modelle. Es gibt eine Vielfalt von Auspr\u00e4gungen zwischen den beiden Polen gesteuert und selbstorganisiert. Gef\u00fchrte Organisationen gestatten Spielr\u00e4ume bei der Umsetzung und manchmal auch bei der Zielsetzung. Die F\u00fchrung gibt diese Spielr\u00e4ume vor und kontrolliert deren Einhaltung. Ebenso gibt es Unternehmen mit Selbstorganisation in autonomen und teilautonomen Einheiten, die innerhalb eines fest definierten Rahmens agieren. Dies ist eine erste Form der Selbstorganisation, die meist nur einzelne Elemente oder Aufgabenstellungen betrifft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wann eignet sich eine strukturierte Steuerung und wann ist eine markt\u00e4hnliche Selbstorganisation besser? Ein wichtiges Kriterium ist die Passung der inneren Komplexit\u00e4t der Organisation mit der \u00e4u\u00dferen Komplexit\u00e4t des Marktes und der Umwelt. Es geht auch darum, wie stark sich Organisationen wandeln und selbst erneuern m\u00fcssen. Und wie divers das Gesch\u00e4ftsportfolio und damit die ben\u00f6tigte Managementlogik sind. Ein gutes Erkl\u00e4rungsmodell bietet die Transaktionskostentheorie, die auf den \u00dcberlegungen von Coase (1937) basiert. Zu den Transaktionskosten geh\u00f6ren<\/p>\n<ul>\n<li>die Aufw\u00e4nde f\u00fcr die Suche und Informationsbeschaffung f\u00fcr ein bestimmtes Gesch\u00e4ft,<\/li>\n<li>die Kosten der verbindlichen Vertragsaushandlung sowie<\/li>\n<li>die Aufw\u00e4nde f\u00fcr die Einforderung von Vereinbarungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sind die Transaktionskosten hoch, insbesondere bei h\u00e4ufigen und \u00e4hnlichen Transaktionen, ist ein langfristig strukturiertes Unternehmen \u00fcberlegen. Bei niedrigen Transaktionskosten oder h\u00e4ufigen neuen Transaktionen ist ein agiler, selbstorganisierter Marktmechanismus besser geeignet, der flexibel auf neue Gegebenheiten reagieren kann und im Wettbewerb bessere Resultate erzielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reiseb\u00fcros verdr\u00e4ngt von Buchungsplattformen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betrachten wir die Entwicklungen der Reiseb\u00fcro-Branche im Hinblick auf die Transaktionskostentheorie. Der Wegbereiter der Tourismusindustrie Thomas Cook organisierte Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Gruppenreisen. Daraus entstand eine Branche, die f\u00fcr immer mehr Menschen immer mehr Reisen in immer entlegenere Gegenden der Erde organisierte. Reisende zur damaligen Zeit konnten unm\u00f6glich wissen, welche Destination ihren W\u00fcnschen entsprach, welche Unterkunft ihren Anspr\u00fcchen gerecht wurde und wie sie die Reise dorthin organisieren konnten (Suche und Informationsbeschaffung).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reiseb\u00fcros \u00fcbernahmen die Abwicklung von verbindlichen Buchungen mit definierten Konditionen und Vorauszahlungen (Vertragsaushandlung). Falls etwas Unerwartetes geschah, trug das Reiseb\u00fcro die Aufw\u00e4nde, f\u00fcr Alternativen und Schadenersatz zu sorgen (Einforderung von Vereinbarungen). Durch neue Technologien (Internet) und vor allem neue Anwendungen dieser Technologien (Buchungsplattformen) kann heute jeder selbst Reisen buchen. Alle drei Arten von Transaktionskosten sanken drastisch. Gleichzeitig st\u00e4rkten unabh\u00e4ngige Bewertungsplattformen das Vertrauen, was zu weiterer Kostenreduktion f\u00fchrte. Zentral gesteuerte Reiseb\u00fcros verloren gro\u00dfe Teile ihrer Daseinsberechtigung im Vergleich zu den nach Marktmechanismen organisierten Buchungsplattformen.<\/p>\n<p>Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Mitfahrgelegenheiten und Mitfluggelegenheiten ver\u00e4ndern das Reiseverhalten und fordern Transportunternehmen heraus. Mitwohngelegenheiten und eine neue Art der Privatzimmervermietung stellen schon heute Hotels vor bislang ungeahnte Herausforderungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Moderne Technologien reduzieren in vielen Bereichen die Transaktionskosten. Dies wirkt sich zunehmend auch auf die Arbeit in Unternehmen aus:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Mitarbeiter greifen auf relevante Informationen selbst zu und sind nicht auf Vorgesetzte als einzige Informationsbeschaffer und -distributoren angewiesen.<\/li>\n<li>Gesch\u00e4ftsleitungen k\u00f6nnen ohne kostspielige Berater oder darauf spezialisierte Stabsstellen in Echtzeit auf Informationen innerhalb des Unternehmens zugreifen (z. B. Daten \u00fcber Produkte, Abs\u00e4tze, Finanzen, Kunden, Mitarbeiter etc.).<\/li>\n<li>Unternehmensleitungen k\u00f6nnen mit den Mitarbeitern direkt in Kontakt treten \u2013 und ben\u00f6tigen keine Vermittlung \u00fcber die Hierarchiestufen und Regionen hinweg.<\/li>\n<li>Stabstellen und mittleres Management blicken einem \u00e4hnlichen Schicksal entgegen wie Reiseb\u00fcros \u2013 sie werden in ihrer aktuellen Form zunehmend \u00fcberfl\u00fcssig und m\u00fcssen sich neu erfinden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich bei diesen Entwicklungen nicht nur um die Auswirkungen moderner Technologien handelt. Die neuen Technologien erm\u00f6glichen jedoch g\u00e4nzlich andere Organisationsformen, die vielfach erst noch erfunden werden m\u00fcssen. Einige Beispiele zur Veranschaulichung: Die ersten Automobile \u00e4hnelten Kutschen. Erst die Erfindung des Lenkrades machte Automobile f\u00fcr Normalb\u00fcrger \u00fcberhaupt steuerbar. In den Anfangstagen des Internets stellte die Tourismusbranche ihre Prospekte zun\u00e4chst zum elektronischen Herunterladen bereit. Erst nach und nach entwickelte sich das Internet zu einer Buchungsplattform, noch sp\u00e4ter zu einer B\u00f6rse f\u00fcr freie Privatzimmer. M\u00f6glicherweise teilen wir k\u00fcnftig Kleinflugzeuge und ben\u00f6tigen keine organisierenden Fluggesellschaften mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird k\u00fcnftig nicht nur eine Organisationform geben, die f\u00fcr alle Unternehmen f\u00fcr jede Situation und f\u00fcr alle Mitarbeiter und Teams die angemessenste ist. Verschiedene Organisationformen werden in einem Unternehmen parallel nebeneinander existieren, sich erg\u00e4nzen und sich im Verlauf der Weiterentwicklung des Unternehmens ver\u00e4ndern. Dies ist abh\u00e4ngig von den Aufgaben, die zu erledigen sind \u2013 und auch von der Umwelt der Organisation, die unterschiedliche Herausforderungen stellt. Die bisher bew\u00e4hrten Organisationsformen haben keinesfalls ausgedient \u2013 sie m\u00fcssen lediglich modernisiert und um selbstorganisierende Elemente erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die angek\u00fcndigte Landkarte zur Visualisierung der Herausforderungen und m\u00f6glichen L\u00f6sungen entsteht, wenn man die beiden Achsen Rolle der Mitarbeiter und Prinzip der Organisation zu einem Koordinatensystem aufspannt. Dadurch ergeben sich vier Quadranten. Zwei davon sind Reinformen einer Zusammenarbeit, zwei davon Mischformen. Die Reinformen sind in sich stimmig und funktionieren in der Regel besser. Mischformen haben h\u00e4ufig unerw\u00fcnschte negative Konsequenzen, die sich beispielsweise zu Lehmschichten auft\u00fcrmen oder in die Agilit\u00e4tsfalle f\u00fchren. Betrachten wir nun im Folgenden die vier Auspr\u00e4gungen im Einzelnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Napoleon auf der Br\u00fccke Wenn wir nach Weisung und Kontrolle f\u00fchren<\/h2>\n<p>Eine von oben gesteuerte Organisation, in der Mitarbeiter ihre Rolle ausf\u00fchrend wahrnehmen, basiert ganz klassisch auf Weisung und Kontrolle (command and control). Diese Form der Zusammenarbeit zeichnet sich im Idealfall durch klare Verantwortlichkeiten, schnelle Entscheidungen, regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle von Ergebnissen und Eingriffen bei Abweichungen aus. Es ist eine der effizientesten Organisationsstrukturen, die w\u00e4hrend der industriellen Revolution ma\u00dfgeblich zum Produktivit\u00e4tsfortschritt beitrug. Ohne sie w\u00e4re keine Massenproduktion m\u00f6glich geworden, die zahlreiche G\u00fcter f\u00fcr breite Bev\u00f6lkerungsschichten erschwinglich macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Mitarbeiter inspirierenden F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten freiwillig folgen<\/strong><\/p>\n<p>Auch heute hat diese Organisationsform lange nicht ausgedient und wird fortlaufend verbessert. In Bereichen, in denen operative Exzellenz erforderlich ist, hat sie klare Vorteile. Viele Betriebe und Teilorganisationen der Massenproduktion funktionieren nach diesem Modell. Diesem muss nicht zwangsl\u00e4ufig ein Diktator wie Napoleon vorstehen. Es gibt viele Beispiele f\u00fcr inspirierende F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, denen Mitarbeiter freiwillig folgen. Steve Jobs von Apple kann durchaus dazugez\u00e4hlt werden. Wenn auch einige Biografien ein nicht gerade schmeichelhaftes Bild seines F\u00fchrungsstils zeichnen, so arbeiteten Mitarbeiter dennoch freiwillig mit ihm zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Riskant wird diese Organisationform erst dann, wenn keinerlei M\u00f6glichkeit besteht, Fehlentwicklungen und Fehlentscheidungen rechtzeitig zu korrigieren. Auch ein autorit\u00e4rer Anf\u00fchrer kann Fehler machen \u2013 und damit die gesamte Organisation an den Rand des Abgrunds bringen oder dar\u00fcber hinaus. Erfolgreiche F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten haben im Laufe ihrer Karriere bereits mehrfach mutige Entscheidungen getroffen, von denen andere zuvor abgeraten hatten. Sie haben aus ihrer pers\u00f6nlichen Erfolgsgeschichte gelernt, Bedenkentr\u00e4gern keine zu hohe Bedeutung beizumessen. Woran sollen sie erkennen, diesen einen Fall anders zu bewerten, der tats\u00e4chlich ein gro\u00dfer Fehler w\u00e4re?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Beispiele Ikarus &amp; Co.<\/h2>\n<p>Die Wirtschaftsgeschichte ist reich an Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern, die irgendwann vom Boden abgehoben haben, in Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung nach der Sonne griffen und so ihr eigenes Werk zerst\u00f6rten: William Seawell (Pan Am), Eckhard Pfeiffer (Compaq), Angelo Mozilo (Countrywide), in Deutschland Leo Kirch (Kirch-Gruppe), Anton Schlecker (Schlecker) und Wolfgang Ley (Escada). Manche verfielen gegen Ende sogar in kriminelle Machenschaften: Kenneth Lay (Enron), Bernard Ebbers (Worldcom), John Rigas (Adelphia). Hinzu kommen unz\u00e4hlige weniger prominente Namen und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, die durch Fehlentscheidungen schlicht gro\u00dfe Werte vernichteten. Auch zahlreiche politische F\u00fchrer kamen zun\u00e4chst als Befreier und Heilsbringer an die Macht und zerst\u00f6rten letztlich ihr Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gute Chefs begr\u00fcnden Weisungen gut, erl\u00e4utern Hintergr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p>Positive Beispiele inspirierender und vorbildlicher Anf\u00fchrer sind jene, denen es gelang, ohne politische oder wirtschaftliche Macht eine gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschaft zu mobilisieren, die ihnen fast blind folgte. Weisung und Kontrolle funktionierten hier ganz anders und informeller, aber dennoch klar gef\u00fchrt von oben. Dazu geh\u00f6ren am eindr\u00fccklichsten (und bei weitem nicht abschlie\u00dfend): Mahatma Gandhi, Mutter Teresa, Nelson Mandela, Martin Luther King Jr., Rosa Parks, Malala Yousafzai, Martin Luther, Jeanne d\u2019Arc. Im wirtschaftlichen Umfeld gibt es beispielsweise Linus Torvalds (Linux) oder Jimmy Wales (Wikipedia). Es gibt auch in Unternehmen viele Beispiele, in denen Mitarbeiter f\u00fcr ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte durchs sprichw\u00f6rtliche Feuer gehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Sehr viele gute F\u00fchrungskr\u00e4fte erzielen durch Weisung und Kontrolle hervorragende Ergebnisse. Sie beziehen ihre Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein. Sei es, indem sie ihre Weisungen gut begr\u00fcnden und die Hintergr\u00fcnde erl\u00e4utern oder im Vorfeld von Entscheidungen die Meinungen des Teams einholen und diese ber\u00fccksichtigen. Manche Vorgesetzte entscheiden auch gemeinsam mit ihrem Team, indem sie das Team einen Vorentscheid f\u00e4llen lassen, den sie in der Regel best\u00e4tigen. Damit liegt die formelle Macht klar beim Vorgesetzten, er \u00fcbt diese jedoch nicht ohne Ber\u00fccksichtigung seines Teams aus. Er muss sich nicht auf seine Macht berufen. Margaret Thatcher fasste dies mit dem ihr eigenen trockenen Humor treffend zusammen: \u201eM\u00e4chtig zu sein ist so, wie eine Dame zu sein. Wenn man den Leuten sagen muss, dass man es ist, dann ist man es nicht.\u201c Solche F\u00fchrungsmodelle befinden sich bereits nahe der Mitte des Quadranten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontrolle als kontinuierliches Feedback &#8211; statt zu enttarnen und masszuregeln<\/strong><\/p>\n<p>Auch Kontrolle kann ganz unterschiedlich ausge\u00fcbt werden. Manche Vorgesetzte verstehen Kontrolle \u00e4hnlich der Aufgabe eines Verkehrspolizisten. Sie f\u00fchren Kontrollen durch, um Mitarbeiter zu enttarnen und sie anschlie\u00dfend masszuregeln. Gute F\u00fchrungskr\u00e4fte hingegen verstehen Kontrolle als einen Mechanismus, der in erster Linie im Sinne der Mitarbeiter gedacht ist: Mitarbeiter k\u00f6nnen sich und ihre Arbeitsergebnisse selbst kontrollieren. Sie ist ein kontinuierliches Feedback, wie gut Mitarbeiter ihre Aufgaben erf\u00fcllen. \u00c4hnlich funktionieren \u00fcbrigens digitale Fitness-Anwendungen, bei denen man den eigenen Fortschritt sieht \u2013 und dadurch angespornt wird, besser zu werden. F\u00fcr den Verkehr gibt es beispielsweise zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, dass unmittelbare Feedback-Schleifen ohne Einbezug von Polizisten bereits als wirksame Ausl\u00f6ser f\u00fcr Verhaltens\u00e4nderung dienen. Goldsmith (2015) beschreibt Studien zur Wirksamkeit von Geschwindigkeitsanzeigesystemen. Das unmittelbare Anzeigen der gefahrenen Geschwindigkeit hat einen signifikanten Einfluss auf die Einhaltung von Geschwindigkeitsregeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besonders interessant ist folgender Sachverhalt: Viele Methoden von Weisung und Kontrolle stammen urspr\u00fcnglich aus dem milit\u00e4rischen Bereich. Viele Unternehmen versuchen heute, nicht mehr so zu sein wie das Milit\u00e4r. Doch gerade das Milit\u00e4r \u2013 insbesondere das amerikanische \u2013 hat sich in den letzten Jahren grundlegend umorganisiert. Der Kampf gegen agile Netzwerke wie den irakischen Widerstand, Al-Qaida, die Taliban und den Islamischen Staat hat die klassisch-milit\u00e4rische Organisationsform um zahlreiche agile Konzepte erweitert. Reine Befehlsstrukturen aus Washington konnten die Realit\u00e4ten in den Kampfgebieten nicht hinreichend ber\u00fccksichtigen. 5 Insofern sind einige Milit\u00e4rs in mancher Hinsicht deutlich weiter als viele Unternehmen, die sich als fortschrittlich bezeichnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Freiheitsk\u00e4mpfer und Terroristen Wenn wir Schattenorganisationen nutzen<\/h2>\n<p>Viele glauben, Unternehmensf\u00fchrung funktioniere noch immer nach den alten Spielregeln \u2013 deshalb k\u00f6nnten auch die bew\u00e4hrten Instrumente weiter genutzt werden: Zielvereinbarung und Beurteilung, leistungsabh\u00e4ngige Entlohnung, Strategiefestlegung und Ausrichtung der Organisation, Umstrukturierungen und Ver\u00e4nderungsmanagement, Befehlsketten und Matrixorganisationen. Der zunehmende Anteil an Wissensarbeitern in fast allen Bereich erschwert jedoch ein wichtiges Element: die Kontrolle. Wer kann von sich behaupten, die Arbeitsqualit\u00e4t und Leistung von Wissensarbeitern heute effektiv kontrollieren zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Illusion von der Macht des Vorgesetzten<\/strong><\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>Sie haben dies sicherlich schon einmal erlebt: Sie erhalten von Ihrem Vorgesetzten einen Auftrag, den Sie als unsinnig erachten. Was machen Sie? Falls Sie ein gutes Verh\u00e4ltnis zu Ihrem Vorgesetzten haben, versuchen Sie vermutlich, dar\u00fcber zu diskutieren. Falls Sie Ihren Vorgesetzten nicht von Ihrer Einsch\u00e4tzung \u00fcberzeugen k\u00f6nnen und er Sie auch nicht von seiner, was machen Sie dann? Sie f\u00fchren den Auftrag in dem Ma\u00dfe aus, dass er Ihnen keine Arbeitsverweigerung vorwerfen kann. Parallel treiben Sie weiter die Dinge mit voller Energie voran, von denen Sie \u00fcberzeugt sind. Der Unterschied im Ergebnis liegt nicht zwischen Erledigen und Nicht-Erledigen sondern darin, mit welcher Energie und \u00dcberzeugung Sie die Aufgabe ausf\u00fchren. Das entscheidet ma\u00dfgeblich \u00fcber Erfolg oder Misserfolg einer Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zunehmende Anteil an Wissensarbeit und die damit einhergehenden verminderten Kontrollm\u00f6glichkeiten von Mitarbeitern l\u00e4sst Schattenorganisationen entstehen. Viele Mitarbeiter und Teams tun das, was sie f\u00fcr richtig halten \u2013 im Sinne des Kunden und des Unternehmens. Sie greifen eigenst\u00e4ndig und gestaltend ein, auch wenn Prozesse oder Weisungen etwas anderes erfordern w\u00fcrden oder es gar keinen Auftrag daf\u00fcr gibt. Heute funktionieren gro\u00dfe Unternehmen trotz unpassender Organisationsformen vermutlich gerade deshalb noch immer. Die Schattenorganisation f\u00e4ngt Fehlentwicklungen innerhalb des Unternehmens auf. Der Schatten kann allerdings auch destruktiv (aus-)genutzt werden: f\u00fcr unbeobachtetes Nichtstun oder gar unternehmenssch\u00e4digend zur Mehrung des pers\u00f6nlichen Vorteils.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schattenorganisationen ohne Organigramm<\/strong><\/p>\n<p>Auch Unternehmensleitungen greifen auf Schattenorganisationen zur\u00fcck: Sie nutzen informelle Wege, um Dinge schnell voran zu bringen. Sofern akute Probleme brennen, werden spezielle Arbeitsgruppen (taskforces) einberufen. Diese operieren parallel zur eigentlichen Organisation und sind somit als Schattenorganisationen offizialisiert. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppen sucht man vergeblich im Organigramm. Die Eingreiftruppen werden zudem mit besonderen Kompetenzen und Freiheiten ausgestattet, um das akute Problem zu l\u00f6sen. Management-by-Taskforce erzeugt eine m\u00e4chtige Parallelorganisation. W\u00fcrde die reine Befehlskette in der Unternehmensrealit\u00e4t funktionieren, k\u00f6nnte Napoleon auf der Br\u00fccke das L\u00f6schen des Brandes schlicht befehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gef\u00e4hrliche Konsequenz einer solchen Schattenorganisation ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Sie wirkt als negatives Vorbild. Mitarbeiter erleben, wie ihr eigener Chef den Schatten nutzt, um Weisungen seiner Vorgesetzten zu umgehen, beziehungsweise alternativ zu interpretieren. Er verfolgt eine eigene Agenda, die durchaus dem Wohle des Unternehmens dienen kann. Wenn der eigene Vorgesetzte den Umgang mit Autorit\u00e4t in dieser Weise vorlebt, gibt es kein Argument f\u00fcr seine Mitarbeiter, dies nicht ebenfalls zu tun. Eine breite Akzeptanz und Nutzung des Schattens untergr\u00e4bt die Autorit\u00e4t von F\u00fchrung, auf der Weisung und Kontrolle ma\u00dfgeblich basiert.<\/p>\n<p>So entstehen immer gr\u00f6\u00dfere Schattenorganisationen innerhalb des Unternehmens. F\u00fchrung wirkt nicht mehr direkt. Der Schatten auf allen Hierarchieebenen f\u00fchrt zu der eingangs beschriebenen Lehmschicht, da die Umsetzung von Weisungen kaum noch \u00fcberpr\u00fcft werden kann. Wird zudem die Autorit\u00e4t von F\u00fchrung bis zu den h\u00f6chsten Positionen hinauf h\u00e4ufig untergraben, kann F\u00fchrung nach Weisung und Kontrolle nicht mehr funktionieren. Organisationen entwickeln damit eine Z\u00e4hfl\u00fcssigkeit, die direkte F\u00fchrung erschwert bis verunm\u00f6glicht. Offensichtlich unpassende Prozesse und Anweisungen geben den Mitarbeitern zus\u00e4tzlich eine vermeintliche moralische Berechtigung, diese nicht zu befolgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie gehen die Mitarbeiter mit dieser Situation um? Manche empfinden sich als Freiheitsk\u00e4mpfer. Trotz widrigster Umst\u00e4nde, unflexibler Prozesse, fehlerhafter Weisungen, starrer Korsette versuchen sie, das Beste f\u00fcr den Kunden und das Unternehmen zu erreichen. Ihnen ist bewusst, dass sie h\u00e4ufig entgegen der Vorschriften des Unternehmens handeln. Ihr Handeln wird von Vorgesetzten entweder nicht wahrgenommen oder gar toleriert bis unterst\u00fctzt. Dadurch wird es f\u00fcr Vorgesetzte zunehmend schwerer, tats\u00e4chlich unerw\u00fcnschtes oder sogar unternehmenssch\u00e4dliches Verhalten zu unterbinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch Schattenorganisationen wird die Steuerung und Kontrolle von Unternehmen in gef\u00e4hrlicher Weise ausgehebelt. Geht diese Entwicklung zudem mit einem Verfall von Moral und Werten einher, f\u00fchrt dies zu Fehlentwicklungen, die mit der Zeit immer weitere Kreise ziehen. Damit lassen sich sch\u00e4dliche Vorg\u00e4nge wie Finanzskandale, Bestechungsaff\u00e4ren und Betrugsf\u00e4lle nachvollziehbar erkl\u00e4ren. Die Mitarbeiter im Unternehmen f\u00fchlen sich erm\u00e4chtigt, auf eigene Faust zu handeln \u2013 im Guten wie im Schlechten. Sie werden zu Freiheitsk\u00e4mpfern oder Terroristen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Wal von London &#8211; Riesenverluste durch Defitzite im Risikomanagement<\/strong><\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>Viele Institute in der Finanzindustrie versuchen, mit kleinen und gro\u00dfen Tricks die zunehmend komplexen gesetzlichen Regulatorien zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen oder gar zu umgehen. Sie entwickeln Produkte im Graubereich, schaffen au\u00dferbilanzielle Vehikel und nutzen L\u00fccken in Gesetzen aus, um den Unternehmensgewinn zu steigern. Diese bekannten und tolerierten Vorgehensweisen werden toxisch, wenn Mitarbeiter ohne moralischen Kompass zu immer gr\u00f6\u00dferen Profiten angespornt und zudem f\u00fcrstlich daf\u00fcr belohnt werden. Die Grenze zwischen gerade noch legal und kriminell wird immer diffuser. So verwundert es nicht, dass ein Wertpapierh\u00e4ndler in London den Schatten f\u00fcr immense Finanztransaktionen ausnutzen konnte. Bruno Iksil wurde der Wal von London genannt, weil er Derivate-Wetten mit bis zu 100 Mrd. USD platzierte. Er verstie\u00df 300 Mal gegen die internen Richtlinien. Im Nachhinein warfen die Beh\u00f6rden der Bank erhebliche Defizite im Risikomanagement vor, die zu einem Verlust von 6,2 Mrd. USD f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Der Wal von London ist kein Einzelfall. Nick Leeson trieb 1995 mit seinen Spekulationen die Barings Bank in den Abgrund. J\u00e9r\u00f4me Kerviel verursachte 2008 Milliardenverluste f\u00fcr die Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale. Die Liste l\u00e4sst sich beliebig weiterf\u00fchren: Kweku Adoboli (UBS), John Rusnak (Allied Irish Bank), Toshihide Iguchi (Daiwa Bank), Yasuo Hamanaka (Sumitomo Corporation), Brian Hunter (Amaranth). Diese F\u00e4lle sind klar zu unterscheiden von kriminellen Machenschaften, die die gesamte Organisation involvierten, wie beispielsweise bei Bernard L. Madoff Investment Securities (Bernard Madoff), Bayou Hedge Fund (Samuel Israel), Richard Whitney &amp; Co. (Richard Whitney) und anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Abgas-Manipulation bei Volkswagen<\/h3>\n<p>Es ist so selbstverst\u00e4ndlich, dass wir als Kunden kaum noch darauf reagieren: Wer wundert sich dar\u00fcber, dass sein Auto im Normalbetrieb deutlich mehr Treibstoff verbraucht, als im Verkaufsprospekt angegeben? Mit fast schon offiziellen Methoden werden die tats\u00e4chlichen Verbrauchszahlen nach unten korrigiert. Jeder Automobilhersteller praktiziert dies. Ein aufrichtiger Produzent w\u00e4re somit benachteiligt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn eine ganze Branche so fragw\u00fcrdig mit der Wahrheit umgeht, werden Schattenorganisationen gef\u00e4hrlich. Die kleinen, tolerierten Tricks werden immer gr\u00f6\u00dfer und weitreichender. Vermutlich haben die Ingenieure bei Volkswagen bei den Angaben ihrer Wettbewerber auch Tricks vermutet. Mit der Zeit nutzten sie selbst immer gr\u00f6\u00dfere Tricks, um die Abgaswerte offiziell nach unten zu korrigieren. Hier f\u00fchrte wahrscheinlich Weisung (tiefste Verbrauchswerte mit kosteng\u00fcnstiger Technologie) ohne Kontrolle zum Desaster. Sollte das Mitwissen und Tolerieren bis in die obersten Ebenen reichen, ist der Fall noch einmal ganz anders zu beurteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/h2>\n<p>Schattenorganisationen werden in vielen F\u00e4llen von Mitarbeitern zum Vorteil des Unternehmens genutzt. Sie entstehen, wenn Kontrolle nicht mehr umfassend m\u00f6glich ist, wenn \u00fcberholte Prozesse und Weisungen offensichtlich nicht mehr im Interesse des Unternehmens oder der Kunden sind. Vorgesetzte tolerieren dieses Verhalten und tragen nicht selten durch eigenes Ausnutzen des Schattens dazu bei, diesen zu billigen. Gef\u00e4hrlich werden Schattenorganisationen dann, wenn einzelne Mitarbeiter diese Schatten sch\u00e4digend ausnutzen \u2013 oder sogar ganze Branchen durch ihr Handeln moralisch fragw\u00fcrdiges Verhalten guthei\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Freiheit, die keiner wollte Wenn zunehmende Teile unserer Organisation \u00fcberfordert sind<\/h2>\n<p>Globaler Wettbewerb im Spagat zwischen bahnbrechenden Innovationen und immensem Preisdruck, technologische und gesellschaftliche Revolutionen, sich ver\u00e4ndernde Kunden- und Mitarbeitererwartungen, hohe regulative Komplexit\u00e4t und Anspruchshaltung der Gesellschaft \u2013 Unternehmen stehen vor gro\u00dfen Herausforderungen. Sie m\u00fcssen sich drastisch ver\u00e4ndern und zugleich stets verbessern. Die Reaktionszeiten, die \u00fcber Erfolg und Misserfolg entscheiden, werden immer k\u00fcrzer \u2013 ganz zu schweigen vom eigenen Anspruch, den Takt vorzugeben und dem Wettbewerb voran zu sein. All diese Entwicklungen beschleunigen sich weiter und werden dringlicher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Strukturen, B\u00fcrokratie und Hierarchien<\/strong><\/p>\n<p>Viele Gesch\u00e4ftsleitungen \u2013 und auch die Mitarbeiter \u2013 erkennen, dass Unternehmen agiler werden m\u00fcssen. Agil bedeutet beweglich. Folglich bedeutet dies, dass Unternehmen zu unbeweglich (geworden) sind. Sie k\u00f6nnen mit den Ver\u00e4nderungen nicht mithalten. Sie sind erstarrt durch unflexible Strukturen, eine \u00fcberbordende B\u00fcrokratie und \u00fcberm\u00e4chtige Hierarchien. Die Aufmerksamkeit wird damit nach innen gelenkt, nicht nach au\u00dfen auf den Kunden und auf den Markt. Interne Prozesse und die Konformit\u00e4t mit Vorgaben sind im operativen Alltag wichtiger geworden als die Bed\u00fcrfnisse der Kunden. Das \u00dcberleben in den internen Machtstrukturen scheint erfolgversprechender als Risiken einzugehen, die f\u00fcr grundlegende Innovationen unumg\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit der Brechstange Elefanten das Tanzen beibringen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Um diese Erstarrung aufzubrechen, versuchen einige Unternehmen, mit der Brechstange dem Elefanten das Tanzen beizubringen. Das Gebot der Stunde lautet Agilit\u00e4t. Verkrustete Strukturen werden zerschlagen und Mitarbeitern, Teams und ganzen Bereichen wird Selbstorganisation verordnet. Da alle sich beklagen, sie k\u00f6nnten es selbst besser machen, dann sollen sie es tun. \u201eOrganisiert euch selbst!\u201c, ist das neue Mantra.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer einen solchen Befreiungsschlag bereits erlebt hat, wird von entt\u00e4uschenden Erlebnissen und ern\u00fcchternden Ergebnissen berichten k\u00f6nnen. Nach kurzer, anf\u00e4nglicher Euphorie \u2013 die nicht selten von ungl\u00e4ubigem Staunen begleitet ist \u2013 versucht man sich in Selbstorganisation. Das ist zeit- und energieaufwendig, man muss alle von seinen Ideen \u00fcberzeugen. Wenn einer im Team eine Idee nicht gut findet, funktioniert Selbstorganisation schwer bis gar nicht. Jeder kann Nein sagen, niemand Ja. Wenn Selbstorganisation \u00fcber die eigenen Teamgrenzen hinaus funktionieren soll, wird Abstimmung und Koordination noch schwieriger und aufwendiger. Statt neuer Produktivit\u00e4t, verbessertem Kundenfokus und kreativer Innovation herrscht in hohem Ma\u00dfe die Besch\u00e4ftigung mit sich selbst und manchmal sogar das Chaos: die \u00fcberforderte Organisation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kl\u00e4rende Instanzen zur\u00fcck gesehnt<\/strong><\/p>\n<p>Mitarbeiter sind in dieser Lage geneigt, sich nach einer kl\u00e4renden Instanz zur\u00fcckzusehnen, nach jemandem, der die Dinge entscheidet und nach vorne bringt \u2013 nat\u00fcrlich in ihrem eigenen Sinne. Vorgesetzte sehen sich best\u00e4tigt darin, dass sie gebraucht werden, um ein produktives Umfeld zu schaffen, Konflikte zu l\u00f6sen und eine Richtung vorzugeben. Die Mitarbeiter scheinen nicht f\u00e4hig, sich selbst zu organisieren. Sie ben\u00f6tigen eine starke F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit, die sie an die Hand nimmt: \u201eNoch einmal Gl\u00fcck gehabt. Wir Vorgesetzte werden gebraucht!\u201c Nicht selten wird die Einf\u00fchrung agiler Konzepte nach einer gewissen Zeit mit gro\u00dfer Entt\u00e4uschung wieder eingestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbstorganisation ist kein Allheilmittel<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt sind offene Fragen. Die etablierten Strukturen scheinen keine L\u00f6sungen zu bieten, die Einf\u00fchrung von agilen Konzepten ebenso wenig \u2013 zumindest nicht im eigenen Unternehmen. Welcher Weg ist zu w\u00e4hlen? Welche Ma\u00dfnahmen kann das Unternehmen ergreifen? Die Herausforderungen sind gleich geblieben. Das Unternehmen hat schmerzhaft erfahren, dass Selbstorganisation nicht das Allheilmittel ist. Die Erfahrung der \u00dcberforderung der eigenen Organisation hat die Einf\u00fchrung agiler Methoden f\u00fcr die nahe Zukunft verbrannt. Wie konnte das geschehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Landkarte hilft zu verstehen, was geschehen ist, bzw. in vielen Unternehmen derzeit geschieht oder geschehen wird. Selbstorganisation wird eingef\u00fchrt, ohne dass Mitarbeiter die M\u00f6glichkeit erhalten, eine gestaltende Rolle einzunehmen. Neben der M\u00f6glichkeit fehlt vielerorts auch die F\u00e4higkeit der gesamten Organisation und einzelner Mitarbeiter. Die konkreten Konzepte der Selbstorganisation m\u00fcssen erlernt und einge\u00fcbt werden. Selbstorganisation ohne Erm\u00f6glichung und Bef\u00e4higung f\u00fchrt in die \u00dcberforderung. Der Einwand, Mitarbeiter h\u00e4tten dies ja selbst in der Hand und k\u00f6nnten sich selbst organisieren und es selbst erlernen, greift zu kurz. Wenn in einem auf hoher Drehzahl laufenden Getriebe das System der Kraft\u00fcbersetzung ge\u00e4ndert wird, f\u00fchrt dies zwangsl\u00e4ufig zu Knirschen und Stottern in selbigem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Beispiel: Der Verkehr als Lehrmeister<\/h2>\n<p>Der Individualverkehr ist ein sehr anschauliches und lehrreiches Beispiel f\u00fcr Selbstorganisation. Jeder kann ausw\u00e4hlen, mit welchem Fahrzeug zu welcher Zeit auf welcher Route mit welchen Fahrg\u00e4sten er von wo nach wo f\u00e4hrt. Niemand schreibt uns dies vor oder steuert den Verkehr zentral. Dennoch funktioniert Verkehr in den meisten F\u00e4llen sehr gut. Woran liegt dies? Und was k\u00f6nnen wir f\u00fcr Unternehmen daraus lernen? Verkehr basiert auf allgemein akzeptierten und zum Gro\u00dfteil eingehaltenen Regeln. Wir fahren z. B. in Kontinentaleuropa auf der rechten Stra\u00dfenseite. G\u00e4be es das Rechtsfahrgebot nicht, m\u00fcssten sich die Verkehrsteilnehmer bei jeder Begegnung einigen, auf welcher Seite sie aneinander vorbei fahren. Dies\u00a0 w\u00fcrde die Kapazit\u00e4t des Verkehrs stark beeintr\u00e4chtigen. Es w\u00e4re wie heute beim Fu\u00dfg\u00e4ngerverkehr: Jede Begegnung erfordert eine stillschweigende Aushandlung des Vorbeikommens. Bei Fu\u00dfgeschwindigkeit ist dies problemlos m\u00f6glich. Doch schon bei hohem Fu\u00dfg\u00e4ngeraufkommen bilden sich Verkehrsfl\u00fcsse, in die man sich einordnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Regel im Autoverkehr in vielen L\u00e4ndern lautet rechts vor links und regelt das Verhalten bei Kreuzungen. Dar\u00fcber hinaus wurden mit der Zeit Instrumente entwickelt, die den zunehmenden Stra\u00dfenverkehr fl\u00fcssig gestalten. Zun\u00e4chst regelten Polizisten an vielbefahrenen Kreuzungen die Vorfahrt, sp\u00e4ter \u00fcbernahmen Ampeln diese Aufgabe. Verkehrszeichen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Zebrastreifen, Kreisverkehre und viele andere mehr organisieren heute den Verkehr. Wenn alle Teilnehmer sich an diese Regeln halten, kann Verkehr selbstorganisiert gut funktionieren. Wir lernen die Regeln f\u00fcr die F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung und \u00fcben sie t\u00e4glich in der Praxis. Ohne diese Regeln w\u00fcrde der Verkehr zusammenbrechen und wir w\u00e4ren in der \u00dcberlastungssituation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Interpretation von Regeln ist auch die Kultur. Dieselbe Regel f\u00fchrt in unterschiedlichen Kulturen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Autofahrer, die sich in Deutschland sehr gut zurechtfinden, sind in s\u00fcditalienischen St\u00e4dten zum Teil \u00fcberfordert. Noch schwieriger wird es f\u00fcr westliche Autofahrer in anderen Kulturen. Ein Youtube-Video vom Meskel Square in Addis Abeba 7 zeigt eindr\u00fccklich, wie dort eine vielbefahrene Kreuzung ohne Ampel funktioniert. In scheinbarem Chaos kommen Autos und Fu\u00dfg\u00e4nger irgendwie aneinander vorbei. Bei st\u00e4rker steigendem Verkehrsaufkommen jedoch sto\u00dfen derart selbstorganisierte Kreuzungen \u2013 wie auch ganze St\u00e4dte \u2013 an Grenzen. Dann ben\u00f6tigt man klare Regeln der Selbstorganisation mit einer besseren Infrastruktur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Erst muss ei Regelwerk erarbeitet werden<\/h2>\n<p>Selbstorganisation ben\u00f6tigt einen gut durchdachten und einge\u00fcbten Satz an Regeln. Ohne Regeln, deren Einhaltung und die Gew\u00f6hnung der Teilnehmer k\u00f6nnen selbstorganisierende Systeme nicht funktionieren. Wollen Unternehmen Selbstorganisation einf\u00fchren, m\u00fcssen sie ein Regelwerk erarbeiten, dieses vermitteln und ein\u00fcben. Erst wenn die Regeln dem Zweck dienlich sind, von den Mitarbeitern verstanden und erlernt wurden sowie notwendige Werkzeuge zur Verf\u00fcgung stehen, kann Selbstorganisationerfolgreich funktionieren. Ansonsten f\u00fchrt Selbstorganisation zwangsl\u00e4ufig in die \u00dcberlastung \u2013 und bringt damit keine Verbesserung, sondern eine Zuspitzung der aktuellen Problemlage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vergleichbar w\u00e4re dies in dem Beispiel des Verkehrs mit einer Kreuzung, die lange Zeit von einem Verkehrspolizisten geregelt wird (Weisung und Kontrolle). Mit der Zeit nimmt der Verkehr zu und teilweise fahren Autos dennoch hinter dem R\u00fccken des Polizisten, weil ihr Weg gerade frei ist (Schattenorganisation). Die Staus werden immer l\u00e4nger und Fahrer beschweren sich \u00fcber die schlechte Organisation. Der Polizist wirft frustriert das Handtuch und \u00fcberl\u00e4sst die Kreuzung der Selbstorganisation. Wenn in diesem Moment keine klaren, vereinbarten Regeln greifen und die Infrastruktur (Ampeln, Kreisverkehr o. \u00e4.) nicht vorhanden ist, versinkt die Kreuzung im Chaos (\u00fcberforderte Organisation).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Zukunft, die schon lange da ist: Wenn wir in agilen Netzwerken zusammenarbeiten<\/h2>\n<p>Agile Netzwerke funktionieren erfolgreich, wenn Mitarbeiter sich selbst organisieren k\u00f6nnen, d\u00fcrfen und wollen. Daf\u00fcr ist eine gemeinsame Absicht, ein gemeinsamer Zweck und Sinn erforderlich. F\u00fcr Selbstorganisation ist diese noch bedeutender als f\u00fcr andere Organisationsformen. Weniger bekannt ist der Aspekt, dass gerade Selbstorganisation sehr klare Regeln und Rituale ben\u00f6tigt, um wirksam zu sein. Es gibt in einigen Bereichen bereits entsprechende Regelwerke. In Entwicklungsabteilungen hat sich Scrum\u2013 eine Methode der agilen Software-Entwicklung \u2013 etabliert. Scrum enth\u00e4lt einen Satz an Regeln, Rollen, Verantwortlichkeiten und Ritualen, die diese Methode der Selbstorganisation wirksam macht: product owner, scrum master, backlog grooming, task picking, planning poker, daily stand-ups, retros und andere Elemente m\u00fcssen gut erlernt und strikt befolgt werden, damit der Erfolg gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unerforscht und kaum erprobt: Selbstorganisation \u00fcber ein Team hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Selbstorganisation \u00fcber ein einzelnes Team hinaus funktionieren soll, sind weitergehende Konzepte erforderlich, die bislang kaum erprobt und erforscht sind. Wie kann ein agiles Team mit einem von oben gef\u00fchrten Team zusammenarbeiten? Wie k\u00f6nnen mehrere selbstorganisierte Teams mit Kunden oder Lieferanten zusammenarbeiten, unabh\u00e4ngig von deren Organisation?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zahlreiche wissensbasierte Organisationen wie Universit\u00e4ten, Forschungsabteilungen, Medienunternehmen oder Beratungsfirmen haben interne Kulturen entwickelt, die Selbstorganisation team\u00fcbergreifend erm\u00f6glichen. Zum Teil sind diese Kulturen explizit in Betriebsverfassungen niedergeschrieben, teilweise bestehen sie in gelebter Praxis. Es spielt eine untergeordnete Rolle, wie explizit solche Organisationsformen beschrieben sind. Wichtiger ist, dass sie eindeutig gelebt werden. Eine nicht niedergeschriebene, aber sehr gut etablierte Unternehmenskultur der Selbstorganisation ist weitaus wirksamer als eine gut formulierte theoretische Verfassung, die sich in der t\u00e4glichen Arbeit nicht niederschl\u00e4gt. Die gelebte Organisationskultur muss Selbstorganisation erm\u00f6glichen und Mitarbeiter bef\u00e4higen und ermutigen, gestaltend zu wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei starkem Wachstum einer selbstorganisierten Einheit greift eine funktionierende Organisationskultur alleine jedoch zu kurz. Einzelne neue Mitarbeiter erlernen die Kultur w\u00e4hrend der t\u00e4glichen Arbeit von der Mehrzahl der darin ge\u00fcbten Kollegen. Kommen jedoch viele neue Mitarbeiter in kurzer Zeit hinzu, kann die gelebte Kultur alleine die erforderlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr funktionierende Selbstorganisation nicht mehr gew\u00e4hrleisten. Das Beispiel des Verkehrs veranschaulicht dies: Ein einzelner neuer Verkehrsteilnehmer erkennt unschwer, dass alle Autos rechts fahren, und passt sich an. Kommen gleichzeitig viele neue Verkehrsteilnehmer ohne eindeutige Regelungen zum Verkehrsgeschehen hinzu, ist nicht mehr klar erkennbar, dass alle rechts fahren sollen. Die erfahrenen Verkehrsteilnehmer sind \u00fcberlastet, den vielen Neuank\u00f6mmlingen die gelebten Regeln zu vermitteln. Aus diesem Grund wurden die Verkehrsausbildung und der F\u00fchrerschein eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorbild: Bonnie und Clyde &#8211; die selbstorganisierte Filmproduktion\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>Die Filmindustrie war eine der ersten Branchen, die sich zur Selbstorganisation transformierte. Im Hollywood der 1930er bis sp\u00e4ten 1950er Jahre besa\u00dfen Filmstudios noch die Produktionsst\u00e4tten, besch\u00e4ftigten fest angestellte Schauspieler und Kameraleute und strahlten die Filme in ihren eigenen Kinos aus. Sie waren von oben gesteuerte Unternehmen. Seit den 1960er Jahren, ma\u00dfgeblich beeinflusst durch die Produktion des Films Bonnie and Clyde, ist jede Filmproduktion eine selbstorganisierte und einmalige Zusammenstellung von Autoren, Investoren, Schauspielern, Kamerateams, Dreh- und Ausstrahlungsorten. Filmstudios haben ihre Form und Aufgabe ver\u00e4ndert. Auch in anderen Branchen haben bereits einzelne Unternehmen mehr freie Mitarbeiter engagiert als Festangestellte. Diese Konstellation erleichtert Selbstorganisation. Es ist noch nicht abzusehen, welches neue Gleichgewicht sich zwischen agilen, lose gekoppelten Netzwerken und neu strukturierten Unternehmen einstellen wird und welche Gr\u00f6\u00dfe diese Unternehmen haben werden. Wahrscheinlich wird dies je nach Marktumfeld und neuen Methoden der Selbstorganisation variieren.<\/p>\n<p>Gut funktionierende agile Netzwerke k\u00f6nnen schneller auf sich ver\u00e4ndernde Bedingungen reagieren. Mitarbeiter d\u00fcrfen und m\u00fcssen darin Verantwortung f\u00fcr ihren Aufgabenbereich \u00fcbernehmen. Sie k\u00f6nnen die richtigen Dinge voranbringen. Sie k\u00f6nnen schneller entscheiden \u2013 und entscheiden in der Abstimmung mit ihren Kollegen meist breiter abgest\u00fctzt als ein einzelner Chef. In der Regel sind Mitarbeiter in gut funktionierenden agilen Netzwerken hoch motiviert durch die gemeinsame Leistung, die Autonomie ihrer Arbeit und durch den Sinn ihrer Aufgaben, den sie viel klarer sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Agile Netzwerke sind keine Wohlf\u00fchlveranstaltungen<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ufig klingt f\u00fcr Au\u00dfenstehende ein agiles Netzwerk wie eine Wohlf\u00fchlveranstaltung, in der ein gutes Arbeitsklima wichtiger ist als gute Leistung. Es ist gef\u00e4hrlich, eine agile Arbeitsumgebung auf Heimarbeit und flexible Arbeitszeiten zu reduzieren und als Bespa\u00dfungsveranstaltung f\u00fcr die junge Generation von Mitarbeitern misszuverstehen. In gut funktionierenden agilen Netzwerken ist das Gegenteil der Fall. Die Leistungen der einzelnen und des Teams sind unglaublich transparent und werden regelm\u00e4\u00dfig in der Gruppe \u00fcberpr\u00fcft und eingefordert. Man kann sich mit schlechter Leistung viel weniger verstecken.<\/p>\n<p>Im Scrum berichten alle Mitglieder in einer t\u00e4glichen Kurz-Stehung (daily stand-up) dar\u00fcber, was sie gestern erreicht haben und was sie sich f\u00fcr heute vorgenommen haben. Wenn die Gruppe gegen Ende eines Monats das gegebene Leistungsversprechen nicht einhalten kann, weil ein Einzelner schlecht leistet, dann m\u00fcssen andere Mitglieder einspringen. Das machen sie nicht mehrere Male f\u00fcr dieselbe Person, ohne konkrete Ver\u00e4nderungen im Leistungsverhalten einzufordern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Zukunft werden digitale Plattformen au\u00dferhalb von Unternehmen die Selbstorganisation ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzen. Mitarbeiter w\u00e4hlen frei, in welchen Projekten bei welchen Unternehmen sie arbeiten wollen \u2013 abh\u00e4ngig von der Bewertung der Unternehmen und der teilnehmenden Mitarbeiter. Unternehmen werden die Mitarbeiter ausw\u00e4hlen, die gute Bewertungen f\u00fcr die anstehende Aufgabe haben \u2013 und auf deren gute Erf\u00fcllung vertrauen m\u00fcssen. Auch die Abwicklung von Arbeitsvertr\u00e4gen wird durch Plattformen ma\u00dfgeblich vereinfacht werden. Abrechnung, Sozialversicherung und sogar Beratung bez\u00fcglich der pers\u00f6nlichen Entwicklung werden von diesen Plattformen \u00fcbernommen werden. Aufgrund gro\u00dfer Datenmengen analysieren diese Plattformen, welche Kompetenzen in Zukunft gefragt sind \u2013 und schlagen diese den Mitarbeitern vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lieber Maschinen als Menschen als Arbeit-Zuteiler?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Art der Arbeitsorganisation liegt nicht jedem und ist auch nicht f\u00fcr jeden notwendig. Es ist jedoch spannend, dass es erste Forschungsergebnisse gibt, die nahelegen, dass Menschen in gewissen Situationen Maschinen f\u00fcr die Zuteilung von Arbeit menschlichen Vorgesetzten vorziehen. So weit m\u00f6chten wir in unseren \u00dcberlegungen (noch) nicht gehen. Dennoch sind wir der \u00dcberzeugung, dass technologische Fortschritte dazu f\u00fchren werden, dass sich mehr Menschen gut und gerne mit Hilfe von Technologie selbst organisieren als wir dies heute vermuten. Technologie hat nicht nur die Welt zu einem globalen Dorf gemacht, sondern macht auch uns wieder zu selbstst\u00e4ndigen Handwerkern in diesem Dorf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unbemerkt hat in vielen Unternehmen Selbstorganisation schon lange Einzug gehalten. Nicht selten nutzen Vorgesetzte oder ganze Abteilungen den Schatten einer gesteuerten Organisation, um Selbstorganisation zu leben. Entwicklungsabteilungen, die Scrum einf\u00fchren, obwohl es nicht in den Unternehmensprozessen verankert ist, sind ein solches Beispiel. Dezentrale L\u00e4ndereinheiten, die sich von der Konzernzentrale abkapseln und deren Verhalten geduldet wird, solange sie erfolgreich sind, sind ein anderes Beispiel.<\/p>\n<p>Ebenso erm\u00f6glichen Vorgesetzte, die ihren Mitarbeitern viel Freiheit bei der Gestaltung ihrer Arbeit einr\u00e4umen, eine funktionierende Selbstorganisation. W\u00e4hrend aus Unternehmensperspektive das Team im Schatten wirkt, ist das Team selbst in sich ein funktionierendes agiles Netzwerk. Im Idealfall gew\u00e4hren Unternehmen einzelnen Teams diese Freiheit, sich selbst zu organisieren. Dadurch kann das Unternehmen als Ganzes lernen und andere Teams k\u00f6nnen von den Erfahrungen profitieren.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr erfolgreiche Selbstorganisation sind vier Elemente:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>die gemeinsame Absicht, der gemeinsame Zweck und Sinn, mit deren Hilfe Selbstorganisation eine gemeinsame Richtung erh\u00e4lt,<\/li>\n<li>die Qualit\u00e4t der Regeln und der Rituale (nicht nur de jure, sondern de facto),<\/li>\n<li>die Bereitschaft und Ge\u00fcbtheit von Mitarbeitern und F\u00fchrungskr\u00e4ften, in dieser Organisationsform zu arbeiten sowie<\/li>\n<li>die Qualit\u00e4t der Infrastruktur im Sinne von passenden F\u00fchrungsinstrumenten, Methoden und Technologien.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Regeln der Selbstorganisation sollten m\u00f6glichst einfach sein, damit sie gut erlernt und in der Praxis auch tats\u00e4chlich gelebt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Beispiel Ein Vers\u00e4umnis von Napoleon<\/h3>\n<p>F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Qualit\u00e4t von Regeln bietet sich erneut das Beispiel Verkehr an. Eine recht einfach zu verstehende und zu befolgende Regel in vielen L\u00e4ndern lautet: Rechts vor links. Sie ist in drei Worten beschrieben und schnell erlernt. Der Gro\u00dfteil der Verkehrsteilnehmer ist ge\u00fcbt darin, diese Regel einzuhalten. Diese organisiert den Verkehr an sonst ungeregelten Kreuzungen hinreichend. Falls mehrere Verkehrsteilnehmer gleichzeitig die Kreuzung erreichen, hat sich zus\u00e4tzlich der Blickkontakt zur Abstimmung des Vorrangs eingeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Anf\u00e4nge dieser Verkehrsregel gehen zur\u00fcck auf die Zeit, als das Pferd das dominierende Transportmittel war. Die vornehmlich m\u00e4nnlichen Verkehrsteilnehmer trugen das Schwert auf der linken Seite, so war das Besteigen des Pferdes von links einfacher. Das Besteigen des Pferdes war zudem vom Stra\u00dfenrand sicherer als von der Mitte einer Stra\u00dfe, so b\u00fcrgerte sich der Linksverkehr ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Frankreich setzte sich mit zunehmender Dominanz der Kutsche der Rechtsverkehr durch und Napoleon verbreitete diesen durch seine Feldz\u00fcge in ganz Europa. Er \u00fcbersah allerdings, die Rechts-vor-links-Regel ebenso zu spiegeln: Es blieb dabei, obwohl die Seiten des Verkehrs gewechselt hatten. Ein vermeintlich kleines Versehen, dessen Auswirkungen sp\u00fcrbar werden, wenn man in einem Land mit Linksverkehr Urlaub macht. Dort herrscht entgegen der nachvollziehbaren Erwartungen in den meisten F\u00e4llen dennoch die Rechts-vor-links-Regel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Auswirkungen sind nicht zu untersch\u00e4tzen. Stellen Sie sich vor, in unserem Rechtsverkehr w\u00fcrde die Links-vor-rechts-Regel gelten, also umgekehrt zu heute. Auf einer Vorfahrtstra\u00dfe m\u00fcsste man nicht f\u00fcr jede einm\u00fcndende Stra\u00dfe ein Vorfahrt-gew\u00e4hren-Schild anbringen. Alle einm\u00fcndenden Stra\u00dfen kommen jeweils von der rechten Seite und w\u00e4ren automatisch nachrangig. Im Kreisverkehr m\u00fcsste nicht jede einm\u00fcndende Stra\u00dfe mit einem Vorfahrt-gew\u00e4hren-Schild ausgestattet werden, da sie von rechts kommt und damit automatisch durch die allgemeine Links-vor-rechts-Regel nachrangig w\u00e4re. Die Qualit\u00e4t von Regeln zeichnet sich nicht nur durch deren Einfachheit aus.\u00a0 Sie zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie nur wenige Ausnahmen ben\u00f6tigt, um verschiedenen Situationen gerecht zu werden. Rechts-vor-links ist genauso einfach wie Links-vor-rechts. Dennoch ben\u00f6tigt Links-vor-rechts in einem System des Rechtsverkehrs deutlich weniger Ausnahmen. Damit w\u00e4re die Links-vor-rechts-Regel eigentlich besser geeignet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die Qualit\u00e4t von Regeln ist das Linksabbiegen bei Kreuzungen. Bei Rechtsverkehr wurde an Kreuzungen konsequenterweise rechts aneinander vorbei gefahren. Entgegenkommende Fahrzeuge, die beide links abbiegen wollten, mussten zweimal kreuzen. Nach dem zweiten Weltkrieg f\u00fchrten die Besatzungsm\u00e4chte das tangentiale Abbiegen ein, bei dem Linksabbieger links aneinander vorbeifahren. Diese Innovation steht zwar im Widerspruch zum Rechtsverkehr, jedoch erh\u00f6ht sie die Kapazit\u00e4t von Kreuzungen nachhaltig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Selbstorganisation mit Regeln und Ritualen<\/h2>\n<p>Selbstorganisation wird schon heute in vielen Teams und Unternehmensbereichen praktiziert. Der Erfolg von Selbstorganisation h\u00e4ngt neben einer gemeinsamen Absicht und einer passenden Infrastruktur ma\u00dfgeblich von guten Regeln und Ritualen ab. Diese m\u00fcssen sich etabliert haben und Mitarbeiter m\u00fcssen ihnen gut folgen k\u00f6nnen. Je besser die Regeln und Rituale konzipiert sind und gelebt werden, desto besser funktioniert Selbstorganisation. Sie erm\u00f6glicht Mitarbeitern, sich gestaltend einzubringen und damit agiler und selbstverantwortlicher f\u00fcr das Unternehmen und die gemeinsame Sache t\u00e4tig zu werden. Selbstorganisation bedeutet nicht, alles sich selbst zu \u00fcberlassen. Es geht vielmehr darum, mit klaren Regeln und Ritualen ein gemeinsames Zusammenarbeiten optimal zu unterst\u00fctzen. Entscheidungen werden gemeinsam nach vereinbarten Regeln getroffen. Die Kontrolle funktioniert meist durch Selbstkontrolle und gemeinsame Kontrolle im Team.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Landkarte: Wenn Mitarbeiter und Organisationen zusammenspielen<\/h2>\n<p>Stellen wir die verschiedenen Sichtweisen im \u00dcberblick dar, ergibt sich die angek\u00fcndigte Landkarte. Wir sehen, wie verschiedene Rollen von Mitarbeitern bei unterschiedlichen Organisationsprinzipien zu einer anderen Qualit\u00e4t der Zusammenarbeit f\u00fchren. Es wird sichtbar, warum wir Schattenorganisationen haben und warum Mitarbeiter bei schlecht eingef\u00fchrter Selbstorganisation \u00fcberfordert sind. Im ersten Fall gestalten Mitarbeiter, ohne dass es durch das Organisationsprinzip unterst\u00fctzt wird. Im zweiten Fall wird Selbstorganisation gefordert, ohne die notwendige Kompetenz der Mitarbeiter im Sinne von k\u00f6nnen und d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genauso sehen wir, dass Weisung und Kontrolle funktioniert, wenn die Ausf\u00fchrung von Weisungen f\u00fcr das Marktumfeld gen\u00fcgt und Mitarbeiter der F\u00fchrung folgen. Und dass Selbstorganisation dann wirksam wird, wenn Mitarbeiter gestalten k\u00f6nnen, d\u00fcrfen und wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Im Chaos sind wir alle gleich: Wenn Schatten in \u00dcberforderung m\u00fcndet<\/h2>\n<p>Eine Schattenorganisation wird von vielen Mitarbeitern als positiv wahrgenommen. Hier gedeihen kreative Ideen und L\u00f6sungen. Hier kann man sich auf das wirklich Wesentliche konzentrieren. Solange die Schattenorganisation klein ist und es nur wenige Dinge gibt, die im Schatten organisiert werden, funktioniert der Schatten sehr gut. Sobald Schattenorganisationen gr\u00f6\u00dfer werden und zahlreiche Vorg\u00e4nge im Schatten abgewickelt werden, verliert die Schattenorganisation ihre Vorteile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unklare Verantwortlichkeiten sind der Fluch<\/strong><\/p>\n<p>Die unklaren Strukturen und Verantwortlichkeiten werden vom Segen zum Fluch. Die klassische Weisung und Kontrolle au\u00dferhalb des Schattens funktioniert immer weniger \u2013 es gibt aber auch kein funktionierendes agiles Netzwerk im Schatten, weil keine klaren Regeln f\u00fcr die Schattenorganisation und auch keine eindeutigen Verantwortlichkeiten definiert sind. Immer weniger Beteiligte k\u00f6nnen den Schatten produktiv nutzen \u2013 viele andere sind im Schatten \u00fcberfordert. Der Schatten ist eine Form der Selbstorganisation, die niemand ausgerufen hat \u2013 und die immer mehr Mitarbeiter in die \u00dcberforderung bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ebenso tendiert Selbstorganisation, die ausgerufen aber nicht gut eingef\u00fchrt ist, in den Schatten abzuwandern. Aus der \u00dcberforderung heraus suchen sich einige Teams Abhilfe zu schaffen, indem sie ihre eigene Interpretation von Selbstorganisation einf\u00fchren. So k\u00f6nnen \u00fcberlastete Organisationen zumindest eine gewisse Leistung erbringen. Sie sind in den Schatten ausgewandert.<\/p>\n<p>Bildet man dies im Quadranten ab, so ber\u00fchren sich Schattenorganisation und \u00fcberforderte Organisation in ihren Extremen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus Hermann Arnolds &#8222;Wir sind Chef &#8211;\u00a0Wie eine unsichtbare Revolution Unternehmen ver\u00e4ndert&#8220;.\u00a0Arnold ist Mitgr\u00fcnder und Chairman von Haufe Umantis, dem IT-Pionier und Spin-Off der Uni St-Gallen. &nbsp; \u00a0 &nbsp; Sichtweisen Wie man auf die Unternehmensrealit\u00e4t blicken kann In diesem &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/09\/30\/buchauszug-wir-sind-chef-von-hermann-arnold\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6020,1890,1983,5330],"class_list":["post-661763","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-wir-sind-chef","tag-buchauszug","tag-haufe-verlag","tag-hermann-arnold"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=661763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/661763\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=661763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=661763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=661763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}