{"id":658834,"date":"2015-10-19T14:07:54","date_gmt":"2015-10-19T12:07:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658834"},"modified":"2015-10-19T16:19:53","modified_gmt":"2015-10-19T14:19:53","slug":"vw-skandal-wenn-kostenvorgaben-vor-fachexpertise-gehen-wird-unternehmerisches-denken-ad-absurdum-gefuhrt-sagt-uwe-kohrs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/10\/19\/vw-skandal-wenn-kostenvorgaben-vor-fachexpertise-gehen-wird-unternehmerisches-denken-ad-absurdum-gefuhrt-sagt-uwe-kohrs\/","title":{"rendered":"VW-Skandal: Wenn Kostenvorgaben unternehmerisches Denken ad absurdum f\u00fchren. Kommentar von GPRA-Chef Uwe Kohrs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Frage des Systems?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Uwe Kohrs,\u00a0Pr\u00e4sident des PR-Agenturverbands GPRA und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter der Agentur Impact\u00a0analysiert im Management-Blog die Webfehler im System bei VW &#8211; und auch Schwachstelle bei vielen anderen Unternehmen: Ist der Kostenrahmen wichtiger als die Qualit\u00e4t, kann das nicht gut gehen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_657457\" style=\"width: 497px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657457\" class=\"size-full wp-image-657457\" alt=\"Uwe Kohrs, GPRA-Pr\u00e4sident und Chef der Agentur Impact\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg\" width=\"487\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg 487w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657457\" class=\"wp-caption-text\">Uwe Kohrs, GPRA-Pr\u00e4sident und Chef der Agentur Impact<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Motto: Durchwurschteln ist Trumpf<\/strong><\/p>\n<p>Wer sich das Mediengewitter der vergangenen Wochen in Sachen VW vergegenw\u00e4rtigt, der kann leicht den Eindruck gewinnen, es handele sich bei dem Wolfsburger Weltkonzern um eine kriminelle Vereinigung. Das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit ist im Keller, die Juristen h\u00fcben wie dr\u00fcben des Atlantiks r\u00fcsten sich f\u00fcr den anstehenden Schadensersatz-Tsunami und VW scheint die FIFA-Strategie zu w\u00e4hlen, um den Konzern rundzuerneuern. Frei nach dem Motto Durschwurschteln ist Trumpf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Versagen in Gro\u00dfkonzernen hat System<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und selbsternannte Experten l\u00e4uten schon mal das Ende von Made in Germany ein. Stellt sich die Frage, ob wir es nicht ein bisschen kleiner haben k\u00f6nnen. Aber Spa\u00df beiseite Die Frage, die im Raum steht ist, ob VW mit seinen Gro\u00dfkrisen im Zehn-Jahres-Rhythmus ein Einzelfall ist, oder ob irgendetwas falsch l\u00e4uft im Staate D\u00e4nemark. Gro\u00dffl\u00e4chige R\u00fcckrufaktionen sind l\u00e4ngst die Normalit\u00e4t in der Autoindustrie geworden, die Lebensmittelbranche jagt von Krise zu Krise, die Banken scheinen von allen guten Geistern verlassen und so weiter und so weiter. Corporate Governance scheint kaum mehr als ein nett formulierter frommer Wunsch zu sein. Das Versagen in Konzernen und Gro\u00dfunternehmen hat System, das wird zunehmend deutlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Erkl\u00e4rung findet sich nur im Kleingedruckten: Der Kostenrahmen<\/strong><\/p>\n<p>Wer etwas \u00fcber die Ursachen erfahren will kann im aktuellen VW-Skandal einiges dar\u00fcber erfahren \u2013 nicht in den Headlines, sondern so nebenbei im Kleingedruckten zum Beispiel in den Aussagen der Ingenieure bei der ersten internen Untersuchung. \u201eMan habe im Rahmen der finanziellen Vorgaben keine L\u00f6sung f\u00fcr diesen Motorentyp zustande gebracht\u201c, gaben die Herren unter anderem zu Protokoll, und dann hat man es eben \u00fcber eine Software-Manipulation gel\u00f6st. Auf die Idee, den Kostenrahmen in Frage zu stellen, scheint keiner gekommen zu sein und technisches Scheitern h\u00e4tte in der VW-Kultur f\u00fcr alle Beteiligten die weitere Karriere im Unternehmen VW gekostet. Wer bringt unter solchen Rahmenbedingungen den Mut auf, sich gegen dieses System zu stellen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Schwachstelle bei VW wie bei vielen Unternehmen: Controlling und Einkauf als eigentliche Macht, die Angst und Schrecken verbreitet<\/strong><\/p>\n<p>Und genau da zeigt sich eine Schwachstelle in der Realit\u00e4t vieler Unternehmen und Konzernen im Spannungsfeld zwischen Kostenoptimierung und Fachanforderungen. Hinter vorgehaltener Hand entsteht ein Bild von Unternehmenskulturen, in denen gegen alle Vernunft und Expertise die Fachabteilungen bei Entscheidungen systematisch ignoriert werden \u2013 und Controlling und Einkaufsabteilungen die eigentliche Macht in Unternehmen sind und mit ihrer rein zahlengetriebenen Denke Angst und Schrecken verbreiten. Alles \u00fcble Nachrede und falsche Interpretation?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Qualit\u00e4ts-Sicherung mit Improvisation<\/strong><\/p>\n<p>Nun, die Vertreter von Fachabteilungen aus allen Bereichen klagen immer h\u00e4ufiger, dass sie keinen Einfluss mehr auf Vergabeentscheidungen haben \u2013 denn das erledigt der Einkauf \u2013 streng nach Vergaberichtlinien zum g\u00fcnstigsten Preis, egal ob Schrauben, Personal oder Kommunikation. Wer dabei die Qualit\u00e4t in Frage sieht und gegenzusteuern versucht, muss sich was einfallen lassen und improvisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fachexpertise au\u00dfer Kraft setzen, Widerspruch bestrafen<\/strong><\/p>\n<p>Nicht das wir uns missverstehen: Kontrolle bei Vergaben, Projekten und Einkauf ist nat\u00fcrlich vern\u00fcnftig, aber wer das Prinzip der Fachexpertise im eigenen Unternehmen au\u00dfer Kraft setzt und Widerspruch bestraft, der f\u00fchrt unternehmerisches Denken ad absurdum. Opel arbeitet seit Jahren daran, um aus der von Herrn Lopez und seinen Nachfolgern verursachten Image- und Vertrauenskrise herauszukommen und scheint dabei mittlerweile dazugelernt zu haben. VW hat die harten Zeiten jetzt vor sich und es ist zu hoffen, dass man bei der Suche nach den Schuldigen nicht die notwendigen Systemfragen vernachl\u00e4ssigt. Denn wer, wie bei VW angek\u00fcndigt, jetzt schnell mal den Kulturwandel verk\u00fcndet, der sollte wissen welche Kultur er damit eigentlich meint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frage des Systems? 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