{"id":658716,"date":"2015-10-14T14:00:50","date_gmt":"2015-10-14T12:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658716"},"modified":"2015-10-14T14:00:50","modified_gmt":"2015-10-14T12:00:50","slug":"arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-teil-8-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-kranke-mit-arbeit-bombadieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/10\/14\/arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-teil-8-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-kranke-mit-arbeit-bombadieren\/","title":{"rendered":"Arbeitsrecht-Serie mit Anwalt Christoph Abeln (Teil 8): Die Tricks, wie Unternehmen F\u00fchrungskr\u00e4fte loswerden \u2013 Kranke mit Arbeit bombadieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten. H\u00e4ufig ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von Managern und leitenden Angestellten spezialisiert. In der WiWo-Serie zeigt der Rechtsanwalt die Methoden auf, die ihm tagt\u00e4glich begegnen. Dieses Mal die Masche, kranke F\u00fchrungskr\u00e4fte &#8211; statt sie zu schonen &#8211; mit Arbeitsauftr\u00e4gen zuzusch\u00fctten.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_657881\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657881\" class=\"size-full wp-image-657881\" alt=\"Arbeitsrechtler Christoph Abeln\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657881\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitsrechtler Christoph Abeln<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte, die krank sind, k\u00f6nnen sich nicht einfach ins Bett legen. Sie haben in dem Fall mehr Pflichten als normale Angestellte. Sie m\u00fcssen n\u00e4mlich\u00a0 &#8211; zumindest soweit zumutbar &#8211; ihren Arbeitgeber darauf hinweisen, wenn ohne ihn nun dringende oder zeitgebundene Arbeiten liegen bleiben. Sie m\u00fcssen ihn soweit unterrichten, dass er diese Arbeiten an andere Kollegen delegieren kann. Das steht so im Detail in keinem Arbeitsvertrag und auch nicht im Gesetz, aber Arbeitnehmer haben solche Treuepflichten &#8211; immer wieder best\u00e4tigt durch die Arbeitsgerichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf den Kranken\u00a0Druck aufbauen<\/strong><\/p>\n<p>Die Methode, wie Unternehmen ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte dann ausgerechnet in so einer Situation m\u00fcrbe machen, funktioniert dann so: Als zum Beispiel der Abteilungsleiter eines M\u00f6belhauses mit einem Burn-Out-Syndrom au\u00dfer Gefecht war, lie\u00df ihn das Unternehmen nicht mehr zur Ruhe kommen.\u00a0 Ohne Unterlass pushte ihm der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Nachfragen zur Schluss-Redaktion des neuen Prodkutkataloges auf sein Dienst-Blackberry. Tats\u00e4chlich ging es dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer jedoch weniger um das Heft, sondern vielmehr darum, den Kranken unter Druck zu setzen. Der Grund: Der Unternehmenslenker hatten es sich schon l\u00e4nger in den Kopf gesetzt, sich von seinem Abteilungsleiter zu trennen und versuchte nun, ihm das Leben m\u00f6glichst schwer zu machen &#8211; ohne R\u00fccksicht auf seine Gesundheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorw\u00fcrfe und Schikanen<\/strong><\/p>\n<p>Solche F\u00e4lle h\u00e4ufen sich: Einem meiner Mandanten wurde neulich vorgeworfen, er habe sich &#8222;in die Krankheit gefl\u00fcchtet&#8220;. Ein haneb\u00fcchener Vorwurf in seinem Fall &#8211; aber eben auch ein Mittel, um der F\u00fchrungskraft deutlich zu zeigen, wie ihr Standing ist. Hier hilft nur ein dickes Fell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder ein anderer Fall: Ein Abteilungsleiter aus der Lebensmittelbranche hatte mit Krankheitsbeginn explizit gebeten, in Ruhe gelassen zu werden. Was passierte? Sowohl ein Kunde, wie auch ein Personalmitarbeiter meldeten sich auf dem privaten Mobiltelefon &#8211; und zwar mit unterdr\u00fcckter Telefonnummer. Auch hier war zu vermuten, dass man ihn tats\u00e4chlich gerade nicht in Ruhe lassen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kranke Mitarbeiter k\u00f6nnen sich entziehen, kranke F\u00fchrungskr\u00e4fte nicht gleich<\/strong><\/p>\n<p>Eine heikler Situation, denn: Ist ein Mitarbeiter krank, muss er keine Arbeit selbst verrichten. Und selbst wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte ihre Arbeit \u00fcbergeben m\u00fcssen, bedeutet das nicht, dass sie sich in einem fort per Mail oder Handy verf\u00fcgbar halten m\u00fcssen. Oberste Priorit\u00e4t hat die schnelle Genesung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderer Trick von b\u00f6swilligen Unternehmenslenker geht so: Sie stellen der kranken F\u00fchrungskraft f\u00fcr den Tag der R\u00fcckkehr ein gro\u00dfes Meeting in den Outlook-Kalender. Die Folge: Nat\u00fcrlich bleibt dem Kranken nichts anderes \u00fcbrig, als sich bereits w\u00e4hrend der Krankheitstage darauf vorzubereiten und im schlimmsten Fall sogar eine ganze Pr\u00e4sentation auszuarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0Krankenschein faxen und Blackberry aus machen<\/strong><\/p>\n<p>Tipp: Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, sollten sich Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung von ihrem Hausarzt geben lassen und taggleich in die Firma faxen oder mailen. Und dann ist es auch in Ordnung &#8211; sobald eine Art \u00dcbergabe stattgefunden hat &#8211; nicht mehr an das Blackberry zu gehen, wenn es klingelt, nicht zu mehr reagieren oder es abzuschalten. Denn immerhin ist das Dienst-Blackberry ein Arbeitsmittel und gearbeitet werden soll ja w\u00e4hrend der Krankheit nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fest steht aber eins: Vor Abmahnungen wie K\u00fcndigungen ist man auch nicht sicher, wenn man krankgeschrieben ist. Nur muss der Grund f\u00fcr die Abmahnung noch zuvor geschehen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist es ohnehin so, dass Arbeitgeber ab dem ersten Krankheitstag ein Arzt-Attest verlangen darf (Bundesarbeitsgerichts-Urteil, Aktenzeichen 5 AZR 886\/11), aber die meisten Firmen es erst verbindlich ab dem dritten Arbeitstag einfordern. Genau in diesen beschriebenen F\u00e4llen wird streitlustigen Arbeitgebern sonst T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet, seine F\u00fchrungskr\u00e4fte auch zuhause am Krankenbett weiter mit Aufgaben zu drangsalieren. Die dann vorgeschobene Begr\u00fcndung der Unternehmen hei\u00dft dann regelm\u00e4\u00dfig: Ohne \u00e4rztliches Attest sei ja gar nicht sicher, ob der Betroffene krank ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten. H\u00e4ufig ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/10\/14\/arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-teil-8-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-kranke-mit-arbeit-bombadieren\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[87,5088,3568,647,1927],"class_list":["post-658716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsrecht","tag-arbeitsrecht-serie-8","tag-christoph-abeln","tag-krank","tag-krankheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=658716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=658716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=658716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=658716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}