{"id":657303,"date":"2017-03-04T17:46:05","date_gmt":"2017-03-04T16:46:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=657303"},"modified":"2017-03-05T00:27:50","modified_gmt":"2017-03-04T23:27:50","slug":"buchauszug-aus-vorurteile-von-mahzarin-r-banaji-und-anthony-g-greenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/03\/04\/buchauszug-aus-vorurteile-von-mahzarin-r-banaji-und-anthony-g-greenwald\/","title":{"rendered":"Buchauszug aus &#8222;Vorurteile&#8220; von Mahzarin R. Banaji und Anthony G. Greenwald"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug aus &#8222;Vorurteile &#8211; Wie unser Verhalten unbewusst gesteuert wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen&#8220; von Mahzarin R. Banaji und Anthony G. Greenwald, beide\u00a0<\/strong><strong>Koryph\u00e4en der Sozialpsychologie.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_662268\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-662268\" class=\"size-medium wp-image-662268\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/banaji.dtv_-227x300.jpg\" alt=\"Banaji \u00a9 Harvard University News Office.\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/banaji.dtv_-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2016\/08\/banaji.dtv_.jpg 361w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><p id=\"caption-attachment-662268\" class=\"wp-caption-text\">Co-Autorin Mahzarin R. Banaji \u00a9 Harvard University News Office.<\/p><\/div>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Homo categoricus<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ein Vater und sein Sohn haben einen Verkehrsunfall. Der Vater stirbt noch an der Unfallstelle. Der schwer verletzte Sohn wird eilends ins Krankenhaus gefahren. Im Operationssaal blickt der diensthabende Chirurg auf den Jungen und sagt: \u226bIch kann ihn nicht operieren. Er ist mein Sohn.\u226a Wie kann das sein?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Falls Sie auf diesen kurzen Bericht spontan verbl\u00fcfft reagieren, liegt das daran, dass Sie automatisch an einen Mann denken, wenn Sie \u226bChirurg\u226a gelesen haben. Dieses Ratsel ist im englischen Sprachraum seit Langem im Umlauf, weil es dort besser als im Deutschen funktioniert: Denn beim Begriff <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">surgeon <\/span><\/span><\/i>fur \u226bChirurg\u226a oder \u226bChirurgin\u226a gibt es \u2013 wie bei allen Bezeichnungen \u2013 keine eigene weibliche Form. Die Assoziation <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">surgeon <\/span><\/span><\/i>= m\u00e4nnlich <span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">ist ein Stereotyp, das einem als ein mentaler Programmfehler <\/span><\/span>den Blick verstellt. Man erkennt im Englischen nicht sofort, dass der Sammelbegriff auch das weibliche Geschlecht abdeckt und damit die Mutter des verletzten Jungen meint.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Mahzarin bekam das R\u00e4tsel schon 1985 gestellt. Dass sie nicht von alleine auf die Losung kam, erbitterte sie geradezu: Wer zutiefst \u00fcberzeugt ist, dass Frauen gleiche F\u00e4higkeiten wie M\u00e4nner besitzen und gleiche Rechte genie\u00dfen sollten, \u00e4rgert sich \u00fcber sich selbst, wenn er \u2013 oder sie \u2013 einfach \u00fcber Homo categoricus Wie zutreffend sind Stereotype?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: StoneSansBQ-SemiBold\"><span style=\"font-family: StoneSansBQ-SemiBold;font-size: small\"><strong><span style=\"font-size: small\">\u00a0<\/span><\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Das Wort \u226bStereotyp\u226a gelangte im 19. Jahrhundert \u00fcber das franz\u00f6sische <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">\u00bbst\u00e9r\u00e9otype\u00ab <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">ins Deutsche \u2013 in derselben Wortbedeutung, <\/span><\/span>in der es schon Ende der 1700er-Jahre \u2013 als <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">stereotype <\/span><\/span><\/i>\u2013 ins Englische gelangt war: \u226bmit gegossenen feststehenden Typen gedruckt\u226a. Mit Stereotypplatten lie\u00dfen sich von einzelnen Buchseiten im Druck bequem identische Kopien in beliebiger Anzahl herstellen. In Anlehnung daran pr\u00e4gte 1922 der US-Journalist und politische Kommentator Walter Lippmann den heutigen Begriff des Stereotyps, indem er mit ihm \u226bBilder in unserem Kopf\u226a bezeichnete, die alle Mitglieder einer Gruppe mit denselben Eigenschaften darstellten \u2013 h\u00e4ufig auf wenig schmeichelhafte Art. Wie Lippmann es sah, kommt uns so ein fixes Bild in den Sinn, sobald wir einem Mitglied der betreffenden Gruppe begegnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/cover.vorurteile.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-657304\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/cover.vorurteile.jpg\" alt=\"&quot;Vorurteile&quot; - Wie unser Verhalten unbewusst gesteuert wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen. dtv, 285 Seiten, 16,90 Euro\" width=\"417\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/cover.vorurteile.jpg 417w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/cover.vorurteile-192x300.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>&#8222;Vorurteile &#8211; Wie unser Verhalten unbewusst gesteuert wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen&#8220; Mahzarin R.Banaji\/ Anthony G. Greenwald, \u00a0dtv, 285 Seiten, 16,90 Euro:\u00a0<\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/mahzarin-r-banaji-anthony-g-greenwald-vor-urteile-26071\/\">https:\/\/www.dtv.de\/buch\/mahzarin-r-banaji-anthony-g-greenwald-vor-urteile-26071\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Ein K\u00f6rnchen Wahrheit in jedem Stereotyp<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wie zutreffend sind Stereotype? Ein paar Beispiele f\u00fcr Stereotype: Alte Menschen sind vergesslich. Koreaner sind sch\u00fcchtern. Asiaten sind mathematisch begabt. Bostoner Autofahrer sind aggressiv. Frauen sind f\u00fcrsorglich. Alle diese Aussagen assoziieren eine Gruppe mit einer Eigenschaft. Der Kern dieser Assoziationen lasst sich wieder mit einem Gleichheitszeichen ausdrucken: <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">alt = vergesslich, Koreaner <\/span><\/span><\/i>= sch\u00fcchtern, Asiate = mathematisch begabt, Bostoner Autofahrer = aggressiv, Frau = f\u00fcrsorglich.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Jedes Stereotyp enth\u00e4lt ein K\u00f6rnchen Wahrheit. Um dem Rechnung zu tragen, setze man das Wort <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">manche <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">vor diese <\/span><\/span>Aussagen. Wer wollte der Behauptung widersprechen, dass \u226bmanche Koreaner sch\u00fcchtern sind\u226a? Gleichzeitig sind s\u00e4mtliche Stereotype zumindest teilweise unzutreffend. Es gibt immer Gruppenmitglieder, die das Klischee sprengen. Kaum einer w\u00fcrde verneinen, dass es \u226bviele kontaktfreudige Koreaner\u226a gibt. sieht, dass <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">surgeon <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">im dargestellten Zusammenhang \u226bChirurg<\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">in<\/span><\/span><\/i>\u226a bedeutet. Feministisch eingestellte Personen ahnen selten, dass auch sie der automatischen Assoziation <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Chirurg = m\u00e4nnlich <\/span><\/span><\/i>auf den Leim gehen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Betrachten wir den Fall naher: Warum st\u00fctzt eine Feministin \u2013 oder ein Feminist \u2013 ihr oder sein Denken auf ein Stereotyp, das mit den eigenen Anschauungen auf Kriegsfuss steht?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Erinnern Sie sich an die optische T\u00e4uschung mit den beiden Tischen, mit der Kapitel 1 eingeleitet wurde. Als Sie die beiden Tischplatten sahen, zogen Sie unbewusst sofort den Schluss, dass es sich um v\u00f6llig verschiedene Formen handele. Nicht einmal der unumst\u00f6\u00dfliche Beweis, dass beide in Wahrheit identisch sind, konnte diesen ersten Eindruck ausl\u00f6schen. Die T\u00e4uschung pr\u00e4gte sich unserem Gehirn einfach zu machtvoll ein. Entsprechend denken bei \u226bChirurgen\u226a sogar die meisten von denen, die entschieden vertreten, dass Frauen f\u00fcr diesen \u2013 wie f\u00fcr jeden Beruf \u2013 genauso gut geeignet sind, spontan zun\u00e4chst einmal an M\u00e4nner.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Allerdings m\u00fcssen wir einr\u00e4umen, dass wir nicht nur auf dieses\u00a0Stereotyp setzen, um das fehlerhafte mentale Programm\u00a0auszul\u00f6sen. Wenn man in der Geschichte die W\u00f6rter zahlt,\u00a0die auf eine m\u00e4nnliche bzw. weibliche Person verweisen, stellt\u00a0man ein erdruckendes Ungleichgewicht fest:<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Vater, sein, Sohn\u00a0<\/span><\/span><\/i>Vater, Sohn, Jungen, ihn, er,\u00a0Sohn:\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Acht Verweise auf eine m\u00e4nnliche\u00a0<\/span><\/span>Person gegen\u00fcber keinem einzigen auf eine weibliche.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Diese wiederholten Ausl\u00f6ser wirken bei der Aktivierung der Assoziation\u00a0Chirurg = m\u00e4nnlich\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">sicher verst\u00e4rkend mit<\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">. <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">W\u00e4re es in\u00a0<\/span><\/span>der Geschichte um eine verletzte Tochter gegangen, w\u00e4re f\u00fcnf\u00a0Mal auf eine weibliche Person verwiesen worden \u2013 am Ende\u00a0mit: \u226bIch kann dieses M\u00e4dchen nicht operieren. Sie ist meine\u00a0Tochter.\u226a Dann w\u00e4re einem vielleicht schneller eingefallen,\u00a0dass mit der Person, die den Jungen operieren sollte, die Mutter\u00a0gemeint war. Diese zus\u00e4tzlichen Ausl\u00f6ser in der Formulierung\u00a0des R\u00e4tsels schufen einen Zusammenhang, der den automatischen\u00a0Einfall von \u226bm\u00e4nnlich\u226a unterst\u00fctzte \u2013 so wie die kunstvoll\u00a0gezeichneten Beine der Shepard-Tische ebenfalls mit daf\u00fcr\u00a0sorgen, dass wir automatisch zwei vollkommen unterschiedliche\u00a0Tischplatten wahrnehmen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wenn Sie getippt haben, bl\u00e4ttern Sie weiter: Dort finden Sie die\u00a0L\u00f6sung.\u00a0aggressiv sportlich fortschrittlich\u00a0intelligent \u00fcberheblich geschw\u00e4tzig\u00a0musikalisch schmuddelig t\u00fcchtig\u00a0rachs\u00fcchtig flei\u00dfig familienverbunden\u00a0ehrgeizig konservativ streitlustig\u00a0ehrlich stur unzuverl\u00e4ssig\u00a0ordentlich jovial gesellig\u00a0wissenschaftlich\u00a0denkend praktisch systematisch\u00a0k\u00fcnstlerisch abergl\u00e4ubisch reserviert\u00a0impulsiv konventionell witzig\u00a0beharrlich faul.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Da alle Klischees teilweise zutreffen und teilweise falsch\u00a0sind, erscheint ein Streit \u00fcber ihren Wahrheitsgehalt m\u00fcssig.\u00a0Dennoch k\u00f6nnen wir sagen, dass manche Stereotypen eher\u00a0zutreffen als andere. So ist\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Feministen = weiblich <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">sicher zutreffender\u00a0<\/span><\/span>als\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Bostoner Autofahrer = aggressiv, <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und dies in so hohem\u00a0<\/span><\/span>Masse, dass im Deutschen fast nur der Ausdruck \u226bFeministinnen\u00a0\u226a auftaucht, obwohl der Sprachkonvention nach die m\u00e4nnliche\u00a0Form eigentlich der Sammelbegriff f\u00fcr beide Geschlechter\u00a0w\u00e4re<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Eine vern\u00fcnftige Frage lautet, ob eines der f\u00fcnf Stereotype\u00a0<\/span><\/span>so sehr zutrifft, dass es klug w\u00e4re, es auf eine Person anzuwenden,\u00a0von der wir nichts wissen, au\u00dfer, dass sie der betreffenden\u00a0Gruppe angeh\u00f6rt. Zum Beispiel, dass diese Person in\u00a0Boston wohnt und Auto f\u00e4hrt.\u00a0Wenn in Boston so r\u00fccksichtsvoll gefahren wird wie in den\u00a0meisten anderen St\u00e4dten, m\u00fcsste das Stereotyp als unzutreffend\u00a0gelten und es w\u00e4re unklug, sich davon leiten zu lassen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Aber vielleicht hat es doch eine gewisse Aussagekraft. Vielleicht\u00a0ereignen sich im Bostoner Stra\u00dfenverkehr h\u00e4ufiger Unf\u00e4lle, die\u00a0sich sogar in h\u00f6heren Versicherungspr\u00e4mien niederschlagen.\u00a0Ist es dann sinnvoll, ein solches Stereotyp zu gebrauchen? Auf\u00a0diese schwierige Frage kommen wir noch zuruck.Wissenschaftliche Studien zu Stereotypen<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die erste einflussreiche wissenschaftliche Untersuchung zu Stereotypen\u00a0wurde 1933 von den Psychologen Daniel Katz und\u00a0Kenneth Braly von der Princeton University ver\u00f6ffentlicht.\u00a0Die Forscher versuchten, die vorgefertigten Bilder zu beschreiben,\u00a0die Hunderte der Studenten zu zehn verschiedenen nationalen\u00a0oder nach der ethnischen Herkunft definierten Gruppen\u00a0im Kopf hatten. Dazu legten sie ihnen eine Liste mit 84\u00a0\u226bEigenschaften\u226a vor, die Menschen oft zugeschrieben werden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">In einem Teil dieser Liste (siehe unten) tauchen auch f\u00fcnf\u00a0Eigenschaften auf, welche die Princetoner Studenten damals\u00a0am h\u00e4ufigsten als typisch f\u00fcr Deutsche nannten. Eine kleine\u00a0Aufgabe: Versuchen Sie in der Liste zwei dieser f\u00fcnf Eigenschaften\u00a0zu erraten.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wahrend die Eigenschaft <i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">weiblich <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">im Stereotyp\u00a0<\/span><\/span>des Afroamerikaners 1933 noch fehlte\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">\u00a0<\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">wurde sie in einer\u00a0<\/span><\/span>modernen Studie wahrscheinlich an herausragender Stelle auftauchen\u00a0\u2013 eine zuverl\u00e4ssige Widerspiegelung des gesellschaftlichen\u00a0Wandels, der es Afroamerikanern heute erm\u00f6glicht, Aktivit\u00e4ten\u00a0nachzugehen und Laufbahnen einzuschlagen, die\u00a0ihnen Anfang des 20. Jahrhunderts versperrt waren. Und w\u00e4hrend\u00a0die Eigenschaften\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">wissenschaftlich <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">technisch <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">damals\u00a0<\/span><\/span>nicht ins Klischee der Chinesen passten, wurde eine moderne\u00a0Studie fast sicher zeigen, dass sie f\u00fcr diese Gruppe heute als\u00a0typisch gelten. Das sind Beispiele f\u00fcr sich positiv ver\u00e4ndernde\u00a0Klischees. Das hei\u00dft aber nicht, dass ein Wandel immer mit\u00a0einer Aufwertung einhergeht.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Stereotype geben gew\u00f6hnlich ein unvorteilhaftes Bild\u00a0wieder.\u00a0Stellen Sie sich vor, Sie geh\u00f6rten einer Gruppe an, die andere\u00a0als\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">anziehend, gro\u00dfz\u00fcgig, ehrlich, intelligent <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">vertrauensw\u00fcrdig\u00a0<\/span><\/span><\/i>beurteilen \u2013 als deren f\u00fcnf typischste Eigenschaften. W\u00fcrden\u00a0Sie dieses Gruppen-Stereotyp nicht gerne auf sich bezogen\u00a0sehen? Aber so positiv ist kein Stereotyp. Um das Verh\u00e4ltnis\u00a0zwischen positiven und negativen Einsch\u00e4tzungen in Stereotypen\u00a0zu ermessen, befassten wir uns mit den zehn Nationalit\u00e4ten-Klischees, die in der Princeton-Studie von 1933 untersucht\u00a0wurden. Bei zweien (T\u00fcrken und Afroamerikaner) war\u00a0von den zehn Charakteristika, die der Gruppe am h\u00e4ufigsten\u00a0zugeordnet wurden, \u00fcber die H\u00e4lfte eindeutig negativ. Bei drei\u00a0weiteren Klischees (Italiener, Iren und Chinesen) waren drei\u00a0der zehn am h\u00e4ufigsten genannten Eigenschaften ebenfalls klar\u00a0negativ besetzt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Typisch deutsch<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Eine Charakterisierung, in der \u226bnur\u226a drei von zehn Eigenschaften\u00a0negativ zu werten sind, lasst eine Gruppe eigentlich\u00a0nicht schlecht dastehen. Immerhin sind die \u00fcbrigen sieben entweder\u00a0neutral oder positiv. Dass eine stereotype Beurteilung,\u00a0die zu 30 Prozent negativ ausfallt, alles andere als vorteilhaft\u00a0ist, zeigt allerdings ein kurzes Beispiel:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Folgende f\u00fcnf Eigenschaften nannten die Studenten am h\u00e4ufigsten\u00a0als typisch deutsch:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">wissenschaftlich denkend (78 %),<\/p>\n<p align=\"LEFT\">flei\u00dfig (65 %),<\/p>\n<p align=\"LEFT\">stur (44 %),<\/p>\n<p align=\"LEFT\">intelligent (32 %),<\/p>\n<p align=\"LEFT\">systematisch (31 %).<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die Prozentzahlen beziehen sich auf den Anteil der Studenten,\u00a0die die jeweilige Eigenschaft im beschriebenen Versuch nannten.Wenn Ihre beiden Favoriten unter diesen f\u00fcnf sind, haben\u00a0Sie m\u00f6glicherweise ein psychologisches oder historisch ausreichend\u00a0gutes Gesp\u00fcr, um die Stereotypen der Amerikaner in den\u00a01930er-Jahren gegen\u00fcber Deutschen richtig einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">M\u00f6glich w\u00e4re allerdings auch, dass sich Ihre eigenen Klischees\u00a0von heute mit denen der Princeton-Studenten in den 1930er-Jahren decken. Beides ist m\u00f6glich: Denn wir haben bewusst ein\u00a0Klischee gew\u00e4hlt, das sich zwischen 1933 und einer Wiederholung\u00a0der Studie 2001 kaum ver\u00e4ndert hat. Die drei wichtigsten\u00a0Eigenschaften, die f\u00fcr Deutsche 1933 genannt wurden, blieben\u00a02001 dieselben: wissenschaftlich denkend, flei\u00dfig und stur.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Hervorstechende t\u00fcrkische Eigenschaften<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dabei bilden die Deutschen allerdings eine Ausnahme: Bei\u00a0den anderen neun Gruppen, zu denen die Studie durchgef\u00fchrt\u00a0wurde, zeigten sich bei der Wiederholung deutliche Ver\u00e4nderungen:\u00a0Italiener, Schwarze, Iren, Engl\u00e4nder, Juden, Amerikaner,\u00a0Chinesen, Japaner und Turken. Ein Beispiel f\u00fcr diesen\u00a0Wandel waren die T\u00fcrken. Bei ihnen lautete 1933 die Liste der\u00a0f\u00fcnf hervorstechenden Eigenschaften:<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">grausam, tief religi\u00f6s,\u00a0<\/span><\/span><\/i>hinterh\u00e4ltig, l\u00fcstern\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">ungehobelt <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">(in dieser Rangfolge). 2001\u00a0<\/span><\/span>fand sich von diesen Eigenschaften nur noch eine in der Liste.\u00a0Genannt wurden diesmal\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">tief religi\u00f6s, extrem nationalistisch,<\/span><\/span><\/i>traditionsbewusst, aufbrausend\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">aggressiv. <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Diese Liste deutet\u00a0<\/span><\/span>nicht darauf hin, dass heutige Amerikaner von Turken ein sehr\u00a0schmeichelhaftes Bild haben, aber gegen\u00fcber den 1930er-Jahren\u00a0scheint sich die Einstellung leicht verbessert zu haben.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Stereotype k\u00f6nnen sich nachweislich weiterentwickeln. Die Kategorie \u00a0\u226bWagen\u226a beinhaltet so unterschiedliche Dinge wie Spielzeugautos,\u00a0Stra\u00dfenbahnen und Eisenbahnwaggons. Kategorien\u00a0beeinflussen stark unser Verhalten, wie eine Situation deutlich\u00a0macht, bei der Untereinheiten der Kategorie Wagen eine Rolle\u00a0spielen: Wenn Sie mit hohem Tempo auf einer Schnellstra\u00dfe\u00a0fahren und sich rasch einem Wagen vor Ihnen n\u00e4hern, treten\u00a0Sie eher auf die Bremse, wenn Sie ihn statt als Sportwagen\u00a0als Polizeifahrzeug kategorisieren. Ein weiteres Beispiel: Sie gehen\u00a0mit kleinen wei\u00dfen Kristallen, die Sie unter der Kategorie\u00a0Zucker\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">verbuchen, ganz anders um, als wenn Sie sie als <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Salz\u00a0<\/span><\/span><\/i>kategorisieren, obwohl Sie die beiden Arten von Kristallen auf\u00a0einem Teel\u00f6ffel nicht voneinander unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Kategorien beeinflussen das Verhalten<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ebenso deutlich beeinflussen die Kategorien, in die wir Menschen\u00a0einstufen, unser Verhalten. Dazu ein Beispiel:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u2022\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Wenn Sie in einem Gesch\u00e4ft einkaufen, h\u00e4ndigen Sie einem\u00a0<\/span><\/span>Fremden, den sie als\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Verk\u00e4ufer <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">einstufen, bereitwillig Ihre\u00a0<\/span><\/span>Kreditkarte in dem Vertrauen darauf aus, dass er als typischer\u00a0Vertreter seiner Kategorie Ihre Kontodaten nicht heimlich\u00a0registriert, um sie an Dritte weiterzuverkaufen, die mit\u00a0ihnen Missbrauch treiben.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u2022\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Wenn Sie in ein Krankenhaus gehen, nehmen Sie f\u00fcgsam die\u00a0<\/span><\/span>Rolle des Patienten (eine Kategorie) ein. Ohne die Menschen\u00a0dort je zuvor gesehen zu haben, befolgen Sie ihre Anweisungen\u00a0ohne sie zu hinterfragen. Sie kategorisieren sie aufgrund\u00a0ihrer Kleidung als\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Arzt <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">oder <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Krankenschwester, <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">vertrauen ihnen\u00a0<\/span><\/span>Ihr Leben an und sind beispielsweise bereit, sich in ihrer\u00a0Gegenwart nackt auszuziehen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u2022\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Wenn Sie Auto fahren, bleiben Sie in Ihrer Spur, richten sich\u00a0<\/span><\/span>nach Ampeln und h\u00fcten sich in den allermeisten Fallen, ein\u00a0Stoppschild zu \u00fcberfahren. Ohne einen Augenblick nachzudenken,\u00a0verhalten Sie sich wie ein Mitglied der Kategorie\u00a0Autofahrer.\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Und Sie verlassen sich darauf, dass andere Mitglieder\u00a0<\/span><\/span>dieser Kategorie sich genauso \u00a0erhalten.\u00a0Erwagen Sie die Alternativen: Sie konnten auch von allen Verk\u00e4ufern\u00a0ein polizeiliches F\u00fchrungszeugnis verlangen, nach den\u00a0Die oben abgedruckte Liste mit 32 Eintr\u00e4gen enth\u00e4lt sieben\u00a0eindeutig negative Eigenschaften:<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">\u00fcberheblich, schmuddelig,\u00a0<\/span><\/span><\/i>faul, streits\u00fcchtig, rachs\u00fcchtig, abergl\u00e4ubisch\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><\/strong><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\"><strong>unzuverl\u00e4ssig<\/strong>.<\/span><\/span><\/i><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wie vielen Ihrer Freunde wurden Sie eine dieser Eigenschaften\u00a0zuordnen? M\u00f6glicherweise w\u00fcrden Sie die eine oder andere\u00a0einem oder zwei Freunden zusprechen. Aber w\u00fcrden Sie behaupten,\u00a0dass\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">nur eine <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">dieser Eigenschaften <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">alle <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Ihre Freunde\u00a0<\/span><\/span>kennzeichnet? Falls ja, sollten Sie vielleicht dar\u00fcber nachdenken,\u00a0sich einen neuen Freundeskreis zuzulegen!<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\">Nur ganz wenige Stereotype sind fast durchweg positiv wie\u00a0das des Raketenwissenschaftlers (nat\u00fcrlich eines Mannes), der\u00a0uns Normalsterbliche mit seiner herausragenden Intelligenz\u00a0alle \u00fcberfl\u00fcgelt. Aber die gro\u00dfe Mehrheit der Stereotype enth\u00e4lt\u00a0zumindest einige Charakterisierungen, die man niemandem\u00a0zuschreibt, den man mag oder respektiert. Wie eine Studie\u00a0von 2001 zeigte, enthielten selbst die positivsten Klischees,\u00a0mit denen Amerikaner ihre Mitb\u00fcrger belegten, einige negative\u00a0Zuge. Dabei am h\u00e4ufigsten genannt wurden die halb negativen\u00a0Eigenschaften\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">individualistisch <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">und <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">materialistisch. <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Unsere\u00a0<\/span><\/span>Schlussfolgerung: Gruppen-Stereotype bestehen typischerweise\u00a0aus Z\u00fcgen, die deutlich negativer sind als diejenigen, die wir\u00a0Freunden zuschreiben wurden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Kategorien<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Der Ausgangspunkt der modernen wissenschaftlichen Erforschung\u00a0von Stereotypen ist anerkannterma\u00dfen Gordon Allports\u00a0Die Natur des Vorurteils,\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">das im Original 1954 erschien.\u00a0<\/span><\/span>Darin schrieb Allport: \u226bDer menschliche Geist muss in Kategorien\u00a0denken \u2026 Einmal gebildet, sind sie die Grundlage f\u00fcr\u00a0normale Vorurteile. Dieses Vorgehen ist unvermeidlich. Das geordnete\u00a0Leben beruht darauf.\u226a<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: xx-small\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Der Ausdruck\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Homo categoricus <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">tragt dem wissenschaftlichen\u00a0<\/span><\/span>Einfluss von Allports Sichtweise Rechnung, wonach mentalen\u00a0Kategorien eine hohe Bedeutung zukomme. Eine Kategorie\u00a0ist eine Zusammenstellung von Dingen, die so viel gemeinsam\u00a0haben, dass sie als verwandt gelten k\u00f6nnen. Deren\u00a0sieben Dimensionen entsprechen den sieben Spalten von Tabelle\u00a05\u20131.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die zehn W\u00f6rter umfassende Kennzeichnung des Subaru\u00a0ist eine von Tausenden verschiedener Automobil-Kategorien,\u00a0die sich beschreiben lassen, indem man Merkmale aus den\u00a0sieben Spalten der unten abgedruckten Tabelle miteinander\u00a0kombiniert. Dabei vollbringt unser Gehirn eine erste Meisterleistung:\u00a0Es beschw\u00f6rt aus der gro\u00dfen Vielfalt der unterschiedlichen\u00a0Kategorien anschauliche Bilder herauf, und dies in der\u00a0Regel ohne jede M\u00fche und vollautomatisch.\u00a0Wer mit Automobilen kaum vertraut ist, tut sich eher schwer\u00a0damit, die 10-gliedrige Wortkette zu entschl\u00fcsseln, die den\u00a0Subaru Baujahr 1991 bezeichnet. Falls Sie dieses Beispiel \u00fcberfordert,\u00a0m\u00fcsste ein anderes mehr Klarheit schaffen: Mit Meisterleistung\u00a02 l\u00e4sst sich eine weitaus gr\u00f6ssere Anzahl von Gruppen\u00a0kategorisieren.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Tabelle 5\u20131 Generator\u00a0f\u00fcr eine siebendimensionale Automobilkategorie<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Modell\u00a0Baujahr\u00a0Karosserietyp\u00a0Motor\u00a0Kraftquelle\u00a0Getriebe Antrieb<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Fort Taunus 1990 Flie\u00dfheck 4-Zylinder Diesel\u00a0Manuell\u00a04-Gang\u00a0Front<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Cadillac\u00a0Seville\u00a01991 Kombi 6-Zylinder Elektro\u00a0Manuell\u00a05-Gang\u00a0Hinterrad<\/p>\n<p align=\"LEFT\">VW Jedda 1992 Kabrio 8-Zylinder Hybrid\u00a0Automatik\u00a0Allrad<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0SUV \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Benzin<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Subaru\u00a0Legacy\u00a02007 Pick-up<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Audi Turbo 2008\u00a02-t\u00fcrige\u00a0Limousine<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Toyota\u00a0Camry\u00a02009\u00a04-t\u00fcrige\u00a0Limousine<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Mercedes\u00a0550SL\u00a02010 Van<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">(&#8230;)Abschl\u00fcssen und neueren Zertifizierungen des medizinischen\u00a0Personals fragen oder sich aus Angst, unter die R\u00e4der zu kommen,\u00a0nicht mehr auf die Strasse trauen. Sollten Sie derlei Vorsichtsma\u00dfnahmen\u00a0schon einmal getroffen haben, wurden Sie\u00a0m\u00f6glicherweise in die Kategorie\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">paranoid <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">oder <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">agoraphob <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">eingestuft\u00a0<\/span><\/span>\u2013 mit Konsequenzen, die sicher unerfreulicher sind, als\u00a0einfach darauf zu vertrauen, dass andere das tun werden, was\u00a0man ihrer Kategorie entsprechend erwartet. Betr\u00fcgerische Verk\u00e4ufer,\u00a0Scharlatane unter den \u00c4rzten und volltrunkene oder \u00fcberm\u00fcdete Autofahrer gibt es durchaus. Aber dies \u00e4ndert bemerkenswerterweise\u00a0nichts daran, dass wir fast alle mit Kreditkarte\u00a0zahlen, medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und\u00a0Auto fahren. Kategorien sind nicht nur \u00e4u\u00dferst praktisch, sie\u00a0sind wesentlich f\u00fcr uns, um unseren Alltag zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Ein Gehirn, das mit Kategorien arbeitet<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dass unser \u226bgeordnetes Leben\u226a, wie Allport es ausdruckte, davon\u00a0abh\u00e4ngt, dass wir in Kategorien denken, zeigen vier der\u00a0zahlreichen Meisterleistungen, die unser Gehirn mithilfe solcher\u00a0geistigen Schubladen bew\u00e4ltigt. Und es vollbringt alle so\u00a0m\u00fchelos, dass wir nicht einmal merken, wie virtuos es dabei\u00a0operiert.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Meisterleistung 1:\u00a0Multidimensionale Kategorien: ein Schnappschuss!<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Werden Sie aus der folgenden Kette aus zehn W\u00f6rtern schlau?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">1991 Subaru Legacy 4-t\u00fcrige Limousine mit 4-Zylinder-Motor\u00a0Vorderantrieb und Automatikgetriebe<\/p>\n<p align=\"LEFT\">M\u00f6glicherweise verstehen Sie diese Abfolge von W\u00f6rtern auf\u00a0Anhieb. Wissen Sie auch, dass diese ihre Bedeutung komplett\u00a0ver\u00e4ndert, wenn man die W\u00f6rter \u226bLimousine mit Automatikgetriebe\u00a0\u226a durch \u226bKombiwagen mit Standardgetriebe\u226a ersetzt?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Falls Sie beide Fragen bejahen k\u00f6nnen, verf\u00fcgen Sie \u00fcber eine\u00a0(&#8230;) Bild zu machen, ist tats\u00e4chlich so umfassend, dass wir uns auf\u00a0Anhieb sogar eine Person vorstellen k\u00f6nnen, die Merkmale aus\u00a0den sechs Dimensionen in einer h\u00f6chst ungew\u00f6hnlichen Kombination\u00a0auf sich vereint: Denken Sie an eine Schwarze muslimischen\u00a0Glaubens \u00fcber sechzig, eine lesbische Franzosin, die\u00a0ihr Geld als Professorin verdient. Wohl kaum ein Leser kennt\u00a0eine Person, auf die auch nur vier der genannten sechs Merkmale\u00a0zutreffen. (Versuchen Sie, so jemanden in Ihrem Bekanntenkreis\u00a0auszumachen!) Trotzdem ist eine solche Person ohne\u00a0besondere M\u00fche vorstellbar. Aller Wahrscheinlichkeit nach\u00a0k\u00f6nnen Sie sich in Gedanken leicht das Bild von so einer Person\u00a0machen, die so ganz anders ist als alle, die Sie bislang kennen lernten:\u00a0eine schwarze muslimische lesbische franz\u00f6sische\u00a0Professorin in den Sechzigern.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wer mit den vier Kategorien zum Geschlecht und zur sexuellen\u00a0Orientierung vertraut ist, dazu mit den f\u00fcnf Rassen (die\u00a0amerikanischen Ureinwohner dazugerechnet), zuz\u00fcglich ann\u00e4hernd\u00a0f\u00fcnfzig Nationalit\u00e4ten oder Herkunftsregionen, um die zehn Religionen, acht Altersgruppen und vielleicht f\u00fcnfzig Berufe,\u00a0f\u00fcr den wirft die Tabelle 5\u20132 die schwindelerregend hohe\u00a0Anzahl von 4 Millionen Personenkategorien ab. Das rasante Tempo, mit dem wir uns anhand von sechs Merkmalen von einer Personenkategorie ein Bild machen k\u00f6nnen, so gros (Fabrikarbeiter\u00a0in Detroit) oder klein (franz\u00f6sische Professorin) sie\u00a0auch sein mag, belegt eindrucksvoll die meisterhafte F\u00e4higkeit\u00a0des Gehirns, sich Kategorien zu schaffen und sie einzusetzen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Meisterleistung 3:\u00a0<\/strong><strong>Sprung \u00fcber die verf\u00fcgbare Information hinaus<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wie verarbeitet Ihr Gehirn die Information, wenn Sie erfahren,\u00a0dass eine Person \u226bAmerikaner\u226a sei? Zum Beispiel in den Aussagen:\u00a0\u226bMein Englischprofessor ist Amerikaner.\u226a Oder: \u226bEin\u00a0amerikanischer Passagier wurde vernommen.\u226a Oder: \u226bDer\u00a0amerikanische Lotteriegewinner blieb anonym.\u226a Versuchen\u00a0Sie zum Beispiel, den anonymen Lotteriegewinner vor Ihrem\u00a0geistigen Auge erstehen zu lassen. Stellen Sie sich ihn bildhaft\u00a0vor, zum Beispiel in dem Augenblick, in dem er bei der Lotte- (&#8230;)<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Meisterleistung 2:\u00a0Millionen spontan gestaltbare Personenkategorien<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Tafel 5\u20132 zeigt einen kleinen Ausschnitt aus einer sechsdimensionalen\u00a0Struktur, die verschiedene Kategorien von Menschen\u00a0erzeugt, wenn Begriffe aus sechs Spalten miteinander kombiniert\u00a0werden. Manche Kategorien, die durch eine Aneinanderreihung\u00a0aus sechs Merkmalen gekennzeichnet werden, beinhalten\u00a0einen relativ gro\u00dfen Personenkreis. Zum Beispiel gibt\u00a0es viele weise M\u00e4nner mittleren Alters, die christlich gepr\u00e4gt\u00a0sind und in Detroit in einer Fabrik arbeiten. Wer in einer anderen\u00a0Stadt lebt, hat wahrscheinlich noch nie eine solche Person\u00a0kennengelernt. Trotzdem haben die meisten US-B\u00fcrger auf Anhieb\u00a0eine Vorstellung von einem solchen Fabrikarbeiter, wenn\u00a0sie mit dieser sechsgliedrigen Beschreibung konfrontiert werden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Das k\u00f6nnte daran liegen, dass ihnen ein Bericht in der Zeitung\u00a0oder in anderen Medien eine solche Vorstellung vermittelt\u00a0hat (zum Beispiel anl\u00e4sslich einer Fabrikschlie\u00dfung oder\u00a0eines Streiks). Vielleicht ist ihnen so ein Fabrikarbeiter auch\u00a0schon als Romanfigur begegnet, oder Freunde haben ihnen\u00a0von einem erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">So einfach ist allerdings nicht zu erklaren, warum wir uns\u00a0anhand der sechs Dimensionen von Tabelle 5\u20132 so m\u00fchelos\u00a0Kategorien bilden k\u00f6nnen. Unsere F\u00e4higkeit, uns auf die Art ein Bild zu machen, ist tats\u00e4chlich so umfassend, dass wir uns auf Anhieb sogar eine Person vorstellen k\u00f6nnen, die Merkmale aus den sechs Dimensionen in einer h\u00f6chst ungew\u00f6hnlichen Kombination auf sich vereint (&#8230;)<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Tafel 5\u20132 Generator\u00a0f\u00fcr sechsdimensionale Kategorien von Personen<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Rasse Religion Alter\u00a0Nationalit\u00e4t \/Region\u00a0Geschlecht \/\u00a0Orientierung\u00a0Beruf<\/p>\n<p align=\"LEFT\">wei\u00df christlich\u00a0Jung\u00a0Frankreich\u00a0m\u00e4nnlich\u00a0Professor<\/p>\n<p align=\"LEFT\">asiatisch\u00a0muslimisch\u00a0Mittleren Alters\u00a0Detroit\u00a0weiblich\u00a0Hausfrau\/-mann<\/p>\n<p align=\"LEFT\">schwarz\u00a0j\u00fcdisch\u00a0In den\u00a0Sechzigern Australien\u00a0schwul Flugbegleiter<\/p>\n<p align=\"LEFT\">hispano \u00a0zoroastrisch Alt USA lesbisch Fabrikarbeiter<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\">Deutsche, Chinesen\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">oder <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Italiener <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">bezeichnet wurden, typische\u00a0<\/span><\/span>Eigenschaften zuzuordnen. Bei den Amerikanern gingen sie aller\u00a0Wahrscheinlichkeit automatisch davon aus, dass sie Eigenschaften\u00a0f\u00fcr weisse, m\u00e4nnliche und erwachsene Amerikaner\u00a0benennen sollten. Andernfalls hatten sie wohl kaum\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">materialistisch\u00a0<\/span><\/span><\/i>und\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">ehrgeizig \u00a0<\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">am h\u00e4ufigsten genannt: Aus damaliger Sicht\u00a0<\/span><\/span>waren diese Eigenschaften fur Amerikaner\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">innen <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">oder amerikanische\u00a0<\/span><\/span>Kinder sicher unpassend erschienen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<p align=\"LEFT\"><strong>Meisterleistung 4: Kooperative Kategorisierung<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Menschen senden h\u00e4ufig aktiv Signale aus, um anzugeben,\u00a0welcher Kategorie sie angeh\u00f6ren. Diese Signale helfen uns beispielsweise\u00a0dabei, bei der ersten Begegnung zu erkennen, welchen\u00a0Beruf eine Person aus\u00fcbt. In der Reparaturwerkstatt gehen wir davon aus, dass ein Mann im Overall ein Mechaniker\u00a0und kein Kunde ist. Im Krankenhaus erkennt man \u00c4rzte oder\u00a0Krankenschwestern an der weisen Kleidung. Seinen Beruf mit einer \u226bTracht\u226a zu signalisieren, ist eine von vielen M\u00f6glichkeiten, es anderen zu erleichtern, die eigene Person in richtige Kategorien einzuordnen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die wahrscheinlich verbreitetste und wichtigste Strategie zur\u00a0kooperativen Kategorisierung sind Signale, die anderen dabei\u00a0helfen, uns als Mann oder Frau zu klassifizieren. Wenn Sie sich\u00a0verbl\u00fcfft fragen, wer f\u00fcr diese Erkenntnis schon Unterst\u00fctzung\u00a0brauche, dann zeigt dies nur, wie selbstverst\u00e4ndlich und gewohnheitsm\u00e4\u00dfig\u00a0fast jeder deutlich macht, ob er Mann oder Frau ist.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Obwohl unser Geschlecht an nat\u00fcrlichen K\u00f6rpermerkmalen\u00a0wie der Figur oder den Gesichtsz\u00fcgen leicht zu erkennen\u00a0ist, verst\u00e4rken wir den Eindruck noch mit vielf\u00e4ltigen Mitteln.\u00a0Frauen tragen h\u00e4ufig l\u00e4ngeres Haar als M\u00e4nner. Die meisten Menschen betonen mit geschlechtstypischer Kleidung die Unterschiede\u00a0zwischen den Geschlechtern, heben sie mit diversen\u00a0Accessoires so deutlich wie m\u00f6glich hervor. Kosmetik, Manik\u00fcre,\u00a0Schmuck und Gesten sind weitere Erkennungszeichen, die M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit signalisieren, wenn nicht\u00a0sogar prachtvoll in Szene setzen. Es w\u00e4re eine interessante \u00dcbung auszurechnen, welchen Anteil an ihrem Wohlstand die B\u00fcrger eines Landes daf\u00fcr ausgeben, um mit Kleidung, Make-up und Accessoires die Kategorisierung als Mann oder Frau zu erleichtern. (&#8230;..) Lotteriegesellschaft anruft, um seinen Anspruch auf den Gewinn anzumelden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Welche Eigenschaften hat diese imagin\u00e4re Person, abgesehen\u00a0von der Nationalit\u00e4t? Sehr wahrscheinlich stellen Sie\u00a0ihn sich als einen weisen erwachsenen Mann vor. Und wenn Sie sich ihn tats\u00e4chlich mit diesen drei Merkmalen vorgestellt haben, dann geschah dies wahrscheinlich ganz unwillk\u00fcrlich.\u00a0Man kann sich von einem Menschen kein echtes Bild machen,\u00a0ohne ihm ein Geschlecht, eine Hautfarbe oder ein Alter zuzuordnen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Theoretisch hatten Sie sich als \u226bLotteriegewinner\u226a\u00a0auch ein junges M\u00e4dchen mit lateinamerikanischen Wurzeln\u00a0vorstellen k\u00f6nnen. Aber viel wahrscheinlicher hatten Sie das\u00a0Bild eines weisen Erwachsenen vor Augen. Die Merkmale, die Sie hinzugefugt haben, k\u00f6nnen als Ihre Standardwerte mit\u00a0Blick auf Hautfarbe, Geschlecht und Alter gelten, mit denen Sie\u00a0sich einen typischen US-Burger vorstellen. Warum denken Sie\u00a0bei einem nicht naher bezeichneten \u226bAmerikaner\u226a gerade an\u00a0wei\u00df, m\u00e4nnlich und erwachsen? Wahrscheinlich deshalb, weil\u00a0Ihnen in Zeitungen, Radio, Fernsehen oder in Unterhaltungen\u00a0am h\u00e4ufigsten Amerikaner mit diesen Eigenschaften begegnen, unabh\u00e4ngig davon, ob dies Ihre pers\u00f6nliche Alltagswirklichkeit widerspiegelt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wenn wir uns ein geistiges Bild machen, greifen wir bei seiner\u00a0Ausgestaltung auf standardisierte Eigenschaften zuruck,\u00a0die weit \u00fcber das hinausgehen, was uns als Information vorliegt.\u00a0Und diese voreingestellten Attribute, die wir dabei hinzufugen, kommen uns so selbstverst\u00e4ndlich und automatisch in den Sinn, dass wir unwillk\u00fcrlich\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">andere <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Eigenschaften angeben,\u00a0<\/span><\/span>wenn die vorgegebenen nicht zutreffen. Wenn man nur\u00a0\u226bAmerikaner\u226a sagt, meint man einen weisen US-B\u00fcrger, und pr\u00e4zisiert, wenn es sich um einen \u226basiatischen\u226a oder \u226bafroamerikanischen\u00a0\u226a handelt. Und wo von \u226bIngenieuren\u226a die Rede ist,\u00a0sind meistens M\u00e4nner gemeint, wenn nicht pr\u00e4zisiert wird,\u00a0dass auch Frauen darunter sind.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dies erklart auch eine Auff\u00e4lligkeit, die in der erw\u00e4hnten\u00a0Princetoner Studie zu Stereotypen von 1933 vielleicht seltsam\u00a0erschien: Die studentischen Teilnehmer waren aufgefordert,\u00a0Nationalit\u00e4ten, die mit nur einem Wort wie\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Amerikaner, (&#8230;) Or<\/span><\/span><\/i>ganisationen oder geben die Namen ihrer Hochschulen nicht\u00a0oder falsch an, weil sie traditionell vor allem von Schwarzen\u00a0besucht werden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wahrend die unkooperative Kategorisierung weit verbreitet ist, setzen viele Mitglieder diskriminierter Gruppen, die wegen\u00a0ihrer ethnischen oder rassischen Zugeh\u00f6rigkeit oder sexuellen\u00a0Orientierung diskriminiert werden, im Gegenteil besonders deutliche Signale, wo sie einzuordnen sind \u2013 ein Hinweis darauf,\u00a0dass es mehr Vorteile als Nachteile hat, seine Identit\u00e4t\u00a0klar zu stellen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Man denke an Schwule und Lesben. Obwohl sie in der modernen US-Gesellschaft noch immer vielfach stigmatisiert und\u00a0benachteiligt werden, bekennen sich viele zu ihrer sexuellen\u00a0Orientierung \u2013 zumindest gegen\u00fcber anderen ihrer Kategorie, und manche auch in der \u00d6ffentlichkeit. So ein Outing unterst\u00fctzt\u00a0das \u226bSchwulenradar\u226a, die F\u00e4higkeit, die sexuelle Orientierung anderer aus der Ferne auszumachen, und beugt Missverst\u00e4ndnissen\u00a0vor, die beide Seiten in peinliche Lagen bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Wie wir Stereotype einsetzen<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die meisten von uns halten die Aussage \u226bEnten legen Eier\u226a f\u00fcr sinnvoll. Tats\u00e4chlich trifft sie aber f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der\u00a0Enten weltweit gerade nicht zu, und zwar aus zwei Gr\u00fcnden.\u00a0Zum Ersten \u00fcberleben das Schl\u00fcpfen weniger weibliche als\u00a0m\u00e4nnliche K\u00fcken. Deswegen sind \u00fcber die Halfte der Enten auf der Welt Erpel, die eben keine Eier legen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Zweitens sind\u00a0<\/span><\/span>viele der weiblichen Enten zum Legen noch zu jung. So gesehen sind Eier legende Enten klar in der Minderheit. Der Leser\u00a0mag hier einwenden, dass sich die Aussage, wonach Enten Eier\u00a0legen, nur auf\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">manche, <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">nicht alle Enten beziehe und deshalb\u00a0<\/span><\/span>eben doch zutreffe.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Das mag sein. Aber was ist mit der Aussage: \u226bHunde tragen Kleider.\u226a Sie gilt sicher f\u00fcr\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">manche <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">Hunde. Aber hatten Sie diese\u00a0<\/span><\/span>Aussage ebenfalls fur zutreffend gehalten? Wahrscheinlich\u00a0nicht. Nach unserem Verst\u00e4ndnis erscheint \u226bEnten legen Eier\u226a \u00dcbung auszurechnen, welchen Anteil an ihrem Wohlstand die\u00a0Burger eines Landes dafur ausgeben, um mit Kleidung, Make-up\u00a0und Accessoires die Kategorisierung als Mann oder Frau zu\u00a0erleichtern.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Als ein weiteres Merkmal ist die Hautfarbe ebenfalls schnell und ohne Hilfe identifizierbar, wird aber ebenfalls h\u00e4ufig durch\u00a0die Wahl der Frisur, der Kleidung, der Sprache und Gestik oder\u00a0mithilfe anderer Signale verdeutlicht.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Solche Signale k\u00f6nnen nat\u00fcrlich von anderen Gruppen vereinnahmt werden. Man denke an die weisen Teenager aus\u00a0wohlhabenden Vorst\u00e4dten, die \u226bGhetto-Klamotten\u226a anziehen,\u00a0um Eindruck zu machen. Wie wir erkennen m\u00fcssen, hat das Ph\u00e4nomen der kooperativen Eigen-Kategorisierung auch ein\u00a0unkooperatives Pendant, bei dem visuelle Signale dazu dienen,\u00a0um \u00fcber die eigene eigentliche Kategorie willentlich hinwegzut\u00e4uschen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Bei der verbreitetsten Form der unkooperativen Kategorisierung bem\u00fchen sich viele, junger zu erscheinen, als sie tats\u00e4chlich\u00a0sind. Viel Geld flie\u00dft in Kosmetika, Haarf\u00e4rbungen,\u00a0chirurgische Eingriffe und Medikamente, Mittel, die Falten\u00a0gl\u00e4tten, K\u00f6rperpartien straffen, graues oder wei\u00dfes Haar verstecken\u00a0oder eine verschwundene Lockenpracht ersetzen. Angesichts\u00a0der Stereotype des Alters \u2013 Langsamkeit, Vergesslichkeit, Schwerh\u00f6rigkeit, Schwache usw. \u2013 ist leicht zu ersehen, warum \u00c4ltere gerne den Anschein erwecken, einer j\u00fcngeren\u00a0Gruppe anzugeh\u00f6ren!<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Seltener verschleiert als das Alter wird die Religion oder ethnische\u00a0Abstammung, aber auch hier herrscht bei der Kategorisierung\u00a0mitunter ein unkooperatives Verhalten. Es ist eine bekannte\u00a0Strategie, dass Personen Namen, die ihre Abstammung verraten, durch neutraler klingendere ersetzen \u2013 so Winona\u00a0Horowitz, Issur Demsky, Anna Maria Louisa Italiano oder Jacob\u00a0Cohen: Winona Ryder, Kirk Douglas, Anne Bancroft und Rodney Dangerfield sind weithin bekannt. Eine kulturelle\u00a0Neuerung unter den unkooperativen Kategorisierungen stellt\u00a0das \u226bAufhellen\u226a des Lebenslaufs dar, das manche Afroamerikaner\u00a0bei Stellenbewerbungen betreiben. Sie verschweigen Mitgliedschaften und \u00c4mter in bekannten afroamerikanischen Or<span style=\"font-family: StoneSansBQ-SemiBold;font-size: small\"><b>\u00a0(&#8230;) \u00a0<\/b><\/span>hei\u00dft freilich noch nicht, es als Grundlage zu benutzen, um Einzelne zu beurteilen oder um wichtige Entscheidungen zu\u00a0treffen. So kann eine F\u00fchrungskraft im Unternehmen durchaus\u00a0daran glauben, dass das Stereotyp\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">F\u00fchrer = m\u00e4nnlich <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">ganz allgemein\u00a0<\/span><\/span>gilt, aber trotzdem erkennen, dass eine bestimmte Frau\u00a0f\u00fcr einen F\u00fchrungsposten bestens qualifiziert ist. Um in die Position\u00a0zu gelangen, muss diese wahrscheinlich deutlich h\u00f6here\u00a0H\u00fcrden \u00fcberwinden als m\u00e4nnliche Konkurrenten. \u00c4hnlich ermuntert\u00a0vielleicht ein Lehrer mit dem Stereotyp\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Mathematik =\u00a0<\/span><\/span><\/i>m\u00e4nnlich\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">im Kopf ein besonders begabtes Madchen zum Mathematikstudium.\u00a0<\/span><\/span>Das \u00e4ndert nichts daran, dass er die mathematischen\u00a0F\u00e4higkeiten vieler anderer M\u00e4dchen untersch\u00e4tzt,\u00a0w\u00e4hrend er das Potenzial in den Jungen eher erkennt und sie\u00a0besser f\u00f6rdert.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Haben stereotype Betrachtungen einen Nutzen?<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wir k\u00f6nnen Gordon Allport zustimmen, wonach \u226bder menschliche Geist in Kategorien denken\u226a m\u00fcsse, um ein geordnetes\u00a0Leben aufrechtzuerhalten, m\u00fcssen aber auch nach den Konsequenzen\u00a0fragen, wenn wir Kategorien erstellen und nach ihnen\u00a0unser Handeln ausrichten. Denn Allport sagte auch: \u226bEinmal\u00a0gebildet, sind Kategorien die Grundlage f\u00fcr normale Vorurteile.\u00a0\u226a Anders ausgedr\u00fcckt: Sie leisten Stereotypen Vorschub. So\u00a0verbinden wir mit Kategorien vorab bestimmte Eigenschaften: Afrikanern liege der Rhythmus im Blut. Asiaten seien gut in\u00a0Mathematik. Frauen fuhren vorsichtiger Auto, usw.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Tats\u00e4chlich sind stereotype Beurteilungen anhand sozialer Kategorien im Alltag so weit verbreitet, dass sie als ein universelles\u00a0Merkmal des Menschen gelten k\u00f6nnen \u2013 wie der Ausdruck\u00a0Homo categoricus\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">in der \u00dcberschrift dieses Kapitels impliziert.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Evolutionspsychologen begreifen universelle psychische Merkmale mit Blick darauf, ob sie Anpassungen an die Umwelt\u00a0darstellen und ob sie n\u00fctzlich sind. Demnach sind sie auf drei\u00a0Arten zu deuten: 1. als Ergebnis einer Anpassung, 2. als das Nebenprodukt einer Anpassung ohne eigenen Nutzen oder 3.\u00a0als das problematische Relikt einer (einstigen) Anpassung, die\u00a0einleuchtender als \u226bHunde tragen Kleider\u226a, weil die meisten Menschen stark dazu neigen,\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Ente = Eier legendes Tier <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">zu assoziieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Aber wer nicht gerade ein Bewunderer der Fotos William Wegmans ist, der seine Hunde Man Ray, Fay Ray und ihre\u00a0Nachfolger surreal dargestellt hat, assoziiert wahrscheinlich nicht\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Hund = Kleider tragendes Tier.\u00a0<\/span><\/span><\/i>Das Beispiel Eier legender Enten gibt einen Hinweis darauf,\u00a0wie Stereotype unser Denken beeinflussen. So wie wir vielleicht irrigerweise annehmen, dass eine Ente, die wir in einem Teich\u00a0schwimmen sehen, Eier lege, gehen wir m\u00f6glicherweise auch\u00a0f\u00e4lschlich davon aus, dass ein Senior, den wir kennengelernt haben, ein schwaches Ged\u00e4chtnis habe. Das Klischee\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">alt = vergesslich\u00a0<\/span><\/span><\/i>trifft aber nur insofern zu, als die Alten einen h\u00f6heren\u00a0Anteil an Vergesslichen haben als die Jungen. Dennoch beeinflusst\u00a0dieses Stereotyp wom\u00f6glich unsere Einstellung gegen\u00fcber\u00a0allen \u00e4<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">lteren Menschen, sogar gegen\u00fcber Senioren, deren\u00a0<\/span><\/span>Ged\u00e4chtnis besser funktioniert als unser eigenes.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: xx-small\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Unsere Neigung, in Stereotypen zu denken, illustriert ein weiteres Beispiel: Unten links sind f\u00fcnf verschiedene Eigenschaften\u00a0aufgelistet. Rechts finden Sie Aussagen, wonach eine\u00a0Eigenschaft eher f\u00fcr die eine als f\u00fcr die andere Gruppe typisch sei. Wo wurden Sie zustimmen?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Eigenschaften &#8211; \u00a0Gruppen<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">F\u00fchrungsst\u00e4rke\u00a0ist f\u00fcr M\u00e4nner typischer als f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Musikalisches Talent ist f\u00fcr Afroamerikaner typischer als f\u00fcr amerikanische Ureinwohner.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Juristische Fachkompetenz ist f\u00fcr Juden typischer als f\u00fcr Christen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Mathematische\u00a0F\u00e4higkeiten\u00a0sind f\u00fcr Asiaten typischer als f\u00fcr Wei\u00dfe.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Kriminalit\u00e4t ist f\u00fcr Italiener typischer als f\u00fcr Holl\u00e4nder.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Jedes Ja setzt hier voraus, dass Sie ein Stereotyp im Kopf haben,\u00a0das zweifellos viele teilen. Ein Klischee verinnerlicht zu haben, <span style=\"font-family: StoneSansBQ-SemiBold;font-size: small\"><b>(&#8230;) \u00a0<\/b><\/span>Sie ein, was Sie wollen: Cheerleader, Italiener, Muslime, Raketeningenieure usw.) als gleich anzusehen, m\u00fcssten sie unsere F\u00e4higkeit, in einem fremden Menschen den Einzelnen zu sehen, eher unterminieren, als sie st\u00e4rken.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wir verdanken unsere scheinbar absurde Hypothese der\u00a0zweiten mentalen Meisterleistung, die der\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">Homo categoricus\u00a0<\/span><\/span><\/i>vollbringt: seiner F\u00e4higkeit, anhand von sechs (und mehr)\u00a0pers\u00f6nlichen\u00a0Merkmalen geistige Bilder vieler verschiedener Kategorien von Menschen zu erzeugen. Wendet man die Stereotype,\u00a0die mit diesen sechs oder mehr Merkmalen assoziiert\u00a0sind, gleichzeitig an, ergibt sich etwas v\u00f6llig anderes als Lippmanns \u226bidentische Kopien\u226a.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Erinnert sei hier an die schwarze muslimische lesbische franz\u00f6sische Professorin in den Sechzigern, die uns als Beispiel f\u00fcr Meisterleistung 2 diente. Alle sechs Merkmale, die sie kennzeichnen,\u00a0beinhalten als einzelne einen eigenen Satz an stereotypen Z\u00fcgen. F\u00fcr sich genommen, kennzeichnen sie die Person\u00a0nur stereotyp als schwarz, muslimisch oder mit einem der \u00fcbrigen\u00a0Etiketten. Aber wenn alle sechs Merkmale zusammentreten,\u00a0entsteht pl\u00f6tzlich das Bild einer Person, die ganz anders ist\u00a0als alle unsere Bekannten. Wenn auch nicht als ein ganz neuartiger\u00a0Mensch, so kann diese Frau doch als ein unverwechselbares\u00a0Individuum gelten.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Unsere paradoxe Erkl\u00e4rung mag eher einleuchten, wenn wir uns klar machen, dass wir mit spielerischer Leichtigkeit im\u00a0Bruchteil einer Sekunde ein halbes Dutzend oder mehr pers\u00f6nliche\u00a0Merkmale erfassen k\u00f6nnen. Und dies vollbringen wir\u00a0st\u00e4ndig. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Flugzeug und\u00a0eine Person geht an Ihnen vor\u00fcber. F\u00fcnf Merkmale sind fast\u00a0immer auf Anhieb zu erkennen: das Geschlecht, das Alter, die Hautfarbe, die Gr\u00f6\u00dfe und die Statur. Anhand der Kleidung erschlie\u00dfen\u00a0Sie m\u00f6glicherweise weitere Merkmale, so z.B. die\u00a0Einkommensverh\u00e4ltnisse, die soziale Schicht, die Religion, die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit oder den Beruf. Alle diese Merkmale\u00a0sind fur sich genommen mit stereotypen Z\u00fcgen verbunden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Aber wenn wir sie im Kopf gleichzeitig abrufen, nehmen wir\u00a0eine wildfremde Person pl\u00f6tzlich in reichhaltigen und komplexen\u00a0Facetten wahr. Ein fluchtiger Blick versetzt uns in die Lage,\u00a0ihren Nutzen wegen ver\u00e4nderter Umweltbedingungen eingeb\u00fc\u00dft\u00a0hat.\u00a0Als Erkl\u00e4rung f\u00fcr die allgemeine Verbreitung stereotyper Betrachtungsweisen herrscht gegenw\u00e4rtig die These vom \u226bunn\u00fctzen\u00a0Nebenprodukt\u226a vor: Demnach sei die stereotype Betrachtung\u00a0der Welt eine Art Abfallprodukt der ansonsten ungemein n\u00fctzlichen menschlichen F\u00e4higkeit, die Welt in Kategorien zu begreifen. Diese Erkl\u00e4rung halten zahlreiche Sozialpsychologen,\u00a0darunter auch wir, f\u00fcr plausibel.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Daneben besteht eine Theorie, wonach Stereotype eine \u226bAngepasstheit\u00a0an die Gegenwart\u226a darstellten. Sie seien insofern\u00a0n\u00fctzlich, als viele Menschen mit ihr die eigene Selbstachtung\u00a0st\u00e4rkten. Sie erm\u00f6glichten es ihnen, die eigene Gruppe anderen\u00a0gegen\u00fcber als \u00fcberlegen wahrzunehmen. Auch wenn Negativklischees \u00fcber andere das eigene Selbstwertgef\u00fchl st\u00e4rken\u00a0k\u00f6nnen, erscheint diese Theorie kaum stichhaltig: Zum einen k\u00f6nnen Menschen auch auf vielerlei andere Weise mehr\u00a0Selbstachtung gewinnen. Zum anderen weckt die Theorie eine\u00a0Erwartung, die aller Wahrscheinlichkeit nach falsch ist: dass\u00a0Menschen, die einen h\u00f6heren sozialen Status besitzen oder\u00a0die Standardmerkmale der Gesellschaft erf\u00fcllen, eher auf stereotype\u00a0Bewertungen zur\u00fcckgriffen als die weiter unten in der\u00a0Hierarchie.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Zur Frage, welchen Nutzen stereotype Sichtweisen haben, vertreten wir hier eine neuartige (und zugegebenerma\u00dfen spekulative)\u00a0Hypothese, die ebenfalls von einer \u226bAngepasstheit an\u00a0die Gegenwart\u226a ausgeht: Stereotype haben den w\u00fcnschenswerten Effekt, dass sie es uns erm\u00f6glichen, Fremde rasch als unverwechselbare\u00a0Individuen wahrzunehmen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u00dcber den letzten Satz durfte der Leser gestolpert sein: Dass wir dank der Stereotype Fremde als unverwechselbare Individuen\u00a0wahrnehmen k\u00f6nnen, mag widersinnig, ja grotesk erscheinen,\u00a0wenn man sie als geistige Schubladen begreift, in die man ungeachtet aller Unterschiede s\u00e4mtliche Mitglieder einer Gruppe\u00a0hineinpackt. Es sei daran erinnert, wie Walter Lippmann\u00a0den Begriff des Stereotyps 1922 gepr\u00e4gt hat: als Vergleich mit\u00a0einer Druckplatte, die viele identische Kopien herstellt. Wenn\u00a0uns Stereotype dazu verleiten, s\u00e4mtliche ____________ setzten\u00a0sondern auch von sich selbst, mitunter zum eigenen Nachteil,\u00a0wie Forschungen erst in j\u00fcngerer Zeit belegten. Und dies konnte\u00a0sich auch als der sch\u00e4dlichste Aspekt von Stereotypen erweisen:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wenn sich Mitglieder einer Gruppe, die von stereotypen Beurteilungen betroffen sind, diese zu eigen machen, k\u00f6nnen\u00a0sie damit leicht ihre Selbstachtung unterminieren. Dann kann\u00a0das Klischee zu einer sich selbst erf\u00fcllenden Prophezeiung werden.\u00a0Solche Prophezeiungen k\u00f6nnen auch segensreich wirken.\u00a0Das Klischee, wonach Afroamerikaner besonders gute Leichtathleten,\u00a0Basketballer oder Jazz-Musiker seien, kann diese zu einer gr\u00f6\u00dferen \u00dcbungsdisziplin anspornen. Asiaten-Klischees k\u00f6nnen asienst\u00e4mmige Amerikaner zu gr\u00f6\u00dferen Anstrengungen\u00a0bewegen, um an ein Stipendium zu kommen und als Wissenschaftler,\u00a0Mediziner oder Ingenieur Karriere zu machen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Schaden f\u00fcr Betroffene, die Stereotype \u00fcbernehmen<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Zeichnen Stereotypen allerdings \u2013 wie viele \u2013 ein negatives Bild, fugen sich die Betroffenen, die sie \u00fcbernehmen, damit\u00a0selbst einen Schaden zu. \u00c4ltere, die Altersstereotype verinnerlichen,\u00a0bauen schneller ab. M\u00e4dchen, die sich mit Geschlechterstereotypen\u00a0identifizieren, laufen Gefahr, in mathematischen und naturwissenschaftlichen F\u00e4chern schlechtere\u00a0Leistungen zu erbringen, als sie eigentlich konnten. Afroamerikaner,\u00a0die Schwarzen-Klischees verinnerlicht haben, streben trotz ihres Potenzials m\u00f6glicherweise nicht an die Hochschule.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Man muss kein (klischeehafter) Raketeningenieur sein, um die potenziell sch\u00e4dliche Wirkung von Stereotypen zu erkennen.\u00a0sie wahrscheinlich von allen anderen zu unterscheiden, die wir\u00a0im Flugzeug und sp\u00e4ter am Flughafen erblicken. Daher unser\u00a0Schluss: Dank der Virtuosit\u00e4t, mit der wir die erw\u00e4hnte Meisterleistung\u00a02 vollbringen, k\u00f6nnen wir Stereotype so einsetzen,\u00a0dass wir Fremde als unverwechselbare Individuen wahrnehmen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Wer gebraucht Stereotype? \u00a0Wer wird stereotyp wahrgenommen?<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Auf Stereotype greift jeder zuruck. Sie schwingen zu einem gro\u00dfen Anteil in der Bedeutung mit, die wir in W\u00f6rter wie\u00a0<i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">alt, weiblich,\u00a0<\/span><\/span><\/i>asiatisch\u00a0<span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">oder <\/span><\/span><i><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic\"><span style=\"font-family: StoneSerifBQ020-MediumItalic;font-size: small\">muslimisch <\/span><\/span><\/i><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium\"><span lang=\"JA\" style=\"font-family: StoneSerifBQ020-Medium;font-size: small\">hineinlesen. Diese unterschwelligen\u00a0<\/span><\/span>Bedeutungen, die wir automatisch abrufen, sprengen die \u00fcblichen Definitionen im W\u00f6rterbuch. So listet kein Lexikon in\u00a0einer Definition f\u00fcr \u226balt\u226a die Umschreibungen \u226blangsam\u226a, \u226bvergesslich\u00a0\u226a, \u226bschwerh\u00f6rig\u226a oder \u226bschwach\u226a auf, und doch fallen\u00a0diese Eigenschaften unter das Klischee, das sich an die Kategorie\u00a0\u226balt\u226a kn\u00fcpft. Wenn uns die Stereotype fehlten, die unsere\u00a0Personenkategorien mit Bedeutung erf\u00fcllen, w\u00e4re das so, als\u00a0wurden wir die W\u00f6rter einer Sprache, aber nicht deren Sinn kennen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Schwieriger zu beantworten ist die Frage, wer stereotyp wahrgenommen wird. Wenn man die Standardmerkmale seiner\u00a0Gesellschaft erf\u00fcllt \u2013 also diejenigen, die vorausgesetzt sind, falls nichts anderes gesagt wird \u2013, wird man weniger stereotyp wahrgenommen als andere. In dem Fall wird man von den Mitgliedern seiner Eigengruppe \u2013 die dieselben Standardmerkmale\u00a0erf\u00fcllen wie man selbst \u2013 gar nicht und von Au\u00dfenstehenden nur wenig stereotyp wahrgenommen. Junge Japaner\u00a0werden in Japan selten stereotyp gesehen, wahrend junge\u00a0M\u00e4nner mit japanischen Wurzeln in den USA h\u00e4ufig klischeehaft betrachtet werden. Wohl deshalb, weil diejenigen, die unter die Standardkategorien ihrer Gesellschaft fallen, stereotype\u00a0Beurteilungen weniger problematisch finden, da sie ja von ihnen\u00a0seltener betroffen sind.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dagegen werden diejenigen, die von der Norm abweichen, eher stereotyp wahrgenommen, und nicht nur von anderen,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus &#8222;Vorurteile &#8211; Wie unser Verhalten unbewusst gesteuert wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen&#8220; von Mahzarin R. Banaji und Anthony G. Greenwald, beide\u00a0Koryph\u00e4en der Sozialpsychologie.\u00a0 &nbsp; Homo categoricus Ein Vater und sein Sohn haben einen Verkehrsunfall. Der Vater &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2017\/03\/04\/buchauszug-aus-vorurteile-von-mahzarin-r-banaji-und-anthony-g-greenwald\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6434,1890,302,6433,2585],"class_list":["post-657303","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-anthony-g-greenwald","tag-buchauszug","tag-dtv","tag-mahzarin-r-banaji","tag-vorurteile"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/657303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=657303"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/657303\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=657303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=657303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=657303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}