{"id":658371,"date":"2015-09-18T17:02:26","date_gmt":"2015-09-18T15:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658371"},"modified":"2015-09-21T12:49:11","modified_gmt":"2015-09-21T10:49:11","slug":"mitarbeiterzufriedenheit-immer-ungeliebtere-konzerne-geschatzte-familienunternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/18\/mitarbeiterzufriedenheit-immer-ungeliebtere-konzerne-geschatzte-familienunternehmen\/","title":{"rendered":"Mitarbeiterzufriedenheit: Immer ungeliebtere Konzerne, gesch\u00e4tzte Familienunternehmen"},"content":{"rendered":"<p><strong><\/strong><strong>Die Mitarbeiterzufriedenheit in den Konzernen sinkt, belegt eine Studie von der Fachhochschule Augsburg und Boris Gloger Consulting, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt<\/strong><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Konzerne verlieren als Arbeitgeber immer mehr an Strahlkraft. Jedenfalls bei denjenigen, die schon l\u00e4nger im Berufsleben sind. Sind in Familienunternehmen immerhin 75 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden, so sagen dies bei den Konzernen nur noch 65 Prozent der Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte. \u201eDieser Unterschied ist signifikant, denn noch immer gelten die Gro\u00dfkonzerne als die beliebtesten Arbeitgeber \u2013 in der Praxis sind sie aber zu Verwaltungsburgen verkommen\u201c, urteilt Unternehmensberater Boris Gloger aus Baden-Baden, Chef von Boris Gloger Consulting. Er hat zusammen mit dem Lehrstuhl der Wirtschaftsprofessorin Erika Regnet von der Hochschule Augsburg eine Befragung von 389 Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften \u00fcber 40 Jahren \u2013 quer durch alle Branchen und in allen Unternehmensgr\u00f6\u00dfen \u2013 durchgef\u00fchrt, die den Konzernen diese sinkende Mitarbeiterzufriedenheit attestiert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Gloger.Boris-Gloger-April-15-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-658372\" alt=\"Gloger.Boris Gloger April 15 (4)\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Gloger.Boris-Gloger-April-15-4-215x300.jpg\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Gloger.Boris-Gloger-April-15-4-215x300.jpg 215w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/Gloger.Boris-Gloger-April-15-4.jpg 467w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Kollegen nur als Konkurrenten gesehen werden<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel die Sorge um den Arbeitsplatz und das langfristige Denken ist in den Konzernen st\u00e4rker gestiegen als in Familienunternehmen. 50 Prozent der Befragten best\u00e4tigen, dass sie die Arbeitsplatzsicherheit heute als viel geringer einsch\u00e4tzten als vor zehn Jahren. Auch die Konkurrenz der Mitarbeiter untereinander ist im selben Zeitraum erheblich gestiegen. Das eine h\u00e4ngt mit dem anderen zusammen: Wer die drohende Arbeitslosigkeit \u2013 zumal als \u00fcber 40-J\u00e4hriger \u2013 permanent vor Augen hat, sieht in Kollegen irgendwann eher Konkurrenten als Mitstreiter.<\/p>\n<p>Der Grund d\u00fcrften die hohen Entlassungszahlen und ewigen Restrukturierungen der vergangenen Jahre sein, die in den meisten Unternehmen zur Daueransage geworden sind. Erholsame Routine gibt es nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meeting-Wahn und taktische Spielchen sorgen nur f\u00fcr Frust und Angst<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommt: \u201eIn Konzernen nehmen taktische Spielchen und Meeting-Wahn \u00fcberhand\u201c, beobachtet Consultant Gloger. Die \u00fcble Folge f\u00fcr die Gro\u00dfunternehmen: \u201eF\u00fchrungskr\u00e4fte entfremden sich immer weiter von ihren Teams, was f\u00fcr bei den Mitarbeitern f\u00fcr Angst und Frust sorgt\u201c, so Gloger weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/schueren.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-658402\" alt=\"schueren\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/schueren-300x148.png\" width=\"300\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/schueren-300x148.png 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/schueren.png 319w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>In Familienunternehmen dagegen ticken die Uhren ohnehin anders. Die Eigent\u00fcmer denken in 15-Jahreszeitr\u00e4umen statt in Quartalen wie die Konzerne, vergleicht Andreas Sch\u00fcren, Partner und Unternehmensberater bei Ebner Stolz, einem der gr\u00f6\u00dften Beratungsh\u00e4user in Deutschland. Familienunternehmen seien zudem weniger von Hierarchien gepr\u00e4gt und arbeiteten st\u00e4rker ergebnisorientiert, erg\u00e4nzt Managementberater Gloger: \u201eDas f\u00fchrt alles in allem zu mehr Zufriedenheit bei den hochmotivierten Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften.\u201c<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Kollektives Schweigen zu Dummheiten \u2013 aus Angst um die eigene Karriere<\/strong><\/p>\n<p>Die Untersuchung im Detail: Auch Ergebnisdruck und Stress sind signifikant angestiegen, wogegen sie bei Familienunternehmen konstant geblieben sind. Gloger analysiert: Ergebnisdruck wie Stress sind subjektive Kriterien, die jeder individuell wahrnimmt und die aus Unsicherheit wie Angst entstehen. Im Unternehmensalltag l\u00e4uft es dann so ab: \u201eStatt Managern unternehmerischen Freiraum zu geben, wo auch Fehler vorkommen d\u00fcrfen, werden Projekte in endlosen Meetings kollektiv totgequatscht\u201c, beobachtet der Baden-Badener Berater. Das Schlimmste aber daran ist: Alle wissen genau, dass dies der falsche Weg ist &#8211; aber alle machen mit aus Angst um die eigene Karriere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die klaffende L\u00fccke zwischen Managern und Belegschaft\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen der Manager-Ebene und der Belegschaft klafft &#8211; so die Untersuchung &#8211; eine riesige L\u00fccke. Bestes Indiz: Im wahren Leben gibt es kaum Ber\u00fchrungspunkte zwischen Managern und Teams. \u201eAus Angst, menschlich und mit allen Unzul\u00e4nglichkeiten wahrgenommen zu werden, meiden F\u00fchrungskr\u00e4fte den Kontakt mit ihren Mitarbeitern au\u00dferhalb der beruflichen Sph\u00e4re\u201c, kritisiert Gloger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Junge, eingebildete Leute mit Vorurteilen und unwissend<\/strong><\/p>\n<p>Das Betriebsklima und die Motivation weiter sch\u00e4digen d\u00fcrfte eine neue Sichtweise auf J\u00fcngere im Vergleich zu erfahreneren Mitarbeitern. Ein Generationenkonflikt sei absehbar. Der Jugendwahn, den die Unternehmen schon lange Jahre bei ihrem Einstellungsverhalten pflegen, hat nun daf\u00fcr gesorgt, dass sich die Jungen \u00fcbersch\u00e4tzen und f\u00fcr besonders ehrgeizig motiviert und innovativ halten.<\/p>\n<p>Sie sehen die Erfahrenen unter den Kollegen nicht mehr als Vorbild an, sondern belegen sie mit Klischees wie \u201eunnachgiebig, beharrend und konservativ\u201c, so die Untersuchung. Das aber, weil sie auf Vorurteile hereinfallen und tats\u00e4chlich nicht wissen, wie die \u00e4ltere Generation arbeitet, glaubt Managementberater Gloger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr Mitarbeiterzufriedenheit, mehr Arbeitsf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>W\u00fcrden die Unternehmen mehr Wert auf die Mitarbeiterzufriedenheit legen, w\u00fcrden sie mit signifikant h\u00f6herer Arbeitsf\u00e4higkeit belohnt, so die Studie. Denn 80 Prozent der befragten F\u00fchrungskr\u00e4fte sch\u00e4tzen ihre Arbeitsf\u00e4higkeit als sehr gut bis gut ein \u2013 egal ob sie eher 40 oder eher 60 Jahre alt sind.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die hochmotivierten Alten<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Erkenntnis stehen Gloger und die Hochschule Augsburg auch nicht alleine da. Die internationale Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft EY (zuvor Ernst &amp; Young) hat erst vor kurzem einer Umfrage mit Valid Research unter 2212 Arbeitnehmern durchgef\u00fchrt und festgestellt: 40 Prozent der Mitarbeiter ab 61 Jahren sind mit Feuereifer dabei und hoch motiviert. Zufrieden mit ihrem Job und unmotiviert seien dagegen die J\u00fcngeren unter 30 Jahren. https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/14\/ey-umfrage-altere-sind-motivierter-als-jungere-und-frauen-sind-motivierter-als-manner-auch-wenn-sie-weniger-verdienen\/<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Wunschzettel der Manager an die Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Welche unerf\u00fcllten W\u00fcnsche die Manager haben? Mehr Freiraum, mehr Verantwortung sowie eine Mentorenfunktion, besagt die Studie von Gloger und der Hochschule Augsburg. Und hier wird die Absurdit\u00e4t endg\u00fcltig erkennbar: Denn eigentlich sollte sich genau das doch jedes Unternehmen auch von seinen F\u00fchrungskr\u00e4ften w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lesehinweise: <\/strong><\/p>\n<p><strong>GPRA-Vertrauensindex zum Mi\u00dftrauen der Mitarbeiter gegen\u00fcber ihren Unternehmen:<\/strong><\/p>\n<p><b><a title=\"GPRA-Vertrauensindex, Unternehmen\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/07\/14\/exklusiv-auswertung-gpra-vertrauensindex-wer-hat-angst-vor-dem-eigenen-unternehmen-die-grose-mehrheit\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/07\/14\/exklusiv-auswertung-gpra-vertrauensindex-wer-hat-angst-vor-dem-eigenen-unternehmen-die-grose-mehrheit\/<\/a><\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gallup-Umfrage 2015 zum Arbeitshaltung der allermeisten Mitarbeiter: Nur p\u00fcnktlich sein und niemandem schaden <\/strong><\/p>\n<p><b><a title=\"Gallup-Studie 2015, Mitarbeitermotivation\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/03\/11\/gallup-studie-zu-mitarbeiter-engagement-die-meisten-schieben-nur-dienst-nach-vorschrift-hinter-ihrem-unternehmen-stehen-sie-nicht\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/03\/11\/gallup-studie-zu-mitarbeiter-engagement-die-meisten-schieben-nur-dienst-nach-vorschrift-hinter-ihrem-unternehmen-stehen-sie-nicht\/<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mitarbeiterzufriedenheit in den Konzernen sinkt, belegt eine Studie von der Fachhochschule Augsburg und Boris Gloger Consulting, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt \u00a0 Konzerne verlieren als Arbeitgeber immer mehr an Strahlkraft. 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