{"id":659034,"date":"2015-11-04T10:57:34","date_gmt":"2015-11-04T09:57:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=659034"},"modified":"2015-11-04T10:57:34","modified_gmt":"2015-11-04T09:57:34","slug":"vw-skandal-compliance-wird-zum-wettbewerbsvorteil-gastbeitrag-von-peter-fissenewert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/11\/04\/vw-skandal-compliance-wird-zum-wettbewerbsvorteil-gastbeitrag-von-peter-fissenewert\/","title":{"rendered":"VW-Skandal: Compliance wird zum Wettbewerbsvorteil &#8211; Gastbeitrag von Peter Fissenewert"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Compliance-Experte Peter Fissenewert \u00fcber die weiteren Auswirkungen des VW-Skandals (Gastbeitrag)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wenn jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland vom Auto abh\u00e4ngt und Deutschland viertgr\u00f6\u00dfter Automobilhersteller weltweit ist, sollten deutsche Manager die VW-Krise und den Compliance-Skandal sehr ernst nehmen<\/strong><strong>.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_658489\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Fissenewert.Prof_Peter_Fissenewert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-658489\" class=\"size-full wp-image-658489\" alt=\"Peter Fissenewert, Professor\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Fissenewert.Prof_Peter_Fissenewert.jpg\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Fissenewert.Prof_Peter_Fissenewert.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Fissenewert.Prof_Peter_Fissenewert-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-658489\" class=\"wp-caption-text\">Compliance-Experte Peter Fissenewert, Anwalt und Professor an der SRH in Berlin<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf VW wird sehr viel zukommen. Einige mutma\u00dfen, dass der Konzern die Krise nicht \u00fcberstehen wird. Es mag sein, dass VW f\u00e4llt, in jedem Fall wird das Unternehmen aber in die Knie gezwungen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schaden: bis zu 80 Milliarden Euro<\/strong><\/p>\n<p>Bislang stellte VW 6,7 Milliarden Euro zur\u00fcck. Neben der bef\u00fcrchteten 18-Milliarden-Euro-Strafe durch die US-Umweltbeh\u00f6rde EPA fallen weitere erhebliche Kosten f\u00fcr R\u00fcckrufe an. Allein in Europa beordert VW dazu 8,5 Millionen Autos in die Werkst\u00e4tten. Dabei behauptet VW, bei den meisten Motoren gen\u00fcge es, die alte Software, die die Abgasemmissionen bei Tests manipulierte, zu ersetzen. Dies wird sich aber kein K\u00e4ufer gefallen lassen, denn er hat ein Auto nicht nur mit falscher Software, sondern auch mit anderen Abgaswerten gekauft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allein die Softwareumstellung wird daher nicht ausreichen. Es steht zu vermuten, dass bei den meisten Motoren auch die Technik erneuert werden muss. \u00a0Zus\u00e4tzlich zu den R\u00fcckrufkosten kann f\u00fcr jedes Fahrzeug, das nicht den US-Abgasnormen entspricht, eine Strafe in H\u00f6he von weiteren je 37.500 US-Dollar verh\u00e4ngt werden. Anwaltskanzleien bringen sich bereits weltweit f\u00fcr Sammelklagen gegen VW in Stellung. Die Kosten des Skandals sind kaum abzusch\u00e4tzen. Analysten erwarten, dass die bisher zur\u00fcckgelegten 6,7 Milliarden Euro kaum ausreichen werden, um die Folgen der Aff\u00e4re zu verkraften. Die Sch\u00e4tzungen schwanken zwischen 20 und 80 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Allein im dritten Quartal 2015 verzeichnet VW einen Verlust von rund 3,5 Milliarden Euro. All dies ist ernst zu nehmen. Und teilweise reagiert VW bereits.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Druck auf Zulieferer und Autoh\u00e4user<\/strong><\/p>\n<p>So hat VW angek\u00fcndigt, bei den Zulieferern 3 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Damit ist klar, dass der finanzielle Druck, der durch die uns\u00e4gliche Lopez-\u00c4ra erst richtig ist Gang gebracht wurde, sich weiter verst\u00e4rken wird. Ob dies alle Zulieferer \u00fcberstehen werden, darf bezweifelt werden, denn auch die anderen Automobilhersteller werden nat\u00fcrlich beim Preisdruck kr\u00e4ftig mitdr\u00fccken. Dies trifft auch die Autoh\u00e4user, weil VW auch von seinen Autoh\u00e4usern klare und transparente Strukturen in Zukunft verlangen muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieselgate erreicht die ersten Autoh\u00e4user<\/strong><\/p>\n<p>Dies trifft nicht nur die gesamte VW-Branche mit all den Tochterunternehmen, sondern es betrifft die ganze Branche. Erste Autoh\u00e4user klagen, dass die Banken die VW-Krise zum Anlass genommen haben, das Rating herabzustufen, was zu erheblichen Problemen im Tagesgesch\u00e4ft f\u00fchrt.<\/p>\n<p>VW wird zuk\u00fcnftig nur noch mit solchen Zulieferern und Autoh\u00e4usern zusammenarbeiten k\u00f6nnen, die ein wirksames und nachweisbares Compliance-Management-System (CMS) implementiert haben. Mag es auch zynisch klingen, wird der Konzern, der gerade so vielfach betrogen hat, zuk\u00fcnftig bei seinen Zulieferern auf transparente und sichere Strukturen setzen m\u00fcssen. Nur dieses klare Bekenntnis zu Compliance im eigenen Haus wie bei externen Zulieferern wird VW ein gutes Ma\u00df an Glaubw\u00fcrdigkeit zur\u00fcckbringen. F\u00fcr die Zulieferer und Autoh\u00e4user ist es nicht nur \u00fcberlebensnotwendig, Compliance ist damit auch zu einem Wettbewerbsvorteil avanciert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutschland ohne Unternehmensstrafrecht<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Diskussion um ein Unternehmensstrafrecht wird wieder entfacht. Im vergangenen Jahr ebbte die Diskussion etwas ab, da sich viele mit mehr oder weniger guten Argumenten gegen die Einf\u00fchrung eines Unternehmensstrafrechts gewandt haben.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: In Deutschland gibt es nur ein sogenanntes Individualstrafrecht, das hei\u00dft, nur einzelne Personen k\u00f6nnen nach dem Strafgesetzbuch bestraft werden.<\/p>\n<p>Ausnahmen kennen wir nur beispielsweise bei Kartellvergehen oder bei Verst\u00f6ssen gegen das Mindestarbeitslohngesetz. Hier k\u00f6nnen Unternehmen bereits empfindlich sanktioniert werden. Im Ergebnis handelt es sich aber lediglich um Geldbu\u00dfen, keinesfalls um Geldstrafen &#8211; auch wenn zuzugeben ist, dass diese Bu\u00dfen sehr hoch ausfallen m\u00f6gen. Ob VW nach Paragraph 130 des Ordnungswidrigkeitengesetzes sanktioniert werden kann, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Compliance als Strafminderungsgrund<\/strong><\/p>\n<p>Aber immerhin ist doch die Frage erlaubt, warum ein Unternehmen, das sich derartiger Vergehen strafbar gemacht hat, nicht auch nach dem Strafgesetzbuch bestraft werden kann, sondern nur die einzelnen T\u00e4ter? Auch hier wird Compliance eine Rolle spielen, denn bereits bei der Diskussion um das Unternehmensstrafrecht wurde diskutiert, dass das Unternehmen, das sich strafbar gemacht hat, milder bestraft werden kann oder soll, wenn es ansonsten \u00fcber eine funktionierende Compliance-Struktur verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Korruptionsregister<\/strong><\/p>\n<p>Wie wirken sich eigentlich die Korruptionsregister auf den Vertrieb von VW aus? In einigen L\u00e4ndern existieren bereits derartige Korruptionsregister, in denen die Firmen eingetragen werden, die sich wegen Korruptions- oder sonstiger Vergehen ihrer Mitarbeiter etwas vorzuwerfen haben.<\/p>\n<p>Grob betrachtet ist dies schon etwas wie ein Unternehmensstrafrecht, denn wer einmal in diesem Korruptionsregister ist, darf f\u00fcr eine gewisse Zeit nicht mehr an \u00f6ffentlichen Ausschreibungen teilnehmen. Derzeit gibt es ein Korruptionsregister nur in einzelnen Bundesl\u00e4ndern, es ist aber bundesweit geplant. Hier ist zu fragen, ob und inwieweit sich VW auch zuk\u00fcnftig an Ausschreibungen f\u00fcr \u00f6ffentliche Flottenvertr\u00e4ge und dergleichen beteiligen kann. Mehr noch: M\u00fcssen Unternehmen der \u00f6ffentlichen Hand\u00a0diese Vertr\u00e4ge nun wom\u00f6glich k\u00fcndigen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wettbewerbsvorteil Compliance<\/strong><\/p>\n<p>Der VW-Skandal wird eine erhebliche Schubwirkung auf die Compliance-Entwicklung haben. Aber das ist positiv. Compliance wird damit endg\u00fcltig zu einem echten Wettbewerbsvorteil, abgesehen davon, dass sich die Unternehmen, die sich ein Compliance Management System verpassen, intern wie extern geringeren Risiken ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich ist, dass der Optimismus der deutschen Manager bislang kaum getr\u00fcbt ist. Noch nicht.\u00a0Denn der VW-Skandal wird nicht nur Auswirkungen auf die Zulieferindustrie und die eigenen Autoh\u00e4user haben. Eine ganze Branche ist ersch\u00fcttert &#8211; eine Branche, die einer Vielzahl von Menschen unmittelbar und mittelbar Arbeit gibt.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 300\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Peter Fissenewert ist Partner der Kanzlei HWW Hermann Wienberg Wilhelm und Professor f\u00fcr Wirtschaftsrecht an der Hochschule SRH in Berlin mit den Schwerpunkten Gesellschaftsrecht, Restrukturierung, Sanierung und Insolvenz sowie Compliance-Beratung und Managerhaftung. Fissenewert ist<\/strong> <strong>Herausgeber des Handbuchs \u201eCompliance f\u00fcr den Mittelstand\u201c, des \u201ePraxishandbuchs internationale Compliance-Management-Systeme Grunds\u00e4tze \u2013 Checklisten \u2013 Zertifizierung gem\u00e4\u00df ISO 19600\u201c und Mitautor des Standardwerks \u201eCompliance kompakt\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a title=\"Peter Fissenewert, HWW, Compliance-Anwalt\" href=\"http:\/\/www.hww.eu\/de\/rechtsanwaelte\/team\/prof-dr-peter-fissenewert\" target=\"_blank\">http:\/\/www.hww.eu\/de\/rechtsanwaelte\/team\/prof-dr-peter-fissenewert<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Compliance-Experte Peter Fissenewert \u00fcber die weiteren Auswirkungen des VW-Skandals (Gastbeitrag) Wenn jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland vom Auto abh\u00e4ngt und Deutschland viertgr\u00f6\u00dfter Automobilhersteller weltweit ist, sollten deutsche Manager die VW-Krise und den Compliance-Skandal sehr ernst nehmen. &nbsp; &nbsp; Auf &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/11\/04\/vw-skandal-compliance-wird-zum-wettbewerbsvorteil-gastbeitrag-von-peter-fissenewert\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2091,5017,5000,3579,4999,5171,5120,944,5170,2063,5030],"class_list":["post-659034","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-compliance","tag-dieselgate","tag-hww-hermann-wienberg-wilhelm","tag-korruptionsregister","tag-peter-fissenewert","tag-ruckruf","tag-sammelklagen","tag-schadenersatz","tag-srh-berlin","tag-unternehmensstrafrecht","tag-vw-abgasskandal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=659034"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/659034\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=659034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=659034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=659034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}