{"id":656623,"date":"2015-05-13T18:35:44","date_gmt":"2015-05-13T16:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656623"},"modified":"2015-05-14T01:39:03","modified_gmt":"2015-05-13T23:39:03","slug":"wenn-frauen-forderprogramme-frauen-ausbremsen-gastbeitrag-von-marion-festing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/13\/wenn-frauen-forderprogramme-frauen-ausbremsen-gastbeitrag-von-marion-festing\/","title":{"rendered":"Wenn Frauen-F\u00f6rderprogramme Frauen ausbremsen &#8211; Gastbeitrag von Marion Festing"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gut gemeint \u2013 aber leider schlecht gemacht? Wie Talent-Management-Programme Frauen oft\u00a0ausbremsen &#8211; ungewollt. Gastbeitrag von Marion Festing, Rektorin des Berliner Campus der ESCP Europe und Professorin f\u00fcr\u00a0 Personalmanagement und interkulturelle F\u00fchrung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656624\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Festing.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656624\" class=\"size-full wp-image-656624\" alt=\"Marion Festing. Professorin \" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Festing.jpg\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Festing.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Festing-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/05\/Festing-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656624\" class=\"wp-caption-text\">Marion Festing. Professorin f\u00fcr Personalmanagement<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum dominieren M\u00e4nner die Unternehmenswelt noch immer so stark, dass eine Frauenquote zum letzten Mittel wird? Ausgerechnet Fehler im Talent-Management sind es, die daf\u00fcr entscheidend mitverantwortlich sind. Sie bremsen\u00a0Frauen oft systematisch aus. Den Verantwortlichen &#8211;\u00a0in der Regel M\u00e4nner &#8211; ist das oft auch nicht einmal\u00a0bewusst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der unbedingte Wille der Frauen, die Karriereleiter zu erklimmen<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen ist bekannt: Dax-30-Vorst\u00e4nde sind fast ausnahmslos Akademiker, h\u00e4ufig promoviert, kommen meist aus der Branche, sind \u00e4lter als 50 und in der Regel &#8211; M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Weil Frauen nicht wollen? Mitnichten, so\u00a0unterstreicht eine aktuelle McKinsey-Studie, dass die gro\u00dfe Mehrheit weiblicher Executives eine Karriere bis ins Top-Management anstrebt und daf\u00fcr auch durchaus bereit ist, auf Freizeit und Familienleben zu verzichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Wahrnehmung<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum\u00a0Wunsch und Realit\u00e4t so krass auseinanderfallen? Schon die H\u00fcrden, um auf eine\u00a0Top-Management-Position zu kommen, nehmen Frauen anders wahr als M\u00e4nner.\u00a0 Im Schnitt sch\u00e4tzen Frauen ihren Karriereweg laut McKinsey als deutlich schwieriger ein als M\u00e4nner. Kein Wunder also, dass M\u00e4nner zugleich den Wert von Diversity-Ma\u00dfnahmen geringer einsch\u00e4tzen &#8211; und als Manager im Zweifel gegen sie entscheiden.<\/p>\n<p>Anders ist es interessanterweise\u00a0in Unternehmen mit einer Kultur, deren Werte insgesamt st\u00e4rker von Vielfalt gepr\u00e4gt sind, unter Kriterien von Herkunft \u00fcber Alter und Geschlecht bis sexueller Orientierung: Wo Diversit\u00e4t gesch\u00e4tzt, gef\u00f6rdert und belohnt wird, sind Frauen auch deutlich zuversichtlicher,\u00a0ins Top-Management aufsteigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anspruch: Inklusion \u2013 Ergebnis: Diskriminierung<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch die Unternehmens- und F\u00fchrungskultur allein erkl\u00e4rt nicht die mangelnde Chancengleichheit. Es gibt viele Gr\u00fcnde und die f\u00fchren\u00a0in der Summe dazu, dass Frauen in deutschen F\u00fchrungspositionen\u00a0unterrepr\u00e4sentiert sind.<\/p>\n<p>Wie unbewusst und wie unbeabsichtigt geschlechtsspezifische Karriere-Verzerrungen entstehen, zeigt das Beispiel\u00a0Talent-Management-Programme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere ESCP-Europe-Studien zeigen, wie schnell selbst diejenigen Talent-Management-Programme Frauen diskriminieren, die eigentlich darauf zielen, die Chancengleichheit\u00a0zu erh\u00f6hen. Die Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Bereits beim Definieren von\u00a0Talenten treten\u00a0Verzerrungen auf, die M\u00e4nner bevorzugen: Ist\u00a0Talent so definiert, dass man seine Karriere nicht f\u00fcr Familienphasen unterbrechen darf, rund um die Uhr verf\u00fcgbar sein, jung und bestimmend im Auftreten sein muss, so entspricht dies\u00a0dem\u00a0g\u00e4ngigen m\u00e4nnlichen Stereotyp. Dieses Ph\u00e4nomen hei\u00dft denn auch\u00a0&#8222;Think Talent &#8211; Think Male&#8220;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>W\u00e4hlen M\u00e4nner\u00a0die\u00a0F\u00fchrungskr\u00e4fte aus, wie so oft,\u00a0ist die Gefahr gro\u00df, dass es\u00a0auf Basis sozialer \u00c4hnlichkeit geschieht. Unbewusst benachteiligen sie\u00a0 weibliche Talente dann oft bei gleicher Qualifikation.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Dasselbe gilt\u00a0f\u00fcr den\u00a0Zugang zu Talent-Management-Programmen: Entscheiden M\u00e4nner, wessen Karriere durch die Teilnahme daran gef\u00f6rdert wird, haben mehr M\u00e4nner als Frauen das Gl\u00fcck, als Talent identifiziert zu werden. Kein Wunder also, dass diese sp\u00e4ter beim\u00a0Besetzen von F\u00fchrungspositionen in der \u00dcberzahl sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Diskriminierungsgefahr besteht auch, wenn Karrierewege nur nach oben in der Hierarchie\u00a0ausgelegt sind und nur den\u00a0Aufstieg fokussieren. Dabei: Gerade in der Zeit der Familiengr\u00fcndung k\u00f6nnen auch horizontale Wechsel oder Phasen von Fachkarrieren f\u00fcr Frauen attraktiv sein und dennoch\u00a0zur beruflichen Weiterentwicklung beitragen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist daher: Wie verhindern Unternehmen, dass ihr Talent-Management Frauen de facto diskriminiert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frauenquoten k\u00f6nnen ein Schritt\u00a0sein. Aber noch effizienter ist,\u00a0die eigenen Talent-Management-Programme zu analysieren: Bremsen sie nicht genau diejenigen aus, die eigentlich gef\u00f6rdert werden sollen?<\/p>\n<p>Diese Risiken m\u00fcssen dabei unter die Lupe genommen werden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Zuerst ein Formales, aber relevantes Kriterium<\/strong>: Schon die hausinterne Definition des Talentbegriffs sollte ohne ausgepr\u00e4gt weibliche oder m\u00e4nnliche Attribute auskommen und dadurch einem \u201eThink talent \u2013 think male\u201c-Problem vorzubeugen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>M\u00e4nner bevorzugen M\u00e4nner:<\/strong> Die Gremien, die k\u00fcnftige F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Teilnehmer an Management-Programmen ausw\u00e4hlen, m\u00fcssen mit M\u00e4nnern und Frauen gleicherma\u00dfen\u00a0besetzt sein,\u00a0um\u00a0&#8211; unbewusstes &#8211; Vorziehen\u00a0wegen\u00a0sozialer \u00c4hnlichkeit auszuschlie\u00dfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Quoten f\u00fcr Talent-Management-Programme<\/strong>: In manchen Unternehmen hat sich eine Quote f\u00fcr Teilnehmerinnen an Talent-Management-Programmen bew\u00e4hrt: Finden sich\u00a0nicht genug Frauen, muss weitergesucht werden &#8211; andernfalls\u00a0kommen Manager\u00a0in Erkl\u00e4rungsnot.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Klare Auswahlkriterien benennen<\/strong>: Auswahlkriterien f\u00fcr Auswahl und F\u00f6rderung von Talenten m\u00fcssen klar und transparent definiert sein, um unn\u00f6tigen Interpretationsspielraum zu vermeiden, den man\u00a0geschlechtsspezifisch nutzen\u00a0kann. Doch Achtung: Damit die Belegschaft die\u00a0Ma\u00dfnahmen auch akzeptiert,\u00a0muss\u00a0dabei\u00a0die Unternehmenskultur ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unternehmen, die eine Kultur der Vielfalt f\u00f6rdern und ihr Talent-Management richtig aufstellen, verbessern ihre Chancen auf mehr Frauen in F\u00fchrungspositionen deutlich. Was nicht nur aus gesellschaftlichen Gr\u00fcnden wichtig ist.<\/p>\n<p>Wegen der\u00a0Demographie und dem harten Wettbewerb um Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte sind deutsche Unternehmen mehr denn je zuvor gefordert, die wirklich Besten zu identifizieren und diese dann zu f\u00f6rdern und zu halten. Das macht chancengerechtes Talent Management so wertvoll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf die Entscheider kommt es an<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt daf\u00fcr Vorreiter. Dies sind nach unserer Erkenntnis\u00a0Unternehmen, deren Top-Entscheider ein Bewusstsein entwickelt haben f\u00fcr die versteckten geschlechtsspezifischen Verzerrungen und Diskriminierungsfaktoren, die Frauen den Aufstieg in Spitzenpositionen bis heute auf allen Ebenen erschweren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Zu Marion <a href=\"http:\/\/www.escpeurope.eu\/de\/campus\/berlin\/lehrstuehle-escp-europe-campus-berlin\/personalmanagement-und-interkulturelle-fuehrung\/team-und-kontakt\/prof-dr-marion-festing\/\"><span style=\"color: #000000\">Festing<\/span><\/a>: <\/strong><a href=\"http:\/\/www.escpeurope.eu\/de\/campus\/berlin\/lehrstuehle-escp-europe-campus-berlin\/personalmanagement-und-interkulturelle-fuehrung\/team-und-kontakt\/prof-dr-marion-festing\/\"><span style=\"color: #000000\">http:\/\/www.escpeurope.eu\/de\/campus\/berlin\/lehrstuehle-escp-europe-campus-berlin\/personalmanagement-und-interkulturelle-fuehrung\/team-und-kontakt\/prof-dr-marion-festing\/<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>ESCP-Europe-<\/strong><a href=\"http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/\"><span style=\"color: #000000\">Studien<\/span><\/a>: <a href=\"http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/\"><span style=\"color: #000000\">http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/<\/span><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong><a href=\"http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/news-archive-2\/#post-27\"><span style=\"color: #000000\">Think Talent-Think Male<\/span><\/a>: <\/strong><\/span><a href=\"http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/news-archive-2\/#post-27\"><span style=\"color: #000000\">http:\/\/escpeurope-talentmanagementinstitut.de\/news-archive<\/span>-2\/#post-27<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut gemeint \u2013 aber leider schlecht gemacht? 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