{"id":657952,"date":"2015-08-27T01:21:09","date_gmt":"2015-08-26T23:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=657952"},"modified":"2015-08-27T01:21:09","modified_gmt":"2015-08-26T23:21:09","slug":"firmensprache-englisch-kaskaden-von-missverstandnissen-interview-mit-claudia-schmidt-von-mutaree","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/08\/27\/firmensprache-englisch-kaskaden-von-missverstandnissen-interview-mit-claudia-schmidt-von-mutaree\/","title":{"rendered":"Firmensprache Englisch: Kaskaden von Missverst\u00e4ndnissen &#8211; Interview mit Claudia Schmidt von Mutaree"},"content":{"rendered":"<p><strong>Claudia Schmidt von der Wiesbadener<a title=\"Mutaree Umsetzungsberatung\" href=\"http:\/\/www.mutaree.com\/\" target=\"_blank\"> Umsetzungsberatung Mutaree<\/a> entzaubert die Unternehmens-Illusion, mal eben auf Englisch als Firmensprache umzustellen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_656987\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656987\" class=\"size-medium wp-image-656987\" alt=\"Claudia Schmidt, Mutaree\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-451x300.jpg 451w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656987\" class=\"wp-caption-text\">Claudia Schmidt, Mutaree<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wie bitte?&#8220; statt &#8222;Alles klar&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schmidt, Diversity und Internationalit\u00e4t scheinen neue Mantras neuer, guter Unternehmensf\u00fchrung zu sein. Wie gut l\u00e4uft es denn, wenn deutsche Unternehmen beschlie\u00dfen, auf Firmensprache Englisch zu wechseln?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schmidt:<\/strong> In der Tat erlebe ich das oft als\u00a0ziemlich verkrampfte Veranstaltung. Nehmen wir mal die Konferenzen und Meetings. Da sitzen 50 Manager zu teils hoch komplexen Change-Themen zusammen, die Kulturen, Prozesse und Strukturen oft deutlich ver\u00e4ndern werden. Von den 50 Leuten sind zwei Briten oder Amerikaner, 15 sprechen sehr gutes Englisch, weil Sie vielleicht l\u00e4ngere Auslandsaufenthalte hatten und der Rest staunt. Gerade bei komplexen Themen h\u00e4ufen sich dann Missverst\u00e4ndnisse, Fragen werden gar nicht erst gestellt, weil man nach der richtigen Formulierung sucht und Antworten nicht en Detail verstanden, was gerade bei Ver\u00e4nderungsprozessen nat\u00fcrlich fatal ist. Letztlich wird die gesamte Diskussion v\u00f6llig ohne Not unter dem m\u00f6glichen und notwendigen intellektuellen Niveau gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Inhalte wie Verbindlichkeit leiden also und das Niveau sinkt?<\/strong><\/p>\n<p>Kommunikation ist grunds\u00e4tzlich kompliziert, gerade wenn es um Ver\u00e4nderungen geht, die anfangs immer von negativen Emotionen, \u00c4ngsten und Abwehrhaltungen begleitet werden. Zudem bedient eine fremde Sprache noch ein anderes Ph\u00e4nomen, n\u00e4mlich das der selektiven Wahrnehmung. Die Menschen\u00a0haben an Sitzungen oder Gespr\u00e4chen teilgenommen und meinen am Ende, Klarheit f\u00fcr sich dar\u00fcber zu haben:\u00a0 was besprochen und wie entschieden wurde.<\/p>\n<p>Zuweilen\u00a0interpretiert man die Dinge\u00a0auch noch\u00a0bewusst oder unbewusst so, wie es f\u00fcr einen selbst am besten passt. Kommt nun noch die fremde Sprache hinzu,\u00a0bef\u00f6rdert und legitimiert sie das noch und sorgt f\u00fcr falsche Pr\u00e4missen, Unsicherheiten und kognitive Dissonanzen in der Zielstellung folgender Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Das ist fatale Kommunikation mit erheblichem Einfluss auf die Unternehmenskultur und Performance, kostet letztlich das Unternehmen viel Geld, weil Dinge umsonst oder doppelt und dreifach gemacht werden<span style=\"color: #ff6600\">.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Also Kaskaden von Missverst\u00e4ndnissen, die hausgemacht sind wegen der Idee, alles in Englisch abwickeln zu wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Richtig. Kommt dann das Protokoll oder spricht man mit Kollegen dar\u00fcber, merkt man, dass diese h\u00e4ufig eine ganz andere Auffassung haben und der Konflikt ist da. Von einem gemeinsamen Ziel kann man oft gar nicht mehr sprechen.<\/p>\n<p>Das ist kein Einzelfall und in der Regel auch keine b\u00f6se Absicht. Das passiert auch wenn man die neue Firmensprache beherrscht.\u00a0Aber das potenziert sich, wenn in einer fremden Sprache konferiert wird.<\/p>\n<p>Zumal: Eingeschr\u00e4nkte Sprachkompetenz &#8211; also bei jedem Nicht-Muttersprachler &#8211; f\u00fchrt\u00a0beim Adressaten dazu, dass die Informationen, die ohnehin schon nicht optimal dargestellten werden, noch weniger verstanden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und das Stellen von Nachfragen kostet die Menschen zus\u00e4tzliche \u00dcberwindung. Denn einerseits k\u00f6nnen Nicht-Muttersprachler\u00a0Fragen in einer fremden Sprache\u00a0nicht ideal \u00a0ausdr\u00fccken<span style=\"color: #000000\">. Und andererseits trauen sich viele Leute nicht, in gro\u00dfer Runde Fragen zu stellen &#8211; aus der Sorge, sich zu blamieren.\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000\">Hinzukommt:\u00a0Viele sind<\/span>\u00a0in diesen Zeiten der gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen verunsichert und wollen\u00a0nicht unn\u00f6tig durch &#8211; wom\u00f6glich selbst empfundenes &#8211; Unverst\u00e4ndnis auffallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und obwohl das so ist, versuchen sich viele deutsche Unternehmen darin Englisch zu ihrer Unternehmenssprache zu machen &#8211; erkennen sie die Schwierigkeiten nicht? Gen\u00fcgen ihnen nicht die Kommunikationsprobleme schon auf deutsch?<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Die Unternehmen verwechseln einfach etwas: E<\/span>s ist ja gar kein Zeichen von Internationalit\u00e4t, wenn alle sich m\u00fchen, perfekt in einer fremden Sprache zu sprechen. Sondern\u00a0wenn man in der Lage ist, die Kommunikation verschiedener Muttersprachler so zu managen, dass man sich optimal versteht.<\/p>\n<p>Das gilt insbesondere dann, wenn es darum geht, wichtige und richtungweisende Diskussionen zu f\u00fchren. Wenn es beispielsweise darum geht, ein neues strategisches Zielbild zu beschreiben, Ver\u00e4nderungsnotwendigkeit und -dringlichkeit zu vermitteln, f\u00fchrt die Fremdsprache oder auch Zweitsprache h\u00e4ufig dazu, dass Inhalte sprachlich nur unzureichend beschrieben, nicht zielgruppenspezifisch formuliert und mit passenden Argumenten unterlegt werden k\u00f6nnen, von vermittelter Emotionalit\u00e4t ganz zu schweigen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Und vor allem: Nur weil man die Sprache leidlich beherrscht, versteht man noch lange nicht die andere Kultur,\u00a0andere Befindlichkeiten, Animosi\u00e4ten und No-go\u00b4s. Geschweige denn Gespr\u00e4che auf intellektuellerem Niveau mit Ironie und\u00a0riesigem Wortschatz. Dann scheitern Projekte\u00a0&#8211; aber nicht an der Sprache Englisch.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trotz dieser Erfahrungen bleibt das Hauptargument in Unternehmen h\u00e4ufig, dass man die Internationalisierung vorantreiben muss.<\/strong><\/p>\n<p>Ist es das Ziel eine gemeinschaftliche Sprache zu entwickeln, muss ich in Qualifizierung investieren, tagt\u00e4glich ausreichend Anwendungsm\u00f6glichkeiten bieten und Fehler zulassen und aufkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ist es aber das Ziel, wichtige Botschaften zu vermitteln, Menschen f\u00fcr neues zu begeistern, sie zu mobilisieren und als Multiplikatoren zu gewinnen, was alles schwer genug ist, dann sollte man die Sprache w\u00e4hlen, in der die Masse der Teilnehmer zu Hause ist und f\u00fcr Nicht-Muttersprachler M\u00f6glichkeiten wie Simultan-\u00dcbersetzung nutzen.<\/p>\n<p>Franz\u00f6sische Unternehmen machen es \u00fcbrigens vor. Bei 48 Franzosen und zwei Briten wird in der Regel franz\u00f6sisch gesprochen. In deutschen Unternehmen spricht man bei 48 Deutschen und zwei Briten englisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudia Schmidt von der Wiesbadener Umsetzungsberatung Mutaree entzaubert die Unternehmens-Illusion, mal eben auf Englisch als Firmensprache umzustellen: \u00a0 &nbsp; &#8222;Wie bitte?&#8220; statt &#8222;Alles klar&#8220; &nbsp; Schmidt, Diversity und Internationalit\u00e4t scheinen neue Mantras neuer, guter Unternehmensf\u00fchrung zu sein. 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