{"id":657695,"date":"2015-07-30T01:56:39","date_gmt":"2015-07-29T23:56:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=657695"},"modified":"2015-07-30T01:56:39","modified_gmt":"2015-07-29T23:56:39","slug":"interview-management-professorin-marion-buttgen-frauen-auf-dem-chefsessel-sind-keine-unschuldsengel-sondern-ebenso-hart-wie-manner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/07\/30\/interview-management-professorin-marion-buttgen-frauen-auf-dem-chefsessel-sind-keine-unschuldsengel-sondern-ebenso-hart-wie-manner\/","title":{"rendered":"Interview Management-Professorin Marion B\u00fcttgen: Frauen auf dem Chefsessel sind keine Unschuldsengel &#8211; sondern ebenso hart wie M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><strong>Frauen auf dem Chefsessel sind keine Unschuldsengel, im Gegenteil: Sie sind noch unvertr\u00e4glicher als M\u00e4nner. Auch mit ihrem angeblich empathischeren F\u00fchrungsstil ist es nicht weit her und h\u00e4rter sind sie auch. Dies belegt erstmals eine noch unver\u00f6ffentlichte Studie von Marion B\u00fcttgen, Professorin an der Uni Hohenheim, zusammen mit F\u00fchrungsexperte Christian Mai von der German Graduate School of Management and Law in Heilbronn<\/strong><\/p>\n<p><b>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/b><\/p>\n<p><strong>Interview mit Marion B\u00fcttgen, Professorin am Lehrstuhl f\u00fcr Unternehmensf\u00fchrung an der Universit\u00e4t Hohenheim<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_657630\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/B\u00fcttgen_MarionHomepage.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657630\" class=\"size-full wp-image-657630\" alt=\"Marion B\u00fcttgen, Professorin am Lehrstuhl f\u00fcr Unternehmensf\u00fchrung an der Universit\u00e4t Hohenheim\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/B\u00fcttgen_MarionHomepage.jpg\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/B\u00fcttgen_MarionHomepage.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/B\u00fcttgen_MarionHomepage-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657630\" class=\"wp-caption-text\">Marion B\u00fcttgen, Professorin am Lehrstuhl f\u00fcr Unternehmensf\u00fchrung an der Universit\u00e4t Hohenheim<\/p><\/div>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Frau B\u00fcttgen, Sie haben erstmals erforscht, dass Frauen als Chefs keinen Deut schw\u00e4cher sind als M\u00e4nner. Dass sie ebenso hart sind und keineswegs weicher, emphatischer f\u00fchren. Damit belegen Sie auch, dass Frauen als Chefinnen keineswegs die angenehmeren Vorgesetzten f\u00fcr Ihre Mitarbeiter sind, weil sie &#8211; denn so unterstellten bislang etliche &#8211; \u00a0die besseren Soft Skills haben, richtig?\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong><\/strong><strong>B\u00fcttgen:<\/strong>\u00a0Jedenfalls haben diejenigen Frauen, die sich schon heute in Chefpositionen hoch gek\u00e4mpft haben, dieselben\u00a0\u201edunklen\u201c\u00a0Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale wie M\u00e4nner &#8211; entgegen der verbreiteten Klischees. In\u00a0unseren\u00a0umfangreichen Untersuchungen und Befragungen ist das Ergebnis: In\u00a0ihren\u00a0Pers\u00f6nlichkeitsdimensionen unterscheiden sich\u00a0weibliche und m\u00e4nnliche F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0nicht voneinander. Dass M\u00e4nner st\u00e4rker ausgepr\u00e4gte dunkle Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften als Frauen\u00a0haben, war ein Vorurteil und stimmt nicht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>&#8230;also M\u00e4nner und Frauen auf dem Chefsessel sind kein bisschen weniger\u00a0narzisstisch,\u00a0machiavellistisch\u00a0und\u00a0psychopathisch?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Genau. Ich war \u00fcberrascht. Wobei diese Erkenntnisse ausschlie\u00dflich f\u00fcr Frauen in F\u00fchrungspositionen gelten &#8211; in der Normalbev\u00f6lkerung kann es durchaus sein, dass sie weicher sind und in anderen Eigenschaften wie Empathie oder Kommunikation ausgepr\u00e4gter sind.\u00a0Erwartet hatte ich dieses Ergebnis jedenfalls\u00a0nicht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Z\u00e4hlen Sie uns bitte ein paar Beispiele auf.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Frauen in Entscheiderfunktion\u00a0sind genauso von ihrer \u00dcberlegenheit \u00fcberzeugt, streben nach Anerkennung, wollen Macht aus\u00fcben, k\u00f6nnen manipulativ und gewissenlos sein und setzen sich beispielsweise\u00a0genauso wie M\u00e4nner in besonders gutes Licht in Sitzungen oder Pressekonferenzen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sie sind ebenso selbstgef\u00e4llig.\u00a0Das kann zu einem f\u00fcr Top-F\u00fchrungskr\u00e4fte typischen Verhalten f\u00fchren, dass sie Kritik \u00fcberh\u00f6ren oder R\u00fcckmeldungen\u00a0unterbinden, die kritisch sind und ihr Ego schw\u00e4chen k\u00f6nnten. Mit der Folge, dass sich keiner aus der Belegschaft mehr traut, Kritik zu \u00e4u\u00dfern, auch nicht konstruktive.\u00a0So wie bei Siemens, wo vor dem Skandal die Vorst\u00e4nde mehr als 30 Warn-Hinweise des Chefjuristen wohl ignorierten oder wie im Fall Middelhoff, der von seiner eigenen Genialit\u00e4t wohl so \u00fcberzeugt war, dass er alle Warnhinweise zum drohenden Untergang von Arcandor missachtete.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>All das ist nicht im Sinne der Unternehmen &#8211; bei Chefs und bei Chefinnen gleicherma\u00dfen. Was sind die Folgen f\u00fcr die Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Dass Chefinnen in punkto kommunikativerem, sensiblerem F\u00fchrungsstil &#8211; bislang jedenfalls &#8211; keine Bereicherung sind. Und dass weibliche Vorgesetzte ebenso durchsetzungsstark wie ihre m\u00e4nnlichen Kollegen sind, ebenso ihre Ziele um jeden Preis erreichen wollen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Also machen Unternehmen mit Frauen an der Spitze keinen besseren oder schlechteren Griff &#8211; das wird den Bef\u00fcrwortern der Gleichstellung gefallen, den Frauenquoten-Gegnern daf\u00fcr gar nicht. Welche Schl\u00fcsse ziehen Sie aus dieser Erkenntnis, dass Chefinnen und Chefs gleicherma\u00dfen hart sind?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Wer so weit nach oben auf der Karriereleiter kommt, muss\u00a0wohl\u00a0so gestrickt sein. Diese Erfolgsfrauen ticken wie die M\u00e4nner. Wenn Frauen im Bev\u00f6lkerungsdurchschnitt anders ticken und mit mehr weiblichen Attributen versehen sind,\u00a0aber man in Chefetagen m\u00e4nnlich funktionieren muss, dann\u00a0k\u00f6nnte das auch eine Erkl\u00e4rung\u00a0sein, warum so wenig Frauen oben ankommen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Anders herum: Wenn es immer hei\u00dft, mehr Frauen in der F\u00fchrung t\u00e4ten Unternehmen gut, m\u00fcsste es bedeuten, dass auch andere, typische Frauen in diese Positionen kommen sollten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>&#8230;und dass Frauen nicht nur im Personalbereich der Zutritt erlaubt wird?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Das ist ohnehin ein Ammenm\u00e4rchen, dass der Personalbereich einfacher ist als die anderen Disziplinen wie F&amp;E oder Finanzen: Tats\u00e4chlich ist er besonders schwierig, weil man\u00a0an\u00a0mehr Fronten k\u00e4mpfen muss, mit Gewerkschaften und Betriebsr\u00e4ten. Personalvorst\u00e4nde haben es\u00a0vielleicht\u00a0sogar schwerer.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Warum bekommen sie dann gerade diese Posten? Wenn den Unternehmenslenkern das klar ist, k\u00f6nnte es gar eine Falle f\u00fcr die Top-Frauen sein? Um sie ins offene Messer laufen zu lassen?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Dass man\u00a0dies\u00a0bewusst tut, w\u00fcrde ich nicht unterschreiben. Aber die Personalabteilungen sind meist fest in Frauenhand, da die weiblichen Eigenschaften wie Empathie, ein gr\u00f6\u00dferes Kooperationsbed\u00fcrfnis oder h\u00f6here Kompromissf\u00e4higkeit dort eben gefragt sind. Und wer einmal im Personalbereich ist, wechselt in der Regel\u00a0auch nicht mehr in eine andere Disziplin und kann dann auch nur noch Personalvorstand werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Fazit Ihrer Untersuchung ist jedenfalls, dass Chefinnen keine Unschuldsengel sind. Sind sie denn wenigstens umg\u00e4nglicher, vertr\u00e4glicher?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Nein, da muss ich entt\u00e4uschen. Frauen\u00a0in F\u00fchrungspositionen\u00a0sind noch weniger vertr\u00e4glich als M\u00e4nner, zeigt die Studie. Sie setzen im Team-Meeting ihren Kopf gegen die Interessen der anderen durch und gehen\u00a0einem Streit nicht aus dem Wege.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Bei gesch\u00e4ftlichen Verhandlungen mit Externen\u00a0w\u00e4re ein hohes Ma\u00df an Vertr\u00e4glichkeit\u00a0allerdings\u00a0auch\u00a0oft\u00a0kontraproduktiv,\u00a0zum Beispiel\u00a0wenn ein Einkaufsleiter\u00a0die Konditionen mit Lieferanten verhandelt oder wenn der Personalvorstand eines Unternehmens sich mit Gewerkschaftsforderungen auseinandersetzen muss.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Sind denn die Top-Managerinnen heute, die die besseren M\u00e4nner sein wollen, nur die Vorhut f\u00fcr die n\u00e4chste Generation von abgekl\u00e4rteren Managerinnen, die auch in der Lage sind, echt zu f\u00fchren und Mitarbeiter mitzunehmen?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ja, zu der Ansicht neige ich in der Tat. Je mehr Frauen an die Spitze gelangen k\u00fcnftig, umso mehr Chefinnen-Typen wird es geben. Daf\u00fcr k\u00f6nnte die Frauenquote sorgen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Aber die Frauen m\u00fcssen es\u00a0auch\u00a0wollen.\u00a0Das k\u00f6nnte durch mehr weibliche Vorbilder in F\u00fchrungspositionen verbessert werden.\u00a0In einer anderen Studie\u00a0von uns\u00a0zur Unterrepr\u00e4sentanz von Professorinnen, kam heraus, dass\u00a0einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die geringe Zahl von Professorinnen\u00a0fehlende weibliche Vorbilder sind. Im Wissenschaftskontext gibt es zu wenige\u00a0und vielleicht auch nicht immer die\u00a0richtigen Vorbilder.\u00a0So erscheint der lange und oft steinige Weg in solche Positionen sich nur schwer mit Familie und Kindern vereinbaren zu lassen, was viele Frauen davon abhalten k\u00f6nnte ihn einzuschlagen.\u00a0Das d\u00fcrfte \u00fcbertragbar sein auf die Wirtschaft.\u00a0Hier m\u00fcssen verbesserte Rahmenbedingungen geschaffen werden, sowohl im wissenschaftlichen als auch im unternehmerischen Kontext.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Sind sie in Ihrer Studie auch auf Punkte gesto\u00dfen, wo Managerinnen sich von Managern unterscheiden?\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Das ist die zweite Haupterkenntnis: Frauen zeigen deutlich mehr Offenheit f\u00fcr Erfahrungen, sie sind neugieriger, offener f\u00fcr neue L\u00f6sungen. Sie haben eher Sinn f\u00fcr Kreatives, sind offener f\u00fcr Emotionen und haben mehr Fantasie.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Erscheinen Frauen deshalb M\u00e4nnern oft unberechenbarer sowie unzuverl\u00e4ssiger und wollen\u00a0M\u00e4nner\u00a0in Vorst\u00e4nden und anderen Entscheidergremien\u00a0deshalb\u00a0lieber unter sich bleiben?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Das k\u00f6nnte durchaus sein. M\u00e4nner wollen in ihrer Symbiose\u00a0vermutlich\u00a0nicht gest\u00f6rt werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen auf dem Chefsessel sind keine Unschuldsengel, im Gegenteil: Sie sind noch unvertr\u00e4glicher als M\u00e4nner. Auch mit ihrem angeblich empathischeren F\u00fchrungsstil ist es nicht weit her und h\u00e4rter sind sie auch. 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