{"id":656984,"date":"2015-06-18T17:45:27","date_gmt":"2015-06-18T15:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656984"},"modified":"2015-06-18T17:45:27","modified_gmt":"2015-06-18T15:45:27","slug":"exklusiv-studie-banken-wertewandel-nach-der-finanzkrise-pustekuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/06\/18\/exklusiv-studie-banken-wertewandel-nach-der-finanzkrise-pustekuchen\/","title":{"rendered":"Exklusiv-Studie Banken: Wertewandel nach der Finanzkrise? Pustekuchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Imagewandel der Banken ist eine Werbema\u00dfnahme, aber in der Realit\u00e4t gelebt wird er nicht. Das geben\u00a0selbst Bank-Mitarbeiter zu.\u00a0Anscheinend haben die Banken aus der Finanzkrise noch keine Lehren gezogen. Zumal:\u00a0Skandale wie bei der Deutschen Bank von dem Libor-Skandal bis zum Deutsche-Bank-Prozess sind kein Einzelfall. Dennoch findet der Wertewandel hin zu Transparenz, Integrit\u00e4t und Kundenorientierung\u00a0nur in Werbekampagnen statt, aber nicht im Tagesgesch\u00e4ft am Bankschalter. Das ist das Fazit einer Studie der Umsetzungsberatung Mutaree, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Umfrageergebnisse werfen kein gutes Licht auf das Top-Management der Finanzinstitute. So lautet eine der Kernfragen der Studie: Was bringt Banken zum Umdenken? Nur gesetzliche Zw\u00e4nge, sagen\u00a0die meisten Bankangestellten\u00a0(82 Prozent). Und was noch? Andere externe Faktoren wie ung\u00fcnstige Marktbedingungen, die f\u00fcr die Geldh\u00e4user unangenehm sind: Die dauerhaft niedrigen Zinsen etwa benennen daher 73 Prozent der Befragten als Beispiel, was Banken unter Zugzwang setzt. Statt die Zukunftsthemen Digitalisierung und Kundenorientierung anzugehen, beschr\u00e4nken sich Banken\u00a0aufs Reagieren, so das Fazit der Untersuchung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Themen, die die gesamte Industrie besch\u00e4ftigen, wie die Digitalisierung, stehen dagegen bei den Banken am Ende der Priorit\u00e4tenliste. Nur 39 Prozent der Banker sehen, dass dieses Thema ihre Geldh\u00e4user in Bewegung bringt. &#8222;Der Handlungsdruck ist bei diesen Zukunftsthema offenbar noch nicht hoch genug&#8220;, meint Claudia Schmidt, Mutaree-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin und Expertin f\u00fcr Ver\u00e4nderungsmanagement.<\/p>\n<p>Insgesamt hat Mutaree 283 Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte in den Banken befragt, von denen rund drei Viertel in Leitungsfunktionen sitzen und von allen Befragten die H\u00e4lfte im Vertrieb t\u00e4tig sind. Das Ergebnis: Rund 50 Prozent der Banken sagen, dass der kulturelle Wandel in ihrem Haus nicht stattfindet.\u00a0Nur 20 Prozent der Banken honorieren es, wenn ihre Mitarbeiter wertekonformes Verhalten an den Tag legen. Dem entspricht, dass ihr Image den Banken nicht so wichtig ist und auf der To-do-Liste tats\u00e4chlich auf den hinteren Pl\u00e4tzen rangiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Indiz: Kriterien f\u00fcr Bef\u00f6rderungen<\/strong><\/p>\n<p>Der beste Beleg ist f\u00fcr \u00a0Beraterin Schmidt das Bef\u00f6rderungsverhalten: Karriere macht, wer gute Abschl\u00fcsse vorweisen kann und \u00fcberdurchschnittlich hohe Ums\u00e4tze erzielt. Aber nicht, wer besonders kundenorientiert handelt. So bleibt es dabei, dass gute Verk\u00e4ufer regelm\u00e4\u00dfig mit F\u00fchrungspositionen belohnt werden, um sie zu halten. Ob diese dann aber als F\u00fchrungskraft brauchbar sind, interessiert nicht. Das Ergebnis: Die sch\u00e4dlichen Verhaltensmuster bleiben und der Wertewandel ist ausgebremst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656987\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656987\" class=\"size-medium wp-image-656987\" alt=\"Claudia Schmidt, Mutaree\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c-451x300.jpg 451w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/06\/mutaree.Claudia-Schmidt_4c.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656987\" class=\"wp-caption-text\">Claudia Schmidt, Mutaree<\/p><\/div>\n<div><span style=\"font-size: large\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><strong>Undurchschaubare Produktempfehlungen<\/strong><\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Noch weniger als die Banker selbst, nehmen die Kunden einen Kulturwandel in ihren eigenen H\u00e4usern wahr. Statt einfachen L\u00f6sungen, die Otto Normalanleger versteht, regieren nach wie vor undurchschaubare Produktempfehlungen. &#8222;Da werden immer noch komplexe Fonds statt Spareinlagen oder kaum nachvollziehbare Kombinationen von Produkten wie Baufinanzierungen mit zwischenfinanziertem Bausparvertrag empfohlen&#8220;, berichtet Change-Management-Beraterin Schmidt.<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Stattdessen sind den Beratern die H\u00e4nde quasi gefesselt. Eine gute, neutrale Finanzberatung w\u00fcrde es mit sich bringen, dass auch von Anlageformen oder komplizierten Finanzierungsmodellen abgeraten werden kann. &#8222;Wenn aber der Erfolg nur an Abschlussquoten gemessen wird und nicht an Kundenzufriedenheit, dann ist die Beratungszeit ohne einen Abschluss verlorene Zeit&#8220;, sagt Mutaree-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Schmidt.<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div><strong>Digitales und anderes Moderne? Muss nicht sein<\/strong><\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Auch der Trend zur Digitalisierung, der Bankern im Alltag wom\u00f6glich neue Absatzchancen bringen k\u00f6nnte, steht ganz unten auf der Priorit\u00e4tenliste. Die Mitarbeiter in den Filialen k\u00f6nnen nur zuschauen, wie ihnen selbst Lebensmittelh\u00e4ndler Rewe mit eigenen Geldterminals in den Superm\u00e4rkten beim Bargeldauszahlen den Rang abl\u00e4uft. 60 Prozent der Banken haben keine Vorbereitungen f\u00fcr neue Vertriebs- oder Servicekan\u00e4le in Planung oder wenn, dann sie die damit nicht fertig bisher.<\/div>\n<div>57 Prozent planen nicht, in neue Technologien wie Social Media und Big Data zu investieren.<\/div>\n<div>.<br \/>\n.<\/div>\n<div><strong>Nachwuchs: Ganze Lehrg\u00e4nge entscheiden sich gegen den Vertrieb<\/strong><\/div>\n<div><strong>.<\/strong><\/div>\n<div>Entsprechend weit hinten steht auf der Liste der wichtigsten Themen der Nachwuchs, also das Anheuern und Halten junger Potenziale (25 Prozent). Die werden n\u00e4mlich abgeschreckte durch die Konflikte, die der reine Verkaufsdruck und die rein quantitativen Zielerreichungsgrade mit sich bringen, beobachtet Schmidt. Die Folge: Ganze Lehrg\u00e4nge von Azubis entscheiden sich gegen den Vertrieb und f\u00fcr andere Abteilungen, erz\u00e4hlt Schmidt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\u00c4hnlich tr\u00fcbe sieht es bei der Auswahl der F\u00fchrungskr\u00e4fte aus.\u00a0Bester Beleg f\u00fcr den ausgebliebenen Kulturwandel sind die unver\u00e4ndert gebliebenen Bef\u00f6rderungskriterien. Den n\u00e4chsten Schritt auf der Karriereleiter erreicht nur, wer die besten Abschl\u00fcsse und die h\u00f6chsten Ums\u00e4tze liefert, aber nicht, wer die beste Kundenorientierung an den Tag legt.<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div><strong>Bef\u00f6rdert wird der beste Verk\u00e4ufer, nicht die beste F\u00fchrungskraft<\/strong><\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Immer noch sind es die Vertriebskanonen, die erwarten, bef\u00f6rdert zu werden und denen die Banken den Aufstieg auch erm\u00f6glichen &#8211; um sie zu halten. Ob die Betroffenen aber die geeigneten F\u00fchrungskr\u00e4fte von morgen sind, interessiert nicht so richtig. &#8222;So werden Verhaltensmuster tradiert und der Kulturwandel ausgebremst&#8220;, urteilt Schmidt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>.<br \/>\n<strong>Keine Zeit einr\u00e4umen zum Ver\u00e4ndern<\/strong><\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Vor allem aber geben Banken ihren Mitarbeitern keine Zeit f\u00fcr die Ver\u00e4nderungen, die sie erreichen sollen, kritisiert Schmidt. &#8222;Denn wer kann schon t\u00e4glich hohe Ziele erreichen, die ohnehin kaum zu schaffen sind und gleichzeitig Ver\u00e4nderungen, die Produktivit\u00e4t und Zeit kosten, umsetzen und trainieren?&#8220; Ganz absurd wird es dann, wenn dennoch Changeprozesse durchgef\u00fchrt werden. Wenn die Guten, Unverzichtbaren im Tagesgesch\u00e4ft weiter k\u00e4mpfen und die anderen, weniger fitten abgezogen werden, um die neuen Projektziele zu erreichen. Was dann wiederum bei den Kollegen den Eindruck hinterl\u00e4sst, dass der Wandel f\u00fcr das operative Gesch\u00e4ft nicht so wichtig ist.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Imagewandel der Banken ist eine Werbema\u00dfnahme, aber in der Realit\u00e4t gelebt wird er nicht. Das geben\u00a0selbst Bank-Mitarbeiter zu.\u00a0Anscheinend haben die Banken aus der Finanzkrise noch keine Lehren gezogen. 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