{"id":658172,"date":"2015-09-15T16:06:50","date_gmt":"2015-09-15T14:06:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658172"},"modified":"2015-09-15T16:07:43","modified_gmt":"2015-09-15T14:07:43","slug":"arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-teil-iv-versetzt-nach-buxtehude-von-heute-auf-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/15\/arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-teil-iv-versetzt-nach-buxtehude-von-heute-auf-morgen\/","title":{"rendered":"Arbeitsrecht-Serie mit Anwalt Christoph Abeln: Die Tricks, wie Unternehmen F\u00fchrungskr\u00e4fte loswerden (Teil 4) \u2013 Versetzt nach Kiel von heute auf morgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arbeitsrecht-Serie (4) mit Christoph Abeln: Heute M\u00fcnchen, morgen Kiel &#8211; wenn man \u00fcber Nacht weit weg versetzt wird<\/strong><\/p>\n<p><strong>Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten.\u00a0Versetzen besipielsweise\u00a0Arbeitgeber eine F\u00fchrungskraft von heute auf morgen an einen weit entfernten Arbeitsort, kann das eine Methode sein, sie loszuwerden. Serie von Arbeitsrechtler Christoph Abeln von der gleichnamigen Arbeitsrechtskanzlei.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_657881\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657881\" class=\"size-full wp-image-657881\" alt=\"Arbeitsrechtler Christoph Abeln\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/AbelnamSchreibtisch_Abeln-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657881\" class=\"wp-caption-text\">Arbeitsrechtler Christoph Abeln<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Muss man sich darauf einlassen, von heute auf morgen ohne jede Vorwarnung hunderte Kilometer weit weg versetzt zu werden? Wom\u00f6glich ohne Begr\u00fcndung? So lief es bei dem Filialleiter einer Versicherung, der mehr als zwanzig Jahre bereits in Berlin gearbeitet hatte &#8211; und dort auch mit seiner Familie lebte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heute Berlin, morgen K\u00f6ln<\/strong><\/p>\n<p>Am Rande einer Fortbildung in der Zentrale in K\u00f6ln er\u00f6ffnete ihm sein Vorgesetzter, dass sich sein Arbeitsplatz ab sofort in K\u00f6ln bef\u00e4nde. Er k\u00f6nne direkt hier im Rheinland bleiben, gleich morgen ginge es los.<\/p>\n<p>Mit diesem Versetzungstrick setzen Unternehmen &#8211; typischerweise\u00a0altgediente &#8211; \u00a0F\u00fchrungskr\u00e4fte unter Druck, damit sie aufgeben und die Firma von selbst verlassen. Ohne goldenen Handschlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sie werden woanders gebraucht<\/strong><\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndungen sind mannigfaltig: Mal hei\u00dft es,\u00a0dass der aktuelle Job wegfalle etwa wegen Restrukturierung. Mal sagt man dem\u00a0Mitarbeiter:\u201eIhre Erfahrungen werden an anderer Stelle gebraucht\u201c, und \u201eHelfen\u00a0Sie uns, in Kiel die neue Filiale aufzubauen, so wie Sie es\u00a0erfolgreich in Berlin getan haben&#8220;. Die h\u00e4rteste Variante: Das Unternehmen\u00a0gibt einfach gar keine Begr\u00fcndung an und zeigt der F\u00fchrungskraft die kalte Schulter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abrakadabra, Ihre Stelle ist weg<\/strong><\/p>\n<p>Der h\u00e4ufigsten Fall: Man sagt ihr, die aktuelle Stelle sei leiderleider nicht mehr\u00a0existent und nur noch an diesem weit entfernten, abgelegenen Ort sei \u00fcberhaupt\u00a0noch eine Stelle frei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vertrackte Versetzungsklauseln<\/strong><\/p>\n<p>Sicher k\u00f6nnen Unternehmen nicht einfach so den Arbeitsort ihrer Mitarbeiter so im Handstreich und \u00fcber Nacht \u00e4ndern. Schon gar nicht \u00fcber hunderte von Kilometer. Grunds\u00e4tzlich. Aber weil 99 Prozent \u00a0der F\u00fchrungskr\u00e4fte in ihrem Vertrag eine sogenannte Versetzungsklausel stehen haben, geht es eben doch. Die lautet dann ungef\u00e4hr so &#8222;&#8230;behalten wir uns vor, Sie an einem Ort unserer Wahl zu\u00a0besch\u00e4ftigen&#8230;&#8220;. Oder im Vertrag ist gar nicht erst ein Arbeitsort bestimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erst mal gehorchen &#8211; sicherheitshalber<\/strong><\/p>\n<p>Schon sicherheitshalber sollte man solch in dem Fall erst mal gehorchen. Wer es nicht tut, riskiert, dass man ihm Arbeitsverweigerung unterstellt &#8211; und liefert schon damit einen sofortigen K\u00fcndigungsgrund. Ohne Abfindung.<\/p>\n<p>Klar ist: Nicht einmal eine konkrete Frist muss das Unternehmen bei solch einer Versetzung einhalten, sagt das Bundesarbeitsgericht. Es muss nur in all diesen F\u00e4llen nur &#8222;billiges Ermessen&#8220; aus\u00fcben &#8211; nicht zu verwechseln mit dem viel weiterem, &#8222;freien Ermessen&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erforderlich: Interessensabw\u00e4gung<\/strong><\/p>\n<p>Danach muss die Firma die wechselseitigen Interessen abw\u00e4gen \u00a0Damit sind also beide Seiten gemeint, also auch der Arbeitnehmer. Und in dessen Interesse d\u00fcrfte ein solch fixer Umzug in einen hunderte Kilometern entfernten Ort nie sein.<\/p>\n<p>Die Folge: Arbeitgeber, die ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte so unter Druck setzen, handeln rechtswidrig. Dagegen wehren kann man sich innerhalb weniger Tage mit einer sogenannten einstweiligen Verf\u00fcgung, der der Anwalt beim Gericht stellt. Einstweilige Verf\u00fcgungen helfen demjenigen, der eine schnelle gerichtliche Entscheidung braucht. So schnell, dass er nicht auf ein Urteil warten kann.\u00a0Dazu muss sein Anwalt einen Antrag bei Gericht stellen, in dem er seinen Anspruch und einen Grund benennt. Meist entscheiden der Richter innerhalb einer Woche und eine normale Gerichtsverhandlung zur endg\u00fcltigen Kl\u00e4rung erfolgt sp\u00e4ter. In der Regel Monate sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einstweilige Verf\u00fcgung zum Druck-Aufbauen<\/strong><\/p>\n<p>Leicht ist es nicht, einstweilige Verf\u00fcgungen zu erk\u00e4mpfen.\u00a0Denn: Sie sind au\u00dferordentlich schwierig und nur in absoluten Ausnahmef\u00e4llen durchsetzbar. Aber bereits das blo\u00dfe Verfahren kann als M\u00f6glichkeit dienen, um mit einem wortkargen Arbeitgeber ins Gespr\u00e4ch zu kommen und eine einvernehmliche L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geht der Versetzte vors Gericht, pr\u00fcft der Richter \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Kommt es zu einem Prozess,\u00a0muss das Unternehmen offen legen, aus welchem Anlass es den Mitarbeiter versetzen will.\u00a0Au\u00dferdem muss es nachweisen k\u00f6nnen, dass es auch die pers\u00f6nlichen Interessen des Mitarbeiters sorgf\u00e4ltig abgewogen hat: Soziale Bindungen, famili\u00e4re Unterhaltsverpflichtungen oder medizinische Notwendigkeiten k\u00f6nnen zugunsten des Mitarbeiters eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcber zwei Stunden Pendeln wird es eng f\u00fcr die Firma<\/strong><\/p>\n<p>Sobald die Versetzung einen gerade noch hinnehmbaren Pendelradius von vielleicht zwei Stunden t\u00e4glich \u00fcberschreitet, wird es f\u00fcr das Unternehmen eng. \u00a0Es muss n\u00e4mlich auch nachweisen, dass es f\u00fcr den Arbeitnehmer am bisherigen Arbeitsort nichts mehr zu tun gibt. Und weil viele r\u00e4umliche Versetzungen nur der Schikane dienen, wird die Versetzung oft bereits daran scheitern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist interessant: Gibt es einen Betriebsrat, muss der nicht nur angeh\u00f6rt werden, sondern der &#8211; r\u00e4umlichen &#8211; Versetzung auch zustimmen laut Paragraf 99 Betriebsverfassungsgesetz. Auch der kann also ein Veto einlegen und die Versetzung verhindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitsrecht-Serie (4) mit Christoph Abeln: Heute M\u00fcnchen, morgen Kiel &#8211; wenn man \u00fcber Nacht weit weg versetzt wird Unternehmen greifen immer \u00f6fter zu Tricks, wenn sie sich von F\u00fchrungskr\u00e4ften trennen m\u00f6chten.\u00a0Versetzen besipielsweise\u00a0Arbeitgeber eine F\u00fchrungskraft von heute auf morgen an einen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/15\/arbeitsrecht-serie-mit-anwalt-christoph-abeln-die-tricks-wie-unternehmen-fuhrungskrafte-loswerden-teil-iv-versetzt-nach-buxtehude-von-heute-auf-morgen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[87,3568,420,4967,1123],"class_list":["post-658172","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsrecht","tag-christoph-abeln","tag-fuhrungskrafte","tag-serie-4","tag-versetzung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=658172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658172\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=658172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=658172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=658172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}