{"id":660191,"date":"2016-02-13T03:28:08","date_gmt":"2016-02-13T02:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=660191"},"modified":"2016-02-13T16:29:28","modified_gmt":"2016-02-13T15:29:28","slug":"wenn-das-notizbuch-vom-aufsichtsrats-chef-partout-keine-frauennamen-enthaelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2016\/02\/13\/wenn-das-notizbuch-vom-aufsichtsrats-chef-partout-keine-frauennamen-enthaelt\/","title":{"rendered":"Wenn das Notizbuch vom Aufsichtsrats-Chef partout keine Frauennamen enth\u00e4lt"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Was die m\u00e4nnlichen &#8211; oder auch weiblichen &#8211; Aufsichtsr\u00e4te heute von der Frauenqote halten, ist nicht wirklich relevant: die W\u00fcrfel sind l\u00e4ngst gefallen und das war auch seit Jahren erwartbar. Schlie\u00dflich hatten die sogenannten Selbstverpflichtungen der Wirtschaft \u00fcber mehr als zw\u00f6lf Jahre nicht funktioniert.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass die Frauenquoten erf\u00fcllt werden m\u00fcssen &#8211; spannend wird es, wie sich die Unternehmen dabei anstellen. Daf\u00fcr hat ein ungew\u00f6hnliches Team, die Top-Kanzlei Hengeler Mueller und der Dax-Headhunter Heiner Thorborg, vom Deutschen Kundeninstitut (DKI) in D\u00fcsseldorf, die 160 Aufsichtsr\u00e4te im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX befragen lassen, ingesamt also 928 Aufsichtsr\u00e4te.<\/p>\n<p>Die Antwortquote betrug zw\u00f6lf Prozent. Immerhin ist fast jeder dritte der Antwortgeber (30 Prozent) sogar Aufsichtsratsvorsitzender.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auffallend weiterhin: 40 Prozent der Antwortgeber waren Frauen, aber sie stellen auf der Arbeitgeberbank nur knapp zw\u00f6lf Prozent der Aufsichtsr\u00e4te. Mithin antworteten 20 Prozent aller Aufsichtsr\u00e4tinnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Notizb\u00fccher nichts mehr hergeben<\/strong><\/p>\n<p>Die Ergebnisse im Detail: 77 Prozent der m\u00e4nnlichen Aufsichtsr\u00e4te erwarten, dass es k\u00fcnftig kompliziert wird, geeignete Aufschtsrat-Kandidaten zu finden. Die Gr\u00fcnde liegen klar auf der Hand. Brauchten die Aufsichtsratschefs bislang nur in ihr pers\u00f6nliches Notizbuch schauen, fanden sie dort genug M\u00e4nner, die sie als Ex-Kollegen, Rotarier-Freunde, Ex-Kommilitonen oder sonstwoher kennen. Ganz abgesehen davon, dass die weiblichen Kandidaten im Schnitt deutlich j\u00fcnger sind und sie sie schon deshalb nicht kennen.<\/p>\n<p>Dumm nur, dass dabei keine Frauen sind. Das Good-Old-Boys-Netzwerk funktioniert an der Stelle nicht mehr und sie sind darauf angewiesen, bei der Suche professionelle Hilfe beispielsweise von Headhuntern in Anspruch zu nehmen. Denn an geeigneten Kandidatinnen mangelt es nicht, sie stehen nur nicht in den Notizb\u00fcchern der bereits amtierenden Aufsichtsr\u00e4te.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lang prophezeite Professionalisierung der Aufsichtsr\u00e4te<\/strong><\/p>\n<p>Headhunter sprechen freilich seit zehn Jahren schon von der zunehmenden Professionalisierung der Aufsichtsr\u00e4te und spekulierten schon l\u00e4nger auf ein neues Einsatzfeld, doch dass es ausgerechnet \u00fcber die Frauen k\u00e4me, hatten sie nicht erwartet.<\/p>\n<p>Das spiegelt auch die Hengeler Mueller\/Thorborg-Umfrage wider: &#8222;Weibliche Aufsichtsr\u00e4te waren in 45 Prozent der F\u00e4lle \u00fcber Headhunter gesucht und gefunden wodern, aber nur 23 Prozent der M\u00e4nner&#8220;, vergleicht Daniela Favoccia, Partnerin bei Hengeler Mueller.<\/p>\n<div id=\"attachment_660259\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-660259\" class=\"size-medium wp-image-660259\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Favoccia2-300x200.jpg\" alt=\"Daniela Favoccia, Partnerin und Ex-Managing-Partnerin bei Hengeler Mueller\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Favoccia2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Favoccia2-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Favoccia2.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-660259\" class=\"wp-caption-text\">Daniela Favoccia, Partnerin und Ex-Managing-Partnerin bei Hengeler Mueller<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn: M\u00e4nner werden in rund jedem zweiten Fall immer noch direkt vom Aufsichtsratsvorsitzenden angesprochen und an Bord geholt &#8211; laut DKI-Umfrage sind es immerhin 48 Prozent, wo das alte Buddys-Netzwerk noch funktioniert.<\/p>\n<p>Dementsprechend erwarten 61 Prozent der Befragten, dass die Kandidatensuche f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te k\u00fcnftig schwieriger oder sogar erheblich schwieriger wird. Erwartungsgem\u00e4ss glauben dies insbesondere die M\u00e4nner &#8211; zu 77 Prozent &#8211; und weniger die Frauen &#8211; nur 34 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbstbewusste Aufsichtsr\u00e4tinnen<\/strong><\/p>\n<p>Die Erwartungshaltung an gemischte Aufsichtsr\u00e4te ist zumindest bei den M\u00e4nnern ged\u00e4mpft: Nur 44 Prozent glauben, dass mit Frauen im Aufsichtsrat k\u00fcnftig effektivere L\u00f6sungsans\u00e4tze entstehen. Die Aufsichtsr\u00e4tinnen sind da optimistischer und selbstbewusst: 95 Prozent von ihnen glauben, dass mit ihnen bessere Ergebnisse entstehen. Dass sich reinweg gar nichts \u00e4ndern wird, glauben \u00fcbrigens 32 Prozent der m\u00e4nnlichen Aufsichtsr\u00e4te nach den DKI-Befragung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie Aufsichtsr\u00e4te ihre Mandate bekommen: Die meisten Frauen \u00fcber Headhunter<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-660194\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler3.jpg\" alt=\"thorborghengeler3\" width=\"650\" height=\"442\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler3.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler3-300x204.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler3-441x300.jpg 441w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Goldr\u00f6cke auch in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Weil die Aufsichtsratschef lieber auf Nummer Sicher gehen und nur den Frauen ein Mandat anvertrauen, die bereits eins haben, sagten in der Umfrage 58 Prozent der Aufsichtsr\u00e4tinnen: F\u00fcr sie ergeben sich durch ihren ersten Aufsichtsratsposten weitere. Das Stichwort hei\u00dft Goldr\u00f6cke. Als Norwegen die Frauenquote zum Gesetz machte, sammelten die wenigen Frauen, die es in einen Aufsichtsrat geschafft hatten, gleich eine handvoll Posten ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bleibt die Frage nach der Qualifikation der Aufsichtsr\u00e4te. 93 Prozent der Befragten waren ausgew\u00e4hlt worden, wel ihre speziellen Kompetenzen bis dahin dem jeweiligen Aufsichtsrat fehlten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer gezielt wegen seiner zus\u00e4tzlichen Kompetenzen ausgew\u00e4hlt wurde<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-660193\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler2.jpg\" alt=\"thorborghengeler2\" width=\"650\" height=\"306\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler2.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler2-300x141.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborghengeler2-500x235.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Immerhin vermutet jede zweite Aufsichtsr\u00e4tin, dass ihr Geschlecht eine entscheidende oder zumindest gro\u00dfe Rolle bei ihrer Berufung gespielt hat&#8220;, sagt Dax-Headhunter Heiner Thorborg.<\/p>\n<div id=\"attachment_660260\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-660260\" class=\"size-medium wp-image-660260\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Thorborg-300x201.jpeg\" alt=\"Dax-Headhunter Heiner Thorborg\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Thorborg-300x201.jpeg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Thorborg-448x300.jpeg 448w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/Thorborg.jpeg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-660260\" class=\"wp-caption-text\">Dax-Headhunter Heiner Thorborg<\/p><\/div>\n<p>Interessant ist, dass sich am Ende alle arrangieren: 97 Prozent der Frauen\u00a0 und 98 Prozent der M\u00e4nner f\u00fchlen sich als Neue im jeweiligen Aufsichtsrate voll und ganz oder wenigstens \u00fcberwiegend akzeptiert.<\/p>\n<p>Mit einem kleinen Unterschied: Voll und ganz akzeptiert f\u00fchlen sich 84 Prozent der m\u00e4nnlichen Aufsichtsr\u00e4te, aber nur 74 Prozent der\u00a0 weiblichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die DKI-Umfrage weiter: &#8222;Aufsichtsr\u00e4te haben oft Schwierigkeiten, unternehmensbezogene Sachfragen zu beurteilen.&#8220; Mal, weil ihnen die Infos des Unternehmens fehlen, mal wegen eigener fehlender Branchenkenntnisse. Woran es im Detail hapert, zeigt die Rangfolge unten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Schwierigkeiten Aufsichtsr\u00e4te konfrontiert werden<\/strong><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-660192\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborg.hengeler1.jpg\" alt=\"thorborg.hengeler1\" width=\"552\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborg.hengeler1.jpg 552w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/02\/thorborg.hengeler1-255x300.jpg 255w\" sizes=\"auto, (max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Karrieresprungbrett Aufsichtsrat<\/strong><\/p>\n<p>Ob ein Aufsichtsratsposten ein Karrierespung ist? F\u00fcr Frauen jedenfalls ist er das deutlich \u00f6fter als f\u00fcr M\u00e4nner. Nur neun Prozent der Aufsichtsr\u00e4te glauben, das ihre Berufung ein Karrieresprung war &#8211; aber 55 Prozent der Frauen. Was damit zusammen h\u00e4ngen kann, dass man ihnen weitere Aufsichtsratsposten nur dann zutraut, wenn sie bereits einen oder mehrere innehaben. Stichwort wiederum: Goldr\u00f6cke.<\/p>\n<p>Ein weiterer Beleg: M\u00e4nnliche Aufsichtsr\u00e4te haben in 48 Prozent der F\u00e4lle bereits eine F\u00fchrungsposition &#8211; nur. Denn bei den Aufsichtsr\u00e4tinnen haben immerhin 63 Prozent eine F\u00fchrungsposition woanders inne.<\/p>\n<p>Wobei man auch einfach Headhunter mit der Suche beauftragen k\u00f6nnte, denn die wissen durchaus, wo sie f\u00fcndig werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Was die m\u00e4nnlichen &#8211; oder auch weiblichen &#8211; Aufsichtsr\u00e4te heute von der Frauenqote halten, ist nicht wirklich relevant: die W\u00fcrfel sind l\u00e4ngst gefallen und das war auch seit Jahren erwartbar. 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