{"id":658120,"date":"2015-09-03T01:09:29","date_gmt":"2015-09-02T23:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=658120"},"modified":"2015-09-09T15:25:08","modified_gmt":"2015-09-09T13:25:08","slug":"reichtumsforschung-buchauszug-aus-reich-werden-und-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/03\/reichtumsforschung-buchauszug-aus-reich-werden-und-bleiben\/","title":{"rendered":"Reichtumsforschung: Buchauszug aus &#8222;Reich werden und bleiben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus &#8222;Reich werden und reich bleiben&#8220; exklusiv im &#8222;Management-Blog&#8220; von Rainer Zitelmann, Immobilienexperte, Ex-Redakteur der &#8222;Welt&#8220; und Autor mehrerer B\u00fccher.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/cover.reich_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-658098\" alt=\"cover.reich\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/cover.reich_.jpg\" width=\"200\" height=\"284\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Reich werden und bleiben&#8220;, Rainer Zitelmann, \u00a0FinanzBuch Verlag M\u00fcnchen, Juni 2015, 256 Seiten, 21,99 Euro: \u00a0<a href=\"https:\/\/mailnew.vhb.de\/owa\/redir.aspx?SURL=_ECp9kBjYbwkCOf8l02OvHMtAkWdOrNuI99HRUx3_5JQqZ0W2LPSCGgAdAB0AHAAcwA6AC8ALwB3AHcAdwAuAG0ALQB2AGcALgBkAGUALwBmAGkAbgBhAG4AegBiAHUAYwBoAHYAZQByAGwAYQBnAC8AcwBoAG8AcAAvAGEAcgB0AGkAYwBsAGUALwAzADYANgAwAC0AcgBlAGkAYwBoAC0AdwBlAHIAZABlAG4ALQB1AG4AZAAtAGIAbABlAGkAYgBlAG4ALwA.&amp;URL=https%3a%2f%2fwww.m-vg.de%2ffinanzbuchverlag%2fshop%2farticle%2f3660-reich-werden-und-bleiben%2f\" target=\"_blank\">https:\/\/www.m-vg.de\/finanzbuchverlag\/shop\/article\/3660-reich-werden-und-bleiben\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist \u00fcberhaupt Reichtum? Wer sollte als \u00bbReicher\u00ab bezeichnet werden? Es gibt viele Definitionen. Manche davon beziehen auch Aspekte ein, die nichts mit dem Einkommen oder dem Verm\u00f6gen eines Menschen zu tun haben, so etwa \u00bbGesundheit\u00ab oder \u00bbpolitischer Einfluss\u00ab. Obwohl man nat\u00fcrlich sagen kann, eine Person sei \u00bbeinflussreich\u00ab oder \u00bbreich an Gesundheit\u00ab, tr\u00e4gt eine solche Ausweitung des Reichtumsbegriffs eher zur Verwirrung als zur Klarheit bei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann ist ein Mensch reich?<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Frage, was sie unter \u00bbReichtum\u00ab verstehen, antworten die Deutschen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbSich im Alter keine Sorgen machen zu m\u00fcssen.\u00ab (87 Prozent)<\/p>\n<p>\u00bbVollkommen unabh\u00e4ngig von staatlicher Absicherung zu sein.\u00ab(76 Prozent)<\/p>\n<p>\u00bbSich jederzeit alles leisten k\u00f6nnen, was man will.\u00ab (75 Prozent)<\/p>\n<p>\u00bbAusschlie\u00dflich von Verm\u00f6gensertr\u00e4gen leben k\u00f6nnen, ohne arbeiten zu m\u00fcssen.\u00ab (70 Prozent)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige dieser Aussagen sind sehr schwammig: Wann muss sich ein Mensch \u00bbkeine Sorgen machen\u00ab? Und was hei\u00dft es, dass man sich jederzeit \u00bballes leisten kann, was man will\u00ab? Das ist sehr subjektiv. Von Mensch zu Mensch unterscheiden sich die Antworten auf diese Fragen erheblich.<\/p>\n<p>Konkreter fassbar ist die Antwort, dass reich derjenige ist, der ausschlie\u00dflich von seinen Verm\u00f6gensertr\u00e4gen leben kann, ohne arbeiten zu m\u00fcssen. Doch auch bei dieser Begriffsbestimmung bedarf es einer Konkretisierung. Es lohnt sich, einen Moment genauer dar\u00fcber nachzudenken: Wird hier unterstellt, dass das einmal erworbene Verm\u00f6gen nicht angetastet wird, oder aber, dass es sukzessive verbraucht wird? Im zweiten Fall ist sehr viel weniger Verm\u00f6gen notwendig als im ersten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Ertr\u00e4gen leben k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Und was bedeutet es genau, dass man von den Ertr\u00e4gen \u00bbleben kann\u00ab? Welches Einkommen wird hier zugrunde gelegt? Und welche Verzinsung des Verm\u00f6gens wird angenommen, um dieses Ziel erreichen zu k\u00f6nnen? Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Bundesb\u00fcrgers betrug 2014 brutto 41.000 Euro. Das entspricht nach Steuern und Sozialabgaben einem Nettoeinkommen von 24.000 Euro im Jahr bzw. 2000 Euro im Monat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;mindestens 800.000 Euro auf der hohen Kante<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber wie viel Verm\u00f6gen muss jemand verf\u00fcgen, um j\u00e4hrlich nach Steuern 24.000 Euro aus Zinsen zu erzielen? Nehmen wir an, es gelingt, eine Bruttoverzinsung von 4 Prozent zu erzielen. Das ist heute schon sehr anspruchsvoll. Wem dies gelingt, der geht entweder h\u00f6here Risiken ein oder verf\u00fcgt \u00fcber ein weit \u00fcberdurchschnittliches finanzielles Know-how. Dennoch wollen wir einmal die 4 Prozent unterstellen. Wenn diese Zinsen der Abgeltungssteuer unterliegen, dann bleiben netto davon noch etwa 3 Prozent \u00fcbrig. Das hei\u00dft, man muss schon 800.000 Euro \u00bbauf der hohen Kante\u00ab haben, um wenigstens so davon leben zu k\u00f6nnen wie der Durchschnittsb\u00fcrger \u2013 vorausgesetzt, man tastet das Verm\u00f6gen nicht an.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Selbst dann, wenn man das Verm\u00f6gen nicht antastet, wird der Verm\u00f6gensstock Jahr f\u00fcr Jahr kleiner, und zwar durch die Geldentwertung. Insbesondere nach l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen macht sich das schmerzlich bemerkbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Leben auf dem Niveau des Durchschnittsverdieners ist kaum das, was ein \u00bbReicher\u00ab als angemessen empfindet. Realistischer ist, dass er es ausk\u00f6mmlich findet, wenn er dreimal so viel im Monat zur Verf\u00fcgung hat wie der Durchschnittsb\u00fcrger. In der Reichtumsforschung werden 300 Prozent des Durchschnittseinkommens h\u00e4ufig als Kriterium f\u00fcr \u00bbEinkommensreichtum\u00ab genannt. Dann muss man \u00fcber ein Verm\u00f6gen von 2,4 Millionen Euro verf\u00fcgen, um monatlich einen Nettoertrag von 6000 Euro zu beziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings wurde hierbei unterstellt, dass es gelingt, eine Bruttoverzinsung von 4 Prozent zu erzielen. Wie wir sp\u00e4ter sehen werden, gelingt dies leider den wenigsten Immobilienbesitzern, obwohl das (und auch viel mehr) an sich mit Immobilien durchaus m\u00f6glich ist. Auch mit Aktien sind solche Ertr\u00e4ge m\u00f6glich, aber sie schwanken sehr stark und eignen sich daher nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr jemanden, der eine stabile Einkommensquelle sucht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher legten Menschen, die nach stabilen Einkommensquellen suchten, ihr Geld in Bundesanleihen an. Mit zehnj\u00e4hrigen Bundesanleihen erzielte man Ende Januar 2015 jedoch nur noch eine Rendite von 0,37 Prozent. Nach Abzug der Abgeltungssteuer bleiben davon noch 0,28 Prozent \u00fcbrig. Das hei\u00dft, wer mit sicheren Anlagen in Bundesanleihen ein monatliches Nettoeinkommen von 2000 Euro erzielen will, muss bereits \u00fcber ein Nettoverm\u00f6gen von 8,6 Millionen Euro verf\u00fcgen. Und wer mit Bundesanleihen heute einen Nettoertrag von 6000 Euro im Monat erzielen m\u00f6chte, der braucht daf\u00fcr 25,7 Millionen Euro!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vermeintlich gro\u00dfe Zahlen t\u00e4uschen<\/strong><\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen zeigen, dass man sich durch vermeintlich gro\u00dfe Zahlen nicht t\u00e4uschen lassen sollte. Eine Million Euro klingt f\u00fcr die meisten Menschen nach sehr viel Geld, aber diese Einsch\u00e4tzung relativiert sich, wenn man \u00fcberlegt, wie viel Einkommen aus Zinsen in sicheren Anlagen man damit erzielen kann. Wer Million\u00e4r ist und von den Zinsen leben will, der muss sich darauf einrichten, dass er so lebt wie der Durchschnittsb\u00fcrger in Deutschland.<\/p>\n<p>Erinnern Sie sich daran, dass drei von vier Deutschen unter \u00bbReichtum\u00ab verstehen, dass man \u00bbsich jederzeit alles leisten kann, was man will\u00ab? Das ist mit einer Million Euro jedenfalls nicht m\u00f6glich, es sei denn, man braucht das Geld rasch auf \u2013 so wie es viele Spitzensportler oder Popmusiker getan haben, \u00fcber die in der Einleitung berichtet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der \u00bbWorld Wealth Report\u00ab, der regelm\u00e4\u00dfig von dem Beratungsunternehmen Capgemini und RBC Wealth Management herausgegeben wird, unterscheidet zwischen drei Gruppen von Reichen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Millionaires next Door: Das sind Personen mit einem Nettoverm\u00f6gen zwischen 1 und 5 Millionen Dollar. Davon gibt es weltweit 12,4 Millionen.<\/p>\n<p>Mid-Tier Millionaires: Personen mit einem Nettoverm\u00f6gen zwischen 5 und 30 Millionen Dollar. Davon gibt es weltweit 1,2 Millionen.<\/p>\n<p>Ultra-HNWIs (Ultra-High-Net-Worth-Individuals): Personen mit einem Nettoverm\u00f6gen, das gr\u00f6\u00dfer als 30 Millionen Dollar ist. Davon gibt es weltweit 128.000.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meisten Million\u00e4re kommen aus USA, Japan, Deutschland und China<\/strong><\/p>\n<p>60 Prozent der Million\u00e4re leben in vier L\u00e4ndern, und zwar in den USA (4 Millionen), in Japan (2,2 Millionen), in Deutschland (1,1 Millionen) und in China (758.000). Zwar gibt es sehr kleine L\u00e4nder, wie etwa Singapur, wo die Million\u00e4rsdichte gr\u00f6\u00dfer ist (hier kommen 100.000 Million\u00e4re auf 5,4 Millionen Menschen), aber unter den gro\u00dfen L\u00e4ndern ist die Million\u00e4rsdichte nur in Japan noch h\u00f6her als in Deutschland. In Japan kommen auf 127 Millionen Einwohner 2,2 Millionen Million\u00e4re. In China kommen auf 1,4 Milliarden Menschen 758.000 Million\u00e4re, in Indien auf 1,2 Milliarden Menschen 153.000 Million\u00e4re, in den USA auf 316 Millionen Menschen 4 Millionen Million\u00e4re und in Deutschland auf 81 Millionen Menschen 1,1 Millionen Million\u00e4re, in Russland auf 143 Millionen Menschen 154.000 Million\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Zahl der Reichen und Ultrareichen nicht einfach zu ermitteln, und deshalb schwanken die Zahlenangaben. Nach dem \u00bbWealth Report 2014\u00ab von Knight Frank33 gibt es weltweit 167.000 Personen mit einem Nettoverm\u00f6gen ab 30 Millionen Dollar. Davon lebt fast die H\u00e4lfte in vier L\u00e4ndern, zu denen auch Deutschland geh\u00f6rt: 39.378 leben in den USA, 16.450 in Japan, 11.392 in Deutschland und 10.149 in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meisten Milliard\u00e4re gibt es in China und Russland<\/strong><\/p>\n<p>Der Eindruck, den man aus den Medien gewinnt, in Russland, China oder Indien gebe es sehr viel mehr Million\u00e4re und Multimillion\u00e4re als in Deutschland, tr\u00fcgt also. Die Zahl der Million\u00e4re ist, trotz der viel kleineren Bev\u00f6lkerung, in Deutschland sehr viel h\u00f6her als in L\u00e4ndern wie China, Indien und Russland. Und dies trifft nicht nur f\u00fcr die \u00bbeinfachen\u00ab Million\u00e4re zu, sondern auch f\u00fcr die Gruppe der sehr Reichen, die \u00fcber ein Nettoverm\u00f6gen von mindestens 30 Millionen Dollar verf\u00fcgen. Lediglich bei der Zahl der Milliard\u00e4re liegt China deutlich und Russland knapp vor Deutschland (China 179, Russland 92, Deutschland 8134).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diskrete deutsche Million\u00e4re, ungenierte Russen<\/strong><\/p>\n<p>Der Eindruck, es gebe beispielsweise in Russland sehr viel mehr Million\u00e4re als in Deutschland, mag daher r\u00fchren, dass Reiche in Russland ihren Reichtum viel st\u00e4rker zur Schau stellen als die Superreichen in Deutschland, die in dieser Hinsicht meist sehr zur\u00fcckhaltend sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einkommensmillion\u00e4re &#8211; Verm\u00f6gensmillion\u00e4re<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Verm\u00f6gen ist auch das Einkommen ein Kriterium f\u00fcr Reichtum. Einkommensmillion\u00e4re gibt es nat\u00fcrlich sehr viel weniger als Verm\u00f6gensmillion\u00e4re. So kommt auf 80 Verm\u00f6gensmillion\u00e4re in Deutschland nur etwa ein Einkommensmillion\u00e4r. Die Zahl der Einkommensmillion\u00e4re ist in Deutschland, wo keine Verm\u00f6genssteuer erhoben wird, sehr viel einfacher zu ermitteln als die der Verm\u00f6gensmillion\u00e4re. 2010 versteuerten 11.025 Deutsche ein Jahreseinkommen von mindestens einer Million Euro, 2.230 zahlten Steuern f\u00fcr 2,5 bis 5 Millionen Euro Einkommen, und 1.314 versteuerten 5 Millionen Euro und mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reich wird, wer viel spart<\/strong><\/p>\n<p>Neuere Zahlen gibt es nicht. Das Einkommen ist jedoch weniger aussagekr\u00e4ftig f\u00fcr \u00bbReichtum\u00ab als das Verm\u00f6gen, da es sehr viel st\u00e4rkeren Schwankungen ausgesetzt ist. Und reich wird nicht automatisch derjenige, der viel verdient, sondern derjenige, der von dem, was er verdient, viel spart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_658099\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/reich.dr-rainer-zitelmann-200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-658099\" class=\"size-full wp-image-658099\" alt=\"Autor Rainer Zitelmann\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/09\/reich.dr-rainer-zitelmann-200.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-658099\" class=\"wp-caption-text\">Autor Rainer Zitelmann<\/p><\/div>\n<div><\/div>\n<p>Eine im Jahr 2012 ver\u00f6ffentlichte Studie, die als Dissertation an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Potsdam entstanden ist, geht der Frage nach, welche Faktoren daf\u00fcr entscheidend sind, dass eine Person in Deutschland zu Wohlstand oder gar Reichtum gelangt. Basis der Untersuchung sind 472 Interviews, die im Rahmen der Studie \u00bbVerm\u00f6gen in Deutschland\u00ab mit sehr gut verdienenden oder verm\u00f6genden Personen gef\u00fchrt wurden. Das Nettoverm\u00f6gen der f\u00fcr diese Studie Befragten betrug durchschnittlich 2,3 Millionen Euro, der mittlere Verteilungswert (Median) 1,4 Millionen Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Millionaire next Door<\/strong><\/p>\n<p>Es geht also nicht um die Superreichen. Sondern es geht um den \u00bbMillionaire next Door\u00ab, wie der Titel eines bekannten Buches lautet, das sich mit der Reichtumsbildung in den USA befasst. Die Verfasserin der Dissertation beschreibt eine Pyramide des Wohlstands und des Reichtums. Die unterste Ebene \u2013 Wohlstand \u2013 bilden Haushalte, die doppelt so viel Nettoeinkommen haben wie der Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung, also mit einem Jahresnettoeinkommen von mindestens 54.320 Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fragiler und stabiler Reichtum<\/strong><\/p>\n<p>Danach kommt die mittlere Gruppe, die die Autorin mit \u00bbfragiler Reichtum\u00ab bezeichnet \u2013 das sind Haushalte mit einem Nettoverm\u00f6gen von mindestens 1,2 Millionen Euro. Die oberste Gruppe wird mit dem Begriff \u00bbstabiler Reichtum\u00ab belegt, sie verf\u00fcgt \u00fcber ein Haushalts-Nettoverm\u00f6gen von mindestens 2,4 Millionen Euro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meisten Million\u00e4re wurden als Unternehmer reich<\/strong><\/p>\n<p>Die Studie ist hochinteressant, denn sie zeigt, aus welchen Gr\u00fcnden Menschen in Deutschland verm\u00f6gend bzw. reich werden. Das wichtigste Ergebnis: Es ist nicht leicht, als Angestellter in abh\u00e4ngiger Besch\u00e4ftigung reich zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, sehr hohe Erwerbseinkommen zu erzielen, liegt insgesamt f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige um ein Vielfaches h\u00f6her als f\u00fcr abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Die Studie belegt, dass sich abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte schwer tun, ein Verm\u00f6gen aufzubauen. F\u00fcr Freiberufler ist es schon eher wahrscheinlich, dass sie zu Reichtum gelangen. Doch ist \u00bbvor allem Unternehmertum ein Garant f\u00fcr sehr hohe Verm\u00f6gen. Die Durchschnittsverm\u00f6gen steigen enorm mit der Relevanz von Unternehmertum an: Haushalte, die auf diesem Weg reich wurden, haben ein um durchschnittlich 2,5 Millionen h\u00f6heres Durchschnittsverm\u00f6gen als Haushalte, in denen dieser Aspekt keine Rolle spielte\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im \u00bbstabilen Reichtum\u00ab (nach der Definition der Autorin also Haushalte mit einem Mindest-Nettoverm\u00f6gen von 2,4 Millionen Euro) spielt Unternehmertum eine deutlich wichtigere Rolle als beim \u00bbfragilen Reichtum\u00ab (also bei Haushalten mit einem Mindest-Nettoverm\u00f6gen von 1,2 Millionen Euro). Die Befragung belegt, dass Haushalte, f\u00fcr die Unternehmertum eine ausschlaggebende Bedeutung f\u00fcr die Bildung von Reichtum hat, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit haben, im h\u00f6chsten anstatt im mittleren Reichtumsgrad zu leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reichtum entsteht durch Selbst\u00e4ndigkeit, nicht bei Angestellten<\/strong><\/p>\n<p>Wolfgang Lauterbach, Professor an der Universit\u00e4t Potsdam und einer der profiliertesten Reichtumsforscher, kommt in seinen Analysen zu \u00e4hnlichen Ergebnissen. Er untersuchte Angeh\u00f6rige der Mittelschicht (Verm\u00f6gen im Median 160.000 Euro), Affluents (Verm\u00f6gen im Median 750.000 Euro), HNWIs (Verm\u00f6gen im Median 3,4 Millionen Euro), die 100 reichsten Deutschen (Verm\u00f6gen im Median 1,5 Milliarden Euro) sowie die 100 reichsten Menschen der Welt (Verm\u00f6gen im Median 10,5 Milliarden Euro).<\/p>\n<p>Ein wichtiges Ergebnis: 64,5 Prozent der HNWIs in Deutschland sind Unternehmer. \u00bbEmpirisch wird sichtbar, dass Reichtum erst durch berufliche Selbstst\u00e4ndigkeit erm\u00f6glicht wird. Reichtum durch abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung entsteht kaum.\u00ab Bei den 100 reichsten Deutschen sind 98 Prozent Unternehmer, und bei den 100 reichsten Menschen der Welt sind 95,2 Prozent Unternehmer. \u00bbUnternehmertum\u00ab, so Lauterbach, \u00bbist notwendig, um au\u00dferordentlich verm\u00f6gend zu werden\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;und auch nicht unbedingt durch Erbschaften<\/strong><\/p>\n<p>Zwar spielen also Erbschaften in Deutschland bei der Reichtumsbildung eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, aber die oben zitierte Dissertation von B\u00f6wing-Schmalenbrock zeigt, dass durch Unternehmertum mehr als doppelt so hohe Verm\u00f6gen generiert werden\u00a0wie durch Erbschaften oder abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung. Dies gilt jedenfalls in der Gruppe der von ihr untersuchten Reichen, die jedoch \u2013 wie erw\u00e4hnt \u2013 nicht zu den Superreichen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung, also die Arbeit als Angestellter, so das \u00fcbereinstimmende Ergebnis aller Studien, erweist sich selten als \u00bbReichtumsquelle \u00ab. Zwischen Angestellten und Unternehmern stehen die Freiberufler, also \u00c4rzte, Rechtsanw\u00e4lte, Steuerberater usw. Eine freiberufliche Selbstst\u00e4ndigkeit \u00bblohnt sich also zwar sehr, um entweder von der Mittelschicht in den Wohlstand oder vom Wohlstand in den fragilen Reichtum aufzusteigen. Um den Zustand des stabilen Reichtums zu erreichen, ist sie allerdings ungeeignet\u00ab. Freiberufler haben im Vergleich zu unselbstst\u00e4ndig Besch\u00e4ftigten immerhin eine mehr als 3,5-fache, Unternehmer sogar eine 4,5-fach h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, wohlhabend zu sein, anstatt \u00bbnur\u00ab ein \u00fcberdurchschnittlich hohes Einkommen zu erzielen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erbschaften, so zeigt B\u00f6wing-Schmalenbrock, spielen ebenfalls eine Rolle, aber sie sind bei Weitem nicht so wichtig wie die Erwerbst\u00e4tigkeit. In mehr als der H\u00e4lfte der reichen Haushalte dominiert die Erwerbst\u00e4tigkeit als Reichtumsquelle gegen\u00fcber Erbschaften. Das hei\u00dft nicht, dass Erbschaften unwichtig w\u00e4ren. Immerhin ein knappes Drittel der Haushalte sch\u00e4tzte in der Befragung Erbschaften gegen\u00fcber der Erwerbst\u00e4tigkeit als wichtiger ein, und f\u00fcr weitere 13 Prozent sind beide Reichtumsquellen (also Erbschaft und Erwerbst\u00e4tigkeit) gleich bedeutend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Firmenerben werden reicher als Erben von Geld und Sachwerten<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings zeigt die Autorin auch, dass es stark darauf ankommt, was jemand erbt. Die Wahrscheinlichkeit, reich zu werden, ist viel st\u00e4rker, wenn man produktives Verm\u00f6gen (also einen Betrieb) erbt als wenn man Sachwerte oder Geld erbt. Sie spricht in diesem Zusammenhang von geerbter Selbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Superreichen, also den Milliard\u00e4ren in Deutschland, spielt Erbschaft eine wichtigere Rolle \u2013 sowohl im Vergleich zu den \u00bbeinfachen\u00ab Million\u00e4ren und Multimillion\u00e4ren wie auch im internationalen Vergleich. Durch Arbeit und Selbstst\u00e4ndigkeit wurden nur 36 Prozent der reichsten Deutschen reich, so zeigt Wolfgang Lauterbach, w\u00e4hrend Erbschaft bei 56 Prozent eine Rolle spielte. Weltweit spielte Erbschaft nur in 22,4 Prozent der F\u00e4lle eine Rolle, Arbeit und Selbstst\u00e4ndigkeit dagegen bei 73 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft freilich nicht, dass die reichsten Deutschen ihr Verm\u00f6gen einfach nur geerbt h\u00e4tten. Einer der reichsten Deutschen ist Dieter Schwarz (Lidl). Dieser \u00fcbernahm zwar eine regionale Supermarktkette mit 30 Filialen von seinem Vater, aber baute diese zum gr\u00f6\u00dften Discounter neben Aldi aus. Die Tradition der Familienbetriebe ist in Deutschland also sehr viel bedeutsamer als in anderen Regionen der Welt. Nach der eigenen Erwerbst\u00e4tigkeit und Erbschaften spielen vor allem auch Immobilien eine wichtige Rolle bei der Reichtumsbildung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reiche sind sehr viel offenere Pers\u00f6nlichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>B\u00f6wing-Schmalenbrock untersucht in ihrer Dissertation schlie\u00dflich auch, ob es einen Zusammenhang zwischen Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen und Reichtumsbildung gibt. Was unterscheidet die Pers\u00f6nlichkeit der Reichen von anderen Menschen? Um diese Frage zu beantworten, werden zahlreiche Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale untersucht und in Beziehung zum Verm\u00f6gen der Personen gesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ergebnisse: Reiche Menschen sind sehr viel offener als Personen aus der Mittelschicht. 64 Prozent der Unternehmer bzw. 68 Prozent der Freiberufler sind in besonderem Ma\u00dfe offen f\u00fcr Neues, im Vergleich zu nur 35 Prozent der Personen aus der Mittelschicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reiche sind weniger vertr\u00e4glich<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00bbVertr\u00e4glichkeit\u00ab mit den Mitmenschen ist dagegen bei Unternehmern geringer ausgepr\u00e4gt als bei der Mittelschicht. W\u00e4hrend 69 Prozent der Personen aus der Mittelschicht als besonders vertr\u00e4glich gelten, sind es bei Unternehmern nur 60 Prozent. Das Umgekehrte gilt dagegen f\u00fcr Angestellte, die \u00fcberdurchschnittlich gut verdienen: Sie sind deutlich vertr\u00e4glicher \u2013 nicht nur als die Unternehmer, sondern auch als die Mittelschicht.<\/p>\n<p>Um Karriere als Angestellter zu machen, muss man also in h\u00f6herem Ma\u00dfe als der Durchschnitt anpassungsf\u00e4hig und sozial vertr\u00e4glich sein, w\u00e4hrend f\u00fcr Unternehmer die Konfliktf\u00e4higkeit die wichtigere Eigenschaft ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reiche sind doppelt so risikobereit wie Angestellte<\/strong><\/p>\n<p>Wie nicht anders zu erwarten, haben Reiche auch eine deutlich h\u00f6here Risikobereitschaft als die Mittelschicht. Das trifft ganz besonders f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige zu. Die durchschnittliche Risikobereitschaft bei Geldanlagen ist bei ihnen fast doppelt so hoch wie bei der Mittelschicht. Das verwundert nicht, denn schlie\u00dflich wird sich niemand selbstst\u00e4ndig machen, der extrem risikoavers ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reiche Unternehmer \u00a0brauchen nicht unbedingt Bildung<\/strong><\/p>\n<p>Wie wichtig ist Bildung, um reich zu werden? Von den Angestellten, die f\u00fcr die hier zitierte Reichtumsstudie interviewt wurden, hatte etwa jeder so hoch wie \u2013 in der gleichen Altersgruppe\u2013 f\u00fcr Angeh\u00f6rige der Mittelschicht, von denen nur jeder F\u00fcnfte (22 Prozent) studiert hat. Anders ist es bei den Unternehmern. Zwar hatten auch hier mehr Personen studiert als in der Vergleichsgruppe der Mittelschicht (38 Prozent Unternehmer gegen 22 Prozent aus der Mittelschicht), aber der Prozentsatz lag deutlich unter den Angestellten und Freiberuflern. Auch das verwundert nicht. Um Unternehmer zu werden, bedarf es keiner formalen Bildungsvoraussetzungen, f\u00fcr Berufe wie Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftspr\u00fcfer muss man dagegen studiert haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kann man durch Heirat reich werden? Auch diese Frage wurde in der Dissertation untersucht. Die Antwort: ja, als Frau durchaus. 30 Prozent der Frauen, die im Rahmen dieser Studie befragt wurden, sind durch Heirat reich geworden, aber nur 5 Prozent der M\u00e4nner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fast alle Reichen arbeiten\u00a0heute &#8211; anders als fr\u00fcher<\/strong><\/p>\n<p>Die Dissertation von B\u00f6wing-Schmalenbrock widerlegt das Vorurteil vom \u00bbreichen M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger\u00ab. Fast alle Reichen arbeiten, und die meisten sind reich geworden durch Unternehmertum, Selbstst\u00e4ndigkeit oder durch F\u00fchrungspositionen im Management. Dies gilt auch f\u00fcr die Superreichen im globalen Kontext, wie Chrystia Freeland in ihrer Studie zu diesem Thema zeigt. \u00bbEines der auff\u00e4lligsten Unterscheidungsmerkmale zu ihren Vorl\u00e4ufern aus dem 19. Jahrhundert ist, \u2026 dass es sich bei den heutigen Plutokraten weitgehend um arbeitende Reiche handelt.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst ein Vertreter der historischen Einkommensforschung wie Emmanuel Saez, der sich sehr kritisch \u00fcber die \u00bbwachsende Ungleichheit\u00ab \u00e4u\u00dfert, h\u00e4lt es f\u00fcr ein Wesensmerkmal der heutigen Geldelite, dass es sich bei ihnen um \u00bbarbeitende Reiche\u00ab handelt. Er stellte fest, dass 1916 das reichste Prozent der Amerikaner nur ein F\u00fcnftel seines Einkommens aus bezahlter Arbeit bezog; 2004 hatte sich die Zahl auf 60 Prozent verdreifacht. Erbschaften spielen selbst bei der Top-Elite der Milliard\u00e4re nicht die entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Das Magazin Forbes verglich 2014 die 400 reichsten Amerikaner danach, wie viele davon ihr Geld geerbt hatten und wie viele \u00bbSelf-made\u00ab-Milliard\u00e4re sind, die also ihr Verm\u00f6gen aus eigener Kraft erarbeitet haben. 1984 hatten noch diejenigen die Liste dominiert, die ihr Geld geerbt hatten. 1994 war das Verh\u00e4ltnis zwischen \u00bbreichen Erben\u00ab und \u00bbSelf-made\u00ab etwa ausgeglichen. 2014 schlie\u00dflich war der allergr\u00f6\u00dfte Teil der reichsten Amerikaner \u00bbSelf-made\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Amerikanische Self-made-Reiche wie Bill Gates, Larry Ellison oder Warren Buffet<\/strong><\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Bill Gates, Gr\u00fcnder von Microsoft (81 Milliarden Dollar), Warren Buffett (67 Milliarden Dollar), Larry Ellison, Gr\u00fcnder von Oracle (50 Milliarden Dollar), Michael Bloomberg, Gr\u00fcnder von Bloomberg TV (35 Milliarden Dollar), Mark Zuckerberg, Gr\u00fcnder von Facebook (34 Milliarden Dollar), der Immobilienunternehmer Sheldon Adelson (32 Milliarden Dollar), die Google-Gr\u00fcnder Larry Page und Sergej Brin (je 31 Milliarden Dollar) und der Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos (30,5 Milliarden Dollar) usw.<\/p>\n<p>Auch auf weiteren R\u00e4ngen folgen zahlreiche Multimilliard\u00e4re, die durch ihre Firmen reich geworden sind, so etwa Phil Knight (Nike), Michael Dell (Dell Computer), Paul Allen (Microsoft) oder Rupert Murdoch (Medien).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmergeist als Antrieb<\/strong><\/p>\n<p>Sie sehen an den Namen der Unternehmen, durch die diese M\u00e4nner reich geworden sind, dass es vor allem der Unternehmergeist ist, der Menschen reich macht. Neben den Unternehmensgr\u00fcndern, besonders aus der Computer- und Internetbranche, finden sich auf der Liste der reichsten Amerikaner vor allem Menschen, die in der Finanzindustrie ihr Verm\u00f6gen gemacht haben, so etwa als Hedgefonds-Manager.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Inder wurden reich durch N\u00e4he zur Regierung<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede, wie beispielsweise Menschen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland einerseits und in Indien, China und Russland andererseits reich geworden sind. Raghuram Rajan, in Indien geboren und heute Professor an der Universit\u00e4t von Chicago, betont, dass es sich bei den meisten Superreichen in Indien eben nicht um Softwarepioniere oder erfinderische Fabrikanten handelt wie bei den Reichen in den USA. Vielmehr seien \u00bbzu viele Leute zu reich geworden aufgrund ihrer N\u00e4he zur Regierung \u2026 Grundbesitz, nat\u00fcrliche Ressourcen sowie Regierungsauftr\u00e4ge oder staatliche Lizenzen sind eine vorrangige Quelle des Reichtums unserer Milliard\u00e4re, und all diese Faktoren h\u00e4ngen vom Staat ab\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Russen profitierten von N\u00e4he zum politischen Machtzentrum<\/strong><\/p>\n<p>In Russland sind viele Multimillion\u00e4re und Multimilliard\u00e4re nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion reich geworden. Sie waren Gewinner bei der sogenannten Privatisierung, rissen sich dabei riesige \u00d6lgesellschaften und Industriebetriebe unter den Nagel. Anders als in den USA sind es in Russland nicht Erfinder wie Gr\u00fcnder von Google, Microsoft, Amazon, Facebook, Oracle, Starbucks und anderen Unternehmen, die es zu unermesslichem Reichtum gebracht haben, sondern jene, die nahe an den politischen Machtzentren waren und sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch Chinesen wurden reich durch N\u00e4he zur Regierung<\/strong><\/p>\n<p>Das gilt gleichfalls f\u00fcr China. 2011 hatten die obersten 70 Mitglieder des Nationalen Volkskongresses in China ein Gesamtverm\u00f6gen von 89,8 Milliarden Dollar.\u00bbIn einem staatskapitalistischen System wie China ist das Geldverdienen durch N\u00e4he zur Regierung keine Ausnahme von den Regeln oder ihre Verletzung: Es ist die Art, wie das System in Wirklichkeit funktioniert.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In L\u00e4ndern wie Russland oder China ist es leider schwierig, reich zu werden, wenn man absolut ehrlich ist und alle Steuergesetze einh\u00e4lt. Was in westlichen L\u00e4ndern ein verbreitetes, aber nicht zutreffendes Vorurteil ist, dass man n\u00e4mlich Reichtum durch Korruption, Umgehung oder Bruch der Gesetze erlange, ist leider in L\u00e4ndern wie China oder Russland oftmals zutreffend. In Schauprozessen wurden und werden in diesen L\u00e4ndern immer wieder sehr reiche Menschen verschiedener Steuervergehen oder der Korruption beschuldigt. In China wurden allein zwischen 2003 und 2011 mindestens 14 chinesische Milliard\u00e4re hingerichtet. \u00bbWo alles Eigentum, wenn schon nicht Diebstahl, so doch zumindest die Umgehung von Vorschriften und ein bisschen Bestechung erfordert, ist jeder verwundbar.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Schl\u00fcssel zum Reichtum in Rechtsstaaten<\/strong><\/p>\n<p>Seien Sie also froh, dass Sie in einem Land leben, in dem es alles in allem nach den Normen eines Rechtsstaates zugeht und in dem Sie auf ehrliche Weise reich werden k\u00f6nnen, ohne Gesetze zu brechen, Beamte zu bestechen oder Steuern zu hinterziehen. Zwar gibt es nat\u00fcrlich auch in demokratischen L\u00e4ndern Menschen, die all dies tun. Und nat\u00fcrlich gibt es auch hier Menschen, die durch kriminelle Machenschaften zu Reichtum gelangt sind. Aber das sind in freien Gesellschaften gl\u00fccklicherweise die Ausnahmen.<\/p>\n<p>Die Regel ist, dass pfiffige Ideen, harte Arbeit, unternehmerisches Denken und das Erkennen von neuen Kundenbed\u00fcrfnissen oder die Nutzung von neuen technologischen M\u00f6glichkeiten die Basis daf\u00fcr sind, um in einem Land wie Deutschland oder den Vereinigten Staaten reich zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie haben gesehen, eines der Ergebnisse der Reichtumsforschung ist: Die meisten Menschen werden durch Unternehmertum oder durch freiberufliche Selbstst\u00e4ndigkeit reich. Wenn das so ist, dann stellt sich f\u00fcr Sie die Frage, ob Sie diesen Schritt wagen sollen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><strong>Nachtrag Lesetipp:<\/strong> Susanne Klatten, die verm\u00f6gendste Frau Deutschlands, sagt auf Spiegel.online, Verm\u00f6gen ist vor allem eine gro\u00dfe Aufgabe. &#8222;Wenn man Mittel in dieser H\u00f6he hat, muss man sich auch darum k\u00fcmmern. Das ist ja nichts, was man ausgeben kann&#8220;, sagte die <a title=\"BMW\" href=\"\/thema\/bmw\/\">BMW<\/a>-Gro\u00dfaktion\u00e4rin in einem &#8222;Stern&#8220;-Gespr\u00e4ch mit dem Buchautor R\u00fcdiger Jungbluth. &#8222;Irgendwann hat man ein sch\u00f6nes Haus und ein Ferienhaus, man kann sich gut ern\u00e4hren und Urlaub machen.&#8220; <a title=\"Susanne Klatten, Spiegel online, Verm\u00f6gen\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/leute\/susanne-klatten-bmw-grossaktionaerin-ueber-ihr-vermoegen-a-1052148.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/leute\/susanne-klatten-bmw-grossaktionaerin-ueber-ihr-vermoegen-a-1052148.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/leute\/susanne-klatten-bmw-grossaktionaerin-ueber-ihr-vermoegen-a-1052148.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/leute\/susanne-klatten-bmw-grossaktionaerin-ueber-ihr-vermoegen-a-1052148.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus &#8222;Reich werden und reich bleiben&#8220; exklusiv im &#8222;Management-Blog&#8220; von Rainer Zitelmann, Immobilienexperte, Ex-Redakteur der &#8222;Welt&#8220; und Autor mehrerer B\u00fccher.\u00a0 &nbsp; &nbsp; &#8222;Reich werden und bleiben&#8220;, Rainer Zitelmann, \u00a0FinanzBuch Verlag M\u00fcnchen, Juni 2015, 256 Seiten, 21,99 Euro: \u00a0https:\/\/www.m-vg.de\/finanzbuchverlag\/shop\/article\/3660-reich-werden-und-bleiben\/ &nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/09\/03\/reichtumsforschung-buchauszug-aus-reich-werden-und-bleiben\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4929,1890,4931,4952,4930,4928],"class_list":["post-658120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-reich-werden-und-bleiben","tag-buchauszug","tag-finanzbuch-verlag","tag-lesetipp-susanne-klatten-uber-vermogen","tag-rainer-zitelmann","tag-reichtumsforschung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=658120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/658120\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=658120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=658120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=658120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}