{"id":656665,"date":"2015-05-27T00:31:37","date_gmt":"2015-05-26T22:31:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656665"},"modified":"2015-05-27T00:31:37","modified_gmt":"2015-05-26T22:31:37","slug":"marketing-loriot-lesung-der-gluckliche-schlagt-keine-hunde-buchauszug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/27\/marketing-loriot-lesung-der-gluckliche-schlagt-keine-hunde-buchauszug\/","title":{"rendered":"Marketing: Loriot-Lesung &#8211; &#8222;Der Gl\u00fcckliche schl\u00e4gt keine Hunde&#8220; (Buchauszug)"},"content":{"rendered":"<p>M\u00f6pse sind angesagt, Loriot ist angesagt, das hat sich wohl der D\u00fcsseldorfer Porzellanh\u00e4ndler Franzen &#8211; heute nennt sich der Familienbetrieb auf der K\u00f6nigsallee Lifestyle Concept Store &#8211;\u00a0gesagt und dem Marketing zuliebe einen Event mit Seltenheitswert organisiert. Zumindest zumindest zwischen edlem Geschirr: Eine Autoren-Lesung von Stefan Lukschy, dem ersten Regieassistent und langj\u00e4hrigem Freund von Loriot aus dessen Buch mit dem Titel\u00a0<b>\u201eDer Gl\u00fcckliche schl\u00e4gt keine Hunde\u201c. <\/b><\/p>\n<p><b>Unten der Buchauszug des Kapitels &#8222;Hunde&#8220;.<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><strong><a title=\"Franzen, Shop,\" href=\"http:\/\/www.franzen.de\/shopnews.php?news_id=14\" target=\"_blank\">http:\/\/www.franzen.de\/shopnews.php?news_id=14<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Loriot.Cover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-656745\" alt=\"Loriot.Cover\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Loriot.Cover_.jpg\" width=\"202\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Loriot.Cover_.jpg 202w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Loriot.Cover_-175x300.jpg 175w\" sizes=\"auto, (max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Der Gl\u00fcckliche schl\u00e4gt keine Hunde &#8211; Ein Loriot-Portrait&#8220;, Stefan Lukschy,\u00a0Aufbau Verlag, 240 Seiten, 19,99 Euro<\/strong><\/p>\n<p><strong><a title=\"Der Gl\u00fcckliche schl\u00e4gt keine Hunde, Loriot Potrait, Stefan Lukschy, Aufbau Verlag\" href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/profile\/news\/read\/id\/1781\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/profile\/news\/read\/id\/1781\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Buchauszug &#8211; Kapitel &#8222;Hunde<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8222;Morgenhund hat Gold im Mund&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbHunde sind sprichw\u00f6rtlich \u2013 zum Beispiel: Ein Hund w\u00e4scht den anderen \u2026 oder: Morgenhund hat Gold im Mund \u2026 oder: Der Gl\u00fcckliche schl\u00e4gt keine Hunde \u2026 oder aber: Ich sei, gew\u00e4hrt mir die Bitte, bei euren Hunden der Dritte.\u00ab (\u00bbLoriots Kommentare\u00ab)<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Neben einigen anderen Sketchen avancierte auch der obligatorische Zeichentrickfilm in \u00bbLoriot 4\u00ab zu einem Klassiker: \u00bbBello, der sprechende Hund\u00ab. Loriots Kunst, dem Hund eine Stimme zu geben, habe ich weiter oben schon behandelt. Dass er sich so gut in Hunde einf\u00fchlen konnte, war das Ergebnis langj\u00e4hriger professioneller und privater Studien, beginnend mit seinem Fr\u00fchwerk \u00bbAuf den Hund gekommen\u00ab, verspielt erfinderisch weitergef\u00fchrt mit \u00bbHundnase\u00ab und \u00bbSchwanzhund \u00ab (in \u00bb\u00d6dipussi\u00ab) und gipfelnd in seinem ber\u00fchmtesten Ausspruch, ein Leben ohne Mops sei m\u00f6glich, aber sinnlos.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<div id=\"attachment_656670\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/loriot-buch.Stefank-Lukschy.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656670\" class=\"size-full wp-image-656670\" alt=\"Autor Stefank Lutschky\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/loriot-buch.Stefank-Lukschy.jpg\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/loriot-buch.Stefank-Lukschy.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/loriot-buch.Stefank-Lukschy-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/loriot-buch.Stefank-Lukschy-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656670\" class=\"wp-caption-text\">Autor Stefank Lutschky<\/p><\/div>\n<p>Die tiefen Einblicke, die er in das Wesen unser vierbeinigen Freunde gewonnen hatte, f\u00fchrten zwischenzeitlich sogar dazu, dass Loriot in der Maske eines Zeichentrickhundes zum Schlagerstar wurde. Wums Gesang \u00bbIch w\u00fcnsch\u2019 mir \u2019ne kleine Miezekatze \u00ab brachte seinem Autor und S\u00e4nger, wie schon erw\u00e4hnt, eine Goldene Schallplatte ein und der \u00bbAktion Sorgenkind\u00ab viel Geld. Meines Wissens hat der Opernfreund Loriot als Mensch nie gesungen, diesen Traum konnte er nur als Hund ausleben.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Hat der Hund gewollt, dass man \u00fcber ihn lacht?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der Verleger Gerd Haffmans, Loriots langj\u00e4hriger Lektor, antwortete auf die Frage im FAZ-Fragebogen, wer oder was er h\u00e4tte sein m\u00f6gen: \u00bbMops bei B\u00fclows.\u00ab Loriot antwortete auf dieselbe Frage: \u00bbMime, mein Mops\u00ab \u2013 das sagt alles. Und auf die Frage einer Interviewerin, ob man sich \u00fcber Hunde lustig machen d\u00fcrfe, antwortete Loriot 2008, die W\u00fcrde der Tiere achtend, dass man das nicht generell beantworten k\u00f6nne. Man m\u00fcsse sich immer fragen, ob der Hund absichtlich oder unfreiwillig komisch sei: \u00bbDas hei\u00dft, hat der Hund gewollt, dass man \u00fcber ihn lacht?\u00ab<\/p>\n<p>.<\/p>\n<div id=\"attachment_656641\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.vorn_.-Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656641\" class=\"size-medium wp-image-656641\" alt=\"M\u00f6pse von Johann Joachim Kandler, Meissen\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.vorn_.-Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-300x198.jpg\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.vorn_.-Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.vorn_.-Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-452x300.jpg 452w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.vorn_.-Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656641\" class=\"wp-caption-text\">M\u00f6pse von Johann Joachim Kandler, Meissen<\/p><\/div>\n<p>.<\/p>\n<p>Die ersten beiden M\u00f6pse, die ich im Hause B\u00fclow kennen lernte, waren zwei \u00e4ltere englische Herren namens Henry und Gilbert. Der Bobtail Olaf war mir sympathisch, aber doch ein bisschen zu gro\u00df. Als kleiner Junge war ich von einem Sch\u00e4ferhund gebissen worden und hatte seitdem eine gewisse Scheu vor gro\u00dfen Hunden. Und doch r\u00fchrte mich die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der B\u00fclows ihre Hunde als vollwertige Familienmitglieder ansahen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Da wir bis zur Scheidung meiner Eltern auch Hunde hatten, waren die Tiere f\u00fcr mich ein Sinnbild f\u00fcr die heile Familie. F\u00fcr Loriot waren sie mehr. Ich glaube, er hat in seinem Leben nie ohne Hund gelebt. Selbst als junger Soldat in Russland hatte er zeitweilig einen Hund \u2013 auch der Ungl\u00fcckliche schlug keine Hunde \u2026<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich war gestern&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben mit Hunden diktierte gro\u00dfe Teile des Tagesablaufs der Familie. \u00bbSeit Jahrzehnten bestimmen die Verdauungsrhythmen dreier Hunde das gesellschaftliche Leben der Familie. Sie zwingen uns, nach kulturell genutzter Freizeit hastig heimzukehren, n\u00f6tigen zum Aufenthalt im Freien, n\u00e4chtlich bei ung\u00fcnstiger Witterung.\u00ab Genau so war es. Die Frage \u00bbGehst du noch mit den Hunden?\u00ab f\u00fchrte allabendlich zu kleinen ehelichen Diskussionen (\u00bbIch war gestern.\u00ab \u2013 \u00bbDaf\u00fcr gehe ich morgen. \u00ab \u2013 \u00bbMorgen wollte ich eigentlich gehen \u2026\u00ab), die sich sehr anregend auf die in den Sketchen gezeigten Gespr\u00e4che zwischen Mann und Frau auswirkten. \u00dcbrigens ebenso wie die Frage, wer von den beiden am n\u00e4chsten Morgen welches der drei Autos nehmen d\u00fcrfe \u2013 alle vorzugsweise mit dem Kennzeichen \u00bbT\u00d6L\uf6baPL\u00ab. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass B\u00fclows extra miteinander uneins waren, um Loriot zu inspirieren.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Mit den M\u00f6psen fremdelte ich zun\u00e4chst. Sie schienen mir h\u00e4sslich, ihr R\u00f6cheln klang unsch\u00f6n, und ihre eingedr\u00fcckten kurzen Nasen st\u00f6rten mich. Erst nach und nach lernte ich die Vorz\u00fcge dieser erstaunlichen Tiere kennen. Sie erwiesen sich als \u00e4u\u00dferst intelligent und durchsetzungsf\u00e4hig. So gelang es schon der ersten Generation B\u00fclow\u2019scher M\u00f6pse, ihr Herrchen dahingehend zu erziehen, dass er sie allabendlich mit kleinen K\u00f6stlichkeiten vom Tisch versorgte.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Der Mops ist dem Menschen \u00fcberlegen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr diesen gelungenen Dressurakt bedankte sich Loriot sp\u00e4ter im Vorwort zu seinem Buch \u00bbM\u00f6pse &amp; Menschen\u00ab: \u00bbBei geeigneter Fortbildung und sinnvoller T\u00e4tigkeit erweist sich der Mops ohnehin dem Menschen \u00fcberlegen. Beispielweise ist er in der Lage, auf einem festlich gedeckten Tisch herumzulaufen, ohne etwas umzusto\u00dfen. Auch vermag er ein halbes Pfund entwendeter Markenbutter auf einen Sitz zu verzehren, ohne Schaden an seiner Gesundheit zu nehmen.\u00ab<\/p>\n<p>.<\/p>\n<div id=\"attachment_656642\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.hinten.Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-R\u00fcckseite.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656642\" class=\"size-medium wp-image-656642\" alt=\"M\u00f6pse von Johann Joachim Kandler, Meissen\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.hinten.Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-R\u00fcckseite-300x198.jpg\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.hinten.Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-R\u00fcckseite-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.hinten.Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-R\u00fcckseite-452x300.jpg 452w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/M\u00f6pse.hinten.Modell-Johann-Joachim-Kaendler-Meissen-17411747-R\u00fcckseite.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656642\" class=\"wp-caption-text\">M\u00f6pse von Johann Joachim Kandler, Meissen<\/p><\/div>\n<p>.<\/p>\n<p>M\u00f6pse haben immer Hunger. Selten habe ich mehr Erregung bei einem Lebewesen gesehen als bei einem Mops kurz vor der F\u00fctterung. B\u00fclows fr\u00fchere Haush\u00e4lterin fasste diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Eigenschaft der M\u00f6pse in dem bemerkenswerten bayerischen Satz zusammen: \u00bbGeh, Mime, du bist scho a rechter Hungerk\u00fcnstler \u2026\u00ab<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Mopsnamen aus Wagner-Opern<\/strong><\/p>\n<p>Mime war einer der beiden M\u00f6pse der zweiten Generation. Nachdem Henry (1966\u20131981) und Gilbert (1967\u20131980) das Zeitliche gesegnet hatten, wurde nach angemessener Trauerzeit Ersatz angeschafft. Die Namenssuche f\u00fcr die zwei Mopswelpen gestaltete sich kompliziert. Englische Hundenamen waren nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df, und die Anschaffung der beiden Tiere fiel in die Wochen um die Bayreuther Festspiele. Schnell kam man \u00fcberein, dass die M\u00f6pse nach Figuren aus Wagner-Opern getauft werden sollten. Bei einer abendf\u00fcllenden, von gut gek\u00fchltem Wei\u00dfwein begleiteten Diskussion im sommerlichen Gartenpavillon wurden alle Wagner-Figuren durchgegangen. Als Favoriten der albernen Familienrunde kristallisierten sich zun\u00e4chst \u00bbPogner\u00ab und \u00bbKothner\u00ab heraus, zwei Meister aus den \u00bbMeistersingern von N\u00fcrnberg\u00ab, der reiche Goldschmied und Vater der jugendlichen Heldin Eva sowie der B\u00e4ckermeister, der durch seinen Satz \u00bbDer S\u00e4nger sitzt\u00ab f\u00fcr den sichersten Lacher in jeder \u00bbMeistersinger\u00ab-Auff\u00fchrung sorgt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die Namen erschienen uns passend f\u00fcr Hunde, die ihr Hinterteil so demonstrativ zur Schau stellen, wie M\u00f6pse dies gerne tun. Einzig die Tatsache, dass, wenn man einen der beiden rufen w\u00fcrde, immer beide erscheinen w\u00fcrden, lie\u00df den Pogner- Kothner-Plan scheitern.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wotans Wut<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurden es zwei Protagonisten aus dem \u00bbRing\u00ab. Die Entscheidung war auf \u00bbWotan\u00ab und \u00bbMime\u00ab gefallen, den G\u00f6ttervater und den Nibelungen-Zwerg und Bruder von Wotans Gegenspieler Alberich. War es Wotans Wut dar\u00fcber, dass ein so niederes Tier wie ein Mops seinen heiligen Namen tragen sollte \u2013 Mops Wotan bekam kurz nach seiner g\u00f6ttlich-germanischen Taufe ein so heftiges Augenleiden, dass er auf einem Auge zu erblinden drohte. Dazu muss man wissen, dass Wotan ein\u00e4ugig ist. Loriot verstand den Wink des Gottes. \u00bbWotan\u00ab wurde flugs in \u00bbWutz\u00ab umgetauft und gesundete postwendend. \u00bbWutz\u00ab und \u00bbMime\u00ab ist, wie allen Hunden im Hause B\u00fclow, ein langes Leben beschieden gewesen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Als meine T\u00f6chter klein waren, waren sie Hunden gegen\u00fcber sehr \u00e4ngstlich. Um ihnen die Scheu vor den Tieren abzugew\u00f6hnen, erwiesen sich Wutz und Mime als die perfekten Lehrmeister. M\u00f6glicherweise hatten die Kinder das Gef\u00fchl, ein Hund mit einer so kurzen Schnauze k\u00f6nne nicht zubei\u00dfen, jedenfalls nahm die Begegnung mit den B\u00fclow\u2019schen M\u00f6psen meinen T\u00f6chtern endg\u00fcltig jegliche Angst vor Hunden.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Paul und Emil<\/strong><\/p>\n<p>Die dritte Mops-Generation spiegelt wieder, dass inzwischen einfache deutsche Vornamen in Mode gekommen waren. Die M\u00f6pse wurden \u00bbPaul\u00ab und \u00bbEmil\u00ab getauft. Paul ist inzwischen von uns gegangen, Emil erfreut sich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Buches als \u00e4lterer Herr einer stabilen Gesundheit.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Als Loriot\u2019scher Mops genoss man gewisse Privilegien. Wenn B\u00fclows von M\u00fcnchen nach Berlin flogen, wurde Emil, der sie regelm\u00e4\u00dfig in die Hauptstadt begleitete, nicht auf die Goldwaage gelegt. Auch wenn er das H\u00f6chstgewicht eines kabinentauglichen Scho\u00dfhundes manchmal leicht \u00fcberschritt, durfte er doch in einer Tasche als Handgep\u00e4ck mitgenommen werden. Emil ist meines Wissens auch der einzige Hund, dem es je erlaubt war, das Cockpit eines Flugzeugs zu betreten. Als Loriot und seine Frau bei einem ihrer Fl\u00fcge vom Piloten nach vorn gebeten wurden, nahmen sie den Mops mit, ein auch f\u00fcr ihn vermutlich unvergessliches Erlebnis.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8222;<strong>Sollen Hunde fernsehen?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Am 26. Oktober 2007 gelang Emil dann der Sprung ins Fernsehen, obwohl die Frage \u00bbSollen Hunde fernsehen?\u00ab schon im Mai 1967 in Loriots zweiter \u00bbCartoon\u00ab-Sendung durchaus kritisch beantwortet wurde: \u00bbEs h\u00e4ufen sich die F\u00e4lle, in denen Hunde nach mehrst\u00fcndigem abendlichen Fernsehen schlecht einschlafen, schwer tr\u00e4umen oder tagelang stottern.\u00ab<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Es war einer der letzten Fernsehauftritte von Emils Herrchen in der Talkshow von Reinhold Beckmann. Den Nachmittag vor der Aufzeichnung verbrachten B\u00fclows in einem Hamburger Luxushotel, zu dem Hunde unverst\u00e4ndlicherweise keinen Zutritt hatten. Nun sind M\u00f6pse, wenn man Loriot glauben darf, keine Hunde im engeren Sinne, sondern Lebewesen h\u00f6herer Ordnung. Ob das Hotel das aber auch so sah? Was tun?<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wie man M\u00f6pse ins Hotel schmuggelt<\/strong><\/p>\n<p>Ich kam erst abends nach Hamburg, B\u00fclows wollten sich nach der anstrengenden Autofahrt von Berlin ausruhen und den Mops niemandem sonst anvertrauen. Das Hotel andererseits wollte seine prominenten Stammg\u00e4ste nicht vor den Kopf sto\u00dfen. Also nahm ein Angestellter des Hauses, w\u00e4hrend Frauchen und Herrchen durch die Lobby das Hotel betraten, Emil an die Leine und schmuggelte ihn mit Wissen der Direktion durch den r\u00fcckw\u00e4rtig gelegenen W\u00e4schetrakt ins Haus, ohne dass ein anderer Gast sich durch die Anwesenheit des Mopses h\u00e4tte gest\u00f6rt f\u00fchlen k\u00f6nnen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wurde Emil auf der Etage in Loriots Zimmer geleitet. Als es abends zur Sendung ins Studio ging, musste Emil die clandestine Prozedur ein weiteres Mal \u00fcber sich ergehen lassen, diesmal in umgekehrter Richtung.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Mops Oskar als Hauptdarsteller<\/strong><\/p>\n<p>Nach so vielen Jahren und so vielen Begegnungen mit M\u00f6psen lag es nahe, sie auch im Film mit gr\u00f6\u00dferen Aufgaben zu betrauen. 2000 bekam ich die Anfrage, aus dem DDR-Kinderbuch-Klassiker \u00bbDetektiv Pinky\u00ab einen Kinofilm zu machen. In dem Film \u00bbPinky und der Millionenmops\u00ab spielt der Mops eines Million\u00e4rs eine, ja die entscheidende Rolle. Der Mops wird vom Million\u00e4r zum Alleinerben seines Verm\u00f6gens bestimmt und kurze Zeit sp\u00e4ter entf\u00fchrt. Ich z\u00f6gerte keine Sekunde, nahm den Auftrag an und freute mich, endlich einmal einen Mops als Hauptdarsteller zu haben. Der trainierte Film-Mops hie\u00df Oscar und machte seine Sache sehr gut.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Frenetisch bejubelter Mops<\/strong>.<\/p>\n<p>Bei der Premiere des Films in Leipzig wurden das Team und die Hauptdarsteller auf die B\u00fchne gebeten, darunter auch der von den Zuschauern frenetisch bejubelte Mops. Was keiner wusste, gestand mir anschlie\u00dfend die Hundetrainerin: Oscar war leider verhindert, er drehte gerade einen anderen Film und konnte nicht zur Premiere kommen. Deshalb hatte man kurzerhand entschieden, einen anderen Mops auf die B\u00fchne zu bringen. Aufmerksame Zuschauer h\u00e4tten es merken k\u00f6nnen, denn es handelte sich um eine Mops-Dame. Der Zufall wollte es, dass die junge Dame die leibliche Schwester von Loriots Emil war. Als ich Emil sp\u00e4ter davon erz\u00e4hlte, grunzte er zufrieden und bettelte weiter nach etwas Essbarem.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Der Verleih des Films plante, als Werbeaktion f\u00fcr \u00bbPinky und der Millionenmops\u00ab eine Reihe von Mops-Karikaturen 133 f\u00fcr einen karitativen Zweck zu versteigern. Die Auktion kam leider nie zustande, aber Loriot hatte schon, mit preu\u00dfischer Disziplin, eine au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Mopszeichnung angefertigt, die nun an ihn zur\u00fcckging. Nachdem sie mehrere Jahre wohlverwahrt in einer Schublade geschlummert hatte, schenkte Loriot mir die Zeichnung 2007 zum Abschluss der Arbeit an unserer ersten DVD-Box.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>In Loriots Familie spielten aber nicht nur Hunde eine Rolle. Es gab in Ammerland fr\u00fcher sogar zwei Esel, und von seinen Eltern erz\u00e4hlte Vicco gern eine Geschichte um deren Kater \u00bbHerrn Schulze\u00ab. Ausgefallene Namen f\u00fcr Haustiere hatten offenbar bei B\u00fclows Tradition.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8222;&#8230;.dann bin ich mit Herrn Schulze ins Bett gegangen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Loriots Mutter hatte seinen Vater nach einer Dienstreise vom Bahnhof abgeholt und fuhr mit ihm in der vollbesetzten Stra\u00dfenbahn nachhause. Da der Vater etwas schwerh\u00f6rig war, hatte die Mutter die Angewohnheit, sehr laut mit ihm zu sprechen, so dass alle Fahrg\u00e4ste den Dialog mith\u00f6ren konnten. Der Vater fragte die Mutter: \u00bbSag mal, was hast\u2019n du gestern Abend noch so gemacht?\u00ab \u2013 \u00bbOch, ich hab erst noch ein bisschen gelesen und dann bin ich mit Herrn Schulze ins Bett gegangen.\u00ab<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/1.bp.blogspot.com\/-K3siC0kaOvo\/VV2ZrKIcVBI\/AAAAAAAATfg\/ifRlBJvSz2I\/s1600\/Claus%2BFranzen_Marietta%2BFranzen_Stefan%2BLukschy_Steffi%2BKluth-Franzen_Peter....jpg\" \/><\/p>\n<p>Claus Franzen (v.l.n.r.), Marietta Franzen, Stefan Lukschy (Mitte), Steffi Kluth-Franzen, Peter Franzen\u00a0\u00a0(Foto: Franzen)<\/p>\n<p><strong>Die andere D\u00fcsseldorfer M\u00f6pse-Aktion lief im Hetjens-Museum dank eines einzigen Facebook-Posts:\u00a0<a title=\"Hetjens-Museum, Facebook, PR-Aktion, M\u00f6pse, Meissen, D\u00fcsseldorf\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/19\/pr-aktion-uber-facebook-mopse-im-museum\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/19\/pr-aktion-uber-facebook-mopse-im-museum\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6pse sind angesagt, Loriot ist angesagt, das hat sich wohl der D\u00fcsseldorfer Porzellanh\u00e4ndler Franzen &#8211; heute nennt sich der Familienbetrieb auf der K\u00f6nigsallee Lifestyle Concept Store &#8211;\u00a0gesagt und dem Marketing zuliebe einen Event mit Seltenheitswert organisiert. Zumindest zumindest zwischen edlem &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/27\/marketing-loriot-lesung-der-gluckliche-schlagt-keine-hunde-buchauszug\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4608,4609,1890,4611,4606,2783,4610,4578,4613,4607,4612,4614],"class_list":["post-656665","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-aufbau-verlag","tag-autoren-lesung","tag-buchauszug","tag-claus-franzen","tag-franzen","tag-loriot","tag-marietta-franzen","tag-mopse","tag-peter-franzen","tag-stefan-lukschy","tag-steffi-kluth-franzen","tag-vicco-von-bulow"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656665","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=656665"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656665\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=656665"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=656665"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=656665"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}