{"id":660325,"date":"2016-02-26T18:39:40","date_gmt":"2016-02-26T17:39:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=660325"},"modified":"2016-03-02T23:37:56","modified_gmt":"2016-03-02T22:37:56","slug":"frauenquote-die-angst-der-aufsichtsrats-chefs-sich-zu-blamieren-gastbeitrag-von-headhunterin-sabine-hansen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/02\/26\/frauenquote-die-angst-der-aufsichtsrats-chefs-sich-zu-blamieren-gastbeitrag-von-headhunterin-sabine-hansen-2\/","title":{"rendered":"Hinter den Kulissen der Unternehmen &#8211; Headhunterin Sabine Hansen redet Tacheles (Gastbeitrag): Frauenquote: Die Angst der Aufsichtsrats-Chefs, sich wegen einer Frau zu blamieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das gro\u00dfe R\u00e4tsel &#8211; mit einer simplen Antwort: Warum sich Aufsichtsrats-Chefs nur einbilden, keine Frauen f\u00fcr ihr Gremium finden zu k\u00f6nnen. Gastbeitrag von Headhunterin Sabine Hansen, die jetzt zu Kienbaum Management Consultants gewechselt ist.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-660470\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Kienbaum-Sabine-Hansen-618x413.jpg\" alt=\"Kienbaum-Sabine-Hansen-618x413\" width=\"618\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Kienbaum-Sabine-Hansen-618x413.jpg 618w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Kienbaum-Sabine-Hansen-618x413-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Kienbaum-Sabine-Hansen-618x413-449x300.jpg 449w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klone bevorzugt<\/strong><\/p>\n<p>Wen suchen Aufsichtsratschefs aus f\u00fcr ihr Gremium? Diejenigen, die ihnen am \u00e4hnlichsten sind. Das ist menschlich, spielt sich unbewusst ab und l\u00e4uft auch sonst bei Entscheidern ab, die F\u00fchrungskr\u00e4ften einstellen. Frei nach dem Motto &#8222;gleich und gleich gesellt sich gern&#8220; fahnden und nominieren Aufsichtsratschefs andere Manager, die entweder bereits in einem anderen Aufsichtsrat sitzen oder wenigstens einen \u00e4hnlichen Karrierepfad gegangen sind, wie sie selbst.<\/p>\n<p>Die bedauerliche Folge: Nur 20 Prozent der Besetzungen passen nicht in dieses Muster. Egal ob die anderen breite F\u00fchrungs- und Leitungserfahrung haben oder nicht, sie bekommen eine Abfuhr.<\/p>\n<p>Und diese Ressentiments gehen so weit, dass selbst Vorst\u00e4nde von Nebenwerten aus dem MDAX, TecDAX oder SDAX\u00a0 es nur \u00fcber Umwege schaffen oder mithilfe der Empfehlung ihres eigenen Aufsichtsratschefs in einen DAX30-Aufsichtsrat.<br \/>\nWie also soll es eine Frau, die f\u00e4hig und karrierewillig ist, in einen DAX30-Aufsichtsrat schaffen? Wenn die Kapit\u00e4ne die Latte so hoch legen? Denn die d\u00fcrfen und sollen ja nach dem Willen des Gesetzgebers dank Frauenquote nun Einzug halten in der obersten Kontrollinstanz.<\/p>\n<p><strong>Eins, zwei, drei, ganz viele<\/strong><\/p>\n<p>Ganz einfach: Sie m\u00fcssen bereits ein DAX30-Aufsichtsratsmandat haben. So wie bei den Goldr\u00f6cken in Norwegen. Als da vor 13 Jahren auf Teufel komm raus und unter Zeitdruck rasch Frauen in die Posten kommen sollten, bekamen pl\u00f6tzlich die &#8211; relativ wenigen &#8211; Frauen gleich f\u00fcnf Mandate auf einmal.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches zeichnet sich auch in Deutschland schon ab: Nicola Leibinger-Kamm\u00fcller von Trumpf bekam k\u00fcrzlich \u00c4rger mit einem Fondsmanager als Gro\u00dfaktion\u00e4r bei Siemens, dass sie mit vier Aufsichtsratsmandaten plus Fulltime-Job als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bei Trumpf schon jetzt \u00fcberlastet sei. \u00a0<a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/siemens-aerger-um-aufsichtsraetin-leibinger-aid-1.5720609\">http:\/\/www.rp-online.de\/wirtschaft\/siemens-aerger-um-aufsichtsraetin-leibinger-aid-1.5720609<\/a><\/p>\n<p><strong>Die Angst vor der Blamage<\/strong><\/p>\n<p>Warum die Aufsichtsratschefs so vorgehen? Um sich nicht zu blamieren. Denn nur dann kann ein Aufsichtsratschef &#8211; falls es schief gehen sollte &#8211; sich damit verteidigen, dass die betreffende Dame kein Risiko gewesen sei. Denn wer will sich schon die Peinlichkeit einer Fehlbesetzung ausgerechnet mit einer Frau antun &#8211; am Ende einer erfolgreichen Karriere und nebenbei gesagt im stattlich hohen Alter? Schon das Durchschnittsalter der m\u00e4nnlichen Aufsichtsr\u00e4te ist h\u00f6her als das der weiblichen und das der Aufsichtsratschefs allemal: 89 Prozent der m\u00e4nnlichen Aufsichtsr\u00e4te sind \u00fcber 51 Jahre alt, aber nur 47 Prozent der weiblichen.<\/p>\n<p><strong>Wenn Frauen nur nerven<\/strong><\/p>\n<p>Was den Frauen, die noch kein Aufsichtsratsmandat im Gep\u00e4ck haben, jedenfalls nicht hilft, durfte ich k\u00fcrzlich bei einem Kamingespr\u00e4ch f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te &#8211; was zweifellos eine Super-Chance f\u00fcr weibliche G\u00e4ste sein kann &#8211; beobachten: Wer in erster Linie durch viel Redezeit und obendrein besserwisserische Attit\u00fcden auff\u00e4llt,nervt nur.<\/p>\n<p>Wie es besser geht, konnte man an einer andere Teilnehmerin sehen. Sie gab nicht die absolute Fachtante, die nur durch Wissen und Ernsthaftigkeit, also humorfrei und bierernst, auff\u00e4llt. Stattdessen zeigte sie Kante, gewann Sympathien mit Wortwitz und Charme und bekam am Ende von einem der Aufsichtsr\u00e4te seine Visitenkarte zugesteckt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihren Namen bald in dessen Aufsichtsrat wiederfinde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gro\u00dfe R\u00e4tsel &#8211; mit einer simplen Antwort: Warum sich Aufsichtsrats-Chefs nur einbilden, keine Frauen f\u00fcr ihr Gremium finden zu k\u00f6nnen. 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