{"id":660460,"date":"2016-05-10T00:44:36","date_gmt":"2016-05-09T22:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=660460"},"modified":"2016-05-10T00:44:36","modified_gmt":"2016-05-09T22:44:36","slug":"buchauszug-aus-lars-vollmers-zurueck-an-die-arbeit-alle-muessen-wieder-mehr-arbeiten-duerfen-statt-zu-machen-was-nur-wie-arbeit-aussieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/05\/10\/buchauszug-aus-lars-vollmers-zurueck-an-die-arbeit-alle-muessen-wieder-mehr-arbeiten-duerfen-statt-zu-machen-was-nur-wie-arbeit-aussieht\/","title":{"rendered":"Buchauszug aus Lars Vollmers &#8222;Zur\u00fcck an die Arbeit&#8220;: Alle m\u00fcssen wieder mehr arbeiten d\u00fcrfen &#8211; statt zu machen, was nur wie Arbeit aussieht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mitarbeiter und ihre Chefs verbringen in den meisten Unternehmen mehr als die H\u00e4lfte ihrer Zeit mit T\u00e4tigkeiten, die wie Arbeit aussehen, aber keine Arbeit sind: Meetings, Jahresgespr\u00e4chen, Budgetverhandlungen, Reports, Genehmigungsprozeduren, Power-Point-Pr\u00e4sentationen, Unternehmensleitbildern, Organigrammen \u2013 reinem Business-Theater, das keine Wertsch\u00f6pfung erzeugt, nicht dem Kunden dient und nur eins ist: Verschwendung.\u00a0<\/strong><strong>Management-Vordenker Lars Vollmer analysiert, was in den Unternehmen falsch l\u00e4uft und warum: Weil Unternehmen 100 Jahre alten Prinzipien und Methoden arbeiten. Ein Buchauszug:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rituale, Reports und Regierungserkl\u00e4rungen<\/strong><\/p>\n<p>In den meisten Unternehmen wird viel zu wenig gearbeitet! \u2013 Ja, Sie lesen richtig! Die meisten Mitarbeiter UND vor allem die meisten F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen meiner Ansicht nach deutlich mehr arbeiten, wenn sie wollen, dass ihr Arbeitsplatz auf Dauer bestehen bleibt und ihr Unternehmen floriert. Deutlich mehr!<\/p>\n<p>Im ersten Moment mag das klingen, als h\u00e4tte ich mich im Jahrhundert\u00a0geirrt oder w\u00fcrde moderne Unternehmen mit Galeeren oder Steinbr\u00fcchen\u00a0verwechseln. Schon klar. Aber weder bin ich von der Mentalit\u00e4t oder von\u00a0meinem Beruf her ein altkapitalistischer Hardliner, noch verkenne ich die\u00a0Zeichen der Zeit. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-660461\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/cover.vollmerzur\u00fcckandiearbeit.jpg\" alt=\"cover.vollmer,zur\u00fcckandiearbeit\" width=\"423\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/cover.vollmerzur\u00fcckandiearbeit.jpg 423w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/cover.vollmerzur\u00fcckandiearbeit-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 423px) 100vw, 423px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Zur\u00fcck an die Arbeit!\u00a0Wie aus Business-Theatern wieder echte Unternehmen werden&#8220; von Lars Vollmer, Linde Verlag, Wien, 192 Seiten, 24,90 Euro<\/strong><\/p>\n<p><strong>Link zum Shop:<a href=\"http:\/\/www.lindeverlag.de\/titel-1-1\/zurueck_an_die_arbeit-6409\/\">\u00a0http:\/\/www.lindeverlag.de\/titel-1-1\/zurueck_an_die_arbeit-6409\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Buch ist f\u00fcr mich eine Herzenssache. Und nicht nur dieses\u00a0Buch \u2013 mit meinem ganzen beruflichen Wirken geht es mir ganz besonders\u00a0um eines: Arbeit muss wieder Freude machen. Sie muss funktionieren,\u00a0Sinn ergeben und sich dauerhaft lohnen. Meine Vision sind viele,\u00a0viele von Arbeit beseelte Menschen in wirtschaftlich erfolgreichen Firmen.\u00a0Ich w\u00fcnsche mir, dass m\u00f6glichst viele Menschen im Gef\u00fchl, etwas Sinnvolles\u00a0gerne und aus freien St\u00fccken zu tun, dazu beitragen, dass es ihnen\u00a0selbst und vielen anderen Menschen besser geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alle m\u00fcssen wieder mehr arbeiten d\u00fcrfen<\/strong><\/p>\n<p>Und darum fordere ich, dass alle mehr arbeiten.\u00a0Die Voraussetzung daf\u00fcr ist: Alle m\u00fcssen wieder mehr arbeiten d\u00fcrfen!\u00a0Mit alle meine nicht etwa nur den von Meetings Genervten, aber den\u00a0auch. Ich meine nicht nur den vom Jahresbewertungsgespr\u00e4ch Frustrierten,\u00a0aber den auch. Ich meine nicht nur den nach dem Assessmentcenter\u00a0Entt\u00e4uschten, aber den auch. Ich meine nicht nur den an der Parteienkarriere\u00a0gescheiterten Idealisten, aber den auch. Ich meine nicht nur den\u00a0fassungslos von der Ignoranz seiner Kollegen und Unwirksamkeit seiner\u00a0Projekte ermatteten internen Berater, aber den auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich meine nicht nur\u00a0die F\u00fchrungskraft in Wirtschaft und Gesellschaft, die sich danach sehnt,\u00a0endlich mal wieder mit echten Kunden und echten Projekten arbeiten zu\u00a0d\u00fcrfen, aber die auch. Ich meine nicht nur die vom st\u00e4ndigen Leistungsdruck\u00a0zerm\u00fcrbte Fachkraft, aber die auch. \u2013 Ich meine damit alle unzufriedenen\u00a0Mitarbeiter und F\u00fchrungskr\u00e4fte in allen m\u00f6glichen Organisationen\u00a0in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die gerne etwas Sinnvolles\u00a0bewirken wollen, die gerne gute, ehrliche Arbeit leisten wollen, die aber\u00a0das nagende Gef\u00fchl haben, irgendwie gar nicht mehr so richtig Zeit daf\u00fcr\u00a0zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der wunderbarste Ort der Arbeitswelt: Der Konferenzraum<\/strong><\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Bitte stellen Sie sich zu Ihrem und meinem Vergn\u00fcgen\u00a0f\u00fcr ein paar Minuten einmal einen der wunderbarsten Orte der\u00a0Arbeitswelt vor: den Konferenzraum eines gro\u00dfen Unternehmens!\u00a0Es ist 14:53 Uhr. F\u00fcnf Mitarbeiter stehen neben dem gro\u00dfen Designer-Konferenztisch\u00a0und begr\u00fc\u00dfen sich. Sie sind ruhig, freundlich, locker und\u00a0gleichzeitig in gespannter Erwartung wie ein Wolfsrudel, das sich zur Jagd\u00a0verabredet hat. Sie wissen genau, worum es geht. Und sie wissen vor allem,\u00a0dass sie in ein paar Minuten gebraucht werden, weil sie die einzig Richtigen\u00a0daf\u00fcr sind \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie schalten ihre Handys aus. Sie klappen ihre Laptops zu und packen\u00a0sie weg. Sie legen sich Stift und Papier zurecht und sprechen vorab mit\u00a0der Protokollantin die Tagesordnungspunkte durch. Die Agenda wurde\u00a0von der Assistentin der Chefin schon vor zwei Wochen zusammen mit\u00a0der Einladung verschickt. Au\u00dferdem liegen in einem sauber gebundenen\u00a0Handout die schriftlichen und vorab eingegangenen Stellungnahmen aller\u00a0Teilnehmer zu jedem Punkt vor. Einer geht nochmal kurz pr\u00e4ventiv auf\u00a0die Toilette, um nachher den Ablauf nicht st\u00f6ren zu m\u00fcssen. Besser fokussiert\u00a0kann ein Team nicht sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_660462\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-660462\" class=\"size-full wp-image-660462\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/vollmer_lars-3.jpg\" alt=\"Lars Vollmer\" width=\"650\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/vollmer_lars-3.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/vollmer_lars-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/03\/vollmer_lars-3-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-660462\" class=\"wp-caption-text\">Lars Vollmer<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Traum von Konferenz<\/strong><\/p>\n<p>Endlich geht es los!\u00a0Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch die Abteilungsleiterin entspinnt sich zu\u00a0TOP 1 auf der Liste eine Diskussion, die dank der optimalen Vorbereitung\u00a0aller Teilnehmer fruchtbarer kaum sein k\u00f6nnte. Alle Teilnehmer wirken\u00a0aktiv mit, argumentieren ausschlie\u00dflich auf sachlicher Ebene, lassen\u00a0einander ausreden und respektieren die gegenseitigen Standpunkte. Jeder\u00a0Beitrag erh\u00e4lt gen\u00fcgend Raum, keiner wiederholt das Statement des Vorredners.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beschl\u00fcsse werden begleitend f\u00fcr jedermann sichtbar visualisiert.\u00a0Niemand w\u00fcrde sich erlauben, zwischendurch ein Telefonat zu f\u00fchren\u00a0oder gar den Raum zu verlassen. Niemand betritt den Konferenzraum\u00a0von au\u00dfen und st\u00f6rt das Meeting. So sind bis zur f\u00fcnfmin\u00fctigen Pause\u00a0um 16:30 Uhr acht der zw\u00f6lf Tagesordnungspunkte mit einem klaren Ergebnis\u00a0bereits abgehakt. Gegen 17:15 Uhr ist die Runde mit allen Punkten\u00a0durch, das Meeting ist beendet. 15 Minuten vor der Zeit. Alle bedanken\u00a0sich gegenseitig, dann gehen die Teilnehmer mit einem guten Gef\u00fchl und\u00a0den besten W\u00fcnschen f\u00fcr einen sch\u00f6nen Feierabend auseinander. Was f\u00fcr\u00a0eine grandiose Arbeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das perfekte Meeting &#8211; ein Wunschtraum von Mitarbeitern, die produktiv sein wollen<\/strong><\/p>\n<p>Haben Sie so ein Meeting schon einmal erlebt? Kommen Sie, seien Sie\u00a0ehrlich! Also ich habe schon tausende Meetings erlebt, sowohl in meinen\u00a0eigenen Unternehmen als auch in vielen Unternehmen, die ich beraten\u00a0habe. Aber an ein derart perfektes Meeting kann ich mich nicht erinnern.\u00a0Und das ist auch kein Wunder! Denn solche Meetings gibt es in Wirklichkeit\u00a0gar nicht. Das ist nur Phantasie von Managementromantikern,\u00a0die mit viel naivem Verve idealistische Zerrbilder unserer Arbeit entwerfen.\u00a0Ein Wunschtraum von Chefs und Mitarbeitern, die gerne produktiv\u00a0sein wollen. Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der rauen Wirklichkeit l\u00e4uft so ein Meeting nat\u00fcrlich ganz anders.\u00a0Die Einladung ist, wenn \u00fcberhaupt, erst am Vorabend an einen \u00fcberdimensionierten\u00a0Verteiler gemailt worden, so dass keiner Zeit hatte, sich\u00a0gedanklich und inhaltlich darauf vorzubereiten. Die Tagesordnung ist ein\u00a0Fragment, so dass niemand wei\u00df, worum es genau gehen wird. Da die\u00a0Mehrzahl der Anwesenden zu den Themen sowieso nichts beitragen kann,\u00a0ist das aber nicht so tragisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nebens\u00e4chlichkeiten und Hahnenk\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Die Chefin hat kurzfristig angek\u00fcndigt, f\u00fcnf\u00a0Minuten sp\u00e4ter zu kommen \u2013 \u201eaber bitte fangen Sie schon mal ohne mich\u00a0an!\u201c. Als sie nach 25 Minuten eintrifft, werden die bis dahin abgehandelten\u00a0Punkte noch einmal neu aufgerollt. Die Diskussion ist z\u00e4h und die Beitr\u00e4ge\u00a0ufern aus. Um Nebens\u00e4chlichkeiten wird gestritten und Hahnenk\u00e4mpfe\u00a0werden ausgefochten. Krawatten zwicken. Die Teilnehmer unterbrechen\u00a0sich gegenseitig. Folgetermine dr\u00fccken. Die Klimaanlage ist kaputt. Das\u00a0Gelaber der anderen nervt. Die Mitteilungsschwaden, die durch den Raum\u00a0wabern, sind inhaltsarm und Konflikt vermeidend weich gesp\u00fclt. Es wird\u00a0berichtet und pr\u00e4sentiert, Anspr\u00fcche werden verhandelt, Anweisungen\u00a0werden gegeben und Standpunkte werden dargelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das, was wirklich interessant\u00a0w\u00e4re, wenn zum Beispiel ein echtes, dr\u00e4ngendes Kundenproblem\u00a0auf den Tisch kommt, wird sofort von der Chefin weg gemanagt. Nur gut,\u00a0dass alle die Zeit f\u00fcr die Mail-Lekt\u00fcre auf ihren immer wieder vibrierenden\u00a0Smartphones nutzen k\u00f6nnen. Es ist ein Kommen und Gehen wie im Taubenschlag,\u00a0der Kaffee ist lauwarm und die Protokollantin ist nicht zu beneiden.G\u00e4hn. Nach einer knappen Dreiviertelstunde ist die H\u00e4lfte der zu\u00a0besprechenden Themen auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Rest wird mehr\u00a0oder weniger beil\u00e4ufig abgehandelt, ohne dass neue Erkenntnisse gewonnen\u00a0werden. Am Schluss ist alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Die\u00a0Chefin schaut auf die Uhr, unterbricht den Kollegen mitten im Satz und\u00a0bestimmt: \u201eDas war\u2019s. Herzlichen Dank. Und nun zur\u00fcck an die Arbeit!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meetings als Plage, aber unvermeidbar &#8211; und unproduktiv<\/strong><\/p>\n<p>Ja, solche Meetings kennen Sie! Da bin ich sicher. Und ich kenne sie\u00a0auch zur Gen\u00fcge. In den meisten Unternehmen findet so ein Theater mit\u00a0be\u00e4ngstigender Regelm\u00e4\u00dfigkeit statt. Allt\u00e4gliche Routine!\u00a0Meetings sind zu einer echten Plage geworden. Alle leiden darunter.\u00a0Alle finden Meetings \u00e4tzend und machen sich dar\u00fcber lustig! Aber dennoch sitzen alle in Meetings herum. F\u00fcr die meisten Menschen, die daran\u00a0teilnehmen, scheint es ganz normal oder zumindest unvermeidbar: \u201eSo\u00a0ist das halt, wenn Menschen zusammenarbeiten! F\u00fcr die Arbeit zahle ich\u00a0schlie\u00dflich keine Vergn\u00fcgungssteuer! Hier geht es um\u2019s Gesch\u00e4ft. Irgendwie\u00a0m\u00fcssen wir doch gemeinsam vorankommen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine zunehmende Zahl von Mitarbeitern hat aber auch ein schlechtes\u00a0Gewissen und gibt sich oder den Kollegen oder dem Chef die Schuld. Sie\u00a0sp\u00fcren, dass diese Meetings unproduktiv laufen, und sehen die L\u00f6sung\u00a0darin, sie einfach professioneller zu organisieren. Nach den Erkenntnissen\u00a0der modernen Hirnforschung wom\u00f6glich. Zum Beispiel mit h\u00fcbsch eingerahmten\u00a0Besprechungsregeln und ampelfarbigen K\u00e4rtchen, die Zustimmung\u00a0oder Ablehnung symbolisieren sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meetings als Zeitverschwendung<\/strong><\/p>\n<p>Try harder?\u00a0Fail better! Das funktioniert alles nicht! Ich kann Sie n\u00e4mlich beruhigen:\u00a0Sie machen nichts falsch! Ein Meeting muss so oder \u00e4hnlich laufen!\u00a0Es l\u00e4uft auch nicht nur bei Ihnen so, sondern bei den meisten Unternehmen.\u00a0\u00dcberall treffe ich auf Menschen, die davon genervt und gestresst\u00a0sind. Die auch denken, dass sie oder ihre Organisation etwas falsch machen.\u00a0Die versuchen, es zu verbessern. Und die es damit, so gut sie es auch\u00a0meinen, nur noch schlimmer machen. Denn das ideale Meeting, wie ich\u00a0es am Anfang skizziert habe, gibt es im echten Leben nicht. Das ist kein\u00a0Zufall: Denn das kann es so gar nicht geben.<\/p>\n<p>Und davon abgesehen: Ich bin sogar der Meinung, dass selbst solche\u00a0perfekten Meetings, wenn es sie denn g\u00e4be, in den meisten F\u00e4llen Zeitverschwendung\u00a0und auf Dauer ebenso eine Plage w\u00e4ren!\u00a0Das Problem ist tats\u00e4chlich nicht die schlechte Ausf\u00fchrung von Meetings,\u00a0sondern der Anspruch an sie. Sie sind das falsche Tool f\u00fcr die richtige\u00a0Aufgabe. Oder sie sind das richtige Tool f\u00fcr die falsche Aufgabe, ganz\u00a0wie Sie m\u00f6chten. Sie sind der Schraubenzieher, mit dem Sie den Nagel in\u00a0die Wand treiben wollen. Oder sie sind der Hammer, mit dem Sie eine\u00a0Schraube in die Stahlstrebe versenken wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meetings statt Miteinander-Reden<\/strong><\/p>\n<p>Dass da etwas falsch l\u00e4uft, liegt nicht an den Menschen und ihren\u00a0mangelnden F\u00e4higkeiten, sondern an der Art und Weise, wie diese Menschen\u00a0ihre Arbeit organisieren. Dass sie es zum Beispiel mit ritualisierten\u00a0Meetings versuchen, anstatt miteinander zu reden. Nicht die Kollegen\u00a0oder die Chefs sind bl\u00f6d. Das Instrumentarium, das sie nutzen, ist bl\u00f6d.\u00a0Und nochmal zum Mitlesen: Nicht das Instrument Meeting an sich\u00a0ist falsch, schlecht oder nervig. Nur liegt sein Zweck eben nicht darin,\u00a0Informationen auszutauschen oder Entscheidungen herbeizuf\u00fchren. Und\u00a0deshalb kann so ein Friede-Freude-Eierkuchen-Meeting, von dem ich zu\u00a0Beginn des Kapitels fabuliert habe, katastrophale Zeitverschwendung und\u00a0hoch unproduktiv f\u00fcr das Unternehmen sein, auch wenn es sich superprofessionell\u00a0anf\u00fchlt. Warum das so ist, erl\u00e4utere ich sp\u00e4ter noch genauer,\u00a0nur Geduld!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alle leiden unter den Meetings &#8211; Chefs wie Mitarbeiter<\/strong><\/p>\n<p>Die Folge davon ist jedenfalls, dass viele Mitarbeiter in den meisten\u00a0Unternehmen, ganz gleich, ob sie die Meetingrituale f\u00fcr unvermeidlich\u00a0halten oder sich selbst die Schuld am Misslingen geben, in wachsendem\u00a0Ma\u00dfe darunter leiden. Und ihre Chefs leiden genauso!\u00a0Und ich meine echtes Leid! Ein Leiden, das s\u00fcndhaft teuer ist und auf\u00a0Dauer krank macht. Ein Leiden, das Menschen auf Dauer nicht ertragen,\u00a0das sie zur K\u00fcndigung treibt, zu ausgedruckten und unterschriebenen genauso\u00a0wie zu inneren K\u00fcndigungen. Manche l\u00e4stern hinter vorgehaltener\u00a0Hand \u00fcber die Meetings und rollen vor dem n\u00e4chsten Jour fixe mit den\u00a0Augen. Und immer mehr beklagen sich auch lauthals: So eine Zeitverschwendung!\u00a0So ein Theater! Und die Arbeit bleibt liegen!\u00a0Die Arbeit? Bleibt liegen?<\/p>\n<p>\u2026 Jetzt wird\u2019s spannend. Lesen Sie das ruhig\u00a0noch einmal. Etwas, das in den meisten Unternehmen so viel Raum\u00a0einnimmt. Etwas, f\u00fcr das alle anderen Arbeiten unterbrochen und liegengelassen\u00a0werden. Etwas, das so viele Ressourcen bindet (acht Teilnehmer\u00a0mal zweieinhalb Stunden gleich zwanzig Personenstunden!). Das soll keine\u00a0Arbeit sein?\u00a0Genau. Es ist keine Arbeit.\u00a0Und die Menschen wissen das intuitiv. Nach meiner Beobachtung\u00a0empfinden die meisten solche Veranstaltungen tats\u00e4chlich als etwas, das\u00a0sie von der Arbeit abh\u00e4lt. Sowohl die Mitarbeiter als auch die F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0leiden schwer unter dem Gef\u00fchl, nicht genug zur eigentlichen Arbeit\u00a0zu kommen. Denn, verdammt nochmal, sie wollen doch arbeiten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich habe die Schnauze voll von dem Theater&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal kommt es ihnen so vor, als w\u00e4ren sie nichts weiter als Darsteller\u00a0in einem Theaterst\u00fcck, das jemand anderer geschrieben hat. Es ist\u00a0ihnen, als ob sie in diesem St\u00fcck nicht sie selbst sind, sondern jeder von\u00a0ihnen eine Rolle spielt, die nicht zu ihm oder ihr passt. Eine Fehlbesetzung,\u00a0wie Lukas Podolski, wenn er nicht in K\u00f6ln spielen darf. Und ihr\u00a0heimlicher Sto\u00dfseufzer, den nur die Kollegen nicht h\u00f6ren d\u00fcrfen, ist: \u201eIch\u00a0habe die Schnauze voll von dem Theater!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frage ist dann nur: Wenn es keine Arbeit ist. Was ist es dann?\u00a0Tja, das ist gar nicht so einfach zu erkl\u00e4ren. Vor allem ist es zu wichtig,\u00a0um darauf eine pauschale, oberfl\u00e4chliche, unpr\u00e4zise oder gar polemische\u00a0Antwort zu geben. So viel kann ich an dieser Stelle schon dazu sagen: Es\u00a0ist eine teure Art von Besch\u00e4ftigung, die auf eine ganz bestimmte Weise\u00a0wertlos ist. Solche Besch\u00e4ftigungen bewirken durchaus etwas im Unternehmen,\u00a0sie sind keineswegs ohne Effekt. Aber dieser Effekt, diese Wirkung\u00a0ist au\u00dferhalb des Unternehmens bedeutungslos. Es ist quasi organisationelle Selbstbefriedigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum das so ist, warum das so wichtig ist, wie es dazu gekommen\u00a0ist und wie Unternehmen organisiert sein m\u00fcssen, damit der Gro\u00dfteil der\u00a0Besch\u00e4ftigungen der Mitarbeiter wieder Arbeit genannt werden kann, das\u00a0alles werde ich in diesem Buch mit Ihnen untersuchen und kl\u00e4ren. Folgen\u00a0Sie mir?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gut, dass wir miteinander gesprochen haben<\/strong><\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt gerade auf, dass ich bis jetzt nur von Meetings erz\u00e4hlt habe. Aber\u00a0es geht ja nicht nur um Meetings! Die sind auch kein Problem, sondern\u00a0nur ein Symptom, das eine allgegenw\u00e4rtige Ursache hat. Und Sie und ich\u00a0kennen selbstverst\u00e4ndlich noch viele weitere Symptome. Die passende\u00a0Frage danach ist ganz einfach: Welcher Teil Ihrer Arbeit h\u00e4lt Sie denn\u00a0noch von der Arbeit ab?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pflichtprogramm: Mitarbeitergespr\u00e4che &#8211; l\u00e4stig und unerspriesslich<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke mal laut f\u00fcr Sie mit, denn anders geht das in einem Buch ja\u00a0auch gar nicht: Direkt nach Meeting kommt im W\u00f6rterbuch des Schreckens\u00a0das Stichwort Mitarbeitergespr\u00e4che! Ja, die turnusm\u00e4\u00dfigen Pflichttermine f\u00fcr fachliche und disziplinarische Vorgesetzte und deren Untergebene.\u00a0Der richtige Zeitpunkt f\u00fcr Bewertungen, Ziele, Kritik, Lob und\u00a0allgemeines Feedback \u2026 wie sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Sobald Sie kein naiver Business-Rookie mehr sind, sondern Ihre Portion\u00a0Desillusionierung bereits geschluckt haben, wissen Sie, dass das in\u00a0etwa so aussieht: Sie werden ins Besprechungszimmer des Chefs zitiert\u00a0und m\u00fcssen zwanzig Minuten ausharren, w\u00e4hrend der Ledersessel hinterm\u00a0Schreibtisch erst einmal leer bleibt. Als der Chef endlich auftaucht,\u00a0hat er wenig Zeit und ist schlecht vorbereitet. Konkret um die Leistung,\u00a0die Probleme der Arbeit, den Kunden, die Arbeitsorganisation, Innovationen\u00a0und Verbesserungen geht es in keinster Weise. Stattdessen sagt der\u00a0Chef, dass es bei Ihnen doch im Gro\u00dfen und Ganzen recht gut laufe, aber\u00a0nat\u00fcrlich trotzdem noch Luft nach oben sei. Und wie schwierig doch die\u00a0Lage da drau\u00dfen gerade sei, da m\u00fcssten jetzt alle noch etwas Tempo und\u00a0Power drauflegen. \u00dcber Ihr Gehalt mag er heute auch nicht sprechen, da\u00a0die Vorgaben aus der Zentrale f\u00fcr das Personalkostenbudget immer noch\u00a0auf sich warten lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freudlose Mitarbeitergespr\u00e4che &#8211; f\u00fcr beide Beteiligten<\/strong><\/p>\n<p>Das war\u2019s, nach weiteren zwanzig Minuten stehen\u00a0Sie wieder drau\u00dfen im Flur. \u201eGut, dass wir mal wieder miteinander gesprochen\u00a0haben \u2026\u201c. Wirklich gut? Und wie f\u00fchlen Sie sich jetzt?\u00a0Klar, so ein Mitarbeitergespr\u00e4ch k\u00f6nnte man besser machen. Aber so\u00a0oder so: Es macht keine Freude, weder dem Chef noch dem Mitarbeiter.\u00a0Beide finden es l\u00e4stig und unersprie\u00dflich, aber es geh\u00f6rt heute zum unerl\u00e4sslichen\u00a0Pflichtprogramm vieler Unternehmen, Teams und Abteilungen,\u00a0dem sich beide Seiten auf gar keinen Fall entziehen d\u00fcrfen. Und wenn sich\u00a0beide auch noch so viel mehr M\u00fche geben w\u00fcrden: Sie k\u00f6nnen es prinzipiell\u00a0gar nicht so gestalten, dass w\u00e4hrend dieser zwanzig Minuten Machtdemonstration\u00a0irgendein Wertsch\u00f6pfungsbeitrag erzielt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um dem Mitarbeiter dabei zu helfen, besser zu arbeiten, mit ihm neue\u00a0Vorhaben ins Visier zu nehmen, gemeinsam zu lernen oder Widrigkeiten\u00a0aus dem Weg zu r\u00e4umen, k\u00f6nnte der Chef jederzeit und sofort ganz normal\u00a0mit ihm reden. Und die meisten tun es sogar, ganz ohne ritualisierte\u00a0Agenda in festem Turnus. Dazu nehmen sie ganz normale menschliche\u00a0Kommunikation in Gebrauch. Gestik, Mimik und Sprache. Gesprochene\u00a0S\u00e4tze. W\u00f6rter: \u201eHey, hast du\u2019s mal so oder so versucht? Das d\u00fcrfte besser\u00a0klappen.\u201c, \u201eDu, das war stark!\u201c, \u201eSo, wie du das machst, bekommen wir\u00a0hier dr\u00fcben Schwierigkeiten. Lass uns das mal anders anpacken, komm\u00a0bitte mal r\u00fcber und schau dir das hier an!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcberfl\u00fcssig, nervig, zeitraubend &#8211; ein Das-macht-man-so<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl sie fast immer \u00fcberfl\u00fcssig sind, obwohl sie nerven und unendlich\u00a0Zeit kosten, setzen sich Mitarbeitergespr\u00e4che dennoch in der ganzen\u00a0Breite der Wirtschaft in den K\u00f6pfen immer weiter als normal fest: Als ein\u00a0Das-macht-man-so, als ein Ausweis von Professionalit\u00e4t in der F\u00fchrung.\u00a0Interessant, nicht wahr? Der Grund daf\u00fcr ist: Dieses soziale Ph\u00e4nomen\u00a0hat tats\u00e4chlich einen Nutzen. Die Frage ist nur, welchen und f\u00fcr wen!\u00a0F\u00fcr den Kunden jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie auf dem Basar: Inhalte sind egal<\/strong><\/p>\n<p>Oder schauen wir uns mal Budgetverhandlungen an, auch so ein faszinierendes\u00a0Stammesritual. Da treffen in einem Unternehmen beispielsweise\u00a0die Leiter der Regionalstandorte mit dem Deutschlandchef plus andere\u00a0L\u00e4nderchefs samt deren Werksleitern mit dem Europachef zusammen \u2013\u00a0eine riesige Konferenz von F\u00fchrungskr\u00e4ften aus mindestens drei Hierarchiestufen.\u00a0Vorausgegangen sind hunderte E-Mails, Videokonferenzen,\u00a0versandte PowerPoint Slides und gewichtige Zwei-Ohren-Gespr\u00e4che, also\u00a0Telefonate. Eine Megakonferenz, enorm wichtig.\u00a0Nach und nach pr\u00e4sentieren jetzt die Vertreter jedes Landes ihre jeweiligen\u00a0Planzahlen. F\u00fcr Produktionsmengen, Bestandsh\u00f6hen und Abs\u00e4tze.\u00a0Sie melden geplante Gro\u00dfinvestitionen an und welche Ressourcen personeller\u00a0und materieller Art daf\u00fcr ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Reaktion der Top-Manager entspricht einem l\u00e4ngst einge\u00fcbten\u00a0Standard: \u201eSie m\u00fcssen weniger ausgeben!\u201c Und dann werden die Argumente\u00a0der Landesvertreter in der Luft zerrissen. \u201eAcht Mitarbeiter? Und\u00a0was sollen die alle genau machen? Nach allem, was Sie beschreiben, reichen\u00a0f\u00fcr Ihr Projekt sechs Leute v\u00f6llig aus. Schreiben Sie f\u00fcnf Mitarbeiter\u00a0rein. Wir m\u00fcssen uns ambitionierte Ziele setzen.\u201c Und so geht das munter\u00a0weiter. Statt drei Millionen gibt es zwei Millionen, daf\u00fcr wird das Absatzsteigerungsziel\u00a0von zehn auf zw\u00f6lf Prozent angehoben. Der Wettbewerb\u00a0schl\u00e4ft nicht. Es geht zu wie auf einem Basar.\u00a0Nein, nein, nat\u00fcrlich geht es da nicht um die Inhalte. Auf die schaut\u00a0keiner der Beteiligten. Tats\u00e4chlich geht es einzig und allein um Zahlen.\u00a0Nicht um Fakten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Planungskosmetik &#8211; je dicker aufgetragen je verf\u00fchrerischer<\/strong><\/p>\n<p>Manche Zahlen m\u00fcssen rauf. Andere m\u00fcssen runter. Denn wenn die\u00a0einen Zahlen rauf und die anderen Zahlen runter gehen, dann sehen weitere\u00a0Zahlen, die aus den vorherigen Zahlen errechnet werden, irgendwie\u00a0besser aus, oder? Nein, das hat mit der Realit\u00e4t nichts zu tun, es ist pure\u00a0Kosmetik. Planungskosmetik! Je dicker aufgetragen wird, desto verf\u00fchrerischer!\u00a0Also hineingelangt in die Schminkt\u00f6pfe!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Top-Manager fordern mehr Output f\u00fcr weniger Input<\/strong><\/p>\n<p>Die Top-Manager erwarten im Groben mehr Absatz f\u00fcr mehr Umsatz\u00a0bei geringeren Kosten f\u00fcr mehr Gewinn. Also mehr Output f\u00fcr weniger\u00a0Input. Also mehr Produktivit\u00e4t. Sie m\u00fcssen die Zahlen verbessern, nicht\u00a0die Arbeit, nicht das Produkt, nicht das Erlebnis des Kunden. Sie wissen\u00a0nicht, was in der Werkhalle anders gemacht werden muss, damit die Zahlen\u00a0sich wie gew\u00fcnscht ver\u00e4ndern. Das ist aber auch gar nicht ihr Job. Und\u00a0auch gar nicht der Anlass. Hier werden erstmal die Zahlen ausgehandelt,\u00a0daraus ergeben sich Ziele und daraus ergeben sich Vorgaben, die nach\u00a0unten weitergereicht und dann irgendwie exekutiert, ausgef\u00fchrt, realisiert\u00a0werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4ventives \u00fcber-den-Tisch-ziehen<\/strong><\/p>\n<p>Und jede Partei glaubt genau zu wissen, wie die andere tickt, was sie\u00a0denkt und wie sie handelt. Die eine Seite unterstellt der anderen, dass sie\u00a0sie \u00fcber den Tisch ziehen will. Und darum fangen sie selber schon mal\u00a0pr\u00e4ventiv mit dem \u00dcber-den-Tisch-Ziehen an: Sie wissen genau, dass ihre\u00a0Planzahlen f\u00fcr den Ressourcenbedarf in jedem Fall noch heruntergehandelt\u00a0werden, um Kosten zu sparen. Was also tun sie wohl deswegen? Ganz\u00a0einfach, sie melden lieber gleich einen h\u00f6heren Bedarf an Ressourcen an,\u00a0der dann postwendend auf das gerade noch hinnehmbare Minimum zurechtgestutzt\u00a0wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manager m\u00fcssen mitspielen, das Unternehmen kann nicht gewinnen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIt\u2019s a game, a game, a game that we\u2019re playing\u201c, sangen die Bay City\u00a0Rollers 1977. Und weiter: \u201eI don\u2019t mind but I don\u2019t make the rules. Just a\u00a0game for lovers and fools.\u201c\u00a0Alle im Business kennen das Spiel, und alle spielen mit. Die Qualit\u00e4t eines\u00a0Managers k\u00f6nnen Sie daran messen, wie gut er dieses Spiel beherrscht.\u00a0Das Traurige daran: Jeder ist sich dar\u00fcber im Klaren, dass er mitspielen\u00a0muss und dass am Ende das Unternehmen nicht gewinnen kann, denn\u00a0wenn einer der Manager das Spiel gewinnt, verlieren gleichzeitig andere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Budgetverhandlungen als Karriere-Stopper<\/strong><\/p>\n<p>Schlimmer noch \u2013 wenn einer die Regel nicht kapiert, dann ist rasch\u00a0Schluss f\u00fcr ihn. Game over! Ich erinnere mich an einen Standortleiter, der\u00a0den Fehler beging, zum dritten Mal in Folge zu wenig Umsatzsteigerung\u00a0auf den Verhandlungstisch zu legen. Er wurde vor versammelter Mannschaft\u00a0gefeuert. Und hinter vorgehaltener Hand bedauerten ihn seine Kollegen.\u00a0\u201eWar eigentlich ein guter Mann \u2026 aber diese Budgetverhandlungen,\u00a0das konnte er halt einfach nicht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Manager stehen unter dem enormen Druck, dass das, was sie\u00a0verhandeln, nicht leistbar ist. Die Diskrepanz zwischen der Realit\u00e4t und\u00a0den Spielz\u00fcgen in der Budgetverhandlung ist h\u00e4ufig nur mit Zynismus zu\u00a0ertragen.\u00a0Alle tun so, als ob es noch Luft nach oben g\u00e4be. Also werden die Planziele\u00a0tapfer eingetragen wie die Lottozahlen auf dem Tippschein. Und der\u00a0Frust an allen Ecken und Enden im Unternehmen w\u00e4chst Spielrunde f\u00fcr\u00a0Spielrunde.\u00a0Alle Beteiligten sehen sich gezwungen, mitzuspielen, obwohl sie alle\u00a0miteinander schon l\u00e4ngst keine Lust mehr auf diese Budgetverhandlungen,\u00a0auf die Mitarbeitergespr\u00e4che und die Meetings und all das haben.\u00a0Und die Arbeit muss ja schlie\u00dflich auch noch gemacht werden! Sie sind\u00a0das alles so leid \u2013 und leiden weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Chef als L\u00f6schdecke<\/strong><\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, dass Ihnen auch schon mal aufgefallen ist, dass alle\u00a0leiden. Eben nicht nur die Mitarbeiter, sondern genauso die Chefs. Aber\u00a0ironischerweise projizieren beide Seiten die Ursache ihrer Frustration jeweils\u00a0auf die andere Seite: Die Chefs sind schuld aus Sicht der Mitarbeiter.\u00a0Und die Mitarbeiter sind schuld aus Sicht der Chefs.<\/p>\n<p>Ich finde das clownesk.\u00a0Ein Bekannter von mir ist als Top-F\u00fchrungskraft bei einem internationalen\u00a0Dienstleister-Konzern t\u00e4tig. Als Vertriebsleiter f\u00fchrt er ein Team\u00a0von zw\u00f6lf Sales-Leuten. Die Chefsicht beschreibt er mit den Worten: \u201eBei\u00a0mir reagiert das Chaos \u2013 ich l\u00f6sche nur noch Br\u00e4nde!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Chefs wie Sch\u00e4ferhunde die Schafherde zusammenhalten<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Arbeit wirkt er wie ein Sch\u00e4ferhund, der versucht, seine Schafherde\u00a0zusammenzuhalten, die von einem Wolf gejagt wird. Er huscht von\u00a0Meeting zu Meeting, spricht mit diesem Kunden, eilt in jene Conference\u00a0Hall, dann wieder videokonferenziert er mit seinem Chef. Wie der vielzitierte\u00a0Jongleur, der auf Teufel komm raus alle B\u00e4lle in der Luft halten\u00a0muss, l\u00f6st er eine Aufgabe nach der anderen, ohne dass er Zeit h\u00e4tte, sich\u00a0eingehend und intensiv mit einem Projekt zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Drei Stunden\u00a0hinsetzen und mit ein paar Mitarbeitern ein echtes Problem l\u00f6sen?\u00a0Undenkbar! Stattdessen gibt er seinen Leuten immer mal wieder kleine\u00a0Happen zu erledigen, damit die auch ja besch\u00e4ftigt sind, w\u00e4hrend er alle\u00a0H\u00e4nde voll zu tun hat, dass das ganze Haus irgendwie stehenbleibt, anstatt\u00a0ein Raub der Flammen zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie ein Fu\u00dfballspiel mit vier B\u00e4llen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte wie er sind wie ein versprengter Feuerwehrmann inmitten\u00a0eines Waldbrands, der den Kontakt zu seinem Trupp verloren hat.\u00a0Wie der Spielmacher auf einem Fu\u00dfballplatz, auf dem pl\u00f6tzlich mit vier\u00a0B\u00e4llen gespielt wird. Wie der Koch eines Lokals, auf dessen Parkplatz zwei\u00a0randvolle Busse hungriger Rentner einfahren, nachdem sich seine beiden\u00a0Lehrlinge gerade krank gemeldet haben.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchlen sich h\u00f6chstens in der Lage zu reagieren, aber nicht zu agieren.\u00a0Oft schaffen sie es nicht einmal, alle L\u00f6cher zu stopfen, alle T\u00f6pfe\u00a0umzur\u00fchren, alle Br\u00e4nde um sich herum zu l\u00f6schen. Und dann gellen die\u00a0ersten Pfiffe von den R\u00e4ngen, die ersten Reklamationen kommen herein,\u00a0langsam schlie\u00dft sich die Flammenwand.<\/p>\n<p>Der Chef als L\u00f6schdecke. Aber zum Gl\u00fcck haben sie doch immer noch\u00a0ihre Mitarbeiter und k\u00f6nnen die Arbeit an sie delegieren! Ach wirklich?\u00a0Denkste! Die Chefs sehen das zumindest anders. Denn daf\u00fcr m\u00fcsste der\u00a0Mitarbeiter doch bittesch\u00f6n auch mal unternehmerisch denken, mutiger,\u00a0verantwortungsvoller und auch mal alleine zu einer Entscheidung f\u00e4hig\u00a0sein: \u201eIch hab meinen Leuten schon tausendmal gesagt, sie sollen selbstst\u00e4ndig\u00a0arbeiten. Aber die haben ja keinerlei Eigeninitiative! Dabei wird\u00a0bei uns niemandem der Kopf abgehackt, wenn mal was schiefgeht!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine Chance f\u00fcr Mitarbeiter, selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen<\/strong><\/p>\n<p>Und deswegen sehen sich die Chefs dazu gezwungen, das Entscheidende\u00a0selbst zu machen, und leiden darunter und machen ihren Mitarbeitern\u00a0deswegen noch mehr Vorw\u00fcrfe. Dabei geben sie ihnen gar nicht erst die\u00a0Chance, selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Nat\u00fcrlich sehen die Chefs\u00a0das anders und beklagen immer heftiger, dass die Mitarbeiter heutzutage\u00a0den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gerecht werden: Die trauen\u00a0sich einfach zu wenig, die machen nur Dienst nach Vorschrift, die wollen\u00a0einfach nicht die Extrameile gehen \u2026<\/p>\n<p>Ein unl\u00f6sbares Problem. Da wartet ein gigantischer Berg an Arbeit,\u00a0und keiner packt an. Es ist doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn die\u00a0Chefs von ihren Mitarbeitern etwas mehr Verantwortungsgef\u00fchl und Initiativbereitschaft\u00a0verlangen? So klagen sie lauthals, f\u00fchlen sich \u00fcberfordert\u00a0und gehetzt, unverstanden und im Stich gelassen, die ganze Verantwortung\u00a0auf ihren Schultern, wie Atlas, der die Last der Welt allein zu tragen\u00a0hat und seit Jahrtausenden nicht erl\u00f6st wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schrecklich viel zu tun: Der Chef entscheidet immer alles am Ende<\/strong><\/p>\n<p>Und wie geht es den Mitarbeitern dieser F\u00fchrungskr\u00e4fte? Die beklagen\u00a0sich nat\u00fcrlich auch \u00fcber ihre Chefs. Sie bem\u00e4ngeln, die h\u00e4tten zu wenig\u00a0Zeit f\u00fcr sie. Stimmt! Das w\u00e4re ja nicht so schlimm, wenn sie dann wenigstens\u00a0selbstst\u00e4ndig arbeiten k\u00f6nnten. Aber Pustekuchen: Ein Haufen an\u00a0Regeln, Vorgaben und auditierten Prozessen h\u00e4lt sie davon ab. Denn eine\u00a0der Hauptregeln ist ein f\u00fcr allemal in die Grundmauern der Unternehmen\u00a0eingemei\u00dfelt: Der Chef entscheidet! Am Ende! Immer! \u2013 Der Chef? Aber\u00a0das ist doch der, der keine Zeit hat. Und sich \u00fcber seine Mitarbeiter beklagt,\u00a0dass \u2026 \u2013 ach, liebe Leserin, lieber Leser, das haben Sie doch gerade\u00a0schon alles geh\u00f6rt! Und so schlie\u00dft sich der Circulus Vitiosus. Mitarbeiter,\u00a0die gerne selbstst\u00e4ndig arbeiten wollen und nicht d\u00fcrfen und darunter\u00a0leiden, sind abh\u00e4ngig von Chefs, die keine Zeit f\u00fcr echte Probleml\u00f6sung\u00a0haben und ihren Mitarbeitern vorwerfen, dass sie nicht selbstst\u00e4ndig genug\u00a0sind, mal ohne sie zu entscheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Aufgabenberg vor den Mitarbeitern, der bei guter Organisation nicht da w\u00e4re<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem haben die Mitarbeiter schrecklich viel zu tun. Jedenfalls\u00a0sagen sie das. Was sie dabei empfinden, ist allzu oft viel eher frustrierte\u00a0Beteiligungslosigkeit. Sprichw\u00f6rtliche Sinnlosigkeit. Der Berg an Aufgaben,\u00a0der sich vor ihnen t\u00fcrmt, w\u00e4re gar nicht da, wenn der Laden anders\u00a0organisiert w\u00e4re und die Regeln, Vorgaben und Rituale nicht w\u00e4ren. Und\u00a0wenn der Chef nicht bei der Arbeit st\u00f6rt, dann taucht die andere Sorte\u00a0St\u00f6renfried auf. In Deckung: Ein Kunde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kunden st\u00f6ren in Unternehmen, die mit sich besch\u00e4ftigt sind<\/strong><\/p>\n<p>In Unternehmen, die stark mit sich selbst besch\u00e4ftigt sind, st\u00f6ren\u00a0Kunden ziemlich. Angenommen, ein Mitarbeiter hat Kontakt zu einem\u00a0Kunden oder Lieferanten. Es hakt an einem \u00fcberraschenden Detailproblem,\u00a0das der Mitarbeiter, vielleicht mit einem kleinen Kniff, l\u00f6sen will.\u00a0Allerdings wei\u00df er: Die Policy des Unternehmens gibt in diesem Fall keine\u00a0koschere L\u00f6sung her. Nach den Richtlinien d\u00fcrfte er so nicht aktiv werden.<\/p>\n<p>Nun hat er zwei M\u00f6glichkeiten. Entweder er sagt dem Kunden in\u00a0sch\u00f6nster Richtlinientreue: \u201eTut mir leid, da ist nichts zu machen!\u201c Und\u00a0vergrault ihn damit wom\u00f6glich f\u00fcr immer. Oder er fasst sich ein Herz\u00a0und verspricht ihm: \u201eIch kriege das hin, mir f\u00e4llt dazu schon was ein. Ich\u00a0melde mich wieder bei Ihnen!\u201c Und muss bewusst gegen die Vorschriften\u00a0handeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Risiko des Handelns<\/strong><\/p>\n<p>Verstehen Sie das Dilemma? Es gibt keine gute L\u00f6sung! F\u00fcr den Mitarbeiter\u00a0ist das zutiefst leidvoll \u2013 im Zweifelsfall geht er also dem Risiko\u00a0des Handelns aus dem Weg und macht lieber nur Dienst nach Vorschrift.\u00a0Und \u00fcberl\u00e4sst die Entscheidung jemand anderem. Sie ahnen schon, wem:\u00a0Dem Chef nat\u00fcrlich \u2026<\/p>\n<p>Wenn Sie dieses Spiel aus der Ferne betrachten, ist es durchaus unterhaltsam\u00a0und nicht ohne Reiz. Man kann ganze Spielfilme und Fernsehserien\u00a0daraus machen. Sehr lustig! Aber f\u00fcr die, die sich mittendrin\u00a0befinden, ist es nicht lustig. Kein bisschen! Jeder ist mit jedem unzufrieden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wird auch gesprochen: \u00fcber die anderen, die Chefs oder die\u00a0anderen Abteilungen, die nichts kapieren und nichts im Griff haben.\u00a0Auch mit der eigenen Situation ist man nat\u00fcrlich alles andere als happy.\u00a0Aber dar\u00fcber spricht keiner. Denn das entspricht nicht den Spielregeln.<\/p>\n<p>Wer im Unternehmen zugibt, dass er leidet, zeigt Schw\u00e4che. Und so\u00a0ist das Leiden von Mitarbeitern und F\u00fchrungskr\u00e4ften in Unternehmen\u00a0meistens eine Art stilles Leiden.\u00a0Leiden, immer nur leiden, warum reite ich so darauf herum? Mir sind\u00a0hier vor allem drei Punkte wichtig: Erstens wird tats\u00e4chlich gelitten. Zweitens\u00a0leiden (fast) alle. Und drittens machen die popul\u00e4ren Gegenma\u00dfnahmen\u00a0gegen das Leiden alles nur noch schlimmer!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Regent\u00e4nze des Managements<\/strong><\/p>\n<p>Nehmen wir zum Beispiel Arbeitszeiterfassung. Damit meine ich nicht\u00a0das aus der Zeit der Industrialisierung stammende Stempeln am Aus- und\u00a0Eingang der Werkhallen und B\u00fcrogeb\u00e4ude. Inwieweit das ins 21. Jahrhundert\u00a0und in die meisten Arten von Unternehmen passt oder nicht\u00a0passt, liegt ja ohnehin auf der Hand, nicht wahr?<\/p>\n<p>Nein, ich meine das Time-Tracking, die genaue T\u00e4tigkeitserfassung.\u00a0Warum f\u00fchren Unternehmen blo\u00df so etwas ein? Nun, zun\u00e4chst weil es\u00a0sozusagen zum Abrechnungsmodell geh\u00f6rt: Sie verkaufen dem Kunden\u00a0nicht ein Ergebnis, sondern Arbeitsstunden. Und genau das wollen viele\u00a0Kunden ja auch, denn sie kontrollieren gerne den Aufwand anderer und\u00a0das geht eben recht einfach \u00fcber die verbrauchte Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keinerlei Aussage \u00fcber die Effektivit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Dass darin keinerlei\u00a0Aussage \u00fcber die Effektivit\u00e4t der eingesetzten Zeit steckt, ist uns wohl\u00a0allen klar. Und der Effekt, dass auf diese Weise derjenige teurer wird,\u00a0der f\u00fcr eine Aufgabe mehr Zeit verbraucht, ist wohl so offensichtlich unsinnig,\u00a0dass dar\u00fcber keiner mehr diskutiert. Gemacht werden Stundens\u00e4tze\u00a0trotzdem gerne, denn es gibt einen angenehmen Nebeneffekt: Die\u00a0F\u00fchrungskr\u00e4fte glauben, so f\u00fcr mehr Effizienz sorgen zu k\u00f6nnen, denn\u00a0sie merken an den gebuchten Stunden, dass die Arbeitszeit nicht optimal\u00a0genutzt wird, dass Projekte zu lang dauern, dass es f\u00fcr die rein rechnerisch\u00a0zur Verf\u00fcgung stehenden Zeitressourcen viel mehr Output geben m\u00fcsste.\u00a0Kein Zweifel, das stimmt!<\/p>\n<p>Denn f\u00fcr die eigentliche Arbeit am Projekt bleibt in einer normalen\u00a0Arbeitswoche neben all den Meetings, Team- und Chefgespr\u00e4chen, Reportings,\u00a0den zu bauenden Projekt-Doku-Excel-Sheets f\u00fcrs Controlling\u00a0und den zu bauenden Projektfortschritts-PowerPoints f\u00fcr das Mittwochsmeeting\u00a0ja auch kaum Zeit. Und deshalb verlangen Chefs von ihren Mitarbeitern,\u00a0dass sie zus\u00e4tzlich nun auch noch etwas von ihrer knappen Zeit\u00a0abknapsen, um die Zeitverwendung genau zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Mich erinnert das an einen Kapit\u00e4n, der bemerkt, dass im Schiffsrumpf\u00a0Wasser schwappt, und der deshalb die beiden Matrosen, die eigentlich gerade\u00a0dabei waren, das Loch in der Schiffswand zu stopfen, dazu verdonnert,\u00a0mit Eimern das Wasser auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Ohren anlegen &#8211; um wenigstens ein bisschen arbeiten zu k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Schlimmer dabei ist aber noch, dass die Mitarbeiter quasi zur Vorspiegelung\u00a0falscher Tatsachen gezwungen werden. Denn die sind in einem\u00a0heillosen Dilemma und k\u00f6nnen in dem Spiel nur verlieren: Entweder die\u00a0reale verwendete Zeit ist h\u00f6her als die geplante, dann schreiben sie in den\u00a0Augen der Chefs zu viel Projektarbeitszeit auf. Ergo: Sie sind zu langsam.\u00a0Oder sie schreiben in den Augen der Chefs zu wenig auf: Dann setzen sie\u00a0die falschen Priorit\u00e4ten und stecken nicht gen\u00fcgend Effort in die Arbeit.\u00a0\u201eNa gut, schreib ich halt das auf, was die h\u00f6ren wollen \u2026\u201c \u2013 Ganz unabh\u00e4ngig\u00a0davon, was wahr ist. Manipuliert der Mitarbeiter die Zahlen nicht,\u00a0dann werden sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vom Soll abweichen. Und dann wird\u00a0er nicht in Ruhe gelassen, muss Meetings, Gespr\u00e4che und so weiter \u00fcber\u00a0sich ergehen lassen und verliert noch mehr Zeit f\u00fcr die Arbeit. Also legt\u00a0er die Ohren an, macht sich stromlinienf\u00f6rmig und verschmilzt mit dem\u00a0Hintergrund \u2026 um wenigstens ein bisschen arbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die gef\u00fchlte Wahrheit Leid erzeugt: Das Reporting<\/strong><\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich beim Berichtswesen. Seufz, es wird immer mehr! Besuchsberichte,\u00a0Prognosen, Absch\u00e4tzungen \u00fcber Produktspezifikationen \u2026 K\u00fcrzlich\u00a0hat der Au\u00dfendienstler eines Unternehmerkollegen behauptet, er sei an\u00a0vier von f\u00fcnf Tagen in der Woche mit Reports besch\u00e4ftigt. Und was um\u00a0alles in der Welt ist da so zeitraubend zu reporten? Seine entwaffnende Antwort:\u00a0\u201eNun, meine ganze Arbeit mit den Kunden, vom ersten Wochentag\u00a0und die Planung f\u00fcr die n\u00e4chste Woche!\u201c Abgenommen habe ich ihm das\u00a0nicht. Aber es ist wie oft die gef\u00fchlte Wahrheit, die das Leid erzeugt.<\/p>\n<p>Reporting liegt nach wie vor im Trend. Was Reporting angeht, wird\u00a0jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Vor ein paar Jahren trug\u00a0das Schweinchen den Namen Value Reporting, jetzt hei\u00dft Miss Piggy gerade\u00a0Integrated Reporting. Um ehrlich zu sein, Sie und ich m\u00fcssen gar nicht\u00a0genau wissen, was das bedeutet. Fakt ist: Google liefert mir zum Thema\u00a0Reporting 428 Millionen Treffer \u2013 darunter Zehn-, wenn nicht Hunderttausende\u00a0von Artikeln dar\u00fcber, wie wichtig Reporting ist, wie ich als Unternehmer\u00a0es pflegen und ausbauen muss und wie ich dank Reporting mit\u00a0mehr Informationen angeblich umso komplexere Probleme l\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reporten statt die Probleme zu l\u00f6sen &#8211; und sich hundsmiserabel f\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p>Es stimmt ja, dass die Probleme immer komplexer werden, aber mit\u00a0Reporting wurde, seit die Menschen sesshaft sind, noch keines gel\u00f6st.\u00a0Denn sie m\u00fcssten ja von den Mitarbeitern gel\u00f6st werden, die stattdessen\u00a0reporten m\u00fcssen. Diese Mitarbeiter sind am n\u00e4chsten dran an den Problemen\u00a0und w\u00fcssten am ehesten, was zu tun ist. Im Gegensatz zu den Chefs,\u00a0an die reportet wird. Die haben nun den Report und sind doch so schlau\u00a0wie vorher. Und k\u00f6nnen ja doch nichts machen, au\u00dfer Anweisungen geben,\u00a0die auf ungenauen Reports basieren und die die Mitarbeiter von der\u00a0L\u00f6sung der Probleme abhalten, weil sie nach dem Reporting als n\u00e4chstes\u00a0mit dem Befolgen neuer Anweisungen besch\u00e4ftigt sind. Die Anweisungen\u00a0passen immer seltener zu den echten Problemen, die dadurch nat\u00fcrlich\u00a0nicht geringer werden. Also braucht es neue Reports \u2026 Ach, ist das herrlich\u00a0absurd!<\/p>\n<p>Bisweilen muss ich herzhaft lachen, weil das alles so schr\u00e4g\u00a0ist. Aber in anderen Momenten bin ich dar\u00fcber betr\u00fcbt, denn allen vom\u00a0Berichtswesen Betroffenen \u2013 also fast allen Erwerbst\u00e4tigen \u2013 geht es bei\u00a0der Berichterei hundsmiserabel. Zeigen Sie mir den, der gerne Berichte\u00a0schreibt!<\/p>\n<p>Die Absurdit\u00e4t zu beschreiben macht Spa\u00df und die zugeh\u00f6rigen Anekdoten\u00a0k\u00f6nnen jede fade Party retten. Aber die Menschen leiden im Ernst!\u00a0Darum ist mir am Ende weder danach, die Beteiligten auszulachen, noch\u00a0irgendjemanden zu beschuldigen. Ich empfinde einfach Mitleid.\u00a0Mein Mitleid steigt, wenn ich sehe, dass die Controlling-Abteilungen\u00a0dieser unserer Unternehmenswelt dann trotzdem immer wieder neue Berichtsvarianten\u00a0erdenken und etablieren. Willkommen, Big Data!<\/p>\n<p>Warum\u00a0tun die das? \u2013 Nat\u00fcrlich: Weil sie merken, dass die im Unternehmen geleistete\u00a0Arbeit den komplexen Anforderungen immer weniger gerecht\u00a0wird.\u00a0Und das stimmt!\u00a0Daraus schlie\u00dfen die Controller, dass die Chefs mehr Informationen\u00a0brauchen, um bessere Anweisungen zu geben, die den komplexen Anforderungen\u00a0besser gerecht werden.\u00a0Und das ist falsch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Change-Vorhaben schwappen als Management-Modewelle durch Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Meetings undsoweiter &#8211; vergiftete Managementtools<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberall in den Unternehmen wird auf diese Weise der Hunger mit\u00a0einer Di\u00e4t vertrieben, der Kater mit Alkohol bek\u00e4mpft und das Feuer mit\u00a0Benzin gel\u00f6scht. Meetings, Mitarbeitergespr\u00e4che, Budgetverhandlungen,\u00a0Arbeitszeiterfassung, Reporting \u2026 das alles sind ganz unterschiedliche\u00a0Managementtools, aber sie haben das gleiche Toxin intus.<\/p>\n<p>Dieses Gift schwappt auch in einer der gr\u00f6\u00dften Management-Modewellen\u00a0der letzten Jahrzehnte. Ich sage nur: Change!\u00a0Jedes Jahr rauscht mindestens ein hippes Change-Vorhaben durch ein\u00a0Unternehmen. Nicht selten sogar mehrere gleichzeitig. Da wird dann von\u00a0der Unternehmensspitze und den Beratern eine Lean Transformation\u00a0ausgerufen. \u201eWir m\u00fcssen lean werden!\u201c, lautet die Devise. Sie empfehlen,\u00a0Commitment und Alignment aller Beteiligten neu auszurichten, horizontales\u00a0und vertikales Alignment zu differenzieren. Und: \u201eWir m\u00fcssen das\u00a0leben!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chamge &#8211; Weil die Menschen nicht gut genug sind<\/strong><\/p>\n<p>Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Die Plastikw\u00f6rter in diesen\u00a0Aussagen sind einsch\u00fcchternd, aber die von den Beratern empfohlene\u00a0Richtung ist simpel: Die Kultur der Organisation muss sich \u00e4ndern. Also:\u00a0Die Mitarbeiter m\u00fcssen ihr Verhalten \u00e4ndern. Also: Die Mitarbeiter m\u00fcssen\u00a0sich \u00e4ndern. Das bedeutet Change im Unternehmen \u00fcbrigens implizit\u00a0fast immer: Die Menschen m\u00fcssen sich gef\u00e4lligst \u00e4ndern. Denn sie sind\u00a0nicht richtig oder nicht gut genug!<\/p>\n<p>Im Falle einer umfassenden Lean Transformation muss zun\u00e4chst einmal\u00a0der Vorstand Einigkeit demonstrieren. Selbst dann, wenn sich manche\u00a0von ihnen dabei uneinig sind. Dies merken die Mitarbeiter zwar, wenn\u00a0es hart auf hart kommt binnen weniger Nanosekunden, aber dieses als\u00a0Vorleben etikettierte Schauspiel gilt noch immer als Grundlage f\u00fcr gelungenen\u00a0Change.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Workshops zelebrieren, Dankbarkeit vorgeben<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen haben s\u00e4mtliche Mitarbeiter und unteren F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0zu lernen, was es bedeutet, lean zu werden. Sie bilden darum jede\u00a0Menge Arbeitsgruppen und zelebrieren einen Workshop nach dem anderen.\u00a0Die Teilnehmer schreiben ihre Erwartungshaltung auf K\u00e4rtchen und\u00a0bringen brav zur Sprache, was sie st\u00f6rt. Danach sind sie angeblich meistens\u00a0dankbar und zufrieden, nach dem Motto: Ach wie befreiend, dass das\u00a0alles endlich mal gesagt werden konnte!<\/p>\n<p>Das ist Kindergarten! Und die ganzen Laberrunden, Workshops,\u00a0Stuhlkreise und K\u00e4rtchenspiele kommen ja noch auf die Arbeit obendrauf!\u00a0Wer kann sich das eigentlich alles leisten? Das ist nun wirklich das\u00a0Gegenteil von lean!<\/p>\n<p>Und der Effekt jeder verordneten Verhaltens\u00e4nderung ist ohnehin nur\u00a0von kurzer Dauer. Und zwar prinzipiell. Viele Erkenntnisse aus den Workshops\u00a0erleben die Mitarbeiter im operativen Tagesgesch\u00e4ft als nicht anwendbar.\u00a0Der Rest ist schnell vergessen oder schlicht zu m\u00fchsam durchzuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Gef\u00fchl von Bitterkeit &#8211; und stets steigendem Frustrationsgrad<\/strong><\/p>\n<p>Das Einzige, was \u00fcbrig und langfristig erhalten bleibt, ist ein\u00a0Gef\u00fchl von Bitterkeit bei allen Beteiligten. Schlie\u00dflich haben sie solche\u00a0und \u00e4hnliche gut gemeinte Prozesse schon zigmal durchlaufen. Ohne dass\u00a0sich jemals dauerhaft etwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Dar\u00fcber herrscht Einverst\u00e4ndnis\u00a0zwischen der F\u00fchrung und den Mitarbeitern, wobei jeder der anderen\u00a0Seite die Schuld daf\u00fcr gibt. Und der Frustrationsgrad steigt mit jedem\u00a0Mal weiter an: \u201eJetzt geht das Theater schon wieder los!\u201c<\/p>\n<p>In der Quintessenz sind heutige Change-Prozesse nichts anderes als\u00a0ein weiterer hilfloser Versuch, etwas Unkontrollierbares unter Kontrolle\u00a0zu bekommen. So \u00e4hnlich wie bei einem Regentanz \u2026 Das Giftige dabei\u00a0ist, dass die Regent\u00e4nze des Managements nicht das Wetter \u00e4ndern sollen,\u00a0sondern die Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alle lieben ihre Jobs &#8211; sie hassen unproduktive Besch\u00e4ftigungen und l\u00e4stige Rituale<\/strong><\/p>\n<p>Damit Sie mich nicht missverstehen: Mitarbeiter und ihre Chefs leiden\u00a0nicht unter der Arbeit selbst. Auch dann nicht, wenn sie \u00fcber ihren Job\u00a0schimpfen oder am Feierabend im Familien- und Bekanntenkreis ihr tagt\u00e4gliches\u00a0Leid klagen. Nicht die Arbeit macht sie unfroh. Sondern das\u00a0ganze andere Zeugs!<\/p>\n<p>Denn das ganze andere Zeugs, die unproduktiven Besch\u00e4ftigungen,\u00a0die l\u00e4stigen Rituale, die unsinnigen Regeln, das Reporting, die wirkungslosen\u00a0Programme und so weiter haben nicht nur die Eigenschaft, dass sie\u00a0allen die Zeit zum Arbeiten stehlen, sie haben au\u00dferdem noch die unangenehme\u00a0Eigenschaft, st\u00e4ndig das implizite Signal auszusenden: Du bist\u00a0nicht richtig so, wie du bist. Du solltest anders sein. Du solltest besser sein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meisten arbeiten gerne &#8211; wenn man sie denn lie\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Menschen, die einen Job haben, m\u00f6gen ihn eigentlich\u00a0sehr gerne. Sie haben ihn sich schlie\u00dflich aufgrund ihrer Neigungen und\u00a0F\u00e4higkeiten ausgesucht. Und sie sind definitiv nicht von Natur aus faul,\u00a0sondern sie arbeiten gerne \u2013 oder besser gesagt, sie w\u00fcrden gerne arbeiten,\u00a0wenn man sie denn lie\u00dfe.\u00a0Da macht es auch keinen Unterschied, in welcher Branche oder auf\u00a0welcher Hierarchiestufe ein Mensch arbeitet.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an ein\u00a0Video-Interview mit dem Mitarbeiter einer Abfallverwertungsgesellschaft\u00a0im Au\u00dfendienst, also mit einem M\u00fcllmann.\u00a0Der Grund, warum sich ehrbare B\u00fcrger kaum trauen, das Wort\u00a0M\u00fcllmann auszusprechen und lieber eine distanzierende Worth\u00fclse daf\u00fcr\u00a0verwenden, ist der gleiche Grund, warum eine der Fragen, die dieser\u00a0M\u00fcllmann vor der Kamera beantworten sollte, lautete: \u201eWie oft haben Sie\u00a0schon gelogen, wenn jemand Sie auf einer Party nach Ihrem Job fragt?\u201c<\/p>\n<p>Oh, wie arrogant! Dahinter steht die Annahme, dass dieser Job ja nun\u00a0wirklich ein Schei\u00dfjob sein muss.\u00a0Aber welch \u00dcberraschung f\u00fcr den Fragesteller! Der M\u00fcllmann sagte:\u00a0\u201eIch muss gar nicht l\u00fcgen!\u201c Denn er mag seinen Job wirklich gerne. Und\u00a0er kann auch schl\u00fcssig erkl\u00e4ren, wieso: Er hat zwar ein festes Tagespensum,\u00a0aber die Einteilung bleibt ihm selbst \u00fcberlassen. Freiheit, das ist cool.\u00a0Und er ist immer drau\u00dfen, an der frischen Luft. Nochmal Freiheit, nochmal\u00a0cool. Au\u00dferdem gesund. Und er tut etwas Sinnvolles. Etwas, wovon\u00a0alle Menschen einen Nutzen haben. M\u00fcllmann sein, das ist f\u00fcr ihn der\u00a0coolste Job auf der Welt!<\/p>\n<p>Bei so viel unerwarteter Begeisterung muss der Journalist nat\u00fcrlich\u00a0nachhaken, ob das denn nun bedeutet, dass er mit seinem Job rundum\u00a0zufrieden ist?\u00a0Die Antwort ist eine erneute \u00dcberraschung: Nein, er ist \u00fcberhaupt\u00a0nicht zufrieden!\u00a0Und warum nicht? \u2013 Weil sich jetzt so ein junger Disponent immer\u00a0einmischt und bestimmt, welche Touren angeblich besser sind, und jetzt\u00a0haben sie diesen neuen Laster bekommen, mit dem es viel schwieriger geworden\u00a0ist, durch die engen Stra\u00dfen zu kommen und und und \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was st\u00f6rt: die Bedingungen der Arbeit, das Arbeitsumfeld, das vorgegeben wird<\/strong><\/p>\n<p>V\u00f6llig egal, in welcher Branche oder in welcher Hierarchie- oder Gehaltsstufe\u00a0Sie nachschauen: Das, was st\u00f6rt, ist nicht die Arbeit, denn Menschen\u00a0wollen produktiv sein und etwas Sinnvolles schaffen. Was st\u00f6rt,\u00a0sind vielmehr immer die Bedingungen der Arbeit, das Arbeitsumfeld, das\u00a0zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Darunter leiden die Menschen. Denn damit\u00a0f\u00e4ngt das ganze Theater an. Pl\u00f6tzlich muss man mitspielen anstatt seinen\u00a0eigentlichen Job zu machen.<\/p>\n<p>Und dann haben Sie h\u00f6chstens noch die Wahl, sich die Diskrepanz\u00a0zwischen Anspruch und Wirklichkeit so zu Herzen nehmen, dass Sie im\u00a0Burnout landen, sprich: sich halb zu Tode stressen, oder ob Sie sich innerlich\u00a0angesichts der Wirklichkeit so weit von Ihrem Anspruch distanzieren,\u00a0dass Sie im Boreout landen, sprich: sich halb zu Tode langweilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch Politiker tun nur so, als ob sie regieren oder opponieren w\u00fcrden<\/strong><\/p>\n<p>All diese Ph\u00e4nomene gibt es nicht nur in den Unternehmen. Wenn Sie\u00a0sich umschauen, sehen Sie es \u00fcberall \u2013 nicht zuletzt in der Politik. Viele\u00a0der Rituale und Prozeduren, die in den Unternehmen f\u00fcr Leiden sorgen,\u00a0haben dort ihre Pendants. Nehmen Sie die wuchernden Gesetze und\u00a0Verordnungen. Nehmen Sie die wachsende Zahl von Untersuchungsaussch\u00fcssen. Nehmen Sie die Unzahl von Pressekonferenzen aller m\u00f6glichen\u00a0Gremien. Nehmen Sie die vielen, vielen Regierungserkl\u00e4rungen. Nehmen\u00a0Sie die merkw\u00fcrdigen, nach verborgenen Choreografien ablaufenden Parlamentsdebatten\u00a0oder die gespenstischen Streit-Talkshows im TV. Nat\u00fcrlich\u00a0sind all diese \u00f6ffentlichen Ph\u00e4nomene nicht echt. Auch hier wird Theater\u00a0gespielt. Die Politiker tun nur so, als ob sie regieren oder opponieren\u00a0w\u00fcrden. Als ob es um gesch\u00e4ftigen Aktionismus ginge und nicht um echte\u00a0Fortschritte. Als ob alle bestimmte Rollen spielen w\u00fcrden, sobald irgendwo\u00a0eine Kamera oder ein Mikrofon auftaucht. Und die tauchen heutzutage\u00a0immer und \u00fcberall auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentliche Debatten &#8211; die l\u00e4ngst entschieden sind<\/strong><\/p>\n<p>Was in stundenlangen Wortgefechten \u00f6ffentlich debattiert wird, ist in\u00a099 Prozent der F\u00e4lle l\u00e4ngst hinter verschlossenen T\u00fcren entschieden. Ich\u00a0bin sicher, dort wird inhaltlich schon kontrovers gestritten! So mit ganz\u00a0echten Argumenten, wie im richtigen Leben! Um aber vor der \u00d6ffentlichkeit\u00a0demokratisches Verhalten zu demonstrieren, wird im Plenarsaal krakeelt,\u00a0beschimpft, ignoriert, denunziert, ausgelacht, dazwischen gerufen.\u00a0Oder um es mit Roger Willemsen zu sagen: \u201eEine Choreografie h\u00f6chster\u00a0Bedeutung und banaler Vorhersagbarkeit.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So arbeiten die Politiker ein Thema nach dem anderen ab. Und doch\u00a0hat der W\u00e4hler das Gef\u00fchl, dass sich nichts \u00e4ndert und die wirklich notwendigen\u00a0Reformen nicht angepackt werden. Deswegen landen immer\u00a0mehr Themen vor dem Bundesverfassungsgericht, das mit seinen Entscheidungen\u00a0die Politiker dann zuweilen doch zu Entscheidungen zwingt, die\u00a0sie sich nicht getraut haben zu treffen. Wenn Karlsruhe das sagt, m\u00fcssen\u00a0sie\u2019s eben dann doch machen \u2026 Ach, was ist das doch f\u00fcr ein bl\u00f6des Spiel!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tapfer die neuen Ziele schlucken<\/strong><\/p>\n<p>F\u00e4llt Ihnen auf, wie \u00e4hnlich sich die Ph\u00e4nomene in Wirtschaft und\u00a0Gesellschaft sind? Und die Politiker in persona sind genauso wenig schuld\u00a0wie die Manager an dem frustrierenden Mehltau, der sich \u00fcber die Gesellschaft\u00a0wie \u00fcber das Unternehmen legt. W\u00e4hler sind gleicherma\u00dfen\u00a0frustriert wie Mitarbeiter \u2013 und dennoch machen alle weiter mit: Bei\u00a0Wahlen wird gew\u00e4hlt \u2013 immer weniger, Zeitungen werden gelesen \u2013 immer\u00a0weniger, die Tagesschau wird angeschaut \u2013 immer weniger, und die\u00a0Steuern werden bezahlt \u2013 \u2026 lassen Sie sich nur nicht erwischen! Und im\u00a0Job wird ins Meeting geschlurft, die Reports werden runter geschrieben\u00a0und fl\u00fcchtig gelesen, beim Change-Programm wird unlustig mitgemacht,\u00a0beim Workshop werden bereitwillig bunte K\u00e4rtchen beschrieben und mit\u00a0Pen\u00e4lerstimme vorgelesen und beim Mitarbeitergespr\u00e4ch werden die neuen\u00a0Ziele tapfer geschluckt.<\/p>\n<p>Ich werfe niemandem vor, er sei faul oder dumm. Aber \u00fcberall wird\u00a0dennoch viel zu wenig gearbeitet. Die Welt wird immer komplexer, \u00fcberraschender,\u00a0differenzierter, und wir scheinen immer schlechter damit klar zu kommen,\u00a0ob in der Politik oder in der Wirtschaft.\u00a0Das Problem ist: An allen Ecken und Enden versuchen wir, mit veralteten\u00a0Methoden, mit toxischen Ritualen, mit unbrauchbaren Werkzeugen\u00a0und wirkungslosen Prozessen auf die vielen und immer h\u00e4ufiger werdenden\u00a0\u00dcberraschungen einer immer komplexer werdenden Welt zu reagieren.<\/p>\n<p>Oh, hoppla, ein Atomkraftwerk ist explodiert! Na, wer h\u00e4tte gedacht,\u00a0dass so etwas mal passieren kann \u2026 Ach, du je, wo kommen denn pl\u00f6tzlich\u00a0die vielen Fl\u00fcchtlinge her? Was machen wir denn jetzt blo\u00df? \u2026 Na,\u00a0sowas, jetzt kaufen die Kunden doch glatt im Internet statt im Handel,\u00a0jetzt m\u00fcssen wir uns aber bald mal was einfallen lassen! \u2026 Oh, wo kommen\u00a0denn diese schwarzen Taxis auf einmal her, kann da der Gesetzgeber\u00a0nicht was dagegen machen? \u2026<\/p>\n<p>Alle sind mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Die Unternehmen, die Parteien,\u00a0die Regierungen und Ministerien. Der B\u00fcrger st\u00f6rt da nur. Genauso wie\u00a0der Kunde beim Wirtschaftsspiel.\u00a0Und was macht der st\u00f6rende B\u00fcrger? Seine Reaktion ist so simpel wie\u00a0die Reaktion der \u00fcberforderten Mitarbeiter: Er beschuldigt. Die da oben\u00a0sind schuld! Das ist verst\u00e4ndlich, denn \u00fcberforderte Menschen m\u00fcssen sich\u00a0einfache Wahrheiten rationalisieren, sonst h\u00e4lt man es im Kopf nicht aus.<\/p>\n<p>Dieser menschliche Reflex hilft dabei, ein vermeintliches Verst\u00e4ndnis\u00a0zu konstruieren, in einer Welt, die nicht so leicht verstehbar ist. Die Menschen\u00a0ahnen zwar, dass sie der Sache im Grunde nicht gerecht werden\u00a0\u2013 weil sie zu vielf\u00e4ltig und verwoben ist, um sich mit zwei, drei Gedankeng\u00e4ngen\u00a0erfassen zu lassen \u2013, aber es wird f\u00fcr sie damit immerhin etwas\u00a0ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Menschen sind schuld &#8211; immer die anderen<\/strong><\/p>\n<p>Das verbreitetste Erkl\u00e4rungsmuster lautet: Es liegt an den Menschen.\u00a0Die Menschen sind schuld. Und damit sind meistens die anderen gemeint:\u00a0Der Manager muss empathischer werden. Die Mitarbeiterin muss mutiger\u00a0werden. Die Lehrerin muss Freude am Lernen vermitteln. Der Politiker\u00a0muss ehrlicher werden. Es ist ja so leicht \u2013 und entlastend \u2013, bei anderen\u00a0Egoismus, Unf\u00e4higkeit oder gar B\u00f6sartigkeit zu diagnostizieren.<\/p>\n<p>Und wenn es nicht konkrete Kollegen, Chefs, Lehrer oder Politiker\u00a0sind, die man verd\u00e4chtigt, bleibt noch der Griff zur Verschw\u00f6rungstheorie.\u00a0Da m\u00fcssen wohl dunkle, im Hintergrund agierende, wom\u00f6glich sogar\u00a0unbekannte M\u00e4chte am Werk sein. Ich erinnere mich an einen meiner\u00a0fr\u00fcheren Klienten, unter dessen Belegschaft sich das hartn\u00e4ckige Ger\u00fccht\u00a0h\u00e4lt, die zweite Ehefrau des Inhabers sei diejenige, die eigentlich die F\u00e4den\u00a0in der Hand h\u00e4lt. Und das, obwohl die Dame nicht im Unternehmen\u00a0besch\u00e4ftigt ist und h\u00f6chstens an offiziellen Anl\u00e4ssen teilnimmt. Wahrscheinlich\u00a0wei\u00df sie noch nicht einmal von den Vermutungen um ihre\u00a0Person. Aber gerade weil sie so selten in Erscheinung tritt, bietet sie den\u00a0Mitarbeitern ein Erkl\u00e4rungsmuster f\u00fcr all das, was sie nicht verstehen.<\/p>\n<p>Oft sollen auch allgemeine Entwicklungen und Ph\u00e4nomene wie die\u00a0Globalisierung, der Turbo-Kapitalismus oder auch der technische Fortschritt\u00a0schuld sein: Da wird dann von den Multis, von Heuschrecken oder von der\u00a0Informationsflut geredet. Die Gleichzeitigkeit zwischen dem Aufkommen\u00a0von Handys, Internet, E-Mails, Social Media etc. und dem immer st\u00e4rkeren\u00a0Leiden an einer zunehmend bedrohlichen Komplexit\u00e4t nehmen viele\u00a0Mitarbeiter als ein kausales Verh\u00e4ltnis wahr. Aus der Korrelation wird unversehens\u00a0eine Kausalit\u00e4t konstruiert, die es gar nicht gibt.<\/p>\n<p>Vermeintliche Kausalit\u00e4ten werden auch bei den Mitarbeitern geradezu\u00a0herausgefordert, wenn Zielprozesse mit finanziellen Anreizen verbunden\u00a0sind. Da unterstellen die Mitarbeiter dem Vorgesetzten, es ginge ihm bei\u00a0all den Zielen und Vorgaben einzig und allein darum, sich pers\u00f6nlich zu\u00a0bereichern: \u201eDer Chef dr\u00fcckt seine Planziele ja nur deshalb durch, weil er\u00a0sonst seinem Bonus Adieu sagen muss!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Chefs, die an ihre Boni denken und nur tun, was von ihnen verlangt wird<\/strong><\/p>\n<p>Ehrlich gesagt, das ist ja gar nicht mal falsch. Nat\u00fcrlich denkt der Chef\u00a0bei der Zielformulierung an seinen Bonus, deswegen haben seine Chefs\u00a0ja mit ihm diese Bonusvereinbarung geschlossen. Sie unterstellten ihm\u00a0damit, dass er nur durch die Aussicht auf pers\u00f6nliche Bereicherung ausreichend\u00a0motiviert sei, Ziele zu formulieren, die f\u00fcr das Unternehmen gut\u00a0sind. Und gem\u00e4\u00df dieser Logik handelt er nun und macht genau das, was\u00a0von ihm verlangt wird.<\/p>\n<p>Menschen verhalten sich ganz nat\u00fcrlich immer gem\u00e4\u00df dem Kontext,\u00a0in dem sie leben. Das hei\u00dft, Menschen verhalten sich systemkonform vern\u00fcnftig.\u00a0Und wenn die Organisation bl\u00f6d ist, verhalten sie sich bl\u00f6d.\u00a0Das Gute daran ist: Die Organisation ist menschengemacht. Das\u00a0hei\u00dft: Wir k\u00f6nnten sie auch anders gestalten. Anstatt an den Menschen\u00a0herumzun\u00f6rgeln und zu versuchen, sie zu verbessern, zu ver\u00e4ndern und zu\u00a0optimieren, k\u00f6nnten wir die Organisation ver\u00e4ndern und besser an unsere\u00a0komplexe Gegenwart anpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heilige K\u00fche: Meetings, Change-Programme, Mitarbeitergespr\u00e4che<\/strong><\/p>\n<p>Das allerdings erfordert, viele, viele Dinge, die im letzten Jahrhundert\u00a0vielleicht gut oder ganz okay waren, heute nicht mehr zu tun. Wir m\u00fcssen\u00a0einige heilige K\u00fche schlachten, um unsere Organisationen und unsere\u00a0Systeme an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Einige\u00a0dieser heiligen K\u00fche sind: Meetings, Mitarbeitergespr\u00e4che, Budgetverhandlungen,\u00a0Arbeitszeiterfassung, Change-Programme. Aber es gibt noch\u00a0viel, viel mehr heilige K\u00fche. Und es sind auch nicht in jedem Unternehmen\u00a0die gleichen.<\/p>\n<p>Um also die Organisationen so zu modernisieren, dass wir Menschen\u00a0uns darin wieder wohler f\u00fchlen, dass wir gemeinsam wettbewerbsf\u00e4hig\u00a0und erfolgreich sind und wir endlich wieder das machen, was wir so gerne\u00a0tun \u2013 n\u00e4mlich arbeiten! \u2013, m\u00fcssen wir genauer verstehen, warum wir\u00a0dieses ganze bl\u00f6de Zeugs tun und welche Auswirkungen das genau hat.\u00a0Was h\u00e4lt uns eigentlich von der Arbeit ab?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitarbeiter und ihre Chefs verbringen in den meisten Unternehmen mehr als die H\u00e4lfte ihrer Zeit mit T\u00e4tigkeiten, die wie Arbeit aussehen, aber keine Arbeit sind: Meetings, Jahresgespr\u00e4chen, Budgetverhandlungen, Reports, Genehmigungsprozeduren, Power-Point-Pr\u00e4sentationen, Unternehmensleitbildern, Organigrammen \u2013 reinem Business-Theater, das keine Wertsch\u00f6pfung erzeugt, &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/05\/10\/buchauszug-aus-lars-vollmers-zurueck-an-die-arbeit-alle-muessen-wieder-mehr-arbeiten-duerfen-statt-zu-machen-was-nur-wie-arbeit-aussieht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5682,1890,5494,5681,3095,2174,5273],"class_list":["post-660460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-zurueck-an-die-arbeit","tag-buchauszug","tag-change-projekte","tag-lars-vollmers","tag-linde-verlag","tag-meetings","tag-mitarbeitergesprache"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=660460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660460\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=660460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=660460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=660460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}