{"id":656780,"date":"2015-05-31T03:43:47","date_gmt":"2015-05-31T01:43:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656780"},"modified":"2015-05-31T03:43:47","modified_gmt":"2015-05-31T01:43:47","slug":"exklusiv-buchauszug-175-jahre-sozietatsgeschichte-von-freshfields","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/31\/exklusiv-buchauszug-175-jahre-sozietatsgeschichte-von-freshfields\/","title":{"rendered":"Exklusiv: Buchauszug 175 Jahre Soziet\u00e4tsgeschichte von Freshfields"},"content":{"rendered":"<dl class=\"wp-caption aligncenter\" id=\"attachment_656789\" style=\"width: 445px\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><\/dt>\n<\/dl>\n<p><strong>Exklusiv im Management-Blog: Kanzlei Freshfields hat Jubil\u00e4um und legt ein Buch \u00fcber seine Historie vor:\u00a0<\/strong><strong>&#8222;175 Jahre Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland\u00a0&#8211;\u00a0Eine Soziet\u00e4tsgeschichte im Wandel von Wirtschaft, Recht und Politik&#8220; (C.H. Beck Verlag 2015) \u00a0<a href=\"http:\/\/ssl.freshfields.com\/175de\/index.html\">http:\/\/ssl.freshfields.com\/175de\/index.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656782\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields.uralt_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656782\" class=\"size-full wp-image-656782\" alt=\"Kreifelds, Josef Neckermann\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields.uralt_.jpg\" width=\"650\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields.uralt_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields.uralt_-300x221.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields.uralt_-407x300.jpg 407w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656782\" class=\"wp-caption-text\">Max Kreifelds (Mitte) mit Unternehmer Josef Neckermann (rechts)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftskanzleien zwischen Expansion und Spezialisierung (1973\u20131989)<\/strong><\/p>\n<p>Mit der \u00d6lkrise und dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems scheinen 1973 f\u00fcr die Weltwirtschaft die Grenzen des Wachstums erreicht. Nach den Wirtschaftswunderjahren geraten auch bundesdeutsche Unternehmen in den Sog der Krise, und Wirtschaftsanw\u00e4lte unterst\u00fctzen ihre Mandanten nun oft beim Umbau ihrer Unternehmen. So beraten Max Kreifels und Otfried Lieberknecht Josef Neckermann bei der Fusion seines krisengesch\u00fcttelten Versandhandels mit Karstadt, Christian Wilde vertritt Hans Gerling nach der Pleite der Herstatt-Bank, und Winfried Steeger ist, nachdem die Ums\u00e4tze bei Grundig eingebrochen sind, am Einstieg von Philips bei dem traditionsreichen Elektronikunternehmen beteiligt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rasanter Wandel<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig setzt in deutschen Kanzleien ein rasanter Wandel ein: Die deutschen Vorg\u00e4ngersoziet\u00e4ten von Freshfields expandieren und beraten auf immer mehr Rechtsgebieten, nun h\u00e4ufig als Spezialisten, die sich auf einzelne Teilbereiche des Wirtschaftsrechts konzentrieren. Ab Ende der 1980er Jahre steigen Anw\u00e4ltinnen wie Monika Lorenz-Wolf erstmals zu Partnerinnen auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Internationalisierung: Br\u00fcsseler B\u00fcro<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Finanzmarkt in der Bundesrepublik \u00e4ndert sich in dieser Zeit, und Westrick &amp; Eckholdt ist eine der ersten Kanzleien, die sich auf das boomende \u00a0Anleihengesch\u00e4ft konzentriert. Und schlie\u00dflich schreitet die europ\u00e4ische Integration weiter voran, was der auf Europarecht spezialisierten Kanzlei Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet \u2013 und sie ebenso wie Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht zur Gr\u00fcndung eines B\u00fcros in Br\u00fcssel veranlasst. Ein weiterer Schritt in die Internationalisierung ist gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/cover.freshfields.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-656825\" alt=\"cover.freshfields\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/cover.freshfields-224x300.jpg\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/cover.freshfields-224x300.jpg 224w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/cover.freshfields.jpg 487w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c: \u00d6lkrise, Wirtschaftskrise und der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Leere Autobahnen, ein Land im Stillstand: Als Reaktion auf den rapiden Anstieg der \u00d6lpreise verh\u00e4ngte die Bundesregierung am 25. November 1973 erstmals ein deutschlandweites Fahrverbot. Kurz darauf sollten drei weitere folgen. Schlagartig machte die erste \u00d6lkrise deutlich, wie abh\u00e4ngig die westliche Industriestaaten von Erd\u00f6limporten waren und wie empfindlich nationale Wirtschaftssysteme angesichts der internationalen Verflechtungen von Finanz- und Kapitalm\u00e4rkten auf internationale Krisen reagierten. Im Herbst 1973 hatte die Organisation erd\u00f6lexportierender L\u00e4nder (OPEC) im Zuge des Jom-Kippur-Kriegs zwischen Israel und den arabischen Staaten erstmals \u00d6l als Druckmittel eingesetzt und die \u00d6lexporte in Staaten, die Israel unterst\u00fctzen, gedrosselt \u2013 darunter auch Deutschland.<\/p>\n<p>Die Folge: Die Roh\u00f6lpreise stiegen rasant und die Bundesrepublik zahlte 1974 f\u00fcr den \u00d6limport 17 Milliarden D-Mark mehr als im Jahr zuvor, und das, obwohl die Menge des eingef\u00fchrten \u00d6ls um sechs Prozent gesunken war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die \u00d6lkrise<\/strong><\/p>\n<p>Westdeutschland erlebte die sch\u00e4rfte Rezession seit Kriegsende. Das Bruttosozialprodukt schrumpfte 1975 um 1,6 Prozent, gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen auf \u00fcber eine Million. Besonders schwer traf die \u00d6lkrise die Automobilindustrie. Ihr Absatz brach in Deutschland um fast 25 Prozent ein. Noch dramatischer waren die Folgen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten. Denn auch als sich die deutsche Wirtschaft ab Mitte der 1970er Jahre zu erholen begann, wurde auf dem Arbeitsmarkt das Niveau der 1950er und 1960er Jahre nicht wieder\u00a0erreicht. Die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze verminderte sich zwischen 1973 und 1976 dauerhaft um etwa 800.000.\u00a0\u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c, so der Titel einer Studie des Club of Rome von 1972, schienen erreicht, das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit ging endg\u00fcltig zu Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parallel zur ersten \u00d6lkrise brach 1973 das Bretton-Woods-System zusammen, das seit 1944 mit festen Wechselkursen und dem US-Dollar als Leitw\u00e4hrung f\u00fcr Stabilit\u00e4t gesorgt hatte. Die Bundesrepublik war der internationalen W\u00e4hrungsordnung noch im Jahr ihrer Gr\u00fcndung 1949 beigetreten. Anfang der 1970er Jahre zeigte sich jedoch, dass das System mit seinen festen Kursen nicht flexibel genug war, um sich den immer rascher \u00e4ndernden Gegebenheiten der Weltwirtschaft anzupassen. Daher traten im M\u00e4rz 1973 die ersten europ\u00e4ischen Staaten aus dem Bretton-Woods-System aus. In der Folge kam es international zu starken Wechselkursschwankungen, und ein deutlich heterogeneres W\u00e4hrungssystem entstand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Weltwirtschaft ab Mitte der 1970er Jahre stabilisierte, war die Zeit der Krisen noch l\u00e4ngst nicht vor\u00fcber. Nach dem zweiten \u00d6lpreisschock 1979 stiegen die Energiepreise erneut an. Deutsche Importeure gaben nun f\u00fcr \u00d6l f\u00fcnfzehnmal so viel aus wie noch Anfang des Jahrzehnts, und wie schon 1973 zog der Anstieg der \u00d6lpreise auch diesmal einen wirtschaftlichen Abschwung nach sich. In der Bunderepublik ging allein in der Stahlbranche, einst Schrittmacher des deutschen Wirtschaftswunders, die Zahl der Besch\u00e4ftigten zwischen 1974 und 1990 von 344.000 auf 175.000 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>AEG zahlungsunf\u00e4hig<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der Textilindustrie, im Schiffbau und in vielen anderen Sparten setzte ab den 1970er Jahren ein Schrumpfungsprozess ein, und selbst namhafte Firmen wie das Traditionsunternehmen AEG-Telefunken blieben nicht verschont. 1982 musste der \u00a0zweitgr\u00f6\u00dfte Elektrokonzern Deutschlands sein Zahlungsunf\u00e4higkeit bekannt geben \u2013 \u201edie gr\u00f6\u00dfte Pleite, die in der europ\u00e4ischen Wirtschaftsgeschichte jemals stattgefunden hatte\u201c, behauptete der Spiegel. Die Zahl der Arbeitslosen stieg weiter rapide an. 1982 waren zwei Millionen Bundesdeutsche ohne Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230; der erste PC von IBM<\/strong><\/p>\n<p>Erst ab Herbst 1982 zeichnete sich ein Aufschwung ab. Deutsche Unternehmen profitierten von der sich erholenden Weltkonjunktur, und das Bruttosozialprodukt stieg 1983 um 2,5 Prozent. Ab 1986 war die Bundesrepublik mit einem Rekordau\u00dfenhandels\u00fcberschuss von 110 Milliarden D-Mark gar die st\u00e4rkste Handelsnation der Welt. Gleichzeitig l\u00e4utete die Mikroelektronik eine dritte industrielle Revolution ein. In den 1970er Jahren wurden erstmals Taschenrechner mit Mikrochips gebaut, und 1981 stellte IBM den ersten Personal Computer (PC) vor. Der Einzug von Industrierobotern und Computern in Fertigungshallen und B\u00fcros ver\u00e4nderte die Arbeitswelt grundlegend. Arbeitspl\u00e4tze in der Fertigung\u00a0gingen zwar verloren, doch entstanden zugleich neue hochqualifizierte Berufe. Vor allem aber hatte die neue Technik ein gewaltiges wirtschaftliches Potenzial. Allein in der Bundesrepublik stieg der Umsatz mit Kleinrechnern von 475 Millionen D-Mark im Jahr 1981 auf 1,25 Milliarden Mark im Jahr 1987.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Expansion und Spezialisierung in den Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzleien<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es waren Jahre des Wandels, auch bei den Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzleien, die in den 1970er und 1980er Jahren rapide wuchsen. So trat bei Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund in K\u00f6ln mit Dietmar Knopp, Wilhelm Danelzik, Joachim Pfeffer und Gerhard Picot ab Mitte der 1970er Jahre die erste Sozien-Generation nach den Namenspartnern ein. In den 1980er Jahren folgten unter anderem J\u00fcrgen Sieger, Frank Montag und Ludwig Leyendecker, und vor allem Frank Montag zog bald weitere junge Rechtsanw\u00e4lte nach. Ende der 1980er Jahre arbeiteten bei Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund neun Partner sowie neun angestellte Rechtsanw\u00e4lte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die gr\u00f6\u00dfte deutsche Wirtschaftskanzlei<\/strong><\/p>\n<p>In weniger als drei Jahrzehnten hatte sich die Mannschaft der Kanzlei damit verneunfacht. Noch gr\u00f6\u00dfer waren Ende der 1980er Jahre Westrick &amp; Eckholdt mit 13 Partnern und Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht mit 27 Partnern. Die D\u00fcsseldorfer Praxis war, gemessen an der Zahl der Sozien, die gr\u00f6\u00dfte deutsche Wirtschaftskanzlei. Auch die Hamburger Kanzleien expandierten. Bei Steeger Tiefenbacher Heibey trat 1979 Winfried Steeger, der Sohn von Namenspartner Max Steeger, ein und wurde 1983 Sozius. 1988 kam als f\u00fcnfter Partner Jan Willisch dazu.<\/p>\n<p>Ab Anfang der 1970er Jahre verj\u00fcngte sich auch Stegemann Sieveking Lutteroth mit der Aufnahme neuer Sozien. 1971 wurden Jan-Peter De Wall und Christian Wilde als Partner aufgenommen, ab Mitte der 1970er Jahre folgten Hans Jochen Waitz, Andreas Rittstieg und Dieter Zwicker. Im Gegensatz zu den \u00e4lteren Sozien stammte die neue Generation nicht mehr ausschlie\u00dflich aus Hamburg. Daf\u00fcr hatten die jungen Anw\u00e4lte zuvor allesamt internationale Erfahrungen gesammelt: Wilde an den Universit\u00e4ten von Lausanne und Berkeley, De Wall in New York bei Milbank Tweed Hadley &amp; McCloy und Waitz in London bei Freshfields.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immer mehr Anw\u00e4ltinnen<\/strong><\/p>\n<p>Unter den neu eingestellten Anw\u00e4lten waren nun immer h\u00e4ufiger Frauen. In den 1970er Jahren fing Monika Lorenz-Wolf bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht an; 1986 wurde sie zur ersten Sozia in der D\u00fcsseldorfer Kanzlei ernannt. Auch bei Westrick &amp; Eckholdt gab es in den 1980er Jahren die ersten Rechtsanw\u00e4ltinnen, darunter die Arbeitsrechtlerin Caroline Bitsch. 1991 stieg sie zur Partnerin auf. Die Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzleien lagen damit im Trend: In den 1980er Jahren wurden in der Bundesrepublik immer mehr weibliche Rechtsanw\u00e4lte zugelassen. Allein 1984 waren es fast 850 \u2013 ein Zuwachs von \u00fcber 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch waren Rechtsanw\u00e4ltinnen und vor allem Partnerinnen auch schon in den 1980er Jahren in Wirtschaftskanzleien klar in der Minderheit.<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Von einer Gefahr f\u00fcr die Rechtspflege zur Partnerin: Rechtsanw\u00e4ltinnen in deutschen Kanzleien und bei Freshfields Bruckhaus Deringer<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg in Anwaltskanzleien war Frauen in Deutschland lange Zeit verschlossen. Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie an deutschen Universit\u00e4ten \u00fcberhaupt zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassen. Allerdings durften sie das Studium vorerst nur mit dem Doktortitel abschlie\u00dfen; vom Staatsexamen waren Frauen ausgeschlossen und konnten damit weder als Richterinnen noch als Anw\u00e4ltinnen t\u00e4tig werden. Noch w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs forderten deutsche Frauenverb\u00e4nde, Frauen als Rechtsanw\u00e4lte zuzulassen, und verwiesen darauf, dass es selbst im zaristischen Russland weibliche Anw\u00e4lte gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leidenschaftlicher, weniger objektiv und schwere psychische St\u00f6rungen<\/strong><\/p>\n<p>Als mit Kriegsende die alte Ordnung des Kaiserreichs unterging und Frauen 1919 mit der Weimarer Verfassung die gleichen Rechte wie M\u00e4nner erhielten, darunter das Wahlrecht, schien die Zulassung von Frauen als Anw\u00e4ltinnen zum Greifen nah. Doch in Anwaltskammern und Anwaltsvereinen gab es noch immer erhebliche Vorbehalte gegen die \u00d6ffnung des Berufs f\u00fcr Frauen. So war etwa in Hamburg die Hanseatische Anwaltskammer noch 1919 der Meinung, Frauen seien grunds\u00e4tzlich \u201eunbestritten viel leidenschaftlicher\u201c und \u201eviel weniger objektiv\u201c als M\u00e4nner, zudem litten sie beispielsweise w\u00e4hrend einer Schwangerschaft unter \u201eschweren psychischen St\u00f6rungen\u201c. In der Rechtspflege sei dies \u201egef\u00e4hrlich\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1922 die erste deutsche Anw\u00e4ltin<\/strong><\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz bekamen Frauen drei Jahre sp\u00e4ter die M\u00f6glichkeit, als Anw\u00e4ltinnen t\u00e4tig sein zu d\u00fcrfen. Denn am 11. Juli 1922 trat das Gesetz \u00fcber die Zulassung der Frauen zu den \u00c4mtern und Berufen der\u00a0Rechtspflege in Kraft. Als erste deutsche Frau hatte Maria Otto bereits im Juni des Jahres das Assessorexamen bestanden; im Dezember 1922 wurde sie am Oberlandesgericht M\u00fcnchen als erste Anw\u00e4ltin in Deutschland zugelassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und wieder ein Anw\u00e4ltinnen-Verbot 1936<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl Frauen nun eine Karriere als Anw\u00e4ltin einschlagen konnten, entschieden sich vorerst nur sehr wenige daf\u00fcr. In Hamburg etwa wurden bis Ende 1933 nur sechs Anw\u00e4ltinnen zugelassen, in ganz Deutschland waren es rund 80. Mit der \u201eMachtergreifung\u201c der Nationalsozialisten \u00e4nderten sich die Rahmenbedingungen bald grundlegend. Seit 1935 war es Frauen untersagt, als Richterinnen oder Staatsanw\u00e4ltinnen zu arbeiten, und ein Jahr sp\u00e4ter verbot Adolf Hitler pers\u00f6nlich, dass Frauen als Rechtsanw\u00e4ltinnen zugelassen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Kriegsende wurden diese Bestimmungen wieder aufgehoben, und anders\u00a0als in der Weimarer Republik nahm der Anteil der weiblichen Anw\u00e4lte in der Bundesrepublik stetig zu. So gab es 1970 in Westdeutschland 1.035 Anw\u00e4ltinnen; Frauen stellten damit 4,5 Prozent der Anwaltschaft. 1980 waren es bereits 2.756 Anw\u00e4ltinnen (7,6 Prozent) und 1990 8.537 (15,1 Prozent). Im Jahr 2000 waren in Deutschland 25.589 Anw\u00e4ltinnen zugelassen, sie machten rund ein Viertel aller deutschen Rechtsanw\u00e4lte aus. Bis 2013 stieg ihre Zahl auf 53.175. Damit ist heute etwa jeder dritte Anwalt weiblich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die ersten Partnerinnen bei Freshfields<\/strong><\/p>\n<p>Ab Ende der 1970er Jahre begannen Frauen auch die M\u00e4nnerdom\u00e4ne der Wirtschaftskanzleien zu erobern. So wurde Monika Lorenz-Wolf 1986 erste Sozia bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht. In den 1990er Jahren stiegen weitere Anw\u00e4ltinnen in den deutschen Vorg\u00e4nger-Kanzleien von Freshfields Bruckhaus Deringer zu Partnerinnen auf, darunter Caroline Bitsch, Ruth L\u00fcttmann, Hildegard Bison, Ulrike Schweibert, Gunhild Sch\u00e4fer, Andrea Lensing-Kramer und Britta Zierau. Zierau trat 1991 bei Westrick &amp; Eckholdt ein und wurde 1995 Partnerin. Allerdings war \u201egender balance\u201c noch kein Thema in Kanzleien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Partnerinnen-Generation in den deutschen Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzleien musste selbst daf\u00fcr sorgen, den Spagat zwischen Beruf und Familie zu bew\u00e4ltigen. Die meisten von ihnen arbeiteten bis kurz vor der Geburt ihrer Kinder und sa\u00dfen drei Wochen nach der Entbindung wieder am Schreibtisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst seit einigen Jahren r\u00fcckt die Karrieref\u00f6rderung von Frauen in deutschen Kanzleien st\u00e4rker in den Blickpunkt. Obwohl heute mehr als die H\u00e4lfte der Juraabsolventen weiblich ist und Frauen im Examen im Durchschnitt sogar etwas besser abschneiden als M\u00e4nner, entscheiden sich weniger Juristinnen f\u00fcr eine Karriere in einer Topkanzlei. Viele ziehen eine T\u00e4tigkeit im Staatsdienst vor oder spezialisieren sich, wenn sie als Rechtsanw\u00e4ltinnen arbeiten, seltener auf wirtschaftsrechtliche Mandate.<\/p>\n<p>Wie in der gesamten Wirtschaft erreichen Frauen auch in den gro\u00dfen Soziet\u00e4ten nach wie vor kaum F\u00fchrungspositionen und sind als Partnerinnen wie auch im Management deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Freshfields Bruckhaus Deringer hat weltweit zw\u00f6lf Prozent weibliche Partner, in Deutschland und \u00d6sterreich sind es sieben Prozent. Britta Zierau, heute Office Managing Partner in Frankfurt, hat derzeit an ihrem Standort nur eine weitere Mitpartnerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauenf\u00f6rderung ist Eigenf\u00f6rderung<\/strong><\/p>\n<p>Indes hat man bei Freshfields Bruckhaus Deringer inzwischen erkannt, dass Frauenf\u00f6rderung Eigenf\u00f6rderung bedeutet, so der D\u00fcsseldorfer Partner Heinz Josef Willemsen: Wer \u201ean \u00fcberholten Leitbildern und Ritualen einer (vorwiegend m\u00e4nnlichen) Pr\u00e4senz- und Selbstvermarktungskultur festh\u00e4lt, hat die Rechnung ohne den einen, wirtschaftlich unverzichtbaren Teil des (potenziellen) Nachwuchses gemacht\u201c.<\/p>\n<p>Zudem fordert seit einiger Zeit die \u201eGeneration Y\u201c eine bessere Work-Life-Balance, und immer mehr deutsche M\u00e4nner nehmen beispielsweise Elternzeit oder ein Sabbatical. Daher bietet das \u201eSmart Balance\u201c betitelte \u00a0Personal- und Karriereprogramm bei Freshfields Bruckhaus Deringer M\u00e4nnern und Frauen gleicherma\u00dfen M\u00f6glichkeiten, um Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu k\u00f6nnen. Damit es in Zukunft zudem mehr Partnerinnen gibt, unterst\u00fctzt die Kanzlei gezielt mit einem eigenen Mentoring- Programm und \u00a0genderspezifischem Coaching die Karriere von weiblichen Anw\u00e4lten.<\/p>\n<p>Derzeit stehen 62 Mentoren Nachwuchsanw\u00e4ltinnen mit Rat und Tat beiseite. Und schlie\u00dflich netzwerken die Frauen bei Freshfields Bruckhaus Deringer heute intensiver als fr\u00fcher und tauschen sich beispielsweise auf Partnerinnen-Treffen aus oder auf Veranstaltungen wie den Ladies Lunches, zu denen auch Mandantinnen und andere externe Kontakte eingeladen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Parallel zu ihrem Wachstum spezialisierten sich die f\u00fcnf Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzleien angesichts der immer komplexer werdenden Anforderungen bereits fr\u00fch. Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund hatte mit der urspr\u00fcnglichen Konzentration auf Kartellrecht als Spezialkanzlei diesen Weg von vornherein \u00a0eingeschlagen. Bei den breiter aufgestellten Kanzleien war Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht Vorreiter, hier spezialisierten sich die Partner seit Anfang der 1970er Jahre individuell auf bestimmte Rechtsgebiete.<\/p>\n<p>Freilich gab es daf\u00fcr anfangs noch keine \u00fcbergreifende Strategie, sondern jeder setzte seine Schwerpunkte nach seinen Interessen. Man ging davon aus, dass auf diese Weise die h\u00f6chste Effizienz und Qualit\u00e4t der Leistung zu erreichen sei. G\u00fcnther Beckmann etwa befasste sich vor allem mit Steuerrecht und Bernd Kunth mit Energierecht. Bald schon wurden junge Anw\u00e4lte jedoch gezielt eingestellt, um bestimmte Rechtsbereiche aufzubauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lohnendes Arbeitsrecht<\/strong><\/p>\n<p>So trat Heinz Josef Willemsen 1983 in die D\u00fcsseldorfer Kanzlei ein und etablierte hier das Arbeitsrecht. Die gro\u00dfen Soziet\u00e4ten waren lange der Meinung gewesen, dass sich arbeitsrechtliche Themen nicht lohnten, und so war dieser Rechtsbereich bis dahin eine Dom\u00e4ne von kleineren Kanzleien gewesen. Nun jedoch erkannte man bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht, dass vor allem das kollektive Arbeitsrecht ein wesentliches Element der Wirtschaftsberatung war, schlie\u00dflich ergaben sich bei Unternehmensverk\u00e4ufen oder Umstrukturierungen oft arbeitsrechtliche Fragestellungen.<\/p>\n<p>Die D\u00fcsseldorfer Soziet\u00e4t baute daneben weitere Bereiche wie gewerblichen Rechtsschutz, Steuerrecht, Immobilienrecht, Finanzrecht sowie Prozessf\u00fchrung und Schiedsverfahren aus. Ende der 1980er Jahre war die Spezialisierung bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht schon weit fortgeschritten. Durch Einf\u00fchrung der Fusionskontrolle und Aufnahme mehrerer Mitarbeiter, von denen als erste Cornelius Canenbley und Karlheinz Moosecker zum Partner aufstiegen, gewann die kartellrechtliche Praxis immer mehr Gewicht. Der gewerbliche Rechtsschutz verselbst\u00e4ndigte sich insbesondere durch den Eintritt von Monika Lorenz-Wolf und Ulf Doepner, einem Quereinsteiger vom Bodensee, Autor des f\u00fchrenden Kommentars zum Heilmittelwerberecht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht etablierten sich auch bei Westrick &amp; Eckholdt nach und nach neue Rechtsgebiete. Reinhart Densch, der 1974 Partner wurde, k\u00fcmmerte sich beispielsweise um die Prozesspraxis. Daneben entstanden in den 1970er Jahren eine Steuerabteilung sowie die Bereiche gewerblicher Rechtsschutz, Arbeitsrecht und gewerbliches Immobilienrecht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gerichtskantinen und erste Faxe: Arbeitsalltag in deutschen Kanzleien<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der beginnenden Spezialisierung in deutschen Wirtschaftskanzleien arbeiteten viele j\u00fcngere Anw\u00e4lte in den Freshfields-Vorg\u00e4ngersoziet\u00e4ten auch in den 1970er und 1980er Jahren zun\u00e4chst noch stark als Generalisten. Burkhard Bastuck etwa, der 1984 bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht einstieg, befasste sich bei seinem ersten gro\u00dfen Fall mit den Devisenvergehen eines D\u00fcsseldorfer Karnevalsprinzen. Als gegen den Mann ein Arrestverfahren anlief, bepf\u00e4ndete Bastuck in dessen Haus zusammen mit dem Gerichtsvollzieher Teppiche. Auch war weiterhin die Arbeit vor Gericht bis in die 1980er Jahre hinein Teil des Alltags von Burkhard Bastuck und seinen Kollegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656788\" style=\"width: 171px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields7Julius-Scharlach-1842_1908.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656788\" class=\"size-medium wp-image-656788\" alt=\"Julius Scharlach\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields7Julius-Scharlach-1842_1908-161x300.jpg\" width=\"161\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields7Julius-Scharlach-1842_1908-161x300.jpg 161w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields7Julius-Scharlach-1842_1908.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 161px) 100vw, 161px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656788\" class=\"wp-caption-text\">Julius Scharlach<\/p><\/div>\n<p>Ein typischer Arbeitstag in den Kanzleien in D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, Frankfurt und Hamburg unterschied sich also nicht wesentlich von Julius Scharlachs und Gustav Hertz\u02bc Pensum im Kaiserreich. Wie ihre Vorg\u00e4nger verbrachten viele Anw\u00e4lte auch in den \u00a0Wirtschaftskanzleien der 1970er und 1980er Jahren noch mehrere Stunden, in der Regel am Vormittag, vor Gericht \u2013 die Prozessvertretung machte damit oft noch rund ein Drittel der Mandate aus. Anschlie\u00dfend ging man, wie sich Heinz Josef Willemsen erinnert, in der Gerichtskantine essen und empfing danach in der Kanzlei Mandanten oder telefonierte ausf\u00fchrlich mit ihnen \u2013 die modernen elektronischen Kommunikationsmittel waren noch nicht erfunden. Am Abend diktierten die Anw\u00e4lte schlie\u00dflich Schrifts\u00e4tze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kanzleien als ausgelagerte Rechtsabteilung<\/strong><\/p>\n<p>Doch nicht nur der Tagesablauf, auch die Art des Arbeitens \u00e4hnelte in den 1970er und 1980er Jahren noch stark der T\u00e4tigkeit der Advokaten im Kaiserreich. So waren Mandanten ihren Anw\u00e4lten gegen\u00fcber in der Regel \u00e4u\u00dferst loyal und \u00fcbertrugen mehr oder weniger jedes Mandat \u201eihrer\u201c Kanzlei. Westrick &amp; Eckholdt befasste sich beispielsweise mit allen rechtlichen Fragen der Chase Manhattan Bank, und so war die Kanzlei eine Art ausgelagerte Rechtsabteilung der Bank. Dabei kam es durchaus vor, dass Dauermandanten \u2013 in D\u00fcsseldorf etwa ITT, Bertelsmann oder Kodak \u2013 f\u00fcr spezielle T\u00e4tigkeitsbereiche oder einzelne \u00a0Angelegenheiten von Fall zu Fall oder laufend andere Kanzleien beauftragten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Standeswidrige Beauty Contests<\/strong><\/p>\n<p>Doch sogenannte \u201ebeauty contests\u201c, also die Ausschreibung von Mandaten, bei der Soziet\u00e4ten in einem harten Wettbewerb zueinander stehen, gab es damals noch kaum, sie w\u00e4ren nach damaliger Rechtsauffassung auch als standeswidrig aufgefasst worden. Au\u00dferdem war der Anspruch der Klienten bis Anfang der 1990er Jahre ein ganz anderer als heute. Denn meist kamen die Mandanten \u2013 jedenfalls bei Prozessmandaten \u2013 zu ihren Anw\u00e4lten ins B\u00fcro und lie\u00dfen diese nicht, wie heute \u00fcblich, bei sich erscheinen. Und statt wie heute eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Punkte eines Rechtsgutachtens auf einer Seite zu verlangen, nahmen es die meisten Klienten auf sich, die seitenlangen Ausf\u00fchrungen ihrer Anw\u00e4lte zu studieren und sich geduldig durch das Juristendeutsch und die Fu\u00dfnoten zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Anwalt als Einzelk\u00e4mpfer<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Verh\u00e4ltnis zwischen Anwalt und Mandant glich auch die Arbeitsorganisation in den Kanzleien der 1980er Jahre dem Arbeiten Ende des 19. Jahrhunderts. Denn nach wie vor waren Anw\u00e4lte \u201eEinzelk\u00e4mpfer\u201c, die ihre Mandate in der Regel allein bearbeiteten. Die Partner begriffen ihre Kanzlei als eine Art losen Bund, in dem man sich zwar Miete und Beschaffungskosten f\u00fcr B\u00fcromaterial teilte, inhaltlich jedoch kaum zusammenarbeitete. Unterst\u00fctzung bekamen die Partner von den angestellten Anw\u00e4lten, wobei jeweils ein Associate einem Partner zugeteilt war. \u00dcber dieses \u201eTandem\u201c hinaus gab es kaum Teamwork in deutschen Kanzleien, au\u00dfer bei Unternehmenstransaktionen, bei denen je nach Lage des Falles Experten aus den anderen Bereichen, etwa Steuerrecht, Arbeitsrecht und vor allem Kartellrecht beigezogen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Partnerschaft als Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Auch in den 1980er Jahren war es f\u00fcr die angestellten Nachwuchsanw\u00e4lte eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass sie auf die Partnerschaft hin arbeiteten. Als etwa Manfred Finken 1977 bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht eintrat, war sein klares Ziel, eines Tages Partner zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alle Partner fanden an einem Tisch Platz<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Entscheidungsfindung in den deutschen Freshfields-Vorg\u00e4ngersoziet\u00e4ten verlief in den 1980er Jahren kaum anders als Absprachen zwischen Julius Scharlach und seinen Partnern w\u00e4hrend des Kaiserreichs. Denn obwohl die Praxen ab den 1970er Jahren schnell wuchsen, passten noch immer alle Partner an einen gro\u00dfen runden Tisch, an dem \u00fcber alle anstehenden Fragen diskutiert wurde \u2013 angefangen von neuen Mandaten und m\u00f6glichen Konflikten \u00fcber die Finanzen und neue einzustellende Anw\u00e4lte bis hin zur Farbe der Teppiche im Konferenzzimmer und der Frage, ob dem Fahrer ein neuer Dienstanzug zustand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Partnerversammlungen bis tief in die Nacht<\/strong><\/p>\n<p>Mit anderen Worten: In den Partnerversammlungen wurde alles gemeinsam entschieden, meist dauerten die Sitzungen bis tief in die Nacht. Zust\u00e4ndig waren die Partner auch f\u00fcr die Urlaubsregelungen der Mitarbeiter, und so baten die Angestellten aus der Buchhaltung und vom Empfang 1984 die Partner bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht in Reimform und im \u00dcbrigen mit Erfolg um mehr Urlaubstage: \u201eWir m\u00f6chten nicht unversch\u00e4mt sein, und notfalls kann es auch so bleiben, doch viele Kollegen hier am Rhein genie\u00dfen inzwischen 6 Wochen Urlaubstreiben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Englisch immer wichtiger<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl bis in die 1980er Jahre hinein vieles in deutschen Kanzleien noch so ablief wie schon seit Jahrzehnten, begann sich der Arbeitsalltag deutscher Rechtsanw\u00e4lte langsam zu \u00e4ndern. Zum einen wurde Englisch immer wichtiger. Die j\u00fcngeren Anw\u00e4lte sprachen es dank Auslandsaufenthalten in der Regel perfekt und waren ihren \u00e4lteren Kollegen oft eine Hilfe. Ludwig Leyendecker wurde in den 1980er Jahren als junger Associate bei Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund von \u00e4lteren Partnern des \u00d6fteren gebeten, ihren auf Englisch verfassten Dokumenten sprachlich den letzten Schliff zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Telefaxe auf Endlospapier<\/strong><\/p>\n<p>Zum anderen vereinfachte sich der B\u00fcroalltag dank neuer Ger\u00e4te wie Laser-Kopierer und elektrischer Schreibmaschinen. Ab Ende der 1980er Jahre stellten deutsche Kanzleien zunehmend auf elektronische Textverarbeitung um, und auch Mahn- und Vollstreckungssachen sowie Adressen wurden nun immer \u00f6fter per PC verwaltet. Parallel dazu \u00e4nderte sich die Kommunikation. Ende der 1970er Jahre setzte sich das Telex durch, Textnachrichten, die per Fernschreiber auf Endlospapier \u00fcbertragen wurden. Zwar konnte man so auch lange Texte schnell \u00fcbermitteln, doch die Handhabung im Alltag war umst\u00e4ndlich. Denn die Vertragsentw\u00fcrfe, die per Telex beispielsweise bei Westrick &amp; Eckholdt eintrafen, waren lange Papierrollen, oft mit f\u00fcnf und mehr Metern, die dann zerschnitten und auf DIN A4-Format kopiert werden mussten, damit man damit \u00fcberhaupt arbeiten konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Aufregung, wenn ein Fax kam<\/strong><\/p>\n<p>In den 1980er Jahren wurde das Telex durch das Fax abgel\u00f6st. Anfangs hatten jedoch viele\u00a0Unternehmen noch kein Faxger\u00e4t, und so war, erinnert sich Heinz Josef Willemsen, \u201enach dem Motto: jetzt kommt hier was ganz Eiliges!\u201c die Aufregung stets gro\u00df, wenn bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht ein Fax eintraf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Topmandate f\u00fcr Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht in D\u00fcsseldorf<\/strong><\/p>\n<p>In den wirtschaftlich unruhigen Zeiten, die ab Anfang der 1970er Jahre in der Bundesrepublik anbrachen, standen die Rechtsanw\u00e4lte von Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht Unternehmen immer wieder bei schweren Entscheidungen zur Seite oder zogen im Hintergrund die F\u00e4den bei wichtigen Transaktionen. Anfang der 1970er Jahre betreute Max Kreifels f\u00fcr Krupp die spektakul\u00e4re Beteiligung von Schah Mohammed Reza Pahlavi an der Friedr. Krupp H\u00fcttenwerke AG. Der Essener Stahlkonzern hatte magere Jahre hinter sich und schuldete Ende der 1960er Jahre bei einer Bilanzsumme von 5,3 Milliarden D-Mark den \u00a0Banken 2,5 Milliarden D-Mark. Gleichzeitig erlebte der Iran eine Art Wirtschaftswunder, und die persische Wirtschaft wuchs allein 1973 um satte 20 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Als der Schah sich an Krupp beteiligte<\/strong><\/p>\n<p>Erste Gespr\u00e4che \u00fcber eine m\u00f6gliche Beteiligung des Iran an Krupp fanden im Mai 1973 statt, als der Krupp-Aufsichtsvorsitzende Berthold Beitz zusammen mit dem bundesdeutschen Wissenschaftsminister Klaus von Dohnanyi in Teheran zu Besuch war. Rasch nahm das Gesch\u00e4ft Formen an. Dabei empfing der Schah Max Kreifels mehrmals als Gast in Teheran. Am 18. Juli 1974 wurde auf einer Pressekonferenz in der Villa H\u00fcgel in Essen bekanntgegeben, dass sich der Iran mit 25,04 Prozent an der Fried. Krupp H\u00fcttenwerke AG beteiligen werde und damit Anspruch auf einen Sitz im Krupp-Aufsichtsrat hatte \u2013 nicht nur f\u00fcr die Zeit eine \u201eSensation\u201c. Selbst der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt gratulierte; es sei, so meinte er trocken, \u201edas erste Mal, dass ich davon geh\u00f6rt habe, dass die \u00d6lgelder sinnvoll angelegt werden\u201c. Zwei Jahre sp\u00e4ter stieg der Iran mit ebenfalls 25,04 Prozent bei der Fried. Krupp GmbH ein. Insgesamt sp\u00fclte die persische Beteiligung 1,4 Milliarden D-Mark in die klammen Essener Kassen und befreite Krupp damit aus seiner \u201eFinanzmisere\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anwalt Kreifels als graue Eminenz der Industrie<\/strong><\/p>\n<p>Neben diesem Mandat vertrat Max Kreifels in den 1970er Jahren weitere prestigetr\u00e4chtige Klienten. So erreichte er als einer von vier Testamentsvollstreckern des 1967 mit seiner Privatmaschine verungl\u00fcckten Harald Quandt einen Interessenausgleich im Hause Quandt. Die Quandts galten seinerzeit als zweitreichste deutsche Industriellenfamilie nach den Flicks, und allein ihr 40-prozentiger Anteil an BMW wurde mit 150 Millionen D-Mark bewertet. Nun waren jedoch Harald Quandts Witwe Inge und sein Bruder Herbert hoffnungslos zerstritten. Max Kreifels verhandelte \u201emehrere Wochen, zehn bis zw\u00f6lf Stunden pro Tag\u201c mit Herbert Quandt und erreichte schlie\u00dflich im Sommer 1976, dass das Familienverm\u00f6gen geteilt wurde. Au\u00dferdem beriet Kreifels den Tchibo-Konzern und das Energieunternehmen VEBA und war 1976 zusammen mit seinem Partner Otfried Lieberknecht an der Fusion von Neckermann und Karstadt beteiligt. Sp\u00e4testens jetzt galt Kreifels als \u201egraue Eminenz der Industrie\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben seiner umfangreichen Beratungst\u00e4tigkeit trat er auch forensisch in Erscheinung, so bei dem im Anschluss an den ersten gro\u00dfen Nachkriegskonzern f\u00fcr den damals gr\u00f6\u00dften konzernfreien Stahlh\u00e4ndler Schliecker gef\u00fchrten Schadensersatzprozess gegen die Thyssen-Gruppe und mehrere Gro\u00dfbanken. Als er am 2. Februar 1981 mit nur 54 Jahren bei einem Autounfall starb, war das ein schwerer Schlag f\u00fcr die D\u00fcsseldorfer Kanzlei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><strong>\u201eBrandeilig\u201c: Max Kreifels und Otfried Lieberknecht begleiten die Fusion von Neckermann und Karstadt<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Um die \u201egro\u00dfen und schweren Probleme bei uns zu l\u00f6sen\u201c, wandte sich Josef Neckermann (1912\u20131992) Mitte der 1970er Jahre an seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Max Kreifels. Denn der Neckermann-Konzern steckte in einer schweren Krise. Einst war Josef Neckermann \u00fcber Jahrzehnte hinweg stets auf Erfolgskurs gewesen. Nachdem er in der NS-Diktatur das j\u00fcdische Textilherstellungs- und -versandunternehmen von Karl Amson Joel durch so genannte \u201eArisierung\u201c \u00fcbernommen hatte, stieg er nach 1945 zu einem der f\u00fchrenden Unternehmer der Bundesrepublik auf. Beim Neckermann-Versand konnten die Westdeutschen \u201evom Taschentuch bis zum Moped\u201c alles bestellen. Bereits 1956 wurden 2,5 Millionen Exemplare des Neckermann-Katalogs an deutsche Haushalte verschickt. In den 1960er Jahren bot Neckermann mit dem Slogan \u201eNeckermann macht\u02bcs m\u00f6glich\u201c sogar Pauschalreisen an. Doch angesichts von \u00d6l- und Wirtschaftskrise brachen die Zahlen bei Neckermann in den 1970er Jahren ein, gleichzeitig wurden Otto und Quelle eine immer st\u00e4rkere Konkurrenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656783\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields1Max-Kreifels.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656783\" class=\"size-medium wp-image-656783\" alt=\"Max Kreifels\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields1Max-Kreifels-227x300.jpg\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields1Max-Kreifels-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields1Max-Kreifels.jpg 231w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656783\" class=\"wp-caption-text\">Max Kreifels<\/p><\/div>\n<p>Max Kreifels fand rasch eine L\u00f6sung: Er schlug Josef Neckermann einen Anschluss an Karstadt vor. Denn der Warenhauskonzern boomte auch in Zeiten der Rezession. Das 1881 von Rudolph Karstadt in Wismar er\u00f6ffnete \u201eTuch-, Manufactur- und Confectionsgesch\u00e4ft Karstadt\u201c war bis Mitte der 1970er Jahre zu einem Kaufhausimperium mit 173 Verkaufsh\u00e4usern und \u00fcber 68.000 Besch\u00e4ftigten herangewachsen. 1975 erzielte die Karstadt-Gruppe einen Jahresumsatz von 7,7 Milliarden D-Mark. Doch Josef Neckermann z\u00f6gerte zun\u00e4chst, und so bedurfte es \u201elanger und schwieriger Gespr\u00e4che, um ihn zu \u00fcberzeugen\u201c, wie Max Kreifels sp\u00e4ter berichtete. Ab Februar 1976 fanden streng geheime Verhandlungen zwischen Josef Neckermann und Karstadt-Chef Walter Deuss \u00fcber einen Zusammenschluss statt. Im Juli 1976 war es so weit: Josef Neckermann gab bekannt, dass Karstadt mit 35 Millionen D-Mark als neuer Gro\u00dfaktion\u00e4r bei \u00a0Neckermann einsteigen werde. Damit sollte die Warenhausgruppe ein Viertel des Neckermann-Stammkapitals halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ringen mit dem Bundeskartellamt f\u00fcr Neckermann<\/strong><\/p>\n<p>Bei der rechtlichen Umsetzung der Fusion k\u00fcmmerte sich Kreifels um die gesellschaftsrechtliche Seite, w\u00e4hrend Lieberknecht die kartellrechtlichen Fragen \u00fcbernahm, die sich als besonders schwierig erwiesen. Das Bundeskartellamt meldete Bedenken an: Schlie\u00dflich entstand mit dem Zusammenschluss von Neckermann und Karstadt das gr\u00f6\u00dfte Handelsunternehmen der Bundesrepublik mit einem j\u00e4hrlichen Umsatz von elf Milliarden D-Mark \u2013 rund ein Viertel des gesamten Kaufhaus- und Versandhandels in Westdeutschland. W\u00e4hrenddessen spitzte sich die Lage bei Neckermann zu, im November 1976 stand der Versandhandel kurz vor der Pleite.<\/p>\n<p>Es war \u201ebrandeilig\u201c, wie sich Otfried Lieberknecht erinnert. \u201eTag und Nacht\u201c rang er mit dem Bundeskartellamt und brachte neue Unterlagen bei, um Kartellamtspr\u00e4sident Wolfgang Kartte und die zust\u00e4ndige Beschlussabteilung doch noch zu \u00fcberzeugen. Angesichts der dramatischen Situation bei Neckermann lie\u00dfen diese sich tats\u00e4chlich umstimmen. \u201eWir konnten\u201c, so sagte er sp\u00e4ter, \u201enicht anders entscheiden\u201c. Am 19. November 1976 gab das Bundeskartellamt gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Fusion. Morgens um vier erhielt Josef Neckermann per Telefon die Nachricht, dass sein Unternehmen gerettet war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Familie Neckermann war das Drama jedoch nicht ausgestanden. Das Gesch\u00e4ftsjahr 1976 war das bis dahin schlechteste in der Firmengeschichte. Der Umsatz brach um 7,7 Prozent ein, gleichzeitig stiegen die Schulden bei den Banken auf 410 Millionen D-Mark. Auf Druck der Commerzbank, ihrer Hausbank, schieden Josef Neckermann und sein Sohn Peter Ende 1976 komplett aus dem Neckermann-Konzern aus und verloren dabei mit 29 von 34 Millionen D-Mark gro\u00dfe Teile ihres Nominalverm\u00f6gens. Am 1. Juni 1977 fand die letzte Aktion\u00e4rsversammlung der Neckermann Versand KGaA statt; anschlie\u00dfend wurde das Unternehmen in eine reine Aktiengesellschaft mit Karstadt als Haupteigent\u00fcmer umgewandelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab Anfang der 1980er Jahre betreute Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht zunehmend auch japanische Unternehmen, die Tochtergesellschaften in Deutschland gr\u00fcndeten. Axel Epe, seit 1981 Partner, erkl\u00e4rte seinen asiatischen Klienten die komplette rechtliche Basis in Deutschland, bis hin zu den deutschen Mutterschutzregelungen.<\/p>\n<p>Neben der starken Expansion der Kanzlei auf ihren traditionellen Rechtsgebieten entwickelte und pr\u00e4gte Otfried Lieberknecht ihr kartellrechtliches Profil durch zahlreiche Mandate und die erfolgreiche F\u00fchrung einer Reihe von Grundsatzprozessen. Dabei ging es vor allem um den zentralen\u00a0Wettbewerbsbegriff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Texaco\/Zerssen gegen das Bundeskartellamt<\/strong><\/p>\n<p>Mehrere von Lieberknecht bis zum BGH gef\u00fchrte Verfahren f\u00fchrten zu einer Pr\u00e4zisierung und damit Einschr\u00e4nkung der kartellrechtlichen Befugnisse. Eine insbesondere auf dem Tankstellenmarkt nachwirkende Anfechtung einer Entscheidung durch das Bundeskartellamt gelang Lieberknecht in den 1980er Jahren im Fall Texaco\/Zerssen. Die Deutsche Texaco AG betrieb in der Bundesrepublik ein weitverzweigtes Tankstellennetz. 1980 wollte sie bei Zerssen einsteigen, einem Rendsburger Transport- und Logistikunternehmen. Also entstand die Zerssen Mineral\u00f6lhandel GmbH, an der Texaco mit 45 Prozent und Zerssen mit 55 Prozent beteiligt war. Das Bundeskartellamt untersagte dies im Oktober 1980 mit der Begr\u00fcndung, die gro\u00dfen Mineral\u00f6lkonzerne beherrschten den Markt in Deutschland gemeinsam, weil zwischen ihnen kein wesentlicher Wettbewerb bestehe. Das Kammergericht lie\u00df sich davon \u00fcberzeugen, dass trotz der scheinbaren Wettbewerbslosigkeit tats\u00e4chlich wesentlicher Wettbewerb bestehe; der BGH best\u00e4tigte dieses Urteil. Dadurch wurde das Bundeskartellamt bis vor wenigen Jahren daran gehindert, preisregulierend in den Tankstellenmarkt einzugreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bucerius gegen das Bundeskartellamt<\/strong><\/p>\n<p>Nicht ganz so erfolgreich war Lieberknecht indes in Sachen Die Zeit. Der Verleger Gerd Bucerius schloss mit der von Otfried Lieberknecht beratenen Bertelsmann AG einen Vertrag, wonach bei seinem Tod seine Anteile an der Wochenzeitung Die Zeit an Bertelsmann fallen sollten. Die Bertelsmann AG war seit Mitte der 1970er Jahre mehrheitlich am Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr beteiligt, das unter anderem den Stern herausgibt. Daher untersagte das Bundeskartellamt Anfang 1981 die von Bucerius getroffenen Vorkehrungen. Lieberknecht gelang es zwar zun\u00e4chst, dass die\u00a0Untersagungsverf\u00fcgung vom Kammergericht aufgehoben wurde, doch 1987 entschied der Bundesgerichtshof unter Verweis auf eine wirksamen \u00a0Wettbewerb ausschlie\u00dfende marktbeherrschende Stellung des Spiegel gegen ihn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr Anw\u00e4lte&#8230;&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>Insbesondere die seit den 1970er Jahren stark zunehmenden Bu\u00dfgeldverfahren sowohl im deutschen wie im EG-Recht, in denen die Soziet\u00e4t fast ausnahmslos f\u00fcr einzelne oder federf\u00fchrend f\u00fcr alle beteiligten Unternehmen t\u00e4tig war, f\u00fchrten zu einer starken Erh\u00f6hung der Zahl der Mitarbeiter. Viele von ihnen wurden zum Partner: zun\u00e4chst Cornelis Canenbley, dann Karlheinz Moosecker, Monika Lorenz-Wolf, Andrea Lensing-Kramer, Ulf Doepner, Gerhard Wiedemann, Burkhard Richter, Martin Klusmann, Michael Esser und Wolfgang Kirchhoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;&#8230;und 45mal so hohe Honorare<\/strong><\/p>\n<p>Dank der Topmandate von Max Kreifels, Otfried Lieberknecht und ihren Kollegen stiegen die Ums\u00e4tze der D\u00fcsseldorfer Soziet\u00e4t deutlich, zwischen 1964 und 1990 um das 45-fache. Dabei galt immer der Grundsatz, \u201edass kein Partner die Ums\u00e4tze des anderen kannte\u201c, wie sich Otfried Lieberknecht erinnert. Schlie\u00dflich waren in den verschiedenen Arbeitsgebieten der Kanzlei ganz unterschiedliche Honorare \u00fcblich, und so konnten, indem man nicht \u00fcber die Ums\u00e4tze sprach, \u201einterne Spannungen vermieden und die Loyalit\u00e4t untereinander gefestigt\u201c werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachwuchsanw\u00e4lte als freie Mitarbeiter mit Privatmandaten<\/strong><\/p>\n<p>Das System basierte auf dem gegenseitigen Vertrauen, dass jeder Partner im Rahmen des in seinem Arbeitsgebiet M\u00f6glichen sein Bestes gab. Anwaltliche Mitarbeiter wurden bei Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht nicht wie in anderen Kanzleien angestellt, sondern waren freie Mitarbeiter. Um ihre Versicherungen und ihren Dienstwagen mussten sich die Nachwuchsanw\u00e4lte selbst k\u00fcmmern; daf\u00fcr hatten sie bis zur Aufnahme in die Partnerschaft die M\u00f6glichkeit,\u00a0sogenannte Privatmandate zu f\u00fchren \u2013 eine \u201egute \u00dcbung\u201c, wie Heinz Josef Willemsen heute meint, \u201ef\u00fcr das anwaltliche Dasein\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Internationalisierung: die erste deutsche Kanzlei mit Br\u00fcsseler B\u00fcro<\/strong><\/p>\n<p>Ende der 1980er Jahre wagte Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht einen ersten Schritt in die Internationalisierung: 1988 er\u00f6ffnete die Kanzlei ein B\u00fcro in Br\u00fcssel und war damit eine der ersten deutschen Soziet\u00e4ten mit einer Repr\u00e4sentanz im Ausland. Ende der 1980er Jahre hatten neben Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht nur sieben der 20 gr\u00f6\u00dften deutschen Wirtschaftskanzleien eine Auslandsvertretung. Die Entscheidung f\u00fcr Br\u00fcssel war angesichts der zunehmenden kartellrechtlichen T\u00e4tigkeiten mit Europa-Bezug gefallen.<\/p>\n<p>Generell gewann Europa im Laufe der 1980er Jahre eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung. So trat am 1. Juli 1987 die Einheitliche Europ\u00e4ische Akte (EEA) in Kraft, mit der sich die inzwischen zw\u00f6lf EG-Mitgliedsstaaten das Ziel setzten, bis 1992 einen gemeinsamen europ\u00e4ischen Binnenmarkt zu schaffen. Angesichts der fortschreitenden europ\u00e4ischen Integration setzte sich vor allem Cornelis Canenbley f\u00fcr die Er\u00f6ffnung einer Dependance ein und ging als Erster als residierender Partner nach Br\u00fcssel. Anfangs pendelten die Anw\u00e4lte im Rahmen einer Rotationsl\u00f6sung abwechselnd zwischen D\u00fcsseldorf und Br\u00fcssel. Erst ab 1990 war das B\u00fcro dauerhaft besetzt, so dass die anh\u00e4ngigen Fusionskontroll- und \u00a0Bu\u00dfgeldverfahren auch von Br\u00fcssel aus betreut werden konnten, etwa bei der Beratung von Varta und dem Kontrollverfahren bei der \u00dcbernahme der VDO Adolf Schindling AG durch Mannesmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beistand in Zeiten des Umbruchs: Stegemann Sieveking Lutteroth und Steeger Tiefenbacher Heibey in Hamburg<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht wurden auch die Anw\u00e4lte von Stegemann Sieveking Lutteroth und Steeger Tiefenbacher Heibey in den 1970er und 1980er Jahren immer wieder bei einschneidenden Ver\u00e4nderungen in deutschen Unternehmen zu Rate gezogen. Bei Stegemann Sieveking Lutteroth konzentrierten sich vor allem Christian Wilde, Michael Lichtenauer und Hans Jochen Waitz auf das Unternehmensrecht.<\/p>\n<p>Im Laufe der 1980er Jahre wurden die Beratung bei Unternehmensk\u00e4ufen sowie bei B\u00f6rseneinf\u00fchrungen und die Umwandlung von Firmen zu einem Schwerpunkt der Kanzlei. 1983 begleitete beispielsweise Michael Lichtenauer die Neustrukturierung von Schr\u00f6der M\u00fcnchmeyer Hengst (SMH) und die \u00dcbernahme durch Lloyds. Das in Hamburg ans\u00e4ssige Bankhaus war in den 1960er Jahren durch die Fusion der Offenbacher Privatbank Hengst mit den Hamburger H\u00e4usern Schr\u00f6der und M\u00fcnchmeyer entstanden und galt bald schon als f\u00fchrendes Wertpapierinstitut in Deutschland.<\/p>\n<p>Wegen geplatzter Kredite des Baumaschinenkonzerns IBH in H\u00f6he von fast einer Milliarde D-Mark stand die von Ferdinand Graf von Galen geleitete Privatbank 1983 allerdings kurz vor dem Aus. Nachdem deutsche Banken Schr\u00f6der\u00a0M\u00fcnchmeyer Hengst mit 780 Millionen D-Mark stabilisiert hatten, \u00fcbernahm die englische Gro\u00dfbank Lloyds unter anderem den Hamburger Teil von SMH und das Wertpapiergesch\u00e4ft. Diesen aufreibenden \u00dcbergangsprozess betreute Michael Lichtenauer, ebenso wie Ende der 1990er Jahre den Verkauf von\u00a0Schr\u00f6der M\u00fcnchmeyer Hengst an die Schweizer UBS.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Herstatt-Bankenpleite<\/strong><\/p>\n<p>Eine Bankenpleite besch\u00e4ftigte Anfang der 1980er Jahre auch Lichtenauers Partner Christian Wilde. 1982\/83 vertrat er Hans Gerling wegen Schadensersatzanspr\u00fcchen nach der Insolvenz der Herstatt-Bank. Die von Iwan David Herstatt gef\u00fchrte Bank hatte sich Anfang der 1970er Jahre angesichts schwankender Wechselkurse seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems auf hochriskante Devisentermingesch\u00e4fte eingelassen. 1974 verzeichnete die Herstatt-Bank Verluste von \u00fcber 700 Millionen D-Mark, fast das Zehnfache des haftenden Kapitals in H\u00f6he von 77 Millionen D-Mark. Am 26. Juni 1974 wurde das v\u00f6llig \u00a0\u00fcberschuldete Bankhaus geschlossen \u2013 \u201eder folgenschwerste Zusammenbruch einer Bank\u201c in der Geschichte der Bundesrepublik. 52.000 Bankkunden waren betroffen, auch die Stadt K\u00f6ln f\u00fcrchtete um ihre Einlagen in H\u00f6he von 190 Millionen D-Mark.<\/p>\n<p>Die Herstatt-Bank war eng mit dem Versicherungsunternehmen Gerling verbunden: Die Gerling-Gruppe hielt 85 Prozent des Kapitals, und Hans Gerling war Aufsichtsratsvorsitzender bei Herstatt. Am 17. Dezember 1974 einigte sich Hans Gerling per Vergleich mit den Herstatt-Gl\u00e4ubigern und verkaufte, um einer Durchgriffshaftung auf sein Verm\u00f6gen vorzubeugen, 51 Prozent seines Konzerns. Die juristische Aufarbeitung der Herstatt-Pleite zog sich bis Anfang der 1980er Jahre hin. Mit der Abwicklung der Haftungsprozesse in Sachen Herstatt bestand Christian Wilde seine \u201eFeuerprobe\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein \u201eStarberater\u201c: Christian Wilde (1939\u20132004)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_656787\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields6Dr-Wilde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656787\" class=\"size-medium wp-image-656787\" alt=\"Wilde\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields6Dr-Wilde-203x300.jpg\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields6Dr-Wilde-203x300.jpg 203w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields6Dr-Wilde.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656787\" class=\"wp-caption-text\">Christian Wilde<\/p><\/div>\n<p>Es sei f\u00fcr ihn, so bekannte der Hamburger Anwalt Winfried Steeger einmal, das vierte Examen gewesen, als er nach seinen beiden Staatsexamen und der Verteidigung der Doktorarbeit zum ersten Mal Christian Wilde getroffen habe, um die sp\u00e4tere Fusion ihrer Kanzleien zu besprechen. In der Tat gilt der Wirtschaftsanwalt in Kollegenkreisen bis heute als \u201eanwaltliche Ausnahmepers\u00f6nlichkeit, bei der sich unternehmerische Weitsicht, analytische Sch\u00e4rfe und Pr\u00e4zisionsdrang\u201c vereinigten. Dabei war Christian Wildes Weg in eine Rechtsanwaltspraxis alles andere als klar vorzeichnet, denn eigentlich hatte er ganz andere berufliche Pl\u00e4ne gehabt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgewachsen war Christian Wilde in G\u00f6ttingen. Weil sein Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen war, \u00fcbernahm er als Halbwaise in wirtschaftlich unsicheren Zeiten schon fr\u00fch Verantwortung f\u00fcr die Familie. Urspr\u00fcnglich wollte er Physiker werden, nach dem Abitur schrieb er sich jedoch in G\u00f6ttingen f\u00fcr \u00a0Rechtswissenschaften ein. Sp\u00e4ter studierte Wilde auch in Lausanne und machte 1967 seinen Master of Laws an der University of California in Berkeley. Als einer von wenigen Juristen schaffte er in beiden Staatsexamen einen mit \u201esehr gut\u201c bewerteten Abschluss. Eigentlich wollte er als Vorstandsassistent bei der Deutschen Bank anfangen, doch sein Bekannter Michael Lichtenauer \u00fcberzeugte ihn 1971 davon, zu Stegemann Sieveking Lutteroth zu kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die B\u00f6rseng\u00e4nge Jil Sander oder Puma<\/strong><\/p>\n<p>Bei Stegemann Sieveking Lutteroth wurde Christian Wilde nach nur elf Monaten Partner. Ende der 1970er Jahre stieg er zum \u201eStarberater\u201c und \u201eTakeover-Spezialist\u201c auf und beriet zahlreiche familien- und inhabergef\u00fchrte Unternehmen bei Umstrukturierungen, der Aufnahme von Investoren oder dem Gang an die B\u00f6rse, darunter Jil Sander und Puma. Bei diesen sowie sieben weiteren Firmen sa\u00df Wilde im Aufsichtsrat. Er selbst beschrieb seine Arbeit einmal so: Ein guter Wirtschaftsanwalt habe \u201ezwei Seelen in der Brust\u201c. \u201eAls Jurist ist er gr\u00fcndlich und risikobewu\u00dft. Als Berater mu\u00df er Kompromisse durchsetzen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Fusion mit Freshfields<\/strong><\/p>\n<p>Neben seiner T\u00e4tigkeit als Anwalt war Christian Wilde Mitglied des Pr\u00e4sidiums des \u00dcbersee-Clubs in Hamburg und geh\u00f6rte der Gr\u00fcndungskommission der Bucerius Law School an, der ersten privaten Hochschule f\u00fcr Rechtswissenschaften in Deutschland. In den 1990er Jahren f\u00fchrte er Stegemann Sieveking Lutteroth zun\u00e4chst in die Fusion mit Westrick &amp; Eckholdt sowie Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht und wenig sp\u00e4ter mit der Wiener Kanzlei Heller L\u00f6ber Bahn. Zu Beginn des neuen Jahrtausends stellte Wilde auf deutscher Seite die Weichen f\u00fcr den Zusammenschluss mit Freshfields. Nach der Fusion wurde er zusammen mit\u00a0dem Briten Anthony Salz erster Seniorpartner der neuen globalen Soziet\u00e4t.<\/p>\n<p>Am 9. Mai 2004 starb Christian Wilde mit nur 64 Jahren viel zu fr\u00fch an einem Gehirntumor. Auch ein Jahrzehnt nach seinem Tod erinnern sich seine Kollegen voller Hochachtung und Respekt an ihn. Er war, so schildert ihn Klaus-Stefan Hohenstatt, \u201eeine sehr starke Autorit\u00e4t\u201c, gleichzeitig \u201ejemand, der nie seine Stimme erhob, der nie laut wurde, selbst wenn Diskussionen noch so schwierig wurden\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit der Gerling-Vertretung war Christian Wilde einer der gefragtesten deutschen Wirtschaftsanw\u00e4lte. In den 1980er Jahren wandten sich zahlreiche Unternehmer an ihn, darunter der Hamburger Kaffeeh\u00e4ndler Michael R. Neumann. 1988\/89 lie\u00df er sich bei der \u00dcbernahme der Bernhard Rothfos AG und der Gr\u00fcndung der Neumann Kaffee Gruppe (NKG) von Christian Wilde beraten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Puma-Aktie beim Becker-Fieber<\/strong><\/p>\n<p>Daneben begleitete Wilde in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre zwei aufsehenerregende B\u00f6rseng\u00e4nge: Puma und Jil Sander. Die Puma KG wurde seit 1974 von Armin und Gerd Dassler gef\u00fchrt, den S\u00f6hnen von Firmengr\u00fcnder Rudolf Dassler. Mitte der 1980er Jahre wandten sie sich an Christian Wilde und lie\u00dfen sich von ihm bei der Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft beraten. Am 25. Juli 1986 wurde die Puma-Aktie mit einem Ausgabekurs von 310 D-Mark an den B\u00f6rsen in M\u00fcnchen und Frankfurt gehandelt \u2013 und profitierte anfangs kr\u00e4ftig vom \u201eBecker-Fieber\u201c, in das die ganze Bundesrepublik nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Boris Becker Anfang Juli 1985 gefallen war. Schlie\u00dflich warb der junge Tennisstar f\u00fcr Puma, die Puma-Aktie wurde zum Spitzentitel der B\u00f6rse und stieg auf fast 1.500 D-Mark.<\/p>\n<p>Bald schon st\u00fcrzte das Papier jedoch wieder ab. Denn der Herzogenauracher Sportartikelherstellers stand vor massiven Problemen. Vor allem in den Vereinigten Staaten lief es f\u00fcr Puma nicht gut, und so mussten die Br\u00fcder Dassler 1987 einen Verlust von 32,5 Millionen D-Mark verbuchen. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt der B\u00f6rsengang daher heute als \u201eDesaster\u201c. Tats\u00e4chlich verhandelte Christian Wilde zwei Jahre nach der Umwandlung von Puma in eine Aktiengesellschaft mit dem englischen Konzern BTR und anderen Interessenten \u00fcber den Kauf der Puma-Aktien von Armin und Gerd Dassler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Expansion von Jil Sander<\/strong><\/p>\n<p>Drei Jahre nach dem Puma-B\u00f6rsengang brachte Christian Wilde das Unternehmen von Jil Sander an die B\u00f6rse. Die Modedesignerin hatte 1969 in Hamburg-P\u00f6seldorf ihre erste Boutique er\u00f6ffnet, ab 1973 brachte sie eigene Kollektionen auf den Markt und machte sich mit ihren puristischen Schnitten bald schon einen Namen. Im Sommer 1989 wurde mit Christian Wildes Hilfe aus der Jil Sander GmbH eine AG. Eine 50-D-Mark-Aktie wurde mit 1.180 D-Mark notiert. Anders als bei Puma erwies sich der B\u00f6rsengang f\u00fcr Jil Sander als \u00f6konomisch kluge Entscheidung: So lag der Umsatz 1990, im ersten vollen Jahr als AG, bei 116,7 Millionen D-Mark, und dank der Erfolge an der B\u00f6rse konnte das Unternehmen rasch expandieren. In den 1990er Jahren entstanden Filialen in den Modemetropolen Paris und Mailand sowie in Asien. Bei der Expansion stand Christian Wilde Jil Sander erneut beiseite, und auch als die Designerin 1999 ihr Unternehmen f\u00fcr rund 300 Millionen D-Mark an den Mail\u00e4nder Modehersteller Prada verkaufte, vertraute sie auf Wilde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Neue-Heimat-Skandal<\/strong><\/p>\n<p>Neben Unternehmen beriet Stegemann Sieveking Lutteroth nach wie vor die Freie und Hansestadt Hamburg, in den 1980er Jahren unter anderem bei der \u00dcbernahme des Wohnungsbestands der Neuen Heimat. Im Februar 1982 hatte ein gro\u00dfer Skandal die Neue Heimat, einen gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzern mit Sitz in Hamburg, bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Der Spiegel berichtete \u00fcber die \u201edunklen Gesch\u00e4fte\u201c des Vorstandsvorsitzenden Albert Vietor, und bald schon stellte sich heraus, dass die Neue Heimat mit ihren fast 6.000 Besch\u00e4ftigten und mehr als 100 Gesellschaften im In- und Ausland hoch verschuldet war. Allein in Hamburg besa\u00df der Wohnungsbaukonzern 41.600 Wohnungen, die zwar einen Buchwert von zwei Milliarden D-Mark hatten, aber mit Schulden in H\u00f6he von 1,9 Milliarden D-Mark belastet waren. Wie in Bremen und Berlin stand auch in Hamburg bald fest, dass das Bundesland die Wohnungen \u00fcbernehmen sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also wandte sich die Stadt Hamburg an Stegemann Sieveking Lutteroth. Allerdings zogen sich die Verhandlungen \u00fcber den Ankauf der Wohnungen wegen zweimaliger B\u00fcrgerschaftswahlen und diverser Senatsumbildungen bis zum Winter 1988 hin. Am 30. Dezember 1988 wurde schlie\u00dflich der Kaufvertrag unterzeichnet. Damit \u00fcbernahmen zwei von der Stadt Hamburg gegr\u00fcndete Wohnungsgesellschaften, die Gemeinn\u00fctzige Wohnungsgesellschaft (GWG) und die Wohnungsverwaltungsgesellschaft (WVN) f\u00fcr 175 Millionen D-Mark s\u00e4mtliche Hamburger Wohnungen der Neuen Heimat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Philips und der Supermampfer<\/strong><\/p>\n<p>Namhafte Klienten vertrat auch die zweite Hamburger Freshfields-Vorg\u00e4ngerkanzlei. Bei Steeger Tiefenbacher Heibey gewann Winfried Steeger in den 1980er Jahren unter anderem die international agierende Gro\u00dfbank Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) als neuen Mandanten. Au\u00dferdem beriet er mehrfach Philips. Sein erstes gro\u00dfes Mandat f\u00fcr den niederl\u00e4ndischen Elektronikkonzern \u00fcbernahm Steeger Anfang der 1980er Jahre. Philips hatte das Konsolenspiel \u201eSupermampfer\u201c auf den Markt gebracht, das allerdings dem 1981 in den USA von Midway lizensierten Spiel Pac-Man \u00e4hnelte. Pac-Man, eine gelbe kreisrunde Spielfigur, die in einem Labyrinth Punkte frisst und vor Gespenstern flieht, war bald schon weltweit bei Kindern und Jugendlichen der Renner \u2013 und wurde vielfach nachgeahmt. Mit einer ganzen \u201eBatterie von Anw\u00e4lten\u201c ging Midway gegen Philips vor, erinnert sich Winfried Steeger, allerdings dank Steeger Tiefenbacher Heibey ohne Erfolg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Grundig-\u00dcbernahme<\/strong><\/p>\n<p>Steegers Verteidigung in Sachen Supermampfer hatte auf Philips offenbar gro\u00dfen Eindruck gemacht, und so wandte sich der niederl\u00e4ndische Konzern erneut an den Hamburger Anwalt, als man sich anschickte, Grundig zu \u00fcbernehmen. Der 1930 von Max Grundig im fr\u00e4nkischen F\u00fcrth gegr\u00fcndete Unterhaltungselektronikhersteller war in den 1980er Jahren in eine schwere Krise geraten. Zwar erzielte Grundig 1982 einen Rekordumsatz von \u00fcber drei Milliarden D-Mark, war aber angesichts der boomenden japanischen Konkurrenz unter starkem Druck. Bereits seit 1979 war Philips mit 24,5 Prozent an Grundig beteiligt. 1984 erh\u00f6hte Philips seine Beteiligung und \u00fcbernahm die Grundig-Leitung \u2013 beraten von Winfried Steeger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eEine unglaublich dynamische Truppe\u201c: Westrick und Eckholdt in Frankfurt<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die beiden Hamburger Soziet\u00e4ten Unternehmen vor allem in Umbruchzeiten berieten, konzentrierte sich Westrick &amp; Eckholdt weiterhin auf Bank- und Finanzrecht. In den 1970er und 1980er Jahren erweiterte die Frankfurter Soziet\u00e4t ihren Mandantenstamm in diesem Bereich systematisch. Neben nordamerikanischen Kreditinstituten beriet sie nun unter anderem die Australia and New Zealand Bank und die schwedische Skandinaviska Enskilda Banken (SEB). Au\u00dferdem unterst\u00fctzte Westrick &amp; Eckholdt franz\u00f6sische und spanische Kreditinstitute bei der Gr\u00fcndung von Niederlassungen in Deutschland, so die Banco Santander, eine der gr\u00f6\u00dften spanischen Privat- und Gesch\u00e4ftsbanken. Vor allem aber wandten sich nun japanische Banken an Westrick &amp; Eckholdt, darunter Sumitomo, Nikko und die Industriebank von Japan. Seit den 1970er Jahren gr\u00fcndeten sie Niederlassungen in Deutschland und wurden dabei von Westrick &amp; Eckholdt unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben Finanz- und Bankrecht entwickelte sich in der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre das Anleihengesch\u00e4ft zu einem Schwerpunkt der Soziet\u00e4t. Federf\u00fchrend beim Aufbau des Anleihenbereichs bei Westrick &amp; Eckholdt waren Gerhard Hess, Andreas K\u00f6nig und Christian Bunsen. Zusammen mit jungen Rechtsanw\u00e4lten wie Klaus-Albert Bauer, Dirk Schmalenbach, Hans-Michael Giesen, Konstantin Mettenheimer, Peter Chrocziel und Andreas Fabritius, die gegen Ende des Jahrzehnts bei Westrick &amp; Eckholdt einstiegen, bildeten sie eine \u201eunglaublich dynamische Truppe\u201c, erinnert sich Andreas Fabritius.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zuvor hatte die Bundesbank \u00fcber Jahre hinweg den Markt f\u00fcr D- Mark-Auslandsanleihen gegen den internationalen Finanzmarkt abgeschirmt. So legte ein Gentlemen\u2019s Agreement mit deutschen Banken Ende der 1960er Jahre fest, dass bei der Emission von D-Mark-Auslandsanleihen ein deutsches Kreditinstitut die Federf\u00fchrung \u00fcbernehmen musste. Dies \u00e4nderte sich im Zuge der Liberalisierung des deutschen Kapitalmarkts Mitte der 1980er Jahre. Im April 1985 lie\u00df die Bundesbank erstmals auch Tochtergesellschaften ausl\u00e4ndischer Banken bei der Emission von D-Mark-Auslandsanleihen zu. Gleichzeitig \u00f6ffnete sich der deutsche Markt f\u00fcr eine ganze Reihe von neuen Anleiheformen wie variabel verzinste Anleihen und Zerobonds (Nullkuponanleihen), die sich international bereits etabliert hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der praktischen Umsetzung des Anleihengesch\u00e4fts waren Juristen gefragt. Zwar wurden Anleihen meist nach einem festen Schema abgewickelt, doch mussten\u00a0Finanzrechtsexperten wie Gerhard Hess und seine Kollegen stets einen pr\u00fcfenden Blick darauf werfen.\u00a0Beim Thema Anleihen hatte Westrick &amp; Eckholdt sich bald einen Namen gemacht und gewann weitere ausl\u00e4ndische Mandanten wie die japanischen Wertpapierh\u00e4user Nomura, Daiwa und Saitama. Ende der 1980er Jahre waren rund 90 Prozent der Klienten von Westrick &amp; Eckholdt ausl\u00e4ndische Unternehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rechtliches Neuland: Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund in K\u00f6ln<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00c4hnlich wie Westrick &amp; Eckholdt bauten auch die Partner bei Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund in den 1970er und 1980er Jahren ihre Schwerpunkte weiter aus und konzentrierten sich auch auf europarechtliche Fragen. So versuchte Claus Tessin in den 1970er Jahren im Auftrag des deutschen Verbands der Weinbrenner, die Begriffe \u201eSekt\u201c und \u201eWeinbrand\u201c \u00e4hnlich wie den franz\u00f6sischen Champagner sch\u00fctzen zu lassen. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte man in Deutschland auch inl\u00e4ndische Erzeugnisse Champagner und Cognac genannt, doch mit dem Versailler Vertrag wurden deutschen Firmen diese Bezeichnungen verboten und stattdessen b\u00fcrgerten sich die Namen Sekt und Weinbrand ein. In einem Gutachten kam Tessin nun zu dem Ergebnis, dass beide Begriffe gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnten, wenn die Mehrheit der Verbraucher sie als Bezeichnungen f\u00fcr deutsche Produkte ans\u00e4he.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sekt und Weinbrand<\/strong><\/p>\n<p>Auf einem Fest in Bonn entstand die Idee, eine entsprechende Umfrage zu veranstalten, und so entwarfen Arved Deringer, ein Jurist aus dem Bundesjustizministerium und die Gr\u00fcnderin des Instituts f\u00fcr Demoskopie, Elisabeth Noelle-Neumann, noch auf der Feier die entsprechenden Fragen. Tats\u00e4chlich waren sp\u00e4ter rund drei Viertel der Befragten der Meinung, Sekt und Weinbrand bezeichneten deutsche Produkte. 1971 wurden beide Begriffe im deutschen Weingesetz und in der Schaumwein-Branntwein-Verordnung aus deutschen Trauben in Deutschland hergestellten Produkten vorbehalten.<\/p>\n<p>Dagegen klagte jedoch die Europ\u00e4ische Kommission, und im Februar 1975 erkl\u00e4rte der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) in seiner Sekt-Weinbrand-Entscheidung, dass sich schutzw\u00fcrdige Ursprungsbezeichnungen und Herkunftsangaben auf Erzeugnisse beziehen m\u00fcssen, die ihre Eigenschaften und Merkmale einem bestimmten geographischen Ursprung verdanken. Deutscher Sekt und deutscher Weinbrand waren in diesem Sinne nicht schutzw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben Claus Tessin vertrat auch sein Partner Jochim Sedemund mehrmals die deutsche Rechtsauffassung vor dem h\u00f6chsten Europ\u00e4ischen Gericht, unter anderem im Verfahren zum deutschen Reinheitsgebot f\u00fcr Bier. 1984 klagte die EG-Kommission beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof in Stra\u00dfburg gegen die Bundesrepublik Deutschland. Ihr Standpunkt: Die engen deutschen Vorschriften diskriminieren die Biere anderer EG-L\u00e4nder und machen deren Einfuhr praktisch unm\u00f6glich. Damit versto\u00dfe das deutsche Biersteuergesetz gegen Paragraf 30 der R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge, in dem sich die Unterzeichnerstaaten 1957 auf einen ungehinderten Warenaustausch verpflichtet hatten.<\/p>\n<p>Obwohl der Europ\u00e4ische Gerichtshof am 12. M\u00e4rz 1987 das deutsche Bier-Reinheitsgebot f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rte, blieb die von vielen bef\u00fcrchtete Schwemme \u201eunreinen\u201c Bieres aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Cassis-de-Dijon-Urteil<\/strong><\/p>\n<p>Noch fr\u00fcher wird Jochim Sedemund im Cassis de Dijon-Verfahren t\u00e4tig: Die Handelsgruppe Rewe Zentral-Lager wollte aus Dijon stammenden Cassis verkaufen, was ihr jedoch die Bundesmonopolverwaltung f\u00fcr Branntwein untersagte. Schlie\u00dflich entsprach der franz\u00f6sische Johannisbeerlik\u00f6r mit einem Alkoholgehalt von unter 20 Prozent nicht der deutschen Branntweinverordnung. 1979 befasste sich der Europ\u00e4ische Gerichtshof mit dem Fall und kam zu dem Schluss, dass die entsprechende Bestimmung des deutschen Branntweinmonopolgesetzes mit der europ\u00e4ischen Warenverkehrsfreiheit unvereinbar war. Denn eine in einem EWG-Mitgliedsland hergestellte Ware durfte, so der Europ\u00e4ische Gerichtshof, in der ganzen Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft verkauft werden, auch wenn im Importland andere Anforderungen galten. Rewe durfte den Cassis also importieren. Das Cassis de Dijon-Urteil gilt bis heute als eine der ber\u00fchmtesten Entscheidungen und Meilenstein der Rechtsprechung des\u00a0Europ\u00e4ischen Gerichtshofs zur Warenverkehrsfreiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Bundesregierung geh\u00f6rten bekannte deutsche Unternehmen wie Siemens, Henkel, Thyssen und AEG zu den wichtigsten Klienten von Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund. Daneben wandten sich auch ausl\u00e4ndische Firmen an die Kanzlei, darunter der in New York ans\u00e4ssige Konzern Colgate-Palmolive, der Schweizer Lebensmittelhersteller Nestl\u00e9 und des Pharmakonzerns Hoffmann-LaRoche.<\/p>\n<p>Deringer vertrat den Schweizer Pharma-Riesen in einem, so nannte er es sp\u00e4ter selbst, \u201eVerfahren von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung f\u00fcr die Missbrauchsaufsicht \u00fcber marktbeherrschende Unternehmen\u201c. Denn Hoffmann-LaRoche vertraute sich dem K\u00f6lner Anwalt in einem jahrelangen Rechtsstreit mit dem Bundeskartellamt an. Dieses war der Meinung, Hoffmann-LaRoche nutze \u201emit seiner Preispolitik eine \u00fcberragende Markstellung in der Bundesrepublik missbr\u00e4uchlich\u201c aus. Konkret beanstandete das Bundeskartellamt die Preise f\u00fcr zwei Beruhigungsmittel des Schweizer Unternehmens und ordnete im Herbst 1974 an, dass Valium um 40 Prozent und Librium um 35 Prozent billiger werden sollten.<\/p>\n<p>Hoffmann-LaRoche klagte dagegen. Das Verfahren zog sich \u00fcber sieben Jahre hin, und besch\u00e4ftigte zweimal den Bundesgerichtshof. Deringer setzte sich\u00a0schlussendlich durch. Denn im Februar 1980 kam der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs zu dem Ergebnis, dass der Schweizer Pharmahersteller der vom Bundeskartellamt geforderten Preissenkung nicht folgen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656784\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields3Arved-Deringer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656784\" class=\"size-medium wp-image-656784\" alt=\"Arved Deringer\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields3Arved-Deringer-224x300.jpg\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields3Arved-Deringer-224x300.jpg 224w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/freshfields3Arved-Deringer.jpg 414w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656784\" class=\"wp-caption-text\">Arved Deringer<\/p><\/div>\n<p>In den 1980er Jahren betraten die Partner von Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund zudem immer wieder rechtliches Neuland, insbesondere im Rundfunkrecht. Denn Arved Deringer trug dazu bei, dass auch private Rundfunkanbieter in Deutschland zugelassen wurden. Das Land Niedersachen hatte mit seinem Landesrundfunkgesetz erstmals eine gesetzliche Grundlage f\u00fcr den Privatrundfunk geschaffen; im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens wurde das Bundesverfassungsgericht angerufen.<\/p>\n<p>Deringer vertrat den Bundesverband Kabel und Satellit, einen Vorg\u00e4nger des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, und \u00e4u\u00dferte sich in der m\u00fcndlichen Verhandlung am 3. Juni 1986 vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses erkl\u00e4rte am 4. November 1986 in seinem vierten Rundfunkurteil das nieders\u00e4chsische Landesrundfunkgesetz f\u00fcr verfassungsgem\u00e4\u00df \u2013 und Deringer fing dank seiner Expertise eine zweite Karriere als \u00a0Medienanwalt an und vertrat in der Folgezeit unter anderem Bertelsmann und RTL.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich befassten sich die K\u00f6lner Anw\u00e4lte mit der in den 1980er Jahren noch umstrittenen Frage, ob auf \u00f6ffentlich-rechtliche Unternehmen das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschr\u00e4nkungen oder das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb anzuwenden war. Hier vertrat Hansj\u00fcrgen Herrmann 1988 die privaten Krankenkassen mit Erfolg bis zum Bundesgerichtshof. Dank dieser hochkar\u00e4tigen Mandate z\u00e4hlte Deringer Tessin Herrmann &amp; Sedemund Ende der 1980er Jahre zu den erfolgreichsten deutschen Wirtschaftskanzleien. Doch\u00a0ebenso wie bei Westrick &amp; Eckholdt in Frankfurt, Bruckhaus Kreifels Winkhaus &amp; Lieberknecht in D\u00fcsseldorf sowie Stegemann Sieveking Lutteroth und Steeger Tiefenbacher Heibey in Hamburg erkannte man in K\u00f6ln bald schon, dass dies in Zeiten der Globalisierung nicht genug war. In den 1990er Jahren sahen sich deutsche Soziet\u00e4ten im In- und Ausland nach Partnern um<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr Infos zur Historie von Freshfields:<\/strong> \u00a0<strong><a title=\"Freshfields Historie\" href=\"http:\/\/ssl.freshfields.com\/175de\/index.html\" target=\"_blank\">http:\/\/ssl.freshfields.com\/175de\/index.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv im Management-Blog: Kanzlei Freshfields hat Jubil\u00e4um und legt ein Buch \u00fcber seine Historie vor:\u00a0&#8222;175 Jahre Freshfields Bruckhaus Deringer in Deutschland\u00a0&#8211;\u00a0Eine Soziet\u00e4tsgeschichte im Wandel von Wirtschaft, Recht und Politik&#8220; (C.H. 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