{"id":658922,"date":"2015-11-20T00:14:12","date_gmt":"2015-11-19T23:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658922"},"modified":"2015-11-25T11:29:29","modified_gmt":"2015-11-25T10:29:29","slug":"arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-teil-10-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-einfach-das-gehalt-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/11\/20\/arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-teil-10-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-einfach-das-gehalt-stoppen\/","title":{"rendered":"Arbeitsrecht-Serie mit Anwalt Christoph Abeln (Teil 11): Die Tricks, wie Unternehmen F\u00fchrungskr\u00e4fte loswerden \u2013 Einfach das Gehalt stoppen"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0<\/b><strong>Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten. H\u00e4ufig ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von Managern und leitenden Angestellten spezialisiert. In der WiWo-Serie zeigt der Rechtsanwalt die Methoden auf, die ihm tagt\u00e4glich begegnen. Hier die Masche, kranken F\u00fchrungskr\u00e4ften einfach mal das Gehalt zu stoppen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_657881\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657881\" class=\"size-full wp-image-657881\" alt=\"Arbeitsrechtler Christoph Abeln\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657881\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitsrechtler Christoph Abeln<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn jemand schon in einem Moment der Schw\u00e4che ist, hat man umso leichteres Spiel mit ihm. Getreu nach diesem Motto verfahren auch Unternehmen, wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte krank werden, die ihnen sowieso schon ein Dorn im Auge sind. So erging es auch dem\u00a0Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer mittelst\u00e4ndischen Bank, der sich beim\u00a0Skifahren einen komplizierten Handbruch zugezogen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schw\u00e4che nutzen, um Druck auszu\u00fcben<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem er sich knapp vier Wochen auskuriert hatte und zuhause geblieben war, ereilte ihn gleich\u00a0der n\u00e4chste Schock: Der Arzt diagnostizierte einen Bandscheibenvorfall\u00a0aufgrund seiner st\u00e4ndigen Arbeits\u00fcberlastung. \u00a0Wieder wurde er krank geschrieben und mehrere Wochen ausfallen. Und genau das war der Moment, der seinem\u00a0Arbeitgeber gerade recht kam. Denn der witterte in diesem Moment der Schw\u00e4che seines Mitarbeiters seine\u00a0Chance, ihn unter Druck zu setzen. Schon l\u00e4nger wollte man den\u00a0verdienten Bankmanager loswerden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einfach mal die Gehaltszahlungen stoppen<\/strong><\/p>\n<p>Der Trick, den das Unternehmen anwandte, war ein besonders perfider:\u00a0Es stellte einfach von heute auf morgen seine\u00a0Gehaltszahlungen ein. Und das mit einer haarstr\u00e4ubenden Begr\u00fcndung: Beim Bruch der Hand und\u00a0dem Bandscheibenvorfall handele sich um eine sogenannte Fortsetzungserkrankung.<\/p>\n<p>Der Hintergrund: Eigentlich m\u00fcssen Arbeitgeber nach Paragraph 3 des<br \/>\nEntgeltfortzahlungsgesetzes bis zu sechs Wochen nach der Erkrankung des Mitarbeiters ihm das\u00a0volle Gehalt zahlen. Erkrankt er in diesen sechs Wochen an einer anderen<br \/>\nKrankheit, beginnt die Sechs-Wochenfrist von Neuem zu laufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Folge: Sobald der Arbeitgeber keinen Lohn mehr \u00fcberweist, zahlt die Krankenversicherung ab dann nur noch das &#8211; deutlich niedrigere\u00a0&#8211; Krankengeld. Bei F\u00fchrungskr\u00e4ften mit entsprechenden Geh\u00e4ltern k\u00f6nnen dann schnell gro\u00dfe Ausfallsummen zusammenkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Prozess vorm Arbeitsgericht dauert sechs bis neun Monate<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem an dieser Unternehmenstaktik: Sein Gehalt als Angestellter mit einer Klage vor Gericht einzufordern, dauert allein in der\u00a0ersten Instanz sechs bis neun Monate. Anders als K\u00fcndigungsschutzklagen unterf\u00e4llt solch eine Gehaltsklage aber nicht dem sogenannten Beschleunigungsgrundsatz &#8211; und landet damit in der Warteschleife. Damit nicht genug:\u00a0Dazu kommt, dass diese Arbeitnehmer selbst ihre Anwaltskosten zahlen\u00a0m\u00fcssen &#8211; selbst, wenn sie sp\u00e4ter gewinnen, gibt es keinen Ersatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Taktik: Zerm\u00fcrben<\/strong><\/p>\n<p>Im Prozess tr\u00e4gt dann zwar das Unternehmen die sogenannte\u00a0Darlegungs- und Beweislast und muss also erkl\u00e4ren, warum es\u00a0sich &#8211; hier bei dem Bandscheibenvorfall &#8211; um eine Fortsetzungserkrankung des Handbruchs handelt. Weil es das gar nicht kann, wird es tats\u00e4chlich den Prozess\u00a0bei seiner vorgeschobenen Begr\u00fcndung verlieren &#8211; aber trotzdem seinem Ziel\u00a0n\u00e4herkommen. Denn der Manager wird m\u00fcrbe. Er wird finanziell heftig unter Druck gesetzt &#8211; seine Verpflichtungen laufen weiter, aber der Lohn bleibt aus. Das \u00dcbelste: Wird er gesund und tritt seinen Job wieder an, darf er wegen des ausgebliebenen Gehalts\u00a0nicht einmal die\u00a0Arbeit verweigern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn dazu reicht es nicht aus, dass das Unternehmen einige Wochen die Lohnzahlungen einstellt, sagen die Arbeitsgerichte.\u00a0Hier gibt es nur einen praktischen Tipp: F\u00fcr solche F\u00e4lle sollten sich F\u00fchrungskr\u00e4fte immer\u00a0ein entsprechendes finanzielles Polster von mindestens\u00a0drei Bruttomonatsgeh\u00e4ltern zur\u00fcck legen, um solche Schikanen n\u00f6tigenfalls auszusitzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten. H\u00e4ufig ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. 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