{"id":658145,"date":"2015-09-09T12:36:03","date_gmt":"2015-09-09T10:36:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658145"},"modified":"2015-09-09T12:36:03","modified_gmt":"2015-09-09T10:36:03","slug":"arbeitszeugnisse-ein-lastiges-argernis-hochjubelnd-und-uberflussig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/09\/arbeitszeugnisse-ein-lastiges-argernis-hochjubelnd-und-uberflussig\/","title":{"rendered":"Arbeitszeugnisse:  Ein l\u00e4stiges \u00c4rgernis, hochjubelnd &#8211; und \u00fcberfl\u00fcssig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Untersuchung der Haufe-Gruppe zu Arbeitszeugnissen zeigt, dass\u00a0alle Beteiligten unzufrieden sind: Die Zeugnis-Schreiber wie die betroffenen Mitarbeiter. Sie sind oft\u00a0falsch, lassen lange auf sich warten &#8211; und unehrlich obendrein.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Ausl\u00e4nder halten das deutsche Gewese um Arbeitszeugnisse immer erst mal f\u00fcr einen Witz&#8220;, erz\u00e4hlt Arbeitsrechtler Boris Dzida von Freshfields. International \u00fcblich seien nur ganz kurze Zeugnisse, die sich auf die Fakten beschr\u00e4nken. Da wird\u00a0die Funktion beschrieben und allenfalls ein Satz zu der Person geschrieben, der aber &#8222;nie so hochjubelnd, wie es hierzulande selbstverst\u00e4ndlich geworden ist&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Stets zur vollsten Zufriedenheit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Mitarbeiter achtet darauf, dass um Himmels willen die Floskel &#8222;stets zur vollsten Zufriedenheit&#8220; in seinem Zeugnis auftaucht. Alles andere wird als inakzeptabel und kaum vorzeigbar empfunden.<\/p>\n<div id=\"attachment_648194\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-648194\" class=\"size-medium wp-image-648194\" alt=\"Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-648194\" class=\"wp-caption-text\">Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields<\/p><\/div>\n<p>Die Folgen berichtet Arbeitsrechtler Dzida: Kaum ein Personaler nehme diese Formel-Bewertungen\u00a0noch ernst. Wichtig sind die Zeugnisse aber laut Dzida dennoch: &#8222;Wer sie nicht vorweisen kann, dem schadet\u00b4s &#8211; wer sie hat, dem n\u00fctzen sie dennoch weinig.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Personalabteilungen kommen ins Japsen<\/strong><\/p>\n<p>Das ewige \u00c4rgernis beim Thema Zeugnis so Dzida: Den Mitarbeitern auf dem Sprung dauert es zu lange, bis ihr Zeugnis fertig ist. &#8222;Kaum sollen Personalabteilungen das Papier\u00a0schneller als in einem Monat fertig machen, kommen sie ins Japsen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Freiburger Haufe-Gruppe wollte es\u00a0genau wissen und hat Personaler sowie F\u00fchrungskr\u00e4fte in \u00fcber 400 Unternehmen mit 250 Mitarbeitern und weiteren gut 200 Zeugnisempf\u00e4ngern befragt. Das Fazit:\u00a0Das Arbeitspapier bereitet eigentlich keinem Beteiligtem Freude.\u00a086 Prozent der F\u00fchrungskr\u00e4fte und 81 Prozent der Personaler sind mit der Zeugniserstellung unzufrieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Dauer-\u00c4rgernis entpuppen sich das wochenlange Warten, falsche Job-Beschreibungen oder gar unzul\u00e4ssige Formulierungen, F\u00fchrungskr\u00e4fte dagegen f\u00fchlen sich sogar mit den Formulierungen und Abstimmungen \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was die Personaler und Vorgesetzten nervt&#8230;.\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Pro Zeugnis wendet die H\u00e4lfte der befragten Mitglieder von Personalabteilungen\u00a0 mehr als eine Stunde auf,\u00a0 rund ein Viertel sogar mehr als drei Stunden. Die Vorgesetzten ben\u00f6tigen &#8211; obendrauf &#8211; nochmal so viel Zeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Der Abstimmungsprozess zwischen Personalabteilung und F\u00fchrungskr\u00e4ften l\u00e4uft \u00fcberwiegend \u00fcber die klassischen\u00a0 Kan\u00e4le wie Hauspost, Mail oder Telefon und ist daher aufw\u00e4ndig, zeitraubend und fehleranf\u00e4llig. Vorgesetzte\u00a0 (31 Prozent) wie Personaler (44 Prozent) werfen sich gegenseitig vor, die Zeugnisse zu lange auf dem Tisch liegen zu lassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Nur 18 Prozent der befragten Personaler f\u00fchlen sich sicher, was die rechtliche Korrektheit der Zeugnistexte\u00a0und\u00a0der Bewertungen angeht. Dramatischer klingt diese Zahl: 82 Prozent sind unsicher beim Zeugnis-Formulieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Mehr als ein Drittel der Personaler hat keinen \u00dcberblick \u00fcber den aktuellen Stand der Zeugnisse im Unternehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Immerhin 60 Prozent der befragten Personaler und 47 Prozent der F\u00fchrungskr\u00e4fte w\u00fcnschen sich allgemein mehr Hilfestellung beim Zeugniserstellen. 15 Prozent nutzen spezielle Zeugnismanagement-Programme.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was die Mitarbeiter nervt&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; \u00dcber die H\u00e4lfte der Mitarbeiter m\u00fcssen einen Monat und l\u00e4nger auf ihr Zeugnis warten.<\/p>\n<p>&#8211; Bei mehr als jedem zweiten Angestellten (53 Prozent) ist das Zeugnis unvollst\u00e4ndig. In\u00a046 Prozent der F\u00e4lle ist die T\u00e4tigkeitsbeschreibung sogar falsch:\u00a0Meist fehlen Aufgaben und T\u00e4tigkeitsbereiche (46 Prozent).<\/p>\n<p>&#8211; Ebenso viele\u00a0Mitarbeiter (46 Prozent) wurden gar nicht gefragt, als das Unternehmen die\u00a0T\u00e4tigkeitsbeschreibung vornahm.<\/p>\n<p>&#8211; Jeder zweite muss sich \u00fcber die Wartezeit beschweren (52 Prozent).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr derlei Pannen? 40 Prozent der Vorgesetzten haben zu viele andere T\u00e4tigkeiten abzuarbeiten, in mehr als jedem f\u00fcnftem Fall (22 Prozent) gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Abteilungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcberforderte F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>Das Res\u00fcmme des Studienverantwortlichen bei Haufe, Bernhard Muenster:\u00a0&#8222;Die Verantwortung f\u00fcr die richtige und vollst\u00e4ndige T\u00e4tigkeitsbeschreibung und Leistungsbewertung der Mitarbeiter liegt \u00fcberwiegend bei den F\u00fchrungskr\u00e4ften, diese f\u00fchlen sich dadurch jedoch \u00fcberfordert.&#8220;, Fatal genug, doch hinzu kommt: &#8222;Gleichzeitig funktioniert die Abstimmung zwischen Linie, Personalabteilung und Mitarbeitern nicht so, wie sie sollte.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_657875\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/Haufe.Muenster-Bernhard_4c_Haufe_komp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657875\" class=\"size-medium wp-image-657875\" alt=\"Bernhard Muenster von Haufe\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/Haufe.Muenster-Bernhard_4c_Haufe_komp-224x300.jpg\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/Haufe.Muenster-Bernhard_4c_Haufe_komp-224x300.jpg 224w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/08\/Haufe.Muenster-Bernhard_4c_Haufe_komp.jpg 487w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657875\" class=\"wp-caption-text\">Bernhard Muenster, Haufe-Gruppe<\/p><\/div>\n<p>Somit ist in den Unternehmen das Erstellen der Zeugnisse eine \u00e4u\u00dferst ungeliebte Aufgabe. Ganz zu schweigen von den gerichtlichen Auseinandersetzungen mit unzufriedenen Arbeitnehmern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbst-Verfasste Zeugnisse<\/strong><\/p>\n<p>Unproblematisch ist es dagegen bei F\u00fchrungskr\u00e4ften. Deren Zeugnisse nimmt kaum jemand mehr ernst, weil man nicht wei\u00df, ob sie selbst verfasst sind. \u00dcblich ist diese Vorgehensweise: Hatte der Kandidat mit seinem Ex-Unternehmen einen Aufhebungsvertrag geschlossen, so steht es in jedem zweiten, dass er sich das Zeugnis selbst \u00a0schreiben darf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausweg: Referenzen einholen<\/strong><\/p>\n<p>Ob aber Anrufe beim Ex-Arbeitgeber zul\u00e4ssig sind, bei denen sich der neue Arbeitgeber Referenzen geben lassen k\u00f6nnte, das ist immer noch unklar. Sie kommen durchaus vor. Gaben fr\u00fcher die Gerichte ihr o.k. dazu, so f\u00fchren sie jedoch heute den Datenschutz dagegen zu Felde. Doch klar ist auch: Wie soll ein Kandidat jemals solch einen heimlichen Telefonanruf heraus bekommen und wie soll er ihn beweisen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Untersuchung der Haufe-Gruppe zu Arbeitszeugnissen zeigt, dass\u00a0alle Beteiligten unzufrieden sind: Die Zeugnis-Schreiber wie die betroffenen Mitarbeiter. 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