{"id":660268,"date":"2016-03-24T13:06:53","date_gmt":"2016-03-24T12:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=660268"},"modified":"2016-03-24T13:06:53","modified_gmt":"2016-03-24T12:06:53","slug":"interview-mit-fuehrungskraefte-expertin-heike-kroll-unternehmen-behandeln-ihre-manager-wie-straeflinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/03\/24\/interview-mit-fuehrungskraefte-expertin-heike-kroll-unternehmen-behandeln-ihre-manager-wie-straeflinge\/","title":{"rendered":"Interview mit F\u00fchrungskr\u00e4fte-Expertin Heike Kroll: &#8222;Unternehmen behandeln ihre Manager wie Str\u00e4flinge&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arbeitsrechtlerin Heike Kroll,\u00a0Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Verbands Die F\u00fchrungskr\u00e4fte (DFK)*, schildert, was sie t\u00e4glich erlebt: Dass Unternehmen inzwischen nicht nur die normalen Angestellten, sondern selbst ihre eigenen F\u00fchrungskr\u00e4fte austricksen\u00a0&#8211;\u00a0beispielsweise\u00a0mit\u00a0ung\u00fcnstigen Arbeitsvertagsklauseln. Fallen sie in Ungnade,\u00a0<\/strong><strong>erniedrigen sie sie auch noch vor der ganzen Belegschaft und\u00a0kochen sie\u00a0weich.\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Klartext: Unternehmen behandeln die eigenen Leute von vornherein unfair &#8211; und brauchen\u00a0nicht erwarten, dass sie dennoch Loyalit\u00e4t zur\u00fcck bekommen. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656992\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656992\" class=\"size-full wp-image-656992\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/Kroll.2015_small.jpg\" alt=\"Heike Kroll, Verband der F\u00fchrungskr\u00e4fte\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/Kroll.2015_small.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/Kroll.2015_small-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><p id=\"caption-attachment-656992\" class=\"wp-caption-text\">Heike Kroll, Arbeitsrechtlerin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin beim Verband Die F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frau Kroll, wie rau ist das Klima in den Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Kroll: Wollen Unternehmen einen Manager loswerden, schrecken sie auch nicht davor zur\u00fcck, ihn zu erniedrigen und vor der Belegschaft zu blamieren oder einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und wie sieht das aus?<\/strong><\/p>\n<p>Da wird ein Manager, der sich bis dahin nichts zuschulden kommen lie\u00df, aber eben gek\u00fcndigt wurde, behandelt wie ein Str\u00e4fling. Es gibt immer wieder F\u00e4lle, in denen die F\u00fchrungskraft nach \u00dcbergabe der K\u00fcndigung im B\u00fcro des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers oder des Personalers in sein B\u00fcro begleitet wird, wo er gleich seine pers\u00f6nlichen Habseligkeiten in einen Karton packen darf &#8211; nat\u00fcrlich unter Beobachtung. Anschlie\u00dfend wird er von zwei Leuten vom Wachdienst ans Werkstor begleitet. Unter den Augen der gesamten Belegschaft muss er unter Umst\u00e4nden mit seinem Karton in den H\u00e4nden w\u00e4hrend der allgemeinen Arbeitszeit durch Werkshallen oder die Produktion laufen. Die Situation ist megapeinlich und die Mitarbeiter tuscheln, die Ger\u00fcchtek\u00fcche beginnt zu brodeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;.peinlich, und erniedrigend?<\/strong><\/p>\n<p>Getoppt wird das nur noch mit dem gleichzeitigen Entzug des Dienstwagens, was man schlimmstenfalls erst am Ausgang drau\u00dfen erf\u00e4hrt, um die \u00dcberraschung perfekt zu machen. Man darf dann sch\u00f6n am Werkstor auf sein Taxi warten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie teilt man es den Managern mit, dass man k\u00fcnftig versuchen will, ohne sie auszukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Noch h\u00e4ufiger kommt es aber vor, dass die F\u00fchrungskraft nicht durch ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch mit dem Vorgesetzten oder der Personalabteilung, sondern \u00fcber den Flurfunk oder durch eine interne Rundmail erf\u00e4hrt, dass ab dem Zeitpunkt xy Herr M\u00fcller\/Meier\/Schulz die Abteilung xy (die er bis dato inne hatte) \u00fcbernehmen wird. Der Mitarbeiter wei\u00df zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manchmal er\u00f6ffnet es sogar der Betriebsrat einem Manager, alles schon vorgekommen. Aber\u00a0ist das fr\u00fcher weniger r\u00fccksichtslos abgelaufen? Vielleicht nicht in der Arbeitszeit, ohne Wachleute, weniger demonstrativ und vielleicht auch nicht Knall auf Fall?<\/strong><\/p>\n<p>Das Bewachen beim Einr\u00e4umen der pers\u00f6nlichen Sachen im B\u00fcro mit der Begleitung durch den Werksdienst hat es bereits fr\u00fcher gegeben. Hier kann man fast eine schlichte Gleichung aufstellen: Je gr\u00f6\u00dfer die M\u00f6glichkeiten dem Unternehmen wom\u00f6glich Schaden zuzuf\u00fcgen und je \u00fcberraschender die K\u00fcndigung nebst Freistellung, umso mehr haben Unternehmen diesen \u00dcberrumpelungseffekt genutzt.<\/p>\n<p>Was sich aber in den letzten Jahren deutlich ver\u00e4ndert und vervielf\u00e4ltigt hat, ist die Tendenz durch interne Kommunikation scheinbar vollendete Tatsachen zu schaffen. Damit hat man zumindest psychologisch einen Punkt Vorsprung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum stellt man einen Mitarbeiter mit dieser Vehemenz von jetzt auf gleich frei?<\/strong><\/p>\n<p>Zum einen um das Risiko zu mindern, dass der Manager noch Eingriffe in die EDV vornimmt, Daten kopiert, Kundenlisten zieht, also letztendlich dem Unternehmen Schaden zuf\u00fcgt. Manchmal aber auch um zu verhindern, dass eventuelle Beweise gesichert werden k\u00f6nnen: Organigramme, Beschlu\u00dfvorlagen, E-Mails von Vorgesetzten undsoweiter.<\/p>\n<p>Wenn\u00a0eine K\u00fcndigung rechtlich auf wackeligen Beinen steht, durchleuchtet der Arbeitgeber auch oft umgehend den PC des Betreffenden, um wom\u00f6glich belastende Informationen zu finden. Bei einer entsprechenden internen Regelung reicht unter Umst\u00e4nden schon der wiederholte Versto\u00df gegen das Verbot, private E-Mail zu verschicken, bestimmte Internetseiten wie Facebook zu besuchen, um die K\u00fcndigung zumindest zus\u00e4tzlich damit zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen sich Manager rechtzeitig sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Vor dem Vorgef\u00fchrt-Werden gar nicht. Aber: Sp\u00e4testens wenn der Manager ein St\u00f6rgef\u00fchl bekommt, sobald Anzeichen auftauchen, dass man in Ungnade gefallen ist, sollte man anfangen, wichtige E-Mails, bei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern insbesondere Protokolle, Gesellschafterbeschl\u00fc\u00dfe oder Gesch\u00e4ftsordnungen zu Hause zu horten.<\/p>\n<p>Ich erlebe beim Beraten von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern immer wieder, dass viele Organvertreter wichtige Unterlagen wie Gesch\u00e4ftsverteilungspl\u00e4ne oder Gesch\u00e4ftsordnungen nicht zu Hause bei ihren Privatunterlagen haben. Das gilt erst Recht f\u00fcr Protokolle von Gesellschafterversammlungen. Wie soll man aber dann im Falle einer au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung oder eines Schadensersatzprozesses belegen, dass man sich korrekt verhalten hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wieso sind Manager so \u00fcberrascht, wenn sie selbst an der Reihe sind, wo sich diese F\u00e4lle tagt\u00e4glich im selben Unternehmen und \u00fcberall sonst auch abspielen?<\/strong><\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise meinen viele immer, das passiert ihnen selbst nicht. Dabei passiert es nach unseren Erfahrungen in der Beratung und Vertretung von F\u00fchrungskr\u00e4ften statistisch gesehen jedem einmal im Leben, dass ein Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht so endet, wie man es selber geplant hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch F\u00fchrungskr\u00e4fte d\u00fcrfen also\u00a0ihren eigenen Unternehmen\u00a0nicht mehr vertrauen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage ist durchaus berechtigt: W\u00e4hrend man vor zehn Jahren bei einem Karrieresprung einen neuen Arbeitsvertrag, der einem von der Personalabteilung vorgelegt wurde, bedenkenlos gegenzeichnen konnte, muss man heutzutage kritisch vergleichen: In welchen Punkten steht eine Verschlechterung? Man hat manchmal den Eindruck, die Personalabteilung ist der Gegenspieler des Mitarbeiters und nicht die Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die beiden Seiten gleicherma\u00dfen dienen soll. Denn\u00a0 auf die nachteiligen \u00c4nderungen weist die Personalabteilung die eigenen Kollegen nicht hin, sondern setzt sie eher noch unter Zeitdruck. Doch wie kann aber ein Unternehmen noch Loyalit\u00e4t von dem Mitarbeiter erwarten, wenn es selber nicht fair mit ihm umgeht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Offenbar halten die Unternehmen, die ihre eigenen Leute so austricksen, f\u00fcr Deppen. Sind die nachwachsenden, jungen Personaler skrupelloser aIs ihre Vorg\u00e4nger?<\/strong><\/p>\n<p>Zum einen ist nat\u00fcrlich die jeweilige Pers\u00f6nlichkeitsstruktur \u2013 ganz unabh\u00e4ngig vom Alter \u2013 entscheidend. Andererseits sind j\u00fcngere, die an die Macht kommen, oft besonders unmenschlich im Umgang mit anderen. Vielleicht ist es ganz simpel: Ethik im Business muss wieder &#8211; auch von ganz oben &#8211; vorgelebt werden. Das ist in der Vergangenheit vielfach auf der Strecke geblieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>*Der Verband Die F\u00fchrungskr\u00e4fte vertritt in seinem Netzwerk rund 25.000 Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte aller Branchen und bietet seinen Mitgliedern unter anderem kostenfreie Beratung und Vertretung in allen arbeitsvertraglichen Belangen durch Arbeitsrechtler: <a href=\"https:\/\/mailnew.vhb.de\/owa\/redir.aspx?SURL=i_nlEENiUhAbEXFaGpgb8eZOM9aRuGGAe1VGLueOg04YmUzJiTTTCGgAdAB0AHAAOgAvAC8AdwB3AHcALgBkAGkAZQAtAGYAdQBlAGgAcgB1AG4AZwBzAGsAcgBhAGUAZgB0AGUALgBkAGUA&amp;URL=http%3a%2f%2fwww.die-fuehrungskraefte.de\"> www.die-fuehrungskraefte.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsrechtlerin Heike Kroll,\u00a0Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Verbands Die F\u00fchrungskr\u00e4fte (DFK)*, schildert, was sie t\u00e4glich erlebt: Dass Unternehmen inzwischen nicht nur die normalen Angestellten, sondern selbst ihre eigenen F\u00fchrungskr\u00e4fte austricksen\u00a0&#8211;\u00a0beispielsweise\u00a0mit\u00a0ung\u00fcnstigen Arbeitsvertagsklauseln. 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