{"id":660923,"date":"2016-04-13T19:54:24","date_gmt":"2016-04-13T17:54:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=660923"},"modified":"2016-04-14T17:51:32","modified_gmt":"2016-04-14T15:51:32","slug":"personalchefs-wollen-nie-originalzeugnisse-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/04\/13\/personalchefs-wollen-nie-originalzeugnisse-sehen\/","title":{"rendered":"Personalchefs wollen nie Originalzeugnisse sehen &#8211; ein Fehler"},"content":{"rendered":"<p>Wie gro\u00df muss die Not sein, wenn Menschen in ihrem Lebenslauf l\u00fcgen und sogar Zeugnisse f\u00e4lschen, um einen Job zu bekommen. Selbst eine Gro\u00dfkanzlei auf der D\u00fcsseldorfer K\u00f6 war ja schon mal auf einen Arbeitsrechtsanwalt hereingefallen, der seine Uniabschl\u00fcsse nach oben korrigiert hatte, um dort eine Chance zu bekommen. Doch &#8211; und das ehrt die Kanzlei auch wieder &#8211; die Kollegen bemerkten seine Wissensl\u00fccken nach und nach und kamen dem Hochstapler auf die Spur.<\/p>\n<p>Das Vers\u00e4umnis von sehr vielen Personalern: Sie machen keine Background-Checks bei ihren Stellenbewerbern, beobachtet J\u00fcrgen Kempf von Result Group, der Sicherheitsberatung in Seeshaupt am Starnebrger See. &#8222;Personalabteilungen verlangen nie die Originale, sie sind schon zufrieden mit Kopien &#8211; die so leicht zu ver\u00e4ndern sind.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Originale verlangen<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel in dem Fall eines Konzerns, der Kempf mit dem Sicherheitscheck einer k\u00fcnftigen Mitarbeiterin der Compliance-Abteilung beauftragte. Die Frau hatte plausibel gemacht, dass sie von einer Chefposition zur\u00fcck ins Glied gehen wollte, &#8222;um k\u00fcrzer zu treten&#8220;. Kempf schrieb &#8211; nach schriftlicher Genehmigung von der Bewerberin &#8211; die Hochschulen an und heraus kam: Beide Universit\u00e4tsabschl\u00fcsse waren gef\u00e4lscht, bei beiden Unis war die Frau nie als Studentin eingetragen. Auch der Check im Internet f\u00f6rderte Widerspr\u00fcche zutage: Kempf stie\u00df auf einen Fachartikel, die die Frau in einem Nachbarland geschrieben hatte &#8211; nur dass in der Vita kein Arbeitgeber in dem Land vorkam. Den hatte sie unterschlagen, weil sie dort in Unfrieden und nach kurzer Zeit schon weggehen musste.<\/p>\n<p>&#8222;Im Lebenslauf etwas\u00a0verschweigen, ist keine Straftat, aber so jemand w\u00fcrde ich nie einstellen&#8220;, so Sicherheitsprofi Kempf, der mehrere Jahre selbst Sicherheitschef in mehreren Unternehmen war. Zumal mehr als Hochstapelei eines einzelnen dahinter stecken kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vor Ort recherchieren<\/strong><\/p>\n<p>Oft genug hilft nur eins, sagt er: Hinfahren. Zum Beispiel im Fall der britischen Firma, die gerade eine Due Diligence eines italienischens Unternehmens machte, das sie \u00fcbernehmen wollte. Vor Ort, in Sizilien, fanden die Result-Group-Mitarbeiter heraus, dass das Management des Unternehmens bei der organisierten Kriminalit\u00e4t kr\u00e4ftig mitmischten und mit einem Dutzend anderer Firmen Ausschreibungsbetrug begangen hatten. Kempf: Das h\u00e4tte man nur durch Recherchen in \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen\u00a0nicht so einfach herausbekommen k\u00f6nnen, &#8222;denn in Italien muss man erst von drei Instanzen nacheinander\u00a0verurteilt worden sein, ehe es ver\u00f6ffentlicht werden darf.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_660924\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-660924\" class=\"size-full wp-image-660924\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/result.group_.kempf_.jpg\" alt=\"Kempf, Result-Group\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/result.group_.kempf_.jpg 640w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/result.group_.kempf_-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/result.group_.kempf_-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-660924\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Kempf, Result-Group<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sieben grundlegende Sicherheits-Tipps\u00a0zur Risikominimierung f\u00fcr Unternehmen gibt J\u00fcrgen Kempf, Head of Forensic Services bei Result Group:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcberpr\u00fcfen Sie genau den Hintergrund Ihres <strong>Personals<\/strong> vor der Einstellung. Das gilt auch f\u00fcr tempor\u00e4re Mitarbeiter. Letztere checkt man entweder &#8211; wie die eigenen &#8211; selbst oder man verpflichtet die Entsendeagentur.<\/li>\n<li>\u00dcberpr\u00fcfen Sie Ihre <strong>Gesch\u00e4ftspartner<\/strong> nicht nur durch Internet-Recherchen oder die Abfrage von Auskunfteien. Senden Sie jemanden zum Vor-Ort-Termin, um sich ein pers\u00f6nliches Bild zu machen. Da kann man mit Beh\u00f6rden, Pressevertretern oder Nachbarn und so weiter reden.<\/li>\n<li>Lassen Sie <strong>Reinigungskr\u00e4fte<\/strong> in heiklen Bereichen nie unbeaufsichtigt.<\/li>\n<li>Planen Sie Rundg\u00e4nge von <strong>Sicherheitskr\u00e4ften<\/strong> auch unter Informationsschutz-Aspekten \u2013 der Guard muss nicht \u00fcberall sein. Sensible Bereiche k\u00f6nnen durch Alarmtechnik gesch\u00fctzt werden. Im Alarmfall sollte der Zugang nur protokolliert erfolgen.<\/li>\n<li>Pr\u00fcfen Sie genau, wer Ihr Unternehmen als <strong>Besucher<\/strong> betritt. Dabei ist eine Visitenkarte\u00a0nie\u00a0ausreichend zur Legitimation.<\/li>\n<li>Erstellen Sie ein ganzheitliches <strong>Informationsschutzkonzept<\/strong>, das nicht nur interne Datenfl\u00fcsse, sondern auch die Einbindung aller Stakeholder ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Das Wichtigste: <strong>Sensibilisieren<\/strong> Sie Ihre eigenen Mitarbeiter im Umgang mit den Kronjuwelen, also besonders sensiblen Daten und Informationen. Die Erfahrung zeigt: Je mehr Pr\u00e4vention und Aufkl\u00e4rung der Mitarbeiter betrieben wird, desto weniger Daten kommen abhanden.<\/li>\n<li>Und, Achtung: Backgroundchecks nie\u00a0ohne die vorherige Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung des Bewerbers starten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-660836\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg\" alt=\"K%c3%b6nige%20der%20Blogosph%c3%a4re\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/04\/Kc3b6nige20der20Blogosphc3a4re.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gro\u00df muss die Not sein, wenn Menschen in ihrem Lebenslauf l\u00fcgen und sogar Zeugnisse f\u00e4lschen, um einen Job zu bekommen. 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